Ratgeber · Investieren
Was kosten Anleihen? Kosten, Rendite und Risiken im Überblick
Die Kosten einer Anleihe hängen vom aktuellen Kurs, den Stückzinsen und den Gebühren deiner Bank ab. Entscheidend für deinen Ertrag ist aber nicht der Preis allein, sondern das Verhältnis aus Kupon, Kaufkurs und Restlaufzeit.
11 Kapitel · 12 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- Der Kaufpreis einer Anleihe notiert in Prozent vom Nennwert, nicht in Euro.
- Neben dem Kurs zahlst du beim Kauf aufgelaufene Stückzinsen an den Verkäufer.
- Die Rendite einer Anleihe weicht meist vom Kupon ab, sobald du sie nicht zum Nennwert kaufst.
- Bundesanleihen gelten als sehr sicher, bieten dafür aber oft niedrigere Kupons als Unternehmensanleihen.
01 · Grundlagen
Was ist eine Anleihe?
Eine Anleihe ist ein Wertpapier, mit dem du einem Staat oder Unternehmen für einen festgelegten Zeitraum Geld leihst. Im Gegenzug erhältst du regelmäßig Zinsen, den sogenannten Kupon.
Der Gesamtbetrag einer Anleihe liegt meist bei mehreren Millionen Euro, bei großen Unternehmen oder Staaten oft im Milliardenbereich. Damit auch Privatanleger investieren können, wird die Anleihe in kleine Portionen aufgeteilt. Die Mindeststückelung beträgt in der Regel 1.000 Euro, bei Anleihen für institutionelle Anleger auch deutlich mehr.
Der Kurs einer Anleihe wird nicht in Euro, sondern in Prozent des Nennwerts angegeben. Ein Kurs von 98 Prozent bedeutet also, dass du für einen Nennwert von 1.000 Euro nur 980 Euro zahlst. Am Laufzeitende bekommst du den vollen Nennwert zurück, sofern der Emittent zahlungsfähig bleibt.
Kaufst du eine Anleihe zwischen zwei Zinsterminen, zahlst du zusätzlich Stückzinsen an den Verkäufer. Das sind die seit dem letzten Zinstermin aufgelaufenen anteiligen Zinsen. Beim nächsten Zinstermin erhältst du dafür den vollen Kupon.
Kurz erklärt
Anleihe
Ein Wertpapier, das ein Kreditgeschäft verbrieft. Der Käufer stellt dem Emittenten (Staat oder Unternehmen) Kapital zur Verfügung und erhält dafür Zinsen sowie am Laufzeitende den Nennwert zurück.
Der Kurs einer Anleihe wird in Prozent des Nennwerts angegeben, nicht in Euro.
02 · Vergleich
Kupon und Rendite: Wo liegt der Unterschied?
Der Kupon ist der feste Zinssatz, den der Emittent zahlt. Die Rendite zeigt dagegen, was du mit deinem eingesetzten Kapital tatsächlich verdienst, wenn du die Anleihe bis zur Fälligkeit hältst.
Der Kupon bleibt während der gesamten Laufzeit unverändert, die Rendite dagegen ändert sich täglich mit dem Börsenkurs. Kaufst du eine Anleihe zum Nennwert, sind Kupon und Rendite identisch. Liegt der Kaufkurs unter dem Nennwert, fällt deine Rendite höher aus als der Kupon, weil du am Laufzeitende zusätzlich die Differenz zwischen Kaufkurs und Nennwert als Gewinn realisierst.
Ein Beispiel: Eine Anleihe mit 2,50 Prozent Kupon notiert bei 95 Prozent. Du zahlst 950 Euro und erhältst jährlich 25 Euro Zinsen. Zusätzlich bekommst du am Ende 1.000 Euro zurück, also 50 Euro mehr als dein Kaufpreis. Diese Kursdifferenz erhöht deine effektive Rendite über den Kupon hinaus.
Die Rendite ist deshalb die entscheidende Kennzahl für deinen tatsächlichen Ertrag. Sie berücksichtigt Kupon, Kaufkurs und Restlaufzeit gemeinsam.
| Kupon | Rendite | |
|---|---|---|
| Berechnung | Fester Zinssatz auf den Nennwert | Effektiver Ertrag aus Kupon, Kaufkurs und Restlaufzeit |
| Veränderung | Bleibt während der Laufzeit unverändert | Ändert sich mit dem Börsenkurs |
| Aussagekraft | Zeigt die Höhe der Zinszahlung | Zeigt den Ertrag deiner Anlage |
03 · Kosten
Welche Kosten entstehen beim Anleihenkauf?
