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FinanzbildungInvestieren9 Min.

Momentum ETF Test: So erkennst du den besten für dein Depot

Momentum-ETFs versprechen, nur in Aktien zu investieren, die bereits stark steigen. Wir erklären dir, ob diese Strategie zu dir passt und wie du den richtigen ETF für dein Portfolio auswählst.

Momentum StrategieETF AuswahlAktien investieren
Brauche ich das?
Nicht unbedingt.
Nur sinnvoll als Beimischung, nicht als Basisinvestment.
Wie funktioniert es?
Kauft Gewinner.
Der Index bildet Aktien mit der stärksten Kursdynamik ab.
Ist das riskant?
Ja, schwankend.
Die Strategie kann in Seitwärtsmärkten stark unterperformen.
Wie starte ich?
Kosten vergleichen.
Achte auf Indexmethode, Replikation und die Gesamtkostenquote (TER).

Warum dich das Thema Momentum ETF betrifft

Vielleicht hast du schon einmal davon gehört, dass man nur Aktien kaufen soll, die ohnehin steigen. Das klingt nach einem einfachen Rezept, und genau das verspricht ein Momentum ETF. Für dich als Anleger bedeutet das: Du setzt nicht auf einzelne Firmen, sondern auf einen ganzen Korb von Aktien, die in der jüngeren Vergangenheit besonders stark performt haben.

Die Idee dahinter ist bestechend einfach. Wenn ein Aktienkurs bereits seit Monaten steigt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er das auch in den nächsten Monaten tut. Dieses Muster wurde in der Finanzforschung vielfach bestätigt. Für dich heißt das konkret, dass du mit einem solchen ETF nicht auf eine bestimmte Branche oder ein einzelnes Unternehmen setzt, sondern auf ein statistisches Phänomen.

Doch Vorsicht: Diese Strategie ist kein Selbstläufer. Es gibt Phasen, in denen die Strategie hervorragend funktioniert, und andere, in denen sie deutlich hinter dem Gesamtmarkt zurückbleibt. Bevor du also Geld in einen Momentum ETF steckst, solltest du verstehen, worauf du dich einlässt. Dieser Ratgeber hilft dir dabei, eine fundierte Entscheidung zu treffen.

Wir schauen uns an, wie die Strategie funktioniert, welche Kosten auf dich zukommen und welche Fehler du unbedingt vermeiden solltest. Am Ende weißt du, ob ein Momentum ETF in dein Depot passt oder ob du lieber die Finger davon lässt.

1927
Erste dokumentierte Momentum-Strategie an der Börse.
2x im Jahr
Übliche Neugewichtung der meisten Momentum-Indizes.
~30%
Typische Umschlagshäufigkeit pro Quartal bei Momentum-Indizes.

Die Grundlagen: Was ist ein Momentum ETF überhaupt?

Um zu verstehen, was ein Momentum ETF ist, müssen wir zuerst den Begriff Momentum erklären. Im Finanzwesen beschreibt Momentum die Tendenz eines Kurses, seinen bisherigen Trend fortzusetzen. Steigt eine Aktie also seit sechs Monaten, geht die Theorie davon aus, dass sie das auch in den nächsten sechs Monaten tun wird. Dieses Phänomen wird auf verschiedene psychologische Effekte zurückgeführt, wie zum Beispiel das Herdenverhalten von Anlegern.

Ein ETF, also ein Exchange Traded Fund, ist ein börsengehandelter Indexfonds. Er bildet einen bestimmten Index nach, zum Beispiel den DAX oder den S&P 500. Ein Momentum ETF bildet nun einen Index nach, der nicht nach Unternehmensgröße gewichtet ist, sondern nach der Kursdynamik. Das bedeutet, Aktien mit einer starken Preisentwicklung erhalten ein höheres Gewicht im Index.

Der bekannteste deutsche Momentum Index ist der MSCI World Momentum Index. Dieser Index wählt aus dem Universum des MSCI World die Aktien aus, die in den letzten sechs bis zwölf Monaten die beste Wertentwicklung gezeigt haben. Die Auswahl wird in der Regel halbjährlich überprüft und angepasst. So bleibt der Index immer auf dem neuesten Stand der Kursentwicklungen.

