Emerging Markets ETF: So findest du heraus, ob er sich für dich lohnt
Ein Emerging Markets ETF kann deine Renditechancen erhöhen, bringt aber auch mehr Risiko mit sich. Wir erklären dir, was Schwellenländer sind, wie die ETFs funktionieren und für wen sich die Investition wirklich lohnt.
Warum Emerging Markets auch dein Geld betrifft
Vielleicht hast du schon einmal gehört, dass die Zukunft der Weltwirtschaft nicht mehr in den USA oder Europa stattfindet, sondern in Ländern wie China, Indien oder Brasilien. Diese Länder nennt man Schwellenländer oder auf Englisch Emerging Markets. Wenn du langfristig Vermögen aufbauen willst, führt an dieser Region langfristig kein Weg vorbei, denn dort wächst die Mittelschicht und der Konsum steigt.
Für dich als Anleger bedeutet das: Wer nur in deutsche oder europäische Unternehmen investiert, lässt einen großen Teil der weltweiten Wirtschaftskraft außen vor. Die großen Konzerne aus Schwellenländern wie Tencent, Samsung oder Reliance Industries sind längst Weltmarktführer in ihren Bereichen. Sie wachsen oft schneller als vergleichbare Firmen aus Industrieländern.
Gleichzeitig sind diese Märkte aber auch politisch und wirtschaftlich instabiler. Ein Emerging Markets ETF bündelt viele dieser Unternehmen in einem einzigen Produkt. So kannst du von den Wachstumschancen profitieren, ohne einzelne riskante Aktien kaufen zu müssen. Das macht das Thema auch für dich als Einsteiger interessant.
Die Entscheidung für oder gegen einen solchen ETF ist also keine Frage des Bauchgefühls, sondern der strategischen Planung. Es geht darum, ob du dir zutraust, die höheren Schwankungen auszuhalten. Wenn du das mit Ja beantworten kannst, ist der nächste Schritt, die Grundlagen zu verstehen.
Was ein Emerging Markets ETF wirklich ist
Ein ETF, das ist ein börsengehandelter Indexfonds. Stell dir vor, du kaufst nicht eine einzelne Aktie, sondern einen Korb voller Aktien aus vielen verschiedenen Unternehmen. Dieser Korb bildet einen Index nach, also eine Liste von Firmen, die nach bestimmten Regeln zusammengestellt wird. Ein Emerging Markets ETF bildet genau einen solchen Index für Schwellenländer ab.
Der bekannteste Index ist der MSCI Emerging Markets. Er enthält die größten Unternehmen aus über 20 Ländern, die als Schwellenländer gelten. Dazu gehören neben China und Indien auch Länder wie Taiwan, Südkorea, Brasilien und Südafrika. Wenn du einen solchen ETF kaufst, besitzt du also automatisch winzige Anteile an Hunderten von Unternehmen.
Der große Vorteil für dich: Du musst keine einzelnen Firmen bewerten oder auswählen. Du kaufst einfach die gesamte Wirtschaftskraft dieser Regionen. Das nennt man Diversifikation, also Risikostreuung. Wenn ein Unternehmen oder ein Land mal schwächelt, wird das durch die vielen anderen Positionen im Korb meist ausgeglichen.
Wichtig zu wissen: Es gibt verschiedene Anbieter und Indizes. Manche konzentrieren sich nur auf große Firmen, andere auch auf kleinere. Manche schließen bestimmte Länder aus, etwa aus politischen Gründen. Für den Einstieg reicht aber ein einfacher, breit aufgestellter ETF auf den MSCI Emerging Markets oder einen vergleichbaren Index.
So funktioniert die Investition in Schwellenländer
Der Kauf eines Emerging Markets ETF funktioniert genauso wie der Kauf jeder anderen Aktie. Du benötigst ein Depot bei einer Bank oder einem Online-Broker. Dort gibst du die Wertpapierkennnummer (WKN) oder die ISIN des gewünschten ETFs ein und kannst Anteile kaufen. Du musst also kein Spezialkonto eröffnen oder besondere Hürden überwinden.
