Ratgeber · Investieren
REITs als Geldanlage: Wann sich Immobilienaktien für dein Depot lohnen
REITs ermöglichen dir Immobilienerträge ohne Kauf einer Wohnung. Ob sich die Beimischung lohnt, hängt von deiner Portfoliostruktur und deinen Erwartungen an Rendite und Schwankung ab.
9 Kapitel · 12 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- REITs sind börsennotierte Immobiliengesellschaften, die mindestens 90 Prozent ihrer Gewinne ausschütten müssen.
- In einem marktbreiten Weltaktienindex wie dem MSCI World sind Immobilienaktien bereits mit etwa 2 bis 3 Prozent enthalten.
- Die hohen Dividenden sind nicht mit der Gesamtrendite gleichzusetzen, da auch Kursverluste eintreten können.
- Eine Übergewichtung von REITs erhöht das Klumpenrisiko und ist unter Experten umstritten.
01 · Grundlagen
Was ist ein REIT?
REIT ist die Abkürzung für Real Estate Investment Trust. Diese Sonderform der Immobilien-Aktiengesellschaft ist streng reguliert und dafür von der Körperschaft- und Gewerbesteuer befreit.
Ein REIT ist eine börsennotierte Aktiengesellschaft, die sich auf das Halten, Verwalten und Veräußern von Immobilien konzentriert. Die strenge Regulierung ist der Kern des Modells, denn sie sichert dir als Anlegerin einen verlässlichen Fokus auf das Immobiliengeschäft. Im Gegenzug für diese Auflagen entfällt auf Unternehmensebene die Körperschaft- und Gewerbesteuer.
Die wichtigste Pflicht ist die hohe Ausschüttung. In Deutschland und den USA müssen REITs mindestens 90 Prozent des handelsrechtlichen Gewinns an ihre Aktionäre ausschütten. In Deutschland gibt es aktuell nur fünf Unternehmen mit diesem Status, während an der New Yorker Börse rund 200 REITs gehandelt werden.
Für dich bedeutet das: Du beteiligst dich an einem Unternehmen, das seine Erträge weitgehend durchreicht. Die Regulierung verhindert, dass ein einzelner Großaktionär die Geschäfte dominiert, denn mindestens 15 Prozent der Aktien müssen im Streubesitz liegen.
Kurz erklärt
Real Estate Investment Trust (REIT)
Eine börsennotierte Immobiliengesellschaft, die sich auf das Halten, Verwalten und Veräußern von Immobilien konzentriert und einen hohen Anteil ihrer Gewinne an die Aktionäre ausschüttet.
In Deutschland und den USA müssen REITs mindestens 90 Prozent des handelsrechtlichen Gewinns ausschütten. In Deutschland gibt es nur fünf Unternehmen mit REIT-Status.
02 · Vergleich
REITs im Vergleich zu direkten Immobilienkäufen
Ein direktes Immobilieninvestment bindet viel Kapital und konzentriert das Risiko auf ein Objekt. REITs verteilen dein Geld auf viele Objekte und Regionen, bringen aber börsentägliche Kursschwankungen mit.
Der größte Unterschied liegt im Kapitalbedarf. Für eine direkte Immobilie ist in der Regel ein hoher fünf- bis sechsstelliger Betrag nötig, während du REIT-Anteile bereits mit kleinen Beträgen über die Börse kaufen kannst. Dein Geld wird dabei auf viele Objekte, Regionen und Branchen verteilt, statt auf ein einziges Haus in einer Lage konzentriert zu sein.
Die Verfügbarkeit ist ein weiterer zentraler Punkt. Einen REIT-Anteil kannst du börsentäglich verkaufen, der Verkauf einer Wohnung oder eines Hauses dauert dagegen oft Monate. Dafür nimmst du bei REITs tägliche Kursschwankungen in Kauf, während der Wert einer direkten Immobilie sich eher träge und nicht täglich sichtbar verändert.
