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Zertifikate sinnvoll: Wann sich die Wertpapiere für dich lohnen

Zertifikate klingen oft nach einer bequemen Geldanlage mit hoher Rendite. In der Praxis sind sie jedoch komplexe Schuldverschreibungen, bei denen du das Risiko des Herausgebers trägst und die für die meisten privaten Anleger nicht die beste Wahl sind.

10 Kapitel · 11 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026

Das Wichtigste

  • Zertifikate sind rechtlich Schuldverschreibungen der herausgebenden Bank, keine direkten Anteile am Basiswert.
  • Das Emittentenrisiko kann im schlimmsten Fall zum Totalverlust deines eingesetzten Kapitals führen.
  • Die Kosten sind oft intransparent und können deine Rendite deutlich schmälern.
  • Für den langfristigen Vermögensaufbau sind breit gestreute Aktien-ETFs in der Regel die sinnvollere Alternative.

01 · Grundlagen

Was sind Zertifikate und wie funktionieren sie?

Zertifikate sind Wertpapiere, deren Preisentwicklung von einem anderen Wert abhängt. Rechtlich gesehen gehst du dabei einen Vertrag mit der herausgebenden Bank ein.

Zertifikate werden von Banken herausgegeben und sind rechtlich gesehen Schuldverschreibungen. Du leihst der Bank dein Geld und erhältst dafür ein Wertpapier, dessen Rückzahlung von der Zahlungsfähigkeit des Instituts abhängt.

Der Preis eines Zertifikats leitet sich von der Entwicklung eines Basiswerts ab, zum Beispiel einer Aktie, einem Index oder einem Rohstoff. Je nach Konstruktion kannst du damit auf steigende, fallende oder seitwärts laufende Kurse setzen, ohne den Basiswert direkt zu kaufen.

Das Volumen der bei deutschen Anlegern im Umlauf befindlichen Zertifikate hat sich zwischen Mitte 2022 und Mitte 2024 auf 106 Milliarden Euro fast verdoppelt. Ein Großteil der seit 2022 verkauften Papiere verspricht feste oder variable Zinszahlungen.

Kurz erklärt

Zertifikat

Ein Zertifikat ist eine Schuldverschreibung einer Bank. Der Wert des Zertifikats leitet sich von der Entwicklung eines Basiswerts wie einer Aktie, einem Index oder einem Rohstoff ab. Du wettest damit auf eine bestimmte Marktentwicklung, ohne den Basiswert direkt zu kaufen.

Zertifikate werden auch als strukturierte Wertpapiere oder Derivate bezeichnet, weil ihr Wert von einem anderen Finanzprodukt abgeleitet ist.

02 · Vergleich

Zertifikate im Vergleich zu Aktien und ETFs

Der grundlegende Unterschied liegt in der rechtlichen Konstruktion und den Risiken. Während du bei Aktien und ETFs direkt am Unternehmen oder Fonds beteiligt bist, hängt dein Geld bei Zertifikaten von der Zahlungsfähigkeit der Bank ab.

Zertifikate sind dagegen Schuldverschreibungen der herausgebenden Bank, was deine rechtliche Stellung grundlegend verändert.

Für den langfristigen Vermögensaufbau sind breit gestreute Aktien-ETFs in der Regel die bessere Wahl. Sie sind transparenter, kostengünstiger und unterliegen als Sondervermögen nicht dem Emittentenrisiko einer einzelnen Bank.

Die Kostenstruktur unterscheidet sich deutlich: Während du bei ETFs vor allem transparente Ordergebühren und geringe laufende Kosten zahlst, sind bei Zertifikaten viele Gebühren in der Produktstruktur versteckt. Diese schlagen sich in einer Kursminderung nieder und werden dir nicht separat in Rechnung gestellt.

Zertifikate unterscheiden sich in mehreren Punkten von klassischen Wertpapieren.
ZertifikateAktien und ETFs
Rechtliche StellungSchuldverschreibung der herausgebenden BankDirekter Anteil am Unternehmen oder Fondsvermögen
EmittentenrisikoTotalverlust bei Insolvenz der herausgebenden Bank möglich
KostenstrukturOft intransparent, versteckte Gebühren
Geeignet fürErfahrene Anleger, die die Konstruktion verstehen

03 · Hintergrund

Das Emittentenrisiko: Wenn die Bank pleitegeht

Das größte Risiko bei Zertifikaten ist die Zahlungsunfähigkeit des Herausgebers. Anders als bei Aktien oder Fonds bist du hier direkt von der Bonität der Bank abhängig.

