Ratgeber · Investieren
Anleihen-ETF und Freistellungsauftrag: So bleibt mehr von deinem Ertrag
Bei Anleihen-ETFs gelten andere Steuerregeln als bei Aktienfonds. Mit einem korrekt eingerichteten Freistellungsauftrag nutzt du deinen Sparer-Pauschbetrag und vermeidest unnötige Steuerabzüge.
11 Kapitel · 10 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- Auf Erträge aus Anleihen-ETFs fällt die Abgeltungsteuer von 25 Prozent an, zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer.
- Die Teilfreistellung von 30 Prozent gilt nur für Aktienfonds, nicht für reine Anleihen-ETFs.
- Mit einem Freistellungsauftrag bleiben Erträge bis 1000 Euro pro Person und Jahr steuerfrei, bei Ehepaaren 2000 Euro.
- Deine Depotbank führt die Steuer automatisch ab, sobald dein Freistellungsauftrag aufgebraucht ist.
01 · Grundlagen
Was ist ein Anleihen-ETF?
Ein Anleihen-ETF bündelt viele festverzinsliche Wertpapiere in einem Fonds. Du erwirbst mit einem einzigen Wertpapier Anteile an einem Korb aus Staatsanleihen, Unternehmensanleihen oder inflationsgeschützten Papieren.
Ein Anleihen-ETF bildet die Wertentwicklung eines Index aus festverzinslichen Wertpapieren nach. Du beteiligst dich mit einem einzigen Wertpapier an einem Korb aus Staatsanleihen, Unternehmensanleihen oder inflationsgeschützten Papieren. Die im Fonds enthaltenen Anleihen erzeugen laufende Zinserträge.
Diese Zinserträge werden entweder regelmäßig an dich ausgeschüttet oder im Fonds wieder angelegt, was als Thesaurierung bezeichnet wird. Anders als bei Aktien-ETFs steht bei Anleihen-ETFs der Zinsertrag im Vordergrund, nicht die Dividende. Für die Besteuerung bedeutet das: Es gelten andere Regeln als bei Aktienfonds.
Kurz erklärt
Anleihen-ETF
Ein börsengehandelter Indexfonds, der die Wertentwicklung eines Anleihenindex nachbildet und in festverzinsliche Wertpapiere investiert.
Anders als bei Aktien-ETFs erhältst du bei Anleihen-ETFs laufende Zinserträge, die als Ausschüttungen an dich fließen oder thesauriert werden.
02 · Kosten
Abgeltungsteuer auf Anleihen-ETFs: Welche Sätze gelten?
Für Anleihen-ETFs gilt der volle Steuersatz ohne Teilfreistellung. Die Abgeltungsteuer wird direkt von deiner Depotbank einbehalten.
Auf Erträge aus Anleihen-ETFs zahlst du 25 Prozent Abgeltungsteuer. Hinzu kommt der Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent auf die Abgeltungsteuer. Bist du Kirchenmitglied, fällt außerdem Kirchensteuer an, die je nach Bundesland 8 oder 9 Prozent der Abgeltungsteuer beträgt.
Daraus ergibt sich eine Gesamtbelastung von 26,38 Prozent ohne Kirchenmitgliedschaft. In Bayern und Baden-Württemberg liegt der Satz für Kirchenmitglieder bei 27,82 Prozent, in den übrigen Bundesländern bei 28,00 Prozent. Deine Depotbank zieht diese Steuern automatisch ab, sobald Erträge anfallen.
Steuerbelastung auf Erträge aus Anleihen-ETFs
03 · Vergleich
ETF-Besteuerung: Was bei Anleihen-ETFs anders ist
Die Besteuerung von ETFs hängt von der Fondsart ab. Bei Anleihen-ETFs wird der gesamte Ertrag versteuert, während Aktien-ETFs eine teilweise Steuerbefreiung genießen.
