Thesaurierender ETF Risiko: So schätzt du es richtig ein
Du willst mit ETFs langfristig Vermögen aufbauen, aber der Begriff "thesaurierend" macht dir Angst? Keine Sorge. Wir zeigen dir, welche Risiken wirklich hinter dieser beliebten Anlageform stecken und wie du sie clever managst.
Warum dich das Thema betrifft
Vielleicht hast du schon einmal von ETFs gehört und dich gefragt, ob das etwas für dich ist. Du bist nicht allein. Millionen von Menschen in Deutschland fragen sich dasselbe. Der Einstieg in die Welt der Geldanlage wirkt oft kompliziert und voller Fachbegriffe. Einer davon ist der "thesaurierende ETF". Diesen Begriff hörst du häufig, wenn es um langfristigen Vermögensaufbau geht.
Doch warum solltest du dich damit beschäftigen? Ganz einfach: Dein Geld auf dem Sparbuch verliert durch die Inflation jedes Jahr an Kaufkraft. Das bedeutet, du kannst dir für dein Erspartes immer weniger leisten. Um dein Vermögen zu erhalten oder sogar zu vermehren, musst du es investieren. ETFs gelten dabei als eine der einfachsten und kostengünstigsten Möglichkeiten, am Aktienmarkt teilzuhaben.
Der thesaurierende ETF ist dabei eine spezielle Variante, die sich besonders für langfristige Ziele wie die Altersvorsorge eignet. Wenn du verstehst, wie er funktioniert und welche Risiken damit verbunden sind, kannst du eine fundierte Entscheidung für deine finanzielle Zukunft treffen. Dieser Artikel hilft dir dabei, das Thema von Grund auf zu verstehen.
Wir erklären dir Schritt für Schritt, was ein thesaurierender ETF ist, wie er sich von anderen Anlageformen unterscheidet und worauf du bei der Auswahl achten solltest. Am Ende wirst du in der Lage sein, selbst einzuschätzen, ob diese Anlageform zu dir und deinen Zielen passt. Das ist der erste Schritt zu mehr finanzieller Unabhängigkeit.
Was ist ein ETF und was bedeutet thesaurierend?
Bevor wir uns dem Risiko widmen, müssen wir die Grundlagen klären. ETF ist die Abkürzung für Exchange Traded Fund. Das ist ein börsengehandelter Fonds. Stell dir vor, du kaufst nicht eine einzelne Aktie, sondern einen Korb voller Aktien. Dieser Korb bildet einen bestimmten Index nach, zum Beispiel den DAX oder den MSCI World. So investierst du mit einem einzigen Kauf in viele Unternehmen gleichzeitig.
Das hat den Vorteil, dass dein Risiko breit gestreut ist. Geht es einem Unternehmen schlecht, macht das nur einen kleinen Teil deines Investments aus. ETFs werden passiv verwaltet, das heißt, es gibt keinen Fondsmanager, der ständig kauft und verkauft. Der Fonds bildet einfach den Index nach. Dadurch sind die Kosten deutlich geringer als bei aktiv gemanagten Fonds.
Nun zum Begriff "thesaurierend". Dieser beschreibt, was mit den Erträgen deiner Anlage passiert. Ein Unternehmen, dessen Aktie in deinem ETF steckt, schüttet oft Gewinne als Dividende aus. Bei einem thesaurierenden ETF werden diese Dividenden nicht an dich ausgezahlt, sondern automatisch wieder in den Fonds investiert. Das heißt, dein Anteil am Fonds wächst automatisch.
Das Gegenteil ist der ausschüttende ETF. Bei diesem bekommst du die Dividenden regelmäßig auf dein Konto überwiesen. Thesaurierende ETFs sind also wie ein Sparkonto mit automatischer Wiederanlage der Zinsen. Du musst dich um nichts kümmern, der Zinseszins-Effekt arbeitet für dich. Dies ist der entscheidende Unterschied und die Basis für das Verständnis des Risikos.
So funktioniert der Zinseszins bei der Thesaurierung
Der Zinseszins ist einer der mächtigsten Effekte in der Geldanlage. Bei einem thesaurierenden ETF wird dieser Effekt voll ausgenutzt. Stell dir vor, du investierst 100 Euro und der Fonds wächst im Jahr um 5 Prozent. Am Ende des Jahres hast du 105 Euro. Bei einem thesaurierenden Fonds wird nun im nächsten Jahr nicht nur dein ursprüngliches Kapital verzinst, sondern auch die 5 Euro Gewinn.
