Nachfolger finden So gelingt die Übergabe von Praxis oder Unternehmen
Nachfolger finden für Arztpraxis, Kanzlei oder Unternehmen – Schritt-für-Schritt-Guide & Berufseinsteiger. Jetzt Finanz-Score checken.
- Viele Medizin-, Jura- und BWL-Studierende übernehmen später eine bestehende Praxis oder ein Unternehmen statt neu zu gründen – Nachfolge als Karriereoption verstehen.
- Frühzeitiges Wissen über Bewertung, Finanzierung und rechtliche Schritte spart später Zeit und Geld.
- Unterschied: Nachfolge suchen (Übernehmer) vs. Nachfolger finden (Übergeber) – beide Perspektiven sind für Studierende relevant.
- Typische Berufswege, in denen Nachfolge eine Rolle spielt: Arztpraxis, Zahnarztpraxis, Steuerberatungskanzlei, Handwerksbetrieb, Familienunternehmen.
Nachfolge meistern: Was du jetzt wissen musst
Viele Berufstätige übernehmen später eine bestehende Praxis oder ein Unternehmen statt neu zu gründen – Nachfolge als Karriereoption verstehen.
Ob du später eine Arztpraxis übernimmst, einen Familienbetrieb weiterführst oder selbst jemanden suchst, der dein aufgebautes Unternehmen weiterführt – die Nachfolge ist einer der komplexesten und folgenschwersten Vorgänge im Berufsleben. Wer frühzeitig versteht, wie Bewertung, Zulassungsrecht und Finanzierung zusammenspielen, hat einen entscheidenden Vorteil.
AUF EINEN BLICK
- Frühzeitiges Wissen über Bewertung, Finanzierung und rechtliche Schritte spart später Zeit und Geld.
- Unterschied: Nachfolge suchen (Übernehmer) vs. Nachfolger finden (Übergeber) – beide Perspektiven sind für Sparer:innen und Anleger:innen relevant.
- Typische Berufswege, in denen Nachfolge eine Rolle spielt: Arztpraxis, Zahnarztpraxis, Steuerberatungskanzlei, Handwerksbetrieb, Familienunternehmen.
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Warum das Thema Nachfolge auch für Sie relevant ist
Arztpraxis nachfolger finden: Kassenarztzulassung, Patientenstamm, Mietvertrag, Gerätewert – spezifische Besonderheiten im Vergleich zu anderen Branchen.
Für viele Berufstätige und Selbstständige ist Unternehmertum gleichbedeutend mit Gründung – der Aufbau von null. Dabei übersehen sie eine der häufigsten und oft attraktiveren Alternativen: die Übernahme einer bestehenden Praxis oder eines etablierten Unternehmens. Eine bestehende Patientenbasis, eingespielte Mitarbeitende, laufende Umsätze und eine bekannte Marke machen Nachfolgen in vielen Fällen risikoärmer als den kompletten Neustart. Wer diese Option früh auf dem Radar hat, kann seine Karriere bewusster auf die Übernahme ausrichten – etwa durch Schwerpunkte in Unternehmensrecht, Betriebswirtschaft oder gezieltes Netzwerken in der Wunschbranche.
Gleichzeitig ist das Wissen über Nachfolge nicht nur für künftige Übernehmer wertvoll. Wer eines Tages selbst eine Praxis aufbaut oder ein Unternehmen führt, wird früher oder später vor der Frage stehen: Wem übergebe ich mein Lebenswerk? Frühzeitiges Wissen über Bewertungsverfahren, rechtliche Stolperfallen und Finanzierungswege spart nicht nur Zeit, sondern auch erhebliche Kosten – Fehler in der Nachfolgeplanung können sich auf sechsstellige Beträge summieren.
