Ratgeber · Investieren
Lohnt sich ein Bausparvertrag 2026? Chancen und Kosten im Überblick
Ein Bausparvertrag kombiniert eine Sparphase mit dem Anspruch auf ein späteres Darlehen. Ob sich diese Kombination für dich rechnet, hängt von deiner Planung, den Kosten und der staatlichen Förderung ab.
10 Kapitel · 13 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- Die Sparphase bringt aktuell oft keine positive Rendite, weil die Abschlussgebühr die niedrigen Guthabenzinsen auffrisst.
- Ein Bauspardarlehen kann sich lohnen, wenn du in einigen Jahren eine Immobilie kaufen oder modernisieren willst und die Bauzinsen bis dahin steigen.
- Staatliche Förderungen wie Wohnungsbauprämie und Arbeitnehmersparzulage können die Rendite in der Sparphase verbessern.
- Die Zuteilungsreife hängt von der Bewertungszahl ab und kann sich bei hoher Nachfrage nach Darlehen verzögern.
01 · Grundlagen
Was ist ein Bausparvertrag?
Ein Bausparvertrag ist ein Sparvertrag mit einem fest vereinbarten Darlehensanspruch. Du legst zuerst Geld an und kannst später einen Kredit zu den bei Abschluss festgelegten Konditionen abrufen.
Ein Bausparvertrag ist rechtlich ein Sparvertrag mit einer Bausparkasse, der dir nach der Sparphase einen Anspruch auf ein Darlehen zu vorher festgelegten Konditionen gibt. Du legst zu Beginn eine Bausparsumme fest, die sich aus deinem späteren Guthaben und dem Bauspardarlehen zusammensetzt. Die durchschnittliche Bausparsumme bei neu abgeschlossenen Verträgen lag zuletzt bei knapp 46.000 Euro.
Für den Kauf einer Immobilie reicht diese Summe in der Regel nicht aus. Du benötigst dann meist einen zusätzlichen Baukredit zu den dann aktuellen Marktzinsen. Das Bauspardarlehen musst du außerdem für wohnwirtschaftliche Zwecke verwenden, also für Bau, Kauf, Renovierung oder energetische Sanierung.
Die Bausparsumme ist der Gesamtbetrag, den du später einmal ausgezahlt bekommen möchtest. Sie besteht aus deinem angesparten Guthaben und dem Darlehen, das du nach der Zuteilung aufnehmen kannst.
Kurz erklärt
Bausparvertrag
Ein Vertrag mit einer Bausparkasse, der eine Sparphase und eine Darlehensphase kombiniert. Du sparst einen Teil der Bausparsumme an und erhältst danach die Möglichkeit, ein Bauspardarlehen für wohnwirtschaftliche Zwecke zu nutzen.
Die Bausparsumme setzt sich aus deinem angesparten Guthaben und dem späteren Bauspardarlehen zusammen.
02 · Schritt für Schritt
So läuft ein Bausparvertrag ab
Ein Bausparvertrag durchläuft klare Phasen. Vom ersten eingezahlten Euro bis zur Auszahlung des Darlehens vergehen oft mehrere Jahre.
Beim Abschluss legst du die Bausparsumme fest und zahlst eine Abschlussgebühr von 1 bis 1,6 Prozent dieser Summe. Danach beginnt die Sparphase, in der du regelmäßig Geld einzahlst. Meist musst du 30 bis 50 Prozent der Bausparsumme ansparen, bevor der Vertrag zuteilungsreif wird.
Die Guthabenzinsen sind bei neuen Verträgen aktuell sehr niedrig. Viele Bausparkassen schreiben nur noch 0,1 Prozent pro Jahr gut. Nach der Zuteilung kannst du das Bauspardarlehen abrufen und zahlst es anschließend zurück. Die Rückzahlungsraten sind dabei oft deutlich höher als bei einem klassischen Annuitätendarlehen.
- Du legst die Bausparsumme fest und zahlst die Abschlussgebühr.
- Du sparst regelmäßig an, bis du meist 30 bis 50 Prozent der Bausparsumme erreicht hast.
- Erreicht dein Vertrag die nötige Bewertungszahl, wird er zuteilungsreif.
- Du nimmst das Bauspardarlehen auf und zahlst es mit hohen Raten zurück.
Abschluss und Abschlussgebühr
Du legst die Bausparsumme fest und zahlst eine Abschlussgebühr von 1 bis 1,6 Prozent der Bausparsumme.
Ansparphase
Du zahlst regelmäßig Sparraten ein, bis du meist 30 bis 50 Prozent der Bausparsumme angespart hast. Die Guthabenzinsen sind aktuell oft sehr niedrig.
