Ratgeber · Investieren
Lohnt sich ein Emerging-Markets-ETF für dein Depot?
Ein Emerging-Markets-ETF bildet Aktien aus Schwellenländern ab und kann dein Weltportfolio um Wachstumschancen ergänzen. Ob sich die Beimischung für dich lohnt, hängt von deiner Risikotragfähigkeit und deinem Anlagehorizont ab.
11 Kapitel · 13 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- Schwellenländer tragen maßgeblich zum weltweiten Wirtschaftswachstum bei, unterliegen aber politischen und regulatorischen Risiken.
- Ein Anteil von 10 bis 40 Prozent Schwellenländer im Aktienportfolio gilt als sinnvolle Beimischung.
- Mit einem ETF auf den MSCI Emerging Markets oder FTSE Emerging Index bildest du die wichtigsten Schwellenländer ab.
- Die Wertentwicklung der letzten Jahre war schwankungsanfällig, langfristig sorgten Schwellenländer jedoch für einen Rendite-Boost.
01 · Grundlagen
Was sind Schwellenländer?
Schwellenländer befinden sich im Übergang vom Entwicklungsland zum Industrieland. Für dein Investment ist entscheidend, wie Indexanbieter wie MSCI oder FTSE die Länder einteilen.
Für dein Depot ist nicht die allgemeine politische Einordnung entscheidend, sondern die Sicht der Indexanbieter. MSCI und FTSE teilen die Welt anhand von Kriterien wie Wirtschaftskraft, Unternehmensgröße und Marktzugang in Industrie- und Schwellenländer ein. Diese Einteilung bestimmt, welche Aktien in einem Emerging-Markets-ETF landen.
Die Weltbank kategorisiert 55 Schwellenländer mit einem Bruttonationaleinkommen pro Kopf von 4.496 bis 13.935 US-Dollar. MSCI listet dagegen nur 24 Länder als Emerging Markets, FTSE kommt auf 23. Die geringere Zahl liegt daran, dass die Indexanbieter strengere Anforderungen an die Börsenstruktur und den Marktzugang stellen.
Für dich bedeutet das: Ein ETF auf den MSCI Emerging Markets enthält nicht alle Länder, die umgangssprachlich als Schwellenländer gelten. Er bildet nur die Märkte ab, die für ausländische Anlegerinnen praktikabel investierbar sind.
Kurz erklärt
Emerging Markets
Länder, die nicht mehr zu den armen Entwicklungsländern zählen, aber auch noch nicht den Status der reicheren Industrieländer erreicht haben. Sie weisen überdurchschnittlich hohe Wachstumsraten und ein steigendes Pro-Kopf-Einkommen auf.
Die Weltbank kategorisiert 55 Schwellenländer mit einem Bruttonationaleinkommen pro Kopf von 4.496 bis 13.935 US-Dollar. MSCI listet 24 Schwellenländer, FTSE 23.
02 · Vergleich
Wie unterscheiden sich Schwellenländer von Frontier Markets?
Unterhalb der Schwellenländer sind die Frontier Markets angesiedelt. Diese Märkte sind kleiner und illiquider, was das Investieren erschwert.
Frontier Markets sind die Stufe unterhalb der Emerging Markets. Sie befinden sich in einem früheren Entwicklungsstadium und haben deutlich kleinere, weniger liquide Aktienmärkte. Für dich als Anlegerin ist der Zugang dort schwieriger, die Handelskosten sind höher und die Auswahl an ETFs ist geringer.
Der entscheidende Unterschied liegt im Marktzugang. Schwellenländer bieten ausländischen Investoren einen moderaten bis signifikanten Zugang, während Frontier Markets oft nur einen eingeschränkten Zugang ermöglichen. MSCI verlangt für ein Schwellenland mindestens drei Unternehmen mit einer Streubesitzmarktkapitalisierung von mehr als 1.482 Millionen US-Dollar.
Beispiele für Frontier Markets sind Island nach MSCI oder Peru nach FTSE. China, Brasilien, Polen und Thailand zählen dagegen zu den Emerging Markets. Für die passive Geldanlage sind ETFs auf Emerging Markets die praktikable Wahl, weil sie breiter gestreut und kostengünstiger handelbar sind.
| Emerging Markets | Frontier Markets | |
|---|---|---|
| Entwicklungsstand | Auf der Schwelle zum Industrieland, dynamischer Industrialisierungsprozess | Weniger entwickelt als Schwellenländer, früheres Entwicklungsstadium |
| Marktgröße und Liquidität | Größere Handelsvolumen, moderater bis signifikanter Marktzugang | Sehr viel kleiner und illiquider, schwierigerer Marktzugang |
| Beispiele | China, Brasilien, Polen, Thailand, Südkorea (nach MSCI) | Island (nach MSCI), Peru (nach FTSE) |
03 · Hintergrund
Welche Chancen bieten Schwellenländer?
