Ratgeber · Versicherung
Krankentagegeld für Selbstständige: So sicherst du dein Einkommen ab
Als Selbstständige oder Selbstständiger gibt es keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Eine passende Krankentagegeldversicherung schließt diese Lücke und sichert deinen Lebensunterhalt, wenn du arbeitsunfähig bist.
9 Kapitel · 11 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- Selbstständige erhalten im Krankheitsfall keine Lohnfortzahlung vom Arbeitgeber.
- Gesetzlich Versicherte können Krankengeld beantragen, das oft erst ab dem 43. Tag greift und gedeckelt ist.
- Eine private Krankentagegeldversicherung zahlt ab dem vereinbarten Tag und kann die Lücke zum Nettoeinkommen schließen.
- Die Höhe des Krankentagegeldes sollte deine laufenden Kosten und deinen Gewinnausfall realistisch abdecken.
01 · Grundlagen
Was bedeutet Krankentagegeld für Selbstständige?
Krankentagegeld ist eine Einkommensersatzleistung, die du als Selbstständige oder Selbstständiger privat vereinbarst. Sie zahlt dir für jeden Tag der Arbeitsunfähigkeit einen festen Betrag.
Als Selbstständige hast du keinen Arbeitgeber, der bei einer Erkältung oder einem Bruch deinen Lohn weiterzahlt. Genau diese Lücke schließt eine private Krankentagegeldversicherung, denn sie zahlt dir für jeden Tag der Arbeitsunfähigkeit einen vorher festgelegten Betrag. Dieser Betrag ist unabhängig davon, ob dein Betrieb in dieser Zeit noch Einnahmen erzielt oder nicht.
Das vereinbarte Tagegeld fließt auch für Sonn- und Feiertage und ist für dich einkommensteuerfrei. Du kannst die Höhe des Tagegeldes selbst wählen und damit an deinen tatsächlichen Bedarf anpassen, solange es dein Nettoeinkommen nicht übersteigt. So sicherst du deine laufenden privaten Kosten, auch wenn dein Geschäftskonto gerade keine Zuflüsse verzeichnet.
Das Krankentagegeld ist für Selbstständige oft die einzige Einkommensquelle im Krankheitsfall. Es wird unabhängig vom tatsächlichen Gewinn gezahlt und ist einkommensteuerfrei.
Kurz erklärt
Krankentagegeld
Eine private Versicherungsleistung, die bei krankheits- oder unfallbedingter Arbeitsunfähigkeit ein vereinbartes Tagegeld zahlt. Sie ersetzt den Verdienstausfall und ist für Selbstständige oft die einzige Einkommensquelle im Krankheitsfall.
Das Tagegeld wird unabhängig vom tatsächlichen Gewinn gezahlt und ist einkommensteuerfrei.
02 · Vergleich
Krankengeld oder Krankentagegeld: Was gilt für dich?
Ob du als Selbstständige gesetzlich oder privat versichert bist, entscheidet über deinen Anspruch. Beide Systeme unterscheiden sich in Leistungsbeginn, Höhe und Flexibilität.
In der gesetzlichen Krankenversicherung kannst du einen Anspruch auf Krankengeld beantragen, der aber erst ab dem 43. Tag der Arbeitsunfähigkeit greift. Dafür zahlst du einen Zuschlag von 0,6 Prozentpunkten auf deinen allgemeinen Beitragssatz.
Die private Krankentagegeldversicherung ist dagegen flexibler, denn du bestimmst den Leistungsbeginn selbst. Üblich sind Karenzzeiten von 4, 22 oder 43 Tagen, wobei ein früherer Beginn den Beitrag erhöht. Auch die Höhe der Leistung ist frei vereinbar und nicht wie beim gesetzlichen Krankengeld gedeckelt.