Zuteilungsreife
Erreicht dein Vertrag die nötige Bewertungszahl, wird er zuteilungsreif. Die Bausparkasse informiert dich, dass du das Darlehen abrufen kannst.
Darlehensphase
Du nimmst das Bauspardarlehen auf und zahlst es zurück. Die Rückzahlungsraten sind oft höher als bei einem klassischen Annuitätendarlehen.
03 · Was gilt
Wann lohnt sich ein Bausparvertrag?
Die Frage nach dem Nutzen lässt sich nicht pauschal beantworten. Entscheidend ist, ob du das Darlehen später brauchst und wie sich die Zinsen entwickeln.
Ein Bausparvertrag kann sich lohnen, wenn du in einigen Jahren eine Immobilie kaufen, bauen oder modernisieren willst und dir dafür einen festen Darlehenszins sichern möchtest. Das gilt besonders, wenn du mit steigenden Bauzinsen rechnest. Auch staatliche Förderungen wie die Wohnungsbauprämie oder die Arbeitnehmersparzulage können die Rendite verbessern.
Für ein Darlehen unter 50.000 Euro, etwa für eine Sanierung, ist ein Bauspardarlehen oft die bessere Wahl. Banken bieten günstige Baukredite häufig erst ab dieser Kreditsumme an, darunter verlangen sie meist 2 bis 4 Prozentpunkte mehr Zinsen. Als reine Geldanlage lohnt sich ein Bausparvertrag dagegen meist nicht, weil die Kosten in der Sparphase die Erträge übersteigen.
Entscheidend ist, ob du das Darlehen später tatsächlich brauchst. Wer nur sparen will, ohne eine Immobilie zu planen, fährt mit Tagesgeld oder Festgeld meist besser.
Kann sich lohnen
Lohnt sich meist nicht
04 · Kosten
Kosten in der Sparphase: Abschlussgebühr und niedrige Zinsen
Die Sparphase ist für dich als reine Geldanlage oft ein Verlustgeschäft. Die Kosten zu Beginn sind hoch, die Erträge durch Zinsen gering.
Die Abschlussgebühr liegt bei 1 bis 1,6 Prozent der Bausparsumme und wird sofort fällig. Gleichzeitig erwirtschaftest du mit den niedrigen Guthabenzinsen kaum Erträge.
Ein Beispiel: Bei einer Bausparsumme von 10.000 Euro und 0,1 Prozent Guthabenzins pro Jahr erhältst du in 8,5 Jahren nur etwa 22 Euro Zinsen. Die Abschlussgebühr beträgt dagegen 100 bis 160 Euro. Ohne staatliche Förderung bleibt nach Abzug der Kosten ein klares Minus.
Die Abschlussgebühr von 1 bis 1,6 Prozent der Bausparsumme ist der größte Kostenblock in der Sparphase. Sie wird bei Vertragsabschluss fällig und reduziert deine Rendite von Anfang an.
Beispielhafte Kosten und Erträge in der Sparphase bei 10.000 Euro Bausparsumme
05 · Im Vertrag
Bauspardarlehen: Fester Zins mit versteckten Kosten
Das Bauspardarlehen wirbt mit günstigen Sollzinsen. Der effektive Zins liegt jedoch oft höher, weil du in der Sparphase auf Zinsen verzichtet hast und zusätzliche Gebühren anfallen können.
Das Bauspardarlehen wirbt oft mit sehr niedrigen Sollzinsen. Diese gelten jedoch häufig nur für kurze Laufzeiten. Ein recherchiertes Beispiel zeigt: Ein Sollzins von 0,45 Prozent pro Jahr war an eine Rückzahlung innerhalb von fünf Jahren und drei Monaten gekoppelt. Wer länger Zeit brauchte, zahlte bis zu 1,95 Prozent.
Zusätzlich fällt bei Auszahlung oft ein Agio an, also ein Aufgeld von zum Beispiel zwei Prozent der Darlehenssumme. Dadurch steigt der Effektivzins deutlich. Im genannten Beispiel lag er bei 1,99 Prozent. Rechnest du außerdem den Zinsverzicht aus der Sparphase als Kosten hinzu, liegt der effektive Darlehenszins je nach Fall deutlich über 5 Prozent.
Der beworbene Sollzins ist nicht der Preis, den du tatsächlich zahlst. Erst der Effektivzins inklusive Agio und entgangener Sparzinsen zeigt die wahren Kosten des Bauspardarlehens.
Wichtige Begriffe rund um das Bauspardarlehen
06 · Was gilt
Staatliche Förderung: Wohnungsbauprämie und Arbeitnehmersparzulage
Zwei Förderungen können die Rendite deines Bausparvertrags verbessern. Beide sind an Einkommensgrenzen und Bedingungen geknüpft.
