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MagazineFinanzenInvestieren Factor Investing einfach erklaert
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Factor Investing einfach erklaert: So holst du dir die Börsen-Profis ins Depot

Du möchtest wissen, warum manche Aktien langfristig besser laufen als andere? Factor Investing ist der Schlüssel. Wir erklären dir die wichtigsten Faktoren, ihre Funktionsweise und wie du sie ganz einfach für dein Depot nutzen kannst.

FaktorenETFsRisiko
Brauche ich das?
Nicht zwingend.
Aber es kann Renditechancen erhöhen.
Ist das riskant?
Nicht per se.
Es ist eine andere Risikoverteilung.
Wie starte ich?
Mit ETFs.
Sie bilden Faktoren kostengünstig ab.
Was kostet es?
Meist etwas mehr.
Die Gebühren sind höher als bei Standard-ETFs.

Warum dich das Thema betrifft, auch wenn du nur einen Welt-ETF besparst

Vielleicht hast du schon einmal von einem ETF auf den MSCI World gehört. Dieses beliebte Produkt bildet die Entwicklung von 1.600 großen Unternehmen aus Industrieländern ab. Es ist eine einfache und kostengünstige Art, am Aktienmarkt zu investieren. Doch dieser ETF gewichtet die Unternehmen nach ihrer Marktkapitalisierung. Das bedeutet: Je größer ein Unternehmen ist, desto stärker beeinflusst es die Wertentwicklung deines ETFs. In den letzten Jahren haben genau diese großen Technologiekonzerne den Index dominiert und für hohe Renditen gesorgt.

Doch was passiert, wenn sich das Blatt wendet? Wenn kleinere Unternehmen oder günstig bewertete Aktien plötzlich besser laufen? Dann hinkt dein Welt-ETF möglicherweise hinterher. Genau hier setzt Factor Investing an. Es ist eine Strategie, die nicht nur auf die Größe eines Unternehmens schaut, sondern auf bestimmte Eigenschaften, die historisch gesehen eine höhere Rendite versprachen. Diese Eigenschaften nennt man Faktoren. Sie sind wie Zutaten in einem Rezept, die den Geschmack deines Depots verändern können.

Für dich als Anleger bedeutet das: Du hast die Wahl. Du kannst dich passiv mit der Marktrendite zufriedengeben, die ein Welt-ETF liefert. Oder du kannst versuchen, mit Factor Investing eine zusätzliche Rendite zu erzielen, die sogenannte Faktor-Prämie. Diese Prämie ist keine Garantie, sondern ein statistischer Effekt, der über lange Zeiträume beobachtet wurde. Es ist ein bisschen so, als würdest du nicht nur auf das Favoritenpferd setzen, sondern auch auf Außenseiter mit besonderen Qualitäten.

Der wichtigste Punkt vorab: Factor Investing ist keine Zauberformel, um schnell reich zu werden. Es ist eine langfristige Strategie, die Disziplin und Geduld erfordert. Du musst verstehen, dass Faktoren über Jahre hinweg schwächelnd sein können. Nur wer diese Durststrecken aussitzt, kann langfristig von der Prämie profitieren. Wenn du bereit bist, diesen Weg zu gehen, dann lohnt sich ein genauerer Blick auf die Funktionsweise.

In den nächsten Abschnitten wirst du lernen, was die wichtigsten Faktoren sind, wie sie wirken und welche Kosten auf dich zukommen. Wir werden dir auch zeigen, wie du typische Fehler vermeidest und welche konkreten Schritte du jetzt gehen kannst. Am Ende wirst du in der Lage sein, eine fundierte Entscheidung zu treffen, ob Factor Investing zu deiner persönlichen Anlagestrategie passt.

~50 Jahre
Forschung belegen die Faktor-Prämien.
3-5 Faktoren
gelten als wissenschaftlich anerkannt.
1 von 4
Anlegern nutzt bereits Faktor-ETFs.

Die Grundlagen: Was sind Faktoren und warum gibt es sie?

