Ratgeber · Versicherung
Ist Krankentagegeld sinnvoll? So sicherst du dein Einkommen bei langer Krankheit ab
Krankentagegeld schließt die Lücke, wenn nach sechs Wochen Lohnfortzahlung das gesetzliche Krankengeld nicht zum Leben reicht. Für Selbstständige und privat Versicherte ist es oft die einzige Einkommensabsicherung im Krankheitsfall.
10 Kapitel · 12 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- Gesetzliches Krankengeld beträgt 70 Prozent des Bruttolohns, maximal 3.858,75 Euro brutto im Monat.
- Selbstständige ohne Lohnfortzahlung brauchen Krankentagegeld ab dem ersten Tag der Arbeitsunfähigkeit.
- Privatversicherte erhalten kein gesetzliches Krankengeld und sichern sich privat ab.
- Die Versicherung zahlt erst nach der vereinbarten Karenzzeit, meist ab dem 43. Tag.
01 · Grundlagen
Was ist eine Krankentagegeld-Versicherung?
Die Krankentagegeld-Versicherung zahlt einen festen Tagessatz, wenn du wegen Krankheit oder Unfall nicht arbeiten kannst. Sie ist eine private Versicherungsleistung und wird netto ausgezahlt.
Die Leistung wird erst nach einer vereinbarten Karenzzeit fällig, die du individuell mit dem Versicherer festlegst. Entscheidend ist, dass du deine Arbeitsunfähigkeit direkt am ersten Tag ärztlich bescheinigen lässt, denn private Krankenversicherer erkennen keine rückwirkende Feststellung an.
Die Auszahlung erfolgt netto, weil das Krankentagegeld als private Versicherungsleistung nicht als Arbeitsentgelt gilt. Es ist damit steuer- und abgabenfrei nach Paragraf 3 Nr. 1 a EStG und Paragraf 14 SGB 4. Du musst auf den vereinbarten Tagessatz also keine Steuern oder Sozialabgaben zahlen.
- Die Versicherung zahlt einen festgelegten Tagessatz bei Arbeitsunfähigkeit.
- Die Karenzzeit beginnt erst mit der ärztlichen Feststellung der Arbeitsunfähigkeit.
- Das Krankentagegeld wird netto ausgezahlt und ist steuerfrei.
Kurz erklärt
Krankentagegeld-Versicherung
Eine private Versicherung, die bei Arbeitsunfähigkeit einen vereinbarten Tagessatz zahlt, um deinen Verdienstausfall auszugleichen.
Die Leistung ist steuer- und abgabenfrei und wird nach Ablauf der Karenzzeit fällig.
02 · Vergleich
Krankentagegeld oder Krankengeld: Was ist der Unterschied?
Beide Leistungen sichern dein Einkommen bei Krankheit, kommen aber aus unterschiedlichen Systemen und haben verschiedene Voraussetzungen.
Das gesetzliche Krankengeld zahlt deine Krankenkasse, das private Krankentagegeld eine Versicherung. Als gesetzlich versicherter Angestellter bekommst du Krankengeld ab dem 43. Tag der Arbeitsunfähigkeit, nachdem dein Arbeitgeber sechs Wochen lang Lohn fortgezahlt hat. Die Höhe beträgt 70 Prozent deines Bruttolohns, ist aber gedeckelt.
Die monatliche Höchstgrenze liegt bei 70 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze von 5.512,50 Euro. Das ergibt maximal 3.858,75 Euro brutto Krankengeld im Monat. Davon gehen noch Sozialabgaben ab, sodass netto rund 3.380 Euro übrig bleiben. Ein privates Krankentagegeld kannst du dagegen in beliebiger Höhe vereinbaren, um genau diese Lücke zu schließen.
- Gesetzliches Krankengeld zahlt die Krankenkasse ab dem 43. Tag.
- Die Höhe beträgt 70 Prozent des Bruttolohns, maximal 3.858,75 Euro brutto monatlich.
- Private Krankentagegeld-Versicherungen zahlen einen individuell vereinbarten Tagessatz.
| Gesetzliches Krankengeld | Private Krankentagegeld-Versicherung | |
|---|---|---|
| Zahler | Gesetzliche Krankenkasse | Private Versicherung |
| Höhe | 70 % des Bruttolohns, max. 90 % des Nettogehalts | Individuell vereinbarter Tagessatz |
| Beginn | Ab dem 43. Tag der Arbeitsunfähigkeit | Nach vereinbarter Karenzzeit, z. B. ab dem 43. Tag oder früher |
| Für wen | Gesetzlich Versicherte mit Anspruch | Alle, besonders Selbstständige und Privatversicherte |
| Gesundheitsprüfung | Keine | Ja, Risikoprüfung durch den Versicherer |
03 · Was gilt
Für wen ist Krankentagegeld sinnvoll?
