Ratgeber · Investieren
Lohnt sich Futures-Trading für dich?
Futures sind börsengehandelte Terminkontrakte, mit denen du auf steigende oder fallende Kurse setzen kannst. Ob sich der Einstieg für dich lohnt, hängt von deinem Risikoprofil, deinem Kapital und deinem Verständnis der Hebelwirkung ab.
9 Kapitel · 11 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- Futures sind standardisierte Termingeschäfte, die immer an einer Börse gehandelt werden.
- Du handelst mit Hebel, das heißt, du bewegst mit wenig Kapitaleinsatz einen großen Vertragswert.
- Für Privatanleger sind Futures vor allem als Beimischung oder zur Absicherung bestehender Positionen interessant.
- Die Verlustrisiken können deinen initialen Kapitaleinsatz deutlich übersteigen.
01 · Grundlagen
Was sind Futures?
Futures gehören zur Gruppe der Derivate. Ihr Wert leitet sich von einem Basiswert ab, zum Beispiel einem Rohstoff, einem Index oder einer Anleihe.
Futures sind unbedingte Termingeschäfte. Das bedeutet, dass sich beide Vertragsparteien verpflichten, den Handel auch tatsächlich durchzuführen. Der Käufer muss den Basiswert abnehmen, der Verkäufer muss ihn liefern.
Im Gegensatz zu Optionen hast du bei Futures also kein Wahlrecht, ob du das Geschäft ausführst oder verstreichen lässt. Diese feste Bindung ist ein zentraler Unterschied, den du vor deinem ersten Trade verstehen musst. Ein Future auf den DAX verpflichtet dich beispielsweise, den Indexwert zu einem festgelegten Termin zu handeln, unabhängig davon, wie sich der Kurs bis dahin entwickelt.
Die Standardisierung ist ein weiteres Kernmerkmal. Jeder Kontrakt legt genau fest, welche Menge, welche Qualität und welcher Liefertermin gelten. Dadurch sind Futures an der Börse transparent handelbar und unterscheiden sich von individuell ausgehandelten Termingeschäften, den sogenannten Forwards.
Kurz erklärt
Future
Ein börsengehandelter, standardisierter Vertrag, der den Käufer verpflichtet, einen Basiswert zu einem festgelegten Preis und Termin zu kaufen, und den Verkäufer, diesen zu liefern.
Im Gegensatz zu Optionen sind Futures unbedingte Termingeschäfte, das heißt, beide Seiten müssen den Vertrag erfüllen.
02 · Vergleich
Long oder short: Deine Position im Futures-Handel
Mit Futures kannst du sowohl auf steigende als auch auf fallende Kurse setzen. Deine Positionswahl bestimmt, wovon du profitierst.
Deine Erwartung an den Markt bestimmt deine Position. Gehst du long, kaufst du einen Future und profitierst von steigenden Kursen des Basiswerts. Gehst du short, verkaufst du einen Future und profitierst von fallenden Kursen.
Der Gewinn oder Verlust hängt nicht nur von der Richtung, sondern auch vom Ausmaß der Marktbewegung ab. Ein kleines Kursplus in deine Richtung kann durch die Hebelwirkung bereits einen spürbaren Gewinn bedeuten. Ein kleines Minus gegen deine Position führt entsprechend zu einem Verlust, der deinen Einsatz übersteigen kann.
Für dich als Studierende bedeutet das: Du musst nicht nur die Richtung, sondern auch das Timing und die Volatilität des Marktes einschätzen können. Eine Long-Position eignet sich, wenn du von einem Aufwärtstrend überzeugt bist. Eine Short-Position kann sinnvoll sein, wenn du ein bestehendes Depot gegen fallende Kurse absichern möchtest.
| Long-Position | Short-Position | |
|---|---|---|
| Erwartung | Du erwartest steigende Kurse des Basiswerts. | Du erwartest fallende Kurse des Basiswerts. |
| Gewinn bei | Kursanstieg des Futures | Kursverfall des Futures |
| Verlust bei | Kursverfall des Futures | Kursanstieg des Futures |
| Typische Motivation | Spekulation auf Aufwärtstrend oder Absicherung gegen steigende Einkaufspreise | Spekulation auf Abwärtstrend oder Absicherung eines bestehenden Portfolios |
03 · Schritt für Schritt
So funktioniert der Handel mit Futures
Der Ablauf vom Konto bis zur geschlossenen Position folgt klaren Schritten. Die Börse übernimmt dabei die Abwicklung und stellt faire Kurse sicher.
Der Handel mit Futures läuft ausschließlich über Terminbörsen. In Deutschland ist die EUREX in Frankfurt die zentrale Anlaufstelle. Die Börse übernimmt die Abwicklung und stellt sicher, dass die Kurse fair und transparent zustande kommen.
