Ratgeber · Investieren
Auszahlplan für die Rente: So entnimmst du dein Vermögen richtig
Ein Auszahlplan regelt, wie du im Ruhestand regelmäßig Geld aus deinen Ersparnissen auf dein Konto bekommst. Die richtige Strategie hängt davon ab, wo dein Geld liegt und ob du dein Kapital aufbrauchen oder erhalten willst.
9 Kapitel · 9 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- Ein Auszahlplan legt Betrag, Intervall und Zeitraum deiner Entnahmen fest.
- Bei Depot und Tagesgeld kannst du Entnahmen flexibel selbst steuern, bei Festgeld nur jährlich.
- Entscheidend ist, ob du mit oder ohne Kapitalverzehr planst.
- Die erwartete Rendite solltest du konservativ ansetzen, um Spielraum zu behalten.
01 · Grundlagen
Was ist ein Auszahlplan?
Ein Auszahlplan ist eine feste Regelung, nach der du dir regelmäßig Geld aus deinem angelegten Vermögen auf dein Konto auszahlst. Den Turnus legst du individuell fest, zum Beispiel monatlich oder jährlich.
Ein Auszahlplan legt fest, über welchen Zeitraum du wie viel Geld aus deinem Vermögen entnimmst. Du kannst dabei wählen, ob dein Kapital am Ende des Zeitraums aufgebraucht sein soll oder ob es konstant erhalten bleibt.
Beim Entsparen mit Kapitalverzehr fällt dein monatlicher Entnahmebetrag bei gleichem Vermögen höher aus. Ohne Kapitalverzehr entnimmst du nur die laufenden Erträge und benötigst dafür ein deutlich höheres Anlagevermögen.
- Ein Auszahlplan wird auch Entnahmeplan genannt und beschreibt das regelmäßige Flüssigmachen von angelegtem Vermögen.
- Der Plan kann mit oder ohne Kapitalverzehr funktionieren, was die Höhe deiner monatlichen Auszahlung stark beeinflusst.
Kurz erklärt
Auszahlplan
Ein Auszahlplan, auch Entnahmeplan genannt, ist eine fixe Regelung, nach der du dir regelmäßig Geld auf dein Konto auszahlst. Er legt fest, über welchen Zeitraum wie viel Geld entnommen wird.
Der Plan kann mit oder ohne Kapitalverzehr funktionieren. Ohne Kapitalverzehr bleibt dein Vermögen konstant, mit Kapitalverzehr wird es bis zum Ende des Zeitraums aufgebraucht.
02 · Vergleich
Welche Arten von Auszahlplänen gibt es?
Die Art des Auszahlplans hängt davon ab, wo dein Geld angelegt ist. Jede Anlageform hat eigene Regeln für regelmäßige Entnahmen.
Die Möglichkeiten für regelmäßige Auszahlungen unterscheiden sich je nach Anlageform erheblich. Vom Tagesgeldkonto kannst du per Dauerauftrag oder manuell Geld auf dein Girokonto übertragen, wobei nicht alle Banken Daueraufträge vom Tagesgeldkonto erlauben.
Bei einem Depot ist ein Dauerauftrag nicht möglich, da du zuerst Anteile verkaufen musst. Manche Depotanbieter automatisieren diesen Verkauf und überweisen den Erlös anschließend auf dein Referenzkonto, du verkaufst dabei im Laufe der Zeit zu einem Durchschnittspreis.
- Vom Festgeldkonto sind keine regelmäßigen Auszahlungen möglich, du kannst nur jährlich über das Geld verfügen.
- Eine private Rentenversicherung zahlt dir nach Vertragsende eine lebenslange monatliche Rente, deren Höhe du nicht beeinflussen kannst.
| Tagesgeldkonto | Depot | Festgeldkonto | |
|---|---|---|---|
| Regelmäßige Auszahlung | Per Dauerauftrag oder manuell möglich | Nur über Verkauf von Anteilen, teils automatisiert | Nicht möglich, nur jährliche Auszahlung |
| Renditechance | Niedrig, abhängig vom Zinsniveau | Höher, aber mit Kursschwankungen | Mittel, fester Zins über Laufzeit |
03 · Schritt für Schritt
So funktioniert ein Auszahlplan mit Depot
Bei einem Depot gibt es keinen Dauerauftrag. Du musst zuerst Anteile verkaufen, bevor du Geld entnehmen kannst. Manche Anbieter automatisieren diesen Verkauf.
