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FinanzbildungInvestieren9 Min.

Factor Investing: Lohnt sich der Aufwand für dich wirklich?

Factor Investing klingt nach komplizierter Wissenschaft, ist aber im Kern eine simple Idee: Bestimmte Aktienmerkmale sollen langfristig mehr Rendite bringen. Ob das auch für dich als Normalanleger funktioniert und worauf du achten musst, erfährst du hier.

Faktor-StrategieETF-SparplanRisiko & Rendite
Brauche ich das?
Nicht zwingend.
Ein breiter Welt-ETF reicht oft völlig aus.
Bringt es mehr?
Historisch ja.
Aber nur über sehr lange Zeiträume und mit Geduld.
Ist es riskant?
Anders, nicht mehr.
Faktor-ETFs können länger und stärker schwanken.

Warum dich das Thema jetzt betrifft

Vielleicht hast du schon einmal davon gehört, dass man mit Aktien langfristig sein Vermögen aufbaut. Vielleicht besparst du sogar schon einen ETF auf den weltweiten Aktienmarkt. Dann hast du dich vermutlich gefragt, ob es nicht noch eine bessere Methode gibt, um dein Geld zu vermehren. Genau hier kommt Factor Investing ins Spiel, eine Strategie, die in den letzten Jahren immer beliebter geworden ist.

Die Finanzbranche hat erkannt, dass viele Anleger nach einer Möglichkeit suchen, die Rendite ihres Depots zu steigern, ohne dabei das Risiko unkontrolliert zu erhöhen. Factor Investing verspricht genau das, indem es auf wissenschaftlich belegte Muster setzt. Diese Muster, die sogenannten Faktoren, sind keine kurzfristigen Hypes, sondern basieren auf jahrzehntelanger Forschung.

Für dich als Anleger bedeutet das: Du hast die Wahl, ob du einfach den gesamten Markt kaufst oder ob du gezielt auf bestimmte Eigenschaften von Unternehmen setzt. Diese Entscheidung solltest du nicht leichtfertig treffen, denn sie beeinflusst die Entwicklung deines Depots über viele Jahre. Es geht also nicht um schnelle Gewinne, sondern um die Struktur deiner langfristigen Geldanlage.

Bevor du dich jedoch in komplexe Strategien stürzt, ist es wichtig, die Grundlagen zu verstehen. Nur wer weiß, was ein Faktor ist und wie er wirkt, kann beurteilen, ob die Strategie zum eigenen Anlagehorizont und zur eigenen Risikobereitschaft passt. Dieser Artikel hilft dir dabei, eine fundierte Entscheidung zu treffen, ohne dass du ein Finanzmathematiker werden musst.

seit 1926
beobachten Forscher den Size-Faktor am US-Markt
3 bis 5
Faktoren gelten in der Wissenschaft als robust und gut belegt
0,25 % p.a.
kann die Mehrgebühr eines Faktor-ETFs gegenüber einem Standard-ETF betragen

Die Grundidee: Was sind Faktoren überhaupt?

Stell dir vor, du schaust dir alle Unternehmen der Welt an. Manche sind groß, manche klein, manche sind teuer, manche günstig bewertet. Die Idee hinter Factor Investing ist, dass bestimmte Gruppen von Aktien über lange Zeiträume eine höhere Rendite erzielen als der Gesamtmarkt. Diese gemeinsamen Eigenschaften nennt man Faktoren.

Der bekannteste Faktor ist der sogenannte Value-Faktor. Er besagt, dass Aktien, die im Verhältnis zu ihrem inneren Wert günstig erscheinen, langfristig besser abschneiden als teure Wachstumsaktien. Ein anderer wichtiger Faktor ist die Qualität. Unternehmen mit stabilen Gewinnen, geringen Schulden und hoher Rentabilität gelten als qualitativ hochwertig und sollen weniger stark einbrechen.

Weitere klassische Faktoren sind die Unternehmensgröße (Small Caps) und die Volatilität. Aktien von kleineren Unternehmen und Aktien mit geringeren Kursschwankungen werden ebenfalls eine Überrendite nachgesagt. Diese Faktoren sind nicht neu, sie wurden bereits in den 1990er Jahren von den Wissenschaftlern Eugene Fama und Kenneth French umfassend dokumentiert.

Wichtig ist zu verstehen: Diese Faktoren wirken nicht jedes Jahr. Es gibt Phasen, in denen Value-Aktien total unterperformen und Wachstumsaktien boomen. Die Überrendite entsteht erst über sehr lange Zeiträume von 15 bis 20 Jahren. Wer auf Faktoren setzt, muss also Geduld mitbringen und darf sich nicht von kurzfristigen Entwicklungen verunsichern lassen.