Besonders beliebt ist der Sparplan. Dabei legst du einen festen Betrag fest, der monatlich automatisch in den ETF investiert wird. Das hat zwei Vorteile: Du musst dich nicht um den perfekten Einstiegszeitpunkt kümmern, und du profitierst vom sogenannten Cost-Average-Effekt. Bei fallenden Kursen bekommst du für dein Geld mehr Anteile, bei steigenden weniger.
Die Wertentwicklung hängt von der wirtschaftlichen Entwicklung der enthaltenen Länder ab. Wenn die Unternehmen Gewinne erwirtschaften, steigt langfristig auch der Kurs des ETFs. Dazu kommen mögliche Dividenden, also Gewinnausschüttungen der Firmen. Viele ETFs legen diese Ausschüttungen direkt wieder an, das nennt man thesaurierend.
Du solltest dir bewusst sein, dass die Kurse stark schwanken können. Politische Krisen, Währungsturbulenzen oder Wirtschaftsabschwünge treffen Schwellenländer oft härter als Industrieländer. Wer einen langen Atem hat und regelmäßig bespart, kann diese Schwankungen aber meist gut aussitzen. Entscheidend ist, dass du nicht alles auf eine Karte setzt.
Kosten und Gebühren: Was du wirklich zahlst
Bei ETFs gibt es zwei Arten von Kosten: die laufenden Kosten und die Transaktionskosten. Die laufenden Kosten, auch TER genannt, werden direkt vom Fondsvermögen abgezogen. Sie decken die Verwaltung des Fonds ab. Für Emerging Markets ETFs liegen diese Kosten etwas höher als für Industrieländer-ETFs, weil die Analyse der Unternehmen aufwendiger ist.
Die genauen Gebühren unterscheiden sich je nach Anbieter. Du solltest beim Vergleich darauf achten, dass die TER nicht alles ist. Manche Fonds haben zusätzliche versteckte Kosten, etwa für den Handel innerhalb des Fonds. Diese sind in der TER nicht enthalten, können aber die Rendite schmälern. Ein Blick ins Factsheet des jeweiligen ETFs hilft dir weiter.
Zusätzlich fallen beim Kauf und Verkauf Gebühren deines Brokers an. Viele Neobroker bieten mittlerweile kostenlose Sparpläne an, bei denen du keine Ordergebühr zahlst. Beim Einmalkauf können die Gebühren je nach Anbieter stark variieren. Es lohnt sich also, die Konditionen zu vergleichen, bevor du dich entscheidest.
Wichtig ist: Die Kosten sind ein entscheidender Faktor, aber nicht der einzige. Ein minimal teurerer ETF mit besserer Abbildung kann langfristig die bessere Wahl sein. Achte darauf, dass der Fonds ein ausreichend großes Fondsvolumen hat. Das senkt das Risiko, dass der Fonds aufgelöst wird und du deine Anteile verkaufen musst.
Worauf du bei der Auswahl unbedingt achten solltest
Der erste Blick sollte der Zusammensetzung des Index gelten. Manche Indizes gewichten China sehr stark, andere verteilen die Anteile gleichmäßiger. Überlege dir, ob du eine starke China-Wette eingehen willst oder ob dir eine breitere Streuung lieber ist. Es gibt auch Indizes, die nur bestimmte Sektoren abdecken, etwa Technologie oder Konsum.
Ein weiteres Kriterium ist die Währung. Die meisten Emerging Markets ETFs werden in US-Dollar oder Euro gehandelt. Da die zugrunde liegenden Aktien in lokalen Währungen notieren, kommt es zu Wechselkurseffekten. Diese können die Rendite sowohl positiv als auch negativ beeinflussen. Für dich als Anleger in Deutschland ist ein in Euro handelbarer ETF meist am einfachsten.
Achte außerdem auf die Replikationsmethode. Die meisten ETFs bilden den Index physisch ab, kaufen also die echten Aktien. Andere nutzen Swap-Geschäfte, um die Wertentwicklung nachzubilden. Für Einsteiger ist die physische Replikation meist verständlicher und sicherer, da kein Kontrahentenrisiko besteht.
