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Lohnt sich Crowdinvesting? Chancen und Risiken der Schwarmfinanzierung

Crowdinvesting verspricht hohe Renditen, birgt aber ein erhebliches Verlustrisiko. Ob sich die Anlageform für dich lohnt, hängt von deiner Risikobereitschaft und der genauen Prüfung des Projekts ab.

10 Kapitel · 11 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026

Das Wichtigste

  • Beim Crowdinvesting gibst du Unternehmen oder Projekten ein Nachrangdarlehen und erhältst dafür Zinsen.
  • Hohe Renditen von teils über 10 Prozent stehen einem möglichen Totalverlust deines Einsatzes gegenüber.
  • Es gibt keine Einlagensicherung, dein Geld ist bei einer Pleite nicht geschützt.
  • Die Anlagegrenze für Privatpersonen liegt bei 25.000 Euro pro Projekt.

01 · Grundlagen

Was ist Crowdinvesting?

Crowdinvesting ist eine Form der Schwarmfinanzierung, bei der viele Anleger kleine Beträge in ein Projekt investieren. Anders als beim Crowdfunding steht dabei die Rendite im Vordergrund.

Beim Crowdinvesting gibst du einem Unternehmen oder Projektentwickler ein Darlehen, das im Regelfall als Nachrangdarlehen ausgestaltet ist. Diese Konstruktion bedeutet für dich ein deutlich anderes Risiko als bei einem klassischen Bankkredit, denn im Insolvenzfall wirst du erst nach allen anderen Gläubigern bedient.

Die Anlageform hat in Deutschland ein erhebliches Volumen erreicht: Von 2011 bis 2023 flossen weit über 1 Milliarde Euro in deutsche Crowdinvest-Projekte. Das zeigt, dass viele Privatanleger den Zugang zu Projekten nutzen, die ihnen sonst verschlossen blieben.

Dein eingesetztes Kapital ist beim Crowdinvesting nicht durch eine Einlagensicherung geschützt. Anders als bei Tagesgeld oder Festgeld kannst du im schlechtesten Fall deinen gesamten Anlagebetrag verlieren.

Kurz erklärt

Crowdinvesting

Beim Crowdinvesting investieren viele private Kleinanleger (die Crowd) Geld in ein Projekt oder Unternehmen. Im Gegensatz zum Crowdfunding, das oft spendenähnlichen Charakter hat, steht beim Crowdinvesting die Rendite des investierten Kapitals im Vordergrund.

Die Anleger erhalten in der Regel ein Nachrangdarlehen, das im Insolvenzfall erst nach anderen Gläubigern bedient wird.

02 · Vergleich

Crowdinvesting oder Crowdfunding: Wo liegt der Unterschied?

Die Begriffe werden oft verwechselt, bezeichnen aber unterschiedliche Konzepte. Der entscheidende Unterschied liegt in der Gewinnabsicht und dem Risiko.

Der zentrale Unterschied liegt in deiner Motivation und der rechtlichen Konstruktion. Beim Crowdfunding unterstützt du ein kreatives, kulturelles oder soziales Projekt, ohne eine finanzielle Rendite zu erwarten. Deine Zahlung hat oft spendenähnlichen Charakter, auch wenn du manchmal eine kleine Gegenleistung wie eine namentliche Erwähnung erhältst.

Beim Crowdinvesting hingegen verfolgst du eine Gewinnabsicht. Du erhältst für dein Geld Zinsen oder eine Gewinnbeteiligung, trägst dafür aber auch ein wirtschaftliches Risiko, das beim Crowdfunding nicht besteht.

Für dich bedeutet das: Beim Crowdfunding kannst du dein Geld nicht verlieren, weil es keine Rückzahlungspflicht gibt. Beim Crowdinvesting ist der Totalverlust deines Einsatzes möglich, wenn das Projekt scheitert.

Crowdinvesting und Crowdfunding im direkten Vergleich
CrowdinvestingCrowdfunding
ZielRendite erzielenProjekt verwirklichen
GegenleistungZinsen oder GewinnbeteiligungSpende oder ideeller Dank
RisikoTotalverlust möglichKein wirtschaftliches Risiko

03 · Schritt für Schritt

Wie funktioniert Crowdinvesting?

Der Ablauf eines Crowdinvestments folgt einem klaren Muster. Von der Auswahl der Plattform bis zur Rückzahlung des Kapitals sind mehrere Schritte nötig.

Der Ablauf folgt einem klaren Muster, das du bei fast allen Plattformen wiederfindest. Zuerst wählst du eine Plattform aus, die Geldgeber und Projektentwickler zusammenführt. Danach registrierst du dich und eröffnest ein Kundenkonto, was in der Regel mit wenigen Angaben erledigt ist.

