Ratgeber · Versicherung
Pflegeversicherung Selbstbeteiligung: Was du im Pflegeheim selbst zahlst
Die gesetzliche Pflegeversicherung deckt nur einen Teil der Kosten im Pflegeheim. Deine Selbstbeteiligung setzt sich aus mehreren Bausteinen zusammen und steigt mit der Dauer des Heimaufenthalts.
11 Kapitel · 11 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- Der Eigenanteil im Pflegeheim liegt 2026 im Bundesdurchschnitt bei rund 3.200 Euro im ersten Jahr.
- Die Selbstbeteiligung ist seit der Pflegereform 2017 für alle Pflegegrade einer Einrichtung gleich hoch.
- Leistungszuschläge der Pflegekasse senken deinen pflegebedingten Eigenanteil mit jedem Jahr im Heim.
- Reichen Einkommen und Vermögen nicht, springt die Hilfe zur Pflege vom Sozialamt ein.
01 · Grundlagen
Was bedeutet Selbstbeteiligung in der Pflegeversicherung?
Die Pflegeversicherung ist eine Teilabsicherung. Sie übernimmt nur einen festgelegten Teil der Pflegekosten, den Rest trägst du als Selbstbeteiligung.
Die gesetzliche Pflegeversicherung wurde 1995 als Teilabsicherung eingeführt. Sie soll die finanzielle Belastung der Versicherten begrenzen, ohne die Lohnnebenkosten übermäßig steigen zu lassen. Deshalb deckt sie nur einen festgelegten Teil der Pflegekosten ab.
Im Pflegeheim kann die Finanzierungslücke je nach Bundesland über 3.000 Euro im Monat betragen. Diesen Betrag musst du aus deiner Rente, deinem Ersparten oder mit Hilfe einer privaten Pflegevorsorge tragen.
Die Selbstbeteiligung ist unabhängig von deinem Pflegegrad. Sie setzt sich aus dem einrichtungseinheitlichen Eigenanteil, den Kosten für Unterkunft und Verpflegung sowie den Investitionskosten zusammen.
Kurz erklärt
Selbstbeteiligung in der Pflegeversicherung
Der Teil der Pflegeheimkosten, den du nach Abzug der Leistungen der Pflegekasse aus eigenem Einkommen oder Vermögen zahlen musst.
Die Selbstbeteiligung ist unabhängig vom Pflegegrad und setzt sich aus pflegebedingtem Eigenanteil, Unterkunft, Verpflegung und Investitionskosten zusammen.
02 · Kosten
So setzt sich dein Eigenanteil im Pflegeheim zusammen
Deine monatliche Rechnung im Pflegeheim besteht aus mehreren Posten. Nur ein Teil davon wird von der Pflegekasse bezuschusst.
Dein monatlicher Eigenanteil besteht aus drei großen Blöcken. Den größten Teil machen die Kosten für Unterkunft und Verpflegung aus, gefolgt vom einrichtungseinheitlichen Eigenanteil für die reine Pflege.
In Nordrhein-Westfalen liegt die Verteilung beispielsweise bei über 40 Prozent für Unterkunft und Verpflegung, etwas unter 40 Prozent für den einrichtungseinheitlichen Eigenanteil und gut 20 Prozent für die Investitionskosten. Diese Anteile unterscheiden sich je nach Bundesland und Einrichtung.
- Unterkunft und Verpflegung umfassen dein Zimmer, die Mahlzeiten und hauswirtschaftliche Leistungen.
- Der einrichtungseinheitliche Eigenanteil deckt die pflegebedingten Aufwendungen wie Personalkosten ab.
- Investitionskosten entstehen für Bau, Instandhaltung und Ausstattung des Pflegeheims.
Typische Verteilung der Selbstbeteiligung im Pflegeheim
03 · Vergleich
Was zahlt die Pflegekasse bei vollstationärer Pflege?
Die Pflegekasse beteiligt sich mit festen monatlichen Beträgen an den Pflegekosten. Die Höhe hängt von deinem Pflegegrad ab.
Die Höhe hängt von deinem Pflegegrad ab, den ein Gutachter des Medizinischen Dienstes oder deiner privaten Pflegeversicherung feststellt.