Zertifikate werden immer von einer Bank oder einem Finanzinstitut herausgegeben. Kommt dieses Institut in finanzielle Schieflage oder geht es pleite, kann die Rückzahlung deines Zertifikats komplett ausfallen.

Die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Jahr 2008 zeigt, wie real dieses Risiko ist. Viele Anleger, die Zertifikate dieser Bank hielten, verloren ihr gesamtes eingesetztes Kapital, weil die Schuldverschreibungen wertlos wurden.

Eine Einlagensicherung gibt es für Zertifikate nicht. Anders als bei Tagesgeld oder Festgeld bist du bei einer Bankpleite nicht geschützt, sondern trägst das volle Verlustrisiko.

Zertifikate werden immer von einer Bank oder einem Finanzinstitut herausgegeben. Rechtlich handelt es sich um Schuldverschreibungen dieses Instituts. Das bedeutet: Du leihst der Bank dein Geld und erhältst dafür ein Wertpapier, dessen Rückzahlung von der Bank zugesichert wird.

Kommt die Bank in finanzielle Schieflage oder geht sie pleite, kann die Rückzahlung deines Zertifikats komplett ausfallen. Ein bekanntes Beispiel ist die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Jahr 2008. Viele Anleger, die Zertifikate dieser Bank hielten, verloren ihr gesamtes eingesetztes Kapital.

Dieses Risiko wird als Emittentenrisiko bezeichnet. Es besteht unabhängig davon, wie sich der Basiswert des Zertifikats entwickelt. Selbst wenn die zugrunde liegende Aktie oder der Index steigt, kannst du dein Geld verlieren, wenn der Herausgeber zahlungsunfähig wird.

Eine Einlagensicherung wie bei Tagesgeld oder Festgeld gibt es für Zertifikate nicht. Dein Geld ist in diesem Fall nicht geschützt.

04 · Im Vertrag

Welche Zertifikate-Arten gibt es?

Die Produktvielfalt ist groß, aber die Grundprinzipien ähneln sich. Je nach Konstruktion kannst du auf steigende, fallende oder seitwärts laufende Kurse setzen.

Je nach Konstruktion kannst du auf unterschiedliche Marktentwicklungen setzen, trägst aber auch unterschiedlich hohe Risiken.

Garantiezertifikate sichern dir am Laufzeitende einen Teil oder das gesamte eingesetzte Kapital zu, begrenzen dafür aber deine Rendite nach oben. Der Schutz gilt nur, wenn der Emittent zahlungsfähig bleibt.

Knock-out-Zertifikate hebeln die Kursbewegung des Basiswerts und können bei Erreichen einer bestimmten Schwelle wertlos verfallen. Bei diesen Papieren ist ein Totalverlust deines Einsatzes möglich.

Express-Zertifikate zahlen einen Kupon, wenn der Basiswert an bestimmten Stichtagen über einer festgelegten Schwelle liegt. Wird die Schwelle gerissen, kann die Rückzahlung in Form des Basiswerts erfolgen, der dann weniger wert sein kann.

Die gängigsten Zertifikate-Typen und ihre Merkmale

GarantiezertifikateKapitalschutzSichern dir am Laufzeitende einen Teil oder das gesamte eingesetzte Kapital zu. Dafür ist deine Rendite nach oben begrenzt. Der Schutz gilt nur, wenn der Emittent zahlungsfähig bleibt.
Express-ZertifikateBedingte RückzahlungZahlen einen Kupon, wenn der Basiswert an bestimmten Stichtagen über einer festgelegten Schwelle liegt. Wird die Schwelle gerissen, kann die Rückzahlung in Form des Basiswerts erfolgen, der dann weniger wert sein kann.
Knock-out-ZertifikateHohes RisikoHebeln die Kursbewegung des Basiswerts. Wird eine bestimmte Schwelle berührt, verfällt das Zertifikat wertlos und du erleidest einen Totalverlust.
Discount-ZertifikateBegrenzter GewinnWerden mit einem Abschlag auf den aktuellen Kurs des Basiswerts gekauft. Dafür ist dein Gewinn auf einen Höchstbetrag begrenzt, während du an Verlusten bis zu einer Schwelle voll teilnimmst.

05 · Kosten

Kosten bei Zertifikaten: Was du wirklich zahlst

Die Kosten sind bei Zertifikaten oft schwer zu durchschauen. Neben offenen Gebühren verstecken sich viele Kosten in der Struktur des Produkts.

Zertifikate sind mit relativ hohen Nebenkosten verbunden. Viele dieser Kosten werden nicht offen ausgewiesen, sondern innerhalb der Struktur des Wertpapiers versteckt.

