Ratgeber · Versicherung
Riester-Rente wechseln: So überträgst du dein Guthaben richtig
Ein Wechsel deiner Riester-Rente kann sich lohnen, wenn du mit einem anderen Tarif bei gleichen Beiträgen mehr Rente erhältst. Wichtig ist, dass du das Vertragsguthaben überträgst statt zu kündigen, damit deine staatlichen Zulagen und Steuervorteile erhalten bleiben.
10 Kapitel · 11 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- Beim Anbieterwechsel überträgst du dein Vertragsguthaben auf den neuen Vertrag und behältst alle Förderungen.
- Eine Kündigung führt zur Rückzahlung aller Zulagen und Steuervorteile und ist fast immer ein Fehler.
- Der Wechsel ist mit einer Frist von drei Monaten zum Quartalsende möglich.
- Ab 2027 kannst du dein Riester-Guthaben auch in ein Altersvorsorgedepot übertragen.
01 · Grundlagen
Was bedeutet ein Wechsel der Riester-Rente?
Beim Wechsel überträgst du dein angespartes Vertragsguthaben von deinem alten Anbieter auf einen neuen Riester-Vertrag. Das unterscheidet den Wechsel grundlegend von einer Kündigung.
Das kann bei einem anderen Anbieter geschehen oder in einen anderen Tarif desselben Anbieters. Anders als bei einer Kündigung behältst du beim Vertragswechsel die bisher gewährte staatliche Förderung.
Der Gesetzgeber schreibt vor, dass dein Anbieter einen Wechsel erlauben muss. Du hast also jederzeit das Recht, dein angespartes Kapital zu einem anderen Anbieter mitzunehmen. Entscheidend ist, dass du dem alten Anbieter ausdrücklich mitteilst, dass er dein Guthaben auf den neuen Vertrag übertragen soll und nicht auszahlt.
Nur die Übertragung des gesamten Vertragsguthabens erhält deine Zulagen und Steuervorteile vollständig.
Kurz erklärt
Anbieter- oder Tarifwechsel
Die Übertragung des gesamten Vertragsguthabens von einem bestehenden Riester-Vertrag auf einen neuen Riester-Vertrag bei einem anderen Anbieter oder in einen anderen Tarif desselben Anbieters.
Anders als bei einer Kündigung behältst du beim Vertragswechsel die bisher gewährte staatliche Förderung.
02 · Vergleich
Riester-Rente wechseln oder kündigen?
Der Unterschied zwischen einem Wechsel und einer Kündigung ist für deine Altersvorsorge entscheidend. Nur der Wechsel erhält deine Ansprüche auf Zulagen und Steuervorteile.
Eine Kündigung gilt als schädliche Verwendung, sämtliche erhaltenen Zulagen und Steuervorteile sind zurückzuzahlen.
Bei einer Kündigung zahlt dir der Anbieter dein Guthaben aus und zieht die auf deinem Riester-Konto liegenden Zulagen ab. Zusätzlich musst du die in Anspruch genommenen Steuervorteile zurückzahlen. Bei 15 Jahren Laufzeit sind das schnell mehrere tausend Euro.
Beim Wechsel wird dein Vertragsguthaben dagegen auf den neuen Vertrag übertragen. Deine staatlichen Zulagen und Steuervorteile bleiben vollständig erhalten. Eine Kündigung ist fast nie sinnvoll, ein Wechsel kann es sein.
| Wechsel | Kündigung | |
|---|---|---|
| Vertragsguthaben | Wird auf den neuen Vertrag übertragen | Wird ausgezahlt |
| Staatliche Zulagen | Bleiben vollständig erhalten | Müssen zurückgezahlt werden |
| Steuervorteile | Bleiben vollständig erhalten | Müssen zurückgezahlt werden |
| Frist | Drei Monate zum Quartalsende | Drei Monate zum Quartalsende |
| Sinnvoll bei | Besserem Tarif oder höherer Rente | Fast nie sinnvoll |
03 · Schritt für Schritt
In 4 Schritten die Riester-Rente wechseln
Ein geplanter Wechsel folgt einem klaren Ablauf. Wenn du die Reihenfolge einhältst, vermeidest du Fehler, die dich die Förderung kosten können.