Ab Pflegegrad 2 zahlt die Pflegekasse monatlich 805 Euro. Bei Pflegegrad 3 sind es 1.319 Euro, bei Pflegegrad 4 dann 1.855 Euro und bei Pflegegrad 5 insgesamt 2.096 Euro. Mit Pflegegrad 1 erhältst du einen Zuschuss von 131 Euro, wenn du dich für vollstationäre Pflege entscheidest.
Diese Beträge gelten für gesetzlich und privat Pflegeversicherte gleichermaßen. Der Leistungsanspruch in der Pflegeversicherung ist anders als in der Krankenversicherung für beide Gruppen identisch.
| Pflegegrad | Zuschuss der Pflegekasse | |
|---|---|---|
| Pflegegrad 1 | Pflegegrad 1 | 131 Euro |
| Pflegegrad 2 | Pflegegrad 2 | 805 Euro |
| Pflegegrad 3 | Pflegegrad 3 | 1.319 Euro |
| Pflegegrad 4 | Pflegegrad 4 | 1.855 Euro |
| Pflegegrad 5 | Pflegegrad 5 | 2.096 Euro |
04 · Hintergrund
Der einrichtungseinheitliche Eigenanteil: Für alle Pflegegrade gleich
Seit der Pflegereform 2017 ist der pflegebedingte Eigenanteil in einer Einrichtung für alle Bewohner identisch. Dein Pflegegrad beeinflusst nur den Zuschuss der Pflegekasse.
Seit der Pflegereform 2017 ist der pflegebedingte Eigenanteil nicht mehr vom Pflegegrad abhängig. Stattdessen stellt jedes Pflegeheim allen Bewohnern der Pflegegrade 2 bis 5 denselben Betrag für die reine Pflege in Rechnung.
Die Pflegekasse zahlt je nach Pflegegrad unterschiedlich hohe Zuschüsse. Je höher dein Pflegegrad ist, desto mehr übernimmt sie. Der Betrag, der nach diesem Zuschuss übrig bleibt, wird als einrichtungseinheitlicher Eigenanteil direkt vom Heim berechnet.
Für dich bedeutet das: In derselben Einrichtung zahlst du für die reine Pflege unabhängig von deinem Pflegegrad denselben Betrag. Unterschiede entstehen nur durch die Wahl des Heims und die Kosten für Unterkunft, Verpflegung und Investitionen.
Der einrichtungseinheitliche Eigenanteil deckt zusammen mit den Zuschüssen der Pflegeversicherung die rein pflegebedingten Aufwendungen einer Einrichtung ab, zum Beispiel die Personalkosten.
Je höher dein Pflegegrad ist, desto höher ist der Zuschuss der Pflegekasse. Der Betrag, der nach diesem Zuschuss übrig bleibt, wird als einrichtungseinheitlicher Eigenanteil direkt vom Pflegeheim in Rechnung gestellt.
Dadurch zahlst du für die reine Pflege in derselben Einrichtung unabhängig von deinem Pflegegrad denselben Betrag. Unterschiede entstehen nur durch die Wahl des Heims und die Kosten für Unterkunft, Verpflegung und Investitionen.
05 · Schritt für Schritt
Leistungszuschlag: So sinkt dein Eigenanteil mit der Zeit
Je länger du im Pflegeheim lebst, desto stärker entlastet dich die Pflegekasse beim pflegebedingten Eigenanteil.
Der Leistungszuschlag wird nach der Verweildauer gestaffelt und automatisch gewährt.
Ab dem ersten Monat übernimmt die Pflegekasse 15 Prozent des pflegebedingten Eigenanteils. Nach 12 Monaten steigt der Zuschlag auf 30 Prozent, nach 24 Monaten auf 50 Prozent und nach 36 Monaten auf 75 Prozent.
- Im ersten Jahr zahlst du 85 Prozent des pflegebedingten Eigenanteils selbst.
- Nach drei Jahren reduziert sich dein Anteil auf 25 Prozent.
- Der Zuschlag gilt nur für den pflegebedingten Eigenanteil, nicht für Unterkunft, Verpflegung oder Investitionskosten.