Im zweiten Jahr wächst dein Kapital also um 5 Prozent von 105 Euro, das sind 5,25 Euro. So kommst du am Ende des zweiten Jahres auf 110,25 Euro. Diesen Effekt nennt man Zinseszins. Je länger du dein Geld investiert lässt, desto stärker wird dieser Effekt. Nach 30 Jahren ist dein Vermögen dadurch deutlich stärker gewachsen als ohne die Wiederanlage.
Bei einem ausschüttenden ETF müsstest du die Dividenden selbst wieder anlegen, um diesen Effekt zu erzielen. Das erfordert Disziplin und Aufwand. Der thesaurierende ETF macht das automatisch für dich. Du musst dich nicht um die Wiederanlage kümmern und kannst nicht in Versuchung geraten, das Geld auszugeben. Das ist ein großer Vorteil für alle, die langfristig und bequem sparen möchten.
Wichtig ist, dass der Zinseszins nur bei langen Anlagezeiträumen richtig wirkt. Wenn du nur für ein paar Jahre investierst, ist der Unterschied zwischen thesaurierend und ausschüttend gering. Für die Altersvorsorge mit einem Horizont von 20, 30 oder mehr Jahren ist der Zinseszins jedoch der entscheidende Faktor für den Vermögensaufbau. Er ist der Grund, warum thesaurierende ETFs so beliebt sind.
Das eigentliche Risiko: Marktrisiko und Kursschwankungen
Kommen wir nun zum Kern des Themas: dem Risiko. Das wichtigste Risiko bei einem thesaurierenden ETF ist das Marktrisiko. Das bedeutet, dass der Wert deines ETFs schwanken kann. An manchen Tagen ist er mehr wert, an anderen weniger. Über kurze Zeiträume kann der Wert sogar deutlich fallen. Ein Rückgang von 30 oder 40 Prozent ist bei Aktien-ETFs in einer Krise möglich.
Dieses Risiko besteht bei jedem Aktien-ETF, egal ob thesaurierend oder ausschüttend. Die Thesaurierung selbst ist kein zusätzliches Risiko. Sie verändert nur, was mit den Erträgen passiert. Das Marktrisiko bleibt gleich. Du musst also bereit sein, Kursschwankungen auszuhalten, ohne in Panik zu verfallen und zu verkaufen. Genau hier scheitern viele Anleger.
Der entscheidende Punkt ist, dass Kursschwankungen bei langen Anlagezeiträumen in der Regel wieder ausgeglichen werden. Historisch gesehen haben Aktienmärkte über Zeiträume von 15 Jahren oder mehr immer an Wert gewonnen. Es gab immer wieder Krisen, aber die Märkte haben sich immer erholt. Dein Anlagehorizont ist also dein wichtigstes Werkzeug gegen das Marktrisiko.
Ein weiterer Punkt ist das Risiko der Geldentwertung durch Inflation. Auch wenn dein ETF im Wert schwankt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er langfristig die Inflation schlägt. Das ist bei einem Sparbuch nicht der Fall. Das Risiko, durch Inflation Kaufkraft zu verlieren, ist bei einem thesaurierenden ETF also geringer als bei einer reinen Bargeldhaltung. Du gehst also ein Risiko ein, um ein anderes zu reduzieren.
Kosten und Steuern: Was du wissen musst
Neben dem Marktrisiko gibt es noch andere Faktoren, die du im Blick behalten solltest. Da sind zum einen die Kosten. Jeder ETF hat eine sogenannte Gesamtkostenquote, die TER. Diese wird jährlich von deinem Fondsvermögen abgezogen. Bei ETFs ist sie mit etwa 0,2 bis 0,5 Prozent pro Jahr glücklicherweise sehr gering. Diese Kosten solltest du aber trotzdem im Hinterkopf behalten.
Ein wichtiger Punkt in Deutschland ist die Vorabpauschale. Diese wurde eingeführt, um die Steuerstundung bei thesaurierenden ETFs zu vermeiden. Seit 2018 musst du auch bei thesaurierenden Fonds eine jährliche Vorabpauschale versteuern. Diese wird auf Basis des Basiszinssatzes berechnet. Sie ist keine zusätzliche Steuer, sondern eine Vorauszahlung auf die spätere Abgeltungssteuer beim Verkauf.
