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Anleihen-ETF-Risiko: So sicher ist dein Sicherheits­baustein wirklich

Ein Anleihen-ETF bündelt viele festverzinsliche Wertpapiere und gilt als ruhiger Baustein im Depot. Doch Zinsänderungen, Bonität und Laufzeit entscheiden darüber, wie stark dein ETF tatsächlich schwanken kann.

10 Kapitel · 10 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026

Das Wichtigste

  • Das größte Risiko bei Anleihen-ETFs ist das Zinsänderungsrisiko, das mit längerer Laufzeit der enthaltenen Anleihen deutlich steigt.
  • Geldmarkt-ETFs mit sehr kurzen Restlaufzeiten oder ESTR-Bezug schwanken kaum und eignen sich als Sicherheitsbaustein.
  • Unternehmensanleihen-ETFs tragen ein Bonitätsrisiko, das bei Papieren unterhalb von Investment Grade (BBB) stark zunimmt.
  • Bei ETFs auf Fremdwährungsanleihen trägst du zusätzlich ein Währungsrisiko, das du mit währungsgesicherten Varianten vermeiden kannst.

01 · Grundlagen

Was ist ein Anleihen-ETF?

Ein Anleihen-ETF bildet einen Anleihen-Index nach, also einen Korb aus Staats- oder Unternehmensanleihen mit festgelegten Eigenschaften. Du investierst damit breit gestreut in festverzinsliche Wertpapiere, ohne einzelne Anleihen auswählen zu müssen.

Ein Anleihen-ETF bündelt hunderte oder tausende einzelne Anleihen in einem einzigen Wertpapier. Die Auswahl der Papiere übernehmen Indexanbieter wie Barclays-Bloomberg oder Markit mit der Marke iBoxx, die feste Regeln für Laufzeit, Emittent und Bonität vorgeben. Du musst dich also nicht selbst durch einzelne Anleihen arbeiten, sondern kaufst mit einem Anteil den gesamten Korb.

Für dich bedeutet das: Der Kurs deines ETF-Anteils entwickelt sich nahezu parallel zum zugrunde liegenden Anleihen-Index. Steigen die Marktzinsen, fallen die Kurse bestehender Anleihen und damit auch der ETF-Kurs. Andere Begriffe für Anleihen-ETFs sind Renten-ETF oder Bond-ETF, wobei Rente hier schlicht für die regelmäßige Zinszahlung steht.

Kurz erklärt

Anleihen-ETF

Ein börsengehandelter Fonds, der die Wertentwicklung eines Anleihen-Index nachbildet. Der Index besteht aus vielen einzelnen Anleihen, die nach Regeln wie Laufzeit, Emittent oder Bonität ausgewählt werden.

Der Kurs deines ETF-Anteils entwickelt sich nahezu parallel zum zugrunde liegenden Anleihen-Index. Steigen die Marktzinsen, fallen die Kurse bestehender Anleihen und damit auch der ETF-Kurs.

02 · Vergleich

Welche Risiken stecken in Anleihen-ETFs?

Nicht jeder Anleihen-ETF ist automatisch eine sichere Geldanlage. Die Risiken unterscheiden sich je nach Art der enthaltenen Anleihen erheblich.

Die Risiken eines Anleihen-ETFs hängen vor allem von drei Faktoren ab: der Restlaufzeit der enthaltenen Papiere, der Bonität der Emittenten und der Währung. Ein Geldmarkt-ETF mit Anleihen unter einem Jahr Restlaufzeit und erstklassigen Schuldnern trägt ein sehr geringes Zinsänderungsrisiko und ein sehr geringes Bonitätsrisiko. Ein ETF auf langlaufende Unternehmensanleihen mit schlechterer Bonität kann dagegen deutlich schwanken.

Seit der Zinswende 2022 haben viele Anleger erlebt, dass auch vermeintlich sichere Anleihen-ETFs spürbare Wertverluste bringen können. Besonders ETFs mit langlaufenden Anleihen reagieren sensibel auf Zinsänderungen. Für einen Sicherheitsbaustein im Depot eignen sich daher nur Anleihen-ETFs mit sehr kurzen Restlaufzeiten oder ESTR-Bezug.

Risikoprofile verschiedener Anleihen-ETF-Typen
Geldmarkt-ETFStaatsanleihen-ETF (kurz)Unternehmensanleihen-ETF
Zinsänderungs­risikoSehr gering, da Restlaufzeiten unter einem Jahr liegenGering bis moderat, abhängig von der RestlaufzeitAbhängig von der Laufzeit
Bonitäts­risikoGering bei Industrienationen, höher bei SchwellenländernDeutlich höher, besonders unterhalb von Investment Grade
Währungs­risikoKeins bei Euro-ProduktenKeins bei Euro-Staatsanleihen, vorhanden bei US- oder SchwellenländeranleihenVorhanden, wenn Anleihen in Fremdwährung notieren
KursschwankungenSehr geringGering bis moderatAbhängig von der Laufzeit

03 · Schritt für Schritt

Wie wirkt sich die Laufzeit auf dein Risiko aus?

