Ratgeber · Versicherung
Krankentagegeld: So sicherst du dein Einkommen bei Arbeitsunfähigkeit ab
Krankentagegeld ist eine private Zusatzversicherung, die deinen Verdienstausfall ausgleicht, wenn du länger krank bist. Sie zahlt einen vereinbarten Tagessatz, wenn du arbeitsunfähig wirst und dein normales Einkommen wegbricht.
10 Kapitel · 10 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- Krankentagegeld schließt die Einkommenslücke, die nach sechs Wochen Lohnfortzahlung entsteht.
- Selbstständige ohne gesetzliches Krankengeld sichern damit ihre Arbeitskraft ab.
- Die Versicherung zahlt erst nach einer vereinbarten Karenzzeit, oft ab dem 43. Tag.
- Der Tagessatz darf dein Nettoeinkommen nicht übersteigen.
01 · Grundlagen
Was ist Krankentagegeld?
Krankentagegeld ist eine Summenversicherung: Die Höhe der Leistung wird vorab festgelegt und hängt nicht von einem konkret berechneten Schaden ab. Sie springt ein, wenn du wegen Krankheit oder Unfall nicht arbeiten kannst.
Die Versicherung zahlt nur bei vollständiger Arbeitsunfähigkeit. Das bedeutet, du kannst deinen konkreten Beruf in keiner Weise mehr ausüben. Eine einfache Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, der gelbe Zettel, reicht dafür nicht aus.
Die ärztliche Feststellung muss dokumentieren, dass du deinen Beruf vollständig nicht mehr ausüben kannst. Kannst du nur einzelne Tätigkeiten ausführen, die isoliert keinen Sinn ergeben, bleibt die Leistungspflicht des Versicherers bestehen. Die Höhe des Tagessatzes vereinbarst du vorab im Vertrag.
Für privat Krankenversicherte ist diese Absicherung besonders wichtig, weil sie in der Regel kein gesetzliches Krankengeld bekommen. Aber auch gesetzlich Versicherte können damit Lücken schließen, wenn das Krankengeld nicht ausreicht.
Kurz erklärt
Krankentagegeld
Eine freiwillige private Zusatzversicherung, die bei vollständiger Arbeitsunfähigkeit einen vereinbarten Tagessatz zahlt, um Einkommensausfälle auszugleichen oder zu mindern.
Die Leistung ist eine Summenversicherung und wird unabhängig vom tatsächlichen Schaden in vorher vereinbarter Höhe gezahlt.
02 · Vergleich
Krankentagegeld oder Krankengeld: Wo liegt der Unterschied?
Beide Leistungen ersetzen Einkommen bei Krankheit, kommen aber aus unterschiedlichen Systemen. Der Vergleich zeigt, welche Absicherung für wen greift.
Das gesetzliche Krankengeld beträgt seit 1997 nur noch 70 Prozent des Bruttoeinkommens, maximal 90 Prozent des Nettoverdienstes. Dadurch entsteht für viele Arbeitnehmer im Krankheitsfall eine spürbare Einkommenslücke.
Der wichtigste Unterschied liegt in der Dauer der Zahlung. Das private Krankentagegeld wird bei fortbestehender Arbeitsunfähigkeit zeitlich unbegrenzt gezahlt. Das gesetzliche Krankengeld endet dagegen nach 78 Wochen.
Ein weiterer Unterschied betrifft die Wiedereingliederung. Während das gesetzliche Krankengeld immer mit einer stufenweisen beruflichen Wiedereingliederung vereinbar ist, hängt das beim Krankentagegeld von den jeweiligen Versicherungsbedingungen ab. Gerade ältere Verträge enthalten diesen Schutz oft nicht.
