Ratgeber · Investieren
Was kostet eine Option? Alle Kosten im Optionshandel
Die Kosten einer Option bestehen nicht nur aus der Prämie. Entscheidend sind auch Gebühren, Spreads und die Wirkung der Volatilität auf den Preis.
11 Kapitel · 12 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- Die Optionsprämie ist der Preis für das Recht, einen Basiswert zu kaufen oder zu verkaufen.
- Beim Kauf einer Option ist dein maximaler Verlust auf die gezahlte Prämie begrenzt.
- Als Stillhalter vereinnahmst du die Prämie, trägst aber deutlich höhere Verpflichtungen.
- Neben der Prämie fallen beim Handel über eine Optionsbörse auch Transaktionskosten an.
01 · Grundlagen
Was ist die Prämie bei Optionen?
Die Prämie ist der Preis, den du als Käufer einer Option an den Verkäufer zahlst. Sie wird pro Kontrakt oder pro Aktie angegeben und ist die zentrale Kostenkomponente.
Bei Aktienoptionen liegt das übliche Bezugsverhältnis bei 1:100, ein Kontrakt bezieht sich also auf 100 Aktien. Eine Prämie von 4,90 EUR je Aktie kostet dich damit 490 EUR pro Kontrakt.
Für dich als Käuferin ist die Prämie der maximale Verlust, den du bei einem Long Call oder Long Put erleiden kannst. Notiert die Option am Verfallstag aus dem Geld, verfällt sie wertlos und du verlierst genau diesen Betrag zuzüglich der Transaktionskosten. Der Verkäufer der Option erhält die Prämie dagegen als Einnahme, muss dafür aber die Verpflichtung aus dem Kontrakt übernehmen.
Die Prämie ist der Preis für das Ausübungsrecht und gleichzeitig dein maximaler Verlust als Optionskäuferin.
Kurz erklärt
Optionsprämie
Der Preis für das Ausübungsrecht einer Option. Sie wird vom Käufer an den Stillhalter gezahlt und hängt vom inneren Wert, dem Zeitwert und der Volatilität ab.
Die Prämie ist der maximale Verlust für den Optionskäufer, aber nicht der einzige Kostenfaktor im Handel.
02 · Vergleich
So setzt sich der Preis einer Option zusammen
Der Preis einer Option besteht aus zwei Bausteinen: dem inneren Wert und dem Zeitwert. Beide reagieren unterschiedlich auf Kursbewegungen und die Restlaufzeit.
Der innere Wert einer Call-Option ist die Differenz zwischen dem aktuellen Kurs des Basiswerts und dem Basispreis, sofern diese Differenz positiv ist. Liegt der Aktienkurs unter dem Basispreis, hat der Call keinen inneren Wert. Bei einer Put-Option dreht sich die Rechnung um: Hier zählt die Differenz zwischen Basispreis und aktuellem Kurs.
Der Zeitwert ist der Aufschlag, den du für die Chance zahlst, dass die Option bis zum Verfall weiter ins Geld läuft oder tiefer ins Geld gerät. Er nimmt mit abnehmender Restlaufzeit kontinuierlich ab und ist am Verfallstag immer null. Eine Option am Geld oder aus dem Geld besteht preislich ausschließlich aus Zeitwert, weil sie keinen inneren Wert besitzt.
Ein Beispiel aus der Praxis: Du kaufst eine Call-Option auf eine Aktie mit Basispreis 138 EUR. Steigt die Aktie auf 145 EUR, beträgt der innere Wert 7 EUR je Aktie. Verbleiben noch 20 Tage bis zum Verfall, kommt ein Zeitwert hinzu, der den Optionspreis über den inneren Wert hinaus erhöht.
| Innerer Wert | Zeitwert | |
|---|---|---|
| Definition | Differenz zwischen aktuellem Kurs des Basiswerts und dem Basispreis, wenn die Option im Geld ist. | Aufschlag für die Chance, dass die Option bis zum Verfall weiter ins Geld läuft. |
| Wert am Verfallstag | Kann einen positiven Wert haben oder null sein. | Ist am Verfallstag immer null. |
03 · Kosten
Was kostet der Kauf einer Call-Option?
Ein Long Call gibt dir das Recht, einen Basiswert zu einem festen Preis zu kaufen. Die Kosten dafür sind die Prämie, die du sofort zahlen musst.
