Ratgeber · Investieren
Staatsanleihen mit kleinen Beträgen: So legst du schon ab 100 Euro an
Staatsanleihen mit kleinen Beträgen sind möglich, wenn du die Stückelung und die Kosten im Blick behältst. Entscheidend sind dein Anlagehorizont und die Frage, ob du direkt in eine Anleihe oder über einen Fonds investierst.
9 Kapitel · 11 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- Bundeswertpapiere haben eine Stückelung von 0,01 Euro, du kannst also schon mit sehr kleinen Beträgen direkt einsteigen.
- Die Rendite ergibt sich aus dem Kupon und dem Kurs, zu dem du die Anleihe kaufst oder verkaufst.
- Bei kleinen Beträgen sind Anleihen-ETFs oft praktischer, weil sie das Zinsänderungsrisiko breiter streuen.
- Deine Erträge unterliegen der Abgeltungsteuer, der Sparer-Pauschbetrag liegt bei 1000 Euro pro Person und Jahr.
01 · Grundlagen
Was sind Staatsanleihen und wie funktionieren sie?
Eine Staatsanleihe ist ein Wertpapier, mit dem ein Staat Geld am Kapitalmarkt aufnimmt. Als Käuferin gibst du dem Staat einen Kredit und erhältst dafür regelmäßige Zinsen sowie am Ende der Laufzeit den Nennwert zurück.
Der Staat nimmt am Kapitalmarkt Geld auf, indem er Wertpapiere ausgibt. Du leihst ihm als Käuferin einen bestimmten Betrag und bekommst dafür in der Regel jedes Jahr einen festen Zins, den Kupon. Am Ende der Laufzeit zahlt dir der Staat den Nennwert vollständig zurück.
Bundeswertpapiere decken ein Laufzeitenspektrum von 12 Monaten bis zu 30 Jahren ab. Die Stückelung beträgt bei diesen Papieren 0,01 Euro, du kannst also schon mit sehr kleinen Beträgen direkt in die Schuldverschreibungen der Bundesrepublik Deutschland investieren.
Für dich ist die Bonität des Staates entscheidend, also seine Fähigkeit, Zinsen und Tilgung zuverlässig zu zahlen. Deutschland hat bei allen führenden Ratingagenturen das Top-Rating AAA, was das Ausfallrisiko im Vergleich zu vielen anderen Emittenten deutlich reduziert.
Kurz erklärt
Staatsanleihe
Eine Schuldverschreibung eines Staates, die an der Börse gehandelt wird. Der Staat als Emittent verpflichtet sich zur Zahlung eines festen Kupons und zur Rückzahlung des Nennwerts am Laufzeitende.
Für dich als Anlegerin ist die Bonität des Staates entscheidend, also seine Fähigkeit, Zinsen und Tilgung zuverlässig zu zahlen.
02 · Im Vertrag
Kupon, Rendite und Kurs: Diese Begriffe solltest du kennen
Der Kupon ist der feste Zinssatz, den der Staat auf den Nennwert zahlt. Die Rendite zeigt dagegen, was du unter Berücksichtigung deines Kaufpreises tatsächlich erwirtschaftest.
Ein Kupon von 3 Prozent auf 1000 Euro Nennwert ergibt eine jährliche Zahlung von 30 Euro. Die Rendite zeigt dagegen, was du unter Berücksichtigung deines Kaufpreises tatsächlich erwirtschaftest.
Kaufst du eine Anleihe über dem Nennwert, liegt deine Rendite unter dem Kupon, weil du am Laufzeitende weniger zurückbekommst, als du gezahlt hast. Kaufst du sie unter dem Nennwert, profitierst du zusätzlich von einem Kursgewinn, der deine Rendite über den Kupon hebt.
Der Kurs einer Anleihe schwankt während der Laufzeit, der Kupon bleibt konstant. Die Rendite ist der reale Ertrag, den du mit deinem eingesetzten Kapital erzielst, und sie verändert sich mit dem Kurs der Anleihe.
Die wichtigsten Fachbegriffe für deine Anlageentscheidung
03 · Vergleich
Bundesanleihen, Unternehmensanleihen oder Anleihen-ETF: Was passt zu dir?