Beim Kauf einer Anleihe zahlst du nicht nur den aktuellen Börsenkurs. Hinzu kommen Stückzinsen und die Ordergebühren deiner Bank oder deines Brokers.
Die Gesamtkosten setzen sich aus drei Positionen zusammen: dem Börsenkurs, den Stückzinsen und der Ordergebühr deiner Bank. Der Börsenkurs wird in Prozent des Nennwerts angegeben, die Stückzinsen decken die aufgelaufenen Zinsen seit dem letzten Zinstermin ab.
Die Ordergebühr variiert je nach Anbieter und liegt oft zwischen 0,1 und 0,5 Prozent des Ordervolumens. Bei einigen Banken fällt zusätzlich ein Mindestbetrag pro Order an. Diese Kosten solltest du vor dem Kauf kennen, denn sie schmälern deine Rendite direkt.
Die Stückzinsen zahlst du an den Verkäufer, weil er dir die Anleihe zwischen zwei Zinsterminen überlässt. Beim nächsten Zinstermin erhältst du den vollen Kupon, obwohl du die Anleihe erst einen Teil der Zinsperiode gehalten hast.
Typische Kostenbestandteile beim Anleihenkauf
04 · Hintergrund
Bundesanleihen: Kosten und Sicherheit
Bundesanleihen sind die bedeutendsten Finanzierungsinstrumente des Bundes. Sie gelten als besonders sicher, weil die Bundesrepublik Deutschland als Schuldnerin dahintersteht.
Bundesanleihen haben Laufzeiten von 7 bis 30 Jahren. Über 65 Prozent des Schuldenportfolios des Bundes bestehen aus Anleihen dieses Laufzeitsegments, wobei rund 34 Prozent auf 10-jährige Bundesanleihen entfallen. Die Bundesrepublik Deutschland als Schuldnerin gilt als besonders ausfallsicher.
Im Sekundärmarkt sind Bundesanleihen das Flaggschiff. 2025 wurden 10-jährige Bundesanleihen im Umfang von 2.741 Milliarden Euro gehandelt, das entspricht 39 Prozent des gesamten Handelsvolumens aller Bundeswertpapiere. Diese hohe Liquidität erleichtert dir den Kauf und Verkauf.
Für Privatanleger sind Bundesanleihen ab einer Mindeststückelung von 1.000 Euro erhältlich. Der Handel erfolgt über die Börse oder direkt über deine depotführende Bank. Die Renditen liegen bei Bundesanleihen typischerweise niedriger als bei Unternehmensanleihen, weil das Ausfallrisiko geringer ist.
Bundesanleihen haben Laufzeiten von 7 bis 30 Jahren. Über 65 Prozent des Schuldenportfolios des Bundes bestehen aus Anleihen dieses Laufzeitsegments, wobei rund 34 Prozent auf 10-jährige Bundesanleihen entfallen.
Im Sekundärmarkt sind Bundesanleihen das Flaggschiff. 2025 wurden 10-jährige Bundesanleihen im Umfang von 2.741 Milliarden Euro gehandelt, das entspricht 39 Prozent des gesamten Handelsvolumens aller Bundeswertpapiere.
Für Privatanleger sind Bundesanleihen über die Börse oder direkt über deine depotführende Bank erhältlich.
05 · Vergleich
Staatsanleihen, Unternehmensanleihen und Währungsanleihen
Nicht jede Anleihe ist gleich. Je nach Emittent und Währung unterscheiden sich Risiko, Kupon und die Schwankungsanfälligkeit deines Investments.
Staatsanleihen von Ländern mit Top-Bonität wie Deutschland bieten ein sehr geringes Ausfallrisiko, dafür aber eher niedrige Kupons. Unternehmensanleihen zahlen höhere Zinsen, weil das Risiko eines Zahlungsausfalls vom Rating des Unternehmens abhängt. Währungsanleihen locken oft mit deutlich höheren Renditen, bringen aber ein zusätzliches Wechselkursrisiko mit.
Ein fallender Wechselkurs kann deine Rendite bei Währungsanleihen vollständig aufzehren. Wenn du eine Anleihe in US-Dollar kaufst und der Dollar gegenüber dem Euro fällt, verlierst du beim Rücktausch in Euro Geld, selbst wenn die Anleihe selbst im Wert stabil bleibt.