Es ist wichtig, die beiden Perspektiven klar zu trennen: Nachfolge suchen meint die Suche nach einer Praxis oder einem Unternehmen, das man übernehmen möchte – also die Käufer- oder Nachfolgerseite. Nachfolger finden bedeutet umgekehrt, als Übergeber oder Verkäufer jemanden zu suchen, der die eigene Einheit weiterführt. Beide Rollen sind für Sparer, Anleger und Verbraucher relevant: Die einen wollen übernehmen, die anderen werden vielleicht in zwanzig Jahren übergeben. Typische Berufswege, in denen Nachfolge eine zentrale Rolle spielt, sind Arztpraxen, Zahnarztpraxen, Steuerberatungskanzleien, Handwerksbetriebe und Familienunternehmen jeder Größe.
AUF EINEN BLICK
- Unternehmen / Familienbetrieb: Übergabe durch Verkauf, Schenkung oder Management-Buy-in – je nach Rechtsform unterschiedliche Prozesse.
- Notar nachfolger finden: Notarielle Beurkundung ist bei vielen Übergabeverträgen Pflicht (GmbH-Anteilsübertragung, Immobilien); Notar-Amtsnachfolge ist ein eigener berufsrechtlicher Prozess (Justizministerium).
- Konzern-Nachfolge (z. B. Siemens, Wilo): Hier greifen Aufsichtsrat-Prozesse und Corporate-Governance-Regeln – für Privatpersonen eher Beobachter- als Akteursrolle.
- Gemeinsamkeit aller Szenarien: Bewertung, Käufer-/Verkäufer-Matching, Vertragsgestaltung, Finanzierung.
Die häufigsten Nachfolge-Szenarien im Vergleich
Schritt 1 – Praxiswert ermitteln: Ertragswertverfahren nach dem Bewertungsstandard der Bundesärztekammer; Gutachter oder Steuerberater einschalten.
Nicht jede Nachfolge funktioniert gleich – die Branche und Rechtsform bestimmen, welche Regeln gelten. Bei einer Arztpraxis steht die Kassenarztzulassung im Mittelpunkt: Sie ist nicht frei übertragbar und muss vom Zulassungsausschuss der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung (KV) genehmigt werden. Hinzu kommen Patientenstamm, laufende Mietverträge, Gerätelisten und Personalverträge als kaufpreisrelevante Faktoren. Die Übergabe einer Arztpraxis ist damit deutlich regulierter als etwa die Übergabe eines Handelsbetriebs.
Bei Familienunternehmen und KMU variiert der Prozess stark je nach Rechtsform. Die Übergabe eines Einzelunternehmens oder einer Personengesellschaft kann in weiten Teilen formfrei erfolgen, während die Übertragung von GmbH-Anteilen notariell beurkundet werden muss (§ 15 GmbHG). Neben dem klassischen Verkauf sind Schenkung mit Nießbrauchvorbehalt oder ein Management-Buy-in (MBI) – bei dem ein externer Manager Anteile übernimmt – verbreitete Gestaltungen.
Ein oft übersehenes Spezialfeld ist die Notar-Amtsnachfolge: Wenn ein Notar in den Ruhestand tritt, wird sein Amt nicht verkauft, sondern durch das zuständige Justizministerium neu besetzt – ein berufsrechtlicher Prozess, der nichts mit dem zivilrechtlichen Unternehmensverkauf zu tun hat. Wer eine notarielle Laufbahn anstrebt, sollte diesen Unterschied kennen. Davon zu trennen ist die Rolle des Notars als Urkundsperson bei anderen Nachfolgen: Bei GmbH-Anteilsübertragungen und Grundstücksgeschäften ist seine Beteiligung schlicht Pflicht.
Auf der anderen Seite des Spektrums stehen Konzernlösungen wie bei Siemens oder anderen DAX-Unternehmen: Hier greifen Aufsichtsratsprozesse, Corporate-Governance-Kodizes und internationale Headhunter-Mandate. Für Außenstehende ist diese Ebene eher Beobachterperspektive – relevant für das Verständnis von Unternehmensführung, aber kein praxisnaher Handlungsraum im frühen Berufsleben.
AUF EINEN BLICK
- Schritt 2 – Zulassungsrechtliche Prüfung: Kassenarztzulassung ist nicht frei übertragbar; Zulassungsausschuss der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) muss zustimmen.
