Ratgeber · Investieren
Unternehmensanleihen: Wann sich der Kauf für dich lohnt
Unternehmensanleihen versprechen oft höhere Zinsen als Staatsanleihen oder Festgeld. Ob sie für dein Portfolio sinnvoll sind, hängt vor allem von der Bonität des Unternehmens und deiner Risikobereitschaft ab.
10 Kapitel · 12 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- Unternehmensanleihen sind Schuldverschreibungen, bei denen du einem Unternehmen Geld leihst und dafür Zinsen erhältst.
- Die Rendite ist planbarer als bei Aktien, das Ausfallrisiko aber höher als bei Staatsanleihen.
- Mit Anleihen-ETFs streust du das Risiko über viele Emittenten und reduzierst so die Gefahr eines Totalverlusts.
- Steigende Marktzinsen führen bei bestehenden Anleihen zu Kursverlusten, wenn du vor Laufzeitende verkaufst.
01 · Grundlagen
Was ist eine Unternehmensanleihe?
Eine Unternehmensanleihe ist ein Kredit, den du einem Unternehmen gewährst. Im Gegenzug erhältst du regelmäßige Zinsen und am Ende der Laufzeit dein Geld zurück.
Als Gläubigerin hast du einen festen Anspruch auf die vereinbarten Zinszahlungen, den sogenannten Kupon. Dieser wird in der Regel jährlich auf den Nennwert der Anleihe ausgezahlt. Am Ende der Laufzeit bekommst du dein eingesetztes Kapital zurück, sofern das Unternehmen nicht zahlungsunfähig wird.
Die Laufzeiten von Unternehmensanleihen reichen von wenigen Jahren bis zu mehreren Jahrzehnten. Während dieser Zeit kannst du die Anleihe an der Börse verkaufen, der Kurs schwankt dann aber abhängig vom Marktzinsumfeld und der Einschätzung der Bonität des Unternehmens. Anders als bei Aktien hast du als Anleihegläubigerin kein Stimmrecht auf der Hauptversammlung.
Im Insolvenzfall wirst du als Anleihegläubigerin vor den Aktionären bedient. Das bedeutet, du hast bessere Chancen, zumindest einen Teil deines Geldes zurückzubekommen, auch wenn ein Totalverlust möglich bleibt.
Kurz erklärt
Unternehmensanleihe
Ein Wertpapier, mit dem sich ein Unternehmen Kapital leiht. Du wirst Gläubigerin oder Gläubiger und hast Anspruch auf festgelegte Zinszahlungen sowie die Rückzahlung des Nennwerts am Laufzeitende.
Anders als bei Aktien wirst du nicht Miteigentümerin, sondern leihst dem Unternehmen Geld.
02 · Vergleich
Unternehmensanleihen im Vergleich zu Staatsanleihen
Der wichtigste Unterschied liegt in der Sicherheit. Staaten können Steuern erheben, Unternehmen nicht, daher ist das Ausfallrisiko bei Unternehmensanleihen grundsätzlich höher.
Der zentrale Unterschied liegt in der Fähigkeit des Schuldners, seine Verbindlichkeiten zu bedienen. Staaten können Steuern erheben und in manchen Fällen die Notenbank zur Geldschöpfung nutzen, ein Unternehmen kann das nicht. Deshalb ist das Ausfallrisiko bei Unternehmensanleihen grundsätzlich höher als bei Staatsanleihen.
Für dieses höhere Risiko wirst du in der Regel mit einem Renditeaufschlag entschädigt. Die Zinsen von Unternehmensanleihen liegen oft ein Stück über denen von Staatsanleihen, Tagesgeld oder Festgeld. Wie groß dieser Abstand ist, hängt vor allem von der Bonität des jeweiligen Unternehmens ab.
Es gibt aber auch sehr solide Unternehmen, deren Anleihen kaum riskanter sind als die mancher Staaten. Umgekehrt existieren Staatsanleihen mit hohem Ausfallrisiko. Die Bonität des konkreten Emittenten ist daher wichtiger als die pauschale Unterscheidung zwischen Unternehmen und Staat.
| Unternehmensanleihen | Staatsanleihen | |
|---|---|---|
| Emittent | Privatwirtschaftliches Unternehmen | Staat oder staatliche Institution |
| Ausfallrisiko | Höher, abhängig von der Bonität des Unternehmens | Geringer, Staaten können Steuern erheben |
| Rendite | Oft höher als bei Staatsanleihen | Meist niedriger, dafür stabiler |
| Sicherheit bei Insolvenz | Bessere Chancen als Aktionäre, aber Verlust möglich | Sehr selten Totalausfall, aber möglich |
03 · Schritt für Schritt
So funktioniert der Kauf einer Unternehmensanleihe
Du kannst Unternehmensanleihen über dein Wertpapierdepot kaufen. Der Ablauf ähnelt dem Aktienkauf, es gibt aber einige Besonderheiten bei Zinsen und Rückzahlung.