Um Factor Investing zu verstehen, musst du zuerst wissen, was ein Faktor überhaupt ist. Ein Faktor ist eine messbare Eigenschaft von Aktien, die historisch mit einer überdurchschnittlichen Rendite verbunden war. Die bekanntesten Faktoren sind Value, Size, Momentum und Quality. Jeder dieser Faktoren beschreibt eine andere Art von Unternehmen. Value steht für günstig bewertete Aktien, Size für kleine Unternehmen, Momentum für Aktien mit starkem Kurstrend und Quality für profitable und stabile Firmen.

Die Existenz dieser Faktoren wird durch jahrzehntelange akademische Forschung gestützt. Die Wissenschaftler Eugene Fama und Kenneth French haben in den 1990er Jahren ein Modell entwickelt, das die Renditen von Aktien besser erklärt als der reine Markt. Sie fanden heraus, dass Aktien von kleinen Unternehmen und günstig bewerteten Unternehmen im Schnitt besser abschnitten als der Gesamtmarkt. Diese Erkenntnis war revolutionär und legte den Grundstein für das moderne Factor Investing.

Doch warum funktionieren diese Faktoren überhaupt? Es gibt verschiedene Erklärungsansätze. Eine Theorie besagt, dass Faktoren Risiken abbilden. Kleine Unternehmen sind zum Beispiel riskanter als große, weil sie anfälliger für Konjunkturschwankungen sind. Anleger verlangen für dieses höhere Risiko eine höhere Rendite. Eine andere Theorie besagt, dass Verhaltensfehler eine Rolle spielen. Anleger neigen dazu, vielversprechende Wachstumsaktien zu überbewerten und langweilige, günstige Aktien zu ignorieren.

Wichtig ist, dass Faktoren keine Garantie für die Zukunft sind. Es handelt sich um statistische Muster, die in der Vergangenheit beobachtet wurden. Es gibt immer wieder Phasen, in denen ein Faktor über Jahre hinweg schlechter abschneidet als der Markt. Diese Phasen nennt man Faktor-Drawdowns. Sie können sehr unangenehm sein und dazu führen, dass Anleger ihre Strategie aufgeben. Genau das ist der Grund, warum Factor Investing eine langfristige Disziplin erfordert.

Für dich als Anleger ist es wichtig zu verstehen, dass du mit Factor Investing nicht auf ein einzelnes Unternehmen setzt, sondern auf eine systematische Strategie. Du kaufst nicht die Aktie von Firma X, weil sie dir gefällt, sondern weil sie eine bestimmte Eigenschaft erfüllt. Diese Eigenschaft hat in der Vergangenheit zu einer höheren Rendite geführt. Ob sie das auch in Zukunft tut, ist ungewiss, aber die Wahrscheinlichkeit spricht dafür.

Die wichtigsten Faktoren im Überblick: Value, Size, Momentum und Quality

Lass uns die vier wichtigsten Faktoren genauer betrachten. Der Value-Faktor ist einer der bekanntesten. Er besagt, dass Aktien, die im Verhältnis zu ihrem fundamentalen Wert günstig sind, langfristig besser abschneiden als teure Aktien. Gemessen wird das zum Beispiel am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) oder am Kurs-Buchwert-Verhältnis. Ein Unternehmen mit einem niedrigen KGV gilt als günstig und wird dem Value-Faktor zugeordnet. Die Idee dahinter ist, dass der Markt diese Unternehmen oft zu Unrecht vernachlässigt.

Der Size-Faktor, auch Small-Cap-Effekt genannt, besagt, dass Unternehmen mit kleiner Marktkapitalisierung im Durchschnitt höhere Renditen erzielen als große Unternehmen. Das liegt daran, dass kleine Unternehmen mehr Wachstumspotenzial haben, aber auch riskanter sind. Sie sind weniger diversifiziert, haben oft höhere Schulden und sind anfälliger für wirtschaftliche Schocks. Für dieses höhere Risiko verlangen Anleger eine höhere Rendite. In Deutschland findest du solche Unternehmen zum Beispiel im MDAX oder SDAX.

