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Was kostet Crowdinvesting? Kosten für Anleger und Unternehmen

Die Kosten beim Crowdinvesting hängen stark davon ab, ob du als Anlegerin Kapital gibst oder als Unternehmen Kapital einsammelst. Während Anlegerinnen vor allem mit Gebühren und dem Risiko des Totalverlusts kalkulieren müssen, zahlen Unternehmen Plattformgebühren und laufende Zinsen.

10 Kapitel · 10 Min. Lesezeit · Aktualisiert 12.10.2026

Das Wichtigste

  • Für Anlegerinnen entstehen oft keine direkten Gebühren, aber das Risiko eines Totalverlusts ist der größte Kostenfaktor.
  • Unternehmen zahlen Plattformgebühren von etwa 5 bis 12 Prozent der Finanzierungssumme.
  • Die Mindestinvestition für Anlegerinnen kann je nach Plattform bei 10, 250 oder 500 Euro beginnen.
  • Erträge aus Nachrangdarlehen und stillen Beteiligungen unterliegen der Abgeltungsteuer von 25 Prozent.

01 · Grundlagen

Definition: Was ist Crowdinvesting?

Crowdinvesting ist eine Form der Schwarmfinanzierung, bei der viele Menschen kleine Beträge in ein Unternehmen oder Projekt investieren. Anders als beim klassischen Crowdfunding steht für dich als Anlegerin die finanzielle Rendite im Vordergrund.

Beim Crowdinvesting gibst du einem Unternehmen oder Projekt Kapital und wirst dafür am wirtschaftlichen Erfolg beteiligt. Die häufigste Form ist das Nachrangdarlehen, bei dem deine Forderung im Insolvenzfall erst nach allen anderen Gläubigern bedient wird. International spricht man meist von equity-based Crowdfunding.

Für dich als Anlegerin steht der Renditeaspekt im Vordergrund, anders als beim klassischen Crowdfunding, wo oft eine Gegenleistung wie ein Produkt winkt. Dein eingesetztes Kapital ist Wagniskapital, das du bei einem Scheitern des Projekts komplett verlieren kannst.

Die Beteiligung erfolgt meist als Mezzanine-Kapital, also als Mischform aus Eigen- und Fremdkapital.

Kurz erklärt

Crowdinvesting

Eine spezielle Form des Crowdfunding, bei der Kapitalgeber für Unternehmen oder Projekte gesucht und für ihre Investition finanziell am Erfolg beteiligt werden.

International wird meist die Bezeichnung equity-based Crowdfunding genutzt.

02 · Kosten

Kosten für Unternehmen: Plattformgebühren und Finanzierungs­kosten

Wenn du als Unternehmen eine Kampagne startest, sind die Plattformgebühren der größte direkte Kostenblock. Hinzu kommen die laufenden Zins- oder Gewinnbeteiligungen für deine Investoren.

Für dein Unternehmen entstehen beim Crowdinvesting zwei große Kostenblöcke. Die Plattform berechnet eine einmalige Gebühr, die auf die erfolgreich eingesammelte Summe erhoben wird. Üblich sind hier 5 bis 12 Prozent der Finanzierungssumme.

Zusätzlich zahlst du an deine Investoren laufende Zinsen oder eine Gewinnbeteiligung. Diese Finanzierungskosten fallen über die gesamte Laufzeit an und machen die Gesamtkosten im Vergleich zu einem klassischen Bankdarlehen oft hoch.

  • Die Plattformgebühr wird nur bei erfolgreicher Finanzierung fällig.
  • Für die Kampagne musst du umfangreiche Unterlagen wie Businessplan und Präsentation erstellen.
  • Die laufende Verzinsung ist ein dauerhafter Kostenfaktor, den du in deiner Liquiditätsplanung berücksichtigen musst.

Typische Kostenbestandteile für Unternehmen beim Crowdinvesting

Plattformgebühr (einmalig)5 bis 12 Prozent der Finanzierungssumme
Laufende Verzinsung oder GewinnbeteiligungRegelmäßige Zahlungen an Investoren
Erstellung von KampagnenunterlagenBusinessplan, Präsentation, Imagevideo

03 · Kosten

Kosten für Anlegerinnen: Gebühren, Steuern und Totalverlustrisiko

Als Anlegerin zahlst du auf vielen Plattformen keine direkten Gebühren für dein Investment. Deine tatsächlichen Kosten entstehen durch Steuern auf Erträge und das Risiko, dein eingesetztes Kapital komplett zu verlieren.

