Unternehmensanleihen einfach erklärt: So findest du den Einstieg in feste Zinsen
Du leihst einem Unternehmen Geld und bekommst dafür regelmäßig Zinsen. Klingt simpel, aber es gibt wichtige Fallstricke. Hier erfährst du, wie Unternehmensanleihen wirklich funktionieren und worauf du achten musst.
Warum Unternehmensanleihen auch dich betreffen
Vielleicht hast du schon einmal gehört, dass die Zinsen auf deinem Sparbuch kaum noch etwas bringen. Gleichzeitig steigen die Preise im Supermarkt. Du suchst also nach einer Möglichkeit, dein Geld wenigstens ein Stück weit zu vermehren. Genau hier kommen Unternehmensanleihen ins Spiel, denn sie versprechen regelmäßige Zinszahlungen, die oft höher ausfallen als bei klassischen Sparprodukten.
Doch es geht nicht nur um dich als Einzelperson. Auch deine Altersvorsorge, deine Krankenkasse oder der Pensionsfonds deines Arbeitgebers investieren in solche Anleihen. Das System der Altersvorsorge hängt also zu einem großen Teil davon ab, dass Unternehmen ihre Schulden zurückzahlen. Wenn du das Grundprinzip verstehst, kannst du besser einschätzen, was in der Wirtschaft passiert und wie es dein Vermögen beeinflusst.
Viele Menschen scheuen sich vor dem Begriff Anleihe, weil er kompliziert klingt. Dabei ist das Prinzip so alt wie der Handel selbst: Jemand braucht Geld, jemand anderes hat Geld übrig. Der eine zahlt eine Gebühr für die Nutzung, der andere erhält eine Belohnung. In der modernen Finanzwelt ist diese Belohnung der Zins, den du als Anleger bekommst.
Du musst kein Finanzprofi sein, um von diesem Wissen zu profitieren. Schon ein grundlegendes Verständnis hilft dir, Werbung und Bankberatung besser einzuordnen. Du erkennst, wenn dir jemand ein Produkt als sicher verkauft, das in Wahrheit Risiken birgt. Und du kannst entscheiden, ob diese Anlageform zu deiner persönlichen Situation passt oder ob du lieber Abstand nimmst.
Was ist eine Unternehmensanleihe überhaupt?
Eine Unternehmensanleihe ist ein Wertpapier, mit dem ein Unternehmen sich Geld von Anlegern leiht. Das Unternehmen verspricht, dir den geliehenen Betrag nach einer bestimmten Zeit zurückzuzahlen. Bis dahin bekommst du in der Regel einmal im Jahr einen festen Zins, den sogenannten Kupon. Diesen Kupon erhältst du unabhängig davon, ob das Unternehmen gerade Gewinne macht oder Verluste schreibt.
Stell dir vor, dein Freund möchte eine Bäckerei eröffnen und fragt dich, ob du ihm 5.000 Euro leihst. Ihr vereinbart, dass er dir jedes Jahr 200 Euro Zins zahlt und nach fünf Jahren dein Geld zurückgibt. Genau das passiert bei einer Anleihe, nur eben in standardisierter Form an der Börse. Du kaufst einen Anteil an einem großen Kredit, den viele Anleger gemeinsam geben.
Der Nennwert einer Anleihe ist der Betrag, den das Unternehmen dir am Ende zurückzahlt. Dieser liegt bei deutschen Unternehmensanleihen oft bei 1.000 Euro pro Stück. Der Zinssatz wird bei der Ausgabe festgelegt und bleibt während der Laufzeit meistens gleich. Es gibt aber auch Anleihen mit variabler Verzinsung, die sich an einem Referenzzins wie dem Euribor orientieren.
Wichtig ist der Unterschied zur Aktie. Als Aktionär bist du Miteigentümer und profitierst von steigenden Kursen und Dividenden. Als Anleihegläubiger bist du nur Gläubiger, also jemand, dem das Unternehmen Geld schuldet. Du hast kein Stimmrecht und keine Gewinnbeteiligung, dafür aber einen vorrangigen Anspruch auf Rückzahlung, falls das Unternehmen in Schieflage gerät.
So funktioniert der Handel mit Unternehmensanleihen
Der Handel mit Unternehmensanleihen findet an Börsen wie Frankfurt oder Stuttgart statt, aber auch außerbörslich direkt zwischen Banken. Wenn du eine Anleihe kaufst, zahlst du den aktuellen Kurs plus aufgelaufene Stückzinsen. Der Kurs kann vom Nennwert abweichen, denn er hängt vom allgemeinen Zinsniveau und von der Bonität des Unternehmens ab.
