Ratgeber · Investieren
Anleihen-ETFs: So findest du den besten Sicherheitsbaustein für dein Depot
Ein Anleihen-ETF bündelt viele festverzinsliche Wertpapiere in einem einzigen Wertpapier und eignet sich als ruhiger Baustein für dein Portfolio. Welche Arten es gibt und woran du die für dich passende Variante erkennst, erfährst du hier.
10 Kapitel · 9 Min. Lesezeit · Aktualisiert 12.10.2026
Das Wichtigste
- Geldmarkt-ETFs mit sehr kurzen Restlaufzeiten oder ESTR-Bezug gelten als besonders sicherer Sicherheitsbaustein.
- Staatsanleihen-ETFs aus der Eurozone haben kein Währungsrisiko, Unternehmensanleihen-ETFs bieten oft etwas mehr Rendite.
- Die Zinswende ab 2022 hat gezeigt, dass Anleihen-ETFs mit langen Laufzeiten spürbare Kursschwankungen haben können.
- Für den Vermögensaufbau per Sparplan eignen sich breit streuende Renten-ETFs, für die Liquiditätsreserve eher Geldmarkt-ETFs.
01 · Grundlagen
Was ist ein Anleihen-ETF?
Ein Anleihen-ETF bildet einen Korb aus Anleihen nach, also aus Wertpapieren, mit denen sich Staaten oder Unternehmen Geld leihen und dafür Zinsen zahlen.
Ein Anleihen-ETF bündelt hunderte oder tausende einzelne Anleihen in einem einzigen Wertpapier. Der Fonds bildet einen Index nach, der von spezialisierten Anbietern wie Barclays-Bloomberg, Markit mit der Marke iBoxx oder MTS festgelegt wird.
Für dich bedeutet das: Du musst dich nicht mit der Auswahl einzelner Anleihen beschäftigen. Die Indexanbieter legen fest, welche Anleihen mit welchen Merkmalen wie Laufzeit, Emittent oder Bonität in den Korb aufgenommen werden.
Andere Begriffe für Anleihen-ETFs sind Renten-ETF oder Bond-ETF. Rente steht in diesem Zusammenhang für die regelmäßige Zinszahlung, nicht für die Altersrente.
Kurz erklärt
Anleihen-ETF
Ein börsengehandelter Indexfonds, der die Wertentwicklung eines Anleihen-Index nachbildet. Der Index besteht aus vielen einzelnen Anleihen mit festgelegten Merkmalen wie Laufzeit, Emittent oder Bonität.
Andere Begriffe sind Renten-ETF oder Bond-ETF. Rente steht hier für die regelmäßige Zinszahlung, nicht für die Altersrente.
02 · Vergleich
Staatsanleihen oder Unternehmensanleihen: Was passt zu dir?
Die wichtigste Grundentscheidung betrifft den Herausgeber der Anleihen. Beide Varianten unterscheiden sich in Sicherheit und Renditeerwartung.
Staatsanleihen-ETFs investieren in Wertpapiere, die von Ländern herausgegeben werden. Die Bonität ist bei Ländern wie Deutschland oder den USA in der Regel sehr hoch, dafür fällt die Renditeerwartung eher niedriger aus.
Unternehmensanleihen-ETFs bündeln Anleihen von Firmen. Die Bonität reicht von sehr gut, dem sogenannten Investment Grade, bis riskant, dem High Yield. Als Ausgleich für das höhere Ausfallrisiko bieten Unternehmensanleihen oft etwas mehr Rendite.
Für den Sicherheitsbaustein deines Portfolios eignen sich Staatsanleihen-ETFs mit kurzen Laufzeiten besser. Unternehmensanleihen-ETFs kannst du als Beimischung nutzen, wenn du bereit bist, für etwas mehr Rendite auch mehr Schwankungen zu tragen.
| Staatsanleihen-ETFs | Unternehmensanleihen-ETFs | |
|---|---|---|
| Geeignet als | Sicherheitsbaustein, vor allem mit kurzer Laufzeit | Beimischung für zusätzliche Erträge aus hochverzinslichen Anleihen |
03 · Was gilt
Wie viel Sicherheit bietet ein Anleihen-ETF wirklich?
Nicht jeder Anleihen-ETF ist automatisch eine sichere Geldanlage. Die Zinswende ab 2022 hat gezeigt, dass besonders langlaufende Anleihen spürbar an Wert verlieren können.
Die Sicherheit hängt vor allem von der Restlaufzeit der enthaltenen Anleihen ab. Geldmarkt-ETFs mit Anleihen unter einem Jahr Restlaufzeit oder ETFs auf den ESTR-Referenzzins der Europäischen Zentralbank gelten als besonders schwankungsarm.
Staatsanleihen-ETFs mit kurzer Restlaufzeit aus der Eurozone bieten ebenfalls hohe Sicherheit. Dagegen können Anleihen-ETFs mit langlaufenden Anleihen über zehn Jahre spürbar an Wert verlieren, wenn die Zinsen steigen.
