Ratgeber · Investieren
Unternehmensanleihen einfach erklärt: So funktionieren Firmenanleihen
Unternehmensanleihen sind Schuldverschreibungen, mit denen sich Firmen Geld am Kapitalmarkt leihen. Du erhältst dafür regelmäßige Zinsen und am Ende der Laufzeit deinen Nennwert zurück.
10 Kapitel · 13 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- Unternehmensanleihen sind Wertpapiere, bei denen du einem Unternehmen Geld leihst und dafür Zinsen bekommst.
- Der Kupon ist der jährliche Zins, der sich nach Bonität und Ausfallrisiko des Emittenten richtet.
- Über die Börse kannst du Anleihen jederzeit kaufen oder verkaufen, der Kurs schwankt mit dem Marktzins.
- Das Bonitätsrisiko trägst du als Anlegerin: Zahlt das Unternehmen nicht zurück, droht ein Totalverlust.
01 · Grundlagen
Was sind Unternehmensanleihen?
Eine Unternehmensanleihe ist ein Kredit, den du einem Unternehmen gewährst. Im Gegenzug verpflichtet sich die Firma zu festen Zinszahlungen und zur Rückzahlung des Nennwerts am Laufzeitende.
Unternehmensanleihen werden auch als Corporate Bonds oder Industrieanleihen bezeichnet. Mittelstandsanleihen sind eine eigene Untergruppe mit typischerweise kleineren Emissionsvolumina zwischen 15 und 150 Millionen Euro und einer durchschnittlichen Laufzeit von 5 Jahren. Industrieanleihen großer Konzerne haben dagegen oft Laufzeiten von 5 bis 15 Jahren.
Die Höhe des Zinskupons richtet sich nach der Bonität des Emittenten und dem damit verbundenen Ausfallrisiko. Je schlechter die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens eingeschätzt wird, desto höher fällt in der Regel der angebotene Zinssatz aus. Du kannst Unternehmensanleihen in verschiedenen Währungen, Laufzeiten und Ratings kaufen, von spekulativ bis risikoarm.
Für Unternehmen sind Anleihen ein Weg, sich Fremdkapital zu beschaffen und die Kapitalstruktur zu diversifizieren. Das aufgenommene Geld fließt in Investitionen, Expansionen, Forschung und Entwicklung oder dient zur Deckung kurzfristiger Liquiditätsengpässe. In Krisenzeiten helfen Anleihen Unternehmen, eine Insolvenz zu vermeiden.
Kurz erklärt
Unternehmensanleihe
Eine Schuldverschreibung, die ein Unternehmen ausgibt, um sich Fremdkapital zu beschaffen. Du leihst dem Emittenten Geld und erhältst dafür regelmäßige Zinsen sowie am Ende der Laufzeit den Nennwert zurück.
Unternehmensanleihen funktionieren ähnlich wie ein Kredit, werden aber als Wertpapiere über die Börse gehandelt.
02 · Vergleich
Unternehmensanleihen und Staatsanleihen im Vergleich
Beide Anleihearten sind Schuldverschreibungen, unterscheiden sich aber beim Emittenten und beim Risiko. Der Vergleich hilft dir, die passende Anlageform für dein Depot zu wählen.
Der zentrale Unterschied liegt im Emittenten: Bei Staatsanleihen leiht sich ein Staat Geld, bei Unternehmensanleihen ein Unternehmen. Staatsanleihen von Ländern mit sehr guter Bonität gelten als besonders sicher, bieten dafür aber meist niedrigere Zinsen. Unternehmensanleihen zahlen oft mehr, weil du als Anlegerin ein höheres Ausfallrisiko trägst.
Die höhere Verzinsung von Unternehmensanleihen ist ein Risikoaufschlag. Er entschädigt dich dafür, dass ein Unternehmen im Gegensatz zu einem Staat eher in Zahlungsschwierigkeiten geraten kann. Die Laufzeiten von Unternehmensanleihen liegen häufig zwischen 5 und 15 Jahren, während Staatsanleihen von kurzfristig bis sehr langfristig angeboten werden.
Für dein Depot bedeutet das: Staatsanleihen eignen sich als stabiler Anker, Unternehmensanleihen als renditestärkere Ergänzung. Die Mischung beider Anleihearten kann dein Gesamtrisiko im Vergleich zu einem reinen Aktiendepot senken.
| Unternehmensanleihen | Staatsanleihen | |
|---|---|---|
| Emittent | Unternehmen (z. B. Industrie- oder Mittelstandsunternehmen) | Staat oder öffentliche Institution |
| Zinsniveau | Oft höher als bei Staatsanleihen | Meist niedriger, da geringeres Risiko |
| Ausfallrisiko | Höher, abhängig von der Bonität des Unternehmens | Geringer, besonders bei Staaten mit sehr guter Bonität |
| Laufzeiten | Häufig 5 bis 15 Jahre | Kurzfristig bis sehr langfristig möglich |
03 · Schritt für Schritt
So funktioniert der Kauf einer Unternehmensanleihe
Der direkte Kauf läuft ähnlich wie bei Aktien über die Börse. Du benötigst lediglich ein Wertpapierdepot und kannst dann eine passende Anleihe auswählen.
