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FinanzbildungInvestieren9 Min.

Thesaurierender ETF kleine Beträge: Dein Einstieg in den Zinseszins

Du möchtest mit wenig Geld anfangen und langfristig Vermögen aufbauen? Ein thesaurierender ETF ist dafür ideal, denn er legt deine Gewinne automatisch wieder an. So profitierst du vom Zinseszins, ohne selbst aktiv werden zu müssen.

ZinseszinsETF-SparenEinsteiger
Brauche ich das?
Ja, für Langzeit.
Perfekt für Sparpläne mit langer Laufzeit.
Wie viel Startkapital?
Schon ab 1 Euro
Viele Sparpläne erlauben sehr kleine Raten.
Was ist der Vorteil?
Automatischer Wiederanlage
Gewinne werden direkt reinvestiert, kein Aufwand.

Warum dich das Thema betrifft, auch wenn du kein Geld hast

Vielleicht denkst du, dass Investieren nur etwas für Leute mit hohem Einkommen oder großem Erbe ist. Das ist ein Irrglaube. Gerade mit kleinen Beträgen kannst du heute starten und vom wichtigsten Effekt an der Börse profitieren: der Zeit. Je früher du beginnst, desto mehr wirkt der Zinseszins für dich, selbst wenn du nur 25 oder 50 Euro pro Monat zurücklegst.

Inflation ist der stille Feind deines Ersparten. Wenn du Geld auf dem Girokonto oder unter dem Kopfkissen liegen lässt, verliert es jedes Jahr an Kaufkraft. Ein thesaurierender ETF kann diese Kaufkraft nicht garantieren, aber er bietet historisch gesehen eine realistische Chance, langfristig mehr zu erreichen als jedes Sparbuch.

Du musst kein Finanzgenie sein, um zu starten. Die größte Hürde ist nicht das Wissen, sondern der erste Schritt. Ein Sparplan auf einen breiten Aktien-ETF ist eine der einfachsten und demokratischsten Formen der Geldanlage. Er ist für dich gemacht, unabhängig davon, ob du 20 oder 60 Jahre alt bist.

Denk an deine Zukunft: Rente, Hauskauf, Reisen oder einfach ein Polster für schlechte Zeiten. Mit einem Sparplan baust du dir Schritt für Schritt ein Vermögen auf, das dir Freiheit schenkt. Du musst nur anfangen, und der beste Zeitpunkt dafür ist heute.

~10 Jahre
empfohlener Anlagehorizont für Aktien-ETFs
~1,5 Mrd. Euro
monatliches Volumen in ETF-Sparplänen in Deutschland
jede:r 3.
unter 30-Jährige besitzt laut Umfragen Wertpapiere

Was ist ein ETF und was bedeutet thesaurierend?

ETF ist die Abkürzung für Exchange Traded Fund, auf Deutsch: börsengehandelter Indexfonds. Stell dir einen Korb vor, in dem viele verschiedene Aktien liegen, zum Beispiel die 40 größten Unternehmen Deutschlands (DAX) oder die 500 größten der USA (S&P 500). Ein ETF bildet diesen Korb nach, du kaufst also mit einem einzigen Wertpapier ein Stück von vielen Firmen.

Das ist der große Vorteil gegenüber einzelnen Aktien: Du streust dein Risiko. Wenn eine Firma im Korb Pleite geht, ist das nur ein kleiner Teil deines Investments. Du setzt nicht alles auf eine Karte, sondern auf die gesamte Wirtschaftskraft einer Region oder Branche.

Der Begriff thesaurierend kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie ansammeln. Bei einem thesaurierenden ETF werden die Dividenden, also die Gewinnausschüttungen der Unternehmen, nicht an dich ausgezahlt, sondern automatisch wieder in den Fonds investiert. Du kaufst mit deinen eigenen Gewinnen neue Anteile, ohne etwas zu tun.

Das Gegenteil ist der ausschüttende ETF, der dir die Dividenden regelmäßig auf dein Konto überweist. Für dich als Einsteiger mit kleinen Beträgen ist die thesaurierende Variante oft sinnvoller, weil du den Zinseszins-Effekt voll ausnutzt und keine Bruchstücke von Anteilen manuell nachkaufen musst.

So funktioniert der Zinseszins bei kleinen Beträgen

Der Zinseszins ist der Motor deines Vermögensaufbaus. Ein einfaches Beispiel: Du investierst 50 Euro pro Monat. Im ersten Jahr zahlst du 600 Euro ein. Wenn der Markt im Schnitt wächst, erwirtschaftest du Gewinne. Im zweiten Jahr zahlst du wieder 600 Euro ein, aber deine Gewinne aus dem ersten Jahr arbeiten nun mit.

