Ratgeber · Investieren
Value-Investing-Rechner: So schätzt du den inneren Wert einer Aktie
Ein Value-Investing-Rechner hilft dir, den rechnerischen inneren Wert einer Aktie mit ihrem aktuellen Kurs zu vergleichen. So erkennst du, ob eine Aktie nach klassischen Kennzahlen unterbewertet sein könnte.
10 Kapitel · 10 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- Der innere Wert basiert auf Fundamentaldaten wie Gewinn je Aktie und erwartetem Wachstum.
- Eine Sicherheitsmarge zwischen 20 und 50 Prozent gilt als Puffer gegen Fehleinschätzungen.
- Die Formel von Benjamin Graham nutzt die Rendite von Unternehmensanleihen als Vergleichsmaßstab.
- Ein Rechner ersetzt keine eigene Analyse, sondern liefert eine erste quantitative Einschätzung.
01 · Grundlagen
Was berechnet ein Value-Investing-Rechner?
Der Rechner ermittelt den inneren Wert einer Aktie anhand der Formel von Benjamin Graham. Dieser Wert wird anschließend dem aktuellen Marktpreis gegenübergestellt.
Der Rechner kombiniert den Gewinn je Aktie mit einer erwarteten Wachstumsrate und setzt das Ergebnis ins Verhältnis zur Rendite von Unternehmensanleihen. Daraus entsteht eine rechnerische Größe, die du mit dem aktuellen Börsenkurs vergleichen kannst. Die Formel stammt von Benjamin Graham und wurde später um einen Zinsfaktor ergänzt, der das jeweilige Marktumfeld abbildet.
Für dich bedeutet das: Du erhältst eine Zahl, die den wahren Wert einer Aktie auf Basis von Fundamentaldaten schätzt. Liegt dieser Wert über dem Marktpreis, spricht man von einer unterbewerteten Aktie. Liegt er darunter, ist die Aktie nach dieser Methode überbewertet.
Der innere Wert ist eine Schätzung, kein exaktes Kursziel. Er dient als Vergleichsgröße, um Kauf- oder Verkaufsentscheidungen systematischer zu treffen.
Kurz erklärt
Innerer Wert
Der innere Wert ist der rechnerische wahre Wert einer Aktie auf Basis von Gewinn, Wachstum und Anleiherendite. Er dient als Vergleichsgröße zum Börsenkurs.
Liegt der innere Wert über dem Marktpreis, spricht man von einer unterbewerteten Aktie.
02 · Checkliste
Welche Eingaben brauchst du für den Rechner?
Für die Berechnung nach Benjamin Graham sind vier Größen notwendig. Diese Kennzahlen findest du in Geschäftsberichten und auf Finanzportalen.
Für die Berechnung nach Benjamin Graham benötigst du vier Werte, die du aus Geschäftsberichten und Finanzportalen entnehmen kannst. Der Gewinn je Aktie (EPS) bezieht sich auf die letzten zwölf Monate und wird berechnet, indem das Jahresnettoeinkommen durch die Anzahl der ausgegebenen Aktien geteilt wird. Die erwartete Wachstumsrate ist deine eigene Schätzung für die nächsten 7 bis 10 Jahre.
Zusätzlich brauchst du die aktuelle Rendite von AAA-Unternehmensanleihen. In den USA lag diese zuletzt bei etwa 4,22 Prozent. Der vierte Wert ist der aktuelle Marktpreis der Aktie, den du an der Börse ablesen kannst.
- Gewinn je Aktie (EPS) der letzten zwölf Monate aus dem Geschäftsbericht.
- Erwartete jährliche Wachstumsrate für die nächsten 7 bis 10 Jahre als deine eigene Prognose.
- Aktuelle Rendite von AAA-Unternehmensanleihen als Vergleichsmaßstab.
- Aktueller Marktpreis der Aktie zum Zeitpunkt der Berechnung.
