Ratgeber · Investieren
Was kosten Growth-Aktien wirklich? Kosten, Bewertung und Strategie im Überblick
Die Kosten einer Growth-Aktie sind mehr als der reine Kaufpreis. Entscheidend sind Bewertung, Wachstumserwartung und deine langfristige Anlagestrategie.
9 Kapitel · 10 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- Growth-Aktien haben oft ein hohes Kurs-Gewinn-Verhältnis, weil Anleger künftige Gewinne vorwegnehmen.
- Neben dem Kaufpreis fallen bei Aktienkäufen Gebühren und Steuern auf Gewinne an.
- Eine Growth-Strategie setzt auf Umsatz- und Gewinnwachstum statt auf hohe Dividenden.
- Diversifikation schützt dein Portfolio vor den typischen Schwankungen von Wachstumsaktien.
01 · Grundlagen
Was sind Growth-Aktien?
Growth-Aktien sind Anteile an Unternehmen, deren Umsatz und Gewinn überdurchschnittlich stark wachsen. Sie stammen häufig aus zukunftsträchtigen Branchen und zahlen selten hohe Dividenden.
Growth-Aktien erkennst du vor allem an einem Umsatzwachstum, das deutlich über dem Marktdurchschnitt liegt. Viele dieser Unternehmen schütten keine oder nur sehr niedrige Dividenden aus, weil sie erwirtschaftete Gewinne direkt wieder in das eigene Geschäft investieren. Alphabet hat beispielsweise noch nie eine Dividende gezahlt, da das Unternehmen intern lukrativere Verwendungsmöglichkeiten für das Kapital sieht.
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ist bei Growth-Aktien in der Regel hoch. Das liegt an einem tendenziell höheren Aktienkurs bei gleichzeitig aktuell noch niedrigen Gewinnen. Investoren zahlen also einen Aufpreis für die Erwartung, dass die Gewinne in den kommenden Jahren stark steigen werden.
Ein Umsatzwachstum von mindestens 20 Prozent in den vergangenen drei Jahren gilt als typisches Merkmal einer Growth-Aktie. Zusätzlich solltest du auf einen erkennbaren Wettbewerbsvorteil und eine überdurchschnittliche Marktbewertung achten.
Kurz erklärt
Growth-Aktien
Aktien von Unternehmen mit überdurchschnittlichem Umsatz- und Gewinnwachstum, die Gewinne meist reinvestieren statt auszuschütten.
Hohes Wachstum, hohes KGV, niedrige Dividendenrendite
02 · Vergleich
Growth-Aktien im Vergleich zu Value-Aktien
Growth und Value sind die zwei wichtigsten Investmentstile am Aktienmarkt. Sie unterscheiden sich bei Bewertung, Dividende und Wachstumstempo deutlich.
Value-Aktien weisen meist ein niedriges KGV auf, weil ihre Gewinne bereits heute hoch und stabil sind. Ihre Geschäftsmodelle sind etabliert, die nötigen Investitionen in das Anlagevermögen fallen geringer aus. Deshalb schütten Value-Unternehmen einen größeren Teil ihrer Gewinne als Dividende aus.
Growth-Aktien haben dagegen aktuell oft niedrige Gewinne oder sogar Verluste, weil sie stark in ihr Wachstum investieren. Die Dividendenrendite ist entsprechend niedrig oder null. Dafür liegt das erwartete Gewinnwachstum deutlich über dem von Value-Unternehmen.
- Value-Aktien findest du häufig in klassischen Branchen wie Automobil, Finanzen oder Stahl.
- Growth-Aktien stammen oft aus Technologie, Biotechnologie oder Medizintechnik.
- Die Zuordnung ist nicht starr, Unternehmen können im Lauf der Zeit von Growth zu Value wechseln.
| Growth-Aktien | Value-Aktien | |
|---|---|---|
| Wachstum | hoch, über Marktdurchschnitt | niedrig bis mittel |
| Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) | hoch | niedrig |
| Dividendenrendite | niedrig oder null | hoch |
| Gewinne und Cashflow | aktuell oft niedrig, stark steigend | hoch und stabil |
| Typische Branchen | Technologie, Biotechnologie, Medizintechnik | Automobil, Finanzen, Stahl |
03 · Hintergrund
Welche Rolle spielt die Technologiebranche?