| Krankentagegeld | Krankengeld | |
|---|---|---|
| Zahler | Private Versicherung | Gesetzliche Krankenkasse |
| Höhe | Individuell vereinbarter Tagessatz | 70 % des Bruttoeinkommens, maximal 90 % des Nettoverdienstes |
| Beginn | Nach vereinbarter Karenzzeit, oft ab dem 43. Tag | Nach sechs Wochen Lohnfortzahlung |
| Dauer | Zeitlich unbegrenzt bei fortbestehender Arbeitsunfähigkeit | Maximal 78 Wochen innerhalb von drei Jahren |
03 · Schritt für Schritt
So schließt Krankentagegeld deine Einkommenslücke
Nach sechs Wochen Lohnfortzahlung sinkt dein Einkommen oft spürbar. Krankentagegeld füllt diese Lücke, damit du deine laufenden Kosten weiter decken kannst.
Als Angestellter bekommst du im Krankheitsfall zunächst sechs Wochen dein Gehalt vom Arbeitgeber weitergezahlt. Danach springt die gesetzliche Krankenkasse mit dem Krankengeld ein, das jedoch niedriger ausfällt als dein normales Einkommen.
Die private Krankentagegeld-Versicherung setzt genau an dieser Stelle an. Sie zahlt nach Ablauf einer vereinbarten Karenzzeit, die bei Arbeitnehmern in der Regel 42 Tage beträgt. So schließt sie die Lücke zwischen deinem gewohnten Netto und dem gesetzlichen Krankengeld.
Für Selbstständige sieht die Situation anders aus. Sie haben keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung und können bei vielen Anbietern eine Karenzzeit von nur vier Tagen vereinbaren. Das Krankentagegeld beginnt dann deutlich früher zu zahlen.
Arbeitsunfähigkeit tritt ein
Du wirst krank oder verletzt und kannst deinen Beruf nicht mehr ausüben. Ein Arzt stellt die vollständige Arbeitsunfähigkeit fest.
Lohnfortzahlung endet
Als Angestellter bekommst du sechs Wochen dein Gehalt vom Arbeitgeber. Danach entsteht eine Einkommenslücke.
Karenzzeit läuft ab
Die Krankentagegeld-Versicherung zahlt erst nach der vereinbarten Karenzzeit, bei Arbeitnehmern meist 42 Tage.
Tagessatz wird ausgezahlt
Die Versicherung überweist den vereinbarten Tagessatz, bis du wieder arbeiten kannst oder dauerhaft erwerbsunfähig wirst.
04 · Was gilt
Für wen ist eine Krankentagegeld-Versicherung sinnvoll?
Nicht jeder braucht eine private Krankentagegeld-Versicherung. Die Absicherung ist vor allem dann wichtig, wenn du kein gesetzliches Krankengeld bekommst oder es nicht ausreicht.
Privat Krankenversicherte benötigen in aller Regel eine Krankentagegeld-Versicherung, weil sie keinen Anspruch auf gesetzliches Krankengeld haben. Das gilt besonders für Selbstständige und Freiberufler, die auch keine Lohnfortzahlung erhalten.
Für gesetzlich versicherte Arbeitnehmer lohnt sich die Zusatzversicherung erst ab einem monatlichen Einkommen über 4000 Euro brutto. Darunter reicht das gesetzliche Krankengeld meist aus, um den Lebensunterhalt zu decken.
Beamte brauchen kein Krankentagegeld, weil der Dienstherr die Bezüge auch im Krankheitsfall weiterzahlt. Auch Angestellte, deren Arbeitgeber das Krankengeld tariflich auf das volle Netto aufstockt, benötigen keine private Absicherung.
Sinnvoll
Nicht nötig
05 · Kosten
Was kostet eine Krankentagegeld-Versicherung?
Die Beiträge hängen von deinem Eintrittsalter, dem gewünschten Tagessatz und deinem Gesundheitszustand ab. Eine allgemeine Preisspanne hilft dir bei der Orientierung.
Je früher du abschließt, desto günstiger wird der Beitrag in der Regel ausfallen.
Ein Test von 30 Tarifen zeigt eine Preisspanne zwischen 8 und 20 Euro im Monat. Diese Werte dienen als grobe Orientierung, dein individueller Beitrag kann je nach Anbieter und Tarif abweichen.