Beim Kauf neu herausgegebener Zertifikate wird in der Regel ein Ausgabeaufschlag von 1 bis 3 Prozent des Ausgabekurses erhoben. Hinzu kommt die Ordergebühr deiner Depotbank, deren Höhe von den Konditionen deines Brokers abhängt.

Die Geld-Brief-Spanne, auch Spread genannt, ist ein weiterer Kostenfaktor. Der Briefkurs, zu dem du kaufst, liegt immer über dem Geldkurs, zu dem die Bank zurücknimmt. Je seltener ein Zertifikat gehandelt wird, desto größer ist diese Spanne in der Regel.

Typische Kostenbestandteile bei Zertifikaten

Ausgabeaufschlag1 bis 3 Prozent
Ordergebühr beim Kaufabhängig vom Broker
Versteckte Kosten in der Strukturnicht transparent

06 · Was gilt

Für wen sind Zertifikate sinnvoll?

Zertifikate sind keine Anlageform für alle. Sie eignen sich nur für eine kleine Gruppe von Anlegern mit spezifischen Kenntnissen und Zielen.

Zertifikate eignen sich nur für sehr erfahrene Anleger, die die jeweilige Konstruktion genau verstehen. Für Privatanleger sind sie in der Regel nicht sinnvoll, weil die Risiken und Kosten die Chancen oft überwiegen.

Verbraucherschützer beobachten, dass besonders ältere Kundinnen und Kunden Zertifikate im Depot haben, deren Funktionsweise ihnen nicht erläutert wurde. Oft ist ihnen nicht klar, welche Risiken damit verbunden sind und ob die Rendite angemessen für das Risiko ist.

Für den langfristigen Vermögensaufbau, etwa für die Altersvorsorge, solltest du besser auf breit gestreute Aktien-ETFs setzen. Diese sind transparenter, kostengünstiger und tragen kein Emittentenrisiko.

Sinnvoll für

·Sehr erfahrene Anleger, die die Konstruktion genau verstehen
·Anleger mit kurzfristigen Markterwartungen, die gezielt auf bestimmte Kursentwicklungen setzen wollen
·Anleger, die das Emittentenrisiko bewusst tragen und streuen können

Nicht sinnvoll für

·Einsteiger ohne tiefgehende Finanzkenntnisse
·Langfristige Vermögensaufbauer, die für die Altersvorsorge sparen
·Anleger, die eine transparente und kostengünstige Geldanlage suchen
·Sicherheitsorientierte Anleger, die ihr Kapital schützen wollen

07 · Schritt für Schritt

Zertifikate kaufen: So gehst du vor

Wenn du dich trotz der Risiken für ein Zertifikat entscheidest, solltest du einige Punkte beachten, um Kosten zu minimieren und Fehler zu vermeiden.

Du benötigst ein Wertpapierdepot bei einer Bank oder einem Online-Broker. Achte auf günstige Ordergebühren, da diese deine Rendite direkt schmälern.

Lies den Verkaufsprospekt und verstehe die genaue Funktionsweise des Zertifikats. Wenn du die Konstruktion nicht nachvollziehen kannst, kaufe es nicht. Informiere dich außerdem über die Bonität der herausgebenden Bank und streue dein Kapital auf verschiedene Emittenten, um das Emittentenrisiko zu reduzieren.

01

Wertpapierdepot eröffnen

Du benötigst ein Wertpapierdepot bei einer Bank oder einem Online-Broker. Achte auf günstige Ordergebühren, da diese deine Rendite direkt schmälern.

02

Produkt verstehen

Lies den Verkaufsprospekt und verstehe die genaue Funktionsweise des Zertifikats. Wenn du die Konstruktion nicht nachvollziehen kannst, kaufe es nicht.

03

Emittenten prüfen

Informiere dich über die Bonität der herausgebenden Bank. Streue dein Kapital auf verschiedene Emittenten, um das Emittentenrisiko zu reduzieren.

04

Kosten vergleichen

Achte auf Ausgabeaufschlag, Ordergebühr und Geld-Brief-Spanne. Kaufe möglichst über einen Direktbroker, um die Ordergebühren niedrig zu halten.

05

Kauf über die Börse

Kaufe das Zertifikat an der Börse und nicht direkt beim Emittenten. So erhältst du einen marktgerechten Preis und kannst die Geld-Brief-Spanne besser einschätzen.

08 · Fehler vermeiden

Häufige Fehler beim Umgang mit Zertifikaten

Viele Anleger unterschätzen die Risiken oder verlassen sich auf die Beratung der Bank. Diese Fehler kannst du vermeiden.

