Ratgeber · Versicherung
Pflegezusatzversicherung: Diese Leistungen solltest du kennen
Eine Pflegezusatzversicherung deckt die Lücke zwischen den Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung und den tatsächlichen Pflegekosten. Welche Leistungen die verschiedenen Tarife bieten und worauf du achten solltest, erfährst du hier.
11 Kapitel · 13 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- Die gesetzliche Pflegeversicherung übernimmt nur einen Teil der Pflegekosten, die Versorgungslücke liegt je nach Pflegegrad und Pflegeform zwischen 150 und 2.600 Euro monatlich.
- Pflegetagegeldversicherungen zahlen im Pflegefall einen festen Tagessatz, Pflegekostenversicherungen erstatten tatsächlich entstandene Kosten.
- Die staatlich geförderte Pflege-Bahr-Versicherung kommt ohne Gesundheitsprüfung aus, hat aber bis zu fünf Jahre Wartezeit.
- Vorerkrankungen solltest du beim Antrag immer wahrheitsgemäß angeben, sonst riskierst du Leistungskürzungen oder den Verlust des Versicherungsschutzes.
01 · Grundlagen
Was ist eine Pflegezusatzversicherung?
Die private Pflegezusatzversicherung ergänzt die gesetzliche Pflegepflichtversicherung und zahlt zusätzliche Leistungen, wenn du pflegebedürftig wirst. Sie ist an die Pflegegrade der gesetzlichen Pflegeversicherung gekoppelt.
Eine Pflegezusatzversicherung ist eine private Zusatzversicherung, die auf dem Basisschutz der gesetzlichen Pflegeversicherung oder der privaten Pflegepflichtversicherung aufbaut. Im Pflegefall werden die Leistungen beider Versicherungen kombiniert und ergeben zusammen eine bessere finanzielle Absicherung gegen Pflegekosten.
Die Versicherung ist in der Regel an die Pflegegrade der gesetzlichen Pflegeversicherung gekoppelt. Das bedeutet, sie zahlt nur dann, wenn du einen Pflegegrad bekommen hast. Oft hängt auch die Höhe der Leistung davon ab, welcher Pflegegrad festgestellt wurde.
Es gibt drei verschiedene Produktarten: die Pflegetagegeldversicherung, die Pflegerentenversicherung und die Pflegekostenversicherung. Sie unterscheiden sich grundlegend darin, wie sie im Pflegefall leisten und wie hoch die Beiträge ausfallen.
Kurz erklärt
Pflegezusatzversicherung
Eine private Zusatzversicherung, die auf dem Basisschutz der gesetzlichen Pflegeversicherung oder der privaten Pflegepflichtversicherung aufbaut und im Pflegefall zusätzliche finanzielle Leistungen erbringt.
Die Leistungshöhe hängt in der Regel vom festgestellten Pflegegrad ab. Je höher der Pflegegrad, desto höher fällt die Leistung aus.
02 · Kosten
Welche Leistungen bietet die gesetzliche Pflegeversicherung?
Die gesetzliche Pflegeversicherung zahlt je nach Pflegegrad und Pflegeform festgelegte monatliche Beträge. Diese decken die tatsächlichen Pflegekosten oft nur teilweise ab.
Bei professioneller Pflege zu Hause erhältst du in Pflegegrad 2 monatlich 796 Euro, in Pflegegrad 3 bereits 1.497 Euro und in Pflegegrad 5 bis zu 2.299 Euro.
Im Pflegeheim fallen die Leistungen anders aus: Dort zahlt die Kasse in Pflegegrad 2 monatlich 805 Euro, in Pflegegrad 3 dann 1.319 Euro und in Pflegegrad 5 insgesamt 2.096 Euro. Zusätzlich steht dir in allen Pflegegraden ein Entlastungsbetrag von maximal 131 Euro monatlich für Angebote zur Unterstützung im Alltag zu.
Wichtig ist: Diese Beträge decken die tatsächlichen Pflegekosten meist nur teilweise ab. Den Rest musst du aus eigener Tasche zahlen, wenn keine zusätzliche private Absicherung besteht.
Monatliche Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung
03 · Kosten
Wie hoch ist die Versorgungslücke bei Pflegebedürftigkeit?