- Schritt 3 – Nachfolger-Suche: KV-eigene Praxisbörsen, Arztbörse der Ärztekammern, nexxt-change, Praxisübergabe-Plattformen der KV-Bezirksstellen.
- Schritt 4 – Due Diligence: Prüfung von Patientenzahlen, Geräteliste, Mietvertrag, Personalverträgen, offenen Verbindlichkeiten.
- Schritt 5 – Kaufvertrag & Notar: Notarielle Beurkundung bei Immobilien; bei reiner Praxisveräußerung (ohne Grundstück) reicht ein schriftlicher Kaufvertrag, aber notarielle Beglaubigung ist empfehlenswert.
Schritt für Schritt: Nachfolger finden für eine Arztpraxis
IHK-Nachfolgebörsen: Kostenloses Inserat für Verkäufer und Kaufinteressenten, regional nach IHK-Bezirk filterbar (ihk.de, ihk-muenchen.de).
Der erste und häufig unterschätzte Schritt ist die Praxisbewertung. Der Wert einer Arztpraxis wird in der Regel nach dem Ertragswertverfahren ermittelt, das auf den zukünftig zu erwartenden Gewinnen basiert. Die Bundesärztekammer hat hierfür Bewertungsstandards veröffentlicht, die als Orientierung dienen. Weil Praxiswerte stark von Fachrichtung, Lage und Patientenstamm abhängen, ist ein unabhängiger Steuerberater oder Praxisgutachter unerlässlich. Eigene Schätzungen ohne Fachkenntnis führen regelmäßig zu Konflikten in der Verhandlungsphase.
Im zweiten Schritt folgt die zulassungsrechtliche Prüfung. Die Kassenarztzulassung ist an die Person des Arztes gebunden und kann nicht wie ein Vermögensgegenstand übertragen werden. Der Nachfolger muss beim Zulassungsausschuss der zuständigen KV einen eigenen Antrag stellen. In gesperrten Planungsbereichen (Überversorgung) ist eine Praxisübernahme oft die einzige Möglichkeit, eine Zulassung zu erhalten – was den Übernahmewert erhöht, aber auch den Prozess verlängert. Der Zulassungsausschuss tagt in der Regel quartalsweise, was die Zeitplanung beeinflusst.
Die eigentliche Nachfolger-Suche läuft über mehrere Kanäle parallel. Die KVen betreiben eigene Praxisbörsen und Nachwuchsprogramme. Die Bundesärztekammer und die Landesärztekammern unterhalten ebenfalls Vermittlungsportale. Die Plattform nexxt-change des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz ist branchenübergreifend nutzbar und kostenlos. Praxisspezifische Vermittler und Praxisberater ergänzen das Bild, sind aber kostenpflichtig.
Abschließend steht die Due Diligence: Die strukturierte Prüfung aller kaufrelevanten Unterlagen. Dazu gehören Patientenzahlen der letzten Jahre, eine vollständige Geräteliste mit Wartungsprotokollen, der laufende Mietvertrag inklusive Verlängerungsoptionen, alle Personalverträge und eventuelle Betriebsrentenzusagen sowie offene Verbindlichkeiten gegenüber Lieferanten oder Finanzamt. Wer diesen Schritt überspringt oder abkürzt, riskiert teure Überraschungen nach dem Vertragsschluss.
AUF EINEN BLICK
- nexxt-change: Bundesweite Plattform des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) – kostenlos, anonymisiert, branchenübergreifend.
- Handwerkskammer (HWK): Eigene Nachfolgebörsen für Handwerksbetriebe mit spezifischen Meisterpflicht-Regelungen.
- Steuerberater & M&A-Berater: Ab einer bestimmten Unternehmensgröße lohnt sich professionelle Begleitung – Kosten sind steuerlich absetzbar.
- Wichtig: Als potenzielle Übernehmer können IHK-Gründungsberatung und EXIST-Gründerstipendium kombiniert werden.