Für den Kauf benötigst du ein Wertpapierdepot bei einer Bank oder einem Online-Broker. Über dieses Depot kannst du sowohl einzelne Unternehmensanleihen als auch Anleihen-ETFs handeln. Der Ablauf ähnelt dem Aktienkauf, du erteilst einen Kaufauftrag zum aktuellen Börsenkurs.
Vor dem Kauf solltest du Kupon, Laufzeit, Rating und Bonität des Emittenten prüfen. Diese Informationen findest du im Wertpapierprospekt oder bei deiner Depotbank. Der Kurs einer Anleihe kann über oder unter dem Nennwert liegen, je nachdem, wie sich das Marktzinsumfeld seit der Emission entwickelt hat.
- Du eröffnest ein Wertpapierdepot bei einem Anbieter deiner Wahl.
- Du wählst eine Anleihe aus und prüfst Kupon, Laufzeit und Rating.
- Du erteilst einen Kaufauftrag zum aktuellen Börsenkurs.
- Während der Laufzeit erhältst du regelmäßig die festgelegten Kuponzahlungen.
- Am Laufzeitende bekommst du den Nennwert zurück oder verkaufst vorher an der Börse.
Depot eröffnen
Du benötigst ein Wertpapierdepot bei einer Bank oder einem Online-Broker, über das du Anleihen handeln kannst.
Anleihe auswählen
Du prüfst Kupon, Laufzeit, Rating und Bonität des Emittenten. Diese Informationen findest du im Wertpapierprospekt oder bei deiner Depotbank.
Kaufauftrag erteilen
Du kaufst die Anleihe zum aktuellen Börsenkurs. Der Kurs kann über oder unter dem Nennwert liegen, je nach Marktzinsumfeld.
Zinsen erhalten
Während der Laufzeit erhältst du regelmäßig die festgelegten Kuponzahlungen, meist jährlich.
Rückzahlung oder Verkauf
Am Laufzeitende bekommst du den Nennwert zurück. Alternativ kannst du die Anleihe vorher an der Börse verkaufen, dann ist der Kurs entscheidend.
04 · Was gilt
Wann sich Unternehmensanleihen für dich lohnen
Nicht jede Anlegerin profitiert von Unternehmensanleihen. Sie eignen sich besonders, wenn du planbare Zinseinnahmen suchst und ein mittleres Risiko tragen kannst.
Unternehmensanleihen passen zu dir, wenn du planbare Zinseinnahmen suchst und ein mittleres Ausfallrisiko tragen kannst. Sie eignen sich als Ergänzung zu Aktien, weil sie regelmäßige Erträge liefern und in der Regel weniger stark schwanken. Gleichzeitig bieten sie höhere Zinsen als Tagesgeld oder Festgeld, verzichten dafür aber auf die Einlagensicherung.
Wenn du keinen Kapitalverlust verkraften kannst oder tägliche Verfügbarkeit ohne Kursrisiko brauchst, sind Unternehmensanleihen eher nicht sinnvoll. Auch wer eine Anlage mit Einlagensicherung sucht, ist mit Tagesgeld oder Festgeld besser bedient. Für ein mittleres Risikoprofil mit Fokus auf regelmäßige Erträge können Unternehmensanleihen dagegen eine sinnvolle Beimischung sein.
- Sinnvoll, wenn du regelmäßige Zinseinnahmen mit planbarer Höhe suchst.
- Sinnvoll, wenn du dein Portfolio um festverzinsliche Wertpapiere ergänzen möchtest.
- Eher nicht sinnvoll, wenn du keinen Kapitalverlust verkraften kannst.
- Eher nicht sinnvoll, wenn du eine Anlage mit Einlagensicherung bevorzugst.
Sinnvoll für dich
Eher nicht sinnvoll
05 · Kosten
Welche Kosten entstehen beim Kauf von Unternehmensanleihen?
Die Kosten setzen sich aus Ordergebühren, Spreads und gegebenenfalls Verwaltungsgebühren bei ETFs zusammen. Die genaue Höhe hängt von deinem Depotanbieter ab.
Beim Kauf einzelner Unternehmensanleihen fallen in erster Linie Ordergebühren an, die je nach Depotanbieter zwischen 0 und 15 Euro pro Transaktion liegen können. Zusätzlich zahlst du den Spread, also die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Bei Unternehmensanleihen liegt dieser Spread typischerweise zwischen 0,1 und 0,5 Prozent.
