Ratgeber · Investieren
Emerging Markets ETF-Vergleich: So findest du den passenden Schwellenländer-ETF
Ein ETF auf Schwellenländer kann dein Depot um Wachstumschancen ergänzen, bringt aber auch höhere Schwankungen mit sich. Dieser Vergleich zeigt dir, worauf es bei der Auswahl ankommt, von der Indexfamilie bis zur Gesamtkostenquote.
10 Kapitel · 12 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- Der MSCI Emerging Markets Index bildet rund 85 Prozent der Marktkapitalisierung in 24 Schwellenländern ab.
- Die Gesamtkostenquote (TER) liegt bei marktbreiten ETFs zwischen 0,09 und 0,55 Prozent pro Jahr.
- Ein Anlagehorizont von mindestens 10 bis 15 Jahren ist sinnvoll, da Schwellenländer stark schwanken können.
- Für die breite Diversifikation sind Fondsvolumen und Replikationsmethode wichtiger als kurzfristige Rendite.
01 · Grundlagen
Was ist ein Emerging Markets ETF?
Ein Emerging Markets ETF bündelt Aktien aus Schwellenländern in einem einzigen Wertpapier. Du investierst damit in Unternehmen aus Ländern wie China, Taiwan oder Indien, ohne einzelne Aktien auswählen zu müssen.
Ein Emerging Markets ETF bündelt Aktien aus mehreren Schwellenländern in einem einzigen börsengehandelten Fonds. Du kaufst damit nicht einzelne Unternehmen, sondern bildest die Wertentwicklung eines gesamten Index ab. Der bekannteste Vertreter ist der MSCI Emerging Markets Index, der aktuell 1.178 Unternehmen aus 24 Ländern umfasst.
Die Ländergewichtung ist dabei ein entscheidender Faktor. Taiwan führt den Index mit 27,44 Prozent an, gefolgt von Südkorea mit 20,84 Prozent und China mit 20,62 Prozent. Informationstechnologie ist mit 41,56 Prozent der am stärksten vertretene Sektor, deutlich vor Finanzdienstleistungen mit 19,71 Prozent.
Für dich bedeutet das: Du investierst überwiegend in asiatische Technologieunternehmen, auch wenn der Index als breiter Schwellenländerfonds gilt. Die Streuung über viele Einzelwerte reduziert das Risiko eines Totalverlusts einzelner Unternehmen, hebt aber das Klumpenrisiko einzelner Länder nicht auf.
Kurz erklärt
Emerging Markets ETF
Ein börsengehandelter Indexfonds, der die Wertentwicklung eines Schwellenländerindex wie dem MSCI Emerging Markets oder FTSE Emerging Markets nachbildet.
Er bildet große und mittelgroße Unternehmen aus mehreren Schwellenländern ab und streut dein Kapital über viele Einzelwerte.
02 · Vergleich
MSCI Emerging Markets oder FTSE Emerging Markets: Wo liegt der Unterschied?
Beide Indexanbieter decken Schwellenländer ab, setzen aber unterschiedliche Ländergrenzen. Für deine ETF-Auswahl hat das direkte Auswirkungen auf die Ländergewichtung.
Die beiden Indexfamilien unterscheiden sich vor allem bei der Einordnung Südkoreas. Der MSCI Emerging Markets zählt Südkorea weiterhin zu den Schwellenländern, während FTSE das Land bereits als Industrieland führt. Dadurch fehlt Südkorea im FTSE Emerging Markets komplett.
Diese Abgrenzung hat direkte Auswirkungen auf deine Ländergewichtung. Im MSCI Emerging Markets macht Südkorea rund ein Fünftel des Index aus. Wer einen FTSE Emerging Markets ETF wählt, verzichtet auf diesen Anteil und erhält stattdessen eine höhere Gewichtung anderer Länder wie China oder Indien.
Für ein klassisches Weltportfolio mit 70 Prozent Industrieländern und 30 Prozent Schwellenländern wird häufig der MSCI Emerging Markets als Beimischung zum MSCI World genutzt. Beide Indizes stammen vom selben Anbieter und überschneiden sich bei der Länderzuordnung nicht. Beim FTSE-Pendant kann es dagegen zu Doppelungen kommen, wenn du parallel einen FTSE Developed World ETF hältst.
| MSCI Emerging Markets | FTSE Emerging Markets | |
|---|---|---|
| Länderauswahl | 24 Schwellenländer, Südkorea ist enthalten | |
| Abdeckung | Rund 85 Prozent der Marktkapitalisierung in Schwellenländern | |
| Typische TER | 0,09 bis 0,55 Prozent pro Jahr |
03 · Kosten
Welche Kosten entstehen bei einem Emerging Markets ETF?