Der größte Unterschied liegt im Leistungsbeginn: gesetzlich frühestens ab Tag 43, privat oft schon ab Tag 4. Die Höhe des gesetzlichen Krankengeldes beträgt 70 Prozent des Bruttoeinkommens, maximal 90 Prozent des Nettoeinkommens, und ist gedeckelt.
| Gesetzliches Krankengeld | Private Krankentagegeldversicherung | |
|---|---|---|
| Leistungsbeginn | Frühestens ab dem 43. Tag der Arbeitsunfähigkeit, je nach Tarif auch später | Individuell wählbar, oft ab dem 4. oder 22. Tag |
| Höhe der Leistung | 70 Prozent des Bruttoeinkommens, maximal 90 Prozent des Nettoeinkommens, gedeckelt | Frei vereinbarter Tagessatz, bis zur Höhe des Nettoeinkommens |
| Beitrag | Zuschlag von 0,6 Prozentpunkten auf den allgemeinen Beitragssatz | Individueller Beitrag, abhängig von Alter, Gesundheitszustand und Tagegeldhöhe |
| Flexibilität | Tarifwahl bei der Krankenkasse, oft mit Bindefrist | Karenzzeiten und Tagegeldhöhe frei kombinierbar |
03 · Schritt für Schritt
So funktioniert die Absicherung im Krankheitsfall
Der Weg von der Diagnose bis zur Auszahlung folgt einem klaren Ablauf. Wichtig ist, dass du deine Arbeitsunfähigkeit rechtzeitig meldest und die vereinbarten Fristen einhältst.
Zuerst stellt deine Ärztin oder dein Arzt eine Arbeitsunfähigkeit fest und bescheinigt dir, dass du aus gesundheitlichen Gründen nicht arbeiten kannst. Diese Bescheinigung ist die Grundlage für jede spätere Leistung.
Danach informierst du deine private Krankentagegeldversicherung unverzüglich über die Arbeitsunfähigkeit. Die genauen Meldefristen stehen in deinen Vertragsbedingungen, und du solltest sie unbedingt einhalten, um deinen Anspruch nicht zu gefährden. Bis zum vereinbarten Leistungsbeginn, der Karenzzeit, erhältst du noch keine Zahlung und überbrückst diese Zeit mit eigenen Rücklagen.
Ab dem vereinbarten Tag zahlt die Versicherung das Tagegeld für die gesamte Dauer der Arbeitsunfähigkeit. Bei teilweiser Arbeitsunfähigkeit, wenn du zum Beispiel stundenweise wieder arbeitest, kann ein anteiliges Tagegeld gezahlt werden.
Arbeitsunfähigkeit feststellen
Deine Ärztin oder dein Arzt bescheinigt dir, dass du aus gesundheitlichen Gründen nicht arbeiten kannst. Diese Bescheinigung ist die Grundlage für jede Leistung.
Versicherer informieren
Du meldest die Arbeitsunfähigkeit unverzüglich deiner privaten Krankentagegeldversicherung. Die genauen Meldefristen stehen in deinen Vertragsbedingungen.
Karenzzeit überbrücken
Bis zum vereinbarten Leistungsbeginn, der Karenzzeit, erhältst du keine Zahlung. Diese Zeit überbrückst du mit eigenen Rücklagen.
Tagegeld beziehen
Ab dem vereinbarten Tag zahlt die Versicherung das Krankentagegeld für jeden Tag der Arbeitsunfähigkeit, auch an Sonn- und Feiertagen.
Genesung und Wiedereinstieg
Sobald du wieder arbeitsfähig bist, endet die Zahlung. Bei teilweiser Arbeitsunfähigkeit kann ein anteiliges Tagegeld gezahlt werden.
04 · Was gilt
Wann zahlt die Krankentagegeldversicherung?
Nicht jede Erkrankung führt automatisch zu einer Zahlung. Entscheidend ist, dass eine ärztlich festgestellte Arbeitsunfähigkeit vorliegt und du deinen Beruf nicht ausüben kannst.
Die Versicherung leistet bei krankheitsbedingter und unfallbedingter Arbeitsunfähigkeit, sofern die vereinbarte Karenzzeit abgelaufen ist. Auch bei teilweiser Arbeitsunfähigkeit, wenn du nach längerer Krankheit stundenweise wieder einsteigst, kann ein anteiliges Tagegeld fließen. Die Zahlung erfolgt für die gesamte Dauer der Arbeitsunfähigkeit.
Keine Leistung erhältst du während der vereinbarten Karenzzeit, denn diese Zeit überbrückst du mit eigenen Rücklagen. Auch Kuren oder Rehabilitationsmaßnahmen ohne Arbeitsunfähigkeit sind nicht abgedeckt. Vorsätzlich herbeigeführte Krankheiten und Arbeitsunfähigkeiten, die vor Vertragsbeginn bestanden, sind ebenfalls ausgeschlossen.
