Optionen kaufen: Dein Einstieg in die Welt der Derivate
Du hast schon von Optionen gehört, weißt aber nicht, was es damit auf sich hat? Kein Problem. Wir erklären dir Schritt für Schritt, wie der Handel funktioniert, welche Risiken du kennen musst und wie du als Anfänger klug startest.
Warum dich das Thema Optionen betrifft
Vielleicht liest du in Finanzforen von Leuten, die mit Optionen angeblich schnell reich werden. Oder du hörst von Freunden, die mit einem kleinen Einsatz große Gewinne gemacht haben. Diese Geschichten erzeugen Neugier, aber auch ein falsches Bild. Denn der Handel mit Optionen ist kein einfacher Weg zum schnellen Geld, sondern ein komplexes Geschäft mit erheblichen Risiken.
Als Privatanleger in Deutschland hast du heute über Online-Broker Zugang zu diesem Markt. Das klingt verlockend, aber die wenigsten verstehen wirklich, was sie da tun. Die Finanzbranche verdient gut an Gebühren und Spreads, wenn du handelst. Deshalb ist es wichtig, dass du dich nicht von Werbung oder Social Media verleiten lässt, sondern erst das Handwerk lernst.
Der erste Schritt ist zu verstehen, dass Optionen keine eigene Anlageklasse wie Aktien sind. Sie sind sogenannte Derivate. Das bedeutet, ihr Wert wird von einem anderen Basiswert, zum Beispiel einer Aktie oder einem Index, abgeleitet. Du kaufst also nicht das Unternehmen, sondern ein Recht auf eine zukünftige Transaktion mit diesem Unternehmen.
Dieser Artikel ist dein neutraler Leitfaden. Wir zeigen dir, was Optionen sind, wie sie funktionieren und welche Fallstricke es gibt. Am Ende kannst du fundiert entscheiden, ob das etwas für dich ist oder ob du lieber die Finger davon lässt. Unser Ziel ist nicht, dich zum Handeln zu bewegen, sondern dich zu schützen und zu informieren.
Die Grundlagen: Was ist eine Option überhaupt?
Stell dir vor, du möchtest ein Auto kaufen. Du bist dir aber noch nicht sicher, ob du es wirklich willst. Du zahlst dem Händler eine kleine Gebühr, damit er dir den Kaufpreis für drei Monate festschreibt. Wenn du das Auto dann doch nicht willst, verfällt die Gebühr und du hast nur diesen Betrag verloren. Genau so funktioniert eine Option an der Börse.
Eine Option ist ein Vertrag zwischen zwei Parteien. Der Käufer erwirbt das Recht, einen Basiswert zu einem festgelegten Preis, dem Basispreis, innerhalb eines bestimmten Zeitraums zu kaufen oder zu verkaufen. Der Verkäufer der Option hat die Pflicht, diesen Handel auszuführen, wenn der Käufer sein Recht ausübt. Für dieses Recht zahlt der Käufer eine Prämie, den Optionspreis.
Es gibt zwei grundlegende Arten von Optionen. Eine Kaufoption nennt man Call. Sie gibt dir das Recht, den Basiswert zu kaufen. Eine Verkaufsoption nennt man Put. Sie gibt dir das Recht, den Basiswert zu verkaufen. Wenn du also erwartest, dass eine Aktie steigt, kaufst du einen Call. Erwartest du fallende Kurse, kaufst du einen Put.
Wichtig ist: Du bist als Käufer nicht verpflichtet, das Recht auszuüben. Wenn sich der Kurs nicht in die gewünschte Richtung bewegt, lässt du die Option einfach verfallen. Dein Verlust ist dann auf die gezahlte Prämie begrenzt. Das ist der entscheidende Unterschied zum direkten Aktienkauf, wo du bei fallenden Kursen Verluste in Höhe des Kursrückgangs erleidest.
So funktioniert der Handel: Kaufen und Verkaufen
Wenn du eine Option kaufst, zahlst du den Optionspreis plus Gebühren an deinen Broker. Dieser Preis setzt sich aus zwei Komponenten zusammen: dem inneren Wert und dem Zeitwert. Der innere Wert ist die Differenz zwischen aktuellem Kurs und Basispreis, wenn die Option bereits im Geld ist. Der Zeitwert spiegelt die Chance wider, dass sich der Kurs bis zum Verfall noch bewegt.