Direkte Plattformgebühren zahlst du als Anlegerin oft nicht. Deine tatsächlichen Kosten entstehen an anderer Stelle: Erträge aus stillen Beteiligungen und Nachrangdarlehen gelten als Kapitaleinkünfte und unterliegen der Abgeltungsteuer von 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag.

Der größte Kostenfaktor ist jedoch das Risiko des Totalausfalls. Wenn das Unternehmen insolvent geht, kannst du dein gesamtes eingesetztes Kapital verlieren. Einkünfte aus atypischen stillen Beteiligungen werden dagegen mit deinem persönlichen Steuersatz besteuert.

Kalkuliere immer mit dem vollständigen Verlust deines Einsatzes, nicht nur mit der Steuerlast.

Kostenfaktoren für Anlegerinnen beim Crowdinvesting

Risiko des TotalausfallsMöglich bei jeder Investition
Abgeltungsteuer auf Erträge25 Prozent zzgl. Solidaritätszuschlag

04 · Vergleich

Beteiligungs­formen: Nachrangdarlehen, stille Beteiligung, Genussrechte

Die Art deiner Beteiligung bestimmt, wie du am Erfolg teilnimmst und wie hoch dein Risiko im Insolvenzfall ist. Die meisten Crowdinvesting-Modelle nutzen Mezzanine-Kapital, eine Mischform aus Eigen- und Fremdkapital.

Die Art deiner Beteiligung bestimmt, wie du vergütet wirst und welchen Rang deine Forderung im Insolvenzfall hat. Nachrangdarlehen sind eher dem Fremdkapital zuzuordnen und bieten meist einen festen oder variablen Zins. Stille Beteiligungen ähneln eher dem Eigenkapital und gewähren dir eine Gewinnbeteiligung.

Genussrechte sind schuldrechtlich begründet und besonders flexibel. Bei einer atypischen stillen Beteiligung wirst du nicht unmittelbar Gesellschafterin des Unternehmens, aber der Stillen Gesellschaft in Form einer Innen-GbR. Mitbestimmungsrechte hast du bei keiner dieser Formen.

Alle drei Beteiligungsformen sind im Insolvenzfall nachrangig, deine Forderung wird also erst nach allen anderen Gläubigern bedient.

Die drei häufigsten Beteiligungsformen beim Crowdinvesting
NachrangdarlehenStille BeteiligungGenussrechte
CharakterEher EigenkapitalSchuldrechtlich, flexibel
Mitbestimmungs­rechteKeine
VergütungGewinnbeteiligung

05 · Was gilt

Mindestinvestition und Beteiligungs­dauer: Was gilt für dich?

Die Einstiegshürden beim Crowdinvesting sind niedrig, aber dein Geld ist oft für Jahre gebunden. Die Laufzeit hängt stark von der Branche ab.

Die Einstiegshürden sind niedrig: Je nach Plattform kannst du bereits ab 10, 250 oder 500 Euro investieren. Dein Geld ist danach aber für Jahre gebunden, eine Kündigung während der Laufzeit ist meist nicht vorgesehen.

Die Beteiligungsdauer hängt stark von der Branche ab. Bei Immobilienprojekten liegt sie üblicherweise bei 2 bis 3 Jahren, bei Startups musst du mit 5 bis 8 Jahren rechnen. Einen etablierten Sekundärmarkt für den schnellen Verkauf deiner Beteiligung gibt es nicht, nur einige Plattformen bieten einen eigenen Handelsplatz an.

Investiere nur Geld, auf das du über die gesamte Laufzeit verzichten kannst.

Üblich

·Mindestinvestition ab 10, 250 oder 500 Euro je nach Plattform
·Beteiligungsdauer bei Immobilien meist 2 bis 3 Jahre
·Beteiligungsdauer bei Startups meist 5 bis 8 Jahre
·Keine Kündigungsmöglichkeit während der Laufzeit

Eher unüblich

·Ein etablierter Sekundärmarkt für den schnellen Verkauf
·Eine garantierte Rückzahlung deines Einsatzes
·Mitbestimmungsrechte im Unternehmen

06 · Im Vertrag

Rechtlicher Rahmen: Das Vermögensanlagengesetz

Das Vermögensanlagengesetz schützt dich als Privatanlegerin durch festgelegte Obergrenzen für Einzelinvestments. Diese Grenzen gelten unabhängig von der Plattform.