Ob du eine Krankentagegeld-Versicherung brauchst, hängt von deinem Beschäftigungsstatus und deiner finanziellen Situation ab.
Privatversicherte Selbstständige haben keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung und brauchen in jedem Fall eine Krankentagegeld-Versicherung. Auch privatversicherte Angestellte benötigen sie, weil sie nach sechs Wochen kein gesetzliches Krankengeld erhalten. Für gesetzlich versicherte Angestellte lohnt sich die Police, wenn das Krankengeld nicht ausreicht, um laufende Kosten wie Miete oder Kredite zu decken.
Gutverdiener haben oft eine große Lücke zwischen ihrem Nettogehalt und dem gesetzlichen Krankengeld. Wer ein Immobiliendarlehen abzahlt, kann mit einer Krankentagegeld-Versicherung sicherstellen, dass die Raten auch bei längerer Krankheit weiterlaufen. Beamte brauchen dagegen kein Krankentagegeld, weil der Dienstherr die Bezüge im Krankheitsfall weiterzahlt.
- Selbstständige und Freiberufler ohne Lohnfortzahlung brauchen die Absicherung.
- Privatversicherte Arbeitnehmer erhalten kein gesetzliches Krankengeld.
- Beamte benötigen kein Krankentagegeld, weil ihre Bezüge weiterlaufen.
Sinnvoll
Nicht nötig
04 · Schritt für Schritt
Wie funktioniert die Auszahlung von Krankentagegeld?
Der Weg von der Erkrankung bis zur Auszahlung folgt einem klaren Ablauf. Wichtig ist die ärztliche Feststellung der Arbeitsunfähigkeit.
Der erste Schritt ist die ärztliche Feststellung deiner Arbeitsunfähigkeit. Geh am besten direkt am ersten Krankheitstag zur Ärztin oder zum Arzt, denn die Karenzzeit beginnt erst mit dieser Bescheinigung. Eine rückwirkende Feststellung erkennen private Versicherer nicht an, was den Leistungsbeginn nach hinten verschieben kann.
Nach Ablauf der vereinbarten Karenzzeit, zum Beispiel ab dem 43. Tag, reichst du die ärztliche Bescheinigung bei deiner privaten Versicherung ein. Die Versicherung zahlt dann den vereinbarten Tagessatz für die Dauer der Arbeitsunfähigkeit. Als Angestellter bekommst du in der Karenzzeit noch Lohnfortzahlung vom Arbeitgeber, als Selbstständiger musst du diese Zeit aus eigenen Rücklagen überbrücken.
- Lass deine Arbeitsunfähigkeit am ersten Krankheitstag ärztlich bescheinigen.
- Warte die vereinbarte Karenzzeit ab, zum Beispiel 43 Tage.
- Reiche die Bescheinigung bei deiner Versicherung ein und erhalte den Tagessatz.
Arbeitsunfähigkeit feststellen lassen
Geh am ersten Krankheitstag zur Ärztin oder zum Arzt und lass dir die Arbeitsunfähigkeit bescheinigen. Private Versicherer erkennen keine rückwirkende Feststellung an.
Karenzzeit abwarten
Die Versicherung zahlt erst nach der vereinbarten Karenzzeit, zum Beispiel ab dem 43. Tag. In dieser Zeit bekommst du als Angestellter noch Lohnfortzahlung oder als Selbstständiger nichts.
Krankentagegeld beantragen
Reiche die ärztliche Bescheinigung bei deiner privaten Versicherung ein. Die Leistung wird für die Dauer der Arbeitsunfähigkeit gezahlt.
Tagessatz netto erhalten
Das Krankentagegeld ist steuer- und abgabenfrei. Der vereinbarte Tagessatz wird netto auf dein Konto überwiesen.
05 · Kosten
Wie hoch sollte dein Krankentagegeld sein?
Die richtige Höhe orientiert sich an deinen monatlichen Ausgaben, nicht an deinem Bruttogehalt. Ein Haushaltsbuch hilft bei der Berechnung.
Ein Haushaltsbuch hilft dir, alle laufenden Kosten zu erfassen: Miete, Nebenkosten, Lebensmittel, Versicherungen, Kredite und Rücklagen. Die Absicherung sollte so gewählt sein, dass alle monatlichen Ausgaben für längere Zeit gedeckt sind.