Entscheidend ist immer eine ärztlich festgestellte Arbeitsunfähigkeit, die dich an der Ausübung deines Berufs hindert. Ohne diese Bescheinigung zahlt die Versicherung nicht.
Da zahlt sie
Da zahlt sie nicht
05 · Kosten
Was kostet eine Krankentagegeldversicherung?
Die Beiträge hängen von deinem Alter, deinem Gesundheitszustand, der Höhe des Tagegeldes und der gewählten Karenzzeit ab. Je später die Zahlung beginnt, desto günstiger ist der Tarif.
Auch dein Beruf und dein Einkommen fließen in die Kalkulation ein.
Für ein Krankentagegeld von 100 Euro pro Tag kannst du bei einer Karenzzeit von 4 Tagen mit monatlichen Beiträgen von etwa 25 bis 45 Euro rechnen. Bei einer Karenzzeit von 22 Tagen liegen die Beiträge ungefähr bei 15 bis 30 Euro, bei 43 Tagen bei 10 bis 20 Euro. Höhere Tagegelder kosten entsprechend mehr.
Die tatsächlichen Beiträge variieren je nach Anbieter, Eintrittsalter und Gesundheitsprüfung. Ein früher Leistungsbeginn ab Tag 4 ist teurer als eine Karenzzeit von 43 Tagen.
06 · Im Vertrag
Diese Klauseln solltest du kennen
In den Vertragsbedingungen verbergen sich wichtige Regelungen, die über deine Leistung entscheiden. Achte besonders auf Karenzzeiten, Nachversicherungsgarantien und die Definition der Arbeitsunfähigkeit.
Die Karenzzeit legt fest, ab welchem Tag die Versicherung zahlt, üblich sind 4, 22 oder 43 Tage. Je kürzer die Karenzzeit, desto schneller erhältst du Geld, aber desto höher ist der Beitrag.
Die Definition der Arbeitsunfähigkeit bestimmt, wann du als arbeitsunfähig giltst. In der Regel ist das der Fall, wenn du deinen zuletzt ausgeübten Beruf nicht mehr ausüben kannst. Eine Nachversicherungsgarantie erlaubt dir, das Tagegeld bei Einkommenssteigerungen ohne erneute Gesundheitsprüfung zu erhöhen.
Achte besonders auf die Karenzzeit, die Definition der Arbeitsunfähigkeit und die Nachversicherungsgarantie. Diese Klauseln entscheiden im Ernstfall über Höhe und Dauer deiner Leistung.
Wichtige Vertragsklauseln im Überblick
07 · Checkliste
Checkliste: So findest du den passenden Tarif
Bevor du eine Krankentagegeldversicherung abschließt, solltest du deinen Bedarf genau kennen. Diese Punkte helfen dir, den Tarif zu wählen, der zu deiner Lebenssituation passt.
Ermittle dein monatliches Nettoeinkommen und deine laufenden Kosten, um die richtige Höhe des Tagegeldes zu bestimmen. Wähle eine Karenzzeit, die du mit eigenen Rücklagen überbrücken kannst, ohne in finanzielle Not zu geraten.
Prüfe, ob eine Nachversicherungsgarantie enthalten ist, damit du das Tagegeld später ohne erneute Gesundheitsprüfung erhöhen kannst. Achte auf eine klare Definition der Arbeitsunfähigkeit im Vertrag, die deinen Beruf berücksichtigt. Vergleiche die Beiträge mehrerer Anbieter mit gleicher Leistung und lies die Allgemeinen Versicherungsbedingungen vor dem Abschluss.
- Ermittle dein monatliches Nettoeinkommen und deine laufenden Kosten.
- Wähle eine Karenzzeit, die du mit eigenen Rücklagen überbrücken kannst.
- Vereinbare ein Tagegeld, das deinen Verdienstausfall realistisch abdeckt.
- Prüfe, ob eine Nachversicherungsgarantie enthalten ist.
- Achte auf eine klare Definition der Arbeitsunfähigkeit im Vertrag.
- Vergleiche die Beiträge mehrerer Anbieter mit gleicher Leistung.
- Lies die Allgemeinen Versicherungsbedingungen vor dem Abschluss.