Die Differenz zwischen den gesetzlichen Leistungen und den tatsächlichen Pflegekosten musst du selbst tragen. Diese Versorgungslücke kann je nach Pflegesituation erheblich sein.
Bei professioneller Pflege zu Hause steigt der Eigenanteil mit dem Pflegegrad deutlich an. In Pflegegrad 1 zahlst du durchschnittlich 150 Euro monatlich selbst, in Pflegegrad 3 bereits 1.300 Euro und in den Pflegegraden 4 und 5 jeweils 2.600 Euro.
Im Pflegeheim gibt es zwischen den Pflegegraden 2 bis 5 keinen Unterschied beim Eigenanteil, da Heime einen einheitlichen Betrag für jeden Bewohner berechnen. Dort liegt der Eigenanteil bei durchschnittlich 1.500 Euro monatlich, ohne Kosten für Wohnen und Verpflegung.
Durchschnittliche monatliche Versorgungslücke
04 · Vergleich
Pflegetagegeldversicherung oder Pflegekostenversicherung?
Die beiden häufigsten Formen der Pflegezusatzversicherung unterscheiden sich grundlegend in der Art der Leistung. Ein Vergleich hilft dir bei der Entscheidung.
Die Pflegetagegeldversicherung ist die am häufigsten gewählte Form. Sie zahlt im Pflegefall ein festgelegtes Tagegeld als monatliche Zahlung, üblich sind Tagessätze zwischen 10 und 100 Euro. Über das Geld verfügst du frei und kannst damit anfallende Pflegekosten flexibel finanzieren.
Die Pflegekostenversicherung erstattet dagegen nur die tatsächlich entstehenden Kosten, die du selbst tragen musst. Du musst Rechnungen vorlegen können, um Versicherungsleistungen zu erhalten. Die Leistung ist damit auf die realen Kosten begrenzt, während das Tagegeld diese auch übersteigen kann.
Für die meisten Menschen ist die Pflegetagegeldversicherung die flexiblere Lösung, weil kein Verwendungsnachweis nötig ist. Die Beiträge sind zudem im Vergleich eher günstig. Die Pflegekostenversicherung eignet sich eher, wenn du eine exakte Kostenerstattung ohne Überschüsse bevorzugst.
| Pflegetagegeldversicherung | Pflegekostenversicherung | |
|---|---|---|
| Leistungsart | Fester Tagessatz, frei verfügbar | Erstattung tatsächlicher Kosten gegen Nachweis |
| Verwendungsnachweis | Nicht erforderlich | Rechnungen müssen vorgelegt werden |
| Leistungshöhe | Kann Kosten übersteigen | Begrenzt auf tatsächliche Kosten |
| Flexibilität | Freie Verwendung der Leistung | Zweckgebunden für Pflegeleistungen |
| Beitragsniveau | Eher günstig | Eher höher |
05 · Was gilt
Was leistet die Pflegezusatzversicherung bei ambulanter Pflege?
Der Großteil der Pflegebedürftigen wird zu Hause versorgt. Achte deshalb besonders auf ausreichende Leistungen für die ambulante Pflege in den Pflegegraden 1 bis 3.
86 Prozent der pflegebedürftigen Menschen werden zu Hause versorgt. Davon werden rund 63 Prozent überwiegend allein durch Angehörige oder Laien gepflegt, ohne dass Kosten für professionelle Pflege anfallen. Deine Versicherung sollte deshalb besonders in den Pflegegraden 1 bis 3 ausreichende Summen für die ambulante Betreuung leisten.
Achte darauf, dass der Tarif bereits ab Pflegegrad 1 leistet und nicht erst in den höheren Pflegegraden. Viele Versicherer zahlen den vollen Tagessatz erst im Pflegegrad 5, einige bereits in Grad 4. In den niedrigeren Pflegegraden wird der Tagessatz nur anteilig gezahlt.
Vorsicht bei Tarifen ohne Leistungsanspruch bei ambulanter Pflege: Das ist nicht zu empfehlen, da der Löwenanteil der Pflege zu Hause stattfindet. Die meisten Menschen sind in den niedrigen Pflegegraden 1 bis 3 eingestuft und bleiben darin die längste Zeit.