Schwellenländer zeichnen sich durch ein deutlich höheres Wirtschaftswachstum als Industrieländer aus. Dieses Wachstum kann sich positiv auf die Unternehmensgewinne und damit auf deine Rendite auswirken.
Schwellenländer erzielen aufgrund ihrer hohen Produktivität bei vergleichsweise geringem Lohnniveau überdurchschnittlich hohe Wachstumsraten. Das Pro-Kopf-Einkommen wächst rasant, und die Länder durchlaufen einen umfassenden Wandlungsprozess mit neuen Institutionen und besserer Infrastruktur.
Für dich als Anlegerin bedeutet das: Unternehmen aus Schwellenländern können von diesem Wachstum überproportional profitieren. Historisch haben Schwellenländer in vielen Phasen für einen Rendite-Boost im Weltportfolio gesorgt. Die Löhne sind in Schwellenländern im Schnitt niedriger als in Industrieländern, was den Unternehmen dort Kostenvorteile verschafft.
Ein Beispiel: Wenn ein Land wie China oder Indien seine Mittelschicht ausbaut, steigt die Nachfrage nach Konsumgütern, Finanzdienstleistungen und Infrastruktur. Davon profitieren genau die Unternehmen, die in deinem ETF enthalten sind.
Schwellenländer erzielen aufgrund ihrer hohen Produktivität bei vergleichsweise geringem Lohnniveau überdurchschnittlich hohe Wachstumsraten. Das Pro-Kopf-Einkommen wächst rasant, und die Länder durchlaufen einen umfassenden Wandlungsprozess.
Für dich als Anlegerin bedeutet das: Unternehmen aus Schwellenländern können von diesem Wachstum überproportional profitieren. Historisch haben Schwellenländer in vielen Phasen für einen Rendite-Boost im Weltportfolio gesorgt.
Die Löhne sind in Schwellenländern im Schnitt niedriger als in Industrieländern. Das verschafft Unternehmen dort Kostenvorteile im globalen Wettbewerb und kann die Gewinne steigern.
04 · Fehler vermeiden
Welche Risiken haben Emerging-Markets-ETFs?
Neben den Wachstumschancen unterliegen Schwellenländer auch politischen und regulatorischen Risiken. Diese Risiken können die Wertentwicklung deines ETFs stark beeinflussen.
Politische Instabilität und regulatorische Eingriffe können den Marktzugang einschränken, wie das Beispiel Russland seit März 2022 zeigt. Währungen von Schwellenländern können gegenüber Dollar, Euro oder Yen stark schwanken und deine Rendite schmälern.
Börsen in Schwellenländern haben oft ein geringeres Handelsvolumen, was zu höheren Spreads zwischen Kauf- und Verkaufspreis führt. Die Informationsbeschaffung kann mühsamer sein, weil die Regeln für Aktiengesellschaften weniger Transparenz vorsehen.
Die Wertentwicklung der letzten Jahre war vergleichsweise schwach. Das hat bei vielen Anlegerinnen die Frage aufgeworfen, ob sich die Beimischung noch lohnt. Du solltest diese Risiken kennen, bevor du einen Emerging-Markets-ETF kaufst.
Risiken, die du kennen solltest
05 · Was gilt
Wie viel Schwellenländer gehören ins Portfolio?
Für ein passives Weltportfolio ist eine Beimischung von Schwellenländern sinnvoll. Die optimale Quote hängt von deiner persönlichen Risikotragfähigkeit ab.
Ein Schwellenländer-Anteil von 10 bis 40 Prozent im Aktienportfolio ist sinnvoll. Die genaue Quote hängt von deiner persönlichen Risikotragfähigkeit und deinem Anlagehorizont ab. Eine Beimischung zu einem Weltportfolio mit Industrieländer-ETFs ist der klassische Weg.
Einfacher ist die Kombination über einen ETF auf den MSCI ACWI IMI oder FTSE All-World. Diese Indizes enthalten Schwellenländer bereits mit ihrer Marktkapitalisierung, du musst also nicht selbst umschichten.
- Weniger sinnvoll ist es, ausschließlich auf Emerging Markets zu setzen, weil dann die Risiken einzelner Länder zu stark durchschlagen.
- Mehr als 40 Prozent Schwellenländer-Anteil ist nur bei einer besonders hohen Risikoneigung vertretbar.
- Ein kompletter Verzicht auf Schwellenländer bei langem Anlagehorizont schmälert deine Diversifikation.
Sinnvoll
Weniger sinnvoll
06 · Vergleich
Welche Indizes bilden Emerging Markets ab?