Die Restlaufzeit der enthaltenen Anleihen ist der wichtigste Hebel für das Zinsänderungsrisiko. Je länger die Laufzeit, desto stärker reagiert der ETF-Kurs auf Zinsbewegungen.

Die Restlaufzeit ist der wichtigste Hebel für das Zinsänderungsrisiko. Steigt der Leitzins, bieten neue Anleihen höhere Kupons, während bestehende Anleihen mit niedrigeren Zinsen unattraktiver werden und im Kurs fallen. Ein Anleihen-ETF hält viele dieser bestehenden Papiere, deren gesunkene Kurswerte den ETF-Kurs nach unten drücken.

Je länger die Restlaufzeit, desto stärker fällt dieser Effekt aus. Ein ETF auf Staatsanleihen mit zehn oder mehr Jahren Laufzeit verliert bei steigenden Zinsen deutlich mehr als ein ETF mit Papieren von ein bis drei Jahren. Geldmarkt-ETFs mit Restlaufzeiten unter einem Jahr oder ESTR-Bezug bleiben von solchen Zinsschocks nahezu unberührt.

01

Leitzins steigt

Neue Anleihen bieten höhere Kupons. Bestehende Anleihen mit niedrigeren Zinsen verlieren an Attraktivität, ihre Kurswerte sinken.

02

ETF-Kurs fällt

Der Anleihen-ETF hält viele bestehende Anleihen. Deren gesunkene Kurswerte drücken den ETF-Kurs nach unten.

03

Lange Laufzeiten verstärken den Effekt

Anleihen mit langer Restlaufzeit verlieren bei steigenden Zinsen deutlich stärker an Wert als kurzlaufende Papiere. Ein ETF auf langlaufende Staatsanleihen schwankt daher spürbar.

04

Geldmarkt-ETFs bleiben stabil

ETFs mit Anleihen unter einem Jahr Restlaufzeit oder ESTR-Bezug sind von Zinsänderungen kaum betroffen, weil die Papiere zeitnah zum Nennwert zurückgezahlt werden.

04 · Was gilt

Wann zahlt der Emittent nicht zurück?

Das Bonitätsrisiko beschreibt die Gefahr, dass ein Staat oder Unternehmen seine Schulden nicht vollständig bedienen kann. Bei Anleihen-ETFs verteilt sich dieses Risiko auf viele Emittenten, verschwindet aber nicht.

Staatsanleihen von Industrienationen mit sehr guter Bonität gelten als besonders ausfallsicher, während Anleihen von Schwellenländern oder Unternehmen mit Rating unterhalb von BBB deutlich riskanter sind.

Ratingagenturen wie Standard and Poor's und Fitch bewerten die Kreditwürdigkeit Deutschlands aktuell mit der Bestnote AAA. Anleihen mit einem Rating von BBB oder besser werden als Investment Grade bezeichnet. Für einen risikoarmen Anleihen-ETF sollten die enthaltenen Titel mindestens Investment Grade aufweisen. Papiere mit schlechterer Bewertung heißen High Yield oder Junk und tragen ein deutlich höheres Ausfallrisiko.

Geringes Ausfallrisiko

·Staatsanleihen von Industrienationen mit sehr guter Bonität
·Unternehmensanleihen mit Rating von BBB oder besser (Investment Grade)
·Geldmarkt-ETFs mit erstklassigen Schuldnern und kurzen Laufzeiten

Erhöhtes Ausfallrisiko

·Staatsanleihen von Schwellen- und Entwicklungsländern
·Unternehmensanleihen mit Rating unterhalb von BBB (High Yield)
·Anleihen von Emittenten ohne Rating oder mit negativem Ausblick

05 · Im Vertrag

Welche Rolle spielt die Währung?

Kaufst du einen Anleihen-ETF, der Papiere in US-Dollar, Pfund oder anderen Fremdwährungen enthält, trägst du zusätzlich ein Währungsrisiko. Deine Rendite hängt dann nicht nur von Zinsen und Bonität ab, sondern auch vom Wechselkurs.

Steigt der US-Dollar gegenüber dem Euro, erhöht sich der Euro-Gegenwert deiner Anlage und du profitierst zusätzlich zur Anleiherendite.

