Ratgeber · Investieren
Staatsanleihen kaufen: So funktioniert die Geldanlage beim Staat
Staatsanleihen sind Wertpapiere, mit denen sich Staaten Geld am Kapitalmarkt beschaffen. Du leihst dem Staat dein Geld und erhältst dafür feste Zinsen, den sogenannten Kupon.
9 Kapitel · 11 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- Staatsanleihen haben Laufzeiten von wenigen Monaten bis zu 30 Jahren oder mehr.
- Die Bonität eines Staates bestimmt maßgeblich das Risiko und die Höhe der Zinsen.
- Für den Kauf von Staatsanleihen benötigst du ein Wertpapierdepot.
- Die Rendite ergibt sich aus Kupon, Kaufkurs und Restlaufzeit.
01 · Grundlagen
Was sind Staatsanleihen?
Staatsanleihen funktionieren wie ein Kredit an einen Staat. Der Staat verkauft die Anleihe, um seine Ausgaben zu finanzieren, und verpflichtet sich zur Rückzahlung des Nennwerts am Ende der Laufzeit.
Der deutsche Staat begibt seine Anleihen unter dem Namen Bundesanleihen. Sie haben Laufzeiten von 7 bis 30 Jahren und bilden das mittlere bis lange Ende der Bundkurve. Über 65 Prozent des Schuldenportfolios des Bundes bestehen aus Anleihen dieses Laufzeitsegments, wobei allein auf die 10-jährigen Bundesanleihen rund 34 Prozent entfallen.
Für dich als private Anlegerin bedeutet das: Du kannst dem Staat Geld für einen festgelegten Zeitraum leihen und erhältst dafür jährlich einen festen Zins, den Kupon. Am Ende der Laufzeit bekommst du den Nennwert zurück. Die Bonität der Bundesrepublik Deutschland wird von Ratingagenturen mit der Bestnote AAA bewertet.
Bundesanleihen sind sowohl am Primärmarkt als auch am Sekundärmarkt die bedeutendsten Finanzierungsinstrumente des Bundes. Ihr Anteil am Auktionsvolumen liegt bei rund 16 Prozent, im Handel entfällt auf sie etwa die Hälfte des gesamten Volumens aller Bundeswertpapiere.
Kurz erklärt
Staatsanleihe
Ein Wertpapier, mit dem ein Staat sich Geld leiht. Der Käufer erhält während der Laufzeit einen festen Zins (Kupon) und am Ende den Nennwert zurück.
Deutsche Staatsanleihen heißen Bundesanleihen und haben Laufzeiten von 7 bis 30 Jahren.
02 · Vergleich
Bundesanleihen, Unternehmensanleihen und Pfandbriefe im Vergleich
Nicht jede Anleihe ist eine Staatsanleihe. Die Unterschiede liegen vor allem im Emittenten und damit im Risiko.
Der entscheidende Unterschied zwischen den Anleihearten liegt im Emittenten und damit im Risiko, das du eingehst. Bundesanleihen werden von der Bundesrepublik Deutschland herausgegeben und haben eine sehr hohe Bonität. Unternehmensanleihen dagegen hängen von der wirtschaftlichen Lage des jeweiligen Unternehmens ab, ihre Bonität kann von sehr gut bis sehr schlecht reichen.
Pfandbriefe werden von Hypothekenbanken oder öffentlichen Banken emittiert und sind durch gesetzliche Deckungsmassen abgesichert. Ihre Bonität ist daher in der Regel hoch, auch wenn sie nicht an die eines Staates mit AAA-Rating heranreicht. Die typischen Laufzeiten unterscheiden sich ebenfalls: Bundesanleihen laufen zwischen 7 und 30 Jahren, Unternehmensanleihen meist 2 bis 10 Jahre und Pfandbriefe 2 bis 15 Jahre.