Notwendige Eingabewerte
Gewinn je Aktie (EPS) der letzten zwölf Monate
Erwartete jährliche Wachstumsrate für die nächsten 7 bis 10 Jahre
Aktuelle Rendite von AAA-Unternehmensanleihen
Aktueller Marktpreis der Aktie
03 · Schritt für Schritt
So funktioniert die Formel von Benjamin Graham
Die Berechnung verknüpft den Gewinn je Aktie mit einem Wachstumsfaktor und setzt diesen ins Verhältnis zur Anleiherendite. Daraus ergibt sich der innere Wert je Aktie.
Die Berechnung erfolgt in mehreren Schritten und beginnt mit einem Basiswert. Du multiplizierst die erwartete Wachstumsrate mit 2 und addierst 8,5. Diese Zahl steht für ein faires Kurs-Gewinn-Verhältnis einer Aktie ohne Wachstum.
Anschließend multiplizierst du diesen Basiswert mit dem Gewinn je Aktie. So erhältst du den inneren Wert ohne Berücksichtigung des aktuellen Zinsniveaus. Im letzten Schritt multiplizierst du das Ergebnis mit 4,4 und teilst es durch die aktuelle Rendite von AAA-Unternehmensanleihen.
Basiswert bilden
Multipliziere die erwartete Wachstumsrate mit 2 und addiere 8,5. Dieser Faktor steht für ein faires Kurs-Gewinn-Verhältnis.
Gewinn einbeziehen
Multipliziere den Basiswert mit dem Gewinn je Aktie. So erhältst du den Wert ohne Zinsanpassung.
Zinsniveau berücksichtigen
Multipliziere das Ergebnis mit 4,4 und teile es durch die aktuelle Rendite von AAA-Unternehmensanleihen.
Inneren Wert ablesen
Das Ergebnis ist der innere Wert je Aktie. Vergleiche ihn mit dem aktuellen Marktpreis.
04 · Vergleich
Innerer Wert im Vergleich zum Marktpreis
Der Vergleich zeigt, ob eine Aktie unter oder über ihrem rechnerischen Wert notiert. Die Differenz wird als Sicherheitsmarge bezeichnet.
Der Vergleich zwischen innerem Wert und Marktpreis zeigt dir, ob eine Aktie nach der Graham-Formel günstig oder teuer ist. Liegt der Marktpreis unter dem inneren Wert, gilt die Aktie als unterbewertet. In diesem Fall kann sich ein Kauf lohnen, wenn du die Aktie langfristig halten möchtest.
Liegt der Marktpreis über dem inneren Wert, ist die Aktie nach dieser Methode überbewertet. Dann ist es oft sinnvoll zu warten, bis der Markt den Kurs unter den inneren Wert fallen lässt. Die Differenz zwischen beiden Werten wird als Sicherheitsmarge bezeichnet und in Prozent ausgedrückt.
Eine positive Sicherheitsmarge von 20 bis 50 Prozent gilt als erstrebenswert. Sie schützt dich vor Verlusten, wenn deine Wachstumsannahmen nicht eintreten.
| Marktpreis unter innerem Wert | Marktpreis über innerem Wert | |
|---|---|---|
| Bewertung | Unterbewertet | Überbewertet |
| Typische Reaktion | Kaufen und halten | Abwarten oder verkaufen |
| Sicherheitsmarge | Positiv, oft 20 bis 50 Prozent | Negativ oder nicht vorhanden |
05 · Hintergrund
Welche Rolle spielt die Rendite von Unternehmensanleihen?
Die Anleiherendite dient als Vergleichsmaßstab für eine risikoarme Alternative zur Aktie. Steigt sie, sinkt der berechnete innere Wert.
In der ursprünglichen Formel von Benjamin Graham steht der Faktor 4,4 für die Rendite von Unternehmensanleihen in den USA im Jahr 1962. Da sich das Zinsniveau seither verändert hat, wird dieser Wert durch die aktuelle Rendite von AAA-Unternehmensanleihen ersetzt. Dadurch passt sich die Berechnung an das jeweilige Marktumfeld an.