Bei den laufenden Erträgen profitierst du von der Ausschüttungspflicht. Ein REIT schüttet mindestens 90 Prozent seines Gewinns aus, bei einer vermieteten Wohnung bleiben nach Instandhaltung und Verwaltung oft geringere freie Beträge übrig. Die Streuung über viele Objekte reduziert zudem das Risiko eines einzelnen Mietausfalls.
| Direkte Immobilie | REIT-Investment | |
|---|---|---|
| Mindestkapital | Kauf ist teuer, die meisten Eigentümer verschulden sich über viele Jahre | Bereits mit kleinen Beträgen möglich |
| Streuung | Nicht diversifiziert, ein Objekt in einer Lage | Viele Objekte, Regionen und Branchen im Portfolio |
| Verfügbarkeit | Börsentäglich handelbar | |
| Laufende Erträge | Ausschüttungen von mindestens 90 Prozent des Gewinns | |
| Wertschwankung | Tägliche Kursschwankungen an der Börse |
03 · Schritt für Schritt
So funktioniert die Besteuerung von REITs
REITs zahlen auf Unternehmensebene keine Körperschaft- und Gewerbesteuer. Die Steuerlast entsteht erst bei dir als Anlegerin, wenn du Ausschüttungen oder Kursgewinne erhältst.
Der Ablauf ist zweistufig. Zuerst erzielt der REIT-Miet- und Veräußerungsgewinne, auf die in Deutschland keine Körperschaft- und Gewerbesteuer anfällt. Danach schüttet das Unternehmen mindestens 90 Prozent des handelsrechtlichen Gewinns an dich aus, und erst diese Zahlung ist für dich steuerpflichtig.
Für deine Steuerlast gilt die Abgeltungsteuer von 25 Prozent, zuzüglich Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent auf die Steuer und gegebenenfalls Kirchensteuer. Das gilt sowohl für Ausschüttungen als auch für Kursgewinne, die du beim Verkauf erzielst. Deinen Sparer-Pauschbetrag von 1000 Euro pro Person und Jahr kannst du dabei nutzen, um einen Teil der Erträge steuerfrei zu stellen.
Ein Beispiel: Liegen deine gesamten Kapitalerträge im Jahr unter 1000 Euro, zahlst du keine Abgeltungsteuer. Erst für den Teil, der diesen Freibetrag übersteigt, wird die Steuer fällig. Bei zusammenveranlagten Ehepaaren verdoppelt sich der Freibetrag auf 2000 Euro pro Jahr.
Gewinne entstehen im REIT
Der REIT erzielt Miet- und Veräußerungsgewinne. Auf Unternehmensebene fallen in Deutschland keine Körperschaft- und Gewerbesteuer an.
Ausschüttung an die Aktionäre
Mindestens 90 Prozent des handelsrechtlichen Gewinns werden an dich ausgeschüttet. Diese Dividenden sind für dich steuerpflichtig.
Versteuerung bei dir
Auf Ausschüttungen und Kursgewinne fällt die Abgeltungsteuer an, zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer.
04 · Was gilt
Wann sich REITs für dein Depot eignen
REITs sind kein Muss für jedes Portfolio. In bestimmten Situationen kann eine Beimischung jedoch zu deinen Zielen passen, während sie in anderen Fällen unnötig Risiko hinzufügt.
Eine Beimischung von REITs ist vor allem dann sinnvoll, wenn du gezielt laufende Erträge suchst und das zusätzliche Branchenrisiko bewusst trägst. Die hohen Ausschüttungen können als Zusatzeinkommen dienen, ohne dass du eine Immobilie verwalten musst. Du akzeptierst dabei höhere Kursschwankungen als bei einem reinen Weltaktienindex.
Für viele Anlegerinnen ist eine Übergewichtung jedoch unnötig. In einem marktbreiten ETF wie dem MSCI World sind Immobilienaktien bereits mit etwa 2 bis 3 Prozent enthalten. Wer zusätzlich einen Immobilien-ETF kauft, baut ein Klumpenrisiko auf, das die meisten Experten als nicht erforderlich ansehen.
Die Entscheidung hängt von deiner Portfoliostruktur ab. Wenn du bereits breit gestreut investierst und Immobilien bewusst übergewichten möchtest, kann ein kleiner Anteil sinnvoll sein. Suchst du dagegen möglichst wenig Schwankung, ist ein reiner Weltaktien-ETF die ruhigere Alternative.
Eher sinnvoll
Eher nicht sinnvoll
05 · Kosten
Welche Kosten bei REIT-ETFs anfallen
Die laufenden Kosten von Immobilien-ETFs liegen meist etwas über denen breiter Weltaktien-ETFs. Entscheidend ist die Gesamtkostenquote, die du vor dem Kauf vergleichen solltest.