Nachfolger finden im Unternehmen: IHK und nexxt-change als zentrale Anlaufstellen
Ertragswertverfahren: Zukünftige Erträge werden abgezinst – gängigste Methode für Arztpraxen und KMU.
Für gewerbliche Unternehmen außerhalb der freien Berufe sind die Industrie- und Handelskammern (IHK) die erste Anlaufstelle. Sie betreiben kostenlose Nachfolgebörsen, über die sowohl Übergeber als auch potenzielle Übernehmer Inserate schalten können – regional nach IHK-Bezirk filterbar. Darüber hinaus bieten die IHKen persönliche Beratungsgespräche, Leitfäden und Seminare zur Unternehmensnachfolge an. Dieser Service ist für Mitgliedsbetriebe kostenfrei und wird durch die Beiträge der Unternehmen finanziert.
nexxt-change ist die bundesweite Unternehmensnachfolge-Plattform des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK). Die Plattform ist kostenlos, funktioniert anonymisiert und deckt alle Branchen ab. Verkäufer können ein Inserat aufgeben, ohne sofort ihren Namen preiszugeben – ein wichtiger Aspekt, weil eine frühzeitig öffentlich bekannte Verkaufsabsicht Mitarbeiter verunsichern und Wettbewerber informieren kann. Kaufinteressenten können gezielt nach Region, Branche und Unternehmensgröße filtern.
Für Handwerksbetriebe sind die Handwerkskammern (HWK) die relevante Institution. Sie führen eigene Nachfolgebörsen und kennen die spezifischen Anforderungen: Bei zulassungspflichtigen Handwerken muss der Übernehmer den Meistertitel besitzen oder einen Meister als fachliche Leitung einstellen – eine Hürde, die den Käufermarkt einschränkt und Kaufpreise beeinflusst. Steuerberatungskanzleien haben wiederum ihre eigenen Besonderheiten, da die Berufsordnung persönliche Zulassungen vorschreibt.
Ab einer gewissen Unternehmensgröße und Komplexität empfiehlt sich die Hinzuziehung eines M&A-Beraters (Mergers & Acquisitions). Diese Spezialisten übernehmen die Käufersuche, strukturieren den Prozess und bereiten Unterlagen wie das Informationsmemorandum vor. Ihre Honorare sind in der Regel erfolgsabhängig und steuerlich als Betriebsausgaben absetzbar. Für kleinere Betriebe ist ein erfahrener Steuerberater oft die wirtschaftlichere Alternative.
AUF EINEN BLICK
- Substanzwertverfahren: Wert der Sachwerte (Inventar, Geräte) abzüglich Schulden – oft als Untergrenze genutzt.
- Goodwill / immaterieller Wert: Patientenstamm, Mitarbeiterkontinuität, Lage, Marke – schwer zu beziffern, aber kaufpreisrelevant.
- Faustformel (IHK-Empfehlung): Bewertungsmultiplikatoren variieren stark nach Branche – immer gutachterliche Einschätzung einholen, keine pauschalen Richtwerte übernehmen.
- Steuerliche Aspekte: Unterschied zwischen Asset Deal und Share Deal hat erhebliche steuerliche Folgen – Steuerberater obligatorisch.
Bewertung und Kaufpreis: Methoden und ihre Grenzen
Notarpflicht: Zwingend bei GmbH-Anteilsübertragung (§ 15 GmbHG) und Grundstücksübertragungen (§ 311b BGB).
Die häufigste Methode zur Bewertung von Arztpraxen und kleinen bis mittleren Unternehmen ist das Ertragswertverfahren. Dabei werden die prognostizierten zukünftigen Gewinne mit einem Zinssatz abgezinst, um einen Barwert zu ermitteln. Das Verfahren spiegelt wider, was ein Käufer aus wirtschaftlicher Sicht zu zahlen bereit sein sollte, wenn er den gleichen Betrag alternativ verzinslich anlegen könnte. Die Schwierigkeit liegt in den Annahmen: Wie sicher sind die zukünftigen Erträge? Wie stark hängen sie von der Person des bisherigen Inhabers ab?
