Ratgeber · Investieren
Futures kaufen: So funktioniert der Handel mit Terminkontrakten
Wenn du Futures kaufst, gehst du eine verbindliche Vereinbarung für einen Kauf oder Verkauf zu einem festgelegten Zeitpunkt ein. Dieser Handel bietet Chancen auf steigende und fallende Kurse, birgt aber durch die Hebelwirkung ein hohes Risiko bis hin zum Totalverlust.
10 Kapitel · 14 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- Ein Future ist ein standardisierter Terminkontrakt, der dich verpflichtet, einen Basiswert zu einem festgelegten Preis zu kaufen oder zu verkaufen.
- Mit einer Long-Position profitierst du von steigenden Kursen, mit einer Short-Position von fallenden Kursen des Basiswerts.
- Die Hebelwirkung verstärkt sowohl Gewinne als auch Verluste, weshalb ein sorgfältiges Risikomanagement mit Margin und Stop-Loss unerlässlich ist.
- Futures eignen sich für Spekulation und zur Absicherung (Hedging) bestehender Positionen, erfordern aber ein tiefes Verständnis der Kontraktspezifikationen.
01 · Grundlagen
Was ist ein Future?
Ein Future ist ein börsengehandelter, standardisierter Vertrag. Er verpflichtet beide Vertragsparteien, eine bestimmte Menge eines Basiswerts zu einem heute festgelegten Preis an einem zukünftigen Termin zu kaufen oder zu verkaufen.
Ein Future gehört zu den standardisierten Terminkontrakten, die ausschließlich an regulierten Terminbörsen wie der Eurex oder der CME gehandelt werden. Anders als bei einem individuell ausgehandelten Termingeschäft sind Kontraktgröße, Verfallstermin und Preisnotierung für jeden Future einheitlich festgelegt. Dadurch kannst du jederzeit eine bestehende Position glattstellen, ohne einen eigenen Vertragspartner suchen zu müssen.
Für dich bedeutet das: Du gehst eine verbindliche Verpflichtung ein, den Basiswert am Verfallstermin zu übernehmen oder zu liefern. In der Praxis findet jedoch selten eine physische Lieferung statt. Die meisten Futures werden vor dem Verfall durch ein Gegengeschäft geschlossen oder per Barausgleich abgerechnet.
Im Gegensatz zu Optionen hast du bei Futures kein Wahlrecht, sondern eine Pflicht zur Erfüllung des Kontrakts. Diese Verbindlichkeit gilt für beide Vertragsparteien gleichermaßen, unabhängig davon, wie sich der Kurs des Basiswerts entwickelt hat.
Kurz erklärt
Future (Terminkontrakt)
Ein standardisierter, an einer Terminbörse gehandelter Vertrag, der die Lieferung oder den Barausgleich eines Basiswerts zu einem festgelegten zukünftigen Zeitpunkt und Preis verbindlich vorschreibt.
Im Gegensatz zu Optionen hast du bei Futures kein Wahlrecht, sondern eine Pflicht zur Erfüllung des Kontrakts.
02 · Vergleich
Long-Position vs. Short-Position: In beide Richtungen handeln
Beim Futures-Handel kannst du von steigenden und fallenden Kursen profitieren. Deine Markterwartung bestimmt, ob du eine Long- oder Short-Position eröffnest.
Mit einer Long-Position kaufst du einen Future und profitierst, wenn der Kurs des Basiswerts über den vereinbarten Preis steigt. Dein Verlustrisiko ist auf das eingesetzte Kapital begrenzt, da der Basiswert theoretisch auf null fallen kann, aber nicht darunter.
Eine Short-Position eröffnest du durch den Verkauf eines Futures, den du noch nicht besitzt. Du profitierst, wenn der Kurs fällt, und kannst den Kontrakt später günstiger zurückkaufen. Das Risiko ist hier grundsätzlich anders gelagert: Steigt der Kurs des Basiswerts stark an, sind deine Verluste theoretisch unbegrenzt.