Der Optionspreis verändert sich ständig. Er hängt von mehreren Faktoren ab: dem aktuellen Kurs des Basiswerts, dem Basispreis, der Restlaufzeit, der Volatilität und dem risikolosen Zinssatz. Die Volatilität ist ein Maß für die Schwankungsintensität. Je höher die erwartete Schwankung, desto teurer ist die Option, weil die Chance auf einen großen Gewinn steigt.
Du kannst eine gekaufte Option jederzeit vor dem Verfall wieder verkaufen. Dann realisierst du entweder einen Gewinn oder Verlust aus der Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis. Das ist der häufigste Fall, denn die wenigsten Optionen werden tatsächlich ausgeübt. Die meisten Händler schließen ihre Position vorher, um Gewinne mitzunehmen oder Verluste zu begrenzen.
Der Verfallstag ist der letzte Termin, an dem du die Option ausüben kannst. In Deutschland ist das in der Regel der dritte Freitag im Monat. Nach diesem Tag ist die Option wertlos, wenn sie nicht ausgeübt wurde. Du solltest also immer im Blick haben, wie viel Zeit dir noch bleibt, denn der Zeitwert schmilzt mit zunehmender Nähe zum Verfall immer schneller dahin.
Kosten und Gebühren: Was der Spaß wirklich kostet
Der offensichtlichste Kostenpunkt ist der Optionspreis selbst. Dieser Betrag wird bei Kauf von deinem Konto abgezogen. Wenn du eine Option für rund 2 Euro kaufst und ein Kontrakt standardmäßig 100 Aktien umfasst, kostet dich das rund 200 Euro. Diese Summe ist dein maximaler Verlust, wenn die Option wertlos verfällt.
Zusätzlich fallen Ordergebühren deines Brokers an. Diese variieren stark zwischen den Anbietern. Manche Broker verlangen eine Grundgebühr pro Order, andere berechnen einen Prozentsatz vom Volumen. Bei Optionsgeschäften kommen oft noch Fremdgebühren der Börse hinzu. Du solltest die Preisverzeichnisse genau vergleichen, denn bei kleinen Beträgen können Gebühren einen großen Teil des Gewinns auffressen.
Ein weiterer, oft unterschätzter Kostenfaktor ist der Spread. Das ist die Differenz zwischen dem Geld- und Briefkurs, also dem Preis, zu dem du kaufen und verkaufen kannst. Bei wenig gehandelten Optionen kann dieser Spread sehr groß sein. Du verlierst also schon beim Kauf und Verkauf Geld, nur weil der Markt nicht liquide ist. Achte auf Optionen mit hohem Handelsvolumen.
Wichtig zu wissen: Es gibt keine laufenden Kosten wie bei einem Fonds. Du zahlst nur beim Kauf und Verkauf. Allerdings solltest du die Kosten nicht isoliert betrachten. Der größte Kostenfaktor ist der Zeitwertverlust. Jeden Tag verliert deine Option an Wert, auch wenn der Kurs sich nicht bewegt. Das ist der Preis für die Chance auf hohe Gewinne.
Worauf du beim Kauf unbedingt achten solltest
Bevor du überhaupt eine Option kaufst, musst du eine klare Erwartung haben. Glaubst du, dass der Kurs stark steigt oder fällt? Und bis wann? Ohne diese Einschätzung ist der Kauf reine Glückssache. Du solltest dir also zuerst eine Meinung über den Basiswert bilden und dann entscheiden, ob eine Option das richtige Instrument ist.
Die Wahl des Basispreises ist entscheidend. Eine Option, die weit aus dem Geld ist, ist günstig, hat aber eine geringe Wahrscheinlichkeit, Gewinn abzuwerfen. Eine Option, die im Geld ist, ist teurer, reagiert aber stärker auf Kursbewegungen. Als Anfänger solltest du dich auf Optionen konzentrieren, die nahe am aktuellen Kurs liegen, um die Risiken besser einschätzen zu können.