Die Wahl der Anleiheart hängt von deiner Risikobereitschaft ab. Staatsanleihen eignen sich für sicherheitsorientierte Anleger, Unternehmensanleihen für Anleger mit etwas höherer Risikotoleranz, Währungsanleihen nur für Anleger, die das Wechselkursrisiko bewusst eingehen.
| Staatsanleihen | Unternehmensanleihen | Währungsanleihen | |
|---|---|---|---|
| Emittent | Staaten wie die Bundesrepublik Deutschland | Unternehmen mit Kapitalbedarf | Staaten oder Unternehmen in Fremdwährung |
| Ausfallrisiko | Sehr gering bei Ländern mit Top-Bonität | Höher, abhängig vom Rating des Unternehmens | Zusätzlich Währungsrisiko |
06 · Checkliste
Was beeinflusst den Kurs einer Anleihe?
Der Kurs einer Anleihe schwankt während der Laufzeit. Das wichtigste Risiko ist das Zinsänderungsrisiko, das vor allem bei langen Restlaufzeiten wirkt.
Der wichtigste Faktor ist das Marktzinsniveau. Steigen die Marktzinsen, fallen die Kurse bestehender Anleihen, weil neu emittierte Anleihen höhere Kupons bieten. Sinken die Marktzinsen, steigen die Kurse bestehender Anleihen, weil ihre festen Kupons attraktiver werden.
Die Restlaufzeit bestimmt, wie stark deine Anleihe auf Zinsänderungen reagiert. Je länger die Restlaufzeit, desto stärker schwankt der Kurs. Eine 30-jährige Bundesanleihe verliert bei steigenden Zinsen deutlich mehr an Wert als eine Anleihe mit zwei Jahren Restlaufzeit.
- Marktzinsniveau: Steigen die Marktzinsen, fallen die Kurse bestehender Anleihen.
- Restlaufzeit: Je länger die Restlaufzeit, desto stärker reagiert der Kurs auf Zinsänderungen.
- Bonität des Emittenten: Verschlechtert sich das Rating, sinkt der Kurs.
- Emissionsvolumen: Sehr große Anleihen sind oft liquider und leichter handelbar.
Diese Faktoren bewegen den Anleihekurs
Marktzinsniveau: Steigen die Marktzinsen, fallen die Kurse bestehender Anleihen.
Restlaufzeit: Je länger die Restlaufzeit, desto stärker reagiert der Kurs auf Zinsänderungen.
Bonität des Emittenten: Verschlechtert sich das Rating, sinkt der Kurs.
Emissionsvolumen: Sehr große Anleihen sind oft liquider und leichter handelbar.
07 · Im Vertrag
Nennwert, Restlaufzeit und Sekundärmarkt
Diese Begriffe begegnen dir bei jeder Anleihe. Sie bestimmen, wie viel du anlegst, wie lange dein Geld gebunden ist und wo du die Anleihe wieder verkaufen kannst.
Der Nennwert ist der Betrag, den du am Laufzeitende zurückbekommst. Er ist die Grundlage für die Kuponzahlung. Bei einer Anleihe mit 1.000 Euro Nennwert und 2,50 Prozent Kupon erhältst du jährlich 25 Euro Zinsen, unabhängig davon, zu welchem Kurs du die Anleihe gekauft hast.
Die Restlaufzeit ist die verbleibende Zeit bis zur Fälligkeit der Anleihe. Sie bestimmt das Zinsänderungsrisiko und damit die Schwankungsanfälligkeit deines Investments. Der Sekundärmarkt ist der Markt, auf dem bereits emittierte Anleihen zwischen Anlegern gehandelt werden.
Das Emissionsvolumen gibt an, wie viel Kapital ein Emittent bei der Ausgabe einer Anleihe aufnimmt. Bundesanleihen haben typischerweise ein Volumen zwischen 13,5 und 42,5 Milliarden Euro, was ihre hohe Liquidität erklärt.
Wichtige Fachbegriffe kurz erklärt
08 · Fehler vermeiden
Zinsänderungsrisiko: Was passiert bei steigenden Zinsen?
Steigende Marktzinsen führen zu fallenden Anleihekursen. Das ist das zentrale Risiko, das du als Anleihekäufer kennen solltest.
Besonders betroffen sind Anleihen mit langen Restlaufzeiten, weil Anleger über viele Jahre an den niedrigeren Kupon gebunden sind.
Der Bund Future zeigt, wie Marktteilnehmer das aktuelle Zinsniveau einschätzen. Steigende Kurse beim Bund Future bedeuten, dass in Deutschland sinkende Zinsen erwartet werden. Fallende Kurse signalisieren die Erwartung steigender Zinsen.
- Du ignorierst die Restlaufzeit: Lange Laufzeiten bedeuten höhere Kursverluste bei steigenden Zinsen.
- Du schaust nur auf den Kupon: Eine hohe Zinszahlung kann durch einen hohen Kaufkurs zunichte gemacht werden.