Die laufenden Kosten werden über die Gesamtkostenquote (TER) abgebildet, die jährlich vom Fondsvermögen abgezogen wird. Bei Immobilien-ETFs liegt sie meist zwischen 0,3 und 0,6 Prozent und damit etwas über den Kosten breiter Weltaktien-ETFs, die oft nur 0,1 bis 0,3 Prozent betragen. Aktive Immobilienfonds sind mit 1,0 bis 1,8 Prozent deutlich teurer.
Die TER ist nicht der einzige Kostenfaktor. Hinzu kommen bei jedem Kauf und Verkauf die üblichen Ordergebühren deines Depots, die je nach Anbieter unterschiedlich ausfallen. Diese einmaligen Kosten solltest du bei deiner Kalkulation berücksichtigen, besonders wenn du regelmäßig kleinere Beträge investierst.
Ein Kostenunterschied von 0,3 Prozentpunkten erscheint klein, wirkt sich über lange Zeiträume aber spürbar aus. Bei einem Anlagebetrag von 10.000 Euro sind das 30 Euro pro Jahr, die deine Rendite mindern. Deshalb lohnt sich der Vergleich der Gesamtkostenquote vor dem Kauf.
06 · Im Vertrag
Wichtige Regeln für deutsche REITs
Deutsche REITs unterliegen engen Vorgaben, die Anlegerinnen schützen und den Fokus auf das Immobiliengeschäft sicherstellen sollen.
Die wichtigste Regel betrifft die Ausschüttung: Mindestens 90 Prozent des handelsrechtlichen Jahresüberschusses müssen an die Aktionäre fließen. Das sichert dir einen hohen Anteil an den erwirtschafteten Gewinnen.
Daneben gelten strenge Vorgaben für die Vermögensstruktur. Mindestens 75 Prozent des Vermögens müssen in unbewegliches Vermögen wie Grundstücke und Immobilien investiert sein, und mindestens 75 Prozent des Umsatzes müssen aus der Bewirtschaftung dieses Vermögens stammen. Die Eigenkapitalquote muss bei mindestens 45 Prozent liegen, wodurch die Verschuldung auf maximal 55 Prozent begrenzt ist.
Diese Regeln verhindern, dass ein REIT sich zu weit vom Immobiliengeschäft entfernt oder übermäßig riskant finanziert. Für dich bedeutet das eine gewisse Transparenz und Stabilität, auch wenn die konkrete Ausgestaltung der Portfolios von REIT zu REIT unterschiedlich bleibt.
Die wichtigsten Auflagen für deutsche REITs
07 · Checkliste
Checkliste vor dem Kauf eines REIT-ETF
Bevor du einen Immobilien-ETF kaufst, solltest du einige Punkte prüfen. So stellst du sicher, dass der ETF zu deiner Strategie passt und du keine unnötigen Risiken eingehst.
Die folgenden Fragen helfen dir bei der Einordnung.
- Enthält dein bestehender Weltaktien-ETF bereits Immobilienaktien, und wenn ja, in welcher Höhe?
- Wie hoch ist der Anteil von REITs im gewählten Immobilien-ETF, und ist er breit über Länder und Immobilienarten gestreut?
- Liegt die Gesamtkostenquote unter 0,6 Prozent, oder gibt es günstigere Alternativen mit ähnlicher Streuung?
- Passt die Ausschüttungsrendite zu deinem Ertragsziel, und akzeptierst du einen maximalen Wertverlust von über 70 Prozent in Krisen?
- Bleibt der Anteil von Immobilien-ETFs unter 10 Prozent deines gesamten Depots, um ein Klumpenrisiko zu vermeiden?
Wenn du eine dieser Fragen nicht klar beantworten kannst, ist es sinnvoll, den Kauf zu verschieben und dich weiter zu informieren. Ein übereilter Einstieg führt oft zu einer Übergewichtung, die du später nur mit Verlusten korrigieren kannst.
Das solltest du vor dem Kauf prüfen
Enthält dein bestehender Weltaktien-ETF bereits Immobilienaktien?
Wie hoch ist der Anteil von REITs im gewählten Immobilien-ETF?