Informiere dich zuerst bei einer unabhängigen Beratung, zum Beispiel der Verbraucherzentrale. Vergleiche deinen aktuellen Vertrag mit Tarifen anderer Anbieter, ob bei gleicher Einzahlung eine höhere Riester-Rente herauskommt.
- Frage bei deinem jetzigen Anbieter die Kündigungsbedingungen und mögliche Wechselkosten ab.
- Kläre mit dem neuen Anbieter, ob er der Übertragung deines Kapitals zustimmt und welche Abschlusskosten entstehen.
- Schließe den neuen Riester-Vertrag ab und teile dem neuen Anbieter mit, dass du dein Guthaben übertragen möchtest.
- Stelle beim neuen Anbieter einen Zulageantrag, am besten als Dauerzulageantrag.
In den meisten Fällen kümmert sich der neue Anbieter um die Kündigung deines alten Vertrages. Es gibt aber Anbieter, bei denen du selbst kündigen musst. Halte dann eine Frist von drei Monaten zum Quartalsende ein und teile deinem alten Anbieter mit, dass er dein Guthaben auf den neuen Vertrag übertragen soll.
Anbieter und Tarife vergleichen
Informiere dich bei einer unabhängigen Beratung, zum Beispiel der Verbraucherzentrale. Vergleiche deinen aktuellen Vertrag mit Tarifen anderer Anbieter, ob bei gleicher Einzahlung eine höhere Riester-Rente herauskommt.
Kosten prüfen
Frage bei deinem jetzigen Anbieter die Kündigungsbedingungen und mögliche Wechselkosten ab. Kläre mit dem neuen Anbieter, ob er der Übertragung deines Kapitals zustimmt und welche Abschlusskosten entstehen.
Neuen Vertrag abschließen
Schließe den neuen Riester-Vertrag ab und teile dem neuen Anbieter mit, dass du dein Guthaben vom alten Vertrag übertragen möchtest. In den meisten Fällen kümmert sich der neue Anbieter um die Kündigung des alten Vertrags.
Zulageantrag stellen
Stelle beim neuen Anbieter einen Zulageantrag. Mit einem Dauerzulageantrag sicherst du dir die staatliche Zulage auch für die kommenden Jahre, ohne den Antrag jährlich wiederholen zu müssen.
04 · Kosten
Welche Kosten entstehen beim Wechsel?
Ein Wechsel ist nicht kostenlos. Du solltest die möglichen Kosten kennen, bevor du dich entscheidest.
Ein Wechsel ist nicht kostenlos. Du solltest die möglichen Kosten kennen, bevor du dich entscheidest. Die genauen Beträge teilen dir dein alter und dein neuer Anbieter mit.
Bei einem Anbieterwechsel können Wechselkosten beim alten Anbieter anfallen. Diese liegen meist zwischen 50 und 100 Euro, maximal dürfen 150 Euro verlangt werden. Dein neuer Anbieter übernimmt diese Kosten eventuell, wenn du bei ihm deinen neuen Vertrag abschließt.
Zusätzlich entstehen Kosten für den erneuten Vertragsabschluss. Diese zieht dir dein Anbieter mindestens verteilt auf die ersten fünf Jahre von deinem Guthaben ab. Wechselst du vor Ablauf dieser fünf Jahre, kann dein alter Anbieter die verbleibenden Abschlussgebühren abziehen, bevor er das Guthaben überträgt.
Hast du einen fondsgebundenen Riester-Vertrag, achte darauf, nicht während einer ungünstigen Marktphase zu wechseln. Das kann zu Verlusten von Teilen deines Kapitals führen.
Typische Kosten beim Anbieterwechsel
05 · Was gilt
Was gilt beim Wechsel in das Altersvorsorgedepot?