Das Vermögensanlagengesetz begrenzt dein Einzelinvestment als Privatperson. Die Basisregel erlaubt maximal 1.000 Euro pro Investment. Diese Grenze gilt unabhängig von der Plattform und soll dich vor zu hohen Risiken schützen.

Die Summe erhöht sich auf 10.000 Euro, wenn du eine Selbstauskunft über ein frei verfügbares Einkommen von mindestens 100.000 Euro nachweisen kannst. Alternativ reicht die Erklärung, dass du nicht mehr als das Doppelte deines monatlichen Nettoeinkommens investierst.

Die gesetzliche Obergrenze von 1.000 Euro gilt pro Privatperson und Investment, nicht pro Plattform.

Wichtige Regeln aus dem Vermögensanlagengesetz

Maximaler InvestitionsbetragBasisregelPro Privatperson ist der maximale Investitionsbetrag gesetzlich auf 1.000 Euro begrenzt.
Erhöhte GrenzeAusnahmeDie Summe erhöht sich auf 10.000 Euro, wenn du eine Selbstauskunft über ein frei verfügbares Einkommen von mindestens 100.000 Euro nachweisen kannst oder erklärst, dass du nicht mehr als das Doppelte deines monatlichen Nettoeinkommens investierst.
Alles-oder-nichts-PrinzipPlattformpraxisAuf den meisten Plattformen kommt die Finanzierung nur dann zur Auszahlung, wenn das Ziel vollständig erreicht wird.

07 · Checkliste

Rendite und Risiko: Lohnt sich Crowdinvesting für dich?

Crowdinvesting kann überdurchschnittliche Renditen bieten, ist aber immer mit einem hohen Risiko verbunden. Deine individuelle Risikopräferenz sollte die Auswahl der Projekte bestimmen.

Das Ausfallrisiko bei Startup-Finanzierungen ist naturgemäß besonders hoch, bei Immobilien oder erneuerbaren Energien tendenziell geringer. Ein Totalausfall ist jedoch bei jedem Projekt möglich.

Deine individuelle Risikopräferenz sollte die Auswahl der Projekte bestimmen. Streue dein Risiko über mehrere kleine Investments, statt alles auf ein Projekt zu setzen. Nur so kannst du einen Ausfall verkraften, ohne dein gesamtes Kapital zu verlieren.

  • Beurteile Chancen und Risiken für jedes einzelne Projekt individuell.
  • Wähle nur Projekte, die zu deiner persönlichen Risikopräferenz passen.
  • Investiere nur, wenn du das Geschäftsmodell und die Bedingungen verstehst.
  • Investiere nie mehr, als du als Verlust verkraften kannst.

Checkliste vor deiner Investition

01

Beurteile Chancen und Risiken für jedes einzelne Projekt individuell.

02

Wähle nur Projekte, die zu deiner persönlichen Risikopräferenz passen.

03

Investiere nur, wenn du das Geschäftsmodell und die Bedingungen verstehst.

04

Investiere nie mehr, als du als Verlust verkraften kannst.

05

Streue dein Risiko über mehrere kleine Investments.

08 · Fehler vermeiden

Typische Fehler beim Crowdinvesting

Viele Anlegerinnen unterschätzen das Ausfallrisiko oder die lange Bindung ihres Kapitals. Diese Fehler lassen sich vermeiden, wenn du einige Grundregeln beachtest.

Ein häufiger Fehler ist, blind der Crowd hinterherzulaufen, ohne das Projekt selbst zu prüfen. Die Tatsache, dass viele andere investieren, ist kein Qualitätsmerkmal.

Ein weiterer Fehler ist, die steuerliche Behandlung der Erträge nicht einzuplanen. Die Abgeltungsteuer von 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag schmälert deine Rendite. Auch die fehlende Kündigungsmöglichkeit während der Laufzeit wird oft ignoriert.

Der schwerwiegendste Fehler ist, mehr zu investieren, als du im Notfall verlieren kannst.