Der Momentum-Faktor ist ein Phänomen, das auf der menschlichen Psychologie basiert. Er besagt, dass Aktien, die in der Vergangenheit gut gelaufen sind, auch in der Zukunft tendenziell gut laufen. Anleger neigen dazu, Trends zu folgen und zögern, Verlierer zu verkaufen. Dieses Verhalten führt dazu, dass sich Kurse eine Zeit lang fortsetzen. Momentum-Strategien kaufen Aktien mit starkem Kursanstieg und verkaufen Aktien mit fallenden Kursen. Dieser Faktor ist besonders kurzfristig orientiert und erfordert ein aktives Management.

Der Quality-Faktor konzentriert sich auf Unternehmen mit hoher Profitabilität, stabilen Gewinnen und einer soliden Bilanz. Diese Unternehmen gelten als qualitativ hochwertig und sind oft weniger anfällig für Krisen. Sie haben eine starke Marktposition, generieren hohe Cashflows und weisen eine geringe Verschuldung auf. Der Quality-Faktor ist in den letzten Jahren immer beliebter geworden, da er als defensiver gilt und Anlegern ein gutes Gefühl gibt. Er kombiniert Renditechancen mit einem gewissen Sicherheitsaspekt.

Diese vier Faktoren sind die bekanntesten, aber es gibt noch weitere wie den Low-Volatility-Faktor, der auf Aktien mit geringer Kursschwankung setzt. Jeder Faktor hat seine eigenen Eigenschaften und Risiken. Es gibt keine Garantie, dass ein Faktor in jedem Marktumfeld funktioniert. Oft sind sie gegenläufig: Wenn Value-Aktien boomen, schwächelt Momentum und umgekehrt. Eine Kombination aus mehreren Faktoren kann daher helfen, das Risiko zu streuen und die Renditechancen zu verbessern.

So funktioniert Factor Investing in der Praxis: Von der Theorie zum ETF

Du fragst dich sicherlich, wie du als Privatanleger Factor Investing umsetzen kannst. Die einfachste und kostengünstigste Methode sind Faktor-ETFs. Diese börsengehandelten Fonds bilden einen Index ab, der auf einem oder mehreren Faktoren basiert. Es gibt zum Beispiel ETFs auf den MSCI World Value, der nur günstig bewertete Unternehmen aus den Industrieländern enthält. Oder ETFs auf den MSCI World Momentum, der nur Aktien mit starkem Kurstrend enthält. Diese ETFs kaufst du ganz einfach über dein Depot, wie eine normale Aktie.

Die Funktionsweise ist simpel: Der Fondsanbieter kauft die Aktien, die im jeweiligen Faktor-Index enthalten sind. Die Gewichtung der Aktien erfolgt nicht nach Marktkapitalisierung, sondern nach der Stärke des Faktors. Ein Unternehmen mit einem sehr niedrigen KGV erhält also ein höheres Gewicht im Value-ETF als ein Unternehmen mit einem moderaten KGV. Dadurch wird das Portfolio gezielt auf den Faktor ausgerichtet. Du profitierst also direkt von der Faktor-Prämie, wenn sie sich einstellt.

Ein wichtiger Unterschied zu klassischen ETFs ist die Zusammensetzung des Portfolios. Ein Faktor-ETF ist weniger breit diversifiziert als ein Welt-ETF. Er enthält nur die Unternehmen, die den Faktor erfüllen. Das bedeutet, du gehst ein höheres Risiko ein, wenn du nur in einen einzigen Faktor investierst. Deshalb empfehlen Experten, in mehrere Faktoren gleichzeitig zu investieren. Du kannst zum Beispiel einen Teil deines Geldes in einen Value-ETF und einen anderen Teil in einen Momentum-ETF stecken.

Die Auswahl des richtigen Faktor-ETFs ist entscheidend. Du solltest auf die Indexmethodik achten, die Kostenquote (TER) und die Größe des Fonds. Ein großer Fonds mit hohem Handelsvolumen ist in der Regel besser, da er geringere Spreads aufweist. Außerdem solltest du darauf achten, ob der ETF physisch oder synthetisch aufgebaut ist. Physische ETFs kaufen die Aktien direkt, synthetische ETFs bilden die Rendete über Swaps ab. Für die meisten Anleger sind physische ETFs die bessere Wahl, da sie transparenter sind.