So funktioniert Factor Investing in der Praxis

Du musst keine einzelnen Aktien analysieren, um von Faktoren zu profitieren. Die Finanzbranche hat dafür spezielle Indexfonds, sogenannte ETFs, entwickelt. Diese Faktor-ETFs bilden nicht den gesamten Markt ab, sondern nur die Aktien, die ein bestimmtes Merkmal besonders stark aufweisen. So gibt es zum Beispiel ETFs, die nur günstig bewertete Aktien enthalten.

Der Prozess ist dabei vollständig regelbasiert. Ein Indexanbieter definiert im Voraus, nach welchen Kriterien die Aktien ausgewählt und gewichtet werden. Anschließend kauft der ETF genau diese Aktien. Für dich als Anleger bedeutet das: Du kaufst einen einzigen Fonds und bist damit automatisch in einer ganzen Reihe von Unternehmen investiert, die dem jeweiligen Faktor entsprechen.

Ein Beispiel: Ein Quality-ETF wählt Unternehmen aus, die eine hohe Eigenkapitalrendite und eine stabile Bilanz aufweisen. Dazu gehören oft große Konzerne aus dem Technologie- oder Konsumgüterbereich. Ein Small-Cap-ETF hingegen konzentriert sich auf kleinere Unternehmen, die oft flexibler und wachstumsstärker sind, aber auch ein höheres Risiko mit sich bringen.

Der entscheidende Punkt ist die Kombination. Viele Anleger setzen nicht auf einen einzelnen Faktor, sondern mischen mehrere. So können sie das Risiko streuen und von verschiedenen Stärken profitieren. Eine typische Strategie wäre zum Beispiel eine Kombination aus Value und Quality, um sowohl günstige als auch stabile Unternehmen im Depot zu haben.

Kosten und Aufwand: Was musst du investieren?

Factor Investing ist nicht kostenlos. Die ETFs, die auf diese Strategie setzen, haben in der Regel höhere Verwaltungsgebühren als klassische Indexfonds auf den Weltmarkt. Während ein Standard-ETF oft nur wenige Zehntel Prozent pro Jahr kostet, können Faktor-ETFs etwas teurer sein. Diese Differenz erscheint klein, wirkt sich aber über viele Jahre spürbar auf deine Rendite aus.

Neben den laufenden Kosten solltest du auch den Aufwand für die Auswahl und Überwachung deiner Anlage einplanen. Du musst dich entscheiden, welche Faktoren du kombinieren möchtest und wie hoch der Anteil im Depot sein soll. Diese Entscheidung ist nicht trivial und erfordert ein gewisses Grundverständnis der Materie.

Ein weiterer Kostenpunkt ist die sogenannte Handelsaktivität. Da sich die Zusammensetzung der Faktor-Indizes ändert, müssen die ETFs regelmäßig Aktien kaufen und verkaufen. Diese Transaktionen verursachen Kosten, die zwar im Fonds verrechnet werden, aber letztendlich von dir als Anleger getragen werden. Bei stark schwankenden Märkten können diese Kosten höher ausfallen.

Trotz der höheren Kosten kann sich die Strategie lohnen, wenn die Faktoren ihre historische Überrendite auch in Zukunft erzielen. Du solltest jedoch niemals nur auf die Gebühren schauen, sondern immer die Gesamtkosten ins Verhältnis zur erwarteten Mehrrendite setzen. Ein teurer ETF, der keine Mehrrendite liefert, ist schlechter als ein günstiger Welt-ETF.

Darauf solltest du bei der Auswahl achten

Wenn du dich für Factor Investing entscheidest, ist die Auswahl des richtigen ETFs entscheidend. Achte nicht nur auf die Gebühren, sondern auch auf die Methodik des Index. Manche Anbieter gewichten die Faktoren stark, andere schwächer. Ein ETF mit einer starken Faktor-Ausprägung weicht deutlich stärker vom Gesamtmarkt ab, was zu größeren Schwankungen führen kann.

Ein wichtiges Kriterium ist die Fondsgröße und das Handelsvolumen. Große ETFs sind in der Regel liquider und haben engere Geld-Brief-Spannen, was dir beim Kauf und Verkauf Kosten spart. Zudem sind sie weniger anfällig für Schließungen durch den Anbieter. Ein ETF, der mangels Nachfrage eingestellt wird, zwingt dich zu einem ungeplanten Verkauf.