Unternehmensanleihen-ETFs mit hohem High-Yield-Anteil und Schwellenländeranleihen-ETFs in Fremdwährung tragen ein deutlich höheres Risiko. Sie eignen sich nicht als Sicherheitsbaustein, sondern nur als Beimischung für Anleger, die Schwankungen aushalten können.
Eher sicher
Eher schwankend
04 · Checkliste
Währungsrisiko bei Anleihen-ETFs vermeiden
Kaufst du einen Anleihen-ETF, der in US-Dollar oder einer anderen Fremdwährung notiert, beeinflusst der Wechselkurs deine Rendite. Für den Sicherheitsbaustein ist das oft unerwünscht.
Für den Sicherheitsbaustein ist dieses zusätzliche Risiko oft unerwünscht.
Wähle für den Sicherheitsbaustein Anleihen-ETFs in Euro, um Wechselkursschwankungen zu vermeiden. Bei ETFs auf US-Staatsanleihen gibt es währungsgesicherte Varianten, die das USD-Risiko reduzieren.
- Prüfe im Produktnamen oder im Factsheet, ob eine Währungssicherung mit dem Zusatz Hedged enthalten ist.
- Schwellenländeranleihen in Lokalwährung tragen ein doppeltes Risiko: Bonität und Währung.
- Für den Sicherheitsbaustein sind Euro-Anleihen-ETFs ohne Fremdwährungsanteil die einfachste Wahl.
So gehst du mit dem Währungsrisiko um
Wähle für den Sicherheitsbaustein Anleihen-ETFs in Euro, um Wechselkursschwankungen zu vermeiden.
Bei ETFs auf US-Staatsanleihen gibt es währungsgesicherte Varianten, die das USD-Risiko reduzieren.
Schwellenländeranleihen in Lokalwährung tragen ein doppeltes Risiko: Bonität und Währung.
Prüfe im Produktnamen oder im Factsheet, ob eine Währungssicherung (Hedged) enthalten ist.
05 · Hintergrund
Geldmarkt-ETFs als Alternative zu Tagesgeld und Festgeld
Geldmarkt-ETFs bilden kurzfristige Zinssätze oder Anleihen mit sehr kurzer Restlaufzeit ab. Sie gelten als besonders schwankungsarm und bleiben nah am aktuellen Zinsniveau.
Sie reagieren kaum auf Zinsänderungen und bleiben nah am aktuellen Zinsniveau der Europäischen Zentralbank.
Ein Vorteil gegenüber Tagesgeld oder Festgeld: Du musst nicht regelmäßig zwischen Anbietern wechseln, um vom aktuellen Zinsniveau zu profitieren. Der ETF passt sich automatisch an, weil er den ESTR-Referenzzins oder sehr kurzlaufende Anleihen nachbildet.
In einer Niedrigzinsphase können Tagesgeld oder Festgeld jedoch wieder attraktiver sein. Dann solltest du prüfen, ob ein Wechsel aus dem Geldmarkt-ETF sinnvoll ist, um Verluste zu vermeiden.
Geldmarkt-ETFs eignen sich als Sicherheitsbaustein, weil sie kaum auf Zinsänderungen reagieren. Sie bestehen aus Anleihen mit sehr kurzer Restlaufzeit oder bilden den ESTR-Referenzzins der Europäischen Zentralbank nach.
Ein Vorteil gegenüber Tagesgeld oder Festgeld: Du musst nicht regelmäßig zwischen Anbietern wechseln, um vom aktuellen Zinsniveau zu profitieren. In einer Niedrigzinsphase können Tagesgeld oder Festgeld jedoch wieder attraktiver sein.
06 · Schritt für Schritt
Anleihen-ETFs per Sparplan besparen
Ein Sparplan auf einen Anleihen-ETF eignet sich, um regelmäßig einen festen Betrag in den Sicherheitsbaustein deines Portfolios zu investieren.
Viele Depots ermöglichen Sparpläne bereits ab 25 Euro monatlich.
Überlege zuerst, ob der Anleihen-ETF als Sicherheitsbaustein, als Liquiditätsreserve oder als Beimischung für die Rendite dienen soll. Für Sicherheit kommen Geldmarkt-ETFs oder kurzlaufende Staatsanleihen-ETFs in Euro infrage.
- Für etwas mehr Rendite kannst du Unternehmensanleihen-ETFs beimischen.
- Die Sparrate sollte zu deinem Budget und deiner Anlagestrategie passen.
- Achte auf die laufenden Kosten des ETF und darauf, ob dein Depot die Sparplanausführung kostenlos anbietet.
Anlageziel festlegen
Überlege, ob der Anleihen-ETF als Sicherheitsbaustein, als Liquiditätsreserve oder als Beimischung für die Rendite dienen soll.
Passenden ETF wählen
Für Sicherheit kommen Geldmarkt-ETFs oder kurzlaufende Staatsanleihen-ETFs in Euro infrage. Für etwas mehr Rendite kannst du Unternehmensanleihen-ETFs beimischen.