Die Restlaufzeit ist ein weiterer kritischer Faktor. Je kürzer die Laufzeit, desto schneller verliert die Option an Zeitwert. Kurzfristige Optionen sind extrem spekulativ. Für den Einstieg eignen sich eher Optionen mit einer Laufzeit von mehreren Monaten. Sie geben dir mehr Zeit, um richtig zu liegen und reduzieren den täglichen Druck des Zeitwertverfalls.
Prüfe immer die Liquidität der Option. Das erkennst du am offenen Interesse und am Handelsvolumen. Wenn diese Kennzahlen niedrig sind, kann es schwierig sein, die Option zu einem fairen Preis zu verkaufen. Du bist dann dem Market Maker ausgeliefert, der den Spread zu seinen Gunsten festlegt. Wähle daher nur Optionen auf große, bekannte Aktien oder Indizes.
Typische Fehler, die du als Einsteiger vermeiden solltest
Der häufigste Fehler ist, zu viel Geld in eine einzige Option zu stecken. Auch wenn der maximale Verlust begrenzt ist, kann dieser Verlust schnell rund 100 Prozent betragen. Wenn du rund 1.000 Euro in eine Option investierst und sie verfällt wertlos, ist das Geld weg. Setze niemals Geld ein, das du nicht komplett verlieren kannst.
Ein weiterer Fehler ist das Festhalten an einer Verlustposition. Viele Anleger hoffen, dass sich der Kurs noch dreht, und verkaufen nicht. Bei Optionen ist das besonders gefährlich, weil der Zeitwert unaufhörlich schmilzt. Eine Verlustposition wird selten wieder profitabel. Du solltest vor dem Kauf eine klare Verlustgrenze definieren und dich strikt daran halten.
Viele Einsteiger verwechseln den Kauf von Optionen mit dem Kauf von Aktien. Sie denken, wenn der Kurs steigt, muss auch die Option steigen. Das stimmt nur, wenn die Option noch genug Zeitwert hat. Wenn der Verfall naht, kann der Optionspreis trotz steigendem Aktienkurs fallen. Du musst also immer die Dynamik des Zeitwertverfalls im Hinterkopf behalten.
Der vielleicht größte Fehler ist, ohne Strategie zu handeln. Du solltest vor jedem Trade wissen, wann du Gewinne mitnimmst und wann du den Verlust akzeptierst. Schreibe dir deine Regeln auf und befolge sie diszipliniert. Emotionen wie Gier und Angst sind die größten Feinde eines Optionshändlers. Ein systematischer Ansatz schützt dich vor impulsiven Entscheidungen.
Dein Fahrplan: So machst du die ersten Schritte
Bevor du echtes Geld riskierst, solltest du dich intensiv mit der Theorie beschäftigen. Es gibt viele gute Bücher und Online-Kurse zum Thema Optionshandel. Lerne die Begriffe wie Delta, Theta und Vega kennen. Du musst kein Mathe-Genie sein, aber die grundlegenden Zusammenhänge solltest du verstehen, um fundierte Entscheidungen zu treffen.
Der zweite Schritt ist das Üben mit einem Demokonto. Die meisten Broker bieten kostenlose Testkonten an, auf denen du mit virtuellem Geld handeln kannst. Nutze diese Möglichkeit, um ein Gefühl für die Preisbewegungen zu bekommen. Teste verschiedene Strategien und beobachte, wie sich deine Positionen im Laufe der Zeit entwickeln. So sammelst du Erfahrung, ohne Risiko einzugehen.
Wenn du dich sicher fühlst, starte mit einem kleinen Betrag, den du wirklich entbehren kannst. Wähle eine einfache Option auf einen bekannten Index wie den DAX oder eine große Aktie. Beginne mit einer längeren Laufzeit und einem Basispreis nahe am aktuellen Kurs. Vermeide exotische Strategien wie Spreads oder Kombinationen, bis du die Basics sicher beherrschst.