Für dich als Anleger bedeutet das: Du kaufst mit einem einzigen ETF ein fertig geschnürtes Paket aus den stärksten Aktien der Welt. Du musst dich nicht um die Auswahl einzelner Aktien kümmern, sondern vertraust auf die systematische Auswahl des Indexanbieters. Das ist bequem, aber du solltest die dahinterliegende Mechanik verstehen.

So funktioniert die Momentum-Strategie im Detail

Die Umsetzung der Momentum-Strategie in einem Index folgt klaren Regeln. Zuerst wird ein Anlageuniversum festgelegt, zum Beispiel alle Aktien aus den Industrieländern. Dann wird für jede Aktie die Wertentwicklung über einen bestimmten Zeitraum berechnet, meist zwölf Monate, wobei der letzte Monat oft ausgelassen wird, um kurzfristige Übertreibungen zu vermeiden.

Anschließend werden die Aktien nach ihrer Wertentwicklung sortiert. Die besten 20 bis rund 30 Prozent der Aktien werden in den Index aufgenommen. Die Gewichtung erfolgt dann nicht nach Marktkapitalisierung, sondern nach der Stärke des Momentums. Je stärker die Kursdynamik, desto höher das Gewicht im Index. Das führt dazu, dass der Index stark auf wenige, sehr dynamische Aktien konzentriert sein kann.

Ein wichtiger Punkt ist die Neugewichtung. Da sich Kurse ständig ändern, verändert sich auch das Momentum der einzelnen Aktien. Deshalb wird der Index in regelmäßigen Abständen, meist halbjährlich, neu zusammengestellt. Aktien, die an Dynamik verloren haben, fliegen raus, neue starke Aktien kommen rein. Dieser Prozess sorgt dafür, dass der Index immer die aktuellen Gewinner abbildet.

Diese Vorgehensweise hat einen entscheidenden Vorteil: Sie ist vollkommen regelbasiert und lässt keinen Raum für Emotionen. Der Index kauft Aktien, die steigen, und verkauft Aktien, die fallen. Das klingt logisch, führt aber in der Praxis zu einer höheren Umschlagshäufigkeit im Vergleich zu klassischen Indizes, was wiederum Kosten verursacht.

Kosten und Steuern: Was du bei der Auswahl beachten musst

Kosten sind ein entscheidender Faktor bei der Auswahl eines ETFs, da sie deine Rendite direkt schmälern. Bei Momentum ETFs gibt es zwei wesentliche Kostenarten: die laufenden Kosten, die als Gesamtkostenquote (TER) angegeben werden, und die Transaktionskosten, die durch den Handel innerhalb des Index entstehen. Die TER ist bei den meisten Momentum ETFs etwas höher als bei klassischen ETFs, da die Strategie komplexer ist.

Die Transaktionskosten sind ein oft unterschätzter Punkt. Da der Index regelmäßig umgeschichtet wird, müssen die Fondsanbieter Aktien kaufen und verkaufen. Diese Kosten werden nicht in der TER ausgewiesen, sondern schmälern die Rendite des Fonds direkt. Bei der Auswahl solltest du also nicht nur auf die TER achten, sondern auch auf die sogenannte Tracking Difference, also die Abweichung zwischen Index und Fondsrendite.

In Deutschland kommt noch die Steuer auf die Vorabpauschale hinzu. Diese wird auf die Wertsteigerung des Fonds berechnet, unabhängig davon, ob du Anteile verkaufst. Bei einem Momentum ETF, der tendenziell stärker schwankt, kann die Vorabpauschale höher ausfallen als bei einem klassischen ETF. Das ist aber kein Grund, die Finger davon zu lassen, sondern nur ein Punkt, den du bei der Steuererklärung berücksichtigen solltest.

Ein weiterer Kostenpunkt ist der Spread, also die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis an der Börse. Bei Momentum ETFs kann dieser etwas höher sein als bei sehr liquiden Standard-ETFs. Wenn du regelmäßig sparst, fallen diese Kosten aber kaum ins Gewicht. Wichtig ist, dass du die Gesamtkosten im Blick hast und nicht nur auf die reine TER schaust.

Worauf du bei der Auswahl eines Momentum ETFs achten solltest

Wenn du dich für einen Momentum ETF entscheidest, gibt es einige Kriterien, die du prüfen solltest. Zuerst ist die Wahl des Index entscheidend. Es gibt Indizes für den Weltmarkt, für einzelne Regionen oder für bestimmte Branchen. Für Einsteiger ist ein breit diversifizierter Weltindex meist die beste Wahl, da er das Risiko streut.