Das Substanzwertverfahren addiert den Zeitwert aller materiellen Vermögensgegenstände – Inventar, Geräte, Fahrzeuge, Vorräte – und zieht die Schulden ab. Es liefert eine Art Bodenwert und wird oft als Untergrenze des Kaufpreises betrachtet. Allein reicht es selten aus, weil es immaterielle Werte ignoriert.
Genau diese immateriellen Werte, zusammengefasst als Goodwill, machen bei Praxen und Dienstleistungsunternehmen oft den größten Teil des Kaufpreises aus. Der Patientenstamm einer gut eingeführten Hausarztpraxis, der Ruf einer Steuerkanzlei oder die langjährigen Lieferantenbeziehungen eines Handwerksbetriebs sind real, aber schwer zu beziffern. Ein Patientenstamm hat nur dann Wert, wenn die Patienten auch zum Nachfolger kommen – weshalb Übergabephasen mit paralleler Tätigkeit des bisherigen Inhabers üblich sind.
Branchenübliche Multiplikatoren (z. B. ein Vielfaches des EBITDA) variieren stark nach Sektor, Region und Marktsituation. Die IHK weist ausdrücklich darauf hin, pauschale Faustformeln kritisch zu hinterfragen und stets ein individuelles Gutachten einzuholen. Wer als Käufer unrealistische Preisvorstellungen des Verkäufers akzeptiert, finanziert im schlimmsten Fall eine Übernahme, die sich niemals amortisiert.
AUF EINEN BLICK
- Letter of Intent (LoI): Unverbindliche Absichtserklärung vor dem eigentlichen Kaufvertrag – strukturiert die Verhandlung.
- Wettbewerbsverbote: Verkäufer verpflichtet sich oft, keine konkurrierende Praxis/kein Unternehmen in der Region zu eröffnen – zeitliche und räumliche Begrenzung muss AGB-konform sein.
- Mitarbeiterübergang: Bei Betriebsübergang gilt § 613a BGB – Arbeitnehmer haben Widerspruchsrecht, Tarifverträge bleiben zunächst bestehen.
- Haftungsrisiken: Übernahme bestehender Verbindlichkeiten bei Asset Deal vs. Share Deal – immer anwaltliche Prüfung.
Rechtliche Grundlagen: Verträge, Notar und Übergabeprozess
KfW-ERP-Gründerkredit: Günstige Zinsen für Übernahmen; Antrag über Hausbank – aktuelle Konditionen auf kfw.de prüfen.
Die Notarpflicht ist kein bürokratisches Detail, sondern ein zwingendes gesetzliches Erfordernis. Bei der Übertragung von GmbH-Anteilen verlangt § 15 GmbHG die notarielle Beurkundung des Kauf- oder Übertragungsvertrags – ohne Notar ist der Vertrag schlicht nichtig. Gleiches gilt für Grundstücksübertragungen nach § 311b BGB. Wer eine Praxis kauft, die in eigenen Räumen betrieben wird, kann also doppelt von der Notarpflicht betroffen sein.
Vor dem eigentlichen Kaufvertrag steht häufig ein Letter of Intent (LoI). Dieses Absichtsdokument ist in der Regel rechtlich unverbindlich, strukturiert aber die Verhandlung: Es legt fest, zu welchem ungefähren Preis, unter welchen grundlegenden Bedingungen und bis wann die Parteien einen Vertrag anstreben. Ein LoI schafft Verbindlichkeit im moralischen Sinne und verhindert, dass parallele Verhandlungen mit anderen Interessenten die Hauptverhandlung torpedieren.
Wettbewerbsverbote sind ein Standardbestandteil von Unternehmenskaufverträgen. Der Verkäufer verpflichtet sich, in einem definierten geographischen Umfeld und für einen bestimmten Zeitraum keine konkurrierende Tätigkeit aufzunehmen. Diese Klauseln müssen jedoch angemessen sein – zu weitreichende Verbote können nach AGB-Recht unwirksam sein oder kartellrechtliche Fragen aufwerfen.