Für deine Risikoeinschätzung sind die Bewertungen der drei großen Ratingagenturen Moody's, Standard & Poor's und Fitch hilfreich. Die beste Note ist AAA, die schlechteste D. Ein Land wie Argentinien hat in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach seine Schulden aus Anleihen nicht bezahlt, während dies bei der Bundesrepublik Deutschland noch nicht vorgekommen ist.
| Bundesanleihen | Unternehmensanleihen | Pfandbriefe | |
|---|---|---|---|
| Emittent | Bundesrepublik Deutschland | Unternehmen | Hypothekenbanken oder öffentliche Banken |
| Bonität | Sehr hoch (AAA) | Unterschiedlich, je nach Unternehmen | |
| Typische Laufzeiten | 7 bis 30 Jahre | ||
| Risiko | Sehr gering | Mittel bis hoch |
03 · Schritt für Schritt
Wie kaufst du Staatsanleihen?
Der Kauf einer Staatsanleihe läuft über ein Wertpapierdepot. Du kannst Anleihen direkt an der Börse oder über deine Bank erwerben.
Für den Kauf einer Staatsanleihe benötigst du ein Wertpapierdepot bei einer Bank oder einem Online-Broker. Viele Anbieter ermöglichen den Handel mit Anleihen bereits ab 1.000 Euro oder weniger. Du kannst sowohl einzelne Anleihen als auch Anleihen-ETFs über dein Depot handeln.
Bei der Auswahl einer geeigneten Anleihe orientierst du dich an Kriterien wie Restlaufzeit, Kupon, Rendite und Bonität des Emittenten. Die Suche nach passenden Anleihen kannst du über Filter nach Kategorien, Branche, Restlaufzeit, Währung, Rendite und Verzinsung eingrenzen.
Wertpapierdepot eröffnen
Du benötigst ein Depot bei einer Bank oder einem Online-Broker. Viele Anbieter ermöglichen den Handel mit Anleihen ab 1.000 Euro oder weniger.
Geeignete Anleihe auswählen
Du wählst eine Anleihe nach Kriterien wie Restlaufzeit, Kupon, Rendite und Bonität des Emittenten aus.
Kaufauftrag erteilen
Du gibst die Wertpapierkennnummer (ISIN) und die gewünschte Stückzahl oder den Betrag in deinem Depot ein.
Zinsen und Rückzahlung erhalten
Während der Laufzeit erhältst du jährlich den Kupon. Am Ende der Laufzeit wird der Nennwert der Anleihe auf dein Verrechnungskonto zurückgezahlt.
04 · Was gilt
Welche Laufzeiten gibt es bei Staatsanleihen?
Die Laufzeit einer Anleihe bestimmt, wie lange du dem Staat dein Geld leihst. Sie beeinflusst auch die Höhe der Zinsen.
Die klassischen Bundesanleihen haben Laufzeiten von 7, 10, 15, 20 und 30 Jahren. Die 10-jährige Bundesanleihe ist dabei das Flaggschiff am Sekundärmarkt: 2025 wurden von ihr 2.741 Milliarden Euro gehandelt, das entspricht 39 Prozent des gesamten Handelsvolumens aller Bundeswertpapiere.
Neben diesen Standardlaufzeiten gibt es auch kürzere Papiere. Geldmarktpapiere haben Laufzeiten von unter einem Jahr. Am anderen Ende der Skala stehen extreme Beispiele: Österreich legte 2017 eine 100-jährige Anleihe auf, das Bundesland Nordrhein-Westfalen zog kurz darauf nach. Solche extrem lang laufenden Anleihen gelten für dich als Anlegerin als riskanter und spekulativer als kurz- oder mittelfristige Papiere.
Für die Emission von Bundesanleihen gelten feste Auktionstermine, in der Regel mittwochs zwischen 8 Uhr und 11:30 Uhr. Die Fälligkeiten liegen meist am 15. Februar, 15. Mai, 15. August oder 15. November.
Typische Laufzeiten
100 Jahre (z. B. Österreich 2017, Nordrhein-Westfalen)
05 · Kosten
Was kostet der Kauf von Staatsanleihen?
Neben dem Kaufpreis der Anleihe fallen beim Handel über die Börse Gebühren an. Diese unterscheiden sich je nach Depotanbieter.