Achte auf die Methodik des Index. Manche Indizes gewichten die Aktien nach der Stärke des Momentums, andere kombinieren Momentum mit anderen Faktoren wie Qualität oder Größe. Es gibt auch Indizes, die eine maximale Abweichung vom Mutterindex begrenzen. Diese Details haben einen großen Einfluss auf das Risiko und die Rendite deines Investments.

Ein weiteres Kriterium ist die Replikationsmethode. Die meisten Momentum ETFs bilden den Index physisch ab, das heißt, sie kaufen die Aktien tatsächlich. Einige nutzen aber auch Swap-Konstruktionen, um die Wertentwicklung nachzubilden. Physische ETFs gelten als transparenter, Swap-ETFs können aber manchmal günstiger sein. Für dich als Anleger ist die physische Replikation meist die bessere Wahl.

Zu guter Letzt solltest du die Fondsgröße und das Handelsvolumen prüfen. Ein größerer Fonds hat in der Regel einen engeren Spread und ist stabiler. Achte auch auf die Auflage des Fonds. Ein Fonds, der erst wenige Monate alt ist, hat noch keine lange Erfolgsgeschichte. Es ist ratsam, einen Fonds zu wählen, der seit mehreren Jahren besteht und verschiedene Marktphasen durchlaufen hat.

Typische Fehler, die du mit Momentum ETFs vermeiden solltest

Der häufigste Fehler ist, einen Momentum ETF als alleinige Geldanlage zu nutzen. Die Strategie ist sehr konzentriert und kann in bestimmten Marktphasen massiv an Wert verlieren. Wenn du nur in Momentum investierst, setzt du alles auf eine Karte. Besser ist es, den ETF als Beimischung zu einem breit diversifizierten Portfolio zu nutzen.

Ein weiterer Fehler ist das ständige Umschichten. Viele Anleger kaufen den ETF, sehen nach ein paar Monaten eine schwache Phase und verkaufen wieder. Damit realisieren sie genau den Verlust, den sie vermeiden wollten. Die Momentum-Strategie braucht Zeit, um zu wirken. Du solltest einen Anlagehorizont von mindestens fünf bis zehn Jahren einplanen und nicht bei der ersten Korrektur aussteigen.

Viele Anleger verstehen auch das Risiko nicht richtig. Momentum ETFs sind oft stark in wenige Aktien investiert, die bereits stark gestiegen sind. Wenn diese Aktien korrigieren, kann der ETF überproportional fallen. Du solltest dir also bewusst sein, dass die Schwankungen höher sein können als bei einem klassischen Welt-ETF.

Ein letzter Fehler ist die Vernachlässigung der Kosten. Gerade bei kleineren Sparraten können die etwas höheren Kosten eines Momentum ETFs die Rendite schmälern. Vergleiche daher immer die Gesamtkosten und nicht nur die TER. Ein günstigerer ETF mit ähnlicher Strategie ist fast immer die bessere Wahl.

Konkrete nächste Schritte: So legst du mit einem Momentum ETF los

Bevor du Geld investierst, solltest du deine finanzielle Situation prüfen. Ein Momentum ETF ist kein Sparbuch, sondern ein risikoreiches Investment. Stelle sicher, dass du einen Notgroschen von drei bis sechs Monatsausgaben hast und keine teuren Schulden. Nur Geld, das du langfristig nicht brauchst, solltest du in Aktien-ETFs investieren.

Als Nächstes solltest du ein Depot bei einem Broker deiner Wahl eröffnen. Achte dabei auf die Kosten für Sparpläne und den Kauf von ETFs. Viele Neobroker bieten mittlerweile kostenlose Sparpläne auf eine große Auswahl an ETFs an. Vergleiche die Konditionen und wähle einen Anbieter, der zu deinen Bedürfnissen passt.

Dann geht es an die Auswahl des konkreten ETFs. Nutze die oben genannten Kriterien und vergleiche verschiedene Produkte. Achte auf den Index, die Fondsgröße, die Kosten und die Replikationsmethode. Du kannst dafür Vergleichsportale nutzen oder direkt auf den Seiten der Fondsanbieter recherchieren. Nimm dir Zeit für diesen Schritt, er ist entscheidend für deinen Erfolg.