Viele bekannte Growth-Aktien kommen aus der Technologiebranche. Hohe Innovationskraft und neue Märkte sorgen dort für überdurchschnittliche Wachstumsraten.
Unternehmen wie Apple, Alphabet, Amazon, Meta oder SAP gelten als typische Growth-Aktien aus der Technologiebranche. Sie profitieren von digitalen Geschäftsmodellen, globaler Skalierbarkeit und wiederkehrenden Umsätzen. Auch Unternehmen außerhalb der Technologie wie Nestlé, Roche oder Walt Disney können der Growth-Kategorie zugeordnet werden.
Neben der Technologiebranche zählen auch Biotechnologie- und Medizintechnik-Unternehmen häufig zu den Wachstumswerten. Entscheidend ist nicht die Branche allein, sondern das erkennbare Wachstumspotenzial des jeweiligen Geschäftsmodells. Ein Unternehmen aus einer klassischen Branche kann ebenfalls eine Growth-Aktie sein, wenn es strukturell schneller wächst als der Markt.
Technologieaktien können in Boomphasen stark steigen, in Korrekturphasen aber auch überdurchschnittlich fallen. Deshalb ist eine breite Streuung über mehrere Branchen sinnvoll, wenn du Growth-Aktien in dein Portfolio aufnimmst.
Unternehmen wie Apple, Alphabet, Amazon, Meta oder SAP gelten als typische Growth-Aktien aus der Technologiebranche. Sie profitieren von digitalen Geschäftsmodellen, globaler Skalierbarkeit und wiederkehrenden Umsätzen.
Auch Biotechnologie- und Medizintechnik-Unternehmen zählen häufig zu den Wachstumswerten. Entscheidend ist nicht die Branche allein, sondern das erkennbare Wachstumspotenzial des jeweiligen Geschäftsmodells.
Technologieaktien können in Boomphasen stark steigen, in Korrekturphasen aber auch überdurchschnittlich fallen. Deshalb ist eine breite Streuung über mehrere Branchen sinnvoll.
04 · Checkliste
So bewertest du Growth-Aktien
Die Unternehmensbewertung bei Growth-Aktien stützt sich stärker auf erwartete Gewinne als auf aktuelle Kennzahlen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis und die PEG-Ratio sind zentrale Orientierungsgrößen.
Bei Growth-Aktien reicht ein Blick auf die aktuellen Gewinne nicht aus, weil diese oft noch niedrig sind. Du musst stattdessen einschätzen, wie sich Umsatz und Gewinn in den kommenden Jahren entwickeln könnten. Dafür bieten sich mehrere Kennzahlen an, die du im Zusammenspiel betrachten solltest.
Die PEG-Ratio setzt das KGV ins Verhältnis zum erwarteten Gewinnwachstum. Ein Wert unter 1 gilt als günstige Bewertung, bei jungen Unternehmen direkt nach dem Börsengang kann aber auch ein höherer Wert akzeptabel sein. Das Umsatzwachstum der vergangenen drei Jahre sollte mindestens 20 Prozent betragen.
- Das Kurs-Gewinn-Verhältnis setzt den Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn je Aktie.
- Die PEG-Ratio teilt das KGV durch das erwartete Gewinnwachstum.
- Das Umsatzwachstum zeigt, ob das Unternehmen in den vergangenen drei Jahren mindestens 20 Prozent zugelegt hat.
- Das erwartete Gewinnwachstum gibt an, wie stark der Gewinn je Aktie in den kommenden Jahren steigen soll.
- Die Marktkapitalisierung zeigt die Größe des Unternehmens und beeinflusst die Stabilität der Aktie.
Wichtige Kennzahlen für die Bewertung von Growth-Aktien
Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV): setzt den Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn je Aktie
PEG-Ratio: teilt das KGV durch das erwartete Gewinnwachstum, Werte unter 1 gelten als günstig
Umsatzwachstum: sollte in den vergangenen drei Jahren mindestens 20 Prozent betragen
Gewinnwachstum: erwartete Steigerung des Gewinns je Aktie in den kommenden Jahren
Marktkapitalisierung: zeigt die Größe des Unternehmens und beeinflusst die Stabilität der Aktie
05 · Schritt für Schritt
Wie funktioniert die Growth-Strategie?
