Ratgeber · Investieren
Emerging-Markets-ETF-Risiko: Was du vor dem Kauf wissen solltest
Schwellenländer-ETFs können dein Weltportfolio sinnvoll ergänzen, bringen aber eigene Risiken mit. Hier erfährst du, welche Risiken konkret bestehen und wie du sie einordnest.
10 Kapitel · 11 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- Schwellenländer-ETFs unterliegen politischen und regulatorischen Risiken, die über die von Industrieländer-ETFs hinausgehen.
- Ein Anteil von 10 bis 40 Prozent Schwellenländer am Aktienportfolio gilt als sinnvoller Rahmen.
- Die Teilfreistellung von 30 Prozent für Aktienfonds gilt auch für Schwellenländer-ETFs.
- Der MSCI Emerging Markets und der FTSE Emerging Markets Index sind die wichtigsten Vergleichsindizes.
01 · Grundlagen
Was sind Emerging Markets?
Emerging Markets sind Volkswirtschaften, die sich im Übergang vom Entwicklungsland zur Industrienation befinden. Sie wachsen oft schneller als Industrieländer, sind aber auch weniger stabil.
Die Indexanbieter MSCI und FTSE teilen die Welt anhand von Kriterien wie Marktzugang, Liquidität und Wirtschaftskraft in Developed, Emerging und Frontier Markets ein. MSCI listet aktuell 24 Schwellenländer, FTSE kommt auf 23 Länder. Die Unterschiede entstehen durch abweichende Einstufungen einzelner Staaten.
Für die Einstufung als Schwellenland verlangt MSCI unter anderem mindestens drei große, liquide Unternehmen im Land. Diese müssen eine Streubesitzmarktkapitalisierung von mehr als 1.482 Millionen US-Dollar aufweisen. Zusätzlich müssen mindestens 15 Prozent der Marktkapitalisierung regelmäßig gehandelt werden.
China ist das größte Schwellenland im MSCI Emerging Markets Index. Das Land erfüllt wegen des geringen Bruttonationaleinkommens pro Kopf und des eingeschränkten Marktzugangs für ausländische Investoren nicht die Kriterien für ein Industrieland.
Kurz erklärt
Emerging Markets
Schwellenländer, die sich durch überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum, wachsende Mittelschichten und zunehmende Industrialisierung auszeichnen, aber noch nicht die Stabilität von Industrieländern erreicht haben.
Indexanbieter wie MSCI und FTSE teilen Länder anhand von Kriterien wie Marktzugang, Liquidität und Wirtschaftskraft in Developed, Emerging und Frontier Markets ein.
02 · Was gilt
Welche Risiken stecken in Schwellenländer-ETFs?
Die Risiken von Schwellenländer-ETFs lassen sich in politische, regulatorische und marktbezogene Risiken unterteilen. Diese Faktoren können die Wertentwicklung deines ETFs stark beeinflussen.
Politische Instabilität und Regierungswechsel können die Aktienmärkte in Schwellenländern stark belasten. Anders als in Industrieländern sind demokratische Institutionen und rechtsstaatliche Verfahren oft weniger gefestigt. Das erhöht die Unsicherheit für Unternehmen und Investoren.
Der Marktzugang für ausländische Anleger ist in vielen Schwellenländern eingeschränkt. China erlaubt ausländischen Investoren nur einen begrenzten Zugang zu seinen Aktienmärkten. Das kann die Handelbarkeit einzelner Aktien im ETF beeinträchtigen und zu Abweichungen vom Index führen.
Währungsschwankungen gegenüber dem Euro beeinflussen deine Rendite direkt. Steigt der Euro gegenüber den Währungen der Schwellenländer, sinkt der Wert deiner Anlage in Euro. Währungsrisiken sind ein zentraler Bestandteil von Schwellenländer-ETFs und lassen sich nicht durch Diversifikation innerhalb des ETFs beseitigen.
- Politische Instabilität und Regierungswechsel können zu abrupten Kursverlusten führen.
- Eingeschränkter Marktzugang erschwert den Handel mit Aktien einzelner Länder.