Beide Richtungen erfordern eine klare Markterwartung. Bei einer Short-Position besteht ein theoretisch unbegrenztes Verlustrisiko, da der Kurs des Basiswerts beliebig weit steigen kann. Deshalb solltest du vor allem als Einsteigerin mit Short-Positionen besonders vorsichtig umgehen.
| Long-Position (Kauf) | Short-Position (Verkauf) | |
|---|---|---|
| Markterwartung | Du erwartest steigende Kurse des Basiswerts. | Du erwartest fallende Kurse des Basiswerts. |
| Gewinn bei | Kurs des Basiswerts steigt über den vereinbarten Preis. | Kurs des Basiswerts fällt unter den vereinbarten Preis. |
| Verlust bei | Kurs des Basiswerts fällt unter den vereinbarten Preis. | Kurs des Basiswerts steigt über den vereinbarten Preis. |
| Risiko | Maximaler Verlust in Höhe des eingesetzten Kapitals (Totalverlust). | Theoretisch unbegrenztes Verlustrisiko, da der Kurs unbegrenzt steigen kann. |
03 · Schritt für Schritt
So funktioniert der Ablauf beim Futures kaufen
Der Handel mit Futures folgt einem klaren Ablauf, von der Kontoeröffnung bis zur Abrechnung des Kontrakts. Jeder Schritt ist mit spezifischen Anforderungen verbunden.
Der erste Schritt ist ein Wertpapierdepot bei einem Broker, der den Handel an Terminbörsen wie der Eurex oder der CME anbietet. Vor dem ersten Trade musst du deine Kenntnisse über die Risiken von Termingeschäften nachweisen, meist in Form einer Risikoaufklärung und einer Freischaltung für den Terminhandel.
Danach hinterlegst du die erforderliche Margin als Sicherheitsleistung auf deinem Konto. Anschließend wählst du den gewünschten Kontrakt, die Anzahl und die Orderart aus. Nach der Ausführung wird deine Position täglich bewertet, und Gewinne oder Verluste werden über die Variation Margin ausgeglichen.
- Du eröffnest ein Depot mit Terminmarkt-Zugang und weist deine Kenntnisse über Termingeschäfte nach.
- Du hinterlegst die Initial Margin als Sicherheit für mögliche Verluste.
- Du gibst eine Order für den gewünschten Kontrakt auf und legst die Kontraktanzahl fest.
- Du überwachst die Position und stellst sie vor dem Verfallstermin glatt oder lässt sie abrechnen.
Depot und Terminmarkt-Zugang eröffnen
Du benötigst ein Wertpapierdepot bei einem Broker, der den Handel an Terminbörsen wie der Eurex oder der CME anbietet. Vor dem ersten Trade musst du deine Kenntnisse über Risiken von Termingeschäften nachweisen.
Margin hinterlegen
Vor dem Kauf eines Futures musst du eine Sicherheitsleistung, die sogenannte Margin, auf deinem Konto hinterlegen. Diese dient als Sicherheit für mögliche Verluste aus der Position.
Order aufgeben
Du wählst den gewünschten Kontrakt (z.B. einen DAX-Future), die Anzahl der Kontrakte und die Orderart. Du entscheidest, ob du eine Long- oder Short-Position eröffnest.
Position überwachen und schließen
Während der Laufzeit wird dein Konto täglich neu bewertet (Mark-to-Market). Gewinne und Verluste werden deinem Konto gutgeschrieben oder belastet. Du kannst die Position jederzeit durch ein Gegengeschäft glattstellen.
04 · Was gilt
Diese Basiswerte kannst du als Future handeln
Futures gibt es auf eine Vielzahl von Basiswerten. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Financial Futures und Commodity Futures.
Futures gibt es auf eine Vielzahl von Basiswerten, die sich in zwei große Gruppen einteilen lassen: Financial Futures und Commodity Futures. Zu den Financial Futures zählen Kontrakte auf Aktienindizes, Zinsen und Währungen. Commodity Futures umfassen Rohstoffe wie Gold, Silber und Rohöl sowie Agrarprodukte wie Weizen, Mais und Sojabohnen.
Nicht jeder Basiswert ist als Future verfügbar. Einzelaktien werden an regulierten Terminbörsen in der Regel nicht als klassische Futures gehandelt, sondern über Optionen oder andere Derivate abgebildet. Auch Immobilien oder individuell zusammengestellte Portfolios ohne standardisierten Index sind nicht als Future handelbar.
Für den Einstieg eignen sich Index-Futures wie der DAX-Future oder der S&P 500-Future, weil sie liquide sind und keine physische Lieferung erfordern. Bei Rohstoff-Futures musst du dagegen prüfen, ob eine Lieferpflicht besteht oder ob der Kontrakt per Barausgleich abgerechnet wird.
Handelbar als Future
Nicht als Future handelbar
05 · Kosten
Was kostet der Handel mit Futures?
Die Kosten beim Futures-Handel setzen sich aus mehreren Komponenten zusammen. Neben den direkten Ordergebühren fallen indirekte Kosten wie der Spread und die Finanzierungskomponente (Cost of Carry) an.