Die Gesamtkostenquote, auch Total Expense Ratio oder TER genannt, ist die wichtigste laufende Kostengröße. Sie wird jährlich vom Fondsvermögen abgezogen und schmälert deine Rendite.
Die Gesamtkostenquote, auch Total Expense Ratio oder TER genannt, ist die wichtigste laufende Kostengröße. Sie wird jährlich direkt vom Fondsvermögen abgezogen und schmälert deine Rendite, ohne dass du sie aktiv bezahlst. Bei MSCI Emerging Markets ETFs liegt die Spanne zwischen 0,09 und 0,55 Prozent pro Jahr.
Die günstigsten Produkte kommen von BNP Paribas und Invesco mit einer TER von 0,09 Prozent. Die großen Standard-ETFs von Xtrackers, iShares und UBS liegen zwischen 0,14 und 0,18 Prozent. Teurere Swap- oder Nischenprodukte verlangen bis zu 0,55 Prozent, aktiv verwaltete Schwellenländerfonds liegen meist deutlich über 1 Prozent pro Jahr.
Setze dir eine Obergrenze von 0,20 Prozent pro Jahr. Oberhalb dieser Marke gibt es selten einen sachlichen Grund, einen Emerging Markets ETF zu wählen, da die breiten Standardprodukte darunter liegen. Die Ersparnis von 0,10 Prozentpunkten macht bei langen Anlagezeiträumen einen spürbaren Unterschied im Endkapital aus.
Typische Gesamtkostenquoten (TER) im Vergleich
04 · Checkliste
Wie wichtig ist das Fondsvolumen beim ETF-Vergleich?
Das Fondsvolumen zeigt dir, wie viel Kapital in einem ETF steckt. Ein höheres Volumen spricht für eine größere Nachfrage und senkt das Risiko, dass der Fonds geschlossen wird.
Das Fondsvolumen zeigt dir, wie viel Kapital Anleger insgesamt in einen ETF investiert haben. Ein hohes Volumen spricht für eine stabile Nachfrage und senkt das Risiko, dass der Anbieter den Fonds mangels Wirtschaftlichkeit schließt oder mit einem anderen Produkt zusammenlegt.
Die größten MSCI Emerging Markets ETFs verwalten zwischen 9 und 13 Milliarden Euro. Der Xtrackers MSCI Emerging Markets UCITS ETF führt mit 13,27 Milliarden Euro, gefolgt vom UBS Core MSCI EM UCITS ETF mit 11,11 Milliarden Euro und dem Amundi Core MSCI Emerging Markets Swap UCITS ETF mit 10,78 Milliarden Euro.
Ein Fondsvolumen über 1 Milliarde Euro gilt als solide Basis für einen langfristigen Sparplan. Sehr kleine ETFs mit unter 100 Millionen Euro können dagegen geschlossen werden, was für dich einen steuerpflichtigen Verkauf auslösen kann. Das Volumen ist kein Renditegarant, aber ein wichtiger Hinweis auf die Stabilität des Produkts.
Darauf achtest du beim Fondsvolumen
Volumen über 1 Milliarde Euro gilt als solide Basis für einen langfristigen Sparplan.
Sehr kleine ETFs mit unter 100 Millionen Euro können geschlossen oder zusammengelegt werden.
Das Fondsvolumen ist kein Garant für Rendite, aber ein Hinweis auf die Stabilität des Produkts.
Beim Vergleich hilft dir das Volumen, ähnlich breite ETFs nach ihrer Marktakzeptanz zu ordnen.
05 · Was gilt
Welche Rolle spielt die Replikationsmethode?
ETFs bilden ihren Index entweder physisch oder synthetisch ab. Beide Wege haben spezifische Eigenschaften, die du für deine Anlagestrategie kennen solltest.
ETFs bilden ihren Index entweder physisch oder synthetisch ab. Bei der physischen Replikation hält der Fonds die Aktien aus dem Index direkt im Fondsvermögen, entweder vollständig oder über ein optimiertes Sampling. Bei der synthetischen Replikation schließt der Anbieter einen Tauschvertrag mit einem Kontrahenten ab, der die Indexrendite liefert.