- Regulatorische Änderungen mit Kapitalverkehrskontrollen können den freien Kapitalfluss blockieren.
Zählt zu den Risiken
Zählt nicht zu den Kernrisiken
03 · Vergleich
MSCI Emerging Markets oder FTSE Emerging Markets: Wo liegen die Unterschiede?
Beide Indexanbieter bilden Schwellenländer ab, nehmen aber eine unterschiedliche Länderauswahl vor. Das wirkt sich auf die Zusammensetzung deines ETFs aus.
Die Länderauswahl der beiden Indexanbieter weicht in wichtigen Punkten voneinander ab. MSCI führt Südkorea als Schwellenland, während FTSE das Land bereits als Industrieland einstuft. Auch Polen wird von MSCI als Schwellenland geführt, bei FTSE zählt es zu den Developed Markets.
FTSE unterteilt seine Schwellenländer zusätzlich in Advanced Emerging und Secondary Emerging. Diese Differenzierung gibt es bei MSCI nicht. Die unterschiedliche Länderauswahl führt zu abweichenden Ländergewichten und Renditen der ETFs.
Für deine Anlageentscheidung bedeutet das: Ein ETF auf den MSCI Emerging Markets enthält Südkorea und Polen, ein ETF auf den FTSE Emerging Markets nicht. Prüfe vor dem Kauf, welche Länder im jeweiligen Index enthalten sind, da dies deine regionale Diversifikation beeinflusst.
| MSCI Emerging Markets | FTSE Emerging Markets | |
|---|---|---|
| Anzahl der Länder | 24 | 23 |
| Einstufung von Südkorea | Schwellenland | Industrieland |
| Einstufung von Polen | Schwellenland | Industrieland |
| Unterteilung der Schwellenländer | Keine weitere Unterteilung | Advanced und Secondary Emerging |
04 · Kosten
Wie viel Schwellenländeranteil ist für dein Weltportfolio sinnvoll?
Ein Weltportfolio besteht aus Industrie- und Schwellenländern. Die passende Gewichtung hängt von deiner Risikotragfähigkeit und deiner Anlagestrategie ab.
Ein Schwellenländeranteil zwischen 10 und 40 Prozent gilt als sinnvoller Rahmen für ein Aktienportfolio. Die konkrete Höhe richtet sich nach deiner persönlichen Risikobereitschaft. Ein höherer Anteil erhöht die Renditechancen, aber auch die Schwankungen.
Viele Anleger orientieren sich am Anteil der Schwellenländer an der weltweiten Wirtschaftsleistung. Schwellenländer tragen etwa 40 Prozent zum globalen Bruttoinlandsprodukt bei. Ihre Gewichtung in einem marktneutralen Weltportfolio liegt jedoch niedriger, da die Streubesitzmarktkapitalisierung der Aktienmärkte geringer ist.
Für den Einstieg ist ein Anteil von 20 bis 25 Prozent ein praktikabler Mittelweg. Beginne mit einem moderaten Anteil und beobachte, wie du mit den stärkeren Kursschwankungen zurechtkommst.
Sinnvoller Schwellenländeranteil im Aktienportfolio
05 · Grundlagen
Welche Rolle spielen Frontier Markets?
Frontier Markets sind weniger entwickelt als Schwellenländer und deutlich kleiner. Sie sind in klassischen Emerging-Markets-ETFs nicht enthalten.
Frontier Markets sind Volkswirtschaften, die sich in einem früheren Entwicklungsstadium als Schwellenländer befinden. Beispiele sind Vietnam, Kenia, Bangladesch und Nigeria. Diese Märkte sind deutlich kleiner und illiquider als die etablierten Schwellenländer.
MSCI und FTSE führen Frontier Markets als eigene Kategorie unterhalb der Emerging Markets. In klassischen Schwellenländer-ETFs sind diese Länder nicht enthalten. Wer in Frontier Markets investieren möchte, benötigt spezielle ETFs auf entsprechende Indizes.
Für die meisten Anleger ist eine separate Beimischung von Frontier Markets nicht notwendig. Die politischen Risiken und die geringe Liquidität dieser Märkte sind erheblich höher als bei Schwellenländern. Ein breit gestreuter Schwellenländer-ETF deckt die relevanten Wachstumsmärkte bereits ab.