Ab Januar 2027 startet das Altersvorsorgedepot als neuer staatlich geförderter Riester-Nachfolger. Bestehende Riester-Verträge können dann übertragen werden.
Ab dem 1. Januar 2027 werden keine neuen Riester-Verträge mehr abgeschlossen.
Bestehende Verträge haben Bestandsschutz. Alle bereits erhaltenen Zulagen und Steuervorteile bleiben dir, auch wenn du später wechselst. Das neue System fördert stärker: bis zu 540 Euro Grundzulage statt fester 175 Euro, Kosten von 0,1 bis 0,2 Prozent bei selbst gewählten ETFs statt 1,5 bis 2,5 Prozent.
Den größten Unterschied macht nicht die Zulage, sondern die Rendite. Bei einem Bestand von 25.000 Euro und 100 Euro monatlich über 20 Jahre bringt die höhere Förderung rund 4.800 Euro, der Wegfall der Garantie rund 71.900 Euro.
Bleibt erhalten
Entfällt oder ändert sich
06 · Im Vertrag
Beitragsgarantie: Das ändert sich beim Wechsel
Die gesetzliche Beitragsgarantie ist ein zentrales Merkmal klassischer Riester-Verträge. Beim Wechsel in einen neuen Tarif oder das Altersvorsorgedepot gelten andere Regeln.
Bei einem klassischen Riester-Vertrag muss der Anbieter zum Rentenbeginn mindestens die eingezahlten Beiträge inklusive Zulagen garantieren. Diese Garantie greift bei einem Wechsel nicht für den Übertrag. Der Betrag, der auf den neuen Vertrag übertragen wird, gilt beim neuen Anbieter als neues, garantiertes Guthaben.
Im Altersvorsorgedepot entfällt die Beitragsgarantie vollständig. Dadurch ist eine Aktienquote von bis zu 100 Prozent möglich. Die ursprüngliche Beitragsgarantie greift für den Übertrag nicht, der übertragene Betrag gilt als neues garantiertes Guthaben.
Regeln zur Beitragsgarantie beim Wechsel
07 · Fehler vermeiden
Wann sich ein Wechsel nicht lohnt
Nicht jeder Wechsel ist automatisch vorteilhaft. In einigen Fällen solltest du deinen bestehenden Vertrag behalten.
Nicht wechseln sollten vor allem Sparer mit Altverträgen aus den Jahren 2002 bis 2004. Dort steht ein Garantiezins von 3,25 Prozent und oft garantierte Rentenfaktoren im Vertrag. Diese Konditionen werden heute nicht mehr angeboten.
Auch in den ersten Jahren nach Vertragsabschluss ist ein Wechsel oft nachteilig. Durch die Abschlusskosten liegt dein Guthaben häufig unter der Summe der eingezahlten Beiträge. Prüfe bei Altverträgen aus den Jahren 2002 bis 2004 immer zuerst den Garantiezins von 3,25 Prozent, bevor du wechselst.
Situationen, in denen du besser nicht wechselst
08 · Vergleich
Alternativen zum Wechsel: Beitragsfreistellung und Ruhenlassen
Ein Wechsel ist nicht der einzige Weg, wenn du mit deinem Vertrag unzufrieden bist. Du kannst den Vertrag auch beitragsfrei stellen oder ruhen lassen.
Bei einer Beitragsfreistellung bleibt dein Vertragsguthaben im alten Vertrag. Du zahlst keine weiteren Beiträge ein, erhältst aber zu Rentenbeginn eine eigene Rente oder bei Kleinstbeträgen eine einmalige Abfindung. Deine Zulagen bleiben erhalten.