Für kleine Beträge stehen dir drei Wege offen: direkte Bundeswertpapiere, Unternehmensanleihen oder börsengehandelte Fonds. Sie unterscheiden sich in Sicherheit, Rendite und Aufwand.
Bundeswertpapiere bieten dir eine sehr hohe Bonität und eine Stückelung von 0,01 Euro. Du kannst also direkt in die Schuldverschreibungen der Bundesrepublik Deutschland investieren, ohne ein großes Mindestkapital zu benötigen. Die Renditen liegen je nach Laufzeit bei etwa 1,9 bis 3,3 Prozent.
Unternehmensanleihen locken oft mit höheren Zinsen als Bundesanleihen, dafür trägst du das Risiko, dass das Unternehmen in Zahlungsschwierigkeiten gerät. Die Mindestanlage liegt hier häufig bei 1000 Euro oder mehr, was für kleine Beträge eine Hürde sein kann.
Ein Anleihen-ETF bündelt viele Anleihen verschiedener Emittenten und Laufzeiten. Du kannst ihn bereits ab 1 Euro über einen Sparplan besparen und verteilst dein Geld so breiter, als wenn du eine einzelne Anleihe kaufst. Das reduziert das Risiko, das mit einem einzelnen Schuldner verbunden ist.
| Bundesanleihen | Unternehmensanleihen | Anleihen-ETFs | |
|---|---|---|---|
| Emittent | Bundesrepublik Deutschland | Einzelne Unternehmen | Fondsgesellschaft, die viele Anleihen bündelt |
| Bonität | Sehr hoch (AAA) | Unterschiedlich, je nach Firma | Gemischt, je nach Fondsindex |
| Typische Rendite | Etwa 1,9 bis 3,3 Prozent | Höher als bei Bundesanleihen, aber schwankend | |
| Mindestanlage | 0,01 Euro Stückelung | ||
| Zinsänderungsrisiko | Vorhanden, steigt mit Laufzeit | Vorhanden, plus Bonitätsrisiko |
04 · Schritt für Schritt
So kaufst du Staatsanleihen mit kleinen Beträgen
Der Kauf läuft über ein Wertpapierdepot bei einer Bank oder einem Online-Broker. Der Ablauf ist bei direkten Anleihen und ETFs ähnlich, unterscheidet sich aber in der Auftragsart.
Viele Anbieter ermöglichen die Eröffnung online und ohne Mindestgeldeingang. Nach der Freischaltung kannst du direkt eine Kauforder aufgeben.
Bei einer direkten Bundesanleihe wählst du eine konkrete Laufzeit und einen passenden Kupon aus. Du gibst eine Order über dein Depot auf und achtest auf den Briefkurs, also den Preis, zu dem du die Anleihe kaufen kannst. Bei einem Anleihen-ETF besparst du entweder einen Sparplan oder kaufst Anteile zum aktuellen Rücknahmepreis.
- Du eröffnest ein Wertpapierdepot bei einem Anbieter deiner Wahl.
- Du wählst eine Bundesanleihe mit passender Laufzeit oder einen Anleihen-ETF aus.
- Du gibst eine Kauforder über dein Depot auf.
- Du erhältst bei direkten Anleihen jährlich den Kupon und am Laufzeitende den Nennwert.
Depot eröffnen
Du benötigst ein Wertpapierdepot. Viele Anbieter ermöglichen die Eröffnung online und ohne Mindestgeldeingang.
Wertpapier auswählen
Du entscheidest dich für eine konkrete Bundesanleihe mit passender Laufzeit oder für einen Anleihen-ETF, der deinen Anlagehorizont abbildet.
Order aufgeben
Du gibst eine Kauforder über dein Depot auf. Bei Anleihen achtest du auf den Briefkurs, bei ETFs auf den aktuellen Rücknahmepreis.
Zinsen und Rückzahlung erhalten
Bei direkten Anleihen erhältst du jährlich den Kupon und am Laufzeitende den Nennwert. Bei ETFs werden Erträge meist thesauriert oder ausgeschüttet.
05 · Kosten
Welche Kosten fallen bei kleinen Anlagebeträgen an?