Für einen Depot-Auszahlplan prüfst du zuerst den aktuellen Wert deiner Fonds- oder ETF-Anteile. Danach legst du fest, wie viel Geld du monatlich oder jährlich benötigst, um deine Ausgaben zu decken.
Du verkaufst anschließend so viele Anteile, dass der Erlös deinen gewünschten Betrag deckt. Der Verkaufserlös wird auf dein Referenzkonto überwiesen, von dem du deine laufenden Kosten bezahlst.
- Der Verkauf erfolgt zu unterschiedlichen Kursen, im Durchschnitt erhältst du einen mittleren Preis für deine Anteile.
- Du kannst den Verkauf selbst durchführen oder bei manchen Anbietern automatisieren lassen.
Anlagevermögen prüfen
Du ermittelst den aktuellen Wert deiner Fonds- oder ETF-Anteile im Depot.
Entnahmebetrag festlegen
Du bestimmst, wie viel Geld du monatlich oder jährlich benötigst.
Anteile verkaufen
Du verkaufst so viele Anteile, dass der Erlös deinen gewünschten Betrag deckt.
Geld aufs Konto überweisen
Der Verkaufserlös wird auf dein Referenzkonto überwiesen, von dem du deine Ausgaben deckst.
04 · Was gilt
Wann lohnt sich ein Auszahlplan ohne Kapitalverzehr?
Ohne Kapitalverzehr bleibt dein Vermögen dauerhaft erhalten. Du entnimmst nur die Erträge, brauchst dafür aber ein höheres Anlagevermögen.
Du entnimmst dann nur die laufenden Erträge deiner Geldanlage.
Für diese Strategie benötigst du ein deutlich höheres Anlagevermögen als bei einem Plan mit Kapitalverzehr. Der monatliche Entnahmebetrag fällt bei gleichem Startkapital entsprechend niedriger aus.
- Mit Kapitalverzehr wird dein Vermögen bis zum Ende des Zeitraums aufgebraucht, dafür ist dein Entnahmebetrag höher.
- Ohne Kapitalverzehr bleibt dein Vermögen konstant erhalten, du lebst nur von den Erträgen.
Mit Kapitalverzehr
Ohne Kapitalverzehr
05 · Kosten
Welche Kosten fallen bei einem Auszahlplan an?
Die Kosten hängen von deiner Anlageform ab. Beim Depot entstehen Transaktionskosten für Verkäufe, bei Versicherungen sind die Kosten bereits eingepreist.
Beim Depot-Auszahlplan entstehen Kosten für den Verkauf deiner Wertpapiere. Ordergebühren liegen je nach Anbieter zwischen 0 und 15 Euro pro Order, zusätzlich können Depotführungsgebühren von 0 bis 30 Euro pro Jahr anfallen.
Bei einer privaten Rentenversicherung sind die Kosten bereits in den Beiträgen eingepreist. Abschluss- und Verwaltungskosten machen dort typischerweise 1 bis 2,5 Prozent der Beiträge aus.
- Für Tagesgeld und Festgeld entstehen in der Regel keine direkten Kosten für die Auszahlung.
- Die tatsächlichen Beträge variieren je nach Anbieter und Anlageform.
06 · Im Vertrag
Wichtige Begriffe rund um den Auszahlplan
Diese Fachbegriffe begegnen dir, wenn du dich mit der Entnahme deines Vermögens beschäftigst.
Beim Thema Auszahlplan begegnen dir einige Fachbegriffe, die du kennen solltest. Entsparen oder Desinvestieren bezeichnet das Flüssigmachen von angelegtem Vermögen, also den Übergang vom Sparen zum Ausgeben.
Der Kapitalverzehr beschreibt eine Strategie, bei der dein Vermögen im Laufe der Zeit abgeschmolzen und am Ende aufgebraucht wird. Eine Zinstreppe ist eine Methode für Festgeld, bei der du dein Geld gestaffelt in mehreren Verträgen mit unterschiedlichen Laufzeiten anlegst.
- Der Rentenfaktor bestimmt bei einer privaten Rentenversicherung die Höhe deiner lebenslangen monatlichen Rente.
- Die Zinstreppe sorgt dafür, dass jedes Jahr ein Festgeldvertrag ausläuft und du über Geld verfügen kannst.
Glossar
07 · Checkliste
Checkliste: Das brauchst du für deinen Auszahlplan
Bevor du einen Auszahlplan einrichtest, solltest du diese Punkte klären. Sie bilden die Grundlage für deine Entnahmestrategie.