Häufige Fehler, die du vermeiden solltest

·Blind der Crowd hinterherlaufen, ohne das Projekt selbst zu prüfen.
·Mehr investieren, als du im Notfall verlieren kannst.
·Die lange Beteiligungsdauer und fehlende Kündigungsmöglichkeit ignorieren.
·Das Risiko eines Totalausfalls bei Startup-Finanzierungen unterschätzen.
·Die steuerliche Behandlung der Erträge nicht einplanen.

09 · Schritt für Schritt

Ablauf einer Crowdinvesting-Kampagne

Für Unternehmen folgt eine Kampagne einem klaren Ablauf, von der Vorbereitung bis zur Auszahlung. Die Dauer der eigentlichen Kampagne liegt meist bei ein bis drei Monaten.

Für dein Unternehmen beginnt die Kampagne mit einer intensiven Vorbereitungsphase. Du erstellst umfangreiche Unterlagen wie Businessplan, Finanzplan und Präsentation. Die Bewerbungsphase bei der Plattform dauert etwa zwei Monate, bevor deine Kampagne überhaupt startet.

Die eigentliche Kampagnenphase läuft dann für rund ein bis drei Monate auf der Plattform. In dieser Zeit wirbst du aktiv um Investoren. Nach dem Alles-oder-nichts-Prinzip wird das Geld nur ausgezahlt, wenn das Finanzierungsziel vollständig erreicht wurde.

  • Vorbereitung: Businessplan, Finanzplan und Präsentation erstellen.
  • Bewerbung: Etwa zwei Monate Prüfung durch die Plattform.
  • Kampagne: Ein bis drei Monate aktive Investorensuche.
  • Reporting: Nach erfolgreicher Finanzierung informierst du deine Investoren regelmäßig.
01

Vorbereitung und Bewerbung

Du erstellst umfangreiche Unterlagen wie Businessplan, Finanzplan und Präsentation. Die Bewerbungsphase bei der Plattform dauert etwa zwei Monate.

02

Kampagnenphase

Deine Kampagne läuft auf der Plattform für rund ein bis drei Monate. In dieser Zeit wirbst du aktiv um Investoren.

03

Auszahlung

Nach dem Alles-oder-nichts-Prinzip wird das Geld nur ausgezahlt, wenn das Finanzierungsziel vollständig erreicht wurde.

04

Investoren-Reporting

Nach erfolgreicher Finanzierung bist du verpflichtet, deine Investoren regelmäßig über die Geschäftsentwicklung zu informieren.

10 · Hintergrund

Crowdinvesting-Plattformen: Worauf du achten solltest

Es gibt über 60 verschiedene Crowdinvesting-Plattformen im deutschsprachigen Raum. Die Konditionen für Mindestinvestition, Gebühren und Beteiligungsdauer unterscheiden sich teils deutlich.

Für dich als Unternehmen ist die Plattformgebühr von etwa 5 bis 12 Prozent der Finanzierungssumme ein zentraler Kostenfaktor.

Als Anlegerin solltest du prüfen, ob die Plattform einen eigenen Handelsplatz für deine Beteiligung anbietet. Da ein etablierter Sekundärmarkt fehlt, kann ein solcher Handelsplatz der einzige Weg sein, deine Beteiligung vor Laufzeitende zu verkaufen. Achte außerdem auf die angebotenen Beteiligungsformen und die Mindestinvestitionssumme.

Die Wahl der Plattform beeinflusst deine Kosten als Anlegerin und als Unternehmen direkt.

Die Wahl der Plattform beeinflusst deine Kosten als Anlegerin und als Unternehmen. Achte auf die Höhe der Plattformgebühr, die angebotenen Beteiligungsformen und die Mindestinvestitionssumme.

Für Unternehmen ist entscheidend, ob die Plattform eine intensive Kampagnenbetreuung bietet und wie hoch der Arbeitsaufwand für das nachgelagerte Investoren-Reporting ist. Die Plattformgebühr von etwa 5 bis 12 Prozent der Finanzierungssumme ist ein zentraler Kostenfaktor.

Als Anlegerin solltest du prüfen, ob die Plattform einen eigenen Handelsplatz für deine Beteiligung anbietet, da ein etablierter Sekundärmarkt meist fehlt.

Häufige Fragen

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FinanzredaktionAktualisiert am 12.10.2026