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Lohnt sich ein Immobilienfonds für dich?

Immobilienfonds galten lange als solide Geldanlage, doch die Rahmenbedingungen haben sich verändert. Ob sich ein Einstieg für dich noch lohnt, hängt von deiner Strategie, deinem Anlagehorizont und deiner Risikobereitschaft ab.

10 Kapitel · 11 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026

Das Wichtigste

  • Offene Immobilienfonds sind keine sichere Geldanlage und werden von Verbraucherschützern aktuell kritisch gesehen.
  • Für Anteile, die du nach dem 21. Juli 2013 gekauft hast, gelten eine Mindesthaltedauer von 24 Monaten und eine Kündigungsfrist von 12 Monaten.
  • Die Rendite setzt sich aus Mieteinnahmen und Wertsteigerungen zusammen, kann aber durch Leerstand oder Abwertungen sinken.
  • Geschlossene Immobilienfonds sind unternehmerische Beteiligungen mit hohem Totalverlustrisiko und für die meisten Privatanleger ungeeignet.

01 · Grundlagen

Was ist ein offener Immobilienfonds?

Ein offener Immobilienfonds bündelt das Geld vieler Anleger und investiert es in ein Portfolio aus verschiedenen Gebäuden. So kannst du schon mit kleinen Beträgen in Immobilien investieren, ohne selbst Eigentum zu erwerben.

Ein offener Immobilienfonds kauft mit dem Geld der Anleger eine größere Zahl von Gebäuden, meist Büros, Einkaufszentren oder Hotels. Größere Fonds umfassen teils über 100 Immobilien, was das Risiko im Vergleich zu einer einzelnen Direktinvestition streut. Die Rendite entsteht vor allem aus Mieteinnahmen und Wertsteigerungen der Objekte.

Du investierst also nicht in ein einzelnes Gebäude, sondern in ein Portfolio aus vielen Immobilien. Oft kannst du schon für unter 100 Euro einsteigen. Die Anteile werden meist an der Börse gehandelt oder können mit Fristen an die Fondsgesellschaft zurückgegeben werden.

Kurz erklärt

Offener Immobilienfonds

Ein Investmentfonds, der das Geld der Anleger in eine größere Zahl von Immobilien wie Büros, Einkaufszentren oder Hotels investiert. Die Rendite entsteht vor allem aus Mieten und Wertsteigerungen der Objekte.

Du investierst nicht in ein einzelnes Gebäude, sondern in ein Portfolio aus vielen Immobilien, was das Risiko im Vergleich zu einer Direktinvestition streut.

02 · Vergleich

Offene und geschlossene Immobilienfonds im Vergleich

Die Bezeichnung 'offen' oder 'geschlossen' sagt viel über die Funktionsweise und die Risiken aus. Der Unterschied ist für deine Anlageentscheidung zentral.

Offene Immobilienfonds stehen grundsätzlich allen Anlegern offen und erfordern oft nur kleine Beträge. Geschlossene Immobilienfonds richten sich dagegen an einen begrenzten Kreis und verlangen meist hohe Mindestinvestitionen. Sie stecken das Geld häufig in nur ein einzelnes konkretes Projekt, etwa den Erwerb und Betrieb einer Gewerbeimmobilie.

Bei geschlossenen Fonds handelt es sich um eine unternehmerische Beteiligung, bei der im schlimmsten Fall ein Totalverlust droht. Ein vorzeitiger Ausstieg ist oft nicht oder nur mit hohen Abschlägen möglich. Offene Fonds bieten dagegen geregelte Rückgabemöglichkeiten, auch wenn diese mit Fristen verbunden sind.

  • Offene Immobilienfonds bündeln das Geld vieler Anleger in einem Portfolio aus vielen Gebäuden.
  • Geschlossene Immobilienfonds investieren häufig in ein einzelnes Projekt und sind für Kleinanleger nicht geeignet.
Unterschiede zwischen offenen und geschlossenen Immobilienfonds
Offener ImmobilienfondsGeschlossener Immobilienfonds
Zugang für AnlegerGrundsätzlich für alle offen, oft schon ab unter 100 EuroNicht für alle zugänglich, meist hohe Mindestinvestition nötig
AnlageobjektPortfolio aus vielen Immobilien (teils über 100)Häufig nur ein einzelnes konkretes Projekt
RisikoWertschwankungen und Abwertungen möglichHohes Risiko bis hin zum Totalverlust
VerfügbarkeitRückgabe an Fondsgesellschaft mit Fristen oder Verkauf über die BörseVorzeitiger Ausstieg oft nicht oder nur mit hohen Abschlägen möglich

03 · Was gilt

Welche Regeln gelten für die Rückgabe deiner Anteile?