Fällt der US-Dollar dagegen, sinkt der Euro-Wert deiner Anlage. Selbst bei positiver Anleiherendite kannst du insgesamt einen Verlust machen. Möchtest du kein Währungsrisiko eingehen, solltest du nur in ETFs auf Euro-Anleihen oder in währungsgesicherte Anleihen-ETFs investieren. Bei Euro-Produkten entfällt dieses Risiko vollständig.

Währungsrisiko bei Anleihen-ETFs

NominalwährungDefinitionDie Währung, in der eine Anleihe ausgegeben wird und in der Zinszahlungen sowie Rückzahlung erfolgen. Bei einem ETF auf US-Staatsanleihen ist das der US-Dollar.
Aufwertung der FremdwährungChanceSteigt der US-Dollar gegenüber dem Euro, erhöht sich der Euro-Gegenwert deiner Anlage. Du profitierst zusätzlich zur Anleiherendite.
Abwertung der FremdwährungRisikoFällt der US-Dollar gegenüber dem Euro, sinkt der Euro-Wert deiner Anlage. Selbst bei positiver Anleiherendite kannst du insgesamt einen Verlust machen.
Währungsgesicherte ETFsLösungDiese Varianten sichern Wechselkursschwankungen über Termingeschäfte ab. Du verzichtest auf Währungsgewinne, vermeidest aber auch Währungsverluste.

06 · Kosten

Welche Kosten entstehen bei Anleihen-ETFs?

Die laufenden Kosten eines Anleihen-ETFs liegen in der Regel unter denen aktiv gemanagter Rentenfonds. Für die Risikobewertung ist die Kostenquote jedoch zweitrangig, entscheidend sind Laufzeit und Bonität.

Geldmarkt-ETFs kosten oft zwischen 0,05 und 0,15 Prozent pro Jahr, Staatsanleihen-ETFs auf Industrienationen zwischen 0,07 und 0,20 Prozent. Unternehmensanleihen-ETFs mit Investment Grade liegen meist bei 0,10 bis 0,25 Prozent, High-Yield-Produkte können 0,25 bis 0,50 Prozent kosten.

Die Kostenquote mindert deine Rendite, verändert aber nicht das grundsätzliche Risikoprofil des ETFs. Entscheidend für die Sicherheit bleiben Laufzeit und Bonität der enthaltenen Anleihen. Für einen risikoarmen Anleihen-ETF sind laufende Kosten unter 0,2 Prozent pro Jahr ein guter Richtwert.

Kurz erklärt

Geldmarkt-ETF

Typische laufende Kosten pro Jahr

0,05 bis 0,15 Prozent

07 · Checkliste

Woran erkennst du einen risikoarmen Anleihen-ETF?

Für einen Sicherheitsbaustein im Depot kommen nur Anleihen-ETFs infrage, die bestimmte Kriterien erfüllen. Prüfe diese Punkte, bevor du kaufst.

Die Restlaufzeit der enthaltenen Anleihen sollte unter einem Jahr liegen oder der ETF sollte den ESTR-Referenzzins der Europäischen Zentralbank nachbilden.

  • Die enthaltenen Anleihen lauten auf Euro, damit kein Fremdwährungsrisiko entsteht.
  • Die Emittenten verfügen überwiegend über sehr gute Bonität, mindestens Investment Grade.
  • Die laufenden Kosten liegen idealerweise unter 0,2 Prozent pro Jahr.
  • Der Fonds ist ausreichend groß, damit die Handelskosten beim Kauf und Verkauf niedrig bleiben.
  • Die Replikation erfolgt physisch oder über Swaps mit erstklassigen Kontrahenten.

Checkliste für risikoarme Anleihen-ETFs

01

Restlaufzeit der enthaltenen Anleihen unter einem Jahr oder ESTR-Bezug

02

Anleihen in Euro, kein Fremdwährungsrisiko

03

Überwiegend Emittenten mit sehr guter Bonität, mindestens Investment Grade

04

Ausreichende Fondsgröße für niedrige Liquiditätskosten beim Handel

05

Physische Replikation oder Swap mit erstklassigen Kontrahenten

08 · Fehler vermeiden

Welche Fehler solltest du vermeiden?

Viele Anleger unterschätzen, dass auch Anleihen-ETFs-Verluste bringen können. Diese typischen Fehler führen zu bösen Überraschungen.

Ein typischer Fehler ist der Kauf langlaufender Staatsanleihen-ETFs als Sicherheitsbaustein, die bei steigenden Zinsen hohe Verluste erleiden können. Auch Unternehmensanleihen-ETFs mit High-Yield-Anteil werden oft für risikolos gehalten, obwohl sie ein deutlich höheres Ausfallrisiko tragen.