Neben dem Kaufpreis fallen Ordergebühren und Verwaltungskosten an. Diese Kosten wirken bei kleinen Beträgen prozentual stärker und schmälern deine Rendite.
Neben dem Kaufpreis fallen Ordergebühren und bei ETFs laufende Fondskosten an. Diese Kosten wirken bei kleinen Beträgen prozentual stärker und schmälern deine Rendite spürbar. Eine Ordergebühr von 10 Euro macht bei einem Kauf von 500 Euro bereits 2 Prozent der Anlagesumme aus.
Die Ordergebühr für den Direktkauf einer Anleihe liegt typischerweise zwischen 5 und 15 Euro pro Order. Ein ETF-Sparplan kostet dagegen oft zwischen 0 und 1,50 Euro pro Ausführung, was ihn für kleine monatliche Beträge deutlich attraktiver macht.
Die laufenden Fondskosten eines Anleihen-ETF liegen meist zwischen 0,10 und 0,25 Prozent pro Jahr. Bei sehr kleinen Beträgen unter 500 Euro ist ein Sparplan auf einen Anleihen-ETF oft günstiger als der direkte Kauf einer einzelnen Anleihe.
06 · Was gilt
Laufzeiten und Zinsänderungsrisiko: Was du beachten solltest
Die Laufzeit bestimmt, wie stark deine Anleihe auf Zinsänderungen reagiert. Kurze Laufzeiten sind stabiler, lange Laufzeiten bieten oft höhere Kupons, aber auch mehr Kursschwankungen.
Steigen die Marktzinsen, fallen die Kurse bestehender Anleihen, weil deren feste Zinsen weniger attraktiv werden.
Bundesschatzanweisungen mit 2 Jahren Laufzeit und Bundesobligationen mit 5 Jahren Laufzeit sind eher stabil. Unverzinsliche Schatzanweisungen mit 12 Monaten Laufzeit haben das geringste Zinsänderungsrisiko, weil du dein Geld schon nach einem Jahr zurückbekommst.
Bundesanleihen mit 10, 20 oder 30 Jahren Laufzeit reagieren deutlich stärker auf Zinsänderungen. Je länger die Restlaufzeit, desto anfälliger ist die Anleihe für Zinsänderungen. Wenn du vor dem Laufzeitende verkaufen musst, kann das bei langen Laufzeiten zu Kursverlusten führen.
Eher stabil
Eher zinssensibel
07 · Checkliste
Steuern auf Zinsen und Kursgewinne
Deine Erträge aus Staatsanleihen sind steuerpflichtig. Der Sparer-Pauschbetrag hilft dir, einen Teil der Erträge steuerfrei zu vereinnahmen.
Zinsen und Kursgewinne unterliegen der Abgeltungsteuer von 25 Prozent. Auf die Abgeltungsteuer fällt zusätzlich der Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent an.
Der Sparer-Pauschbetrag liegt bei 1000 Euro pro Person und Jahr. Bei zusammenveranlagten Ehepaaren sind es 2000 Euro pro Jahr. Bis zu diesem Betrag bleiben deine Kapitalerträge steuerfrei, wenn du einen Freistellungsauftrag bei deiner Bank gestellt hast.
- Zinsen und Kursgewinne unterliegen der Abgeltungsteuer von 25 Prozent.
- Auf die Abgeltungsteuer fällt der Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent an.
- Der Sparer-Pauschbetrag liegt bei 1000 Euro pro Person und Jahr.
- Bei zusammenveranlagten Ehepaaren sind es 2000 Euro pro Jahr.
- Für Aktienfonds gilt eine Teilfreistellung von 30 Prozent, für reine Anleihenfonds nicht.
Das gilt steuerlich für deine Anleiheerträge
Auf die Abgeltungsteuer fällt der Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent an.
Der Sparer-Pauschbetrag liegt bei 1000 Euro pro Person und Jahr.
Bei zusammenveranlagten Ehepaaren sind es 2000 Euro pro Jahr.
