Ratgeber · Investieren
Zertifikate kaufen: So funktionieren die Wertpapiere und ihre Risiken
Zertifikate sind komplexe Finanzprodukte, mit denen du auf die Kursentwicklung von Aktien, Indizes oder Rohstoffen setzen kannst. Sie eignen sich nur für erfahrene Anlegerinnen und Anleger, die das Emittentenrisiko und die Kostenstruktur genau verstehen.
10 Kapitel · 13 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- Zertifikate sind rechtlich Schuldverschreibungen der herausgebenden Bank, keine Einlagen mit Sicherung.
- Dein eingesetztes Kapital kann bei einer Pleite des Emittenten vollständig verloren gehen.
- Die Produkte eignen sich nur für erfahrene Anlegende, die die jeweilige Konstruktion verstehen.
- Für den langfristigen Vermögensaufbau sind breit gestreute Aktien-ETFs in der Regel die bessere Wahl.
01 · Grundlagen
Was sind Zertifikate?
Zertifikate sind Wertpapiere, deren Preis von der Entwicklung eines anderen Werts abhängt. Rechtlich handelt es sich um Schuldverschreibungen der herausgebenden Bank.
Zertifikate werden an der Börse oder direkt über den Anbieter gehandelt, der sie herausgegeben hat. Die verschiedenen Produkte sind so konstruiert, dass sie von bestimmten Marktentwicklungen profitieren. Je nach Konstruktion kann der Kurs bei steigenden, fallenden oder stagnierenden Preisen des Basiswerts nach oben gehen.
Die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Jahr 2008 hat gezeigt, was das Emittentenrisiko in der Praxis bedeutet. Anleger, die Zertifikate dieser Bank besaßen, verloren einen großen Teil ihres eingesetzten Kapitals. Eine Einlagensicherung gibt es für diese Papiere nicht.
Kurz erklärt
Zertifikat
Ein Zertifikat ist ein Wertpapier, dessen Preis von der Entwicklung eines anderen Werts (Basiswert) abhängt. Es wird auch als Derivat bezeichnet, was so viel wie 'abgeleitet' bedeutet. Rechtlich ist es eine Schuldverschreibung der herausgebenden Bank.
Du gehst einen Vertrag mit der Bank ein, die dir je nach Marktentwicklung eine Rückzahlung zusichert, die größer oder kleiner als dein Einsatz sein kann.
02 · Checkliste
Welche Basiswerte gibt es?
Die Vielfalt der Zertifikate ergibt sich aus den unterschiedlichen Basiswerten, auf die sie sich beziehen. Je nach Produkt kannst du auf einzelne Aktien, Körbe, Rohstoffe, Währungen oder Indizes setzen.
Die Auswahl des Basiswerts bestimmt, auf welchen Markt du mit einem Zertifikat setzt. Einzelne Aktien eignen sich für gezielte Wetten auf ein Unternehmen, während Indizes wie der DAX eine breitere Marktentwicklung abbilden. Rohstoffe wie Edelmetalle oder Öl eröffnen Zugang zu Märkten, die du sonst nur über Termingeschäfte erreichen würdest.
Für die Risikosteuerung ist die Wahl des Basiswerts entscheidend. Ein Korb aus mehreren Aktien streut das Risiko stärker als eine einzelne Aktie. Währungen als Basiswert bringen zusätzlich Wechselkursschwankungen ins Spiel, die deine Rendite unabhängig von der eigentlichen Kursentwicklung beeinflussen.
- Einzelne Aktien großer Unternehmen eignen sich für gezielte Markterwartungen.
- Aktienkörbe bündeln mehrere Werte und reduzieren das Einzelwertrisiko.
- Rohstoffe wie Edelmetalle oder Öl ermöglichen den Zugang zu Rohstoffmärkten.
- Währungen bringen zusätzliche Wechselkursrisiken mit.
- Indizes wie der DAX bilden die Entwicklung eines ganzen Marktes ab.
Typische Basiswerte für Zertifikate
Einzelne Aktien wie die von großen Unternehmen
Aktienkörbe, die mehrere Aktien bündeln
Rohstoffe wie Edelmetalle oder Öl
Währungen wie US-Dollar oder Schweizer Franken
Indizes wie der DAX oder andere Marktbarometer
03 · Vergleich
Welche Zertifikate-Typen gibt es?
Die Produktpalette reicht von relativ defensiven Konstruktionen bis zu hochspekulativen Papieren. Die Wahl des Typs bestimmt, wie du von steigenden, fallenden oder seitwärts laufenden Kursen profitierst.