Bevor du eine Position eröffnest, musst du bei deinem Broker eine Sicherheitsleistung hinterlegen. Diese Initial Margin beträgt nur einen Bruchteil des gesamten Vertragswerts, oft um die 5 Prozent. Dadurch kannst du mit wenig Kapital einen großen Marktwert bewegen, was deine Gewinnchancen, aber auch dein Verlustrisiko deutlich erhöht.
Der Ablauf folgt klaren Schritten:
- Du eröffnest ein Depot bei einem Broker, der Futures anbietet.
- Du hinterlegst die erforderliche Margin als Sicherheitsleistung.
- Du kaufst oder verkaufst einen Kontrakt an der Terminbörse.
- Du überwachst deine Position und die Entwicklung deiner Margin.
- Du schließt die Position durch ein Gegengeschäft, bevor der Kontrakt ausläuft.
Konto eröffnen
Du benötigst ein Depot bei einem Broker, der den Handel mit Futures anbietet.
Margin hinterlegen
Vor dem Handel hinterlegst du eine Sicherheitsleistung, die Initial Margin. Sie beträgt nur einen Bruchteil des Vertragswerts.
Position eröffnen
Du kaufst oder verkaufst einen Future-Kontrakt an der Terminbörse, zum Beispiel der EUREX in Frankfurt.
Position überwachen
Du beobachtest den Kurs des Futures und die Entwicklung deiner Margin. Bei Verlusten kann eine Nachschusspflicht entstehen.
Position schließen
Du glättest deine Position durch ein Gegengeschäft vor dem Ablaufdatum oder lässt den Kontrakt auslaufen.
04 · Kosten
Diese Kosten und Sicherheitsleistungen kommen auf dich zu
Beim Futures-Handel fallen keine Vorabgebühren wie bei Optionen an. Dafür musst du eine Sicherheitsleistung hinterlegen und die Cost-of-Carry im Preis beachten.
Beim Futures-Handel fallen keine klassischen Vorabgebühren wie bei manchen Optionsgeschäften an. Deine Hauptkosten sind der Spread, also die Differenz zwischen Geld- und Briefkurs. Dieser ist je nach Liquidität des Marktes unterschiedlich hoch.
Die Initial Margin ist keine Gebühr, sondern eine Sicherheitsleistung. Sie beträgt oft rund 5 Prozent des Vertragswerts und wird nach dem Schließen der Position wieder freigegeben. Während der Laufzeit musst du jedoch sicherstellen, dass dein Konto ausreichend gedeckt ist, da bei Verlusten Nachschussforderungen entstehen können.
Im Futurepreis selbst sind außerdem die Cost-of-Carry enthalten. Das sind Kosten, die dem Verkäufer für die Lagerung des Basiswerts entstehen, sowie Zinsen. Deshalb liegt der Futurepreis häufig über dem aktuellen Kassapreis des Basiswerts.
Typische Kostenbestandteile beim Futures-Handel
05 · Im Vertrag
Derivate und Basiswert: Diese Begriffe solltest du kennen
Futures sind Derivate, deren Preis sich vom Basiswert ableitet. Für ein fundiertes Verständnis sind einige Fachbegriffe zentral.
Futures gehören zur Gruppe der Derivate. Das sind Finanzinstrumente, deren Wert sich von einem anderen Produkt ableitet. Dieses zugrunde liegende Produkt wird als Basiswert bezeichnet und kann ein Rohstoff, ein Index oder eine Anleihe sein.
Die Margin ist deine Sicherheitsleistung, die du beim Broker hinterlegen musst. Sie stellt sicher, dass du deinen Verpflichtungen aus dem Kontrakt nachkommen kannst. Die Tickgröße definiert die minimale Preisveränderung eines Futures und ist im Kontrakt festgeschrieben.
Die Cost-of-Carry sind Kosten, die in die Preisbildung einfließen. Sie umfassen Lagerungskosten und Zinsen, die der Verkäufer bis zum Liefertermin trägt. Zusammen mit dem Kassapreis des Basiswerts ergeben sie den fairen Futurepreis.
Wichtige Fachbegriffe im Futures-Handel
06 · Was gilt
Hedging mit Futures: So sicherst du Positionen ab
Futures eignen sich nicht nur zur Spekulation, sondern auch zur Absicherung bestehender Positionen. Das Hedging hilft dir, Risiken zu kontrollieren.
Futures eignen sich nicht nur zur Spekulation, sondern auch zur Absicherung bestehender Positionen. Dieses Vorgehen wird als Hedging bezeichnet. Du gehst dabei eine Position ein, die dein Risiko aus einem anderen Geschäft ausgleicht.
Hältst du beispielsweise eine offene Position im Deutschland 40 und befürchtest kurzfristig fallende Kurse, kannst du einen Index-Future shorten. Die Gewinne aus dem Future können dann einen Teil der Verluste deiner bestehenden Position ausgleichen. Umgekehrt kannst du mit einem Long-Future Verluste aus bestehenden Short-Positionen abfedern.