Sparrate festlegen
Viele Depots ermöglichen Sparpläne bereits ab 25 Euro monatlich. Die Höhe sollte zu deinem Budget und deiner Anlagestrategie passen.
Kosten prüfen
Achte auf die laufenden Kosten des ETF und darauf, ob dein Depot die Sparplanausführung kostenlos anbietet.
07 · Im Vertrag
Bonität und Ausfallrisiko bei Anleihen-ETFs
Die Bonität des Emittenten bestimmt, wie wahrscheinlich du dein Geld zurückbekommst. Anleihen-ETFs bündeln viele Emittenten und streuen so das Ausfallrisiko.
Investment Grade bezeichnet Anleihen von Emittenten mit guter bis sehr guter Kreditwürdigkeit. Das Ausfallrisiko gilt als gering, die Zinsen fallen entsprechend moderat aus.
High Yield steht für Anleihen von Emittenten mit niedrigerer Kreditwürdigkeit. Sie bieten höhere Zinsen, tragen aber ein deutlich höheres Ausfallrisiko. Schwellenländeranleihen können zusätzlich politischen und wirtschaftlichen Risiken unterliegen.
Wichtige Begriffe zur Bonität
08 · Fehler vermeiden
Typische Fehler bei der Auswahl von Anleihen-ETFs
Viele Anleger unterschätzen die Unterschiede zwischen den verschiedenen Arten von Anleihen-ETFs. Diese Fehler kannst du vermeiden.
Ein häufiger Fehler ist, einen langlaufenden Anleihen-ETF als sicheren Baustein zu kaufen und dann bei Zinsänderungen Wertverluste zu erleben.
Ein weiterer Fehler ist, das Währungsrisiko zu ignorieren und einen USD-Anleihen-ETF ohne Währungssicherung als Sicherheitsbaustein zu wählen. Wechselkursschwankungen können die Rendite dann deutlich beeinflussen.
- Nur auf die Rendite zu schauen und dabei das höhere Ausfallrisiko von High-Yield- oder Schwellenländeranleihen zu übersehen, ist riskant.
- Die laufenden Kosten des ETF nicht zu beachten, schmälert die ohnehin oft niedrige Rendite von Anleihen-ETFs.
- Einen Anleihen-ETF ohne Blick auf die Restlaufzeit der enthaltenen Anleihen zu kaufen, führt oft zu falschen Erwartungen an die Sicherheit.
Diese Fehler solltest du vermeiden
09 · Kosten
Steuern auf Anleihen-ETFs
Erträge aus Anleihen-ETFs unterliegen der Abgeltungsteuer. Der Sparer-Pauschbetrag hilft dir, einen Teil der Erträge steuerfrei zu erhalten.
Sie beträgt 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent auf die Abgeltungsteuer.
Der Sparer-Pauschbetrag hilft dir, einen Teil der Erträge steuerfrei zu erhalten. Pro Person und Jahr liegt er bei 1000 EUR, bei zusammenveranlagten Ehepaaren bei 2000 EUR.
Die Teilfreistellung von 30 Prozent gilt für Aktienfonds, nicht für reine Anleihen-ETFs. Deine Erträge aus Anleihen-ETFs werden also in voller Höhe besteuert, sobald der Sparer-Pauschbetrag ausgeschöpft ist.
Steuerliche Eckwerte für deine Anleihen-ETF-Erträge
10 · Hintergrund
Liquidität: So schnell kommst du an dein Geld
Anleihen-ETFs werden an der Börse gehandelt und können während der Handelszeiten verkauft werden. Die Liquidität hängt vom Handelsvolumen des jeweiligen ETF ab.
Im Vergleich zu einzelnen Anleihen bist du mit einem Anleihen-ETF flexibler, weil du Anteile börsentäglich verkaufen und den aktuellen Rücknahmepreis erhalten kannst.
Für die Liquiditätsreserve eignen sich Geldmarkt-ETFs besonders. Sie haben kaum Kursschwankungen, sodass du nicht mit Verlusten rechnen musst, wenn du kurzfristig an dein Geld musst.
Die Liquidität hängt auch vom Handelsvolumen des jeweiligen ETF ab. Bei großen, etablierten Anleihen-ETFs ist der Handel in der Regel so liquide, dass du Anteile ohne nennenswerte Preisabschläge verkaufen kannst.
Im Vergleich zu einzelnen Anleihen bist du mit einem Anleihen-ETF flexibler. Du kannst Anteile börsentäglich verkaufen und erhältst den aktuellen Rücknahmepreis.
Für die Liquiditätsreserve eignen sich Geldmarkt-ETFs besonders, weil sie kaum Kursschwankungen haben und du nicht mit Verlusten rechnen musst, wenn du kurzfristig an dein Geld musst.
Häufige Fragen
Fragen zu Anleihen-ETFs
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