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MagazineFinanzenInvestieren Value Investing einfach erklärt
FinanzbildungInvestieren9 Min.

Value Investing einfach erklärt: So kaufst du starke Unternehmen mit Rabatt

Value Investing klingt kompliziert, ist aber im Kern eine einfache Idee: Kaufe gute Unternehmen, wenn ihr Preis unter ihrem tatsächlichen Wert liegt. Dieser Leitfaden zeigt dir, wie du als Einsteiger diese Strategie verstehst und erste Schritte gehst.

AktienbewertungBörsenstrategieEinsteigerwissen
Brauche ich das?
Nicht zwingend.
Es ist eine von vielen Strategien, aber eine sehr bewährte.
Ist das riskant?
Nicht per se.
Das Risiko sinkt, wenn du den Wert wirklich kennst.
Wie starte ich?
Mit Bildung.
Erst Kennzahlen lernen, dann Aktien suchen.
Was bringt es mir?
Mehr Sicherheit.
Du kaufst mit Sicherheitsmarge und denkst langfristig.

Warum Value Investing auch dich betrifft

Vielleicht hast du schon einmal gehört, dass man mit Aktien langfristig Vermögen aufbauen kann. Doch viele Menschen scheuen davor zurück, weil sie Angst vor Verlusten haben oder nicht wissen, welche Aktie sie kaufen sollen. Genau hier setzt Value Investing an: Es ist eine Methode, die dir hilft, rationale Entscheidungen zu treffen und nicht auf Bauchgefühl oder heiße Tipps zu setzen.

Stell dir vor, du kaufst im Supermarkt ein Produkt, das normalerweise 5 Euro kostet, aber heute nur 3 Euro. Du würdest dich freuen, weil du etwas Wertvolles günstiger bekommen hast. Beim Value Investing funktioniert das Prinzip ähnlich: Du suchst nach Unternehmen, die an der Börse gerade günstiger gehandelt werden, als sie eigentlich wert sind.

Das Schöne daran: Du musst kein Finanzgenie sein. Die Grundidee ist so einfach, dass sie jeder verstehen kann. Es geht darum, geduldig zu sein, genau hinzuschauen und nicht dem Herdentrieb zu folgen. Wenn du lernst, den Wert eines Unternehmens grob einzuschätzen, kannst du fundierte Entscheidungen treffen, die dich langfristig unabhängiger machen.

Gerade in Zeiten von Inflation und niedrigen Zinsen suchen viele nach Wegen, ihr Geld sinnvoll anzulegen. Value Investing bietet dir einen strukturierten Ansatz, der nicht auf schnelle Gewinne, sondern auf langfristigen Wertzuwachs setzt. Das macht diese Strategie für jeden relevant, der sein Geld nicht einfach auf dem Sparbuch liegen lassen möchte.

~90 Jahre
ist die Strategie von Benjamin Graham im Kern unverändert.
Jede:r 3.
Anleger:in in Deutschland hält Aktien oder Fondsanteile.
1.000 Euro
reichen oft schon für den Start mit einem Sparplan.

Die Grundlagen: Was ist ein Unternehmen wirklich wert?

Um Value Investing zu verstehen, musst du zwei Begriffe unterscheiden: den Preis und den Wert. Der Preis ist das, was du an der Börse für eine Aktie zahlst. Der Wert ist das, was das Unternehmen tatsächlich wert ist, basierend auf seinen Geschäften, seinen Produkten und seinen Zukunftsaussichten. Das Ziel ist es, einen Preis zu zahlen, der unter diesem Wert liegt.

Der Erfinder dieser Strategie ist Benjamin Graham, ein US-amerikanischer Investor, der in den 1930er Jahren lehrte. Er verglich den Aktienkauf mit dem Kauf eines Dollars für 50 Cent. Wenn du einen Dollar für 50 Cent kaufen kannst, machst du ein gutes Geschäft, vorausgesetzt, du hast den Wert des Dollars richtig eingeschätzt. Dieses Prinzip nennt man Sicherheitsmarge.

Wie findest du nun heraus, was ein Unternehmen wert ist? Dazu schaust du dir die Bilanz an, also das Vermögen und die Schulden. Du prüfst, wie viel Gewinn das Unternehmen erwirtschaftet und ob es in der Lage ist, diesen Gewinn auch in Zukunft zu steigern. Diese Analyse klingt komplex, lässt sich aber mit einfachen Kennzahlen wie dem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) oder dem Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) beginnen.