Bevor du investierst, solltest du dir über deine Risikobereitschaft im Klaren sein. Faktor-ETFs können stärker schwanken als ein breiter Welt-ETF. In einer Krise kann ein Value-ETF zum Beispiel stärker fallen als der Gesamtmarkt. Du musst also bereit sein, diese Schwankungen auszuhalten. Wenn du unsicher bist, ist es ratsam, zunächst nur einen kleinen Teil deines Vermögens in Faktor-ETFs zu investieren und den Rest in einen breiten Welt-ETF.

Kosten und Gebühren: Was Faktor-ETFs wirklich kosten

Kosten sind ein entscheidender Faktor bei jeder Geldanlage. Bei Faktor-ETFs musst du mit höheren Gebühren rechnen als bei klassischen Index-ETFs. Die Gesamtkostenquote (TER) liegt bei Faktor-ETFs meist zwischen 0,25 und 0,50 Prozent pro Jahr. Ein klassischer MSCI World ETF kostet oft nur 0,20 Prozent oder weniger. Der Unterschied scheint gering, kann aber über lange Zeiträume einen spürbaren Einfluss auf deine Rendite haben. Deshalb solltest du die Kosten immer im Blick behalten.

Neben der TER gibt es noch die Transaktionskosten, die beim Kauf und Verkauf des ETFs anfallen. Diese Kosten entstehen durch den Spread, also die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis. Bei Faktor-ETFs kann der Spread höher sein als bei sehr liquiden Standard-ETFs. Das liegt daran, dass das Handelsvolumen geringer ist. Wenn du regelmäßig einen Faktor-ETF besparst, fallen diese Kosten bei jeder Sparrate an. Es lohnt sich also, die Spreads zu vergleichen und gegebenenfalls auf einen günstigeren Anbieter auszuweichen.

Ein weiterer Kostenpunkt ist die sogenannte Performance Fee. Diese wird von einigen aktiven Fonds erhoben, aber bei ETFs ist sie unüblich. Die meisten Faktor-ETFs sind passiv verwaltet und erheben keine erfolgsabhängige Gebühr. Das ist ein großer Vorteil gegenüber aktiven Fonds, die oft hohe Gebühren verlangen, ohne dass sie garantiert besser abschneiden. Für dich als Anleger bedeutet das: Du profitierst von der Faktor-Prämie, ohne hohe Managementgebühren zu zahlen.

Wichtig ist, dass du die Kosten nicht isoliert betrachtest. Ein teurerer Faktor-ETF kann sich lohnen, wenn er die Faktor-Prämie zuverlässiger abbildet. Die Indexmethodik spielt dabei eine große Rolle. Manche Indizes gewichten die Faktoren stärker als andere, was zu einer höheren Rendite, aber auch zu höheren Schwankungen führen kann. Du solltest also nicht nur auf die TER schauen, sondern auch auf die Qualität des Index. Ein gut konstruierter Index kann die höheren Kosten rechtfertigen.

Um die Kosten zu minimieren, solltest du Faktor-ETFs über einen günstigen Broker kaufen und langfristig halten. Kurzfristiges Handeln erzeugt unnötige Transaktionskosten und Steuern. Wenn du einen Faktor-ETF als Sparplan besparst, kannst du die Kosten auf viele kleine Beträge verteilen. Achte darauf, dass dein Broker kostenlose Sparpläne anbietet. So kannst du die Vorteile des Factor Investings nutzen, ohne dass die Gebühren deine Rendite schmälern.

Worauf du bei der Auswahl achten solltest: Qualität statt Bauchgefühl

Die Auswahl des richtigen Faktor-ETFs ist keine einfache Aufgabe. Es gibt eine Vielzahl von Produkten auf dem Markt, die sich in ihrer Methodik unterscheiden. Du solltest dich nicht von Marketingversprechen blenden lassen, sondern die Fakten prüfen. Ein wichtiges Kriterium ist die Indexmethodik. Wie werden die Faktoren definiert und gewichtet? Ein guter Index sollte klare Regeln haben und die Faktoren konsistent abbilden. Du kannst die Methodik auf der Website des Indexanbieters wie MSCI oder S&P nachlesen.