Ist der ETF breit über Länder und Immobilienarten gestreut?
Passt die Ausschüttungsrendite zu deinem Ertragsziel?
Akzeptierst du einen maximalen Wertverlust von über 70 Prozent in Krisen?
08 · Fehler vermeiden
Typische Fehler beim REIT-Investment
Viele Anlegerinnen überschätzen die Sicherheit von Immobilienaktien oder verwechseln Dividenden mit Gesamtrendite. Diese Fehler lassen sich vermeiden.
Ein häufiger Fehler ist die Gleichsetzung von Immobilienaktien mit einer vermieteten Wohnung. Viele Anlegerinnen erwarten geringe Schwankungen, weil sie an Betongold denken. Tatsächlich schwanken REIT-Aktien an der Börse teils stärker als der breite Aktienmarkt, mit einem historischen maximalen Wertverlust von minus 74 Prozent.
Ein zweiter Fehler ist das Missverständnis der hohen Dividende. Die Ausschüttungsrendite von 2,5 bis 3,5 Prozent pro Jahr ist nicht die Gesamtrendite, denn Kursverluste können die Dividende vollständig aufzehren. Wer nur auf die Ausschüttung schaut, übersieht das Risiko sinkender Anteilspreise.
Weitere typische Fehler sind das starke Übergewichten eines Immobilien-ETFs zusätzlich zu einem breiten Weltportfolio, das Ignorieren der laufenden Kosten und der Kauf allein wegen der Steuerfreiheit auf Unternehmensebene. Die eigene Steuerlast auf Ausschüttungen und Kursgewinne bleibt bestehen und sollte in die Entscheidung einfließen.
Diese Fehler solltest du vermeiden
09 · Hintergrund
Wie viel Rendite Immobilien-ETFs bringen
Immobilienaktien haben historisch ähnliche Renditen wie breite Aktienmärkte erzielt, jedoch mit teils stärkeren Verlusten in Krisen. Die Ausschüttungsrendite allein ist nicht die Gesamtrendite.
Die Ausschüttungsrenditen großer Immobilien-ETFs lagen in den Jahren 2020 bis 2023 zwischen 2,5 und 3,5 Prozent pro Jahr. Ein breiter ausschüttender Weltaktien-ETF zahlte im selben Zeitraum nur 1,5 bis 1,9 Prozent aus. Diese Differenz macht Immobilien-ETFs für Anlegerinnen interessant, die laufende Erträge suchen.
Die Gesamtrendite setzt sich jedoch aus Ausschüttungen und Kursentwicklung zusammen. Historisch schwankten REIT-Aktien etwas stärker als der MSCI World, und der maximale Wertverlust lag bei REIT-Aktien bei minus 74 Prozent, beim MSCI World bei minus 57 Prozent. Diese Zahlen zeigen, dass die höhere Ausschüttung mit einem höheren Risiko erkauft wird.
Ob eine Beimischung von REITs die Rendite deines Portfolios langfristig verbessert, ist unter Experten umstritten. Einige sehen in den historisch geringen Korrelationen zu anderen Anlageklassen einen Diversifikationsvorteil, andere halten die 2 bis 3 Prozent Immobilienanteil im MSCI World für ausreichend. Eine klare Antwort gibt es nicht, deshalb solltest du die Beimischung nur bewusst und in kleinen Anteilen vornehmen.
Die Ausschüttungsrenditen großer Immobilien-ETFs lagen in den Jahren 2020 bis 2023 zwischen 2,5 und 3,5 Prozent pro Jahr. Ein breiter ausschüttender Weltaktien-ETF zahlte im selben Zeitraum nur 1,5 bis 1,9 Prozent aus.
Die Gesamtrendite setzt sich aus Ausschüttungen und Kursentwicklung zusammen. Historisch schwankten REIT-Aktien etwas stärker als der MSCI World. Der maximale Wertverlust lag bei REIT-Aktien bei minus 74 Prozent, beim MSCI World bei minus 57 Prozent.
Ob eine Beimischung von REITs die Rendite deines Portfolios langfristig verbessert, ist unter Experten umstritten. Einige sehen REITs als Renditequelle mit Value- und Small-Cap-Charakter, andere halten die im Weltindex enthaltenen 2 bis 3 Prozent für ausreichend.
Häufige Fragen
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