Wichtig ist: Du musst nicht jedes Detail verstehen. Es reicht, wenn du die groben Zusammenhänge begreifst und lernst, seriöse von unseriösen Unternehmen zu unterscheiden. Ein Unternehmen, das seit Jahren stabil Gewinne macht und wenig Schulden hat, ist oft mehr wert als ein junges Start-up mit hohen Verlusten, auch wenn das Start-up mehr Schlagzeilen macht.

So funktioniert Value Investing in der Praxis

Der Prozess beginnt mit der Suche nach Kandidaten. Du kannst dafür Aktienfilter im Internet nutzen, die dir Unternehmen mit niedrigem KGV oder KBV anzeigen. Diese Filter sind ein guter Ausgangspunkt, aber sie ersetzen nicht deine eigene Prüfung. Du solltest dir jedes Unternehmen einzeln anschauen und verstehen, warum es gerade günstig ist.

Es gibt zwei Arten von günstigen Aktien: solche, die günstig sind, weil das Unternehmen Probleme hat, und solche, die nur vorübergehend unterbewertet sind. Value-Investoren suchen nach der zweiten Art. Sie wollen Unternehmen, die solide sind, aber aus nichtigen Gründen, wie einer schlechten Nachricht oder einem allgemeinen Marktabschwung, im Kurs gefallen sind.

Ein klassisches Beispiel: Ein Lebensmittelhersteller hat ein gutes Geschäft, aber die Aktie fällt, weil die Ernte eines Rohstoffs schlecht war. Ein Value-Investor erkennt, dass das Problem nur vorübergehend ist und der Hersteller langfristig weiter Gewinne machen wird. Er kauft die Aktie zum reduzierten Preis und wartet, bis sich der Kurs erholt.

Der Zeithorizont ist entscheidend. Value Investing funktioniert nicht über Nacht. Du musst bereit sein, deine Aktien über Jahre zu halten. In dieser Zeit kann der Kurs schwanken, aber wenn deine Analyse stimmt, wird der Markt den wahren Wert irgendwann erkennen. Geduld ist daher eine der wichtigsten Eigenschaften, die du mitbringen solltest.

Kosten und Aufwand: Was du einplanen solltest

Bevor du startest, solltest du dir Gedanken über die Kosten machen. Dazu gehören die Gebühren für den Kauf und Verkauf von Aktien, die bei jeder Bank oder jedem Broker anfallen. Diese Kosten sind in den letzten Jahren stark gesunken, aber sie sind nicht Null. Achte darauf, einen Anbieter zu wählen, der faire Preise hat, besonders wenn du kleinere Beträge investierst.

Zusätzlich zu den Handelsgebühren gibt es die laufenden Kosten. Wenn du in einzelne Aktien investierst, fallen keine jährlichen Verwaltungsgebühren an, wie du sie von Fonds kennst. Allerdings solltest du Zeit einplanen. Value Investing erfordert Recherche: Du musst Geschäftsberichte lesen, Kennzahlen vergleichen und die Nachrichten zu deinen Unternehmen verfolgen.

Ein guter Einstieg ist ein Aktien-Sparplan. Damit kannst du regelmäßig einen festen Betrag investieren, zum Beispiel 50 oder 100 Euro pro Monat. Viele Broker bieten Sparpläne auf einzelne Aktien an, sodass du auch mit kleinem Budget langsam ein Portfolio aufbauen kannst. Der Vorteil: Du lernst den Markt kennen, ohne sofort große Summen riskieren zu müssen.

Vergiss nicht, dass auch Steuern eine Rolle spielen. In Deutschland zahlst du auf Gewinne aus Aktienverkäufen die Abgeltungsteuer. Das solltest du bei deiner Planung berücksichtigen, aber es sollte dich nicht davon abhalten, zu investieren. Die Steuer fällt nur auf Gewinne an, und die erzielst du hoffentlich mit deiner Strategie.

Worauf du bei der Aktienauswahl achten solltest

Der wichtigste Grundsatz: Kaufe nur, was du verstehst. Wenn du nicht erklären kannst, wie ein Unternehmen Geld verdient, solltest du die Finger davon lassen. Das schränkt dein Universum ein, aber das ist gut so. Du musst nicht jede Aktie der Welt kennen, sondern nur ein paar gute finden.

Achte auf die Qualität des Geschäftsmodells. Hat das Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil? Das kann eine starke Marke sein, wie bei einem Getränkehersteller, oder eine Technologie, die schwer zu kopieren ist. Unternehmen mit einem solchen Burggraben können langfristig höhere Gewinne erzielen und sind weniger anfällig für Konkurrenz.