Sollte abgedeckt sein
Vorsicht bei diesen Einschränkungen
06 · Im Vertrag
Welche Rolle spielen Gesundheitsprüfung und Vorerkrankungen?
Bei den meisten Pflegezusatzversicherungen entscheidet dein Gesundheitszustand über Annahme, Beitragshöhe und mögliche Risikozuschläge. Die Pflege-Bahr-Versicherung bildet hier eine Ausnahme.
Du musst vor Vertragsabschluss Fragen zu deinem Gesundheitszustand beantworten, und Alter sowie Gesundheitszustand bestimmen die Beitragshöhe.
Wer Vorerkrankungen nicht angibt, riskiert Leistungskürzungen oder den vollständigen Verlust des Versicherungsschutzes. Beantworte deshalb unbedingt alle Fragen des Anbieters wahrheitsgemäß, auch wenn du dadurch höhere Beiträge in Kauf nehmen musst.
Die staatlich geförderte Pflege-Bahr-Versicherung bildet hier eine Ausnahme: Sie darf niemanden wegen Vorerkrankungen ablehnen. Risikozuschläge und Leistungseinschränkungen sind bei diesem Tarif nicht zulässig, das entscheidende Kriterium für die Beitragshöhe ist allein dein Alter.
Gesundheitsprüfung und Vorerkrankungen
07 · Schritt für Schritt
Wie funktioniert die staatlich geförderte Pflege-Bahr-Versicherung?
Die Pflege-Bahr-Versicherung ist eine staatlich geförderte Pflegetagegeldversicherung mit besonderen Regeln. Sie eignet sich besonders für Menschen mit Vorerkrankungen.
Du kannst sie unabhängig von deinem Gesundheitszustand abschließen, der Beitrag richtet sich ausschließlich nach deinem Alter bei Vertragsabschluss.
Der Staat bezuschusst die Versicherung mit 5 Euro pro Monat. Gefördert werden Verträge ab einem Monatsbeitrag von 10 Euro. Allerdings gilt eine Wartezeit von bis zu fünf Jahren vom Vertragsabschluss bis zur Leistungspflicht, außer bei unfallbedingten Pflegefällen.
Beachte: Die staatlich geförderten Verträge haben regelmäßig die schlechteren Vertragsbedingungen. Dafür können die Versicherer hier aber niemanden wegen Vorerkrankungen ablehnen. Bei finanziellen Problemen kannst du den Vertrag vorübergehend ruhen lassen, wenn du Sozialleistungen beziehst.
Abschluss ohne Gesundheitsprüfung
Du kannst die Pflege-Bahr-Versicherung unabhängig von deinem Gesundheitszustand abschließen. Der Beitrag richtet sich ausschließlich nach deinem Alter bei Vertragsabschluss.
Staatlicher Zuschuss
Der Staat bezuschusst die Versicherung mit 5 Euro pro Monat. Gefördert werden Verträge ab einem Monatsbeitrag von 10 Euro.
Wartezeit beachten
Bis zu fünf Jahre Wartezeit gelten vom Vertragsabschluss bis zur Leistungspflicht. Ausnahme: Bei unfallbedingten Pflegefällen greift die Leistung sofort.
Leistung im Pflegefall
Im Pflegefall erhältst du ein vereinbartes Pflegetagegeld. Die Mindestleistungen sind gesetzlich vorgegeben, die tatsächliche Höhe hängt von deinem Beitrag ab.
08 · Was gilt
Was gilt bei stationärer Pflege im Pflegeheim?
Im Pflegeheim zahlen alle Bewohner unabhängig vom Pflegegrad einen einheitlichen Eigenanteil. Deine Pflegezusatzversicherung sollte deshalb ab Pflegegrad 2 einen gleich hohen Betrag leisten.
Der Eigenanteil im Heim liegt derzeit bei durchschnittlich 3.542 Euro ohne Zuschüsse nach Aufenthaltsdauer, mit 3.245 Euro im ersten Jahr. In Pflegegrad 1 ist eine Heimunterbringung angesichts des relativ geringen Pflegebedarfs und der hohen Kosten der Ausnahmefall.