Der Zeitpunkt deines Kaufs entscheidet, wie du deine Anteile an die Fondsgesellschaft zurückgeben kannst. Für neuere Anteile gelten strikte Fristen.

Für Käufe nach dem 21. Juli 2013 gilt eine Mindesthaltedauer von 24 Monaten. Danach musst du die Rückgabe mit einer Frist von zwölf Monaten ankündigen, und diese Kündigung ist verbindlich.

Der Verkaufspreis ergibt sich aus der offiziellen Fondsbewertung am Verkaufstag, nicht am Tag deiner Kündigung. Du weißt also bei der Kündigung nicht, wie viel Geld du genau bekommst. Für Anteile, die du vor dem 21. Juli 2013 erworben hast, gilt eine Sonderregel: Du kannst jederzeit bis zu 30.000 Euro pro Halbjahr ohne Kündigungsfrist zum aktuellen Rücknahmepreis entnehmen.

  • Käufe nach dem 21. Juli 2013: 24 Monate Haltedauer und 12 Monate Kündigungsfrist.
  • Käufe vor dem 21. Juli 2013: bis zu 30.000 Euro pro Halbjahr ohne Frist verfügbar.

Gilt für Käufe nach dem 21. Juli 2013

·Mindesthaltedauer von 24 Monaten
·Kündigungsfrist von 12 Monaten
·Kündigung ist verbindlich
·Verkaufspreis ergibt sich aus der Bewertung am Verkaufstag

Gilt für Käufe vor dem 21. Juli 2013

·Rückgabe von bis zu 30.000 Euro pro Halbjahr ohne Frist
·Es gilt der aktuelle Rücknahmepreis
·Keine Kündigungsfrist
·Diese Regel gilt nur für Altanteile, die vor dem Stichtag erworben wurden

04 · Schritt für Schritt

So verkaufst du deine Anteile über die Börse

Neben der Rückgabe an die Fondsgesellschaft kannst du deine Anteile auch an der Börse verkaufen. Das umgeht die Fristen, hat aber einen anderen Preis zur Folge.

Dafür benötigst du ein Wertpapierdepot, in dem deine Fondsanteile verwahrt werden. Die Fristen der Fondsgesellschaft spielen beim Börsenverkauf keine Rolle.

Der an der Börse erzielbare Preis kann jedoch deutlich von der offiziellen Bewertung der Fondsgesellschaft abweichen. Du solltest daher den Börsenpreis mit dem offiziellen Rücknahmepreis vergleichen, bevor du dich entscheidest. In der aktuellen Lage kann der Börsenpreis unter dem Rücknahmepreis liegen, was den Verkauf über die Börse weniger attraktiv macht.

  • Prüfe, ob deine Anteile in einem Depot verwahrt werden.
  • Ermittle den aktuellen Börsenpreis und den offiziellen Rücknahmepreis.
  • Wähle die Option, die für dich den besseren Preis ergibt.
01

Depot prüfen

Du benötigst ein Wertpapierdepot, in dem deine Fondsanteile verwahrt werden.

02

Börsenpreis ermitteln

Der an der Börse erzielbare Preis kann deutlich von der offiziellen Bewertung der Fondsgesellschaft abweichen.

03

Verkaufsorder aufgeben

Du erteilst eine Verkaufsorder über dein Depot. Die Fristen der Fondsgesellschaft spielen hier keine Rolle.

04

Abwägung treffen

Vergleiche den Börsenpreis mit dem offiziellen Rücknahmepreis, um die für dich bessere Option zu wählen.

05 · Kosten

Welche Kosten entstehen beim Kauf?

Beim Erwerb von Immobilienfonds fallen in der Regel Kosten an, die deine Rendite schmälern. Der Ausgabeaufschlag ist dabei der größte Posten.

Beim Erwerb von Immobilienfonds fällt in der Regel ein Ausgabeaufschlag an, der deine anfängliche Rendite reduziert. Die Höhe liegt je nach Fonds und Fondsgesellschaft meist zwischen 1 und 5 Prozent des Anlagebetrags. Zusätzlich erheben die Fondsgesellschaften eine laufende Verwaltungsgebühr, die oft zwischen 0,5 und 1,5 Prozent pro Jahr liegt.

Diese Kosten schmälern deine Erträge über die gesamte Haltedauer. Ein hoher Ausgabeaufschlag bedeutet, dass dein Geld zunächst im Minus startet und erst durch Mieteinnahmen und Wertsteigerungen wieder aufgeholt werden muss. Banken und Sparkassen verkaufen Immobilienfonds auch wegen der Provisionen, die in Form von Ausgabeaufschlag und Vertriebsfolgeprovision anfallen.