Der Zusammenhang ist direkt: Steigt die Anleiherendite, sinkt der berechnete innere Wert einer Aktie. Liegt die aktuelle Rendite bei etwa 4,22 Prozent, fällt der innere Wert niedriger aus als bei einer Rendite von 3,7 Prozent. Höhere Anleiherenditen machen festverzinsliche Alternativen attraktiver und Aktien im Vergleich weniger interessant.
Für dich bedeutet das: Du solltest die Anleiherendite regelmäßig aktualisieren, wenn du den Rechner nutzt. Ein veralteter Wert verzerrt das Ergebnis.
In der Formel von Benjamin Graham steht der Faktor 4,4 für die Rendite von Unternehmensanleihen im Jahr 1962. Für die Gegenwart wird dieser Wert durch die aktuelle Rendite von AAA-Unternehmensanleihen ersetzt.
Liegt die aktuelle Rendite bei etwa 4,22 Prozent, fällt der innere Wert niedriger aus als bei einer Rendite von 3,7 Prozent. Höhere Anleiherenditen machen Aktien im direkten Vergleich weniger attraktiv.
06 · Kosten
Sicherheitsmarge: Dein Puffer gegen Fehleinschätzungen
Die Sicherheitsmarge beziffert den prozentualen Abstand zwischen innerem Wert und Marktpreis. Sie ist ein zentrales Konzept im Value Investing.
Sie wird berechnet, indem du die Differenz aus innerem Wert und Marktpreis durch den inneren Wert teilst. Das Ergebnis zeigt dir, wie viel Puffer du gegenüber deinen eigenen Annahmen hast.
Je nach Risikobereitschaft fordern Anleger unterschiedlich hohe Sicherheitsmargen. Eine konservative Haltung verlangt 20 bis 30 Prozent Abschlag, eine ausgewogene 30 bis 40 Prozent und eine offensive 40 bis 50 Prozent. Je höher deine geforderte Sicherheitsmarge, desto seltener findest du passende Aktien.
Die Sicherheitsmarge schützt dich vor Verlusten, wenn die tatsächliche Entwicklung hinter deinen Erwartungen zurückbleibt. Sie ist ein zentrales Konzept im Value Investing und sollte zu deiner persönlichen Risikotoleranz passen.
Kurz erklärt
Sicherheitsmarge
Übliche Sicherheitsmargen
20 bis 50 Prozent
07 · Was gilt
Für welche Aktien eignet sich der Value-Investing-Rechner?
Die Graham-Formel wurde für etablierte Unternehmen mit planbaren Gewinnen entwickelt. Für junge oder verlustbringende Firmen ist sie weniger geeignet.
Sie funktioniert am besten bei Aktien, die seit Jahren Gewinne erwirtschaften und ein moderates, erwartbares Wachstum aufweisen. Unternehmen mit langer Gewinnhistorie liefern verlässliche Eingabewerte für den Rechner.
Für Start-ups ohne Gewinn ist die Formel ungeeignet, da der Gewinn je Aktie negativ oder nicht vorhanden ist. Auch Unternehmen mit sehr hohen, schwankenden Wachstumsraten führen zu verzerrten Ergebnissen, weil die Formel von stabilen Verhältnissen ausgeht.
- Geeignet sind etablierte Unternehmen mit stabilem Gewinn je Aktie.
- Geeignet sind Aktien mit moderatem, erwartbarem Wachstum über viele Jahre.
- Weniger geeignet sind Start-ups ohne Gewinn oder mit negativem EPS.
- Weniger geeignet sind Unternehmen mit sehr hohen, schwankenden Wachstumsraten.
Geeignet
Weniger geeignet
08 · Fehler vermeiden
Grenzen der Berechnung nach Graham
Der Rechner liefert eine Schätzung auf Basis weniger Annahmen. Einige Faktoren, die den Aktienkurs beeinflussen, bleiben unberücksichtigt.
Die erwartete Wachstumsrate ist eine subjektive Größe und kann stark von der tatsächlichen Entwicklung abweichen. Eine zu optimistische Prognose führt zu einem überhöhten inneren Wert und damit zu einer falschen Kaufentscheidung.