Das bedeutet, du bekommst nicht nur auf deine Einzahlungen Rendite, sondern auch auf deine bereits erzielten Gewinne. Das ist wie ein Schneeballsystem, das legal und transparent ist. Je länger du dabei bleibst, desto größer wird der Schneeball, ohne dass du mehr Geld einzahlen musst.

Bei einem thesaurierenden ETF passiert das automatisch. Du musst keine Dividenden manuell reinvestieren, was besonders bei kleinen Beträgen wichtig ist. Denn wenn du nur 10 Euro Dividende bekommst, ist es nervig und teuer, dafür extra Aktien zu kaufen. Der Fonds erledigt das für dich in einem Rutsch.

Wichtig ist, dass du den Zinseszins nicht unterschätzt. Viele unterschätzen die Wirkung über 20 oder 30 Jahre. Ein Beispiel: Wer 30 Jahre lang 100 Euro pro Monat spart und eine durchschnittliche Rendite von 5 Prozent pro Jahr erzielt, hat am Ende deutlich mehr als die eingezahlten 36.000 Euro. Die genaue Summe hängt von der Marktentwicklung ab, aber der Effekt ist mathematisch sicher.

Was kostet ein Sparplan und worauf du achten solltest

Kosten sind der größte Feind deiner Rendite. Bei ETFs gibt es zwei Arten von Kosten: die laufenden Kosten (TER) und die Transaktionskosten beim Kauf. Die TER (Total Expense Ratio) ist eine jährliche Gebühr, die der Fonds für die Verwaltung einbehält. Sie liegt bei breiten Aktien-ETFs meist unter 0,5 Prozent pro Jahr.

Für dich als Sparplan-Nutzer ist die TER wichtig, aber nicht das einzige Kriterium. Viele Banken und Broker bieten mittlerweile kostenlose Sparpläne an, das heißt, du zahlst keine Kaufgebühr für deine monatliche Rate. Das ist ideal für kleine Beträge, weil eine Fixgebühr von 1,50 Euro bei einer Rate von 50 Euro schon 3 Prozent deines Investments kosten würde.

Achte auf die Fondsgröße und das Fondsvolumen. Ein ETF mit einem Volumen von mehreren Milliarden Euro ist etabliert und liquide, das bedeutet, du kannst ihn jederzeit leicht kaufen und verkaufen. Neue oder sehr kleine Fonds können höhere Spreads haben, also größere Unterschiede zwischen Kauf- und Verkaufspreis.

Vergleiche nicht nur die Kosten, sondern auch die Nachbildung. Die meisten ETFs bilden ihren Index physisch nach, das heißt, sie kaufen die echten Aktien. Das ist transparent und für dich als Einsteiger völlig ausreichend. Verzichte auf komplexe Produkte mit Hebeln oder Derivaten, die für Profis gedacht sind.

Worauf du bei der Auswahl des richtigen ETFs achten musst

Der wichtigste Schritt ist die Wahl des Index. Ein breiter Weltindex wie der MSCI World oder der FTSE All-World enthält tausende Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern. Damit bist du maximal diversifiziert und musst dir keine Gedanken über einzelne Länder oder Branchen machen.

Für Einsteiger empfehlen sich zwei Strategien: Entweder du nimmst einen einzigen All-World-ETF, der die ganze Welt abdeckt, oder du kombinierst einen Industrieländer-ETF mit einem Schwellenländer-ETF. Beide Varianten sind solide, die erste ist allerdings einfacher und erfordert weniger Pflege.

Achte auf die Währung des Fonds. Viele ETFs werden in Euro oder US-Dollar gehandelt. Für dich als Anleger in Deutschland ist die Euro-Variante oft praktischer, weil du kein Währungsrisiko beim Kauf eingehst. Das Risiko der zugrunde liegenden Aktien bleibt aber bestehen, denn die Unternehmen rechnen in Dollar.

Prüfe, ob der ETF thesaurierend ist. Das steht in der Fondsbezeichnung, oft mit dem Zusatz Acc (für Accumulating) oder Thesaurierer. Wenn du dir unsicher bist, schau in das Factsheet des Fonds oder frage deinen Broker. Es ist besser, einmal genauer hinzusehen, als später einen falschen Fonds zu besparen.