Anschließend entscheidest du dich für ein konkretes Projekt. Dabei helfen dir Kriterien wie das Investitionsvolumen, die Laufzeit und deine persönliche Risikobereitschaft. Die Höhe deines Investments kannst du innerhalb der vorgegebenen Grenzen frei wählen.

  • Die Mindestanlage liegt je nach Plattform zwischen 10 und 500 Euro.
  • Nach dem Kleinanlegerschutzgesetz liegt die Obergrenze für Privatpersonen bei 25.000 Euro.
  • Während der Laufzeit solltest du dich regelmäßig über den Projektfortschritt informieren.
01

Plattform wählen

Du entscheidest dich für eine Crowdinvesting-Plattform, die Geldgeber und Projektentwickler zusammenführt. Achte auf den Sitz in Deutschland und die bisherige Projekthistorie.

02

Registrieren

Du eröffnest ein Kundenkonto bei der Plattform deiner Wahl. Das ist in der Regel mit wenigen Angaben erledigt.

03

Projekt auswählen

Du prüfst die angebotenen Projekte anhand von Investitionsvolumen, Laufzeit und deiner Risikobereitschaft.

04

Investitionshöhe festlegen

Du legst den Betrag fest, den du anlegen möchtest. Die Mindestanlage liegt je nach Plattform zwischen 10 und 500 Euro, die Obergrenze für Privatpersonen bei 25.000 Euro.

05

Projekt verfolgen

Du informierst dich regelmäßig über den Fortschritt des Projekts, entweder über die Plattform oder direkt beim Projektentwickler.

06

Rendite erhalten

Am Ende der Laufzeit erhältst du dein Kapital zurück, sofern das Projekt erfolgreich war. Die Zinsen werden je nach Vereinbarung jährlich oder quartalsweise ausgezahlt.

04 · Was gilt

Welche Risiken bestehen beim Crowdinvesting?

Crowdinvesting ist keine sichere Geldanlage. Das Risiko eines Totalverlusts ist real und unterscheidet sich grundlegend von klassischen Anlageformen.

Das größte Risiko ist der Totalverlust deines investierten Kapitals. Da es sich beim Crowdinvesting klassischerweise um Nachrangdarlehen handelt, wirst du bei einer Pleite erst nach anderen Gläubigern bedient. Kleinanleger gehen in solchen Fällen oft leer aus.

Ein weiteres Risiko ist die fehlende Flexibilität: Eine vorzeitige Kündigung deines Investments ist in der Regel nicht möglich. Du bist also für die gesamte vereinbarte Laufzeit an dein Geld gebunden, auch wenn sich deine finanzielle Situation ändert.

Es gibt beim Crowdinvesting keine Einlagensicherung und keinen Schutz als Sondervermögen. Deine Wertpapiere in einem ETF- oder Aktiendepot wären bei einer Insolvenz des Depotbetreibers geschützt, dein Crowdinvestment nicht.

Das gilt

·Totalverlust des investierten Kapitals ist möglich
·Nachrangdarlehen werden bei Insolvenz erst nach anderen Gläubigern bedient
·Vorzeitige Kündigung ist in der Regel nicht möglich
·Wenig Transparenz über den Projektstand bei einigen Plattformen

Das gilt nicht

·Einlagensicherung wie bei Tagesgeld oder Festgeld
·Schutz als Sondervermögen wie bei ETFs oder Aktien
·Einfluss auf unternehmerische Entscheidungen
·Garantierte Rückzahlung des Kapitals

05 · Kosten

Welche Renditen sind beim Crowdinvesting möglich?

Die Renditeaussichten beim Crowdinvesting sind höher als bei klassischen Zinsanlagen. Dem stehen jedoch deutlich höhere Risiken gegenüber.

Die Renditeaussichten liegen deutlich über dem Niveau klassischer Zinsanlagen. Während du bei Tagesgeld derzeit mit etwa 3 Prozent rechnen kannst und Festgeld ungefähr 3 bis 4 Prozent bringt, locken Crowdinvesting-Projekte im Immobilienbereich mit Zinsen von 7 bis 15 Prozent pro Jahr.

Diese hohen Zinsen sind jedoch kein Geschenk, sondern die Prämie für ein erhebliches Risiko. Je höher die versprochene Rendite, desto größer ist in der Regel die Wahrscheinlichkeit, dass das Projekt scheitert und du dein Geld verlierst.