Angenommen, du kaufst eine Anleihe mit 3 Prozent Zins. Steigen die Marktzinsen auf 4 Prozent, wird deine Anleihe unattraktiver, weil neue Anleihen mehr Zins bieten. Der Kurs deiner Anleihe fällt also, bis die effektive Rendite wieder zum Markt passt. Sinken die Zinsen auf 2 Prozent, steigt dein Kurs entsprechend. Diesen Zusammenhang solltest du verstehen, bevor du kaufst.
Die Rendite einer Anleihe ist nicht dasselbe wie der Kupon. Sie berücksichtigt den Kaufkurs, die Restlaufzeit und den Zins. Wenn du eine Anleihe unter dem Nennwert kaufst, ist deine Rendite höher als der Kupon, weil du am Ende den vollen Nennwert zurückbekommst. Kaufst du über dem Nennwert, sinkt deine Rendite entsprechend.
Du kannst Anleihen auch vor dem Ende der Laufzeit verkaufen. Dann bekommst du den aktuellen Marktpreis, der eben höher oder niedriger sein kann als dein Kaufpreis. Diese Möglichkeit gibt dir Flexibilität, birgt aber auch das Risiko von Kursverlusten. Wer bis zum Ende hält, bekommt den Nennwert zurück, sofern das Unternehmen nicht pleitegeht.
Kosten und Gebühren: Was Anleihen wirklich kosten
Beim Kauf von Unternehmensanleihen fallen verschiedene Kosten an, die du im Blick behalten solltest. Zunächst gibt es die Ordergebühr deiner Bank, die je nach Anbieter unterschiedlich hoch ausfällt. Diese Gebühr wird pro Kauf und Verkauf fällig und kann bei kleinen Anlagesummen einen erheblichen Teil deiner Rendite auffressen.
Zusätzlich zahlst du den sogenannten Spread, also die Differenz zwischen Ankaufskurs und Verkaufskurs. Bei Unternehmensanleihen ist dieser Spread oft größer als bei Staatsanleihen, weil der Markt weniger liquide ist. Das bedeutet, dass du beim Kauf sofort etwas weniger wert hast, als du bezahlt hast. Je länger du die Anleihe hältst, desto weniger spielt dieser Spread eine Rolle.
Manche Anleihen werden mit einem Aufschlag, dem Agio, ausgegeben. Das ist ein Betrag, den du zusätzlich zum Nennwert zahlst, wenn du die Anleihe am Primärmarkt zeichnest. Bei älteren Anleihen kann es auch einen Abschlag, das Disagio, geben. Diese Faktoren sind bereits im Kurs enthalten und beeinflussen deine Rendite.
Achte außerdem auf die Verwahrung deiner Wertpapiere. Viele Banken verlangen eine jährliche Depotgebühr, die sich nach dem Depotwert richtet. Bei kleinen Anleihepositionen kann diese Gebühr die Rendite stark schmälern. Ein Vergleich der Konditionen lohnt sich also, bevor du dich für einen Broker entscheidest.
Worauf du bei der Auswahl unbedingt achten solltest
Die Bonität des Unternehmens ist das wichtigste Kriterium bei der Auswahl einer Anleihe. Ratingagenturen wie Moody's oder Standard & Poor's bewerten, wie wahrscheinlich eine Zahlungsunfähigkeit ist. Anleihen mit gutem Rating, also AAA bis BBB, gelten als relativ sicher, zahlen aber weniger Zins. Anleihen mit schlechterem Rating, den sogenannten Hochzinsanleihen, zahlen mehr, sind aber riskanter.
Die Restlaufzeit ist der zweite entscheidende Faktor. Kurze Laufzeiten bis zu drei Jahren sind weniger zinsempfindlich und das Ausfallrisiko ist überschaubarer. Lange Laufzeiten über zehn Jahre bieten oft höhere Zinsen, aber auch mehr Kursschwankungen. Überlege dir genau, wie lange du dein Geld entbehren kannst und ob du die Schwankungen aushältst.
Prüfe, ob die Anleihe kündbar ist. Manche Unternehmen behalten sich vor, die Anleihe vorzeitig zurückzuzahlen, wenn die Zinsen fallen. Dann bekommst du dein Geld zurück und musst es zu niedrigeren Zinsen neu anlegen. Das ist ein Nachteil für dich als Anleger, der oft mit einem etwas höheren Kupon entschädigt wird.