Beim Kauf einer Call-Option zahlst du die Prämie sofort an den Stillhalter. Zusätzlich fallen Transaktionskosten deines Brokers an, die je nach Anbieter unterschiedlich hoch sind und pro Kontrakt oder als Pauschale berechnet werden können. Diese Kosten musst du bei deiner Gewinnschwelle berücksichtigen.
Ein konkretes Beispiel: Du kaufst eine Call-Option am Geld mit Basispreis 138 EUR und einer Laufzeit von 40 Tagen. Die Prämie beträgt 4,90 EUR je Aktie, also 490 EUR pro Kontrakt bei einem Bezugsverhältnis von 1:100. Dein Break-even liegt damit bei 142,90 EUR, denn erst oberhalb dieses Aktienkurses erzielst du nach Abzug der Prämie einen Gewinn.
Steigt die Aktie vorzeitig auf 145 EUR und die Option hat noch einen Zeitwert von 250 EUR, kannst du die Position für 950 EUR verkaufen. Dein Gewinn vor Transaktionskosten beträgt dann 460 EUR. Fällt die Aktie dagegen unter 138 EUR und du hältst bis zum Verfall, verlierst du die gesamte Prämie von 490 EUR.
Der maximale Verlust beim Kauf einer Call-Option ist auf die gezahlte Prämie zuzüglich Transaktionskosten begrenzt.
Kostenbestandteile eines Long Call
04 · Was gilt
Was kostet der Verkauf einer Option als Stillhalter?
Als Stillhalter oder Optionsverkäufer nimmst du die Prämie ein. Dafür gehst du eine Verpflichtung ein, die mit erheblichen Kapitaleinsätzen verbunden sein kann.
Als Stillhalterin nimmst du die Optionsprämie sofort bei Verkauf ein. Der Zeitwertverfall arbeitet dabei für deine Position, denn mit jedem Tag, an dem die Option nicht ausgeübt wird, sinkt ihr Wert und du kannst sie günstiger zurückkaufen oder sie verfällt wertlos. Auch bei stagnierenden Kursen kannst du auf diese Weise Einnahmen erzielen.
Die Kosten und Risiken liegen auf der Verpflichtungsseite. Du musst an der Optionsbörse Margin hinterlegen, also Sicherheiten für den Fall, dass sich der Markt gegen dich bewegt. Bei einem Short Call ohne Absicherung durch den Basiswert sind deine potenziellen Verluste unbegrenzt, weil der Aktienkurs theoretisch beliebig hoch steigen kann. Wird die Option ausgeübt, musst du den Basiswert liefern oder abnehmen.
Die vereinnahmte Prämie kann die tatsächlichen Risiken eines Short Calls verschleiern, wenn du die Margin-Anforderungen und das Verlustpotenzial nicht einrechnest.
Das bekommst du
Das kostet dich
05 · Im Vertrag
Bedingte Termingeschäfte: Rechte und Pflichten
Optionen gehören zu den bedingten Termingeschäften. Das bedeutet: Nur der Stillhalter ist an die Erfüllung gebunden, der Käufer hat ein Wahlrecht.
Bei einem bedingten Termingeschäft ist die Erfüllung an die Ausübung durch den Käufer gekoppelt. Du als Käuferin einer Option hast das Recht, den Basiswert zum Basispreis zu kaufen oder zu verkaufen, musst es aber nicht tun. Die Prämie ist der Preis für dieses Wahlrecht.
Der Verkäufer der Option steht auf der anderen Seite und hat eine Pflicht. Er muss den Basiswert liefern oder abnehmen, wenn du die Option ausübst. Dafür erhält er die Prämie als Ausgleich für das übernommene Risiko. Im Gegensatz zu unbedingten Termingeschäften wie Futures besteht bei Optionen kein automatischer Kontrahierungszwang für beide Seiten.
Diese Konstruktion hat direkte Auswirkungen auf dein Risiko: Als Käuferin ist dein Verlust auf die Prämie begrenzt, als Verkäuferin trägst du dagegen das volle Erfüllungsrisiko. Die vier Grundpositionen Long Call, Long Put, Short Call und Short Put unterscheiden sich genau in dieser Verteilung von Rechten und Pflichten.
Rechte und Pflichten im Optionskontrakt
06 · Vergleich
Optionsscheine: Was kostet das verbriefte Pendant?
Optionsscheine sind von Banken emittierte Wertpapiere, die ähnlich wie Optionen funktionieren. Ihre Kostenstruktur unterscheidet sich jedoch in einigen Punkten.