Du solltest die angegebenen Zinssätze immer als Bruttowerte verstehen. Nach Abgeltungsteuer, Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer bleibt dir netto spürbar weniger übrig.

Typische Renditespannen im Vergleich

Tagesgeldmindestens 3 %
Festgeldmindestens 3 %
Crowdinvesting Immobilien7 bis 15 %

06 · Im Vertrag

Welche Rolle spielt das Nachrangdarlehen?

Das Nachrangdarlehen ist das zentrale Vertragskonstrukt beim Crowdinvesting. Es bestimmt, wie dein Geld im Insolvenzfall behandelt wird.

Das Nachrangdarlehen ist das zentrale Vertragskonstrukt beim Crowdinvesting. Es regelt, dass deine Forderung im Insolvenzfall erst nach den Forderungen aller anderen Gläubiger bedient wird. Für dich heißt das: Wenn das Unternehmen pleitegeht, bekommst du dein Geld nur dann zurück, wenn vorher alle anderen Ansprüche erfüllt wurden.

Das eingesammelte Kapital dient dem Projektentwickler oft als eigenkapitalähnliches Mittel. Damit kann er bei seiner Bank bessere Konditionen für einen Kredit aushandeln oder überhaupt erst eine Finanzierung auf die Beine stellen.

Lies vor jeder Investition das gesetzlich vorgeschriebene Vermögensanlageinformationsblatt. Es fasst alle wesentlichen Informationen zur Geldanlage auf maximal 3 DIN-A4-Seiten zusammen und ist deine wichtigste Entscheidungsgrundlage.

Wichtige Vertragsbestandteile beim Crowdinvesting

NachrangdarlehenKernrisikoBei einer Pleite wirst du erst nach anderen Gläubigern bedient. Kleinanleger gehen dabei oft leer aus.
Eigenkapitalähnliche MittelFunktionDas eingesammelte Geld wird oft genutzt, um Bankkredite oder günstigere Konditionen zu erhalten.
VermögensanlageinformationsblattPflichtdokumentDas gesetzlich vorgeschriebene Blatt fasst alle Infos zur Geldanlage auf maximal 3 DIN-A4-Seiten zusammen.
AnlagegrenzeRegulierungNach dem Kleinanlegerschutzgesetz liegt die Obergrenze für Privatpersonen bei 25.000 Euro pro Projekt.

07 · Checkliste

Woran erkennst du eine seriöse Crowdinvesting-Plattform?

Die Qualität der Plattform ist ein wichtiger Faktor für den Erfolg deines Investments. Eine gründliche Prüfung ist unerlässlich, da Transparenz selten ist.

Die Auswahl der Plattform ist ein entscheidender Faktor für den Erfolg deines Investments. Achte darauf, dass das Unternehmen seinen Sitz in Deutschland hat und bereits einige Jahre existiert. Eine Plattform, die erst seit wenigen Monaten aktiv ist, hat noch keine belastbare Historie.

Prüfe außerdem, wie viele Projekte bisher finanziert wurden und wie hoch die Erfolgsquote war. Diese Informationen sind nicht immer leicht zu finden, aber sie geben dir einen wichtigen Hinweis auf die Qualität der Projektauswahl.

  • Der Sitz des Unternehmens liegt in Deutschland.
  • Die Plattform existiert seit mehreren Jahren.
  • Die Anzahl der bisher finanzierten Projekte ist nachvollziehbar.
  • Die Erfolgsquote der vermittelten Projekte ist dokumentiert.
  • Die Mindestbeteiligung passt zu deinem Budget.
  • Die Projektauswahlkriterien sind transparent.
  • Du kannst direkten Kontakt zu den Projektentwicklern aufnehmen.

Prüfkriterien für Crowdinvesting-Plattformen

01

Sitz des Unternehmens in Deutschland

02

Mehrjährige Existenz der Plattform

03

Anzahl der bisher finanzierten Projekte

04

Erfolgsquote der vermittelten Projekte

05

Höhe der Mindestbeteiligung

06

Transparenz der Projektauswahlkriterien

07

Möglichkeit zum direkten Kontakt mit Projektentwicklern

08

Qualität und Aktualität der Projektinformationen

08 · Fehler vermeiden

Welche Fehler solltest du beim Crowdinvesting vermeiden?

Viele Anleger unterschätzen die Risiken oder treffen Entscheidungen aus falschen Motiven. Diese Fehler können dein Kapital gefährden.

Der häufigste Fehler ist ein zu hoher Anteil deines Vermögens in einem einzelnen Projekt. Wenn du 20 oder 30 Prozent deines Ersparten in ein einziges Crowdinvestment steckst, riskierst du bei einem Totalverlust einen erheblichen Teil deines Vermögens.