Zu guter Letzt solltest du die Fondsgröße und das Alter prüfen. Ein ETF, der seit vielen Jahren besteht und ein großes Volumen hat, ist meist stabiler und hat einen geringeren Spread, also eine kleinere Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis. Das macht den Handel für dich günstiger und sicherer.
Typische Fehler, die du als Einsteiger vermeiden solltest
Der häufigste Fehler ist, zu viel auf einmal zu investieren. Wer sein ganzes Geld in einen Emerging Markets ETF steckt und dann kommt eine Krise, der bekommt schnell Panik und verkauft mit Verlust. Besser ist es, mit einem Sparplan zu starten und den Betrag langsam zu steigern. So gewöhnst du dich an die Schwankungen.
Ein weiterer Fehler ist das ständige Umschichten. Wenn ein ETF mal schlechter läuft als ein anderer, wechseln viele Anleger hin und her. Dabei zahlen sie jedes Mal Gebühren und verpassen oft die Erholung. Bleib bei deiner einmal getroffenen Wahl, solange sich die Rahmenbedingungen nicht grundlegend ändern.
Viele unterschätzen auch den Einfluss von politischen Risiken. In Schwellenländern kann es zu Enteignungen, Kapitalverkehrskontrollen oder plötzlichen Gesetzesänderungen kommen. Diese Risiken kannst du nicht wegdiversifizieren, du musst sie einfach aushalten. Wer das nicht kann, sollte lieber in Industrieländer investieren.
Zuletzt solltest du nicht vergessen, dass ein Emerging Markets ETF nur ein Baustein sein sollte. Er ergänzt dein Depot, ersetzt es aber nicht. Eine gesunde Mischung aus Industrieländern, Schwellenländern und vielleicht etwas Gold oder Immobilien ist für die meisten Anleger die bessere Wahl.
Dein konkreter Fahrplan für den Einstieg
Bevor du irgendetwas kaufst, solltest du deinen Anlagehorizont klären. Wenn du das Geld in den nächsten fünf Jahren brauchst, lass die Finger von Aktien-ETFs. Wenn du aber für die Rente oder andere langfristige Ziele sparst, kannst du mit dem Gedanken spielen, einen kleinen Teil deines Depots in Emerging Markets zu investieren.
Als Nächstes eröffnest du ein Depot bei einem Anbieter deiner Wahl. Achte auf niedrige Gebühren und eine benutzerfreundliche Oberfläche. Viele Banken bieten auch ein kostenloses Depot an, wenn du dort ein Girokonto hast. Vergleiche die Konditionen und lies die Bewertungen anderer Nutzer.
Dann wählst du einen konkreten ETF aus. Für den Start empfehlen sich breit aufgestellte Indizes wie der MSCI Emerging Markets oder der FTSE Emerging. Achte auf eine niedrige TER und ein großes Fondsvolumen. Du kannst auch zwei verschiedene ETFs kombinieren, um das Risiko weiter zu streuen.
Starte mit einem kleinen Betrag, zum Beispiel 25 oder rund 50 Euro pro Monat. Erhöhe den Betrag erst, wenn du dich sicher fühlst und die Schwankungen kennengelernt hast. Überprüfe dein Depot einmal im Jahr und frage dich, ob die Aufteilung noch zu deiner Strategie passt. Dann steht deinem Vermögensaufbau nichts mehr im Weg.
Wie du dein Risiko im Griff behältst
Die größte Gefahr bei Emerging Markets ist nicht der Verlust, sondern die eigene Panik. Wenn der Kurs um rund 30 Prozent fällt, ist das schmerzhaft, aber nicht ungewöhnlich. Wer dann verkauft, macht den Verlust real. Wer stattdessen weiter bespart, kauft günstig ein und profitiert von der Erholung.
Eine gute Methode, um ruhig zu bleiben, ist die Festlegung einer maximalen Gewichtung. Du könntest zum Beispiel entscheiden, dass Emerging Markets nie mehr als rund 20 Prozent deines Depots ausmachen dürfen. Wenn der Anteil durch Kursgewinne steigt, verkaufst du einen kleinen Teil und bringst die Quote wieder ins Gleichgewicht.