Die Produktpalette reicht von Aktienanleihen mit fester Verzinsung bis zu Knock-out-Zertifikaten mit Hebelwirkung. Aktienanleihen zahlen einen Kupon unabhängig von der Kursentwicklung, liefern am Laufzeitende aber Aktien, wenn der Kurs unter den Basispreis fällt. Index-Zertifikate bilden die Wertentwicklung eines Index ab und haben meist keine feste Laufzeit.
Knock-out-Zertifikate sind die riskanteste Variante. Sie enden sofort, wenn der Basiswert eine vorher festgelegte Schwelle berührt. In diesem Fall ist ein Totalverlust möglich. Garantie-Zertifikate begrenzen dagegen das Verlustrisiko, dafür ist auch die Gewinnchance gedeckelt.
- Aktienanleihen bieten feste Zinsen, können aber zur Lieferung von Aktien führen.
- Index-Zertifikate bilden die Kursentwicklung eines Index ab und sind meist unbegrenzt laufend.
- Knock-out-Zertifikate haben eine Hebelwirkung und enden bei Erreichen der Knock-out-Schwelle.
- Garantie-Zertifikate schützen das Kapital teilweise, begrenzen aber den möglichen Gewinn.
| Aktienanleihen | Index-Zertifikate | Knock-out-Zertifikate | Garantie-Zertifikate | |
|---|---|---|---|---|
| Basiswert | Einzelne Aktie | Index (z.B. DAX) | Aktie, Index, Rohstoff oder Währung | Aktie, Index oder Korb |
| Laufzeit | Festgelegte Laufzeit | Meist unbegrenzt (Open End) | ||
| Ertrag | Fester Kupon, unabhängig vom Kurs | Nur Kursentwicklung des Index | Hebelwirkung auf Kursbewegung | Begrenzte Gewinnchance bei Kapitalschutz |
| Verlustrisiko | Lieferung von Aktien bei Kursverfall möglich | Verlust bei fallendem Index | Totalverlust möglich | Kapitalgarantie nur bei Endfälligkeit |
04 · Schritt für Schritt
Wie funktioniert der Kauf von Zertifikaten?
Für den Kauf benötigst du ein Wertpapierdepot. Der Handel erfolgt an der Börse oder direkt über den Emittenten.
Für den Kauf benötigst du ein Wertpapierdepot bei einer Bank oder einem Direktbroker. Die Ordergebühren hängen von den Konditionen deiner Depotbank ab. Willst du in ein Zertifikat investieren, ist der Kauf über einen Direktbroker oft günstiger als über eine Filialbank.
Du findest ein Zertifikat über die Wertpapierkennnummer (WKN) oder den Namen des Emittenten. Prüfe vor dem Kauf die Produktbeschreibung genau, denn darin stehen die Bedingungen für Rückzahlung, Laufzeit und mögliche Verluste. Am Ende der Laufzeit erhältst du die Rückzahlung gemäß den Bedingungen, oder du verkaufst das Papier vorher über die Börse.
- Eröffne ein Wertpapierdepot bei einer Bank oder einem Direktbroker.
- Suche das gewünschte Zertifikat über die WKN oder den Emittenten.
- Prüfe die Produktbeschreibung mit allen Bedingungen und Risiken.
- Gib die Order an der Börse oder direkt über den Anbieter auf.
- Erhalte am Laufzeitende die Rückzahlung oder verkaufe vorher.
Depot eröffnen
Du benötigst ein Wertpapierdepot bei einer Bank oder einem Direktbroker. Ohne Depot ist kein Handel mit Zertifikaten möglich.
Produkt auswählen
Du suchst ein Zertifikat über die Wertpapierkennnummer (WKN) oder den Namen des Emittenten. Prüfe vor dem Kauf die Produktbeschreibung genau.
Order aufgeben
Du kaufst das Zertifikat an der Börse oder direkt über den Anbieter. Beim Börsenhandel zahlst du die Geld-Brief-Spanne.
Rückzahlung oder Verkauf
Am Ende der Laufzeit erhältst du die Rückzahlung gemäß den Bedingungen. Alternativ verkaufst du das Zertifikat vorher über die Börse.
05 · Kosten
Welche Kosten fallen beim Zertifikatekauf an?
Zertifikate sind mit relativ hohen Nebenkosten verbunden. Nicht alle Kosten werden offen ausgewiesen, manche sind in der Struktur des Wertpapiers versteckt.