Manchmal kann es vorteilhafter sein, den alten Vertrag beitragsfrei zu stellen und nur die künftigen Sparbeiträge auf einen neuen Vertrag einzuzahlen. Bei hohen Abschlusskosten im alten Vertrag ist die Beitragsfreistellung oft besser als ein Wechsel.
| Wechsel | Beitragsfreistellung | |
|---|---|---|
| Vertragsguthaben | Wird auf neuen Vertrag übertragen | Bleibt im alten Vertrag |
| Künftige Beiträge | Laufen in den neuen Vertrag | Werden gestoppt oder in neuen Vertrag eingezahlt |
| Zulagen | Bleiben erhalten | Bleiben erhalten |
| Sinnvoll bei | Besserem Tarif oder höherer Rente | Hohen Abschlusskosten im alten Vertrag |
09 · Hintergrund
Wohn-Riester: Wechsel in einen Bausparvertrag
Du kannst deine Riester-Rente auch in einen Wohn-Riester-Bausparvertrag wechseln. Für die Finanzierung einer Immobilie ist ein Wechsel aber nicht zwingend nötig.
Ein Wechsel in einen Wohn-Riester-Bausparvertrag ist möglich, wenn du Wohneigentum finanzieren möchtest. Du kannst dein angespartes Riester-Guthaben in den Bausparvertrag übertragen und für den Kauf oder Bau deines Eigenheims nutzen.
Alternativ kannst du auch aus deinem regulären Riester-Vertrag Geld für die Immobilienfinanzierung entnehmen, ohne den Vertrag zu wechseln. Dein Anbieter berät dich zu den Voraussetzungen und Folgen einer Entnahme. Auch beim Wechsel in einen Wohn-Riester-Vertrag gelten die Regeln für die Übertragung, deine Zulagen und Steuervorteile bleiben erhalten.
Ein Wechsel in einen Wohn-Riester-Bausparvertrag ist möglich, wenn du Wohneigentum finanzieren möchtest. Du kannst dein angespartes Riester-Guthaben in den Bausparvertrag übertragen und für den Kauf oder Bau deines Eigenheims nutzen.
Alternativ kannst du auch aus deinem regulären Riester-Vertrag Geld für die Immobilienfinanzierung entnehmen, ohne den Vertrag zu wechseln. Dein Anbieter berät dich zu den Voraussetzungen und Folgen einer Entnahme.
Beachte, dass auch beim Wechsel in einen Wohn-Riester-Vertrag die Regeln für die Übertragung gelten. Deine Zulagen und Steuervorteile bleiben erhalten, solange du das Guthaben überträgst und nicht kündigst.
10 · Checkliste
Checkliste: Das solltest du vor dem Wechsel prüfen
Mit dieser Prüfung stellst du sicher, dass du alle wichtigen Punkte vor deiner Entscheidung bedacht hast.
Gehe die Punkte in Ruhe durch, bevor du einen neuen Vertrag abschließt.
- Erfrage die Höhe der Wechselkosten bei deinem alten Anbieter.
- Kläre die Abschlusskosten des neuen Vertrags.
- Prüfe, ob der neue Anbieter die Wechselkosten übernimmt.
- Vergleiche, ob bei gleicher Einzahlung eine höhere Rente herauskommt.
- Prüfe Garantiezins und Rentenfaktoren deines Altvertrags.
- Kläre, ob der neue Anbieter die Kündigung des alten Vertrags übernimmt.
- Stelle einen Dauerzulageantrag beim neuen Anbieter.
Wenn du alle Punkte geprüft hast, kannst du eine fundierte Entscheidung treffen. Der wichtigste Prüfpunkt ist der Vergleich, ob bei gleicher Einzahlung tatsächlich eine höhere Rente herauskommt.
Prüfpunkte vor dem Wechsel der Riester-Rente
Höhe der Wechselkosten beim alten Anbieter erfragen
Abschlusskosten des neuen Vertrags klären
Prüfen, ob der neue Anbieter die Wechselkosten übernimmt
Vergleichen, ob bei gleicher Einzahlung eine höhere Rente herauskommt
Garantiezins und Rentenfaktoren des Altvertrags prüfen
Klärung, ob der neue Anbieter die Kündigung des alten Vertrags übernimmt
Dauerzulageantrag beim neuen Anbieter stellen
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