Achte auf die Währung der Anleihe. Fremdwährungsanleihen klingen verlockend, weil sie höhere Zinsen bieten, aber das Währungsrisiko kann deine Rendite komplett aufzehren. Für Einsteiger sind Anleihen in Euro die richtige Wahl, weil du das Risiko besser einschätzen kannst. Wenn du unsicher bist, frage dich, ob du die Firma und ihr Geschäftsmodell wirklich verstehst.
Typische Fehler, die du als Einsteiger vermeiden solltest
Der häufigste Fehler ist, sich nur vom Zinssatz blenden zu lassen. Ein hoher Kupon bedeutet meist ein hohes Risiko, dass das Unternehmen pleitegeht. Wenn du nur auf die Rendite schaust und die Bonität ignorierst, kannst du schnell einen großen Teil deines Kapitals verlieren. Nimm dir Zeit, um das Rating und die Geschäftszahlen zu prüfen.
Ein weiterer Fehler ist, alles in eine einzige Anleihe zu stecken. Wenn dieses eine Unternehmen in Schwierigkeiten gerät, verlierst du gleich alles. Besser ist es, auf mehrere Anleihen verschiedener Firmen und Branchen zu setzen. So gleichen sich Verluste bei einer Anleihe möglicherweise durch Gewinne bei anderen aus.
Viele Anleger vergessen, dass Anleihen keine Sparbücher sind. Der Kurs schwankt, und wenn du vor dem Ende der Laufzeit verkaufen musst, kannst du Verluste realisieren. Plane also nicht mit Geld, das du kurzfristig brauchst. Eine Anleihe sollte zu deinem langfristigen Vermögensaufbau gehören, nicht zu deiner Notreserve.
Schließlich solltest du dich nicht von der Bankberatung unter Druck setzen lassen. Nicht jeder Berater hat deine Interessen im Blick, manchmal geht es um Provisionen. Lass dir alle Kosten und Risiken schriftlich geben und vergleiche mit anderen Angeboten. Wenn etwas zu gut klingt, um wahr zu sein, ist es das meistens auch.
Konkrete Schritte: So kaufst du deine erste Unternehmensanleihe
Bevor du kaufst, solltest du dein Wissen über die Grundbegriffe festigen. Du solltest wissen, was Nennwert, Kupon, Rendite und Restlaufzeit bedeuten. Wenn du diese Begriffe sicher beherrschst, fällt dir die Auswahl leichter. Es gibt viele kostenlose Online-Ressourcen, die dir dabei helfen.
Als Nächstes eröffnest du ein Wertpapierdepot bei einer Bank deiner Wahl. Achte auf niedrige Ordergebühren und eine benutzerfreundliche Oberfläche. Viele Direktbanken bieten günstige Konditionen für den Handel mit Anleihen. Du kannst dein bestehendes Girokonto nutzen oder ein separates Depot eröffnen, um den Überblick zu behalten.
Dann suchst du nach passenden Anleihen über die Suchfunktion deines Brokers. Filtere nach Unternehmen, die du kennst und deren Geschäftsmodell du verstehst. Achte auf ein Rating im Investment-Grade-Bereich und eine Restlaufzeit, die zu deinem Anlagehorizont passt. Vergleiche die Rendite mit anderen Anleihen ähnlicher Bonität.
Bevor du den Kauf bestätigst, prüfe noch einmal alle Kosten und den aktuellen Kurs. Überlege, ob du die Anleihe bis zum Ende halten willst oder ob du sie vorher verkaufen könntest. Starte mit einem kleinen Betrag, um Erfahrungen zu sammeln. Mit der Zeit wirst du sicherer und kannst deine Strategie anpassen.
Alternativen: ETFs und Fonds als einfachere Lösung
Wenn dir die Auswahl einzelner Anleihen zu aufwendig ist, kannst du auf Anleihe-ETFs ausweichen. Ein ETF bündelt viele Anleihen in einem einzigen Wertpapier. Damit erwirbst du automatisch eine breite Streuung über viele Unternehmen und Branchen. Das reduziert das Risiko, dass ein einzelner Ausfall deine Rendite zerstört.
Anleihe-ETFs werden wie Aktien an der Börse gehandelt und du kannst sie jederzeit kaufen und verkaufen. Die Kosten sind in der Regel niedriger als bei aktiv gemanagten Fonds. Allerdings gibt es keinen festen Nennwert, der am Ende zurückgezahlt wird. Der Kurs des ETFs schwankt, und du musst ihn selbst verkaufen, um an dein Geld zu kommen.
Ein Vorteil von ETFs ist die einfache Handelbarkeit und die geringe Mindestanlage. Du kannst schon mit kleinen Beträgen einsteigen und monatlich besparen. Das macht sie ideal für Einsteiger, die regelmäßig investieren möchten. Auch die Rendite ist transparent, weil sie sich aus den Zinsen der enthaltenen Anleihen ergibt.