Du benötigst ein Wertpapierdepot bei einer Bank oder einem Online-Broker. Danach wählst du eine Anleihe aus, die zu deinem Anlagehorizont und deiner Risikobereitschaft passt.
Vor dem Kauf prüfst du Emittent, Laufzeit, Kupon und Bonität. Ratingagenturen wie Moody's oder S&P liefern dir eine Einschätzung der Kreditwürdigkeit des Unternehmens. Der Kauf erfolgt zum aktuellen Kurs, der über oder unter dem Nennwert liegen kann, je nach Marktzins und Risikoeinschätzung.
- Du eröffnest ein Wertpapierdepot bei einer Bank oder einem Online-Broker.
- Du wählst eine Unternehmensanleihe nach Emittent, Laufzeit, Kupon und Bonität aus.
- Du kaufst die Anleihe zum aktuellen Kurs über die Börse.
- Während der Laufzeit erhältst du regelmäßig den Kupon, meist jährlich.
Wertpapierdepot eröffnen
Du brauchst ein Depot bei einer Bank oder einem Online-Broker, um Unternehmensanleihen handeln zu können.
Anleihe auswählen
Du prüfst Emittent, Laufzeit, Kupon und Bonität. Ratingagenturen wie Moody's oder S&P liefern dir eine Einschätzung der Kreditwürdigkeit.
Kauf über die Börse
Du kaufst die Anleihe zum aktuellen Kurs. Der Kurs kann über oder unter dem Nennwert liegen, je nach Marktzins und Risikoeinschätzung.
Zinsen erhalten
Während der Laufzeit bekommst du regelmäßig den Kupon, meist jährlich. Die Höhe richtet sich nach dem Nennwert und dem festgelegten Zinssatz.
Rückzahlung am Laufzeitende
Am Ende der Laufzeit zahlt der Emittent den Nennwert zurück, sofern er nicht zahlungsunfähig geworden ist.
04 · Kosten
Welche Kosten fallen bei Unternehmensanleihen an?
Die Kosten setzen sich aus dem Kaufpreis, möglichen Ordergebühren und der Depotführung zusammen. Die Rendite wird zusätzlich durch Steuern auf Zinserträge beeinflusst.
Beim Kauf einer Unternehmensanleihe zahlst du in der Regel eine Ordergebühr an deine Bank oder deinen Broker. Diese liegt je nach Anbieter meist zwischen 5 und 15 Euro pro Order. Zusätzlich können Kosten für die Depotführung anfallen, die je nach Bank zwischen 0 und 30 Euro pro Jahr liegen.
Auf deine Zinserträge fallen Steuern an. Die Abgeltungsteuer beträgt 25 Prozent auf Zinsen und Kursgewinne, hinzu kommt der Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent auf die Abgeltungsteuer. Der Sparer-Pauschbetrag beträgt 1000 Euro pro Person und Jahr, bei zusammenveranlagten Ehepaaren 2000 Euro. Bis zu diesem Betrag bleiben deine Kapitalerträge steuerfrei.
Diese Kosten solltest du in deine Renditeberechnung einbeziehen. Eine Anleihe mit einem Kupon von 3 Prozent kann nach Abzug von Ordergebühr, Depotkosten und Steuern deutlich weniger abwerfen, als der reine Zinssatz vermuten lässt.
05 · Im Vertrag
Diese Fachbegriffe solltest du kennen
Im Zusammenhang mit Unternehmensanleihen begegnen dir einige feste Begriffe. Sie beschreiben die wichtigsten Eigenschaften einer Anleihe.
Der Nennwert ist der Betrag, den du am Ende der Laufzeit zurückbekommst, und die Grundlage für die Zinsberechnung. Der Kupon bezeichnet den jährlichen Zinssatz, den der Emittent auf den Nennwert zahlt. Er kann fest oder variabel sein, wobei variable Zinsen sich meist an einem Referenzzinssatz wie dem EURIBOR orientieren.
Der Emittent ist das Unternehmen, das die Anleihe ausgibt und sich damit Geld leiht. Die Bonität beschreibt die Fähigkeit des Emittenten, seine Schulden zurückzuzahlen, und wird von Ratingagenturen bewertet. Das Ausfallrisiko ist das Risiko, dass der Emittent Zinsen oder den Nennwert nicht zurückzahlen kann.