Besonders wichtig für Übernehmer ist § 613a BGB, der den Betriebsübergang regelt. Beim Kauf eines Unternehmens als Betrieb (Asset Deal) treten alle Arbeitnehmer automatisch mit ihren bisherigen Rechten in das neue Arbeitsverhältnis über – Kündigungen wegen des Betriebsübergangs sind unzulässig. Mitarbeiter haben jedoch ein Widerspruchsrecht; widersprechen sie, verbleiben sie beim Verkäufer. Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen gelten zunächst weiter. Dies macht sorgfältige Personalplanung zu einem unverzichtbaren Teil der Due Diligence.
AUF EINEN BLICK
- Bürgschaftsbanken der Länder: Übernehmen Ausfallbürgschaft wenn Eigenkapital fehlt – Antrag parallel zur Hausbank.
- Eigenkapitalanforderungen: Banken erwarten typischerweise einen Eigenkapitalanteil – konkrete Quoten variieren je Bank und Bonität.
- Förderprogramme für Ärzte: KfW-Programm 'Investitionskredit Kommunale & Soziale Unternehmen', Sonderprogramme der Länder – KBV und KV informieren.
- Tragfähigkeitsanalyse: Businessplan mit realistischer Umsatz- und Kostenprognose ist Voraussetzung für jede Bankfinanzierung – IHK bietet kostenlose Beratung.
Finanzierung der Praxis- oder Unternehmensübernahme als Berufseinsteiger
Fehler 1 – Zu späte Planung: Experten empfehlen, die Nachfolgesuche mehrere Jahre vor dem gewünschten Übergabetermin zu starten.
Der KfW-ERP-Gründerkredit ist das bekannteste Förderdarlehen für Praxis- und Unternehmensübernahmen. Er wird über die Hausbank beantragt, die das Kreditrisiko teilweise trägt. Die Konditionen – Zinssatz, Laufzeit, Tilgungsfreijahre – ändern sich regelmäßig und sollten direkt auf kfw.de geprüft werden. Wichtig: Der Antrag muss vor Beginn des Vorhabens gestellt werden; nachträgliche Förderungen sind ausgeschlossen.
Wenn das Eigenkapital nicht ausreicht, kommen die Bürgschaftsbanken der Länder ins Spiel. Sie übernehmen eine Ausfallbürgschaft gegenüber der Hausbank, was die Kreditvergabe auch dann ermöglicht, wenn die Besicherung aus eigenen Mitteln zu schwach wäre. Der Antrag wird in der Regel parallel zum Bankgespräch gestellt. Die Bürgschaftsquoten und Höchstbeträge variieren je nach Bundesland.
Banken erwarten für Praxis- und Unternehmensübernahmen in der Regel einen substanziellen Eigenkapitalanteil. Wie hoch dieser sein muss, hängt von der Bonität des Käufers, der Qualität des Übernahmeobjekts und der finanzierenden Bank ab. Als Berufseinsteiger ohne langes Kredithistorium ist der Aufbau von Eigenkapital – etwa durch diszipliniertes Sparen oder die Nutzung des Sparerpauschbetrags von 1.000 € (Ledige) bzw. 2.000 € (Zusammenveranlagte) bei Kapitalanlagen – ein direkter Beitrag zur späteren Finanzierungsfähigkeit.
Für angehende Ärzte gibt es zusätzliche Sonderprogramme: Neben KfW-Programmen existieren Länderprogramme zur Sicherung der Landärzteversorgung, die zinsgünstige Darlehen oder sogar Zuschüsse für Praxisübernahmen in unterversorgten Gebieten bieten. Die Kassenärztlichen Vereinigungen und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) informieren über aktuelle Angebote.
AUF EINEN BLICK
- Fehler 2 – Unrealistische Preisvorstellungen: Emotionaler Wert des Aufbauers ≠ Marktwert – professionelles Gutachten schützt beide Seiten.
