Ratgeber · Investieren
Small-Cap-ETFs einfach erklärt: So investierst du in Nebenwerte
Small-Cap-ETFs bündeln Aktien kleinerer Unternehmen, die in klassischen Welt-ETFs oft fehlen. Sie können dein Portfolio breiter aufstellen und langfristig die Renditechancen erhöhen.
10 Kapitel · 10 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- Small-Caps sind gemessen am Börsenwert kleine Unternehmen, auch Nebenwerte genannt.
- Der MSCI World Small-Cap-Index deckt die 14 Prozent der Marktkapitalisierung ab, die unterhalb der Large und Mid-Caps liegen.
- Ein Anteil von 15 bis 20 Prozent Small-Cap-ETFs im Aktienportfolio gilt als sinnvolle Beimischung.
- Small-Caps unterliegen stärkeren Kursschwankungen, bieten aber historisch höheres Wachstumspotenzial.
01 · Grundlagen
Was sind Small-Caps?
Der Begriff Small-Cap beschreibt die Größenklasse eines börsennotierten Unternehmens. Entscheidend ist die Marktkapitalisierung, also der gesamte Börsenwert aller Aktien eines Unternehmens.
Die Marktkapitalisierung eines Unternehmens ergibt sich aus der Anzahl der ausgegebenen Aktien multipliziert mit dem aktuellen Aktienkurs. Sie ist der zentrale Maßstab, mit dem Indexanbieter Unternehmen in Größenklassen einteilen.
Der Begriff Small-Cap ist dabei irreführend, denn es handelt sich nicht um Start-ups oder Kleinstfirmen. Die größte Position im MSCI World Small-Cap bringt es auf rund 15 Milliarden Euro Börsenwert, im SDAX sind es immerhin noch etwa 2 Milliarden Euro.
Viele mittelständische Unternehmen sind deutlich zu klein, um in einen Small-Cap-Index aufgenommen zu werden. Sie fallen in die Kategorie Micro Caps oder sind gar nicht börsennotiert.
Kurz erklärt
Small-Caps
Small-Caps sind gemessen an ihrem Börsenwert kleine, börsennotierte Unternehmen. Sie werden im Deutschen auch als Nebenwerte bezeichnet.
Die Marktkapitalisierung ergibt sich aus der Anzahl der ausgegebenen Aktien multipliziert mit dem aktuellen Aktienkurs.
02 · Vergleich
Wie grenzt MSCI Large, Mid und Small-Caps ab?
Indexanbieter wie MSCI teilen den Aktienmarkt nach Marktkapitalisierung in Größenklassen ein. Diese Einteilung bestimmt, welche Unternehmen in einem Small-Cap-ETF landen.
MSCI teilt den Aktienmarkt einer Region in feste Größenklassen ein. Die größten 70 Prozent der Marktkapitalisierung bilden die Large-Caps, die darauffolgenden 15 Prozent die Mid-Caps und die nächsten 14 Prozent die Small-Caps.
Zusammen deckt diese Einteilung 99 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung ab. Die kleinsten 1 Prozent der Unternehmen gelten als Micro Caps und sind wegen ihrer geringen Börsenliquidität in der Regel nicht in Indizes abbildbar.
Andere Indexanbieter gehen anders vor: Der S&P 600 besteht aus den 600 kleinsten Unternehmen des S&P 1500, der SDAX enthält 70 deutsche Nebenwerte. Die Definition von Small-Cap hängt also stark vom jeweiligen Anbieter ab.
| Large-Caps | Mid-Caps | Small-Caps | |
|---|---|---|---|
| Anteil an der Marktkapitalisierung | |||
| Position im Indexuniversum |
03 · Was gilt
Warum fehlen Small-Caps in vielen Welt-ETFs?
Klassische Welt-ETFs auf den MSCI World oder MSCI Emerging Markets bilden nur Large und Mid-Caps ab. Wer die gesamte Marktbreite will, muss Small-Caps gezielt ergänzen.
Der klassische MSCI World bildet nur die oberen 85 Prozent der Marktkapitalisierung ab, also Large-Caps und Mid-Caps. Die 14 Prozent Small-Caps sind in diesem Index nicht enthalten.
Gleiches gilt für den MSCI Emerging Markets, der nach derselben Systematik aufgebaut ist. Wer mit einem Weltportfolio den gesamten Aktienmarkt passiv nachbilden will, muss Nebenwerte daher gezielt ergänzen.
Ein Portfolio ohne Small-Caps setzt aktiv darauf, dass große und mittelgroße Unternehmen besser abschneiden als kleine. Streng marktneutral ist ein solcher Ansatz nicht.
Im MSCI World enthalten
Nicht im MSCI World enthalten
04 · Vergleich
Welche Small-Cap-Indizes gibt es?