Die Wohnungsbauprämie erhältst du auf vermögenswirksame Leistungen, wenn dein zu versteuerndes Einkommen bei maximal 35.000 Euro pro Jahr liegt. Bei Verheirateten gilt die doppelte Grenze von 70.000 Euro. Die Prämie beträgt 10 Prozent der eingezahlten vermögenswirksamen Leistungen, maximal 70 Euro pro Jahr.
Die Arbeitnehmersparzulage wird ebenfalls auf vermögenswirksame Leistungen gezahlt. Hier liegt die Einkommensgrenze bei 40.000 Euro zu versteuerndem Einkommen pro Jahr, bei Verheirateten bei 80.000 Euro. Die Zulage beträgt 9 Prozent der eingezahlten vermögenswirksamen Leistungen, maximal 43 Euro pro Jahr.
Ohne diese Förderungen ist die Sparphase meist ein Minusgeschäft. Mit Wohnungsbauprämie oder Arbeitnehmersparzulage kannst du die Abschlussgebühr und die niedrigen Zinsen zumindest teilweise ausgleichen.
Wird für vermögenswirksame Leistungen auf einen Bausparvertrag gezahlt.
Wird für vermögenswirksame Leistungen auf einen Bausparvertrag gezahlt.
07 · Hintergrund
Zuteilungsreife: Wann du an dein Geld kommst
Die Zuteilungsreife ist der Zeitpunkt, an dem du über dein Guthaben und das Darlehen verfügen kannst. Sie hängt von der Bewertungszahl ab und ist nicht garantiert.
Die Bausparkasse berechnet regelmäßig eine Bewertungszahl für deinen Vertrag. In diese Zahl fließen deine Sparleistung, die Spardauer und die Entwicklung anderer Verträge ein. Erreicht dein Vertrag die nötige Bewertungszahl, bietet dir die Bausparkasse die Zuteilung an.
Die Angaben zur voraussichtlichen Zuteilungsreife sind nur Schätzungen. Wenn viele Bausparer gleichzeitig ein Darlehen abrufen, weil die Bauzinsen steigen, kann sich deine Zuteilung deutlich verzögern. Die Bausparkasse steuert ihr Geschäft über die Bewertungszahl und kann den Auszahlungszeitpunkt nicht garantieren.
Ist dein Vertrag zuteilungsreif, hast du drei Optionen: Du nimmst die Zuteilung an und lässt dir Guthaben plus Darlehen auszahlen. Du nimmst die Zuteilung an und lässt dir nur dein Guthaben auszahlen. Oder du verzichtest auf die Zuteilung und sparst weiter.
Die Zuteilungsreife ist nicht garantiert und kann sich um Jahre verschieben. Verlasse dich nicht auf die unverbindliche Schätzung bei Vertragsabschluss.
Die Bausparkasse berechnet regelmäßig eine Bewertungszahl für deinen Vertrag. In diese Zahl fließen deine Sparleistung, die Spardauer und die Entwicklung anderer Verträge ein. Erreicht dein Vertrag die nötige Bewertungszahl, bietet dir die Bausparkasse die Zuteilung an.
Die Angaben zur voraussichtlichen Zuteilungsreife sind nur Schätzungen. Wenn viele Bausparer gleichzeitig ein Darlehen abrufen, weil die Bauzinsen steigen, kann sich deine Zuteilung deutlich verzögern. Die Bausparkasse steuert ihr Geschäft über die Bewertungszahl.
Ist dein Vertrag zuteilungsreif, hast du drei Optionen: Du nimmst die Zuteilung an und lässt dir Guthaben und Darlehen auszahlen. Du nimmst die Zuteilung an und lässt dir nur dein Guthaben auszahlen. Oder du nimmst die Zuteilung nicht an und sparst weiter.
08 · Vergleich
Bausparvertrag als Teil der Immobilienfinanzierung
Ein Bausparvertrag allein reicht für den Kauf einer Immobilie meist nicht aus. Er kann aber eine sinnvolle Ergänzung sein, besonders für kleinere Darlehenssummen.
Die durchschnittliche Bausparsumme von knapp 46.000 Euro deckt nur einen kleinen Teil der Kaufsumme ab. Du benötigst in der Regel zusätzlich ein klassisches Annuitätendarlehen zu den dann aktuellen Marktzinsen.
Für kleinere Darlehenssummen unter 50.000 Euro ist das Bauspardarlehen dagegen oft die bessere Wahl. Banken bieten günstige Baukredite häufig erst ab dieser Kreditsumme an. Darunter verlangen sie meist 2 bis 4 Prozentpunkte mehr Zinsen und verkaufen dir einen teureren Konsumentenkredit. Das Bauspardarlehen ist an keine Mindestkreditsumme gebunden.