Beim Kauf eines neu herausgegebenen Zertifikats wird in der Regel ein Ausgabeaufschlag von 1 bis 3 Prozent des Ausgabekurses erhoben. Die genaue Höhe steht im Verkaufsprospekt. Zusätzlich zahlst du die Ordergebühr deiner Depotbank, die je nach Anbieter unterschiedlich ausfällt.
Beim Börsenhandel entsteht die Geld-Brief-Spanne, auch Spread genannt. Der Briefkurs, zu dem du kaufst, liegt immer über dem Geldkurs, zu dem die Bank zurücknimmt. Je seltener ein Zertifikat gehandelt wird, desto größer ist diese Spanne. Versteckte Kosten schlagen sich in einer Kursminderung nieder und werden dir nicht separat in Rechnung gestellt.
- Der Ausgabeaufschlag beträgt bei neuen Zertifikaten 1 bis 3 Prozent.
- Die Ordergebühr hängt von den Konditionen deiner Depotbank ab.
- Die Geld-Brief-Spanne ist bei selten gehandelten Papieren größer.
- Versteckte Strukturkosten mindern den Kurs, ohne ausgewiesen zu werden.
Typische Kostenarten bei Zertifikaten
06 · Im Vertrag
Was ist das Emittentenrisiko?
Das Emittentenrisiko ist das zentrale Risiko bei Zertifikaten. Es beschreibt die Gefahr, dass die herausgebende Bank zahlungsunfähig wird.
Das Emittentenrisiko ist das zentrale Risiko bei Zertifikaten. Rechtlich gesehen ist ein Zertifikat eine Schuldverschreibung der herausgebenden Bank. Dein Vertragspartner ist diese Bank, nicht das Unternehmen, dessen Aktie als Basiswert dient.
Wird die Bank zahlungsunfähig, droht dir im Extremfall der Totalverlust deines eingesetzten Kapitals. Die Bonität des Emittenten bestimmt, wie wahrscheinlich die Rückzahlung ist. Bei schlechter Bonität steigt das Risiko eines Verlusts, unabhängig davon, wie sich der Basiswert entwickelt.
- Der Emittent ist die Bank, die das Zertifikat ausgibt.
- Du bist Gläubiger der Bank und trägst deren Insolvenzrisiko.
- Die Bonität des Emittenten bestimmt die Wahrscheinlichkeit der Rückzahlung.
- Im Extremfall ist ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals möglich.
Emittentenrisiko und Bonität
07 · Was gilt
Für wen eignen sich Zertifikate?
Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht weist darauf hin, dass sich Zertifikate nur für erfahrene Anlegerinnen und Anleger eignen. Für Einsteiger sind sie in der Regel nicht sinnvoll.
Du solltest nur Geld in Produkten anlegen, die du bis ins Detail verstanden hast. Für den langfristigen Vermögensaufbau ist ein breit gestreuter Aktien-ETF in der Regel die bessere Wahl.
Zertifikate können für Anleger sinnvoll sein, die gezielt auf bestimmte Marktbewegungen setzen möchten. Dazu gehören Personen, die bestehende Positionen absichern wollen oder bereit sind, höhere Risiken für potenziell höhere Renditen einzugehen. Einsteiger ohne tiefgehende Finanzkenntnisse sollten die Finger davon lassen.
- Geeignet sind erfahrene Anleger mit genauer Produktkenntnis.
- Geeignet sind Personen, die gezielt auf steigende, fallende oder seitwärts laufende Märkte setzen möchten.
- Geeignet sind Anleger, die bestehende Positionen absichern möchten.
- Nicht geeignet sind Einsteiger ohne tiefgehende Finanzkenntnisse.
- Nicht geeignet sind Anleger, die eine sichere Geldanlage mit Einlagensicherung suchen.
Geeignet
Nicht geeignet
08 · Hintergrund
Welche Anlagestrategien lassen sich mit Zertifikaten umsetzen?
Zertifikate erlauben eine Vielzahl von Anlagestrategien. Du kannst auf steigende, fallende oder stagnierende Kurse setzen und das Risiko je nach Produktwahl steuern.
Mit Zertifikaten kannst du auf steigende, fallende oder auch sich seitwärts entwickelnde Kurse setzen. Die Wahl des Wertpapiers entscheidet, ob du eher riskant oder defensiv investieren willst. Sollte die Anlagestrategie des Zertifikats mit deiner Markterwartung übereinstimmen, sind höhere Renditen als direkt im Markt möglich.