Du kannst auch auf dividendenstarke ETFs setzen, um regelmäßige Ausschüttungen zu erhalten. Das schafft ein Gefühl von Sicherheit, auch wenn die Kurse schwanken. Allerdings solltest du bedenken, dass Dividenden in Schwellenländern oft niedriger ausfallen als in Industrieländern, da die Firmen ihr Geld lieber in Wachstum investieren.
Letztlich gilt: Ein Emerging Markets ETF ist ein Werkzeug für geduldige Anleger. Wenn du bereit bist, zehn Jahre oder länger zu investieren und Rückschläge auszuhalten, kannst du überdurchschnittlich profitieren. Wenn nicht, lass es lieber bleiben und bleib bei breiter gestreuten Welt-ETFs.
Deine nächsten Schritte nach dem Lesen
Jetzt hast du das nötige Wissen, um eine fundierte Entscheidung zu treffen. Der erste Schritt ist, deine eigene Risikobereitschaft ehrlich einzuschätzen. Beantworte die Fragen aus dem Selbstcheck oben und sei ehrlich zu dir selbst. Es gibt kein richtig oder falsch, nur deine persönliche Situation.
Wenn du dich für einen Emerging Markets ETF entscheidest, lege einen konkreten Sparplan an. Du kannst jederzeit pausieren oder den Betrag ändern. Das gibt dir Flexibilität und Sicherheit. Beginne mit einem Betrag, der weh tut, aber nicht weh tut, wenn du ihn verlierst.
Informiere dich regelmäßig über die Entwicklung deiner Anlage, aber nicht täglich. Ein Blick pro Quartal reicht völlig aus. Lies Nachrichten aus den Schwellenländern, aber lass dich nicht von kurzfristigen Schlagzeilen verunsichern. Die Wirtschaft dort wächst langfristig, auch wenn es immer wieder Rückschläge gibt.
Und zu guter Letzt: Sprich mit deiner Bank oder einem unabhängigen Berater, wenn du unsicher bist. Eine zweite Meinung kann helfen, Fehler zu vermeiden. Aber denk daran: Die Entscheidung liegt bei dir. Mit diesem Artikel hast du das Fundament, um sie bewusst und informiert zu treffen.
Beantworte 3 Fragen für deine Einschätzung.
Häufige Fragen
Ja, deutlich. Die Kurse schwanken stärker, weil die Länder politisch und wirtschaftlich instabiler sind. Dafür ist das Wachstumspotenzial langfristig oft höher. Du solltest also nur Geld investieren, das du nicht kurzfristig brauchst.
Viele Experten empfehlen eine Beimischung von 10 bis rund 20 Prozent. Das reicht, um von den Wachstumschancen zu profitieren, ohne das Gesamtrisiko zu stark zu erhöhen. Der Rest sollte in breit gestreute Industrieländer-ETFs fließen.
Ja, das ist möglich. Wie bei allen Aktieninvestments gibt es keine Garantie auf Gewinne. In schweren Krisen können die Kurse um rund 50 Prozent oder mehr fallen. Langfristig haben sich die Märkte aber immer erholt, das ist aber keine Garantie für die Zukunft.
Ja, die meisten Unternehmen zahlen Dividenden. Es gibt sowohl ausschüttende als auch thesaurierende ETFs. Bei thesaurierenden Varianten werden die Dividenden automatisch reinvestiert, was den Zinseszinseffekt verstärkt. Für Einsteiger sind thesaurierende ETFs oft einfacher.
Nein, du benötigst lediglich ein Wertpapierdepot bei einer Bank oder einem Online-Broker. Dort kannst du alle gängigen ETFs kaufen. Die Einrichtung ist meist in wenigen Minuten erledigt und oft kostenlos.
Der MSCI Emerging Markets ist der bekannteste und am weitesten verbreitete Index. Der FTSE Emerging ist eine gute Alternative. Beide sind breit gestreut und bilden die größten Unternehmen ab. Die Unterschiede in der Rendite sind meist gering.
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