Faustregel: Dein Krankentagegeld sollte mindestens deine monatlichen Fixkosten abdecken. Wenn du zum Beispiel 2.500 Euro im Monat für Miete, Lebensmittel und Verträge ausgibst, sollte dein Tagessatz so kalkuliert sein, dass du auf diesen Betrag kommst. Bei 30 Tagen im Monat entspricht das einem Tagessatz von etwa 83 Euro.
- Ermittle deinen monatlichen Geldbedarf mit einem Haushaltsbuch.
- Decke mindestens alle laufenden Fixkosten ab.
- Kalkuliere den Tagessatz anhand deiner monatlichen Ausgaben.
06 · Im Vertrag
Welche Rolle spielen Karenzzeit und Gesundheitsprüfung?
Zwei Vertragsdetails entscheiden darüber, wann und ob du Krankentagegeld bekommst: die Karenzzeit und die Gesundheitsprüfung.
Die Karenzzeit ist der Zeitraum zwischen Beginn der Arbeitsunfähigkeit und der ersten Zahlung. Üblich sind 43 Tage, weil Angestellte bis dahin Lohnfortzahlung erhalten. Kürzere Karenzzeiten sind möglich, kosten aber mehr Beitrag. Für Selbstständige kann eine kürzere Karenzzeit sinnvoll sein, weil sie keine Lohnfortzahlung bekommen.
Vor Vertragsabschluss prüft der Versicherer deinen Gesundheitszustand. Bei Vorerkrankungen kann er ablehnen oder Risikozuschläge verlangen. Achte auf eine Nachversicherungsgarantie: Damit kannst du dein Krankentagegeld bei steigendem Einkommen ohne erneute Gesundheitsprüfung erhöhen. Das erspart dir später lästige Gesundheitsfragen.
- Die Karenzzeit bestimmt, wann die erste Zahlung erfolgt.
- Die Gesundheitsprüfung entscheidet über Annahme und Beitrag.
- Eine Nachversicherungsgarantie ermöglicht spätere Erhöhungen ohne neue Prüfung.
Wichtige Vertragsklauseln
07 · Checkliste
Woran erkennst du einen guten Krankentagegeld-Tarif?
Nicht nur der Preis zählt. Diese Kriterien helfen dir, leistungsstarke Tarife zu erkennen.
Ein guter Tarif verbindet eine passende Karenzzeit mit einem Tagessatz, der deine monatlichen Fixkosten deckt. Die Karenzzeit sollte zu deiner Lohnfortzahlung oder deinem finanziellen Puffer passen. Als Angestellter reicht oft ein Beginn ab dem 43. Tag, als Selbstständiger kann ein früherer Beginn sinnvoll sein.
Wichtig ist außerdem eine Nachversicherungsgarantie ohne erneute Gesundheitsprüfung. So kannst du dein Krankentagegeld bei Einkommenssteigerungen unkompliziert erhöhen. Achte auch darauf, dass die Versicherung die Arbeitsunfähigkeit ab dem ersten Tag der ärztlichen Feststellung anerkennt und keine versteckten Wartezeiten bei späteren Erhöhungen vorsieht.
- Die Karenzzeit passt zu deiner Lohnfortzahlung oder deinem Puffer.
- Der Tagessatz deckt deine monatlichen Fixkosten.
- Eine Nachversicherungsgarantie ohne erneute Gesundheitsprüfung ist enthalten.
Checkliste für den Tarifvergleich
Karenzzeit passend zu deiner Lohnfortzahlung oder deinem Puffer
Höhe des Tagessatzes deckt deine monatlichen Fixkosten
Nachversicherungsgarantie ohne erneute Gesundheitsprüfung
Verzicht auf Wartezeiten bei späterer Erhöhung
Beitragshöhe im Verhältnis zur Leistung
Anerkennung der Arbeitsunfähigkeit ab dem ersten Tag der ärztlichen Feststellung
08 · Fehler vermeiden
Typische Fehler bei der Krankentagegeld-Versicherung
Diese Fehler können dazu führen, dass du im Krankheitsfall trotz Versicherung auf Kosten sitzen bleibst.
Ein häufiger Fehler ist, zu spät zum Arzt zu gehen. Ohne ärztliche Feststellung ab dem ersten Tag beginnt die Karenzzeit später, und du verlierst wertvolle Tage der Absicherung. Private Versicherer erkennen keine rückwirkende Feststellung an, deshalb solltest du dich direkt am ersten Krankheitstag untersuchen lassen.