Für dich als Studierende ist Hedging vor allem dann relevant, wenn du bereits ein größeres Depot besitzt. Für den langfristigen Vermögensaufbau mit ETFs ist Hedging in der Regel zu komplex und mit zusätzlichen Kosten verbunden. Hier ist ein einfaches Buy-and-Hold-Vorgehen meist sinnvoller.
Geeignet
Weniger geeignet
07 · Checkliste
Checkliste: Das spricht für und gegen Futures für dich
Bevor du mit Futures handelst, solltest du deine persönliche Situation ehrlich prüfen. Diese Kriterien helfen dir bei der Entscheidung.
Bevor du mit Futures handelst, solltest du deine persönliche Situation ehrlich prüfen. Nicht jeder, der Aktien oder ETFs kaufen kann, ist auch für den Handel mit gehebelten Terminkontrakten geeignet. Die folgenden Kriterien helfen dir bei einer realistischen Einschätzung.
Du solltest die Funktionsweise von Derivaten und die Wirkung des Hebels vollständig verstanden haben. Du musst in der Lage sein, Verluste zu verkraften, die deinen initialen Kapitaleinsatz deutlich übersteigen. Außerdem benötigst du ausreichend liquides Vermögen, um Margin-Anforderungen jederzeit erfüllen zu können.
- Du verstehst die Kontraktspezifikationen deines gewählten Futures, einschließlich Tickgröße und Liefertermin.
- Du hast die Zeit, deine Positionen regelmäßig zu überwachen und auf Marktbewegungen zu reagieren.
- Du handelst ausschließlich mit Geld, das du nicht kurzfristig für Miete, Lebensmittel oder Notgroschen benötigst.
- Du hast einen klaren Plan für Nachschussforderungen bei fallenden Kursen.
Deine persönliche Eignung für Futures-Trading
Du verstehst die Funktionsweise von Derivaten und die Wirkung des Hebels.
Du kannst Verluste verkraften, die deinen initialen Kapitaleinsatz übersteigen.
Du hast ausreichend liquides Vermögen, um Margin-Anforderungen zu erfüllen.
Du hast die Zeit, deine Positionen regelmäßig zu überwachen.
Du handelst nicht mit Geld, das du kurzfristig benötigst.
Du kennst die Tickgröße und die Kontraktspezifikationen deines gewählten Futures.
08 · Fehler vermeiden
Typische Fehler, die du im Futures-Handel vermeiden solltest
Viele Privatanleger unterschätzen die Risiken von Futures. Diese Fehler führen häufig zu hohen Verlusten.
Viele Privatanleger unterschätzen die Hebelwirkung von Futures. Sie rechnen nur mit ihrem eingesetzten Kapital, obwohl sich Gewinne und Verluste am Gesamtwert der Position orientieren. Ein Verlust kann daher schnell den initialen Einsatz übersteigen.
Ein weiterer häufiger Fehler ist das Verwechseln von Futures mit Optionen. Bei Optionen hast du das Recht, aber nicht die Pflicht, das Geschäft auszuführen. Bei Futures bist du als Käufer oder Verkäufer fest an den Kontrakt gebunden. Wer das übersieht, kann unerwartet zur Lieferung oder Abnahme verpflichtet sein.
Du solltest außerdem niemals ohne Stops handeln. Ohne eine vorher festgelegte Verlustgrenze laufen Verluste unkontrolliert weiter. Und du solltest die Cost-of-Carry im Blick behalten, die den Futurepreis über den Kassapreis heben kann und deine Kalkulation beeinflusst.
Häufige Fehler beim Futures-Trading
09 · Hintergrund
Für wen sich Futures-Trading lohnen kann
Futures sind kein Produkt für den langfristigen Vermögensaufbau. Sie können aber als Beimischung oder zur Absicherung einen Platz im Portfolio haben.
Futures eignen sich für Anleger, die bereits Erfahrung mit Aktien, ETFs oder anderen Derivaten gesammelt haben. Du solltest die Mechanik von Margin, Hebel und Kontraktspezifikationen sicher beherrschen, bevor du einen ersten Trade platzierst.
Für die reine Spekulation sind Futures mit hohen Risiken verbunden. Dein Verlust kann den initialen Kapitaleinsatz deutlich übersteigen, wenn sich der Markt gegen deine Position bewegt. Deshalb ist ein striktes Risikomanagement mit Stops und Limits unverzichtbar.
Sinnvoller ist der Einsatz oft als Absicherungsinstrument. Wenn du beispielsweise ein breites Aktienportfolio hältst und kurzfristig einen Marktrückgang erwartest, kannst du mit einem Short-Future auf einen Index einen Teil deiner Verluste ausgleichen.
Für den langfristigen Vermögensaufbau sind breit gestreute ETFs in der Regel die bessere Wahl. Futures können diese Strategie ergänzen, ersetzen sie aber nicht. Überlege genau, ob der zusätzliche Aufwand und das Risiko für dich vertretbar sind.
Häufige Fragen
Fragen zu Lohnt sich Futures-Trading für dich?
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