Prüfe die finanzielle Stabilität. Ein Unternehmen mit hohen Schulden ist riskant, besonders wenn die Zinsen steigen. Schau dir an, wie viel Gewinn das Unternehmen erwirtschaftet und ob es diesen Gewinn nutzt, um Schulden abzubauen oder in das Geschäft zu investieren. Eine gesunde Bilanz ist das Fundament für langfristigen Erfolg.

Achte schließlich auf das Management. Wer führt das Unternehmen? Sind es erfahrene Leute, die im Sinne der Aktionäre handeln? Ein gutes Management erkennt man daran, dass es ehrlich kommuniziert und das Geld der Aktionäre nicht verschwendet. Du kannst die Qualität des Managements oft an den Aussagen in den Quartalsberichten und an der Dividendenpolitik erkennen.

Typische Fehler, die du vermeiden solltest

Der größte Fehler ist, eine Aktie nur wegen des niedrigen Kurses zu kaufen. Ein Kurs von 2 Euro bedeutet nicht, dass die Aktie günstig ist. Es könnte ein Schrottunternehmen sein, das kurz vor der Pleite steht. Der Preis allein sagt nichts über den Wert aus. Du musst immer den Wert im Verhältnis zum Preis betrachten.

Ein weiterer Fehler ist die fehlende Geduld. Viele Anleger kaufen eine unterbewertete Aktie und erwarten, dass sie sofort steigt. Wenn das nicht passiert, verkaufen sie wieder und suchen die nächste heiße Aktie. Das ist kontraproduktiv. Value Investing braucht Zeit, manchmal Jahre, bis sich der Markt korrigiert.

Auch das Ignorieren von Veränderungen im Unternehmen ist gefährlich. Du solltest deine Aktien regelmäßig überprüfen. Wenn sich das Geschäftsmodell grundlegend ändert, zum Beispiel durch neue Technologien oder regulatorische Eingriffe, kann der Wert sinken. Dann musst du bereit sein, deine Einschätzung zu überdenken und die Aktie zu verkaufen.

Zuletzt: Lass dich nicht von Emotionen leiten. Wenn der Markt fällt, ist das kein Grund zu verkaufen, sondern oft eine Chance zu kaufen. Wenn der Markt steigt, ist das kein Grund, übermütig zu werden. Bleibe sachlich und orientiere dich an deinen Analysen, nicht an der Stimmung der Masse.

Dein Fahrplan: So startest du mit Value Investing

Schritt eins: Bilde dich weiter. Lies ein Buch zum Thema, zum Beispiel von Benjamin Graham oder aktuellere Ratgeber. Es gibt auch viele gute Podcasts und Websites, die dir die Grundlagen erklären. Nimm dir Zeit, um die Begriffe zu verstehen, bevor du Geld investierst. Wissen ist deine wichtigste Waffe.

Schritt zwei: Erstelle eine Watchlist. Das ist eine Liste von Unternehmen, die du interessant findest. Du musst sie nicht sofort kaufen, sondern beobachtest sie über einige Wochen. Notiere dir, warum du sie für gut hältst und zu welchem Preis du einsteigen würdest. So trainierst du dein Auge für Bewertungen.

Schritt drei: Starte klein. Kaufe zunächst nur eine oder zwei Aktien mit einem Betrag, dessen Verlust du verschmerzen könntest. Beobachte, wie sich deine Einschätzung entwickelt. Lerne aus Fehlern, aber lass dich nicht entmutigen. Jeder Profi hat einmal klein angefangen und Fehler gemacht.

Schritt vier: Bleibe dran. Überprüfe deine Aktien regelmäßig, aber nicht täglich. Ein monatlicher Check reicht völlig aus. Lies die Quartalsberichte und verfolge die Nachrichten. Wenn deine Analyse stimmt, kannst du deine Positionen langfristig halten und vom Zinseszinseffekt profitieren. Der Weg ist das Ziel.

Value Investing und ETFs: Eine sinnvolle Ergänzung?

Neben einzelnen Aktien gibt es auch die Möglichkeit, in ETFs zu investieren. Ein ETF ist ein Fonds, der einen Index nachbildet, zum Beispiel den DAX oder den MSCI World. Wenn du in einen breiten ETF investierst, kaufst du automatisch viele Unternehmen auf einmal. Das ist bequem und reduziert das Risiko, dass ein einzelnes Unternehmen dein Portfolio ruiniert.

Für Einsteiger kann ein ETF-Sparplan eine gute Basis sein, während du dich mit Value Investing vertiefst. Du kannst zum Beispiel 80% deines Geldes in einen breiten ETF stecken und 20% für einzelne Aktien verwenden, die du selbst analysierst. So lernst du die Strategie, ohne alles auf eine Karte zu setzen.