06 · Fehler vermeiden

Diese Risiken solltest du kennen

Immobilienfonds sind keine sichere Geldanlage. Mehrere Faktoren können den Wert deiner Anteile mindern.

Die Preise basieren auf Gutachterbewertungen, die sich als falsch herausstellen können. Den wahren Wert einer Immobilie kennt man erst, wenn ein Käufer ihn tatsächlich bezahlt.

Eine Welle von Anteilsrückgaben kann die Fondsgesellschaft zwingen, schnell Immobilien zu verkaufen, was zu niedrigeren Verkaufspreisen führt. Zudem kann die Fondsgesellschaft die Rücknahme von Anteilen vorübergehend aussetzen, wenn nicht genügend Liquidität vorhanden ist. Leerstände reduzieren die Mieteinnahmen, und steigende Zinsen können die Finanzierungskosten der Fonds erhöhen.

  • Die Anteilspreise basieren auf Gutachterbewertungen und können über das tatsächliche Risiko hinwegtäuschen.
  • Rücknahmewellen und ausgesetzte Rückgaben können deinen Zugriff auf dein Geld blockieren.

Die wichtigsten Risiken von Immobilienfonds

·Problem der Wertschätzung: Die veröffentlichten Anteilspreise basieren auf Gutachterbewertungen, die sich als falsch herausstellen können.
·Anteilsrückgaben: Eine Welle von Rückgaben kann die Fondsgesellschaft zu schnellen Immobilienverkäufen zu niedrigen Preisen zwingen.
·Aussetzen der Rücknahme: Die Fondsgesellschaft kann die Rücknahme von Anteilen vorübergehend aussetzen, wenn nicht genügend Liquidität vorhanden ist.
·Leerstand: Leerstände reduzieren die Mieteinnahmen und damit die Erträge des Fonds.
·Zinsänderungen: Steigende Zinsen können die Finanzierungskosten erhöhen und die Immobilienpreise belasten.

07 · Hintergrund

Welche Rolle spielen Mieteinnahmen und Wertsteigerungen?

Die Rendite eines Immobilienfonds speist sich aus zwei Quellen. Beide sind nicht garantiert und hängen von der Entwicklung des Immobilienmarktes ab.

Die laufenden Erträge eines offenen Immobilienfonds stammen aus den Mieteinnahmen der gehaltenen Objekte. Bei guter Nachfrage können Mietpreiserhöhungen durchgesetzt werden, wodurch die Ausschüttungen steigen. Umgekehrt führen Leerstände oder ausbleibende Mietzahlungen zu sinkenden Erträgen.

Zusätzlich besteht die Chance auf Wertsteigerungen, wenn Immobilien aus dem Fondsbestand mit Gewinn verkauft werden. Diese Gewinne sind jedoch nicht planbar. In den letzten Jahren sind die Preise für Gewerbeimmobilien erheblich gefallen, was bei einigen Fonds zu Abwertungen geführt hat. Die Gesamtrendite eines Immobilienfonds hängt also von beiden Faktoren ab, und beide sind mit Unsicherheit behaftet.

Die laufenden Erträge eines offenen Immobilienfonds stammen aus den Mieteinnahmen der gehaltenen Objekte. Bei guter Nachfrage können Mietpreiserhöhungen durchgesetzt werden, wodurch die Ausschüttungen steigen. Umgekehrt führen Leerstände oder ausbleibende Mietzahlungen zu sinkenden Erträgen.

Zusätzlich besteht die Chance auf Wertsteigerungen, wenn Immobilien aus dem Fondsbestand mit Gewinn verkauft werden. Diese Gewinne sind jedoch nicht planbar. In den letzten Jahren sind die Preise für Gewerbeimmobilien erheblich gefallen, was bei einigen Fonds zu Abwertungen geführt hat.

Die Gesamtrendite eines Immobilienfonds setzt sich also aus der Summe von Mieterträgen und Wertveränderungen zusammen. Sie kann in manchen Jahren über den Zinsen sicherer Anlagen liegen, in anderen Jahren aber auch deutlich darunter.

08 · Checkliste

Für wen eignen sich offene Immobilienfonds?

Nicht jeder Anleger braucht Immobilienfonds im Depot. Für eine breite Risikostreuung reichen in der Regel Aktien und Zinspapiere aus.

Wer dennoch in Immobilien investieren möchte, sollte sich bewusst machen, dass dies eine längerfristige Geldanlage ist. Die Risiken sind geringer als bei einer breit gestreuten Anlage am Aktienmarkt, aber höher als bei sicheren Zinspapieren.