Ein weiteres Kriterium ist die Historie des Index. Wie hat sich der Index in der Vergangenheit entwickelt? Gab es lange Phasen, in denen er schlechter abschnitt als der Gesamtmarkt? Diese Informationen findest du in Factsheets oder auf Finanzportalen. Eine lange Historie ist ein Indiz für die Robustheit der Methodik. Allerdings solltest du beachten, dass vergangene Renditen keine Garantie für die Zukunft sind. Die Historie dient nur zur Orientierung, nicht als Entscheidungsgrundlage.

Die Größe des Fonds und das Handelsvolumen sind ebenfalls wichtig. Ein großer Fonds mit einem hohen Fondsvolumen ist in der Regel stabiler und hat geringere Spreads. Ein kleiner Fonds kann dagegen geschlossen werden, wenn er nicht genügend Anleger anzieht. Das wäre ein unangenehmes Ereignis, da du deine Position dann verkaufen müsstest. Achte also darauf, dass der Faktor-ETF ein ausreichendes Volumen hat, um langfristig bestehen zu können.

Du solltest auch auf die Replikationsmethode achten. Physische ETFs kaufen die Aktien des Index direkt, synthetische ETFs bilden die Rendite über Swaps ab. Physische ETFs sind transparenter und bergen kein Kontrahentenrisiko. Synthetische ETFs können jedoch günstiger sein und die Faktoren genauer abbilden. Für die meisten Anleger ist ein physischer ETF die bessere Wahl. Wenn du unsicher bist, frage deinen Broker oder lies unabhängige Bewertungen.

Ein letzter Punkt ist die Diversifikation. Du solltest nicht dein gesamtes Vermögen in einen einzigen Faktor-ETF stecken. Eine Kombination aus verschiedenen Faktoren kann das Risiko reduzieren und die Renditechancen verbessern. Du könntest zum Beispiel 50 Prozent in einen Value-ETF und 50 Prozent in einen Momentum-ETF investieren. Oder du wählst einen Multi-Faktor-ETF, der mehrere Faktoren in einem Produkt vereint. Diese Produkte sind oft teurer, aber sie bieten eine einfache Lösung für Anfänger.

Typische Fehler beim Factor Investing und wie du sie vermeidest

Der häufigste Fehler beim Factor Investing ist mangelnde Geduld. Viele Anleger steigen ein, wenn ein Faktor gerade gut läuft, und verkaufen, wenn er schwächelt. Das ist genau das Gegenteil von dem, was funktioniert. Faktor-Prämien entstehen über lange Zeiträume, nicht über Monate oder Jahre. Wer ständig umschichtet, zahlt hohe Transaktionskosten und verpasst die Erholung. Du solltest dir also vor dem Kauf überlegen, ob du bereit bist, mindestens zehn Jahre zu investieren.

Ein weiterer Fehler ist die Übergewichtung eines einzelnen Faktors. Wenn du nur in einen Value-ETF investierst, setzt du alles auf eine Karte. Value-Aktien können über Jahre hinweg schlecht laufen, wie es zum Beispiel in den 2010er Jahren der Fall war. In dieser Zeit schnitten Wachstumsaktien deutlich besser ab. Wer nur auf Value gesetzt hat, hat viel Rendite liegen lassen. Eine breite Streuung über mehrere Faktoren kann dieses Risiko reduzieren.

Viele Anleger unterschätzen auch die Bedeutung der Kosten. Sie wählen den Faktor-ETF mit der höchsten Rendite, ohne auf die Gebühren zu achten. Doch hohe Kosten fressen einen Teil der Rendite auf. Ein ETF mit einer TER von 0,50 Prozent kostet über 30 Jahre einen erheblichen Teil deines Vermögens. Du solltest also immer die Kosten im Blick behalten und günstige Produkte bevorzugen. Ein guter Faktor-ETF muss nicht teuer sein.