Die direkten Kosten bestehen aus der Orderprovision deines Brokers und dem Börsenentgelt der Terminbörse. Die Orderprovision liegt je nach Anbieter und Kontrakt typischerweise zwischen 0,50 und 5,00 Euro pro Kontrakt. Das Börsenentgelt kommt mit etwa 0,10 bis 1,50 Euro pro Kontrakt hinzu.
Daneben gibt es indirekte Kosten, die den Preis beeinflussen. Der Spread ist die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs und liegt bei liquiden Futures oft zwischen 0,01 und 0,10 Prozent. Die Cost of Carry ist kein separater Gebührenposten, sondern eine Finanzierungskomponente, die den Future-Preis im Vergleich zum Kassakurs des Basiswerts verändert.
Die Cost of Carry liegt je nach Basiswert und Restlaufzeit typischerweise zwischen 0,5 und 5,0 Prozent pro Jahr. Sie entsteht durch entgangene Zinsen, Lagerkosten oder Dividenden und ist bereits im Preis des Futures enthalten.
Typische Kostenkomponenten beim Futures-Handel
06 · Im Vertrag
Hebelwirkung und Margin: Das musst du wissen
Die Hebelwirkung ist ein zentrales Merkmal von Futures. Sie ermöglicht es dir, mit einem vergleichsweise geringen Kapitaleinsatz eine große Position zu kontrollieren.
Der Hebel entsteht, weil du nur die Margin hinterlegen musst, um den vollen Wert des Kontrakts zu bewegen. Kursveränderungen des Basiswerts wirken sich dadurch überproportional auf dein eingesetztes Kapital aus. Ein kleiner Kursanstieg kann deinen Einsatz vervielfachen, ein kleiner Kursrückgang kann ihn ebenso schnell aufzehren.
Die Initial Margin ist der Betrag, den du beim Eröffnen einer Position als Sicherheit hinterlegen musst. Sie beträgt oft nur einen Bruchteil des Kontraktwerts. Die Variation Margin ist der tägliche Gewinn- oder Verlustausgleich: Dein Konto wird jeden Handelstag mit dem aktuellen Kurs bewertet, und die Differenz wird gutgeschrieben oder belastet.
Reicht dein Kontoguthaben nicht mehr aus, um die Margin-Anforderungen zu erfüllen, erhältst du einen Margin Call. Dann musst du entweder Kapital nachschießen oder die Position wird zwangsweise geschlossen, möglicherweise zu einem ungünstigen Zeitpunkt.
Zentrale Begriffe zu Hebel und Margin
07 · Hintergrund
Hedging: So sichern Anleger ihr Depot mit Futures ab
Futures werden nicht nur zur Spekulation genutzt. Viele Anleger verwenden sie, um bestehende Positionen gegen Kursverluste abzusichern, ein Vorgang, der als Hedging bezeichnet wird.
Beim Hedging eröffnest du eine Future-Position, die der Entwicklung deines bestehenden Depots entgegengesetzt ist. Fällt der Markt, gewinnt deine Short-Position im Future an Wert und gleicht die Verluste deiner Aktien oder ETFs teilweise oder vollständig aus. Steigt der Markt, verlierst du am Future, profitierst aber von deinen Aktien.
Ein klassisches Beispiel ist die Absicherung eines breit gestreuten Aktienportfolios mit einer Short-Position auf einen Index-Future wie den DAX-Future oder den S&P 500-Future. Für die Absicherung musst du die richtige Anzahl an Kontrakten berechnen, die vom Wert deines Depots und der Kontraktgröße des Futures abhängt.
Hedging reduziert dein Verlustrisiko, kostet aber auch einen Teil deiner Gewinnchancen. Du solltest dir vorher klar machen, ob du das Depot dauerhaft absichern oder nur kurzfristig gegen einen erwarteten Kursrückgang schützen willst.
Beim Hedging eröffnest du eine Future-Position, die der Entwicklung deines bestehenden Depots entgegengesetzt ist. Fällt der Markt, gewinnt deine Short-Position im Future an Wert und gleicht die Verluste deiner Aktien oder ETFs teilweise oder vollständig aus.
Ein klassisches Beispiel ist die Absicherung eines breit gestreuten Aktienportfolios mit einem Short-Position auf einen Index-Future wie den DAX-Future oder den S&P 500-Future. Steigt der Markt, verlierst du am Future, profitierst aber von deinen Aktien.
Für die Absicherung musst du die richtige Anzahl an Kontrakten berechnen. Diese hängt vom Wert deines Portfolios, dem Kontraktwert des Futures und der Korrelation deines Portfolios zum Index ab. Eine falsche Berechnung kann zu einer Über- oder Unterabsicherung führen.