Hilfreich kann es sein, bei in Frage kommenden Pflegeheimen anzufragen, wie hoch die Kosten dort derzeit ausfallen. Beachte, dass diese Kosten in den kommenden Jahren steigen können. Eine Dynamisierung in deinem Vertrag hilft, die Inflation auszugleichen.
Empfehlenswert
Nicht empfehlenswert
09 · Im Vertrag
Welche Wartezeiten gelten bei Pflegezusatzversicherungen?
Zwischen Vertragsabschluss und dem Beginn der Leistungspflicht liegen bei vielen Tarifen Wartezeiten. Diese unterscheiden sich je nach Anbieter und Tarif.
Bei der staatlich geförderten Pflege-Bahr-Versicherung gilt eine Wartezeit von bis zu fünf Jahren, unfallbedingte Pflegefälle sind davon ausgenommen.
Die Wartezeiten privater Tarife variieren je nach Anbieter und Tarif. Üblich sind Wartezeiten von einigen Monaten bis zu mehreren Jahren. Viele Tarife sehen für unfallbedingte Pflegefälle keine oder eine deutlich verkürzte Wartezeit vor.
Tritt ein Pflegefall während der Wartezeit ein, besteht kein Leistungsanspruch. Deshalb ist es wichtig, die Wartezeit bei der Tarifwahl zu berücksichtigen und den Vertrag möglichst früh abzuschließen, wenn du dich für eine Absicherung entscheidest.
Wartezeiten und Fristen
10 · Checkliste
Lohnt sich eine Pflegezusatzversicherung?
Ob sich eine Pflegezusatzversicherung für dich lohnt, hängt von deiner finanziellen Situation, deinem Alter und deiner Lebensplanung ab. Für jüngere Menschen bis etwa 50 Jahre ist sie meist noch nicht empfehlenswert.
Entscheidend ist, wie hoch deine erwartete Rente und dein vorhandenes Vermögen im Alter sind. Auch die Möglichkeit der Unterstützung durch Angehörige spielt eine große Rolle, ebenso wie deine bevorzugte Pflegeform ambulant oder stationär.
Bedenke, dass du die Beiträge für eine lebenslange Versicherung zahlen musst und diese zukünftig steigen werden. Überlege auch, ob du Vermögen an Kinder vererben möchtest oder ob eine Immobilie im Pflegefall vermietet werden kann, um Kosten zu decken.
Entscheidungskriterien für den Abschluss
Erwartete Rente und vorhandenes Vermögen im Alter
Möglichkeit der Unterstützung durch Angehörige
Bevorzugte Pflegeform: ambulant oder stationär
Regionale Pflegekosten an deinem Wohnort
Wunsch, Vermögen an Kinder zu vererben
Bereitschaft, lebenslang Beiträge zu zahlen
Alter und Gesundheitszustand bei Vertragsabschluss
Möglichkeit, Beiträge auch im Alter zu tragen
11 · Fehler vermeiden
Typische Fehler bei der Pflegezusatzversicherung
Einige Fehler können dazu führen, dass du im Pflegefall weniger Leistungen erhältst als erwartet oder den Vertrag verlierst. Diese Punkte solltest du vermeiden.
Der häufigste Fehler ist das Verschweigen von Vorerkrankungen, was zu Leistungskürzungen oder dem vollständigen Verlust des Versicherungsschutzes führen kann.
Ein weiterer Fehler ist die Wahl eines Tarifs ohne Leistung bei ambulanter Pflege. Da der Großteil der Pflege zu Hause stattfindet, solltest du auf ausreichende ambulante Leistungen achten. Auch zu niedrige Tagessätze sind riskant, da die Versorgungslücke im Heim bei durchschnittlich 3.542 Euro monatlich liegt.
Kalkuliere langfristig, ob du die Beiträge auch im Alter tragen kannst. Bei hohen Prämien besteht das Risiko des Vertragsverlusts, wenn du zeitweise nicht zahlen kannst. Eine Dynamisierung zum Inflationsausgleich ist besonders bei jungen Versicherten sinnvoll.
Häufige Fehler und wie du sie vermeidest
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