Typische Fehler, die du unbedingt vermeiden solltest

Der häufigste Fehler ist, auf den perfekten Einstiegszeitpunkt zu warten. Niemand kann die Zukunft vorhersagen, auch nicht Profis. Wenn du monatlich sparst, kaufst du automatisch mal bei hohen und mal bei niedrigen Kursen. Das nennt man Cost-Average-Effekt, und er glättet deine Einstiegskurse über die Zeit.

Ein weiterer Fehler ist, bei Kursschwankungen in Panik zu geraten und zu verkaufen. Der Aktienmarkt schwankt, das ist normal. Wenn du einen Sparplan hast, ist ein Kursrutsch sogar gut, denn du bekommst mehr Anteile für dein Geld. Verkaufe niemals aus Angst, sondern bleibe deinem Plan treu.

Viele Anfänger machen den Fehler, zu viele verschiedene ETFs zu kaufen. Ein oder zwei breite Fonds reichen völlig aus. Wenn du zehn verschiedene ETFs besparst, hast du keinen Vorteil, sondern nur mehr Aufwand und möglicherweise höhere Kosten. Weniger ist hier oft mehr.

Vergiss nicht, deine Ziele zu definieren. Ein ETF-Sparplan ist kein Selbstläufer, sondern ein Werkzeug. Wenn du weißt, wofür du sparst, fällt es dir leichter, bei Krisen ruhig zu bleiben. Schreibe dein Ziel auf, zum Beispiel für die Rente oder eine Anzahlung für eine Immobilie, und erinnere dich daran, wenn die Kurse fallen.

So legst du deinen ersten Sparplan in 5 Schritten an

Schritt eins: Wähle einen Broker. Du brauchst ein Depot, das ist dein Wertpapierkonto. Achte darauf, dass der Anbieter kostenlose Sparpläne auf deinen Wunsch-ETF anbietet. Viele Neobroker und Direktbanken sind hier sehr günstig und bieten eine einfache App an.

Schritt zwei: Entscheide dich für einen ETF. Nimm einen breiten Weltindex, zum Beispiel den FTSE All-World oder den MSCI World. Achte auf die thesaurierende Variante und ein ausreichend großes Fondsvolumen. Wenn du dir unsicher bist, starte mit einem einzigen ETF und erweitere später.

Schritt drei: Lege deine Sparrate fest. Bestimme einen Betrag, den du monatlich entbehren kannst, ohne deinen Lebensstandard zu stark einzuschränken. Es ist besser, mit 25 Euro zu starten und konsequent zu bleiben, als mit 200 Euro zu planen und nach drei Monaten aufzuhören.

Schritt vier: Richte den Sparplan ein. Das geht in der Regel online in wenigen Minuten. Du gibst den ETF, den Betrag und das Ausführungsdatum an. Wähle einen Tag nach deinem Gehaltseingang, damit das Geld direkt vom Konto abgebucht wird, bevor du es ausgeben kannst.

Schritt fünf: Lass den Plan laufen und überprüfe ihn einmal pro Jahr. Du musst nicht täglich auf die Kurse schauen. Kontrolliere nur, ob der Fonds noch zu deiner Strategie passt und ob die Kosten stabil sind. Ansonsten gilt: Einfach laufen lassen und den Zinseszins arbeiten lassen.

Steuern und Freibetrag: Das solltest du wissen

In Deutschland musst du auf Gewinne aus ETFs Kapitalertragsteuer zahlen. Das gilt auch für thesaurierende Fonds, denn die Wiederanlage der Dividenden ist steuerpflichtig. Die gute Nachricht: Du hast einen Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro pro Person (Stand 2026), bis zu dem deine Gewinne steuerfrei sind.

Um den Freibetrag zu nutzen, musst du bei deinem Broker einen Freistellungsauftrag einrichten. Das ist ein Formular, in dem du angibst, dass deine Erträge bis 1.000 Euro nicht versteuert werden sollen. Ohne diesen Auftrag behält der Broker automatisch Steuern ein, die du dir später über die Steuererklärung zurückholen müsstest.

Bei thesaurierenden ETFs gibt es eine Besonderheit: die Vorabpauschale. Da die Gewinne nicht ausgeschüttet, sondern reinvestiert werden, wird eine fiktive Vorabsteuer berechnet. Diese wird mit den späteren Verkaufsgewinnen verrechnet. Das klingt kompliziert, ist aber für dich als Anleger kein Nachteil, sondern nur eine steuerliche Feinheit.