Es gibt auch spezielle Value-ETFs, die nur Aktien enthalten, die nach bestimmten Kriterien als unterbewertet gelten. Diese Fonds sind eine einfache Möglichkeit, die Strategie umzusetzen, ohne selbst jede Aktie zu prüfen. Allerdings solltest du dir die Zusammensetzung genau ansehen, denn nicht jeder Value-ETF ist gleich.

Die Kombination aus beidem kann sinnvoll sein: Ein breiter ETF gibt dir Sicherheit und Diversifikation, während einzelne Value-Aktien dir die Chance auf höhere Renditen bieten. Wichtig ist, dass du dich wohlfühlst und deine Entscheidungen verstehst. Es gibt nicht den einen richtigen Weg, sondern nur den, der zu dir passt.

Deine nächsten Schritte: Von der Theorie zur Praxis

Jetzt hast du die Grundlagen verstanden. Der nächste Schritt ist, ein Depot zu eröffnen, falls du noch keins hast. Das geht heute komplett online und dauert nur wenige Minuten. Achte auf niedrige Gebühren und eine benutzerfreundliche Oberfläche. Viele Neobroker bieten kostenlose Sparpläne an, was ideal für den Start ist.

Setze dir ein realistisches Budget. Überlege, wie viel Geld du monatlich entbehren kannst, ohne deinen Lebensstandard zu gefährden. Ein Notgroschen für unvorhergesehene Ausgaben sollte immer vorhanden sein, bevor du investierst. Investiere niemals Geld, das du in den nächsten Jahren dringend brauchst.

Beginne mit einem kleinen Betrag und einer einzigen Aktie, die du gut kennst. Vielleicht ist es ein Unternehmen, dessen Produkte du selbst nutzt. Analysiere es mit den Kennzahlen, die du gelernt hast, und treffe deine Entscheidung. Der erste Kauf ist der schwierigste, aber auch der lehrreichste.

Denke langfristig. Value Investing ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Es wird Phasen geben, in denen deine Aktien fallen, und Phasen, in denen sie steigen. Bleibe ruhig, halte an deiner Strategie fest und lerne kontinuierlich dazu. Mit der Zeit wirst du sicherer und kannst dein Portfolio ausbauen.

Kurzer Selbst-Check: Brauchst du das?

Beantworte 3 Fragen für deine Einschätzung.

Kannst du Kursschwankungen von 20% aussitzen?
Hast du ein Notgroschen für sechs Monate?
Willst du dich monatlich mit deinen Aktien beschäftigen?
Beantworte die Fragen für deine Empfehlung.

Häufige Fragen

Du kannst bereits mit 50 Euro pro Monat über einen Sparplan starten. Wichtig ist, dass du die Gebühren im Blick behältst und nicht zu kleine Beträge investierst. Für den Kauf einzelner Aktien solltest du mindestens 500 Euro einplanen, um die Kosten relativ zu halten.

Nicht ganz. Buy and Hold bedeutet, Aktien einfach lange zu halten. Value Investing ist aktiver: Du suchst gezielt unterbewertete Aktien und verkaufst sie, wenn sie ihren fairen Wert erreicht haben. Das kann nach Monaten oder nach Jahren sein, je nach Entwicklung.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) zeigt, wie viel du für einen Euro Gewinn zahlst. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) vergleicht den Aktienkurs mit dem Vermögen des Unternehmens. Beide Kennzahlen helfen dir, grob einzuschätzen, ob eine Aktie günstig oder teuer ist.

Nein, das ist unrealistisch. Value Investing ist eine langfristige Strategie, die auf durchschnittliche Renditen von einigen Prozent pro Jahr abzielt. Schnelle Gewinne sind möglich, aber nicht das Ziel. Du solltest Geduld mitbringen und auf den Zinseszinseffekt vertrauen.

Es gibt kostenlose Aktienfilter im Internet, zum Beispiel bei Finanzportalen. Dort kannst du nach niedrigem KGV oder KBV sortieren. Zusätzlich solltest du Nachrichten und Geschäftsberichte lesen, um zu verstehen, warum eine Aktie günstig ist. Nur so findest du echte Schnäppchen.

Die Sicherheitsmarge ist der Abstand zwischen dem inneren Wert einer Aktie und ihrem aktuellen Kurs. Wenn du den Wert auf 100 Euro schätzt und die Aktie kostet 70 Euro, hast du eine Sicherheitsmarge von 30%. Sie schützt dich vor Fehleinschätzungen und Kursschwankungen.

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SR

StudySmarter-Redaktion

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Redaktionell geprüft. Stand: 31.08.2026, nächste Prüfung: 03/2027. Dieser Artikel ist Finanzbildung, keine Rechts- oder Steuerberatung.