Der zentrale Unterschied zur Besteuerung von Aktien-ETFs liegt in der Teilfreistellung. Bei Aktien-ETFs bleiben 30 Prozent der Erträge steuerfrei, bei Anleihen-ETFs gilt keine Teilfreistellung. Du musst also 100 Prozent deiner Erträge aus Anleihen-ETFs versteuern.
Ein Beispiel verdeutlicht den Effekt: Auf 100 Euro Ertrag aus einem Anleihen-ETF fallen 25,00 Euro Abgeltungsteuer an. Bei einem Aktien-ETF wären es nur 17,50 Euro, weil lediglich 70 Euro steuerpflichtig sind. Die Teilfreistellung für Aktienfonds gleicht Vorbelastungen auf Fondsebene aus, für Anleihen-ETFs ist keine solche Entlastung vorgesehen.
| Anleihen-ETF | Aktien-ETF | |
|---|---|---|
| Teilfreistellung | Keine Teilfreistellung | 30 Prozent der Erträge steuerfrei |
| Steuerpflichtiger Anteil | 100 Prozent der Erträge | 70 Prozent der Erträge |
| Abgeltungsteuer auf 100 Euro Ertrag | 25,00 Euro | 17,50 Euro |
04 · Was gilt
Sparer-Pauschbetrag: So funktioniert der Freistellungsauftrag
Mit einem Freistellungsauftrag teilst du deiner Depotbank mit, dass sie Erträge bis zur Höhe deines Sparer-Pauschbetrags nicht versteuern soll. Ohne diesen Auftrag führt die Bank ab dem ersten Euro Steuern ab.
Der Sparer-Pauschbetrag liegt bei 1000 Euro pro Person und Jahr, bei zusammenveranlagten Ehepaaren bei 2000 Euro. Ohne diesen Auftrag führt die Bank ab dem ersten Euro Steuern ab.
Der Freistellungsauftrag greift bei Ausschüttungen aus Anleihen-ETFs, bei Kursgewinnen aus dem Verkauf und bei Vorabpauschalen thesaurierender Fonds. Erträge, die über den Freibetrag hinausgehen, werden automatisch versteuert. Hast du Depots bei mehreren Banken, kannst du den Freibetrag aufteilen, die Summe aller Aufträge darf 1000 Euro nicht überschreiten.
Steuerfrei bis 1000 Euro
Steuerpflichtig ab dem ersten Euro
05 · Checkliste
Bonität: Warum sie für Anleihen-ETFs entscheidend ist
Die Bonität der enthaltenen Anleihen bestimmt das Risiko und die Rendite deines Anleihen-ETFs. Staatsanleihen mit hoher Bonität gelten als sicherer, während Unternehmensanleihen mit niedrigerer Bonität höhere Zinsen bieten.
Staatsanleihen etablierter Industrieländer haben in der Regel eine hohe Bonität und gelten als vergleichsweise sicher. Unternehmensanleihen mit schlechterem Rating bieten höhere Zinsen, tragen aber ein höheres Ausfallrisiko.
Hochzinsanleihen werden oft als High-Yield-Anleihen bezeichnet und sind mit Vorsicht zu genießen. Ein breit gestreuter Anleihen-ETF reduziert das Risiko einzelner Schuldner. Für die Steuer spielt die Bonität keine direkte Rolle, sie beeinflusst aber die Höhe deiner Erträge und damit die Steuerlast.
Worauf du bei der Bonität von Anleihen-ETFs achten solltest
Prüfe das durchschnittliche Rating der im ETF enthaltenen Anleihen
Staatsanleihen etablierter Industrieländer haben in der Regel eine hohe Bonität
Unternehmensanleihen mit schlechterem Rating bieten höhere Zinsen, tragen aber ein höheres Ausfallrisiko
Hochzinsanleihen werden oft als High-Yield-Anleihen bezeichnet und sind mit Vorsicht zu genießen
Ein breit gestreuter Anleihen-ETF reduziert das Risiko einzelner Schuldner
06 · Schritt für Schritt
Vorabpauschale bei thesaurierenden Anleihen-ETFs
Auch wenn ein Anleihen-ETF keine Ausschüttungen vornimmt, kann das Finanzamt eine Vorabpauschale besteuern. Diese fällt nur an, wenn der Fonds im Wert gestiegen ist und der gesetzliche Basiszins über null liegt.