Die wichtigsten Indexanbieter MSCI und FTSE berechnen eigene Aktienindizes für Schwellenländer. Die Unterschiede in der Länderauswahl sind gering, aber für dein Investment relevant.
MSCI listet 24 Schwellenländer, FTSE kommt auf 23.
Der auffälligste Unterschied: Südkorea wird bei MSCI als Schwellenland geführt, bei FTSE dagegen als Industrieland. Auch Polen ist bei MSCI ein Schwellenland, während FTSE es als Industrieland einstuft. Diese Abweichungen verändern die Ländergewichtung in deinem ETF.
Beide Indexfamilien eignen sich für die passive Abbildung von Schwellenländern. Der MSCI Emerging Markets IMI enthält zusätzlich Small-Caps, der FTSE Emerging All Cap deckt ebenfalls kleinere Unternehmen ab. Die Wahl hängt von deiner Präferenz für die Ländergewichtung und die Marktabdeckung ab.
| MSCI Emerging Markets | FTSE Emerging | |
|---|---|---|
| Anzahl Schwellenländer | 24 Länder | 23 Länder |
| Südkorea | Schwellenland | Industrieland |
| Polen | Schwellenland | Industrieland |
07 · Schritt für Schritt
Wie investierst du in einen Emerging-Markets-ETF?
Der Kauf eines Emerging-Markets-ETF läuft über dein Wertpapierdepot. Wichtig sind die Auswahl des richtigen Index und die Beachtung von Kosten und Steuern.
Du benötigst ein Depot bei einer Bank oder einem Online-Broker, um ETFs zu kaufen. Die Auswahl des richtigen Index ist der erste Schritt.
Ein wiederanlegender ETF ist für langfristige Anlegerinnen oft die bessere Wahl, weil Erträge automatisch reinvestiert werden und kein Aufwand für Wiederanlage entsteht.
Depot eröffnen
Du benötigst ein Wertpapierdepot bei einer Bank oder einem Online-Broker, um ETFs zu kaufen.
Index auswählen
Entscheide dich für einen ETF auf den MSCI Emerging Markets, MSCI Emerging Markets IMI oder FTSE Emerging Index.
ETF aussuchen
Wähle einen wiederanlegenden oder ausschüttenden ETF mit niedriger Kostenquote und ausreichendem Fondsvolumen.
Kauf ausführen
Kaufe den ETF über die Börse, zum Beispiel Xetra, und achte auf den Spread zwischen Kauf- und Verkaufspreis.
Beimischung festlegen
Lege den Schwellenländer-Anteil in deinem Portfolio fest, zum Beispiel 10 bis 40 Prozent deines Aktienanteils.
08 · Kosten
Welche Kosten und Steuern fallen an?
Bei Emerging-Markets-ETFs fallen laufende Kosten und beim Verkauf Steuern an. Die Teilfreistellung reduziert die Steuerlast für Aktienfonds.
Die laufenden Kosten für Emerging-Markets-ETFs liegen üblicherweise zwischen 0,2 und 0,5 Prozent pro Jahr. Diese Gesamtkostenquote wird direkt aus dem Fondsvermögen entnommen und mindert deine Rendite.
Beim Verkauf fällt auf Kapitalerträge die Abgeltungsteuer von 25 Prozent an, darauf der Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent. Für Aktienfonds gilt eine Teilfreistellung von 30 Prozent, das heißt, nur 70 Prozent der Erträge werden besteuert.
Der Sparer-Pauschbetrag beträgt 1000 Euro pro Person und Jahr, bei zusammenveranlagten Ehepaaren 2000 Euro. Erst oberhalb dieses Betrags fallen Steuern an. Du kannst den Freibetrag durch einen Freistellungsauftrag bei deiner Bank nutzen.
Kurz erklärt
Übliche Gesamtkostenquote (TER) für Emerging-Markets-ETFs
Kosten und Steuern bei Emerging-Markets-ETFs
0,10 bis 0,65 Prozent pro Jahr
09 · Hintergrund
Wie hat sich die Wertentwicklung entwickelt?
Die Wertentwicklung von Emerging-Markets-ETFs war in den vergangenen Jahrzehnten stark schwankend. Langfristig sorgten Schwellenländer für einen Rendite-Boost, zuletzt war die Performance jedoch verhalten.
Schwellenländer haben in den vergangenen Jahrzehnten für einen Rendite-Boost im Weltportfolio gesorgt. Die Wachstumsraten der Volkswirtschaften lagen über denen der Industrieländer, und die Aktienmärkte spiegelten das in guten Phasen wider.
Die vergangenen Jahre waren jedoch von politischen Risiken und einer vergleichsweise nicht allzu guten Performance geprägt. Das hat bei vielen Anlegerinnen die Frage aufgeworfen, ob sich Schwellenländer noch lohnen. Die jüngste Schwächephase ist aber kein verlässlicher Indikator für die Zukunft.