Die Ordergebühr liegt je nach Depotanbieter zwischen 0 und 15 Euro, das Börsenplatzentgelt zwischen 0 und 3 Euro. Die Depotführung kostet je nach Anbieter zwischen 0 und 30 Euro pro Jahr.
Die tatsächlichen Kosten hängen von deinem gewählten Depot ab. Einige Anbieter berechnen keine Ordergebühr für den Anleihekauf, andere verlangen einen festen Betrag pro Order. Bei einem Kauf von Anleihen im Wert von 1.000 Euro wirken sich Gebühren prozentual stärker aus als bei größeren Summen.
Vergleiche die Kosten deines Depots, bevor du eine Staatsanleihe kaufst. Eine Ordergebühr von 15 Euro entspricht bei einem Anlagebetrag von 1.000 Euro bereits 1,5 Prozent des eingesetzten Kapitals.
06 · Im Vertrag
Kupon, Rendite und Restlaufzeit: Diese Begriffe solltest du kennen
Beim Kauf von Staatsanleihen begegnen dir einige Fachbegriffe. Sie helfen dir, das Angebot richtig einzuschätzen.
Der Kupon ist der feste Zinssatz, den die Anleihe jährlich auf den Nennwert zahlt. Eine Bundesanleihe mit Fälligkeit am 15. November 2032 hat beispielsweise einen Kupon von 2,50 Prozent. Die Rendite dagegen ist die tatsächliche jährliche Verzinsung, die sich aus Kupon, Kaufkurs und Restlaufzeit ergibt. Kaufst du eine Anleihe nicht zum Nennwert, weicht die Rendite vom Kupon ab.
Die Restlaufzeit bezeichnet die verbleibende Zeit bis zur Rückzahlung der Anleihe. Sie ist wichtig für das Zinsänderungsrisiko: Je länger die Restlaufzeit, desto stärker reagiert der Kurs auf Veränderungen des Marktzinsniveaus. Die Bonität schließlich beschreibt die Kreditwürdigkeit des Emittenten und wird von Ratingagenturen wie Moody's, Standard & Poor's und Fitch bewertet.
Ein Beispiel aus dem September 2026 verdeutlicht den Unterschied: Für eine zweijährige Bundesanleihe mit AAA-Rating erhielten Anleger etwa 3 Prozent Zinsen im Jahr. Für eine italienische Anleihe mit BBB-Rating und ähnlicher Restlaufzeit gab es 3,6 Prozent. Der höhere Zins entschädigt für das höhere Risiko.
Wichtige Begriffe beim Anleihekauf
07 · Checkliste
Checkliste: Das solltest du vor dem Kauf prüfen
Mit dieser Checkliste gehst du sicher, dass du die wichtigsten Punkte vor deiner Entscheidung bedacht hast.
Bevor du eine Staatsanleihe kaufst, solltest du einige Punkte systematisch durchgehen. Die Bonität des Staates erkennst du an den Ratings von Moody's, S&P und Fitch. Die Restlaufzeit der Anleihe muss zu deinem Anlagehorizont passen, denn nur wenn du die Anleihe bis zum Ende hältst, bekommst du sicher den Nennwert zurück.
Vergleiche außerdem Kupon und Rendite, nicht nur den ausgewiesenen Zinssatz. Kaufe ausschließlich Anleihen in Euro, um das Währungsrisiko zu vermeiden. Berücksichtige die Kosten deines Depots und der Order, denn sie schmälern deine Rendite.
- Prüfe die Bonität des Staates anhand der Ratings von Moody's, S&P und Fitch.
- Gleiche die Restlaufzeit der Anleihe mit deinem Anlagehorizont ab.
- Vergleiche Kupon und Rendite, nicht nur den ausgewiesenen Zinssatz.
- Kaufe nur Anleihen in Euro, um das Währungsrisiko zu vermeiden.
- Rechne die Kosten des Depots und der Order in deine Renditeüberlegung ein.
- Bedenke, dass du die Anleihe am Sekundärmarkt vor Ablauf der Laufzeit verkaufen kannst, dann aber Kursverluste möglich sind.