Ein weiterer Fehler ist der Kauf von Fremdwährungs-ETFs ohne Währungssicherung, bei dem Wechselkursverluste die Anleiherendite aufzehren können. In einer Niedrigzinsphase solltest du nicht an Geldmarkt-ETFs festhalten, sondern auf Tagesgeld oder Festgeld wechseln, um Verluste zu vermeiden. Anleihen-ETFs und Aktien-ETFs haben unterschiedliche Risikotreiber und sollten nicht gleichgesetzt werden.

Häufige Fehler im Umgang mit Anleihen-ETFs

·Langlaufende Staatsanleihen-ETFs als Sicherheitsbaustein kaufen und bei steigenden Zinsen hohe Verluste erleiden
·Unternehmensanleihen-ETFs mit High-Yield-Anteil für risikolos halten
·Fremdwährungs-ETFs ohne Währungssicherung kaufen und Wechselkursverluste ignorieren
·Anleihen-ETFs mit Aktien-ETFs gleichsetzen und die unterschiedlichen Risikotreiber übersehen
·In einer Niedrigzinsphase an Geldmarkt-ETFs festhalten, obwohl Tagesgeld oder Festgeld dann bessere Alternativen sind

09 · Hintergrund

Wie verhalten sich Anleihen-ETFs in Krisen?

Die Zinswende ab 2022 hat gezeigt, dass Anleihen-ETFs nicht immer ein sicherer Hafen sind. Entscheidend ist, welche Papiere im ETF stecken.

Ab Anfang 2022 erlebten viele Anleihen-ETFs ein Kurstief. Die stark gestiegenen Leitzinsen machten bestehende Anleihen aus der Niedrigzinsphase unattraktiv, ihre Kurswerte fielen und zogen die ETF-Kurse mit nach unten. Besonders betroffen waren ETFs auf langlaufende Staatsanleihen, deren hohe Duration zu deutlichen Kursverlusten führte, obwohl Staatsanleihen eigentlich als sicher gelten.

Kurzlaufende Papiere und Geldmarkt-ETFs kamen dagegen glimpflich davon. Mittlerweile haben die großen Zentralbanken ihre Leitzinsen wieder gesenkt, wodurch sich die Kurse vieler Anleihen-ETFs erholen konnten. Die Zinswende hat gezeigt: Entscheidend ist nicht die Anlageklasse, sondern welche Papiere im ETF stecken.

Ab Anfang 2022 erlebten viele Anleihen-ETFs ein Kurstief. Die stark gestiegenen Leitzinsen machten bestehende Anleihen aus der Niedrigzinsphase unattraktiv, ihre Kurswerte fielen und zogen die ETF-Kurse mit nach unten.

Besonders betroffen waren ETFs auf langlaufende Staatsanleihen. Ihre hohe Duration führte zu deutlichen Kursverlusten, obwohl Staatsanleihen eigentlich als sicher gelten. Kurzlaufende Papiere und Geldmarkt-ETFs kamen dagegen glimpflich davon.

Mittlerweile haben die großen Zentralbanken ihre Leitzinsen wieder gesenkt. Dadurch konnten sich die Kurse vieler Anleihen-ETFs erholen. Die Erfahrung zeigt aber: Wer einen Sicherheitsbaustein sucht, sollte auf kurze Laufzeiten und hohe Bonität achten.

10 · Vergleich

Welche Alternativen gibt es zu Anleihen-ETFs?

Für den risikoarmen Teil deines Portfolios kommen neben Anleihen-ETFs auch andere Anlageformen infrage. Jede hat eigene Vor- und Nachteile.

Geldmarkt-ETFs liegen sehr nah am aktuellen Marktzins und passen sich automatisch an, während Tagesgeld bankabhängig ist und oft unter dem Marktzins liegt. Festgeld schreibt den Zins für die Laufzeit fest, danach musst du neu verhandeln.

Geldmarkt-ETFs sind börsentäglich handelbar und du kannst jederzeit verkaufen. Tagesgeld ist täglich verfügbar, Festgeld bindet dein Geld für die Laufzeit. Tagesgeld und Festgeld unterliegen der gesetzlichen Einlagensicherung bis 100.000 Euro pro Bank, während Geldmarkt-ETFs als Sondervermögen geschützt sind, aber keine Einlagensicherung bieten.

Risikoarme Anlageformen im Vergleich
Geldmarkt-ETFTagesgeldFestgeld
ZinsniveauSehr nah am aktuellen Zinsniveau, passt sich automatisch anBankabhängig, Wechsel nötig
VerfügbarkeitBörsentäglich handelbar, Verkauf jederzeit möglichTäglich verfügbar, keine FristenGeld ist für die Laufzeit gebunden
KostenGeringe laufende Kosten plus OrdergebührenKeine direkten KostenKeine direkten Kosten

Häufige Fragen

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FinanzredaktionAktualisiert am 07.10.2026