Für deine Anlageentscheidung bedeutet das: Du solltest nicht nur auf die jüngste Wertentwicklung schauen, sondern die langfristigen Wachstumschancen und die Risiken gegeneinander abwägen. Ein breit gestreuter ETF auf Schwellenländer bleibt ein Baustein für ein diversifiziertes Weltportfolio.
Schwellenländer haben in den vergangenen Jahrzehnten für einen Rendite-Boost im Weltportfolio gesorgt. Die Wachstumsraten der Volkswirtschaften lagen über denen der Industrieländer.
Die vergangenen Jahre waren jedoch von politischen Risiken und einer vergleichsweise nicht allzu guten Performance geprägt. Das hat bei vielen Anlegerinnen die Frage aufgeworfen, ob sich Schwellenländer noch lohnen.
Für deine Anlageentscheidung bedeutet das: Du solltest nicht nur auf die jüngste Wertentwicklung schauen, sondern die langfristigen Wachstumschancen und die Risiken gegeneinander abwägen.
10 · Checkliste
Welche Kriterien nutzt MSCI für die Einstufung?
MSCI teilt Länder anhand festgelegter Kriterien in Developed, Emerging, Frontier und Standalone Markets ein. Diese Kriterien bestimmen, welche Länder in deinem ETF enthalten sind.
Die Einteilung wird jährlich überprüft.
- Das Bruttonationaleinkommen pro Kopf liegt unterhalb der Schwelle zum Industrieland, das heißt, es überschreitet die High-Income-Grenze der Weltbank nicht seit mindestens drei Jahren.
- Mindestens drei Unternehmen haben eine Streubesitzmarktkapitalisierung von mehr als 1.482 Millionen US-Dollar.
- Mindestens 15 Prozent der Marktkapitalisierung werden regelmäßig gehandelt, gemessen an der Annualized Traded Value Ratio.
- Der Marktzugang für ausländische Investoren ist moderat bis signifikant.
- Die Einfachheit von Kapitalzu- und -abflüssen ist zumindest teilweise gegeben.
- Die Effizienz des geldpolitischen Handlungsrahmens ist moderat.
Diese Kriterien erklären, warum manche Länder trotz hoher Wirtschaftskraft als Schwellenland gelten. Entscheidend ist nicht nur das Einkommensniveau, sondern auch die Qualität des Aktienmarkts und der institutionelle Rahmen.
Kriterien für die Einstufung als Schwellenland bei MSCI
Bruttonationaleinkommen pro Kopf unterhalb der Schwelle zum Industrieland (keine dreijährige Überschreitung der High-Income-Grenze)
Mindestens drei Unternehmen mit einer Streubesitzmarktkapitalisierung von mehr als 1.482 Millionen US-Dollar
Mindestens 15 Prozent der Marktkapitalisierung werden regelmäßig gehandelt (Annualized Traded Value Ratio)
Moderater bis signifikanter Marktzugang für ausländische Investoren
Zumindest teilweise Einfachheit von Kapitalzu- und -abflüssen
Moderate Effizienz des geldpolitischen Handlungsrahmens
Hohe Verfügbarkeit von Anlageinstrumenten
Moderate Stabilität des institutionellen Rahmens
11 · Im Vertrag
Warum sind China und Russland Sonderfälle?
Die Einstufung von China und Russland zeigt, wie politische und wirtschaftliche Faktoren die Indexzugehörigkeit beeinflussen. Das wirkt sich direkt auf die Zusammensetzung deines ETFs aus.
China erfüllt aufgrund des geringen Bruttonationaleinkommens pro Kopf nicht die Kriterien der Weltbank für ein Industrieland. Zudem ist der Marktzugang für ausländische Investoren eingeschränkt, weshalb MSCI China als Schwellenland führt. Das Land hat damit ein hohes Gewicht in den gängigen Emerging-Markets-Indizes.
Russland wurde bis zum Angriff auf die Ukraine als Schwellenland eingestuft. Seit März 2022 ist der Marktzugang eingeschränkt, daher erfüllt das Land die Kriterien nicht mehr und wird als Standalone Market geführt. Für dich bedeutet das: Russische Aktien sind aus den großen Emerging-Markets-ETFs verschwunden.
Südkorea zeigt, wie unterschiedlich die Indexanbieter entscheiden. MSCI führt das Land als Schwellenland, FTSE dagegen als Industrieland. Je nachdem, welchen ETF du kaufst, ist Südkorea also enthalten oder nicht. Das verändert die Ländergewichtung und die Branchenstruktur deines Fonds.
Sonderfälle in der Länderklassifizierung
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