Ein weiterer Fehler ist das blinde Vertrauen in die Auswahlkriterien der Plattform. Kaum eine Plattform legt offen, nach welchen Qualitätskriterien ein Projekt aufgenommen wird. Du musst die Prüfung also selbst übernehmen.

Ignoriere niemals die Nachrangigkeit des Darlehens. Viele Anleger verstehen erst im Insolvenzfall, dass sie als Nachranggläubiger kaum Chancen auf Rückzahlung haben. Informiere dich vorher genau über deine Position in der Gläubigerreihenfolge.

Häufige Fehler beim Crowdinvesting

·Zu hoher Anteil des Vermögens in einem einzelnen Projekt
·Verzicht auf die Prüfung des Vermögensanlageinformationsblatts
·Blindes Vertrauen in die Auswahlkriterien der Plattform
·Ignorieren der Nachrangigkeit des Darlehens
·Fehlende Diversifikation über mehrere Projekte
·Unterschätzen des Totalverlustrisikos bei hohen Renditen
·Keine regelmäßige Information über den Projektfortschritt
·Investition in Projekte ohne direkten Kontakt zum Entwickler

09 · Hintergrund

Crowdinvesting in Immobilien: Besonderheiten für Bauträger-Projekte

Immobilien bilden das größte Marktsegment beim Crowdinvesting. Die Krise am Immobilienmarkt hat die Risiken für Anleger jedoch deutlich erhöht.

Immobilien bilden das größte Marktsegment beim Crowdinvesting. Ein Bauträger oder Projektentwickler arbeitet dabei mit einer Plattform zusammen, um fehlendes Eigenkapital zu beschaffen. Dein Geld wird als Darlehen an das Unternehmen weitergegeben und oft genutzt, um Bankkredite oder günstigere Konditionen zu erhalten.

Die Krise am Immobilienmarkt hat die Risiken für Anleger deutlich erhöht. Die Hypothekenzinsen haben sich seit Anfang 2022 fast vervierfacht, die Baupreise sind kräftig gestiegen. Bürogebäude in der Peripherie sind infolge des Trends zum Homeoffice weniger gefragt, es gibt mehr Leerstand und sinkende Mietpreise in B- und C-Standorten.

Für Immobilienentwickler wird es dadurch schwieriger, ihre Projekte mit Gewinn zu verkaufen. Wenn der Verkauf scheitert oder die Erlöse niedriger ausfallen als geplant, fehlt das Geld für die Rückzahlung deines Darlehens. Die Zinsen von 7 bis 15 Prozent sind daher aktuell mit einem besonders hohen Risiko verbunden.

Beim Crowdinvesting in Immobilien arbeitet ein Bauträger oder Projektentwickler mit einer Crowdinvesting-Plattform zusammen, um fehlendes Eigenkapital zu beschaffen. Das eingesammelte Geld wird als Darlehen an das Unternehmen weitergegeben und oft genutzt, um Bankkredite oder günstigere Konditionen zu erhalten.

Die Hypothekenzinsen haben sich seit Anfang 2022 fast vervierfacht, die Baupreise sind kräftig gestiegen. Bürogebäude in der Peripherie sind infolge des Trends zum Homeoffice weniger gefragt, es gibt mehr Leerstand und sinkende Mietpreise in B- und C-Standorten.

Für Immobilienentwickler wird es dadurch schwieriger, ihre Projekte mit Gewinn zu verkaufen. Das erhöht das Risiko für Anleger, die in solche Projekte investieren. Die Laufzeiten sind meist kurz, die Zinsen können zwischen 7 und 15 Prozent liegen.

10 · Was gilt

Für wen lohnt sich Crowdinvesting?

Crowdinvesting ist keine Anlageform für jeden. Die Entscheidung hängt von deiner finanziellen Situation und deiner Risikobereitschaft ab.

Eher geeignet

·Anleger mit hoher Risikobereitschaft
·Anleger mit ausreichendem Vermögen für Diversifikation
·Anleger, die Zeit für gründliche Projektprüfung haben
·Anleger, die einen kleinen Teil ihres Portfolios riskieren können

Eher ungeeignet

·Anleger, die auf Sicherheit angewiesen sind
·Anleger mit geringem Vermögen
·Anleger, die kurzfristig auf ihr Geld zugreifen müssen
·Anleger ohne Zeit für regelmäßige Projektkontrolle

Häufige Fragen

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FinanzredaktionAktualisiert am 07.10.2026