Beachte, dass die Gesundheitsprüfung den Preis beeinflusst. Vorerkrankungen können zu Risikozuschlägen oder sogar zu einer Ablehnung führen. In diesem Fall ist das gesetzliche Krankengeld oft die bessere Wahl, weil die Kasse deine Gesundheit nicht prüft.
Monatliche Beiträge für Krankentagegeld
06 · Im Vertrag
Die Beitragsbemessungsgrenze: So viel Krankengeld ist maximal möglich
Die Beitragsbemessungsgrenze begrenzt das gesetzliche Krankengeld nach oben. Wer mehr verdient, erleidet im Krankheitsfall einen größeren Einkommensverlust.
Die monatliche Beitragsbemessungsgrenze liegt 2026 bei 5.512,50 Euro. Das gesetzliche Krankengeld beträgt 70 Prozent davon, also maximal 3.858,75 Euro brutto im Monat. Mehr bekommst du nicht, selbst wenn du deutlich mehr verdienst.
Von diesem Betrag gehen noch Sozialabgaben ab. Für die Rentenversicherung zahlst du als Angestellter höchstens 359 Euro im Monat, für die Pflegeversicherung mit einem Kind 69 Euro und etwa 50 Euro für die Arbeitslosenversicherung. Netto bleiben rund 3.380 Euro Krankengeld im Monat übrig.
Verdienst du mehr als die Beitragsbemessungsgrenze, wird dein Einkommen oberhalb dieser Grenze nicht durch Krankengeld ersetzt. Genau hier entsteht die Einkommenslücke, die du mit einer privaten Krankentagegeld-Versicherung schließen kannst.
Beitragsbemessungsgrenze und Krankengeld
07 · Fehler vermeiden
Gesundheitsprüfung: Das musst du vor dem Abschluss wissen
Anders als bei der gesetzlichen Krankenversicherung prüft die private Krankentagegeld-Versicherung deinen Gesundheitszustand. Vorerkrankungen können den Abschluss erschweren.
Vorerkrankungen können zu Risikozuschlägen, Leistungsausschlüssen oder einer Ablehnung führen.
Verschweigst du Vorerkrankungen, riskierst du später den Verlust des Versicherungsschutzes. Auch scheinbar harmlose Behandlungen müssen angegeben werden. Die Versicherer prüfen im Leistungsfall die Angaben genau.
Bei Vorerkrankungen ist das gesetzliche Krankengeld meist die bessere Wahl, weil die gesetzliche Krankenkasse deine Gesundheit nicht prüft. Als freiwillig versicherter Selbstständiger kannst du dort einen Wahltarif abschließen, der dir Krankengeld ab dem ersten Tag sichert.
Häufige Fehler bei der Gesundheitsprüfung
08 · Im Vertrag
Krankentagegeld-Versicherung: Diese Klauseln solltest du kennen
Die Vertragsbedingungen entscheiden, ob die Versicherung im Ernstfall wirklich zahlt. Achte besonders auf Karenzzeiten und die Definition von Arbeitsunfähigkeit.
Die Karenzzeit bestimmt, wann die Versicherung erstmals zahlt. Bei Arbeitnehmern beträgt sie in der Regel 42 Tage und schließt damit einen Leistungsbezug während der gesetzlichen Lohnfortzahlung aus. Selbstständige können oft eine Karenzzeit von nur vier Tagen vereinbaren.
Das Bereicherungsverbot begrenzt die Leistung: Das Krankentagegeld darf zusammen mit sonstigen Krankentage- und Krankengeldern dein Nettoeinkommen nicht übersteigen. Maßgebend ist der Durchschnittsverdienst der letzten 12 Monate vor Eintritt der Arbeitsunfähigkeit.
Eine stufenweise berufliche Wiedereingliederung kann zum Wegfall der Versicherungsleistung führen. Prüfe deshalb vor dem Abschluss, ob der Tarif diesen Schutz enthält. Gerade ältere Verträge haben diese Klausel oft nicht.