Diese Begriffe hängen direkt zusammen: Eine schwache Bonität erhöht das Ausfallrisiko, was der Emittent durch einen höheren Kupon ausgleicht. Wenn du diese Zusammenhänge verstehst, kannst du Angebote besser einordnen und vergleichen.
Wichtige Begriffe bei Unternehmensanleihen
06 · Was gilt
Wann lohnt sich eine Unternehmensanleihe?
Unternehmensanleihen passen zu dir, wenn du regelmäßige Zinserträge möchtest und ein höheres Risiko als bei Staatsanleihen akzeptierst. Sie eignen sich als Ergänzung zu Aktien im Depot.
Unternehmensanleihen passen zu dir, wenn du regelmäßige Zinserträge mit planbaren Zahlungen suchst. Sie eignen sich als Ergänzung zu Aktien, weil sie dein Depot breiter aufstellen und das Gesamtrisiko potenziell mildern können. Gut ausgewählte Unternehmensanleihen sind oft deutlich risikoärmer als einzelne Aktien.
Du solltest ein moderates Bonitätsrisiko akzeptieren, um von den höheren Zinsen im Vergleich zu Staatsanleihen zu profitieren. Wenn du kein Ausfallrisiko tragen willst oder täglich verfügbares Geld ohne Kursschwankungen brauchst, sind Unternehmensanleihen eher nicht die richtige Wahl.
- Du möchtest regelmäßige Zinserträge erhalten und suchst eine Anlage mit planbaren Zahlungen.
- Du willst dein Depot breiter aufstellen als nur mit Aktien.
- Du akzeptierst ein moderates Bonitätsrisiko für höhere Zinsen.
- Du willst dich nicht mit der Bonität einzelner Unternehmen beschäftigen, dann sind Anleihen-ETFs die bessere Alternative.
Passt zu dir
Passt eher nicht
07 · Checkliste
Checkliste vor dem Kauf einer Unternehmensanleihe
Diese Punkte helfen dir, eine Unternehmensanleihe systematisch zu prüfen. So vermeidest du Überraschungen durch mangelnde Bonität oder ungünstige Konditionen.
Bevor du eine Unternehmensanleihe kaufst, solltest du die Bonität des Emittenten bei Ratingagenturen wie Moody's oder S&P einsehen. Eine hohe Bonität signalisiert eine stabile finanzielle Lage und eine geringere Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls. Emittenten mit guten Ratings bieten dafür in der Regel niedrigere Zinsen.
Gleiche die Laufzeit der Anleihe mit deinem Anlagehorizont ab und vergleiche die Höhe des Kupons mit dem Risiko. Prüfe den aktuellen Kurs im Verhältnis zum Nennwert, denn der Kurs kann über oder unter dem Nennwert liegen. Beachte auch die Währung der Anleihe, falls sie nicht in Euro notiert.
- Bonität des Emittenten bei Ratingagenturen wie Moody's oder S&P einsehen.
- Laufzeit der Anleihe mit deinem Anlagehorizont abgleichen.
- Höhe des Kupons mit dem Risiko vergleichen.
- Aktuellen Kurs im Verhältnis zum Nennwert prüfen.
- Währung der Anleihe beachten, falls sie nicht in Euro notiert.
- Kosten für Order und Depot in die Renditeberechnung einbeziehen.
- Steuerliche Wirkung der Zinserträge berücksichtigen.
Das solltest du vor dem Kauf prüfen
Bonität des Emittenten bei Ratingagenturen wie Moody's oder S&P einsehen
Laufzeit der Anleihe mit deinem Anlagehorizont abgleichen
Höhe des Kupons mit dem Risiko vergleichen
Aktuellen Kurs im Verhältnis zum Nennwert prüfen
Währung der Anleihe beachten, falls sie nicht in Euro notiert
Kosten für Order und Depot in die Renditeberechnung einbeziehen
Steuerliche Wirkung der Zinserträge berücksichtigen
08 · Fehler vermeiden
Typische Fehler beim Kauf von Unternehmensanleihen
Viele Anlegerinnen unterschätzen das Bonitätsrisiko oder achten nur auf den Zinssatz. Diese Fehler kannst du vermeiden, wenn du die Anleihe vollständig prüfst.
Ein häufiger Fehler ist, nur auf den hohen Kupon zu schauen und das Ausfallrisiko zu ignorieren. Ein hoher Zinssatz ist oft ein Hinweis auf eine schwache Bonität des Emittenten. Wenn du die Kreditwürdigkeit nicht prüfst, riskierst du einen Totalverlust deines eingesetzten Kapitals.