Verschiedene Indexanbieter definieren Small-Caps unterschiedlich. Für ein globales Portfolio ist der MSCI World Small-Cap-Index der wichtigste Referenzindex.
Er deckt Nebenwerte aus 23 Industrieländern ab und enthält mehrere tausend Unternehmen.
Die Unterschiede zwischen den Indizes sind erheblich: Die größte Position im MSCI World Small-Cap hat einen Börsenwert von rund 15 Milliarden Euro, im S&P 600 sind es etwa 7 Milliarden Euro und im SDAX rund 2 Milliarden Euro.
Für Anleger bedeutet das: Der Begriff Small-Cap ist relativ. Ein Unternehmen, das im SDAX als Nebenwert zählt, wäre im MSCI World Small-Cap eher ein kleiner Vertreter.
| MSCI World Small-Cap | S&P 600 | SDAX | |
|---|---|---|---|
| Region | USA | Deutschland | |
| Marktkapitalisierung der größten Position | ca. 7 Mrd. Euro | ca. 2 Mrd. Euro | |
| Anzahl der enthaltenen Unternehmen | 600 | 70 |
05 · Schritt für Schritt
Wie investierst du in Small-Caps?
Für den Einstieg in Nebenwerte hast du zwei Wege: einen separaten Small-Cap-ETF oder einen IMI-ETF, der Large, Mid und Small-Caps in einem Produkt bündelt.
Der erste ist ein separater ETF auf den MSCI World Small-Cap-Index oder einen regionalen Small-Cap-Index wie den S&P 600.
Der zweite Weg führt über einen IMI-ETF. Das Kürzel IMI steht für Investable Markets und bedeutet, dass der Index neben Large und Mid-Caps auch Small-Caps enthält. Beispiele sind der MSCI World IMI oder der MSCI Emerging Markets IMI.
Für die Dosierung gilt als Orientierung: Ein sinnvoller Anteil an Small-Cap-ETFs liegt zwischen 15 und 20 Prozent des Aktienanteils. So erreichst du eine breite Streuung, ohne die Schwankungen deines Portfolios zu stark zu erhöhen.
Variante 1: Separater Small-Cap-ETF
Du kaufst einen ETF auf den MSCI World Small-Cap-Index oder einen regionalen Small-Cap-Index. So steuerst du den Nebenwerte-Anteil in deinem Portfolio selbst.
Variante 2: IMI-ETF mit integrierten Small-Caps
ETFs mit dem Kürzel IMI (Investable Markets) enthalten neben Large und Mid-Caps auch Small-Caps. Beispiele sind der MSCI World IMI oder der MSCI Emerging Markets IMI.
Anteil im Portfolio festlegen
Ein sinnvoller Anteil an Small-Cap-ETFs liegt zwischen 15 und 20 Prozent des Aktienanteils. So erreichst du eine breite Streuung ohne zu hohe Schwankungen.
06 · Checkliste
Welche Chancen bieten Small-Cap-ETFs?
Nebenwerte bringen Eigenschaften mit, die Large-Caps oft nicht haben. Das kann sich langfristig positiv auf dein Portfolio auswirken.
Nebenwerte verfolgen häufig ein fokussiertes Geschäftsmodell, aus dem sich ein hohes Wachstumspotenzial ergeben kann. Große Konzerne sind dagegen oft breiter aufgestellt und wachsen langsamer.
Ein weiterer Vorteil ist die Diversifikation: Small-Cap-ETFs ergänzen dein Portfolio um mehrere tausend Unternehmen, die in klassischen Weltindizes nicht vorkommen. Überschneidungen mit dem MSCI World gibt es praktisch nicht.
Historisch haben Nebenwerte über lange Zeiträume eine höhere Rendite erzielt als Large und Mid-Caps. Diese Mehrrendite wird als Faktorprämie bezeichnet, ist aber für die Zukunft nicht garantiert.
Vorteile von Small-Cap-ETFs im Portfolio
Höheres Wachstumspotenzial durch fokussierte Geschäftsmodelle
Breitere Diversifikation um mehrere tausend Unternehmen
Keine Überschneidungen mit klassischen Weltindizes wie dem MSCI World
Historisch höhere Rendite als Large und Mid-Caps über lange Zeiträume
Abbildung von 14 % der weltweiten Marktkapitalisierung, die sonst fehlt
07 · Fehler vermeiden
Welche Risiken haben Small-Cap-ETFs?
Den Chancen stehen spezifische Risiken gegenüber. Du solltest sie kennen, bevor du Nebenwerte beimischst.
Small-Caps unterliegen stärkeren Kursschwankungen als Large und Mid-Caps. Das liegt auch daran, dass kleinere Unternehmen oft ein schmaleres Geschäftsmodell haben und weniger breit aufgestellt sind.
Einzelne Nebenwerte können zudem eine geringere Börsenliquidität aufweisen. Das betrifft vor allem die kleinsten Unternehmen im Index, nicht den ETF selbst, der als Fonds liquide handelbar bleibt.