Ein weiterer Fehler ist ein zu niedriger Tagessatz. Wenn du nur einen kleinen Betrag absicherst, bleibt die Lücke zum Nettogehalt bestehen. Auch falsche Angaben bei den Gesundheitsfragen können den Versicherungsschutz gefährden. Beantworte alle Fragen wahrheitsgemäß, sonst riskierst du im Leistungsfall den Verlust des Schutzes.
- Geh am ersten Krankheitstag zur Ärztin oder zum Arzt.
- Wähle einen Tagessatz, der deine Fixkosten wirklich deckt.
- Beantworte Gesundheitsfragen wahrheitsgemäß und vollständig.
Fehler, die du vermeiden solltest
09 · Kosten
Was kostet eine Krankentagegeld-Versicherung?
Die Beiträge hängen vor allem von deinem Alter, deinem Gesundheitszustand und dem vereinbarten Tagessatz ab. Das Einkommen spielt keine Rolle.
Das Einkommen spielt bei der Kalkulation keine Rolle. Je früher du abschließt, desto günstiger bleibt der Beitrag, weil die Versicherer das Eintrittsalter als wichtigen Faktor berücksichtigen.
Für ein Krankentagegeld von 100 Euro ab dem 43. Tag liegen die günstigsten Monatsprämien bei einem Eintrittsalter von 30 Jahren zwischen 32 und 36 Euro. Mit 40 Jahren zahlst du etwa 42 bis 48 Euro, mit 50 Jahren bereits 61 bis 68 Euro. Spätere Erhöhungen sind mit einer Nachversicherungsgarantie möglich, ohne dass du erneut durch die Gesundheitsprüfung musst.
- Das Eintrittsalter beeinflusst den Beitrag stark.
- Für 100 Euro Tagessatz ab dem 43. Tag zahlst du je nach Alter 32 bis 68 Euro monatlich.
- Eine Nachversicherungsgarantie ermöglicht spätere Erhöhungen.
Monatliche Beiträge für 100 Euro Krankentagegeld ab dem 43. Tag
10 · Hintergrund
Krankentagegeld für Selbstständige und Freiberufler
Wer selbstständig arbeitet, bekommt keine Lohnfortzahlung. Die Krankentagegeld-Versicherung ist hier oft die wichtigste Einkommensabsicherung.
Selbstständige und Freiberufler haben keinen Arbeitgeber, der im Krankheitsfall weiterzahlt. Ab dem ersten Tag der Arbeitsunfähigkeit fehlt das Einkommen, während Betriebskosten wie Miete, Gehälter oder Finanzierungskosten weiterlaufen. Eine Krankentagegeld-Versicherung ist hier oft die wichtigste Einkommensabsicherung.
Privatversicherte Selbstständige brauchen in jedem Fall eine Krankentagegeld-Versicherung. Gesetzlich versicherte Selbstständige können wählen: Sie bekommen Krankengeld ab dem 43. Tag oder sichern sich mit einer privaten Police ab, die früher zahlt. Für Selbstständige mit laufenden Betriebskosten kann zusätzlich eine Ertragsausfall- oder Praxisausfallversicherung sinnvoll sein, um fortlaufende Kosten bei Arbeitsunfähigkeit abzudecken.
- Selbstständige haben keine Lohnfortzahlung und brauchen eine private Absicherung.
- Privatversicherte Selbstständige benötigen die Police in jedem Fall.
- Gesetzlich versicherte Selbstständige können zwischen Krankengeld und privater Police wählen.
Selbstständige und Freiberufler haben keinen Arbeitgeber, der im Krankheitsfall weiterzahlt. Ab dem ersten Tag der Arbeitsunfähigkeit fehlt das Einkommen, während Betriebskosten wie Miete, Gehälter oder Finanzierungskosten weiterlaufen.
Privatversicherte Selbstständige brauchen in jedem Fall eine Krankentagegeld-Versicherung. Gesetzlich versicherte Selbstständige können wählen: Sie bekommen Krankengeld ab dem 43. Tag oder sichern sich mit einer privaten Police ab, die früher zahlt.
Für Selbstständige mit laufenden Betriebskosten kann zusätzlich eine Ertragsausfall- oder Praxisausfallversicherung sinnvoll sein. Sie deckt die fortlaufenden Kosten des Unternehmens bei krankheitsbedingter Arbeitsunfähigkeit ab.
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