08 · Fehler vermeiden
Typische Fehler beim Kauf von Staatsanleihen mit kleinen Beträgen
Gerade bei kleinen Beträgen führen hohe Gebühren und eine falsche Laufzeitwahl oft zu enttäuschenden Ergebnissen. Diese Fehler lassen sich vermeiden.
Ein häufiger Fehler ist der Kauf einer einzelnen Anleihe mit sehr langer Laufzeit, obwohl du das Geld möglicherweise früher benötigst. Musst du die Anleihe bei steigenden Zinsen vorzeitig verkaufen, erleidest du einen Kursverlust, der die bis dahin erhaltenen Zinsen aufzehren kann.
- Du kaufst eine einzelne Anleihe mit sehr langer Laufzeit und musst sie bei steigenden Zinsen mit Verlust verkaufen.
- Du übersiehst die Ordergebühr, die bei einem Kauf von 100 Euro einen großen Teil der Rendite auffrisst.
- Du verwechselst Kupon und Rendite und kaufst eine Anleihe über dem Nennwert, ohne den Kursverlust bis zur Fälligkeit einzurechnen.
- Du setzt auf Unternehmensanleihen mit hoher Rendite, ohne die Bonität des Emittenten zu prüfen.
- Du lässt Erträge oberhalb des Sparer-Pauschbetrags ungenutzt, weil kein Freistellungsauftrag gestellt ist.
Diese Fehler solltest du vermeiden
09 · Hintergrund
Für wen sich Staatsanleihen mit kleinen Beträgen lohnen
Staatsanleihen eignen sich für dich, wenn du einen sicheren Baustein für dein Portfolio suchst und auf planbare Zinserträge Wert legst. Bei sehr kleinen Beträgen ist der Weg über einen ETF oft der praktikablere.
Staatsanleihen mit kleinen Beträgen sind dann sinnvoll, wenn du einen Teil deines Geldes sicher und planbar anlegen möchtest. Die Bundesrepublik Deutschland als Emittentin bietet dir eine sehr hohe Bonität, sodass das Ausfallrisiko als gering gilt. Du erhältst regelmäßige Zinszahlungen und am Ende der Laufzeit den vollen Nennwert zurück.
Für Beträge unter etwa 1000 Euro ist der direkte Kauf einer einzelnen Anleihe oft nicht ideal, weil die Ordergebühr die Rendite drückt. Ein Anleihen-ETF, den du per Sparplan besparst, verteilt dein Geld auf viele Schuldner und Laufzeiten. Das reduziert das Zinsänderungsrisiko und die Abhängigkeit von einem einzelnen Emittenten.
Wenn du als Studierende mit kleinen Beträgen anfängst, ist ein Sparplan auf einen Anleihen-ETF oft der praktikablere Weg. Du kannst monatlich kleine Summen anlegen, ohne dass eine hohe Ordergebühr deine Rendite auffrisst. Direkte Bundeswertpapiere lohnen sich eher, wenn du einen größeren Einmalbetrag für einen festen Zeitraum anlegen möchtest.
Staatsanleihen mit kleinen Beträgen sind dann sinnvoll, wenn du einen Teil deines Geldes sicher und planbar anlegen möchtest. Die Bundesrepublik Deutschland als Emittentin bietet dir eine sehr hohe Bonität, sodass das Ausfallrisiko als gering gilt. Du erhältst regelmäßige Zinszahlungen und am Ende der Laufzeit den vollen Nennwert zurück.
Für Beträge unter etwa 1000 Euro ist der direkte Kauf einer einzelnen Anleihe oft nicht ideal, weil die Ordergebühr die Rendite drückt. Ein Anleihen-ETF, den du per Sparplan besparst, verteilt dein Geld auf viele Schuldner und Laufzeiten. Das reduziert das Zinsänderungsrisiko und die Kosten bleiben niedrig.
Wenn du einen festen Anlagehorizont hast, etwa weil du in fünf Jahren eine größere Anschaffung planst, kannst du eine Bundesobligation mit passender Restlaufzeit wählen. So vermeidest du Kursverluste durch Zinsänderungen, weil du die Anleihe bis zur Fälligkeit hältst und den Nennwert zurückbekommst.
Häufige Fragen
Fragen zu Staatsanleihen mit kleinen Beträgen
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