- Fehler 3 – Keine strukturierte Due Diligence: Versteckte Schulden, Altlasten oder laufende Rechtsstreitigkeiten können nach Übernahme teuer werden.
- Fehler 4 – Vernachlässigung der weichen Faktoren: Mitarbeiter, Unternehmenskultur, Lieferantenbeziehungen sind genauso wichtig wie Zahlen.
- Fehler 5 – Fehlende Einarbeitungsphase: Eine Übergangszeit, in der Übergeber und Übernehmer parallel arbeiten, sichert Wissenstransfer und Patientenbindung.
Typische Fehler beim Nachfolger finden – und wie du sie vermeidest
Nutze den StudySmarter Finanz-Score-Rechner, um deinen aktuellen finanziellen Startpunkt für eine Übernahme einzuschätzen.
Der häufigste und folgenreichste Fehler ist zu späte Planung. Experten aus dem Beratungsumfeld der IHKen empfehlen, die Nachfolgeplanung spätestens fünf bis sieben Jahre vor dem gewünschten Übergabetermin zu beginnen. Das klingt nach viel Vorlauf, ist aber realistisch: Praxisbewertung, Käufersuche, Due Diligence, Vertragsverhandlung und Übergabephase können selbst im günstigen Fall zwei bis drei Jahre in Anspruch nehmen – und scheiternde Verhandlungen zwingen zurück auf Anfang.
Ein zweiter klassischer Fehler sind unrealistische Preisvorstellungen auf Verkäuferseite. Wer Jahrzehnte in eine Praxis oder ein Unternehmen investiert hat, verbindet damit einen emotionalen Wert, der sich im Kaufpreis nicht widerspiegeln kann. Ein professionelles Gutachten schützt beide Seiten: den Verkäufer vor Dumpingpreisen, den Käufer vor Überzahlungen, die die Rentabilität dauerhaft gefährden.
Fehlende oder oberflächliche Due Diligence ist ein Fehler, der teuer wird. Versteckte Schulden, laufende Arbeitsgerichtsverfahren, Altlasten aus früheren Steuerbescheiden oder nicht genehmigte Umbauten in gemieteten Räumen können nach der Übernahme plötzlich auf den neuen Inhaber durchschlagen. Ein erfahrener Steuerberater und Rechtsanwalt lohnen sich als Begleitung – ihre Kosten sind marginal im Vergleich zu potenziellen Haftungsrisiken.
Schließlich werden weiche Faktoren systematisch unterschätzt. Die besten Zahlen nützen nichts, wenn das Schlüsselpersonal nach der Übernahme kündigt, die Unternehmenskultur nicht zur neuen Führung passt oder langjährige Lieferantenbeziehungen durch einen unsensiblen Übergangsprozess zerbrechen. Mitarbeiterinformation, transparente Kommunikation und eine angemessene Übergabephase mit dem bisherigen Inhaber sind keine weichen Extras, sondern harte Erfolgsfaktoren.
AUF EINEN BLICK
- Prüfe, ob dein Versicherungsschutz (Berufsunfähigkeit, Berufshaftpflicht) für Selbstständige ausreicht – als Übernehmer einer Praxis ändern sich deine Risikoprofile grundlegend.
- Vernetze dich über IHK-Gründernetzwerke, KV-Nachwuchsprogramme und regionale Unternehmernetzwerke mit erfahrenen Übergebern.
- Erstelle einen persönlichen Zeithorizont: Wann willst du übernehmen? Welches Eigenkapital brauchst du bis dahin aufgebaut haben?
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Häufige Fragen
Die Dauer, einen Nachfolger für eine Arztpraxis zu finden, hängt stark von der Fachrichtung, der Region und dem Zustand der Praxis ab. In der Regel sollten Sie mit einem Zeitraum von ein bis drei Jahren rechnen, wobei eine frühzeitige Planung die Chancen auf einen passenden Nachfolger deutlich erhöht. Eine strukturierte Suche über mehrere Kanäle kann den Prozess beschleunigen.