Die Formel berücksichtigt keine Verschuldung oder Bilanzrisiken. Ein Unternehmen mit hoher Schuldenlast kann nach der Graham-Formel unterbewertet erscheinen, obwohl strukturelle Probleme bestehen. Auch die Anleiherendite ändert sich laufend und beeinflusst das Ergebnis.
Ein niedriger innerer Wert kann auf strukturelle Probleme hinweisen, nicht nur auf Unterbewertung. Nutze den Rechner daher immer als Ergänzung zu einer vollständigen Fundamentalanalyse.
Das solltest du beachten
09 · Vergleich
Alternative Bewertungsmodelle im Überblick
Neben der Graham-Formel gibt es weitere Verfahren, um den fairen Wert einer Aktie zu schätzen. Sie setzen unterschiedliche Schwerpunkte.
Das DCF-Verfahren (Discounted Cash Flow) basiert auf zukünftigen freien Cashflows, die auf den heutigen Zeitpunkt abgezinst werden. Es ist komplexer und erfordert mehr Annahmen als die Graham-Formel.
Die Graham-Formel arbeitet mit wenigen Eingaben und eignet sich für stabile, etablierte Unternehmen. Das DCF-Verfahren ist besser für Unternehmen mit planbaren Cashflows geeignet, verlangt aber detaillierte Prognosen über mehrere Jahre. Beide Modelle liefern Schätzwerte und keine exakten Kursziele.
- Die Graham-Formel nutzt Gewinn je Aktie und Wachstum als Basis.
- Das DCF-Verfahren basiert auf zukünftigen freien Cashflows.
- Die Graham-Formel ist einfacher und benötigt weniger Eingaben.
- Das DCF-Verfahren ist komplexer und erfordert viele Annahmen.
| Graham-Formel | DCF-Verfahren | |
|---|---|---|
| Basis | Gewinn je Aktie und Wachstum | Zukünftige freie Cashflows |
| Komplexität | Gering, wenige Eingaben | Hoch, viele Annahmen |
| Geeignet für | Stabile, etablierte Unternehmen | Unternehmen mit planbaren Cashflows |
10 · Hintergrund
So nutzt du das Ergebnis für deine Anlageentscheidung
Der berechnete innere Wert ist ein Anhaltspunkt, kein automatisches Kaufsignal. Er sollte Teil einer umfassenderen Analyse sein.
Vergleiche ihn mit dem aktuellen Kurs und prüfe, ob die Sicherheitsmarge deiner Risikobereitschaft entspricht. Liegt der Marktpreis deutlich unter dem inneren Wert, kann das für einen Kauf sprechen.
Beachte, dass der Rechner nur so gut ist wie deine Annahmen. Eine zu optimistische Wachstumsrate führt zu einem überhöhten inneren Wert. Rechne mit vorsichtigen und realistischen Szenarien, um ein Gefühl für die Bandbreite möglicher Ergebnisse zu bekommen.
Kombiniere das Ergebnis mit einer Analyse der Bilanz, der Verschuldung und der Wettbewerbsposition. So vermeidest du Fehlentscheidungen, die allein auf einer einzelnen Kennzahl beruhen.
Vergleiche den inneren Wert mit dem aktuellen Kurs und prüfe, ob die Sicherheitsmarge deiner Risikobereitschaft entspricht. Liegt der Marktpreis deutlich unter dem inneren Wert, kann das für einen Kauf sprechen.
Beachte, dass der Rechner nur so gut ist wie deine Annahmen. Eine zu optimistische Wachstumsrate führt zu einem überhöhten inneren Wert. Rechne mit vorsichtigen und realistischen Szenarien.
Häufige Fragen
Fragen zu Value-Investing-Rechner
{{f.a}}
Investieren
Mehr zu Investieren
Weiter mit Finanzen
Ratgeber zu Versicherung, Geldanlage und Studienfinanzierung für Studierende.
Alle Finanz-Ratgeber