Beim Kauf entsprechend konzipierter Zertifikate, zum Beispiel von Garantie- oder Airbag-Zertifikaten, erhältst du die Chance, von Kurssteigerungen zu profitieren und gleichzeitig die Verlustrisiken zu begrenzen. Diesen Vorteil bezahlst du damit, dass der Gewinn meist beschränkt ist. Eine hohe Rendite ist oft nur mit einem hohen Risiko realisierbar.
- Du kannst auf steigende, fallende oder seitwärts laufende Kurse setzen.
- Die Produktwahl bestimmt, ob du riskant oder defensiv investierst.
- Garantie-Zertifikate begrenzen Verluste, aber auch Gewinne.
- Höhere Renditen sind nur mit höherem Risiko erreichbar.
Mit Zertifikaten kannst du eine Vielzahl von Anlagestrategien verfolgen. Beispielsweise kannst du auf steigende, fallende oder auch sich seitwärts entwickelnde Kurse der unterschiedlichsten Basiswerte setzen. Du kannst durch die Wahl des Wertpapiers entscheiden, ob du eher riskant oder defensiv investieren willst.
Sollte die Anlagestrategie des Zertifikats mit deiner Markterwartung übereinstimmen, sind höhere Renditen als direkt im Markt möglich. Bedenke dabei: Eine hohe Rendite ist oft nur mit einem hohen Risiko realisierbar.
Beim Kauf entsprechend konzipierter Zertifikate, zum Beispiel von Garantie- oder Airbag-Zertifikaten, erhältst du die Chance, von Kurssteigerungen zu profitieren und gleichzeitig die Verlustrisiken zu begrenzen, wenn die Kurse fallen. Diesen Vorteil bezahlst du damit, dass der Gewinn meist beschränkt ist.
09 · Fehler vermeiden
Welche Fehler solltest du beim Zertifikatekauf vermeiden?
Viele Anleger unterschätzen die Risiken von Zertifikaten. Diese typischen Fehler führen zu vermeidbaren Verlusten.
Der häufigste Fehler ist der Kauf eines Produkts, dessen Konstruktion du nicht vollständig verstehst. Wenn du das Zertifikat nicht erklären kannst, wähle eine andere Geldanlage. Auch das Emittentenrisiko wird oft unterschätzt, obwohl es bei einer Bankpleite zum Totalverlust führen kann.
Viele Anleger ignorieren versteckte Kosten, die in der Struktur des Wertpapiers enthalten sind. Diese Gebühren werden nicht separat in Rechnung gestellt, sondern schlagen sich in einer Kursminderung nieder. Bei Knock-out-Zertifikaten ist ein Totalverlust möglich, wenn der Basiswert die Knock-out-Schwelle berührt.
- Kaufe kein Produkt, dessen Konstruktion du nicht vollständig verstehst.
- Unterschätze nicht das Emittentenrisiko und die fehlende Einlagensicherung.
- Ignoriere nicht die versteckten Kosten in der Struktur des Wertpapiers.
- Überschätze nicht die Renditechancen bei gleichzeitiger Unterschätzung des Verlustrisikos.
- Verwechsle Zertifikate nicht mit direkten Anlagen in den Basiswert.
Häufige Fehler beim Kauf von Zertifikaten
10 · Was gilt
Wie werden Zertifikate besteuert?
Gewinne aus Zertifikaten unterliegen der Abgeltungsteuer. Der Sparer-Pauschbetrag kann deine Steuerlast reduzieren.
Gewinne aus Zertifikaten unterliegen der Abgeltungsteuer von 25 Prozent. Hinzu kommen der Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent auf die Abgeltungsteuer und gegebenenfalls Kirchensteuer. Steuerpflichtig sind Kursgewinne aus dem Verkauf, Kuponzahlungen bei Aktienanleihen und Rückzahlungen, die über dem Kaufpreis liegen.
Der Sparer-Pauschbetrag reduziert deine Steuerlast. Pro Person und Jahr bleiben Gewinne bis 1000 EUR steuerfrei. Bei zusammenveranlagten Ehepaaren verdoppelt sich der Betrag auf 2000 EUR. Gewinne innerhalb dieses Freibetrags musst du nicht versteuern.
- Kursgewinne aus dem Verkauf von Zertifikaten sind steuerpflichtig.
- Kuponzahlungen bei Aktienanleihen unterliegen der Abgeltungsteuer.
- Rückzahlungen über dem Kaufpreis sind steuerpflichtig.
- Gewinne bis 1000 EUR pro Person und Jahr bleiben steuerfrei.
- Bei zusammenveranlagten Ehepaaren sind 2000 EUR pro Jahr steuerfrei.
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