Das klingt kompliziert, ist aber in der Praxis gut zu handhaben. Dein Broker oder deine Depotbank kümmert sich in der Regel automatisch um die Berechnung und Abführung der Steuer. Du musst also keine Steuererklärung für deine ETFs machen, solange du sie nicht verkaufst. Die Vorabpauschale sorgt lediglich dafür, dass du den Zinseszins-Effekt nicht unbegrenzt steuerfrei nutzen kannst.
Trotzdem ist der Steuerstundungseffekt bei thesaurierenden ETFs vorhanden. Du zahlst die Steuer auf die Erträge erst bei einem Verkauf in der Zukunft. Bis dahin arbeitet das Geld, das du sonst für Steuern ausgegeben hättest, weiter für dich. Das ist ein weiterer Vorteil gegenüber ausschüttenden ETFs, bei denen du die Steuer auf die Dividenden sofort zahlst. So gesehen ist der thesaurierende ETF auch steuerlich effizienter.
Worauf du bei der Auswahl achten solltest
Wenn du dich für einen thesaurierenden ETF entscheidest, gibt es ein paar Dinge zu beachten. Zunächst solltest du auf den zugrunde liegenden Index schauen. Ein breit aufgestellter Weltindex wie der MSCI World oder der FTSE All-World ist eine gute Wahl für den Einstieg. Er bildet tausende Unternehmen aus vielen Ländern ab und ist damit sehr gut diversifiziert. Das reduziert das Risiko von einzelnen Ländern oder Branchen.
Achte außerdem auf die Größe des Fonds und das Fondsvolumen. Ein großer Fonds mit einem hohen Volumen ist in der Regel stabiler und hat einen engeren Spread, also geringere Handelskosten. Zudem solltest du auf die Ertragsverwendung achten. Im Namen des ETFs steht oft "Acc" für Accumulating, das ist die englische Bezeichnung für thesaurierend. Verwechsle das nicht mit "Dist" für Distributing, also ausschüttend.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Wahl deines Brokers. Viele Neobroker bieten mittlerweile kostenlose Sparpläne auf ETFs an. Das bedeutet, du kannst schon mit kleinen Beträgen ab 25 Euro pro Monat in einen thesaurierenden ETF investieren. Achte darauf, dass dein Broker die Vorabpauschale automatisch korrekt berechnet. Das ist heutzutage bei allen gängigen Anbietern der Fall.
Überlege dir auch, ob du einen Sparplan einrichten möchtest. Ein Sparplan ist eine bequeme Möglichkeit, regelmäßig zu investieren. Du richtest ihn einmal ein und der Broker kauft automatisch jeden Monat Anteile für dich. So profitierst du vom Cost-Average-Effekt. Du kaufst bei niedrigen Kursen mehr Anteile und bei hohen Kursen weniger. Das glättet deinen Einstiegspreis über die Zeit.
Typische Fehler, die du vermeiden solltest
Der häufigste Fehler bei der Geldanlage ist, in Panik zu geraten und bei fallenden Kursen zu verkaufen. Du solltest dir vor dem Kauf genau überlegen, ob du Kursschwankungen von 30 Prozent oder mehr aushalten kannst. Wenn nicht, ist ein Aktien-ETF vielleicht nicht das Richtige für dich. Ein Verkauf in der Krise macht deine Verluste real und du verpasst die anschließende Erholung.
Ein weiterer Fehler ist, zu viel Geld in einen einzelnen ETF zu stecken, der nur einen kleinen Markt abbildet. Ein ETF auf nur eine Branche oder ein einzelnes Land ist deutlich riskanter als ein breiter Welt-ETF. Setze auf breite Diversifikation, um das Risiko zu minimieren. Ein MSCI World oder FTSE All-World ist für die meisten Anleger die beste Wahl.
Viele Anfänger machen auch den Fehler, zu kompliziert zu denken. Sie versuchen, den perfekten Zeitpunkt für den Einstieg zu finden oder zwischen unzähligen ETFs zu wählen. Das ist unnötig. Wichtig ist, dass du überhaupt anfängst und langfristig investierst. Der Zinseszins belohnt die Zeit im Markt, nicht das Timing. Starte einfach mit einem breiten ETF und einem Sparplan.