Die Depotbank ermittelt die Vorabpauschale automatisch und führt die Steuer ab, sofern dein Freistellungsauftrag nicht ausreicht.
Die versteuerte Vorabpauschale wird beim späteren Verkauf des ETF angerechnet. Dadurch erhöhen sich deine Anschaffungskosten, und es kommt nicht zu einer Doppelbesteuerung. Du musst dich um die Berechnung nicht selbst kümmern, die Bank erledigt das für dich.
Wertentwicklung prüfen
Die Depotbank ermittelt, ob der Anleihen-ETF im abgelaufenen Jahr an Wert gewonnen hat.
Basiszins anwenden
Der gesetzliche Basiszins wird auf den Rücknahmepreis zu Jahresbeginn angewendet, um die Vorabpauschale zu berechnen.
Steuer abführen
Die Depotbank führt die Abgeltungsteuer auf die Vorabpauschale ab, sofern dein Freistellungsauftrag nicht ausreicht.
Anschaffungskosten erhöhen
Die versteuerte Vorabpauschale wird beim späteren Verkauf des ETF angerechnet, damit es nicht zu einer Doppelbesteuerung kommt.
07 · Was gilt
Ausschüttungen und Kursgewinne: Was wird bei Anleihen-ETFs besteuert?
Bei Anleihen-ETFs fallen zwei Ertragsarten an: laufende Ausschüttungen und Kursgewinne beim Verkauf. Beide unterliegen der Abgeltungsteuer.
Beide unterliegen der Abgeltungsteuer. Auch Vorabpauschalen bei thesaurierenden Anleihen-ETFs sind steuerpflichtig.
Nicht steuerpflichtig ist die Rückzahlung des ursprünglich investierten Kapitals beim Verkauf. Erträge innerhalb des Sparer-Pauschbetrags bleiben bei vorhandenem Freistellungsauftrag ebenfalls steuerfrei. Erträge aus Wandelanleihen innerhalb des ETF werden wie Anleiheerträge behandelt.
Steuerpflichtig
Nicht steuerpflichtig
08 · Im Vertrag
Verlustbescheinigung: Verluste aus Anleihen-ETFs verrechnen
Wenn du mit Anleihen-ETFs-Verluste erzielst, kannst du diese mit Gewinnen aus anderen Kapitalanlagen verrechnen. Bei mehreren Depots hilft eine Verlustbescheinigung.
Dazu führt der Broker einen Verlustverrechnungstopf. Verbleibende Verluste überträgt die Bank ins Folgejahr und verrechnet sie mit künftigen Gewinnen.
Hast du Depots bei mehreren Banken, kannst du bis zum 15. Dezember eine Verlustbescheinigung beantragen. Den ausgewiesenen Verlust gibst du dann in der Anlage KAP deiner Steuererklärung an. Das Finanzamt verrechnet die Werte und zahlt zu viel gezahlte Steuern zurück.
Wichtige Regelungen zur Verlustverrechnung
09 · Kosten
Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag: Was kommt zur Abgeltungsteuer hinzu?
Neben der Abgeltungsteuer von 25 Prozent fallen Zuschläge an. Der Solidaritätszuschlag beträgt 5,5 Prozent auf die Abgeltungsteuer, die Kirchensteuer je nach Bundesland 8 oder 9 Prozent.
Der Solidaritätszuschlag beträgt 5,5 Prozent auf die Abgeltungsteuer. Die Kirchensteuer wird nur fällig, wenn du Mitglied einer Kirche bist, und beträgt 8 Prozent der Abgeltungsteuer in Bayern und Baden-Württemberg, in den übrigen Bundesländern 9 Prozent.