Die großen Standard-ETFs auf den MSCI Emerging Markets setzen überwiegend auf physische Replikation. Der iShares MSCI EM UCITS ETF hält die Aktien vollständig, der Xtrackers MSCI Emerging Markets UCITS ETF nutzt optimiertes Sampling. Synthetische Produkte wie der Amundi Core MSCI Emerging Markets Swap UCITS ETF oder der Invesco MSCI Emerging Markets UCITS ETF sind dagegen oft etwas günstiger.
Für dich als Anlegerin ist die Methode zweitrangig, solange du die Eigenschaften kennst. Physische ETFs tragen das direkte Aktienrisiko der enthaltenen Unternehmen, synthetische ETFs haben zusätzlich ein Kontrahentenrisiko aus dem Swap-Geschäft. Beide Varianten sind bei regulierten UCITS-Fonds gesetzlich begrenzt, sodass das Restrisiko überschaubar bleibt.
Physische Replikation
Synthetische Replikation
06 · Vergleich
Wie verhält sich ein Emerging Markets ETF in Bullen- und Bärenmärkten?
Schwellenländer reagieren in unterschiedlichen Marktphasen oft stärker als Industrieländer. Das solltest du in deiner Anlagestrategie berücksichtigen.
Schwellenländer reagieren in unterschiedlichen Marktphasen oft stärker als Industrieländer. In Bullenmärkten können MSCI Emerging Markets ETFs die etablierten Märkte zeitweise überflügeln, weil das Wirtschaftswachstum in Ländern wie Indien oder Taiwan höher ausfällt. In Bärenmärkten ziehen Anleger ihr Kapital dagegen häufig in als sicher geltende Industrieländer ab.
Die Folge sind überproportionale Rückschläge. Ein Emerging Markets ETF fällt in Korrekturen teils tiefer als ein MSCI World ETF, erholt sich in der anschließenden Aufwärtsphase aber oft auch schneller. Die breite Streuung über viele Einzelwerte federt dabei das Totalverlustrisiko einzelner Unternehmen oder Staaten ab.
Plane mit einem Anlagehorizont von mindestens 10 bis 15 Jahren. Nur so kannst du solche Schwankungen aussitzen, ohne in einer schwachen Phase verkaufen zu müssen. Wer kurzfristig anlegt, läuft Gefahr, genau im Tiefpunkt auszusteigen und die Erholung zu verpassen.
| Bullenmarkt | Bärenmarkt | |
|---|---|---|
| Typisches Verhalten | Kann Industrieländer zeitweise überflügeln | Fällt oft überproportional stark zurück |
| Deine Chance | Du nimmst das dynamische Wirtschaftswachstum der Schwellenländer mit | Die breite Streuung federt das Totalverlustrisiko einzelner Staaten ab |
| Dein Risiko | Kapital fließt oft in als sicher geltende Industrieländer ab |
07 · Hintergrund
Wie viel Emerging Markets sollte im Depot sein?
Die passende Quote hängt von deiner Risikobereitschaft und deinem Anlagehorizont ab. Ein klassischer Ansatz ist die Beimischung zu einem Industrieländer-ETF.
Die passende Quote hängt von deiner Risikobereitschaft und deinem Anlagehorizont ab. Ein klassischer Ansatz ist das 70/30-Weltportfolio, bei dem 70 Prozent in Industrieländer und 30 Prozent in Schwellenländer fließen. Dieser Aufschlag gewichtet Schwellenländer stärker, als es ein rein nach Marktkapitalisierung gewichteter Welt-ETF tun würde.
Ein höherer oder geringerer Anteil ist möglich. Wer das Klumpenrisiko durch das hohe Gewicht von China und Taiwan begrenzen will, wählt eher 10 bis 20 Prozent. Wer gezielt auf das Wachstum in Asien setzt, kann auch über 30 Prozent gehen, muss dann aber mit stärkeren Schwankungen rechnen.
Entscheidend ist, dass du die Quote über viele Jahre durchhältst. Schwellenländer können über lange Zeiträume hinter Industrieländern zurückbleiben, bevor sie wieder aufholen. Eine einmal gewählte Gewichtung solltest du nur anpassen, wenn sich deine Lebenssituation oder deine Risikobereitschaft ändert, nicht wegen kurzfristiger Marktbewegungen.
In einem klassischen 70/30-Weltportfolio stecken 70 Prozent in Industrieländern und 30 Prozent in Schwellenländern. Dieser Aufschlag auf die Marktkapitalisierung gewichtet Schwellenländer stärker, als es ein rein nach Marktkapitalisierung gewichteter Welt-ETF tun würde.