Diese Fehler kannst du vermeiden, wenn du selbst aktiv wirst und die Produkte kritisch prüfst.

Ein häufiger Fehler ist der Kauf eines Zertifikats, ohne die Funktionsweise vollständig zu verstehen. Verbraucherschützer berichten von Fällen, in denen Kunden komplexe Produkte wie Stufenzinsanleihen im Depot haben, deren Funktionsweise ihnen nie erläutert wurde.

Ein weiterer Fehler ist, das Emittentenrisiko zu ignorieren und sich nur auf die Renditechance zu konzentrieren. Auch ein zu großer Anteil des Vermögens in Zertifikaten statt einer breiten Streuung kann zu hohen Verlusten führen.

Typische Fehler, die du vermeiden solltest

·Du kaufst ein Zertifikat, ohne die Funktionsweise vollständig zu verstehen.
·Du ignorierst das Emittentenrisiko und konzentrierst dich nur auf die Renditechance.
·Du verlässt dich auf die Bankberatung, ohne die Kosten und Risiken selbst zu prüfen.
·Du setzt einen zu großen Teil deines Vermögens in Zertifikaten ein, statt breit zu streuen.
·Du übersiehst versteckte Kosten, die deine Rendite deutlich schmälern.
·Du kaufst ein Knock-out-Zertifikat, ohne dir über das Totalverlustrisiko im Klaren zu sein.

09 · Checkliste

Alternativen zu Zertifikaten für den Vermögensaufbau

Für die meisten Anleger gibt es bessere Wege, Geld anzulegen. Diese Alternativen sind transparenter, kostengünstiger und tragen kein Emittentenrisiko.

Breit gestreute Aktien-ETFs auf Weltindizes eignen sich für den langfristigen Vermögensaufbau. Sie sind als Sondervermögen geschützt und unterliegen nicht dem Risiko einer Bankpleite.

Tagesgeld oder Festgeld bieten sich für sicherheitsorientierte Anleger mit kurzfristigem Anlagehorizont an. Hier greift die gesetzliche Einlagensicherung, die dein Kapital bis zu bestimmten Grenzen schützt.

Für Anleger, die gezielt in Unternehmen investieren möchten, kommen Einzelaktien infrage. Anleihen von Staaten oder Unternehmen mit guter Bonität bieten regelmäßige Zinserträge bei überschaubarem Risiko.

Sinnvolle Alternativen für die langfristige Geldanlage

01

Breit gestreute Aktien-ETFs auf Weltindizes für den langfristigen Vermögensaufbau

02

Tagesgeld oder Festgeld für sicherheitsorientierte Anleger mit kurzfristigem Anlagehorizont

03

Einzelaktien für Anleger, die gezielt in Unternehmen investieren möchten

04

Anleihen von Staaten oder Unternehmen mit guter Bonität für regelmäßige Zinserträge

10 · Hintergrund

Steuern auf Zertifikate: Was du beachten musst

Gewinne aus Zertifikaten unterliegen der Abgeltungsteuer. Der Sparer-Pauschbetrag hilft dir, einen Teil der Erträge steuerfrei zu stellen.

Kursgewinne und Zinserträge aus Zertifikaten werden mit der Abgeltungsteuer in Höhe von 25 Prozent besteuert. Hinzu kommen der Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent auf die Abgeltungsteuer und gegebenenfalls Kirchensteuer.

Du kannst den Sparer-Pauschbetrag nutzen, um einen Teil deiner Kapitalerträge steuerfrei zu stellen. Für Alleinstehende beträgt der Freibetrag 1000 Euro pro Jahr, für zusammenveranlagte Ehepaare 2000 Euro pro Jahr.

Anders als bei Aktienfonds gibt es bei Zertifikaten keine Teilfreistellung. Die Teilfreistellung von 30 Prozent gilt nur für Aktienfonds und reduziert dort die steuerpflichtige Bemessungsgrundlage, was bei Zertifikaten nicht der Fall ist.

Kursgewinne und Zinserträge aus Zertifikaten unterliegen der Abgeltungsteuer. Hinzu kommen der Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer.

Du kannst den Sparer-Pauschbetrag nutzen, um einen Teil deiner Kapitalerträge steuerfrei zu stellen.

Verluste aus Zertifikaten kannst du mit Gewinnen aus anderen Kapitalanlagen verrechnen. Beachte jedoch, dass die Verrechnung von Verlusten aus Termingeschäften gesetzlich eingeschränkt sein kann.

Häufige Fragen

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FinanzredaktionAktualisiert am 07.10.2026