Wenn du deine ETF-Anteile verkaufst, zahlst du Steuern auf den Gewinn, also auf die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis. Bei einem langfristigen Sparplan ist das unvermeidbar, aber du hast den Vorteil, dass du über viele Jahre steuerfrei Gewinne ansammeln kannst, solange du unter dem Freibetrag bleibst.

Dein Fahrplan für die nächsten 12 Monate

Monat 1 bis 3: Du richtest deinen Sparplan ein und lässt ihn laufen. Widerstehe der Versuchung, ständig auf die App zu schauen. Setze dir ein Ziel, zum Beispiel 500 Euro angespart zu haben, und freue dich über jeden einzelnen Anteil, den du besitzt.

Monat 4 bis 6: Du hast die ersten Schwankungen erlebt. Wenn die Kurse fallen, bleib ruhig und denke an den Cost-Average-Effekt. Du kaufst jetzt mehr Anteile für dein Geld. Überlege, ob du deine Sparrate erhöhen kannst, wenn du zum Beispiel eine Gehaltserhöhung bekommst.

Monat 7 bis 9: Du bist jetzt ein erfahrener Sparer. Prüfe einmal, ob dein Freistellungsauftrag korrekt hinterlegt ist und ob dein Broker noch die besten Konditionen bietet. Es ist okay, den Anbieter zu wechseln, wenn du woanders günstiger sparst.

Monat 10 bis 12: Ziehe Bilanz. Wie viel hast du gespart, wie hat sich dein Depot entwickelt? Denke daran, dass ein Jahr nur ein kleiner Ausschnitt ist. Dein Ziel ist die lange Frist. Erstelle einen Kalendereintrag für das nächste Jahr, um deine Strategie zu überprüfen und deine Sparrate anzupassen.

Kurzer Selbst-Check: Brauchst du das?

Beantworte 3 Fragen für deine Einschätzung.

Kannst du das Geld mindestens 10 Jahre entbehren?
Möchtest du dich um nichts kümmern, nachdem der Sparplan läuft?
Ist dir ein breiter Markt wichtiger als einzelne Aktien?
Beantworte die Fragen für deine Empfehlung.

Häufige Fragen

Du kannst bereits mit 1 Euro pro Monat in einen ETF-Sparplan investieren, viele Broker haben keine Mindestgrenze mehr. Sinnvoll ist eine Rate, die du langfristig durchhalten kannst, zum Beispiel 25 oder 50 Euro. Wichtig ist, dass du regelmäßig sparst und nicht aussetzt.

Für die meisten Einsteiger mit kleinen Beträgen ist der thesaurierende ETF besser, weil die Gewinne automatisch reinvestiert werden. Das maximiert den Zinseszins. Ein ausschüttender ETF ist sinnvoll, wenn du ein regelmäßiges Einkommen aus deinen Dividenden möchtest, zum Beispiel im Ruhestand.

Ja, Aktien-ETFs unterliegen Kursschwankungen, und du kannst dein eingesetztes Geld teilweise oder ganz verlieren. Historisch gesehen haben sich breite Aktienmärkte aber über lange Zeiträume erholt. Deshalb solltest du nur Geld investieren, das du mindestens 10 Jahre nicht benötigst.

Einmal pro Monat oder einmal pro Quartal ist völlig ausreichend. Tägliches Kontrollieren führt oft zu unnötiger Unruhe und schlechten Entscheidungen. Vertraue auf deinen Sparplan und den Zinseszins. Überprüfe nur einmal pro Jahr, ob dein ETF noch zu deiner Strategie passt.

Dein Vermögen ist durch die Einlagensicherung geschützt, aber nicht auf dem Konto, sondern im Sondervermögen des Fonds. Das bedeutet, deine ETF-Anteile gehören dir und sind getrennt vom Vermögen des Brokers. Im Insolvenzfall kannst du deine Anteile auf einen anderen Broker übertragen.

Ja, bei thesaurierenden ETFs fällt die Vorabpauschale an, die auf die fiktiven Gewinne berechnet wird. Diese wird aber mit dem Sparerpauschbetrag verrechnet. Wenn deine Gewinne unter 1.000 Euro pro Jahr liegen, zahlst du in der Regel keine Steuern, sofern du einen Freistellungsauftrag eingerichtet hast.

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SR

StudySmarter-Redaktion

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Redaktionell geprüft. Stand: 31.08.2026, nächste Prüfung: 03/2027. Dieser Artikel ist Finanzbildung, keine Rechts- oder Steuerberatung.