Es gibt Phasen, in denen Large-Caps deutlich besser abschneiden als Small-Caps. In der jüngeren Vergangenheit war das über längere Zeit der Fall. Ob sich die historische Mehrrendite der Nebenwerte fortsetzt, lässt sich nicht prognostizieren.
Risiken und Nachteile von Nebenwerten
08 · Kosten
Wie hoch sollte der Small-Cap-Anteil sein?
Die richtige Dosierung hängt von deiner Risikobereitschaft und deinem Anlagehorizont ab. Als Orientierung dient der Anteil von Nebenwerten an der weltweiten Marktkapitalisierung.
Nach der Definition von MSCI beträgt dieser Anteil 14 Prozent.
Für die Praxis bedeutet das: Eine Beimischung von 15 bis 20 Prozent des Aktienanteils gilt als sinnvoll. Dieser Wert bezieht sich auf die Aktienquote, nicht auf dein Gesamtvermögen.
Eine bewusste Übergewichtung über 20 Prozent ist möglich, erhöht aber die Schwankungsanfälligkeit deines Portfolios spürbar. Sie ist nur für Anleger geeignet, die langfristig mit stärkeren Kursschwankungen umgehen können.
Orientierung für den Small-Cap-Anteil im Aktienportfolio
09 · Im Vertrag
Was bedeutet der Zusatz IMI bei ETFs?
Das Kürzel IMI taucht bei einigen MSCI-Indizes auf und hat eine klare Bedeutung für die Zusammensetzung des Fonds.
Das Kürzel IMI steht für Investable Markets. Es kennzeichnet Indizes, die alle investierbaren Unternehmen einer Region umfassen, also Large-Caps, Mid-Caps und Small-Caps.
Der MSCI World IMI deckt im Gegensatz zum klassischen MSCI World auch die 14 Prozent Small-Caps ab. Du bekommst mit einem einzigen ETF die gesamte Marktbreite der Industrieländer.
Für Schwellenländer gibt es mit dem MSCI Emerging Markets IMI eine entsprechende Variante. Auch hier sind Nebenwerte integriert, die im klassischen MSCI Emerging Markets fehlen.
IMI im ETF-Namen entschlüsselt
10 · Hintergrund
Lohnt sich ein Small-Cap-ETF für dein Weltportfolio?
Die Frage nach dem Sinn von Nebenwerten hängt von deinem Anspruch an Marktneutralität und deiner Renditeerwartung ab.
Ein Weltportfolio ohne Small-Caps bildet nur 85 Prozent der Marktkapitalisierung ab. Wer den gesamten Markt passiv nachbilden will, lässt mit einem reinen MSCI-World-ETF die Nebenwerte außen vor.
Small-Caps tragen zu 14 Prozent zum weltweiten Börsengeschehen bei. Ein Portfolio ohne sie setzt aktiv darauf, dass große und mittelgroße Unternehmen besser abschneiden als kleine.
Historisch haben Nebenwerte über lange Zeiträume eine höhere Rendite erzielt als Large und Mid-Caps. In der jüngeren Vergangenheit lagen jedoch Large-Caps vorn. Ob sich die Mehrrendite fortsetzt, ist nicht prognostizierbar.
Für ein möglichst marktneutrales Weltportfolio spricht vieles dafür, Small-Caps in Höhe ihres Marktanteils zu ergänzen. Ein IMI-ETF ist dafür der einfachste Weg, ein separater Small-Cap-ETF bietet dir mehr Kontrolle über die Dosierung.
Ein Weltportfolio ohne Small-Caps bildet nur 85 % der Marktkapitalisierung ab. Wer den gesamten Markt passiv nachbilden will, lässt mit einem reinen MSCI-World-ETF die Nebenwerte außen vor.
Small-Caps tragen zu 14 % zum weltweiten Börsengeschehen bei. Ein Portfolio ohne sie setzt aktiv darauf, dass große und mittelgroße Unternehmen besser abschneiden als kleine.
Historisch haben Nebenwerte über lange Zeiträume eine höhere Rendite erzielt als Large und Mid-Caps. In der jüngeren Vergangenheit lagen jedoch Large-Caps vorn. Ob sich die Mehrrendite fortsetzt, ist nicht prognostizierbar.
Für ein breit diversifiziertes Portfolio spricht vieles dafür, Small-Caps in einem Umfang von 15 bis 20 Prozent beizumischen. So nimmst du die Marktbreite mit, ohne dein Portfolio übermäßig schwankungsanfällig zu machen.
Häufige Fragen
Fragen zu Small-Cap-ETFs einfach erklärt
{{f.a}}
Investieren
Mehr zu Investieren
Weiter mit Finanzen
Ratgeber zu Versicherung, Geldanlage und Studienfinanzierung für Studierende.
Alle Finanz-Ratgeber