Eine Anlage in offene Immobilienfonds kann nur dann sinnvoll sein, wenn du einen langen Anlagehorizont hast und die strengen Rückgabefristen akzeptieren kannst. Du solltest zudem bereits ein breit gestreutes Depot aus Aktien-ETFs und Zinspapieren besitzen und nur einen kleinen Teil deines Vermögens in Immobilienfonds investieren.

  • Du hast einen Anlagehorizont von mindestens mehreren Jahren.
  • Du kannst die Rückgabefristen für neue Anteile akzeptieren.
  • Du hast bereits ein breit gestreutes Depot aus Aktien-ETFs und Zinspapieren.

Kriterien, die für eine Anlage sprechen können

01

Du hast einen langen Anlagehorizont von mindestens mehreren Jahren.

02

Du möchtest einen kleinen Teil deines Vermögens in Sachwerte investieren.

03

Du bist dir bewusst, dass die Anteilspreise nicht die tatsächliche Liquidität widerspiegeln.

04

Du kannst die strengen Rückgabefristen für neue Anteile akzeptieren.

05

Du hast bereits ein breit gestreutes Depot aus Aktien-ETFs und Zinspapieren.

09 · Schritt für Schritt

So gehst du mit bestehenden Immobilienfonds um

Wenn du bereits Anteile an einem offenen Immobilienfonds besitzt, solltest du deine Optionen prüfen. Ein Verkauf kann sinnvoll sein, ist aber nicht immer einfach.

Zuerst stellst du fest, ob du deine Anteile vor oder nach dem 21. Juli 2013 erworben hast. Davon hängen deine Rückgaberechte ab.

Danach vergleichst du den offiziellen Rücknahmepreis der Fondsgesellschaft mit dem aktuellen Börsenkurs deiner Anteile. Wäge ab, ob du die Anteile mit Frist an die Fondsgesellschaft zurückgibst oder kurzfristig über die Börse verkaufst. Überlege anschließend, ob du das freigewordene Geld in breit gestreute Aktien-ETFs oder Zinspapiere umschichten möchtest.

  • Prüfe dein Kaufdatum und deine Rückgaberechte.
  • Vergleiche Rücknahmepreis und Börsenkurs.
  • Entscheide dich für die bessere Verkaufsoption und plane die Umschichtung.
01

Kaufdatum feststellen

Prüfe, ob du deine Anteile vor oder nach dem 21. Juli 2013 erworben hast. Davon hängen deine Rückgaberechte ab.

02

Rückgabewert und Börsenpreis vergleichen

Ermittle den offiziellen Rücknahmepreis der Fondsgesellschaft und den aktuellen Börsenkurs deiner Anteile.

03

Entscheidung treffen

Wäge ab, ob du die Anteile mit Frist an die Fondsgesellschaft zurückgibst oder kurzfristig über die Börse verkaufst.

04

Alternative prüfen

Überlege, ob du das freigewordene Geld in breit gestreute Aktien-ETFs oder Zinspapiere umschichten möchtest.

10 · Checkliste

Welche Alternativen gibt es zu Immobilienfonds?

Für den Vermögensaufbau gibt es einfachere und transparentere Wege als offene Immobilienfonds. Diese Optionen sind oft kostengünstiger und flexibler.

Breit gestreute Aktien-ETFs auf Weltindizes eignen sich für langfristigen Vermögensaufbau und sind kostengünstiger. Für den sicherheitsorientierten Teil deines Portfolios bieten sich Zinspapiere wie Festgeld oder Staatsanleihen an.

Tagesgeld eignet sich für kurzfristige Liquidität und als Notgroschen. Eine Kombination aus Aktien-ETFs und Zinspapieren ersetzt die Risikostreuung von Immobilienfonds in der Regel vollständig. Du kannst so auf die besonderen Risiken und Fristen von Immobilienfonds verzichten.

  • Breit gestreute Aktien-ETFs auf Weltindizes für langfristigen Vermögensaufbau.
  • Festgeld oder Staatsanleihen für den sicherheitsorientierten Teil deines Portfolios.
  • Tagesgeld für kurzfristige Liquidität und als Notgroschen.

Alternativen für dein Geld

01

Breit gestreute Aktien-ETFs auf Weltindizes für langfristigen Vermögensaufbau

02

Zinspapiere wie Festgeld oder Staatsanleihen für den sicherheitsorientierten Teil deines Portfolios

03

Tagesgeld für kurzfristige Liquidität und als Notgroschen

04

Eine Kombination aus Aktien-ETFs und Zinspapieren ersetzt die Risikostreuung von Immobilienfonds in der Regel vollständig

Häufige Fragen

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FinanzredaktionAktualisiert am 07.10.2026