Beim Growth Investing kaufst du Aktien von Unternehmen, deren Gewinne in Zukunft stark steigen sollen. Du zahlst heute einen höheren Preis in der Hoffnung auf überdurchschnittliche Kursgewinne.
Beim Growth Investing versuchst du, Branchen mit strukturellem Rückenwind zu identifizieren, bevor sie der breite Markt entdeckt. Du kaufst heute einen Anteil an einem Unternehmen in der Hoffnung, dass dessen Gewinne in Zukunft deutlich höher ausfallen. Der Preis, den du heute zahlst, liegt dabei oft über dem, was die aktuellen Gewinne rechtfertigen würden.
Die Strategie lässt sich so umschreiben: Du kaufst einen Dollar für den Preis von einem Dollar und hoffst, dass dieser in naher Zukunft zwei Dollar wert sein wird. Im Gegensatz dazu versucht der Value-Investor, einen Dollar für 50 Cent zu kaufen und darauf zu warten, dass der Preis wieder auf einen Dollar steigt.
Wachstumsmärkte identifizieren
Suche Branchen mit strukturellem Rückenwind, etwa Technologie, erneuerbare Energien oder Gesundheit.
Unternehmen mit Wettbewerbsvorteil auswählen
Achte auf starke Marken, Netzwerkeffekte, Patente oder hohe Wechselkosten für Kunden.
Kennzahlen prüfen
Analysiere Umsatzwachstum, Gewinnwachstum, KGV und PEG-Ratio im Vergleich zur Branche.
Position aufbauen und halten
Growth-Aktien brauchen Zeit, um ihr Potenzial zu entfalten. Kurzfristige Rücksetzer sind normal.
06 · Kosten
Welche Kosten entstehen beim Kauf von Growth-Aktien?
Neben dem Aktienkurs selbst fallen beim Handel Gebühren an. Auch Steuern auf Kursgewinne und Dividenden solltest du in deine Kalkulation einbeziehen.
Diese liegen je nach Depotanbieter typischerweise zwischen 0 und 15 Euro pro Trade. Bei einigen Anbietern ist der Kauf über einen Sparplan günstiger als eine Einzelorder.
Auf Kursgewinne und Dividenden zahlst du Abgeltungsteuer in Höhe von 25 Prozent. Hinzu kommt der Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent auf die Abgeltungsteuer. Gewinne bis zum Sparer-Pauschbetrag von 1000 Euro pro Person und Jahr bleiben steuerfrei, bei zusammenveranlagten Ehepaaren sind es 2000 Euro.
- Die Ordergebühr pro Trade liegt je nach Anbieter zwischen 0 und 15 Euro.
- Die Abgeltungsteuer auf Gewinne beträgt 25 Prozent.
- Der Solidaritätszuschlag liegt bei 5,5 Prozent auf die Abgeltungsteuer.
- Der Sparer-Pauschbetrag beträgt 1000 Euro pro Person und Jahr, bei Ehepaaren 2000 Euro.
07 · Was gilt
Warum ist Diversifikation bei Growth-Aktien wichtig?
Wachstumsaktien können stark schwanken. Eine breite Streuung über mehrere Unternehmen, Branchen und Regionen reduziert das Risiko einzelner Fehlentscheidungen.
Growth-Aktien können in kurzer Zeit stark an Wert gewinnen, aber ebenso schnell wieder fallen. Wenn du nur auf eine einzelne Aktie setzt, hängt dein gesamter Anlageerfolg von diesem einen Unternehmen ab. Eine breite Streuung über mehrere Unternehmen, Branchen und Regionen reduziert dieses Risiko deutlich.
Eine sinnvolle Kombination besteht darin, Growth-Aktien mit Value-Aktien oder breit gestreuten ETFs zu mischen. So profitierst du in Aufschwungphasen von den Wachstumswerten, während Value-Aktien in schwächeren Marktphasen stabilisieren können. Auch internationale Wachstumsunternehmen außerhalb deines Heimatmarkts erweitern die Streuung.