Börsengehandelte Optionen sind Kontrakte zwischen zwei Marktteilnehmern an einer Terminbörse wie der Eurex. Die Preisbildung erfolgt durch Angebot und Nachfrage, was oft zu engen Spreads führt. Das Clearing über die Börse reduziert das Ausfallrisiko, weil die Börse als zentrale Gegenpartei eintritt.
Optionsscheine werden dagegen von einer Bank oder einem Emittenten als Wertpapier ausgegeben. Die Kurse stellt der Emittent selbst, wodurch die Spreads breiter sein können als bei börsengehandelten Optionen. Dein Kontrahentenrisiko hängt bei Optionsscheinen von der Bonität des Emittenten ab, nicht von der Börse.
Für Privatanlegerinnen sind Optionsscheine oft leichter zugänglich, weil sie an normalen Wertpapierbörsen gehandelt werden und keine Terminbörsen-Zugänge erfordern. Dafür sind sie weniger standardisiert und du bist stärker von der Preisstellung des Emittenten abhängig.
| Börsengehandelte Option | Optionsschein | |
|---|---|---|
| Emittent | Kontrakt zwischen zwei Marktteilnehmern an einer Terminbörse. | Wertpapier, das von einer Bank oder einem Emittenten ausgegeben wird. |
07 · Checkliste
Der Basispreis: Deine Kostenbremse im Optionshandel
Der Basispreis bestimmt, ab welchem Kurs des Basiswerts sich die Ausübung lohnt. Er beeinflusst direkt die Höhe der Prämie.
Er beeinflusst die Prämie direkt, weil er bestimmt, wie viel inneren Wert eine Option bereits besitzt und wie wahrscheinlich es ist, dass sie ins Geld läuft.
Für deine Kosten bedeutet das: Ein Call mit niedrigem Basispreis ist teurer als ein Call mit hohem Basispreis, weil er bereits mehr inneren Wert enthält. Ein Put mit hohem Basispreis ist teurer als ein Put mit niedrigem Basispreis. Optionen am Geld haben den höchsten Zeitwert, weil die Unsicherheit über den Ausgang am größten ist.
- Weit aus dem Geld liegende Optionen sind günstig, haben aber eine geringere Wahrscheinlichkeit, ins Geld zu laufen.
- Ein Delta nahe 0 bei weit aus dem Geld liegenden Optionen zeigt die niedrige Ausübungswahrscheinlichkeit an.
- Am Geld liegt das Delta bei etwa 0,5 für Calls und minus 0,5 für Puts.
So wirkt der Basispreis auf deine Kosten
Ein Call mit niedrigem Basispreis ist teurer als ein Call mit hohem Basispreis.
Ein Put mit hohem Basispreis ist teurer als ein Put mit niedrigem Basispreis.
Optionen am Geld haben den höchsten Zeitwert.
Weit aus dem Geld liegende Optionen sind günstig, haben aber eine geringere Wahrscheinlichkeit, ins Geld zu laufen.
08 · Hintergrund
Hedging: Was kostet die Absicherung mit Optionen?
Optionen eignen sich zur Absicherung von Aktienpositionen. Die Kosten dafür sind die Prämie, die wie eine Versicherungsprämie wirkt.
Wenn du eine Aktie hältst und dich gegen fallende Kurse absichern möchtest, kannst du eine Put-Option kaufen. Die Prämie für diesen Put ist der Preis für die Absicherung und funktioniert wie eine Versicherungsprämie. Du zahlst sie unabhängig davon, ob der Schadensfall eintritt oder nicht.
Steigt die Aktie, verfällt der Put wertlos und du verlierst nur die Prämie. Fällt die Aktie, gewinnt der Put an Wert und gleicht Verluste aus der Aktienposition teilweise oder vollständig aus. Die Kosten der Absicherung hängen von der Laufzeit, der Volatilität und dem gewählten Basispreis ab. Ein Basispreis nahe am aktuellen Kurs bietet mehr Schutz, kostet aber eine höhere Prämie.
Die Prämie für einen Put ist der Preis für die Absicherung deiner Aktienposition und wirkt wie eine Versicherungsprämie.
Wenn du eine Aktie hältst und dich gegen fallende Kurse absichern möchtest, kannst du eine Put-Option kaufen. Die Prämie für diesen Put ist der Preis für die Absicherung.
Steigt die Aktie, verfällt der Put wertlos und du verlierst nur die Prämie. Fällt die Aktie, gewinnt der Put an Wert und gleicht Verluste aus der Aktienposition teilweise oder vollständig aus.