Kurz erklärt
Frontier Markets
Volkswirtschaften, die sich in einem früheren Entwicklungsstadium als Schwellenländer befinden, wie Vietnam oder Kenia. Sie sind kleiner, illiquider und risikoreicher.
MSCI und FTSE führen Frontier Markets als eigene Kategorie unterhalb der Emerging Markets. Für die meisten Anleger ist eine separate Beimischung nicht notwendig.
06 · Im Vertrag
Wie wirken sich politische und regulatorische Risiken auf deinen ETF aus?
Schwellenländer können den Marktzugang für ausländische Investoren einschränken oder Kapitalverkehrskontrollen einführen. Das kann die Abbildung des Index erschweren.
Länder wie China haben einen eingeschränkten Marktzugang für ausländische Investoren. Das kann die Handelbarkeit von Aktien im ETF beeinträchtigen und zu Abweichungen zwischen ETF und Index führen. Die Fondsgesellschaft muss dann alternative Wege nutzen, um die Wertentwicklung abzubilden.
Staaten können den freien Kapitalverkehr einschränken oder ganz blockieren. Russland wurde nach dem Angriff auf die Ukraine im März 2022 zum Standalone Market herabgestuft, weil das Land den Marktzugang für ausländische Investoren eingeschränkt hat. Solche Ereignisse können dazu führen, dass Positionen im ETF nicht mehr handelbar sind.
Unklare oder sich ändernde Rechtsrahmen in Schwellenländern erhöhen das Risiko von Enteignungen oder nachteiligen Regulierungen. Diese Risiken lassen sich durch Diversifikation über viele Länder reduzieren, aber nicht vollständig ausschalten.
Konkrete politische und regulatorische Risiken
07 · Kosten
Welche Kosten kommen bei Schwellenländer-ETFs auf dich zu?
Die Gesamtkostenquote (TER) von Schwellenländer-ETFs liegt in einer typischen Spanne. Dazu kommen die üblichen Transaktionskosten deines Depots.
Die Gesamtkostenquote (TER) von Schwellenländer-ETFs liegt typischerweise zwischen 0,10 und 0,65 Prozent pro Jahr. Günstige ETFs auf breite Indizes kosten etwa 0,10 bis 0,20 Prozent. Speziellere Produkte mit kleinerem Fondsvolumen oder aufwendigerer Replikation liegen am oberen Ende der Spanne.
Die TER wird direkt im Fondsvermögen verrechnet und mindert deine Rendite. Sie ist eine jährliche Gebühr auf das Fondsvolumen. Bei einem Anlagebetrag von 10.000 Euro und einer TER von 0,30 Prozent zahlst du jährlich 30 Euro an laufenden Kosten.
Zusätzlich fallen die üblichen Transaktionskosten deines Depots an, etwa Ordergebühren beim Kauf oder Verkauf. Vergleiche bei der ETF-Auswahl zuerst die TER, da diese Kosten jedes Jahr anfallen und sich langfristig stark auswirken.
Typische Gesamtkostenquote (TER) von Schwellenländer-ETFs
08 · Was gilt
Wie werden Schwellenländer-ETFs steuerlich behandelt?
Für Schwellenländer-ETFs gelten die gleichen Steuerregeln wie für andere Aktienfonds. Die Teilfreistellung reduziert die Steuerlast auf Erträge.
Die Teilfreistellung von 30 Prozent bedeutet, dass nur 70 Prozent der Erträge versteuert werden müssen. Das reduziert deine Steuerlast auf Kursgewinne und Dividenden.
Auf die verbleibenden 70 Prozent der Erträge fällt die Abgeltungsteuer von 25 Prozent an. Zusätzlich wird der Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent auf die Abgeltungsteuer erhoben. Der Sparer-Pauschbetrag von 1000 Euro pro Person und Jahr steht dir ebenfalls zur Verfügung.
Die Teilfreistellung von 30 Prozent gilt für Aktienfonds, zu denen Schwellenländer-ETFs zählen. Durch die Teilfreistellung sinkt die effektive Steuerbelastung auf Erträge aus Schwellenländer-ETFs spürbar.