Ein weiterer Fehler ist das Hinterfragen der eigenen Strategie bei jeder Marktbewegung. Wenn der Faktor-ETF mal 20 Prozent fällt, geraten viele Anleger in Panik und verkaufen. Das ist der falsche Weg. Du solltest dir vorher überlegen, wie du in einer Krise reagierst. Eine gute Strategie ist, einen Notfallplan zu haben und automatische Käufe einzurichten. So kaufst du regelmäßig nach, auch wenn der Markt fällt. Das senkt deinen durchschnittlichen Einstiegspreis.

Schließlich solltest du nicht versuchen, den Markt zu timen. Du kannst nicht wissen, welcher Faktor als nächstes gut läuft. Stattdessen solltest du eine systematische Strategie verfolgen und regelmäßig investieren. Ein Sparplan auf einen Multi-Faktor-ETF ist eine einfache und effektive Lösung. Er nimmt dir die Entscheidung ab und sorgt dafür, dass du langfristig investiert bleibst. So vermeidest du die häufigsten Fehler und erhöhst deine Chancen auf eine Faktor-Prämie.

Konkrete nächste Schritte: So startest du mit Factor Investing

Bevor du mit Factor Investing startest, solltest du deine finanzielle Situation prüfen. Hast du einen Notgroschen von drei bis sechs Monatsausgaben auf einem Tagesgeldkonto? Wenn nicht, solltest du diesen zuerst aufbauen. Factor Investing ist eine langfristige Anlage und du solltest nicht gezwungen sein, deine Wertpapiere in einer Notlage zu verkaufen. Ein solides Fundament ist die Basis für jede erfolgreiche Anlagestrategie.

Als nächsten Schritt solltest du deine Risikobereitschaft bestimmen. Wie viel Verlust kannst du aushalten, ohne in Panik zu geraten? Wenn du unsicher bist, kannst du einen Online-Fragebogen nutzen oder dich von einem unabhängigen Berater beraten lassen. Deine Risikobereitschaft bestimmt, wie hoch der Anteil an Faktor-ETFs in deinem Depot sein sollte. Für Anfänger ist es ratsam, mit einem kleinen Anteil von 10 bis 20 Prozent zu beginnen.

Danach musst du den passenden Faktor-ETF auswählen. Du kannst dich für einen einzelnen Faktor entscheiden oder für einen Multi-Faktor-ETF. Für den Anfang ist ein Multi-Faktor-ETF oft die einfachere Wahl, da er mehrere Faktoren in einem Produkt vereint. Achte auf die Kosten, die Indexmethodik und das Fondsvolumen. Vergleiche verschiedene Produkte auf Finanzportalen und lies die Factsheets. Nimm dir Zeit für diese Entscheidung, denn sie ist langfristig.

Sobald du dich für einen ETF entschieden hast, kannst du einen Sparplan einrichten. Die meisten Broker bieten kostenlose Sparpläne auf ETFs an. Du legst einen festen Betrag fest, der monatlich investiert wird. Das ist eine bequeme Art, regelmäßig zu investieren und den Cost-Average-Effekt zu nutzen. Du musst dich nicht um den richtigen Einstiegszeitpunkt kümmern, da du zu jedem Zeitpunkt kaufst. Über die Jahre gleichen sich die Kursschwankungen aus.

Überwache deine Anlage regelmäßig, aber nicht zu häufig. Ein Blick auf dein Depot einmal im Quartal ist völlig ausreichend. Du solltest deine Strategie nur ändern, wenn sich deine Lebensumstände ändern, zum Beispiel bei einem Jobwechsel oder einer Familiengründung. Ansonsten gilt: Bleib investiert und lass deinen Plan laufen. Factor Investing ist ein Marathon, kein Sprint. Mit Geduld und Disziplin kannst du langfristig von den Faktor-Prämien profitieren.

Fazit: Lohnt sich Factor Investing für dich?

Factor Investing ist eine spannende Möglichkeit, dein Depot zu verbessern. Es basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und bietet die Chance auf eine höhere Rendite als mit einem klassischen Welt-ETF. Allerdings ist es keine Garantie und erfordert ein hohes Maß an Disziplin. Du musst bereit sein, Schwankungen auszuhalten und langfristig investiert zu bleiben. Wenn du diese Voraussetzungen erfüllst, kann Factor Investing eine sinnvolle Ergänzung sein.