Ein weiterer Fehler ist, die Laufzeit nicht mit dem eigenen Anlagehorizont abzugleichen. Auch wenn Anleihen über die Börse gehandelt werden, kann ein Verkauf vor Laufzeitende zu Kursverlusten führen. Stecke niemals dein gesamtes Kapital in eine einzige Unternehmensanleihe, sondern streue dein Risiko über mehrere Emittenten.
- Nur auf den hohen Kupon schauen und das Ausfallrisiko ignorieren.
- Die Bonität des Emittenten nicht prüfen.
- Die Laufzeit nicht mit dem eigenen Anlagehorizont abgleichen.
- Kursveränderungen während der Laufzeit außer Acht lassen.
- Die Kosten für Kauf und Depot nicht in die Rendite einrechnen.
- Das gesamte Kapital in eine einzige Unternehmensanleihe stecken.
Diese Fehler solltest du vermeiden
09 · Hintergrund
Indirekt investieren: Anleihen-ETFs als Alternative
Statt einer einzelnen Unternehmensanleihe kannst du auch in einen Fonds oder ETF investieren, der viele Unternehmensanleihen bündelt. Das streut das Risiko breiter.
Ein Unternehmensanleihen-ETF enthält eine Vielzahl von Anleihen verschiedener Emittenten. Du kaufst damit einen Anteil an einem Korb von Schuldverschreibungen, statt auf ein einzelnes Unternehmen zu setzen. Der Vorteil liegt in der breiten Streuung: Fällt ein Emittent aus, wirkt sich das weniger stark auf dein gesamtes Investment aus.
Allerdings bleibt das Risiko von Kursverlusten bestehen, wenn die Bonität vieler Unternehmen im ETF sinkt. Einzelinvestitionen können eine gezielte Auswahl und höhere mögliche Renditen bieten, während ETFs einen diversifizierten Zugang zum Markt der Unternehmensanleihen ermöglichen.
Für die Auswahl eines passenden ETFs sind deine Anlageziele und deine Risikobereitschaft entscheidend. Informiere dich vor dem Kauf über die Zusammensetzung des ETFs und die enthaltenen Emittenten. Auch bei ETFs gilt: Je höher die mögliche Rendite, desto höher das Risiko.
Ein Unternehmensanleihen-ETF enthält eine Vielzahl von Anleihen verschiedener Emittenten. Du kaufst damit einen Anteil an einem Korb von Schuldverschreibungen, statt auf ein einzelnes Unternehmen zu setzen.
Der Vorteil liegt in der breiten Streuung: Fällt ein Emittent aus, wirkt sich das weniger stark auf dein gesamtes Investment aus. Allerdings bleibt das Risiko von Kursverlusten bestehen, wenn die Bonität vieler Unternehmen im ETF sinkt.
Für die Auswahl eines passenden ETFs sind deine Anlageziele und deine Risikobereitschaft entscheidend. Auch hier gilt: Informiere dich vor dem Kauf über die enthaltenen Anleihen und die Kosten des Fonds.
10 · Hintergrund
So werden Zinsen und Rendite besteuert
Zinserträge aus Unternehmensanleihen zählen zu den Kapitalerträgen. Für dich als Privatanlegerin gelten feste Steuersätze und ein Freibetrag.
Auf Zinsen und Kursgewinne aus Unternehmensanleihen fällt die Abgeltungsteuer von 25 Prozent an. Hinzu kommt der Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent auf die Abgeltungsteuer. Die Steuer wird direkt von deiner Bank einbehalten, wenn dein Freibetrag ausgeschöpft ist.
Der Sparer-Pauschbetrag beträgt 1000 Euro pro Person und Jahr. Bei zusammenveranlagten Ehepaaren sind es 2000 Euro pro Jahr. Bis zu diesem Betrag bleiben deine Kapitalerträge steuerfrei. Eine Verrechnung mit Verlusten aus anderen Wertpapiergeschäften ist möglich.
Beachte, dass auch Kursgewinne beim Verkauf einer Anleihe vor Laufzeitende steuerpflichtig sind. Wenn du eine Anleihe bis zur Fälligkeit hältst und zum Nennwert zurückbekommst, fällt auf die Rückzahlung selbst keine Steuer an, sondern nur auf die während der Laufzeit erhaltenen Zinsen.
Der Sparer-Pauschbetrag beträgt 1000 EUR pro Person und Jahr. Bei zusammenveranlagten Ehepaaren sind es 2000 EUR pro Jahr. Bis zu diesem Betrag bleiben deine Kapitalerträge steuerfrei.
Beachte, dass die Steuer direkt von deiner Bank einbehalten wird, wenn dein Freibetrag ausgeschöpft ist. Eine Verrechnung mit Verlusten aus anderen Wertpapiergeschäften ist möglich.
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