Vor dem Kauf von Staatsanleihen prüfen
Bonität des Staates anhand der Ratings von Moody's, S&P und Fitch prüfen
Restlaufzeit der Anleihe mit deinem Anlagehorizont abgleichen
Kupon und Rendite vergleichen
Währungsrisiko vermeiden, indem du nur Anleihen in Euro kaufst
Kosten des Wertpapierdepots und der Order berücksichtigen
Möglichkeit eines Verkaufs am Sekundärmarkt vor Ablauf der Laufzeit bedenken
08 · Fehler vermeiden
Typische Fehler beim Kauf von Staatsanleihen
Einige Fehler lassen sich leicht vermeiden, wenn du sie kennst.
Ein häufiger Fehler ist, nur auf den Kupon zu schauen und die Rendite zu ignorieren. Wenn du eine Anleihe über dem Nennwert kaufst, liegt deine tatsächliche Rendite unter dem Kupon. Umgekehrt kann eine Anleihe mit niedrigem Kupon eine attraktive Rendite bieten, wenn du sie unter dem Nennwert erwirbst.
Ein weiterer Fehler ist der Kauf von Anleihen in Fremdwährung. US-Staatsanleihen sind in US-Dollar notiert, und wenn der Dollar gegenüber dem Euro an Wert verliert, gilt das auch für deine Anleihe und die Zinszahlungen. Du kannst am Ende weniger Euro zurückbekommen, als du investiert hast.
- Nur auf den Kupon schauen und die Rendite ignorieren.
- Anleihen in Fremdwährung kaufen und das Währungsrisiko unterschätzen.
- Die Bonität des Staates nicht prüfen und sich allein auf den Namen des Landes verlassen.
- Die Restlaufzeit nicht mit dem eigenen Anlagehorizont abgleichen.
- Vergessen, dass der Kurs der Anleihe am Sekundärmarkt schwanken kann.
- Die Kosten des Depots und der Order nicht in die Renditeberechnung einbeziehen.
Häufige Fehler vermeiden
09 · Hintergrund
Wie werden Zinsen und Gewinne aus Staatsanleihen versteuert?
Zinsen und Kursgewinne aus Staatsanleihen zählen zu den Kapitalerträgen. Für sie gilt die Abgeltungsteuer.
Zinserträge aus Staatsanleihen unterliegen der Abgeltungsteuer von 25 Prozent. Hinzu kommen der Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent auf die Abgeltungsteuer und gegebenenfalls Kirchensteuer. Für Kapitalerträge steht dir ein Sparer-Pauschbetrag von 1.000 Euro pro Person und Jahr zu, bei zusammenveranlagten Ehepaaren sind es 2.000 Euro pro Jahr.
Erst wenn deine Kapitalerträge diesen Betrag übersteigen, wird Steuer fällig. Kursgewinne, die du beim Verkauf einer Anleihe vor dem Ende der Laufzeit erzielst, zählen ebenfalls zu den Kapitalerträgen und werden genauso besteuert wie Zinserträge.
Der Sparer-Pauschbetrag von 1.000 Euro pro Person und Jahr gilt für alle Kapitalerträge gemeinsam. Dazu zählen Zinsen aus Staatsanleihen, Dividenden aus Aktien und Erträge aus Fonds. Du kannst bei deiner Bank einen Freistellungsauftrag einrichten, damit die Erträge bis zu diesem Betrag ohne Steuerabzug ausgezahlt werden.
Zinserträge aus Staatsanleihen unterliegen der Abgeltungsteuer. Hinzu kommen der Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer.
Für Kapitalerträge steht dir ein Sparer-Pauschbetrag von 1.000 EUR pro Person und Jahr zu. Bei zusammenveranlagten Ehepaaren sind es 2.000 EUR pro Jahr. Erst wenn deine Kapitalerträge diesen Betrag übersteigen, wird Steuer fällig.
Kursgewinne, die du beim Verkauf einer Anleihe vor dem Ende der Laufzeit erzielst, zählen ebenfalls zu den Kapitalerträgen und werden genauso besteuert.
Häufige Fragen
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