Prüfe außerdem, wie lange der Fonds bereits besteht und wie er sich in verschiedenen Marktphasen geschlagen hat. Die Vergangenheit ist zwar keine Garantie für die Zukunft, aber sie zeigt dir, wie der Fonds in Krisen reagiert hat. Ein Fonds, der in der Finanzkrise oder der Corona-Pandemie stark eingebrochen ist, erfordert mehr Nervenstärke von dir.

Vergiss nicht, auf die steuerliche Behandlung zu achten. Seit der Einführung der Vorabpauschale in Deutschland müssen Anleger auch auf thesaurierende Fonds Steuern zahlen. Die genaue Berechnung ist komplex, aber du solltest wissen, dass Faktor-ETFs hier keine Sonderrolle spielen. Sie werden wie alle anderen Aktienfonds behandelt.

Typische Fehler, die du unbedingt vermeiden solltest

Der größte Fehler ist, Factor Investing als kurzfristige Wette zu sehen. Wer heute einen Value-ETF kauft und nach zwei Jahren enttäuscht ist, weil der Markt besser gelaufen ist, hat die Strategie nicht verstanden. Die Faktor-Prämien brauchen Zeit und treten nicht in jedem Jahr auf. Du musst also langfristig denken und handeln.

Ein weiterer häufiger Fehler ist die Überdiversifikation. Manche Anleger kombinieren fünf oder sechs verschiedene Faktor-ETFs und glauben, damit ihr Risiko zu streuen. In Wirklichkeit überlappen sich die Indizes oft stark, sodass du am Ende im Grunde den Gesamtmarkt kaufst, aber mit höheren Kosten. Weniger ist hier oft mehr.

Viele Anleger unterschätzen auch die psychologische Belastung. Faktor-ETFs können über Jahre hinweg schlechter abschneiden als der breite Markt. In dieser Zeit wirst du dich fragen, ob deine Strategie falsch ist. Wenn du dann verkaufst und in einen Welt-ETF wechselst, realisierst du genau den Verlust, den du vermeiden wolltest.

Schließlich solltest du nicht blind auf einzelne Faktoren setzen, die gerade in der Presse gefeiert werden. Moden kommen und gehen. Die wissenschaftlich belegten Faktoren wie Value, Size und Quality sind robust, aber auch sie haben Durststrecken. Vertraue nicht auf Bauchgefühl oder heiße Tipps, sondern auf die langfristige Evidenz.

Konkrete nächste Schritte für deinen Einstieg

Bevor du auch nur einen Euro investierst, solltest du deine eigene Risikobereitschaft ehrlich einschätzen. Frage dich, ob du einen Kursverlust von rund 40 Prozent über mehrere Jahre aushalten kannst, ohne in Panik zu verfallen. Wenn du diese Frage mit Nein beantwortest, ist Factor Investing wahrscheinlich nichts für dich.

Wenn du dich bereit fühlst, starte mit einem kleinen Teil deines Depots. Du musst nicht sofort alles auf Faktor-ETFs umschichten. Eine sinnvolle Strategie ist, zunächst 20 bis rund 30 Prozent deines Aktienanteils in einen oder zwei Faktor-ETFs zu investieren und den Rest in einem breiten Welt-ETF zu lassen. So kannst du die Wirkung beobachten, ohne alles auf eine Karte zu setzen.

Wähle deine ETFs sorgfältig aus. Vergleiche nicht nur die Kosten, sondern auch die Index-Methodik. Achte darauf, dass der Fonds eine ausreichende Größe hat und von einem etablierten Anbieter stammt. Lies den Factsheet und den Jahresbericht, um zu verstehen, welche Unternehmen im Fonds enthalten sind.

Richte einen Sparplan ein, um regelmäßig zu investieren. So profitierst du vom Cost-Average-Effekt und musst nicht den perfekten Zeitpunkt abpassen. Überprüfe deine Strategie einmal im Jahr, aber nicht öfter. Kurzfristige Kursschwankungen sollten dich nicht zu Änderungen verleiten. Bleib diszipliniert und geduldig.

Für wen lohnt sich Factor Investing wirklich?

Factor Investing ist nicht für jeden geeignet. Wenn du ein einfaches, unkompliziertes Depot möchtest und keine Lust hast, dich mit verschiedenen Faktoren auseinanderzusetzen, dann bleib bei einem klassischen Welt-ETF. Dieser ist günstig, gut diversifiziert und hat sich für viele Anleger als solide Basis erwiesen.

Die Strategie lohnt sich vor allem für Anleger, die bereit sind, sich intensiver mit ihrer Geldanlage zu beschäftigen. Du solltest verstehen, warum du in bestimmte Faktoren investierst und welche Risiken damit verbunden sind. Nur wer die Strategie wirklich versteht, kann auch in schwierigen Phasen daran festhalten.