Zuletzt solltest du deine Anlage nicht ständig überwachen. Es ist normal, dass dein Depot schwankt. Schau nicht jeden Tag auf deine Kurse. Das macht dich nur nervös. Überprüfe dein Depot vielleicht einmal im Quartal oder einmal im Jahr. Wichtig ist, dass du deinen Plan durchziehst und nicht bei jeder Schlagzeile deine Strategie änderst. Geduld ist der Schlüssel zum Erfolg.
Deine nächsten Schritte: So legst du los
Bist du bereit, den ersten Schritt zu machen? Dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt. Der erste Schritt ist die Eröffnung eines Depots. Das geht heute komplett online in wenigen Minuten. Achte auf einen Anbieter mit niedrigen Kosten und guter Bedienbarkeit. Viele Neobroker bieten sogar ein kostenloses Depot an. Du brauchst nur dein Smartphone und deinen Personalausweis.
Im zweiten Schritt richtest du einen Sparplan auf einen breiten thesaurierenden ETF ein. Wähle einen MSCI World oder einen FTSE All-World mit der Kennzeichnung "Acc". Lege den Betrag fest, den du monatlich investieren kannst und willst. Schon 50 Euro im Monat sind ein guter Anfang. Wichtig ist, dass du den Betrag langfristig durchhalten kannst, ohne dich einzuschränken.
Bevor du startest, solltest du einen Notgroschen auf einem Tagesgeldkonto anlegen. Dieser sollte mindestens drei bis sechs Monatsgehälter abdecken. Dieses Geld ist für unvorhergesehene Ausgaben gedacht und sollte nicht in ETFs investiert werden. So bist du abgesichert und musst deine ETFs nicht im Notfall verkaufen, wenn die Kurse gerade schlecht stehen.
Der letzte Schritt ist der wichtigste: Bleib dran. Richte deinen Sparplan ein und lass ihn laufen. Überweise das Geld automatisch und widerstehe der Versuchung, deine Strategie zu ändern. Informiere dich regelmäßig, aber lass dich nicht von kurzfristigen Marktbewegungen verunsichern. Mit einem langen Atem und einem breit gestreuten thesaurierenden ETF legst du den Grundstein für deinen Vermögensaufbau. Dein zukünftiges Ich wird es dir danken.
Beantworte 3 Fragen für deine Einschätzung.
Häufige Fragen
Nein, das Marktrisiko ist identisch. Beide bilden denselben Index ab. Der Unterschied liegt nur in der Verwendung der Dividenden. Bei der Thesaurierung werden sie reinvestiert, bei der Ausschüttung ausgezahlt. Das Risiko von Kursschwankungen bleibt gleich.
Ein thesaurierender ETF lohnt sich besonders bei einem langen Anlagehorizont, zum Beispiel für die Altersvorsorge. Je länger du anlegst, desto stärker wirkt der Zinseszins-Effekt. Bei kurzen Zeiträumen von wenigen Jahren ist der Unterschied zu ausschüttenden ETFs gering.
In Deutschland greift die Vorabpauschale. Du versteuerst jährlich einen fiktiven Ertrag, der auf dem Basiszinssatz basiert. Diese Steuer wird von deiner Depotbank automatisch abgeführt. Beim späteren Verkauf zahlst du dann nur noch die Abgeltungssteuer auf den tatsächlichen Gewinn abzüglich der Vorabpauschale.
Ein Totalverlust ist bei einem breit gestreuten Welt-ETF äußerst unwahrscheinlich. Dafür müssten tausende Unternehmen weltweit gleichzeitig wertlos werden. Zwar kann der Wert stark fallen, aber eine vollständige Entwertung ist praktisch ausgeschlossen. Dein Risiko ist durch die breite Streuung minimiert.
Nein, du brauchst kein Börsenwissen. Ein ETF-Sparplan auf einen Welt-Index ist eine passive Anlage. Du musst keine einzelnen Aktien analysieren. Es reicht, wenn du die Grundlagen verstehst und einen langen Atem hast. Der Rest passiert automatisch in deinem Depot.
Dein Vermögen ist durch das Sondervermögen geschützt. Das bedeutet, das Fondsvermögen ist getrennt vom Vermögen des ETF-Anbieters. Geht der Anbieter pleite, bleibt dein ETF bestehen und wird von einem anderen Anbieter übernommen. Dein Geld ist also sicher.
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