Wichtige Vertragsklauseln
09 · Hintergrund
Einkommensausgleich für Selbstständige: So funktioniert er
Selbstständige haben keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung. Für sie ist Krankentagegeld oft die einzige Möglichkeit, bei Krankheit Einkommen zu sichern.
Als Selbstständiger oder Freiberufler bekommst du im Krankheitsfall kein Gehalt weitergezahlt. Dein Einkommen bricht ab dem ersten Tag der Arbeitsunfähigkeit weg, wenn du keine Vorsorge getroffen hast.
Eine Krankentagegeld-Versicherung zahlt dir einen vereinbarten Tagessatz, der deinen wegfallenden Gewinn ausgleicht. Wichtig ist, dass du nicht nur den Umsatz, sondern auch deine laufenden Kosten berücksichtigst. Bei einer hohen Kostenquote bleibt sonst ein erhebliches wirtschaftliches Risiko bestehen.
Viele Anbieter ermöglichen Selbstständigen eine kurze Karenzzeit von nur vier Tagen. So beginnt die Leistung deutlich früher als bei Angestellten, die meist 42 Tage warten müssen. Das ist besonders wichtig, weil du keine Lohnfortzahlung als Puffer hast.
Als Selbstständiger oder Freiberufler bekommst du im Krankheitsfall kein Gehalt weitergezahlt. Dein Einkommen bricht ab dem ersten Tag der Arbeitsunfähigkeit weg, wenn du keine Vorsorge getroffen hast.
Eine Krankentagegeld-Versicherung zahlt dir einen vereinbarten Tagessatz, der deinen wegfallenden Gewinn ausgleicht. Wichtig ist, dass du nicht nur den Umsatz, sondern auch deine laufenden Kosten berücksichtigst.
Viele Anbieter ermöglichen Selbstständigen eine kurze Karenzzeit von nur vier Tagen. So beginnt die Leistung deutlich früher als bei Angestellten, die meist 42 Tage warten müssen.
Gesetzlich versicherte Selbstständige können alternativ bei ihrer Krankenkasse einen Wahltarif mit Krankengeld ab dem ersten Tag wählen. Dieser Tarif bindet dich jedoch für drei Jahre an die Kasse.
10 · Checkliste
Einkommensverluste vermeiden: So hoch sollte dein Tagessatz sein
Der Tagessatz bestimmt, wie viel Geld du im Krankheitsfall erhältst. Er sollte deine laufenden Kosten decken, darf aber dein Nettoeinkommen nicht übersteigen.
Das Bereicherungsverbot begrenzt die Leistung auf dein durchschnittliches Nettoeinkommen der letzten 12 Monate.
Ermittle zuerst dein monatliches Nettoeinkommen aus den letzten 12 Monaten. Liste dann alle laufenden Kosten auf: Miete, Versicherungen, Lebensmittel, Kredite. Teile die monatlichen Kosten durch 30, um deinen täglichen Bedarf zu berechnen.
Wähle einen Tagessatz, der diesen Bedarf deckt. Beachte, dass das Krankentagegeld steuer- und abgabenfrei ausgezahlt wird. Der versicherte Tagessatz kommt also netto bei dir an, was deinen Bedarf im Vergleich zum Bruttoeinkommen reduziert.
Checkliste für die richtige Tagessatzhöhe
Ermittle dein monatliches Nettoeinkommen aus den letzten 12 Monaten.
Liste alle laufenden Kosten auf: Miete, Versicherungen, Lebensmittel, Kredite.
Berechne deinen täglichen Bedarf, indem du die monatlichen Kosten durch 30 teilst.
Wähle einen Tagessatz, der diesen Bedarf deckt, aber dein Nettoeinkommen nicht übersteigt.
Berücksichtige, dass das Krankentagegeld steuer- und abgabenfrei ausgezahlt wird.
Häufige Fragen
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