Auch dein Anlagehorizont spielt eine entscheidende Rolle. Je länger du investiert bist, desto wahrscheinlicher ist es, dass sich die Faktor-Prämien auszahlen. Ein Zeithorizont von mindestens 15 Jahren ist empfehlenswert. Wenn du das Geld früher benötigst, etwa für eine Immobilie oder den Ruhestand, ist das Risiko zu hoch.

Kurz gesagt: : Factor Investing ist eine spannende Ergänzung für erfahrene Anleger mit langem Atem. Für Einsteiger oder Anleger mit geringer Risikotoleranz ist ein breiter Markt-ETF oft die bessere Wahl. Höre auf dein Bauchgefühl, aber lass dich von Fakten und nicht von Hype leiten.

Fazit: Deine Entscheidung für die Zukunft

Die Frage, ob sich Factor Investing lohnt, lässt sich nicht pauschal mit Ja oder Nein beantworten. Es hängt von deiner Persönlichkeit, deinem Wissen und deiner finanziellen Situation ab. Die wissenschaftliche Evidenz ist stark, aber die Umsetzung erfordert Disziplin und Geduld.

Du hast jetzt das nötige Grundwissen, um eine informierte Entscheidung zu treffen. Du weißt, was Faktoren sind, wie sie wirken und welche Kosten auf dich zukommen. Du kennst die typischen Fehler und weißt, worauf du bei der Auswahl achten musst. Damit bist du besser vorbereitet als die meisten anderen Anleger.

Denke daran, dass es keine perfekte Anlagestrategie gibt. Auch Factor Investing ist keine Garantie für hohe Renditen. Es ist eine Möglichkeit, dein Portfolio zu optimieren, aber es bringt auch neue Risiken mit sich. Sei ehrlich zu dir selbst und wähle den Weg, der zu dir passt.

Letztendlich ist die beste Strategie die, die du über viele Jahre durchhältst. Ob das ein simpler Welt-ETF oder eine ausgefeilte Faktor-Kombination ist, bleibt dir überlassen. Wichtig ist, dass du deine Entscheidung bewusst triffst und nicht von kurzfristigen Marktbewegungen abhängig machst.

Kurzer Selbst-Check: Brauchst du das?

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Kannst du Kursschwankungen von 40 % aussitzen?
Besparst du dein Depot wirklich für über 15 Jahre?
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Beantworte die Fragen für deine Empfehlung.

Häufige Fragen

Nein, das ist ein wichtiger Unterschied. Aktive Fondsmanager versuchen, den Markt zu schlagen, indem sie einzelne Aktien auswählen. Factor Investing folgt dagegen festen, regelbasierten Kriterien, die auf wissenschaftlichen Studien basieren. Es ist also eine passive Strategie, die aber gezielt von der Marktgewichtung abweicht.

Das ist unwahrscheinlich. Die Faktor-Prämien sind historisch gesehen moderat und treten nur über lange Zeiträume auf. Du wirst also nicht über Nacht reich, sondern kannst deine Rendite über Jahrzehnte leicht steigern. Dafür musst du aber auch höhere Schwankungen und Durststrecken in Kauf nehmen.

Es gibt keinen objektiv besten Faktor. Value und Quality gelten als besonders robust, aber auch sie haben Phasen, in denen sie schlechter abschneiden. Viele Experten empfehlen eine Kombination aus mehreren Faktoren, um das Risiko zu streuen. Die Wahl hängt auch von deiner persönlichen Risikobereitschaft ab.

Das hängt von deiner Gesamtstrategie ab. Als Faustregel gilt: Du solltest nur Geld investieren, das du mindestens 15 Jahre nicht benötigst. Ein Anteil von 20 bis rund 30 Prozent des Aktienportfolios ist ein guter Ausgangspunkt, um die Wirkung zu testen, ohne das Gesamtrisiko zu stark zu erhöhen.

Das ist ein reales Risiko, das du nicht ignorieren solltest. Die Faktoren sind empirisch belegt, aber es gibt keine Garantie für die Zukunft. Wenn du in Faktor-ETFs investierst, musst du bereit sein, auch längere Phasen der Underperformance auszuhalten. Eine breite Streuung über mehrere Faktoren kann dieses Risiko etwas mindern.

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StudySmarter-Redaktion

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Redaktionell geprüft. Stand: 31.08.2026, nächste Prüfung: 03/2027. Dieser Artikel ist Finanzbildung, keine Rechts- oder Steuerberatung.