Bevor du einen Auszahlplan einrichtest, solltest du deine finanzielle Ausgangslage vollständig erfassen. Dazu gehört die Höhe deines gesamten Anlagevermögens ebenso wie dein monatlicher Finanzbedarf im Ruhestand.
Setze die erwartete Rendite deiner Geldanlage konservativ an, damit du Spielraum bei schwankenden Kursen hast. Entscheide außerdem, ob du dein Kapital aufbrauchen oder erhalten möchtest, und prüfe, ob deine Anlageform für regelmäßige Auszahlungen geeignet ist.
- Ermittle die Höhe deines gesamten Anlagevermögens über alle Konten und Depots hinweg.
- Schätze den gewünschten Entnahmezeitraum, also wie lange dein Geld reichen soll.
Vorbereitung
Höhe deines gesamten Anlagevermögens ermitteln
Monatlichen Finanzbedarf im Ruhestand festlegen
Gewünschten Entnahmezeitraum schätzen
Erwartete Rendite konservativ ansetzen
Entscheiden, ob Kapitalverzehr gewünscht ist
Anlageform auf Eignung für regelmäßige Auszahlungen prüfen
08 · Fehler vermeiden
Typische Fehler beim Auszahlplan
Diese Fehler können dazu führen, dass dein Geld im Ruhestand nicht reicht oder du unnötig Rendite verschenkst.
Ein häufiger Fehler ist eine zu optimistische Renditeerwartung, die zu hohe Entnahmen zur Folge hat. Wenn die tatsächliche Rendite niedriger ausfällt, ist dein Vermögen schneller aufgebraucht als geplant.
Viele lassen ihr gesamtes Vermögen auf dem Girokonto liegen und ignorieren die Inflation, wodurch die Kaufkraft deines Geldes Jahr für Jahr sinkt. Beim Depot-Auszahlplan verkaufen manche zu ungünstigen Zeitpunkten, wenn die Kurse gerade niedrig stehen.
- Festgeld für monatliche Entnahmen zu nutzen, führt zu Liquiditätsproblemen, da du nicht regelmäßig an dein Geld kommst.
- Wer den Kapitalverzehr nicht einplant, steht am Ende des Entnahmezeitraums möglicherweise ohne Geld da.
Fehler vermeiden
09 · Hintergrund
So planst du deine Entnahmen im Ruhestand
Eine durchdachte Ruhestandsplanung kombiniert verschiedene Anlageformen. So bleibt dein Vermögen während der Auszahlphase weiterhin renditestark.
Dein gesamtes Vermögen während des Ruhestands auf dem Girokonto zu parken, ergibt wenig Sinn. Du bekommst dort keine oder nur geringe Zinsen und verschenkst Rendite, obwohl dein Vermögensstand zum Renteneintritt meist am höchsten ist.
Eine sinnvolle Strategie ist die Kombination aus Aktien-ETFs und Tages- oder Festgeld. Der Aktienanteil sorgt für Renditechancen, während der sichere Teil für planbare Entnahmen und einen Puffer sorgt.
- Für den sicheren Teil kannst du eine Zinstreppe nutzen, bei der jedes Jahr ein Festgeldvertrag ausläuft.
- So bleibst du flexibel und kannst auf unerwartete Ausgaben reagieren, ohne Anteile zu ungünstigen Kursen verkaufen zu müssen.
Dein gesamtes Vermögen während des Ruhestands auf dem Girokonto zu parken, ergibt wenig Sinn. Du bekommst dort keine oder nur geringe Zinsen und verschenkst Rendite, obwohl dein Vermögensstand zum Renteneintritt meist am höchsten ist.
Eine sinnvolle Strategie ist die Kombination aus Aktien-ETFs und Tages- oder Festgeld. Der Aktienanteil sorgt für Renditechancen, während der sichere Teil für planbare Entnahmen und einen Puffer sorgt.
Für den sicheren Teil kannst du eine Zinstreppe nutzen. Du legst dein Geld in mehreren Festgeldverträgen mit unterschiedlichen Laufzeiten an, sodass jedes Jahr ein Vertrag ausläuft und du Geld entnehmen oder neu anlegen kannst.
Beim Aktienanteil verkaufst du regelmäßig Anteile. Über die Zeit verkaufst du zu einem Durchschnittspreis, mal zu besseren, mal zu schlechteren Kursen. Das glättet das Risiko von Kursschwankungen.
Häufige Fragen
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