Für Sanierungen oder Modernisierungen unter 50.000 Euro kann das Bauspardarlehen günstiger sein als ein Bankkredit. Für die komplette Immobilienfinanzierung reicht es jedoch nicht aus.
| Bauspardarlehen | Annuitätendarlehen | |
|---|---|---|
| Zinsbindung | Fester Zins ab Vertragsabschluss | Feste Zinsbindung |
| Sondertilgung | Jederzeit kostenlos möglich | Vorfälligkeitsentschädigung bei vorzeitiger Rückzahlung |
| Rückzahlungsrate | Meist sehr hoch, kurze Laufzeit | Flexibel wählbar, oft niedriger |
| Kreditsumme | Auch für Beträge unter 50.000 Euro geeignet | Günstige Zinsen oft erst ab 50.000 Euro |
09 · Fehler vermeiden
Häufige Fehler beim Bausparen
Viele Bausparer unterschätzen die Kosten oder planen zu unkonkret. Diese Fehler kannst du vermeiden.
Ein häufiger Fehler ist der Abschluss eines Vertrags, ohne zu wissen, ob du in den nächsten Jahren überhaupt eine Immobilie kaufen oder modernisieren willst. Ohne konkreten Verwendungszweck ist der Bausparvertrag meist eine teure Geldanlage.
Ein weiterer Fehler ist der Blick nur auf den beworbenen Sollzins des Darlehens. Der Effektivzins inklusive Agio und die Abschlussgebühr zeigen die wahren Kosten. Auch die hohen Rückzahlungsraten in der Darlehensphase werden oft unterschätzt. Sie sind meist deutlich höher als bei einem klassischen Annuitätendarlehen.
- Du schließt einen Vertrag ab, ohne eine Immobilie zu planen.
- Du achtest nur auf den Sollzins und ignorierst Effektivzins und Abschlussgebühr.
- Du planst die hohen Rückzahlungsraten nicht in dein Budget ein.
- Du verlässt dich auf die unverbindliche Schätzung der Zuteilungsreife.
- Du vergisst, die staatlichen Förderungen zu beantragen.
Diese Fehler solltest du beim Bausparvertrag vermeiden
10 · Checkliste
Checkliste: So prüfst du einen Bausparvertrag
Bevor du einen Bausparvertrag abschließt, solltest du diese Punkte klären. Sie helfen dir, eine fundierte Entscheidung zu treffen.
Bevor du einen Bausparvertrag abschließt, solltest du die wichtigsten Konditionen kennen und vergleichen. Die Abschlussgebühr liegt je nach Anbieter zwischen 1 und 1,6 Prozent der Bausparsumme. Der Guthabenzins in der Sparphase ist bei neuen Verträgen oft sehr niedrig, zum Beispiel 0,1 Prozent pro Jahr.
Prüfe außerdem den Sollzins und den Effektivzins des Bauspardarlehens. Frage nach der Laufzeit und der Rückzahlungsrate, denn die Raten sind oft hoch. Kläre, ob du die Einkommensgrenzen für Wohnungsbauprämie und Arbeitnehmersparzulage erfüllst. Und frage dich ehrlich, ob du in den nächsten 5 bis 10 Jahren eine Immobilie kaufen oder modernisieren willst.
- Wie hoch ist die Abschlussgebühr, 1 oder 1,6 Prozent der Bausparsumme?
- Wie hoch ist der Guthabenzins in der Sparphase?
- Was kosten Sollzins und Effektivzins des Bauspardarlehens wirklich?
- Kannst du die Rückzahlungsraten in der Darlehensphase stemmen?
- Erfüllst du die Einkommensgrenzen für die staatlichen Förderungen?
- Willst du in den nächsten 5 bis 10 Jahren eine Immobilie kaufen oder modernisieren?
Das solltest du vor dem Abschluss prüfen
Höhe der Abschlussgebühr: Liegt sie bei 1 oder 1,6 Prozent der Bausparsumme?
Guthabenzins in der Sparphase: Wie hoch ist er aktuell?
Sollzins und Effektivzins des Bauspardarlehens: Was kostet der Kredit wirklich?
Laufzeit und Rückzahlungsrate des Darlehens: Kannst du die Raten stemmen?
Einkommensgrenzen für Wohnungsbauprämie und Arbeitnehmersparzulage: Erfüllst du sie?
Deine persönliche Planung: Willst du in den nächsten 5 bis 10 Jahren eine Immobilie kaufen oder modernisieren?
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