08 · Checkliste
Checkliste: Das solltest du vor dem ersten Futures-Kauf prüfen
Bevor du deinen ersten Future kaufst, solltest du einige grundlegende Punkte klären. Diese Checkliste hilft dir, typische Anfängerfehler zu vermeiden.
Vor deinem ersten Futures-Kauf gibt es einige Punkte, die du klären solltest, um typische Anfängerfehler zu vermeiden. Die Kontraktspezifikationen sind dabei besonders wichtig, weil sie Kontraktgröße, Tick-Größe und Verfallstermin festlegen. Wer diese Details übersieht, handelt schnell mit einer falschen Positionsgröße.
- Verstehe die Kontraktspezifikationen des Futures, den du handeln möchtest, einschließlich Kontraktgröße, Tick-Größe und Verfallstermin.
- Kläre, ob dein Broker den gewünschten Markt und die Terminbörse anbietet.
- Hinterfrage deine Risikotoleranz: Kannst du einen Totalverlust deines eingesetzten Kapitals verkraften?
- Lege vor dem Trade fest, bei welchem Kurs du die Position mit einem Stop-Loss schließen wirst.
- Berechne die benötigte Margin und stelle sicher, dass genügend freies Kapital auf deinem Konto vorhanden ist.
- Übe den Handel zunächst mit einem Demokonto, bevor du echtes Geld einsetzt.
Vorbereitung für den ersten Futures-Handel
Verstehe die Kontraktspezifikationen des Futures, den du handeln möchtest (Kontraktgröße, Tick-Größe, Verfallstermin).
Kläre, ob dein Broker den gewünschten Markt und die Terminbörse anbietet.
Hinterfrage deine Risikotoleranz: Kannst du einen Totalverlust deines eingesetzten Kapitals verkraften?
Lege vor dem Trade fest, bei welchem Kurs du die Position mit einem Stop-Loss schließen wirst.
Berechne die benötigte Margin und stelle sicher, dass genügend freies Kapital auf deinem Konto vorhanden ist.
Übe den Handel zunächst mit einem Demokonto, um die Mechanik und die Hebelwirkung zu verstehen.
Informiere dich über die steuerliche Behandlung von Gewinnen aus Termingeschäften in deiner persönlichen Situation.
09 · Fehler vermeiden
Typische Fehler beim Futures kaufen
Der Futures-Handel ist komplex und fehleranfällig. Diese häufigen Fehler können dein Kapital schnell aufzehren.
Ein häufiger Fehler ist eine zu große Positionsgröße. Ein zu hoher Hebel führt dazu, dass schon kleine Kursbewegungen einen großen Teil deines Kapitals vernichten. Gerade Einsteiger unterschätzen, wie schnell sich Verluste aufsummieren, wenn der Hebel hoch ist.
Ein weiterer Fehler ist das Fehlen eines Stop-Loss. Ohne eine vorab festgelegte Verlustgrenze riskierst du bei schnellen Marktbewegungen hohe Verluste, bevor du überhaupt reagieren kannst. Auch das Ignorieren eines Margin Calls ist gefährlich: Wer nicht rechtzeitig Kapital nachschießt, riskiert die Zwangsliquidation der Position zu einem ungünstigen Zeitpunkt.
Übersehene Kontraktspezifikationen führen zu falschen Positionsgrößen und unerwarteten Lieferverpflichtungen. Prüfe deshalb vor jedem Trade die Kontraktgröße, den Verfallstermin und die Art der Abrechnung.
Häufige Fehler von Futures-Einsteigern
10 · Vergleich
Futures im Vergleich zu Optionen und anderen Derivaten
Futures sind nur eine Art von Derivaten. Der wichtigste Unterschied zu Optionen liegt in der Verbindlichkeit des Geschäfts.
| Futures | Optionen | CFDs | |
|---|---|---|---|
| Pflicht oder Recht | Beide Parteien sind zur Erfüllung verpflichtet. | Der Käufer hat ein Recht, der Verkäufer (Stillhalter) eine Pflicht. | Reines Differenzgeschäft ohne Lieferung des Basiswerts. |
| Handelsplatz | Börsengehandelt an Terminbörsen (z.B. Eurex, CME). | Börsengehandelt an Terminbörsen. | |
| Laufzeit | Feste Verfallstermine. | Feste Verfallstermine. | |
| Verlustrisiko | Totalverlust des eingesetzten Kapitals; bei Short-Positionen theoretisch unbegrenzt. | Für Käufer auf die gezahlte Prämie begrenzt; für Stillhalter theoretisch unbegrenzt. | Totalverlust des eingesetzten Kapitals; durch Hebelwirkung schnell möglich. |
Häufige Fragen
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