Für 100 Euro steuerpflichtigen Ertrag ohne Kirchenmitgliedschaft ergibt sich eine Abgeltungsteuer von 25,00 Euro und ein Solidaritätszuschlag von 1,38 Euro. Die Gesamtbelastung liegt damit bei 26,38 Prozent. Als Kirchenmitglied zahlst du entsprechend mehr.
Zusammensetzung der Steuerlast bei Anleihen-ETFs
10 · Hintergrund
Wandelanleihen in ETFs: Steuerliche Besonderheiten
Wandelanleihen sind Anleihen, die in Aktien umgewandelt werden können. In ETFs können sie je nach Ausgestaltung unterschiedlich besteuert werden.
Wandelanleihen nehmen eine Zwitterstellung zwischen Anleihe und Aktie ein. Sie zahlen regelmäßige Zinsen, bieten aber auch die Möglichkeit, sie in Aktien des Emittenten zu tauschen. In einem ETF, der überwiegend in Wandelanleihen investiert, hängt die steuerliche Behandlung von der Fondsausrichtung ab.
Reine Wandelanleihenfonds gelten steuerlich als Anleihenfonds, für die keine Teilfreistellung gilt. Enthält ein ETF sowohl Aktien als auch Wandelanleihen, kann die Teilfreistellung anteilig greifen, wenn der Aktienanteil die gesetzlichen Schwellen überschreitet. Die genaue Einordnung nimmt deine Depotbank vor.
Wandelanleihen nehmen eine Zwitterstellung zwischen Anleihe und Aktie ein. Sie zahlen regelmäßige Zinsen, bieten aber auch die Möglichkeit, sie in Aktien des Emittenten zu tauschen.
In einem ETF, der überwiegend in Wandelanleihen investiert, hängt die steuerliche Behandlung von der Fondsausrichtung ab. Reine Wandelanleihenfonds gelten steuerlich als Anleihenfonds, für die keine Teilfreistellung gilt.
Enthält ein ETF sowohl Aktien als auch Wandelanleihen, kann die Teilfreistellung anteilig greifen, wenn der Aktienanteil die gesetzlichen Schwellen überschreitet. Die genaue Einordnung nimmt die Depotbank anhand der Fondsunterlagen vor.
Für dich als Anlegerin bedeutet das: Prüfe vor dem Kauf, wie der ETF steuerlich eingeordnet wird. Die Depotbank wendet die zutreffenden Regeln automatisch an.
11 · Schritt für Schritt
Depotbank und Freistellungsauftrag: So richtest du ihn ein
Deine Depotbank ist für den automatischen Steuerabzug verantwortlich. Mit einem Freistellungsauftrag legst du fest, bis zu welcher Höhe sie keine Steuern einbehalten soll.
Du kannst den Freistellungsauftrag bis zur Höhe von 1000 Euro pro Person und Jahr erteilen, bei Ehepaaren sind gemeinsam 2000 Euro möglich.
Den Freistellungsauftrag richtest du direkt bei deiner Depotbank ein, meist online im Kundenbereich. Hast du Depots bei mehreren Banken, kannst du den Freibetrag aufteilen, die Summe aller Freistellungsaufträge darf 1000 Euro nicht überschreiten. Die Depotbank berücksichtigt den Freistellungsauftrag bei jeder Ausschüttung, Vorabpauschale und jedem Verkauf automatisch.
Höhe festlegen
Du kannst den Freistellungsauftrag bis zur Höhe von 1000 Euro pro Person und Jahr erteilen. Bei Ehepaaren sind gemeinsam 2000 Euro möglich.
Auftrag bei der Depotbank einreichen
Den Freistellungsauftrag richtest du direkt bei deiner Depotbank ein, meist online im Kundenbereich.
Aufteilung bei mehreren Depots
Hast du Depots bei mehreren Banken, kannst du den Freibetrag aufteilen. Die Summe aller Freistellungsaufträge darf 1000 Euro nicht überschreiten.
Automatische Anwendung
Die Depotbank berücksichtigt den Freistellungsauftrag bei jeder Ausschüttung, Vorabpauschale und jedem Verkauf.
Häufige Fragen
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