Für Anleger, die ein einfaches und passives Investment suchen, ist ein klassischer Welt-ETF oft die bessere Wahl. Er ist günstiger, breiter diversifiziert und einfacher zu verstehen. Factor Investing ist eher etwas für Anleger, die sich intensiver mit der Materie beschäftigen möchten und bereit sind, ein höheres Risiko einzugehen. Es ist eine aktive Entscheidung, die auf einer fundierten Analyse basieren sollte.

Wir hoffen, dass dieser Artikel dir geholfen hat, das Thema besser zu verstehen. Du kennst jetzt die wichtigsten Faktoren, die Funktionsweise und die typischen Fehler. Du weißt, worauf du bei der Auswahl achten musst und wie du konkret starten kannst. Der Rest liegt bei dir. Informiere dich weiter, vergleiche Produkte und triff eine Entscheidung, die zu deiner persönlichen Situation passt.

Denke daran: Es gibt keine perfekte Anlagestrategie. Jede Entscheidung hat Vor- und Nachteile. Factor Investing ist eine Möglichkeit, aber nicht die einzige. Wichtig ist, dass du einen Plan hast und dich wohlfühlst. Wenn du unsicher bist, hole dir professionellen Rat. Ein unabhängiger Finanzberater kann dir helfen, die richtige Strategie für deine Ziele zu finden.

Viel Erfolg bei deiner Anlageentscheidung! Mit dem richtigen Wissen und einer langfristigen Perspektive kannst du die Chancen des Aktienmarktes nutzen. Ob mit oder ohne Faktoren: Der wichtigste Schritt ist, überhaupt zu beginnen. Je früher du investierst, desto länger kann dein Geld für dich arbeiten. Nutze die Kraft des Zinseszinseffekts und starte noch heute.

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Häufige Fragen

Factor Investing ist eine Anlagestrategie, bei der du gezielt in Aktien investierst, die bestimmte Eigenschaften haben. Diese Eigenschaften, wie zum Beispiel ein günstiges Bewertungsniveau oder ein starker Kurstrend, haben in der Vergangenheit überdurchschnittliche Renditen erzielt. Du kaufst also nicht den ganzen Markt, sondern nur einen bestimmten Teil davon.

Die bekanntesten Faktoren sind Value (günstige Aktien), Size (kleine Unternehmen), Momentum (starke Kurstrends) und Quality (profitable Unternehmen). Es gibt noch weitere wie Low Volatility. Jeder Faktor hat seine eigenen Risiken und Renditechancen. Eine Kombination aus mehreren Faktoren kann das Risiko streuen.

Du kaufst Faktor-ETFs wie normale Aktien über dein Depot. Du kannst sie entweder einmalig kaufen oder einen Sparplan einrichten. Achte auf die Kosten, die Indexmethodik und das Fondsvolumen. Ein Multi-Faktor-ETF ist für Anfänger oft die einfachere Wahl, da er mehrere Faktoren in einem Produkt vereint.

Ja, in der Regel schon. Faktor-ETFs sind weniger breit diversifiziert und können stärker schwanken. In bestimmten Marktphasen können sie deutlich schlechter abschneiden als der Gesamtmarkt. Dafür bieten sie langfristig die Chance auf eine höhere Rendite. Du solltest also ein höheres Risiko eingehen können.

Das hängt von deiner Risikobereitschaft und deinem Anlagehorizont ab. Für Anfänger ist es ratsam, mit einem kleinen Anteil von 10 bis 20 Prozent des Aktienportfolios zu beginnen. Du kannst den Anteil später erhöhen, wenn du dich wohler fühlst. Wichtig ist, dass du die Schwankungen aushältst.

Nein, das ist unrealistisch. Factor Investing ist eine langfristige Strategie, die über Jahrzehnte hinweg eine kleine zusätzliche Rendite liefern kann. Es ist keine Zauberformel für schnellen Reichtum. Du solltest realistische Erwartungen haben und geduldig sein.

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StudySmarter-Redaktion

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Redaktionell geprüft. Stand: 31.08.2026, nächste Prüfung: 03/2027. Dieser Artikel ist Finanzbildung, keine Rechts- oder Steuerberatung.