Ab dem ersten Monat
Die Pflegekasse übernimmt 15 Prozent des pflegebedingten Eigenanteils.
Nach 12 Monaten
Der Leistungszuschlag steigt auf 30 Prozent deines pflegebedingten Eigenanteils.
Nach 24 Monaten
Die Pflegekasse zahlt 50 Prozent des pflegebedingten Eigenanteils.
Nach 36 Monaten
Der Zuschlag erreicht 75 Prozent des pflegebedingten Eigenanteils.
06 · Im Vertrag
Was gehört zu den Investitionskosten im Pflegeheim?
Investitionskosten sind ein eigener Posten auf deiner Heimrechnung. Sie entstehen für Bau, Instandhaltung und Ausstattung der Einrichtung.
Sie entstehen für Bau, Instandhaltung und Ausstattung der Einrichtung und werden nicht von der Pflegekasse übernommen.
Für die Planung und finanzielle Förderung der Investitionskosten sind die Bundesländer zuständig. Kosten, die nicht durch öffentliche Mittel gedeckt werden, können dir die Einrichtungen gesondert in Rechnung stellen.
Du trägst die Investitionskosten vollständig selbst. Sie machen gut 20 Prozent deines Eigenanteils aus und variieren je nach Bundesland und Heim deutlich.
Investitionskosten im Überblick
07 · Was gilt
Hilfe zur Pflege: Wenn dein Geld nicht reicht
Reichen deine Einkünfte und dein Vermögen nicht aus, um die Heimkosten zu decken, hast du Anspruch auf Sozialhilfe.
Diese Sozialhilfeleistung wird bedarfsdeckend erbracht und kann den verbleibenden Betrag bis zur vollen Höhe übernehmen.
Bei Barvermögen gilt für Pflegebedürftige ein Freibetrag von 10.000 Euro. Unterhaltsverpflichtete Angehörige werden erst dann finanziell in Anspruch genommen, wenn ihr jährliches Bruttoeinkommen 100.000 Euro übersteigt. Auf das Vermögen der Angehörigen kommt es dabei nicht an.
Eine Immobilie zählt zum Schonvermögen, wenn sie noch von beiden Ehepartnern bewohnt wird. Ob sie angemessen ist, bestimmt sich nach Zahl der Bewohner, Wohnbedarf, Grundstücksgröße, Zuschnitt und Ausstattung.
Anspruch auf Hilfe zur Pflege
Kein Anspruch
08 · Hintergrund
Private Pflegepflichtversicherung: Gleiche Leistungen, gleiche Selbstbeteiligung
Privat Pflegeversicherte haben denselben Leistungsanspruch wie gesetzlich Versicherte. Auch deine Selbstbeteiligung im Pflegeheim ist identisch.
Anders als in der Krankenversicherung ist der Leistungsanspruch in der Pflegeversicherung für gesetzlich und privat Versicherte gleich. Die Vergütungsvereinbarungen zwischen Pflegekassen und Heimen gelten für alle Bewohner.
Das bedeutet: Auch privat Pflegeversicherte zahlen denselben einrichtungseinheitlichen Eigenanteil, dieselben Kosten für Unterkunft und Verpflegung und dieselben Investitionskosten wie gesetzlich Versicherte. Deine Selbstbeteiligung im Pflegeheim ist identisch.
Der Unterschied liegt in der Beitragsgestaltung. Die private Pflegepflichtversicherung kalkuliert ihre Beiträge nach deinem Eintrittsalter und deinem Gesundheitszustand.
Anders als in der Krankenversicherung ist der Leistungsanspruch in der Pflegeversicherung für gesetzlich und privat Versicherte gleich. Die Vergütungsvereinbarungen zwischen Pflegekassen und Heimen gelten für alle Bewohner.
Das bedeutet: Auch privat Pflegeversicherte zahlen denselben einrichtungseinheitlichen Eigenanteil, dieselben Kosten für Unterkunft und Verpflegung und dieselben Investitionskosten wie gesetzlich Versicherte.