Beim Verkauf eines Unternehmens ist ein Notar nicht in jedem Fall zwingend vorgeschrieben, aber bei der Übertragung von Gesellschaftsanteilen an einer GmbH oder bei Grundstücksgeschäften ist die notarielle Beurkundung gesetzlich erforderlich. Bei einem reinen Verkauf von beweglichem Anlagevermögen und Warenbestand (Asset Deal) ohne Immobilien können Sie auf einen Notar verzichten, sollten aber rechtliche Beratung in Anspruch nehmen. Für die wirksame Übertragung von Praxisverträgen und Patientenstamm ist ein Notar nicht notwendig.
Beim Asset Deal erwerben Sie einzelne Wirtschaftsgüter wie Geräte, Möbel, Warenvorräte und gegebenenfalls den Praxisnamen, während Sie beim Share Deal die Anteile an der Gesellschaft kaufen, der die Praxis gehört. Der Asset Deal ermöglicht es Ihnen, nur ausgewählte Vermögensgegenstände zu übernehmen und Altlasten zu vermeiden, während der Share Deal den Erwerb des gesamten Unternehmens inklusive aller Rechte und Pflichten bedeutet. Für Arztpraxen ist der Asset Deal üblich, da er eine saubere Trennung von Altverbindlichkeiten ermöglicht.
Für die Nachfolgersuche in kleinen Unternehmen gibt es spezialisierte Online-Plattformen wie beispielsweise Nachfolgebörsen der Industrie- und Handelskammern sowie regionale Gründerzentren. Auch allgemeine Jobportale und Branchenverbände bieten oft eigene Rubriken für Unternehmensnachfolgen an. Zusätzlich können Sie sich an spezialisierte Makler oder Steuerberater wenden, die über ein Netzwerk potenzieller Interessenten verfügen.
Der Wert einer Arztpraxis wird in der Regel auf Basis des Ertragswertverfahrens ermittelt, wobei der nachhaltig erzielbare Gewinn der letzten Jahre im Mittelpunkt steht. Zusätzlich fließen der Patientenstamm, die Ausstattung, die Lage und die Altersstruktur der Patienten in die Bewertung ein. Eine genaue Berechnung erfolgt meist durch einen Steuerberater oder einen spezialisierten Gutachter, wobei branchenübliche Multiplikatoren als Orientierung dienen.
Ja, auch als Berufseinsteiger oder Quereinsteiger können Sie grundsätzlich eine Praxis oder ein Unternehmen übernehmen, sofern Sie die fachlichen und rechtlichen Voraussetzungen erfüllen. Für eine Arztpraxis benötigen Sie die Approbation und gegebenenfalls eine Weiterbildung zum Facharzt, während für andere Unternehmen keine spezielle Qualifikation vorgeschrieben ist. Wichtig ist, dass Sie sich über die Finanzierung und die unternehmerischen Risiken im Klaren sind und sich frühzeitig von Fachleuten beraten lassen.
Bei einer Unternehmens- oder Praxisübergabe gehen die Arbeitsverhältnisse der Mitarbeiter in der Regel automatisch auf den Übernehmer über, sofern dieser den Betrieb oder einen Betriebsteil erwirbt. Dies ist gesetzlich im Bürgerlichen Gesetzbuch geregelt und bedeutet, dass Sie als neuer Inhaber alle Rechte und Pflichten aus den bestehenden Arbeitsverträgen übernehmen. Sie können die Mitarbeiter nicht einfach entlassen, müssen aber auch keine neuen Verträge abschließen.
Als Übernehmer einer Arztpraxis benötigen Sie in erster Linie eine Berufshaftpflichtversicherung, die Behandlungsfehler abdeckt, sowie eine Betriebshaftpflichtversicherung für allgemeine Schäden. Zusätzlich sind eine Rechtsschutzversicherung und eine Inventarversicherung für medizinische Geräte empfehlenswert. Auch eine Krankentagegeldversicherung kann sinnvoll sein, um Einkommensverluste bei längerer Krankheit abzufedern.
Quellen & Stand 09.07.2026
- Bundesfinanzministerium, Rahmen
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