Ein höherer oder geringerer Anteil ist möglich.
Entscheidend ist, dass du die Quote über viele Jahre durchhältst. Schwellenländer können über mehrere Jahre hinter Industrieländern zurückbleiben, bevor sie wieder aufholen.
08 · Fehler vermeiden
Welche Fehler solltest du beim Emerging Markets ETF-Vergleich vermeiden?
Viele Anleger treffen ihre Entscheidung allein anhand der jüngsten Wertentwicklung. Das kann zu Fehlkäufen führen, die nicht zur eigenen Strategie passen.
Viele Anleger treffen ihre Entscheidung allein anhand der jüngsten Wertentwicklung. Die 1-Jahres-Rendite kann bei Schwellenländer-ETFs stark schwanken und sagt wenig über die langfristige Qualität eines Produkts aus. Ein ETF, der im letzten Jahr vorne lag, kann im nächsten Jahr weit zurückfallen.
Ein weiterer Fehler ist die Vernachlässigung der Gesamtkostenquote. Wer einen ETF mit 0,55 Prozent statt 0,18 Prozent TER wählt, gibt über 20 Jahre einen erheblichen Teil der Rendite ab. Auch ein zu kleines Fondsvolumen kann zum Problem werden, wenn der Anbieter den Fonds später schließt.
Die Ländergewichtung solltest du vor dem Kauf prüfen. Das hohe Gewicht von China und Taiwan im MSCI Emerging Markets ist vielen Anlegern nicht bewusst. Wer dieses Klumpenrisiko nicht tragen will, kann einen kleineren Anteil wählen oder auf einen Index ohne diese Länder ausweichen. Ohne festen Anlagehorizont einzusteigen und bei der ersten stärkeren Korrektur zu verkaufen, ist der teuerste Fehler.
Häufige Fehler bei der ETF-Auswahl
09 · Schritt für Schritt
Wie findest du den passenden Emerging Markets ETF für deine Strategie?
Die Auswahl wird einfacher, wenn du deine Kriterien vorher festlegst. So vermeidest du, dich von kurzfristigen Trends leiten zu lassen.
Die Auswahl wird einfacher, wenn du deine Kriterien vorher festlegst. Beginne mit der Indexfamilie: Entscheide, ob du den MSCI Emerging Markets mit Südkorea oder den FTSE Emerging Markets ohne Südkorea abbilden willst. Diese Wahl bestimmt deine Ländergewichtung stärker als jeder andere Faktor.
Filtere anschließend nach der Gesamtkostenquote und setze dir eine Obergrenze von 0,20 Prozent pro Jahr. Prüfe das Fondsvolumen und wähle einen ETF mit mindestens 1 Milliarde Euro, um das Schließungsrisiko zu senken. Die Replikationsmethode solltest du verstehen, auch wenn sie bei den großen Standardprodukten selten das entscheidende Kriterium ist.
Plane mit mindestens 10 bis 15 Jahren Anlagehorizont. Nur so kannst du die typischen Schwankungen der Schwellenländer aussitzen. Lege deine Kriterien schriftlich fest, bevor du die Produkte vergleichst. So vermeidest du, dich von kurzfristigen Trends oder Werbeaussagen leiten zu lassen.
Indexfamilie festlegen
Entscheide, ob du den MSCI Emerging Markets mit Südkorea oder den FTSE Emerging Markets ohne Südkorea abbilden willst.
Kosten vergleichen
Filtere nach der Gesamtkostenquote. Die jährlichen Kosten für MSCI Emerging Markets ETFs liegen zwischen 0,09 und 0,55 Prozent.
Fondsvolumen prüfen
Wähle einen ETF mit ausreichend hohem Fondsvolumen, um das Schließungsrisiko zu senken.
Replikationsmethode verstehen
Prüfe, ob der ETF physisch oder synthetisch repliziert, und ob dir die Methode zusagt.
Anlagehorizont festlegen
Plane mit mindestens 10 bis 15 Jahren, damit du Schwankungen in Bullen- und Bärenmärkten aussitzen kannst.
10 · Im Vertrag
Was ist bei der Besteuerung von Emerging Markets ETFs zu beachten?
Auch bei Schwellenländer-ETFs gilt die Abgeltungsteuer auf Erträge. Die Teilfreistellung reduziert die Steuerlast bei Aktienfonds.
Steuerliche Eckwerte für Aktien-ETFs
Häufige Fragen
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