Der Unterschied liegt in der Beitragsgestaltung. Die private Pflegepflichtversicherung kalkuliert ihre Beiträge nach deinem Eintrittsalter und deinem Gesundheitszustand.
09 · Checkliste
Pflegetagegeldversicherung: So schließt du die Lücke
Eine private Pflegezusatzversicherung zahlt dir im Pflegefall ein zusätzliches Tagegeld. Damit kannst du deine Selbstbeteiligung decken.
Mehr als 3,7 Millionen Menschen in Deutschland haben bereits eine private Pflegezusatzversicherung abgeschlossen. Je früher du dich absicherst, desto günstiger bleibt der Beitrag für den Rest deines Lebens.
- Wähle ein Tagegeld, das deine erwartete Selbstbeteiligung von rund 3.200 Euro im Monat abdeckt.
- Achte auf eine Dynamik, damit dein Tagegeld mit der Inflation steigt.
- Prüfe, ob die Versicherung bei allen Pflegegraden leistet, nicht erst ab Pflegegrad 3.
- Schließe die Versicherung möglichst früh ab, dann bleibt der Beitrag niedrig.
- Vergleiche die Leistung bei vollstationärer Pflege, nicht nur bei ambulanter Pflege.
Worauf du bei einer Pflegetagegeldversicherung achten solltest
Wähle ein Tagegeld, das deine erwartete Selbstbeteiligung von rund 3.200 Euro im Monat abdeckt
Achte auf eine Dynamik, damit dein Tagegeld mit der Inflation steigt
Prüfe, ob die Versicherung bei allen Pflegegraden leistet, nicht erst ab Pflegegrad 3
Schließe die Versicherung möglichst früh ab, dann bleibt der Beitrag niedrig
Vergleiche die Leistung bei vollstationärer Pflege, nicht nur bei ambulanter Pflege
10 · Fehler vermeiden
Typische Fehler bei der Planung deiner Pflegekosten
Viele Menschen unterschätzen die Selbstbeteiligung im Pflegeheim oder verlassen sich auf falsche Annahmen.
Das kann im Pflegefall zu finanziellen Engpässen führen, die sich mit rechtzeitiger Planung vermeiden lassen.
Der durchschnittliche Eigenanteil liegt bundesweit im ersten Jahr bei rund 3.200 Euro pro Monat. Diese Summe musst du zusätzlich zu den Leistungen der Pflegekasse aufbringen.
- Du rechnest nur mit den Leistungen der Pflegekasse und ignorierst die Kosten für Unterkunft und Verpflegung.
- Du gehst davon aus, dass dein Pflegegrad deinen Eigenanteil senkt, dabei ist er einrichtungseinheitlich.
- Du vergisst die Investitionskosten, die du vollständig selbst trägst.
- Du wartest mit dem Abschluss einer Pflegezusatzversicherung, bis gesundheitliche Probleme auftreten.
- Du prüfst nicht, ob deine Angehörigen unterhaltspflichtig werden könnten.
Diese Fehler solltest du vermeiden
11 · Was gilt
Pflegegeld und Pflegeleistungen: Was du bei ambulanter Pflege bekommst
Auch bei Pflege zu Hause gibt es Leistungen der Pflegekasse. Die Selbstbeteiligung fällt hier anders aus als im Heim.
Du kannst dich für Pflegesachleistungen, für Pflegegeld oder für eine Kombination aus beiden Leistungen entscheiden. Zusätzlich sind Tages- oder Nachtpflege sowie Kurzzeit- oder Verhinderungspflege möglich.
Kosten für einen ambulanten Pflegedienst, die über die Sachleistung hinausgehen, trägst du selbst. Umbauten in der Wohnung werden nur anteilig bezuschusst. Zusätzliche Betreuungsangebote ohne Pflegegradbezug zahlst du vollständig aus eigener Tasche.
Das zahlt die Pflegekasse
Das zahlst du selbst
Häufige Fragen
Fragen zu Pflegeversicherung Selbstbeteiligung
{{f.a}}
Versicherung
Mehr zu Versicherung
Weiter mit Finanzen
Ratgeber zu Versicherung, Geldanlage und Studienfinanzierung für Studierende.
Alle Finanz-Ratgeber