- Du vergisst die Stückzinsen: Beim Kauf zwischen zwei Zinsterminen zahlst du anteilige Zinsen an den Verkäufer.
- Du unterschätzt das Währungsrisiko: Bei Fremdwährungsanleihen kann der Wechselkurs deine Rendite aufzehren.
Diese Fehler solltest du vermeiden
09 · Was gilt
Bundeswertpapiere: Welche Laufzeiten gibt es?
Der Bund emittiert Anleihen mit unterschiedlichen Laufzeiten. Die Auktionssystematik folgt einem festen Rhythmus, der sich an den Bedürfnissen des Schuldenportfolios orientiert.
Der Bund emittiert Anleihen mit Laufzeiten von 7, 10, 15, 20 und 30 Jahren. Die Auktionssystematik folgt einem festen Rhythmus: 7-jährige Bundesanleihen werden jährlich neu emittiert, 10-jährige Bundesanleihen zweimal jährlich, 15-jährige und 30-jährige Bundesanleihen jeweils jährlich.
Erstmals 2026 hat der Bund eine Bundesanleihe mit 20-jähriger Laufzeit emittiert. Diese Neuemission erfolgte im Syndikatsverfahren. Danach sind Neuemissionen in diesem Laufzeitsegment bis alle zwei Jahre geplant.
In den Auktionen werden die 15-, 20- und 30-jährigen Bundesanleihen kombiniert. Insgesamt werden in diesen Laufzeiten im Jahresverlauf 49 Milliarden Euro emittiert. Die Auktionen werden in der Regel als Multi-ISIN-Auktionen durchgeführt, bei denen bis zu drei Anleihen in einer Auktion emittiert werden können.
Regelmäßige Neuemissionen
Bund20: 20-jährige Laufzeit, erstmals 2026 emittiert, danach bis alle 2 Jahre
10 · Was gilt
Steuern auf Anleihen: Was bleibt vom Ertrag?
Zinsen und Kursgewinne aus Anleihen unterliegen der Abgeltungsteuer. Der Sparer-Pauschbetrag schützt einen Teil deiner Erträge vor dem Finanzamt.
Hinzu kommt der Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent auf die Abgeltungsteuer. Diese Steuern werden von deiner Bank automatisch einbehalten und an das Finanzamt abgeführt.
Der Sparer-Pauschbetrag schützt einen Teil deiner Erträge vor dem Finanzamt. Pro Person und Jahr bleiben 1.000 Euro steuerfrei, bei zusammenveranlagten Ehepaaren sind es 2.000 Euro. Du kannst bei deiner Bank einen Freistellungsauftrag einrichten, damit der Pauschbetrag direkt berücksichtigt wird.
Steuerpflichtig sind Kuponzahlungen, Kursgewinne beim Verkauf und Stückzinsen, die du beim Verkauf erhältst. Liegen deine gesamten Kapitalerträge unter dem Sparer-Pauschbetrag, zahlst du keine Steuern auf deine Anleiheerträge.
Steuerpflichtig
Steuerfrei bis zum Freibetrag
11 · Checkliste
So findest du die passende Anleihe
Die Auswahl einer Anleihe hängt von deiner Risikobereitschaft, deinem Anlagehorizont und deinem Bedarf an regelmäßigen Zinszahlungen ab.
Für sicherheitsorientierte Anleger mit langem Horizont eignen sich Bundesanleihen, für Anleger mit höherer Risikotoleranz kommen Unternehmensanleihen infrage.
Vergleiche immer die Rendite, nicht nur den Kupon. Eine Anleihe mit hohem Kupon kann bei einem hohen Kaufkurs eine niedrigere Rendite bieten als eine Anleihe mit niedrigerem Kupon, die unter dem Nennwert notiert. Die Rendite zeigt dir den tatsächlichen Ertrag deiner Anlage.
- Prüfe die Bonität des Emittenten anhand des Ratings.
- Vergleiche die Rendite, nicht nur den Kupon.
- Achte auf die Restlaufzeit und das damit verbundene Zinsänderungsrisiko.
- Berechne die Gesamtkosten inklusive Stückzinsen und Ordergebühr.
- Überlege, ob du die Anleihe bis zur Fälligkeit halten willst oder vorher verkaufen musst.
Checkliste für den Anleihenkauf
Prüfe die Bonität des Emittenten anhand des Ratings.
Vergleiche die Rendite, nicht nur den Kupon.
Achte auf die Restlaufzeit und das damit verbundene Zinsänderungsrisiko.
Berechne die Gesamtkosten inklusive Stückzinsen und Ordergebühr.
Überlege, ob du die Anleihe bis zur Fälligkeit halten willst oder vorher verkaufen musst.
Häufige Fragen
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