Die Kosten der Absicherung hängen von der Laufzeit, der Volatilität und dem gewählten Basispreis ab. Ein Basispreis nahe am aktuellen Kurs bietet mehr Schutz, kostet aber eine höhere Prämie.
09 · Was gilt
Optionsbörsen: Wo fallen Handelskosten an?
Der Handel mit Optionen findet an speziellen Terminbörsen statt. Dort entstehen neben der Prämie auch Transaktionskosten.
Neben der Prämie entstehen dort direkte Kosten wie Brokergebühren pro Kontrakt und Börsenentgelte. Diese variieren je nach Anbieter und Handelsplatz.
Indirekte Kosten fallen durch die Geld-Brief-Spanne an, also die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis einer Option. Bei illiquiden Optionen kann diese Spanne breit sein und deine Rendite schmälern. Zusätzlich bindest du als Stillhalterin Kapital als Margin, das du nicht anderweitig anlegen kannst. Slippage bei schnellen Kursbewegungen und Kosten für Datenfeeds oder Handelssoftware kommen je nach Handelsansatz hinzu.
Die Geld-Brief-Spanne ist ein indirekter Kostenfaktor, den du bei jeder Optionsorder berücksichtigen solltest.
Direkte Kosten
Indirekte Kosten
10 · Fehler vermeiden
Optionsverkäufer: Diese Kostenrisiken solltest du kennen
Als Optionsverkäufer erhältst du die Prämie, gehst aber Verpflichtungen ein. Die Risiken und Kosten können die Einnahmen deutlich übersteigen.
Bei Short Calls auf steigende Kurse ist dein Verlustrisiko unbegrenzt, weil der Aktienkurs theoretisch beliebig hoch steigen kann. Eine Absicherung durch den Basiswert reduziert dieses Risiko, kostet aber zusätzliches Kapital.
Margin-Anforderungen können bei starken Kursbewegungen steigen und dich zwingen, kurzfristig weitere Sicherheiten nachzuschießen. Eine vorzeitige Ausübung durch den Käufer kann zu unerwarteten Lieferverpflichtungen führen, die du nicht eingeplant hast. Die vereinnahmte Prämie wirkt auf den ersten Blick attraktiv, verschleiert aber die tatsächlichen Risiken der Position.
- Unbegrenztes Verlustrisiko bei Short Calls auf steigende Kurse ohne Absicherung.
- Margin-Anforderungen können bei starken Kursbewegungen steigen.
- Vorzeitige Ausübung kann zu unerwarteten Lieferverpflichtungen führen.
- Die vereinnahmte Prämie kann die tatsächlichen Risiken verschleiern.
Typische Kostenfallen für Optionsverkäufer
11 · Hintergrund
Volatilität: Der unsichtbare Kostenfaktor
Die erwartete Schwankungsbreite des Basiswerts beeinflusst die Optionsprämie erheblich. Hohe Volatilität macht Optionen teurer.
Steigt die erwartete Volatilität, steigen auch die Optionspreise, weil die Chance auf eine große Kursbewegung zunimmt. Für dich als Käuferin bedeutet hohe Volatilität höhere Kosten, für Verkäuferinnen höhere Einnahmen bei gleichzeitig höherem Risiko.
Nach Ereignissen wie Quartalszahlen sinkt die Volatilität oft schlagartig. Das kann zu einem deutlichen Preisverfall bei Optionen führen, selbst wenn sich der Kurs des Basiswerts kaum bewegt. Wer kurz vor solchen Terminen Optionen kauft, zahlt eine erhöhte Prämie und trägt das Risiko eines Volatilitätsrückgangs nach der Bekanntgabe.
Hohe erwartete Volatilität macht Optionen teurer, ein plötzlicher Volatilitätsrückgang kann den Optionspreis auch ohne Kursbewegung des Basiswerts stark fallen lassen.
Steigt die erwartete Volatilität, steigen auch die Optionspreise. Das liegt daran, dass die Chance auf eine große Kursbewegung zunimmt.
Für Käufer bedeutet hohe Volatilität höhere Kosten. Für Verkäufer sind das höhere Einnahmen, aber auch ein höheres Risiko.
Nach Ereignissen wie Quartalszahlen sinkt die Volatilität oft schlagartig. Das kann zu einem deutlichen Preisverfall bei Optionen führen, selbst wenn sich der Kurs des Basiswerts kaum bewegt.
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