Dokumentiere jeden Trade in einem Trading-Tagebuch. Notiere dir, warum du die Option gekauft hast, was du erwartest und wie du dich gefühlt hast. Analysiere nach dem Verfall, was richtig und was falsch war. Diese Selbstreflexion ist der Schlüssel zur Verbesserung. Mit der Zeit entwickelst du so ein Gespür für den Markt und deine eigenen Stärken und Schwächen.
Die Alternative: Warum du vielleicht doch lieber klassisch investierst
Nachdem du nun die Grundlagen kennst, solltest du ehrlich zu dir selbst sein. Der Optionshandel ist ein Nullsummenspiel, bei dem die meisten Privatanleger langfristig verlieren. Die Gebühren und der Zeitwertverlust sind eine enorme Hürde. Selbst professionelle Händler haben oft Mühe, den Markt zu schlagen.
Für die meisten Menschen ist der direkte Kauf von Aktien oder ETFs die bessere Wahl. Mit einem breit gestreuten ETF sparst du langfristig Vermögen auf, ohne dich um einzelne Kurse kümmern zu müssen. Du profitierst vom Wirtschaftswachstum und musst keine komplexen Finanzinstrumente verstehen. Das ist der bewährte Weg zum Vermögensaufbau.
Wenn du dennoch mit Optionen experimentieren möchtest, betrachte es als Hobby mit begrenztem Budget. Lege einen festen Betrag fest, den du pro Monat für Spekulationen verwenden darfst. Dieser Betrag sollte so klein sein, dass ein Totalverlust deine finanzielle Situation nicht beeinträchtigt. So kannst du die Erfahrung sammeln, ohne deine Altersvorsorge zu gefährden.
Denke daran: Es gibt keine Abkürzung zum Reichtum. Der Optionshandel ist kein Spiel, sondern ein hartes Geschäft. Wer dir schnelle Gewinne verspricht, will meist nur dein Geld. Bleib skeptisch, bilde dich weiter und investiere in dein Wissen. Das ist die einzige Anlage, die sich garantiert auszahlt.
Beantworte 3 Fragen für deine Einschätzung.
Häufige Fragen
Das hängt vom Optionspreis ab. Ein Kontrakt umfasst in der Regel 100 Aktien. Wenn die Option rund 1 Euro kostet, brauchst du rund 100 Euro plus Gebühren. Du kannst also schon mit wenigen hundert Euro starten, solltest aber bedenken, dass dieser Betrag komplett verloren gehen kann.
Wenn die Option am Verfallstag wertlos ist, verfällt sie automatisch. Du musst nichts tun und bekommst auch kein Geld zurück. Dein Verlust ist auf die gezahlte Prämie plus Gebühren begrenzt. Es entstehen keine weiteren Kosten oder Verpflichtungen.
Als Käufer einer Option ist dein Verlust auf den Optionspreis begrenzt. Du kannst also nicht mehr verlieren als deinen Einsatz. Anders sieht es aus, wenn du Optionen verkaufst. Dann kannst du theoretisch unbegrenzte Verluste erleiden. Als Einsteiger solltest du daher nur Optionen kaufen.
Ein Call gibt dir das Recht, einen Basiswert zu kaufen. Du profitierst von steigenden Kursen. Ein Put gibt dir das Recht, einen Basiswert zu verkaufen. Du profitierst von fallenden Kursen. Beide können gekauft werden, um auf eine bestimmte Kursrichtung zu spekulieren.
Nein, das sind verschiedene Produkte. Optionen sind standardisierte Verträge an Börsen mit festen Laufzeiten. CFDs sind Over-the-Counter-Produkte, die direkt mit dem Broker gehandelt werden. Bei CFDs gibt es keinen Verfallstag, aber oft höhere Risiken durch Hebel und fehlende Börsenaufsicht.
Du benötigst ein Depot bei einem Online-Broker, der Optionshandel anbietet. Dazu gehören zum Beispiel größere Direktbanken oder spezialisierte Neobroker. Du musst in der Regel einen erweiterten Freischaltungsprozess durchlaufen, der deine Erfahrung und Kenntnisse abfragt. Die Ausführung erfolgt über deutsche Börsen wie Eurex oder über US-Börsen.
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