09 · Fehler vermeiden
Welche Fehler solltest du bei Schwellenländer-ETFs vermeiden?
Viele Anleger überschätzen die Wachstumschancen oder unterschätzen die politischen Risiken. Diese typischen Fehler kannst du vermeiden.
Ein häufiger Fehler ist die zu hohe Gewichtung von Schwellenländern, weil du nur auf das Wachstum schaust. Die dynamische Wirtschaftsentwicklung verleitet dazu, die politischen Risiken und den eingeschränkten Marktzugang einzelner Länder zu ignorieren. Das kann zu einem Klumpenrisiko im Depot führen.
Viele Anleger vergleichen ETFs nur nach der Rendite, ohne die Länderauswahl von MSCI und FTSE zu prüfen. Die unterschiedliche Einstufung von Südkorea und Polen führt zu abweichenden Renditen und Risiken. Ein ETF mit höherer Vergangenheitsrendite kann schlicht andere Länder enthalten.
Währungsschwankungen beeinflussen deine Euro-Rendite erheblich. Wer das vergisst, interpretiert Kursgewinne in Lokalwährung falsch. Beurteile Schwellenländer-ETFs immer in Euro und berücksichtige, dass Währungsverluste die Rendite schmälern können.
- Du gewichtest Schwellenländer zu hoch, weil du nur auf das Wachstum schaust.
- Du ignorierst die politischen Risiken und den eingeschränkten Marktzugang einzelner Länder.
- Du vergleichst ETFs nur nach der Rendite, ohne die Länderauswahl von MSCI und FTSE zu prüfen.
Häufige Fehler im Umgang mit Schwellenländer-ETFs
10 · Schritt für Schritt
Wie gehst du beim Kauf eines Schwellenländer-ETFs vor?
Ein strukturierter Ablauf hilft dir, den passenden ETF zu finden und typische Fehler zu vermeiden. Die Schritte sind einfach umsetzbar.
Bestimme zuerst deinen gewünschten Schwellenländeranteil am Gesamtportfolio. Ein Anteil von 20 Prozent ist für viele Anleger ein praktikabler Ausgangspunkt. Dieser Wert liegt im sinnvollen Rahmen von 10 bis 40 Prozent und lässt Raum für Anpassungen.
Entscheide dich anschließend für den MSCI Emerging Markets oder den FTSE Emerging Markets Index. Prüfe die Länderunterschiede, insbesondere die Einstufung von Südkorea und Polen. Diese Wahl bestimmt, welche Märkte dein ETF abbildet.
Vergleiche danach die infrage kommenden ETFs anhand der TER, der Fondsgröße und der Replikationsmethode. Richte abschließend einen Kauf oder Sparplan ein und achte auf die Orderkosten deines Depots. Ein Sparplan mit regelmäßigen Einzahlungen reduziert das Timing-Risiko beim Einstieg.
Anlagestrategie festlegen
Bestimme zuerst deinen gewünschten Schwellenländeranteil am Gesamtportfolio. Ein Anteil von 10 bis 40 Prozent kann sinnvoll sein und hängt von deiner Risikotragfähigkeit ab.
Index auswählen
Entscheide dich für den MSCI Emerging Markets, den MSCI Emerging Markets IMI oder den FTSE Emerging Markets Index. Prüfe die Länderunterschiede, zum Beispiel wird Südkorea bei MSCI als Schwellenland und bei FTSE als Industrieland geführt.
ETF vergleichen
Vergleiche die laufenden Kosten, die Fondsgröße und die Replikationsmethode der infrage kommenden ETFs.
Kauf oder Sparplan einrichten
Kaufe den ETF einmalig oder richte einen Sparplan ein. Achte auf die Orderkosten deines Depots.
Häufige Fragen
Fragen zu Emerging-Markets-ETF-Risiko
{{f.a}}
Investieren
Mehr zu Investieren
Weiter mit Finanzen
Ratgeber zu Versicherung, Geldanlage und Studienfinanzierung für Studierende.
Alle Finanz-Ratgeber