Für manche Anleger sind aktiv gemanagte Fonds interessant, weil ein Fondsmanager die Auswahl trifft. Diese Fonds sind aber teurer und die Mehrrendite ist nicht garantiert. Überlege dir, ob du die Auswahl selbst übernehmen möchtest oder lieber auf einen breiten ETF setzt. Beides hat seine Berechtigung, je nach deinen Vorlieben und deinem Engagement.
Dein Fahrplan für die nächsten zwölf Monate
Im ersten Monat solltest du dich intensiv mit den Grundlagen beschäftigen und deine finanzielle Situation prüfen. Stelle sicher, dass du einen Notgroschen auf dem Tagesgeldkonto hast, bevor du in Anleihen investierst. Nur Geld, das du langfristig entbehren kannst, gehört in Wertpapiere. Lege fest, wie viel du monatlich investieren möchtest.
In den Monaten zwei bis vier kannst du ein Depot eröffnen und erste Erfahrungen mit kleinen Beträgen sammeln. Beobachte, wie sich die Kurse entwickeln und wie die Zinszahlungen auf deinem Konto eingehen. Notiere dir, wie du dich bei Kursschwankungen fühlst. Diese Beobachtung hilft dir, deine Risikobereitschaft realistisch einzuschätzen.
Ab dem fünften Monat kannst du deine Strategie verfeinern und gegebenenfalls auf ETFs umsteigen oder einzelne Anleihen hinzufügen. Vergleiche regelmäßig die Konditionen deiner Bank mit anderen Anbietern. Vielleicht findest du günstigere Alternativen, die deine Rendite verbessern. Ein jährlicher Check deiner Anlagen ist sinnvoll, um die Entwicklung zu verfolgen.
Am Ende des Jahres solltest du eine Bilanz ziehen: Wie haben sich deine Anleihen entwickelt? Welche Fehler hast du gemacht und was würdest du anders machen? Dieses Review hilft dir, dein Wissen zu vertiefen und deine Strategie zu verbessern. Mit der Zeit wirst du zum erfahrenen Anleger, der die Chancen und Risiken von Unternehmensanleihen realistisch einschätzt.
Beantworte 3 Fragen für deine Einschätzung.
Häufige Fragen
Wenn ein Unternehmen insolvent wird, gehen Anleihegläubiger in der Regel leer aus oder bekommen nur einen Teil ihres Geldes zurück. Im Insolvenzverfahren werden zuerst gesicherte Gläubiger bedient, dann erst ungesicherte Anleihegläubiger. Ein Totalverlust ist möglich, daher solltest du nur Geld investieren, das du nicht dringend brauchst.
Die Mindestanlage hängt von der jeweiligen Anleihe ab. Viele Unternehmensanleihen haben einen Nennwert von 1.000 Euro pro Stück, manche auch mehr. Bei einigen Anleihen kannst du bereits ab 500 Euro einsteigen. Anleihe-ETFs sind oft schon für weniger als 100 Euro erhältlich und daher für Einsteiger besser geeignet.
In der Regel ja, weil Anleihegläubiger im Insolvenzfall vor Aktionären bedient werden. Auch die Kursschwankungen sind meist geringer. Allerdings gibt es keine Garantie, und bei einer Pleite kannst du dein Geld verlieren. Hochzinsanleihen können sogar riskanter sein als Aktien etablierter Unternehmen.
Zinszahlungen aus Anleihen unterliegen der Abgeltungsteuer von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Deine Bank führt die Steuer automatisch ab, sofern du einen Freistellungsauftrag erteilt hast. Kursgewinne aus dem Verkauf werden ebenfalls besteuert, wenn die Anleihe nach 2009 gekauft wurde.
Ja, du kannst Anleihen während der Börsenzeiten grundsätzlich jederzeit verkaufen. Allerdings kann der Kurs vom Nennwert abweichen, und du musst den aktuellen Marktpreis akzeptieren. Bei wenig gehandelten Anleihen kann der Spread groß sein, was deine Rendite schmälert. Wer bis zum Ende der Laufzeit hält, bekommt den Nennwert zurück.
Der Kupon ist der feste Zinssatz, den das Unternehmen auf den Nennwert zahlt. Die Rendite berücksichtigt zusätzlich den Kaufkurs und die Restlaufzeit. Wenn du eine Anleihe unter dem Nennwert kaufst, ist die Rendite höher als der Kupon. Kaufst du über dem Nennwert, ist die Rendite niedriger.
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