Zuletzt richtest du einen Sparplan ein. Du musst nicht mit einer großen Summe starten. Schon ein kleiner monatlicher Betrag reicht aus, um langfristig vom Zinseszinseffekt zu profitieren. Wichtig ist, dass du regelmäßig investierst und deinen Plan auch in schwachen Marktphasen durchziehst. So nutzt du den Cost-Average-Effekt und glättest deine Einstiegskurse.

Für wen ist ein Momentum ETF geeignet und für wen nicht?

Ein Momentum ETF ist etwas für Anleger, die bereit sind, höhere Schwankungen zu akzeptieren und dafür eine potenziell höhere Rendite erwarten. Du solltest ein grundlegendes Verständnis für die Funktionsweise der Strategie haben und diszipliniert genug sein, auch in Krisen investiert zu bleiben. Wenn du diese Eigenschaften mitbringst, kann der ETF eine sinnvolle Ergänzung sein.

Nicht geeignet ist die Strategie für Anleger, die Sicherheit und stabile Erträge suchen. Wer kurz vor der Rente steht oder das Geld in den nächsten Jahren benötigt, sollte auf weniger volatile Anlagen setzen. Auch wenn du dich bei starken Kursschwankungen unwohl fühlst und nachts nicht schlafen kannst, ist ein Momentum ETF die falsche Wahl.

Es ist auch wichtig zu betonen, dass ein Momentum ETF keine Garantie für Überrenditen bietet. Es gibt lange Phasen, in denen die Strategie den breiten Markt schlägt, aber auch Phasen, in denen sie deutlich hinterherhinkt. Du solltest also nicht erwarten, dass du mit diesem ETF automatisch reich wirst. Es ist eine von vielen Strategien, die in einem diversifizierten Portfolio ihren Platz haben kann.

Als Faustregel gilt: Ein Momentum ETF sollte nicht mehr als 20 bis rund 30 Prozent deines Aktienportfolios ausmachen. Der Rest sollte in breit diversifizierte ETFs investiert sein, die den Gesamtmarkt abbilden. So profitierst du von der Stärke der Momentum-Strategie, ohne dich ihrem vollen Risiko auszusetzen.

Kurzer Selbst-Check: Brauchst du das?

Beantworte 3 Fragen für deine Einschätzung.

Kannst du Kursschwankungen von 40% und mehr aussitzen?
Möchtest du nicht in Unternehmen investieren, die gerade fallen?
Hast du einen Anlagehorizont von mindestens 10 Jahren?
Beantworte die Fragen für deine Empfehlung.

Häufige Fragen

Ein klassischer ETF bildet einen Index nach Marktkapitalisierung ab, große Unternehmen haben also ein hohes Gewicht. Ein Momentum ETF gewichtet Aktien nach ihrer Kursdynamik, kauft also gezielt die stärksten Aktien der Vergangenheit.

In der Regel ja, die laufenden Kosten (TER) sind etwas höher. Zudem entstehen durch die häufige Umschichtung höhere Transaktionskosten, die die Rendite schmälern. Der Unterschied ist aber meist gering und wird durch die potenziell höhere Rendite oft ausgeglichen.

Ja, die meisten Broker bieten Sparpläne auf gängige Momentum ETFs an. Das ist sogar eine empfehlenswerte Art zu investieren, da du so regelmäßig einzahlst und vom Cost-Average-Effekt profitierst.

Die meisten Indizes werden halbjährlich neu gewichtet, also zweimal im Jahr. Dabei werden Aktien, die an Dynamik verloren haben, durch neue, stärkere Aktien ersetzt. Einige Indizes gewichten auch quartalsweise.

Nur bedingt. Anfänger sollten zuerst ein Verständnis für die Grundlagen des Investierens entwickeln und mit einem breit diversifizierten ETF starten. Ein Momentum ETF kann später als Beimischung sinnvoll sein, wenn man die Risiken versteht.

Das Hauptrisiko ist die starke Konzentration auf wenige Aktien, die bereits stark gestiegen sind. Wenn diese Aktien korrigieren, kann der ETF überproportional fallen. Zudem kann die Strategie in Seitwärtsmärkten oder bei schnellen Trendwechseln schlechter abschneiden als der Gesamtmarkt.

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SR

StudySmarter-Redaktion

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Redaktionell geprüft. Stand: 31.08.2026, nächste Prüfung: 03/2027. Dieser Artikel ist Finanzbildung, keine Rechts- oder Steuerberatung.