Darauf solltest du bei der Tarifwahl achten
Ermittle dein monatliches Nettoeinkommen und deine laufenden Kosten.
Wähle eine Karenzzeit, die du mit eigenen Rücklagen überbrücken kannst.
Vereinbare ein Tagegeld, das deinen Verdienstausfall realistisch abdeckt.
Prüfe, ob eine Nachversicherungsgarantie enthalten ist.
Achte auf eine klare Definition der Arbeitsunfähigkeit im Vertrag.
Vergleiche die Beiträge mehrerer Anbieter mit gleicher Leistung.
Lies die Allgemeinen Versicherungsbedingungen vor dem Abschluss.
08 · Fehler vermeiden
Typische Fehler bei der Absicherung
Viele Selbstständige unterschätzen ihren Bedarf oder wählen eine zu lange Karenzzeit. Das kann im Ernstfall zu finanziellen Engpässen führen.
Auch ein zu niedrig angesetztes Tagegeld deckt die laufenden Kosten nicht und zwingt dich, trotz Krankheit zu arbeiten.
Ein weiterer Fehler ist die unvollständige oder falsche Gesundheitsprüfung, die im Leistungsfall zu Problemen führen kann. Wer die Vertragsbedingungen nicht liest, übersieht Ausschlüsse und Klauseln, die den Schutz einschränken. Die Krankentagegeldversicherung mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung zu verwechseln, führt zu falschen Erwartungen.
Der häufigste Fehler ist, keine Krankentagegeldversicherung abzuschließen und auf Ersparnisse zu hoffen. Eine längere Krankheit kann deine Rücklagen schnell aufbrauchen.
Diese Fehler solltest du vermeiden
09 · Hintergrund
Krankentagegeld und weitere Absicherungen kombinieren
Die Krankentagegeldversicherung ist ein Baustein deiner Existenzsicherung. Zusammen mit anderen Versicherungen ergibt sich ein vollständiger Schutz für verschiedene Lebensrisiken.
Die Krankentagegeldversicherung ist ein Baustein deiner Existenzsicherung, aber sie deckt nur den Verdienstausfall bei vorübergehender Arbeitsunfähigkeit ab. Für dauerhafte gesundheitliche Einschränkungen brauchst du eine andere Absicherung. Die private Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt eine monatliche Rente, wenn du deinen Beruf aus gesundheitlichen Gründen dauerhaft nicht mehr ausüben kannst.
Die private Berufsunfähigkeitsversicherung leistet bereits ab 50 Prozent Berufsunfähigkeit im zuletzt ausgeübten Beruf. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente ist eine weitere mögliche Leistung, die du nach einer allgemeinen Wartezeit von 5 Jahren erhalten kannst. Eine volle Erwerbsminderungsrente bekommst du, wenn du weniger als 3 Stunden täglich arbeiten kannst, eine teilweise bei 3 bis 6 Stunden.
Kombiniere die Krankentagegeldversicherung mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung, um sowohl kurzfristige als auch dauerhafte Ausfälle abzudecken. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente ergänzt diesen Schutz, ersetzt ihn aber nicht vollständig.
Neben der Krankentagegeldversicherung ist für Selbstständige die Berufsunfähigkeitsversicherung eine zentrale Absicherung. Sie zahlt eine monatliche Rente, wenn du deinen Beruf aus gesundheitlichen Gründen dauerhaft nicht mehr ausüben kannst.
Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente ist eine weitere mögliche Leistung. Eine volle Erwerbsminderungsrente erhältst du, wenn du weniger als 3 Stunden täglich arbeiten kannst. Eine teilweise Erwerbsminderungsrente gibt es, wenn du zwischen 3 und 6 Stunden täglich arbeitsfähig bist.
Die Krankentagegeldversicherung greift bei kurzfristiger Arbeitsunfähigkeit, die Berufsunfähigkeitsversicherung bei dauerhafter Einschränkung. Beide zusammen sichern dein Einkommen in unterschiedlichen Phasen einer Erkrankung ab.
Häufige Fragen
Fragen zu Krankentagegeld für Selbstständige
{{f.a}}
Versicherung
Mehr zu Versicherung
Weiter mit Finanzen
Ratgeber zu Versicherung, Geldanlage und Studienfinanzierung für Studierende.
Alle Finanz-Ratgeber