- Sinnvoll ist eine Mischung aus mehreren Growth-Aktien unterschiedlicher Branchen.
- Die Kombination mit Value-Aktien oder breiten ETFs reduziert das Risiko.
- Internationale Wachstumsunternehmen erweitern deine Streuung über Regionen hinweg.
- Alles auf eine einzelne Growth-Aktie zu setzen, erhöht das Risiko unnötig.
Sinnvoll für Diversifikation
Erhöht das Risiko
08 · Fehler vermeiden
Welche Risiken birgt Growth Investing?
Die hohen Erwartungen an Growth-Aktien sind oft schon im Kurs enthalten. Bleibt das Wachstum hinter den Prognosen zurück, kann der Kurs deutlich fallen.
Das größte Risiko beim Growth Investing besteht darin, dass die hohen Erwartungen bereits im Aktienkurs enthalten sind. Wenn das Unternehmen die prognostizierten Wachstumsraten nicht erreicht, kann der Kurs deutlich fallen. Besonders bei kleineren Unternehmen ist die Gefahr groß, dass das erwartete Wachstum ausbleibt.
Ein weiterer typischer Fehler ist, nur auf vergangene Kursgewinne zu schauen statt auf das künftige Gewinnwachstum. Auch wer die Wettbewerbsvorteile eines Unternehmens nicht ausreichend prüft, läuft Gefahr, in ein Unternehmen zu investieren, das seine Marktposition nicht halten kann. Kurzfristige Rücksetzer sind bei Growth-Aktien normal und sollten nicht zu panischen Verkäufen führen.
- Zu hohen Preis für erwartetes Wachstum zahlen, ohne Sicherheitsmarge einzuplanen.
- Nur auf vergangene Kursgewinne schauen statt auf künftiges Gewinnwachstum.
- Wettbewerbsvorteile des Unternehmens nicht ausreichend prüfen.
- Klumpenrisiko durch zu wenige Einzelwerte im Portfolio aufbauen.
- Kurzfristige Rücksetzer als Scheitern der Strategie deuten und panisch verkaufen.
Typische Fehler und Risiken beim Growth Investing
09 · Hintergrund
Growth-Aktien als Teil deiner Anlagestrategie
Growth-Aktien können langfristig hohe Renditen bringen, sind aber volatiler als der Gesamtmarkt. Eine Mischung aus Growth und Value kann dein Portfolio stabilisieren.
Für die meisten Privatanleger ist eine Kombination aus Growth- und Value-Aktien sinnvoll. Während Growth-Aktien in Aufschwungphasen oft besser laufen, können Value-Aktien in schwächeren Marktphasen stabilisieren. Diese Mischung glättet die Schwankungen deines Portfolios über einen längeren Zeitraum.
Du kannst Growth-Aktien einzeln kaufen oder über breit gestreute ETFs abbilden. ETFs reduzieren das Risiko einzelner Fehlentscheidungen und senken den Aufwand für die Aktienauswahl. Wichtig ist, dass deine Growth-Investments zu deinem Anlagehorizont und deiner Risikobereitschaft passen.
Ein Anlagezeitraum von mindestens fünf bis zehn Jahren ist bei Wachstumsaktien empfehlenswert. In diesem Zeitraum können kurzfristige Schwankungen ausgeglichen werden und das langfristige Wachstumspotenzial der Unternehmen kann sich entfalten.
Für die meisten Privatanleger ist eine Kombination aus Growth- und Value-Aktien sinnvoll. Während Growth-Aktien in Aufschwungphasen oft besser laufen, können Value-Aktien in schwächeren Marktphasen stabilisieren.
Du kannst Growth-Aktien einzeln kaufen oder über breit gestreute ETFs abbilden. ETFs reduzieren das Risiko einzelner Fehlentscheidungen und senken den Aufwand für die Aktienauswahl.
Wichtig ist, dass deine Growth-Investments zu deinem Anlagehorizont und deiner Risikobereitschaft passen. Ein Anlagezeitraum von mindestens fünf bis zehn Jahren ist bei Wachstumsaktien empfehlenswert.
Häufige Fragen
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