Bei Anleihen-ETFs kommen laufende Kosten von etwa 0,1 bis 0,5 Prozent pro Jahr hinzu. Dafür entfällt bei ETFs das Risiko, das du mit einer einzelnen Anleihe eingehst. Bei Einzelanleihen fallen keine laufenden Kosten an, dafür trägst du das volle Ausfallrisiko des Emittenten.
06 · Im Vertrag
Bonität, Rating und Kupon: Diese Fachbegriffe solltest du kennen
Bevor du eine Unternehmensanleihe kaufst, solltest du die wichtigsten Kennzahlen verstehen. Sie bestimmen Risiko und Rendite deiner Anlage.
Die Bonität beschreibt die Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens. Eine gute Bonität bedeutet ein geringeres Ausfallrisiko, führt aber meist zu niedrigeren Zinsen. Ratingagenturen wie S&P, Moody's und Fitch bewerten diese Bonität regelmäßig und vergeben Noten von AAA für höchste Solvenz bis CCC für spekulative Anlagen.
Als Investment Grade gelten Anleihen mit einem Rating von BBB oder besser. Diese stammen von Unternehmen mit guter Bonität und niedriger Ausfallwahrscheinlichkeit. Der Kupon ist der festgelegte Zinssatz, den du während der Laufzeit auf den Nennwert erhältst. Je höher der Kupon, desto höher ist in der Regel auch das Risiko, dass das Unternehmen zahlungsunfähig wird.
Die wichtigsten Begriffe rund um Unternehmensanleihen
07 · Checkliste
Checkliste: So prüfst du eine Unternehmensanleihe
Mit dieser Prüfung vermeidest du typische Fehler und findest Anleihen, die zu deinem Risikoprofil passen.
Bevor du eine Unternehmensanleihe kaufst, solltest du mehrere Faktoren systematisch prüfen. Die Bonität des Emittenten anhand des Ratings ist der wichtigste Indikator für das Ausfallrisiko. Kupon und Laufzeit müssen zu deinem Anlagehorizont passen, sonst riskierst du Kursverluste bei einem vorzeitigen Verkauf.
Bei Einzelanleihen ist die Streuung über mehrere Emittenten entscheidend, um das Risiko zu begrenzen. Wenn du diesen Aufwand scheust, sind Anleihen-ETFs die einfachere Alternative. Die Faustregel lautet: Je höher die versprochene Rendite, desto riskanter ist die Anleihe.
- Prüfe die Bonität des Emittenten anhand des Ratings von S&P, Moody's oder Fitch.
- Gleiche Kupon und Laufzeit mit deinem Anlagehorizont ab.
- Schätze das Ausfallrisiko ein und hinterfrage besonders hohe Renditen.
- Berücksichtige das aktuelle Zinsumfeld und die Kursentwicklung.
- Streue bei Einzelanleihen über mehrere Emittenten oder wähle einen Anleihen-ETF.
Das solltest du vor dem Kauf prüfen
Bonität des Emittenten anhand des Ratings von S&P, Moody's oder Fitch prüfen
Kupon und Laufzeit mit deinem Anlagehorizont abgleichen
Ausfallrisiko einschätzen: Je höher die Rendite, desto riskanter die Anleihe
Kursentwicklung und Zinsumfeld berücksichtigen
Bei Einzelanleihen: Streuung über mehrere Emittenten sicherstellen
Alternative Anleihen-ETFs für breitere Diversifikation prüfen
08 · Fehler vermeiden
Typische Fehler beim Kauf von Unternehmensanleihen
Viele Anlegerinnen unterschätzen die Risiken oder lassen sich von hohen Zinsen blenden. Diese Fehler solltest du vermeiden.
Der häufigste Fehler ist, nur auf den Kupon zu schauen und das Ausfallrisiko zu ignorieren. Besonders hohe Zinsen sind fast immer ein Hinweis auf eine schlechte Bonität des Emittenten. Wer sein gesamtes Kapital in eine einzige Unternehmensanleihe steckt, geht ein unnötig hohes Klumpenrisiko ein.
Viele Anlegerinnen verwechseln Unternehmensanleihen mit Tagesgeld oder Festgeld und übersehen die fehlende Einlagensicherung. Anders als bei Spareinlagen bis 100.000 Euro gibt es bei Anleihen keinen gesetzlichen Schutz vor Verlusten. Die Bonität des Emittenten solltest du nicht nur beim Kauf prüfen, sondern während der gesamten Laufzeit im Blick behalten.
- Nur auf den Kupon schauen und das Ausfallrisiko ignorieren.
- Das gesamte Kapital in eine einzige Unternehmensanleihe stecken.
- Die Restlaufzeit nicht beachten und bei steigenden Zinsen Kursverluste erleiden.
- Unternehmensanleihen mit Tagesgeld oder Festgeld verwechseln und die fehlende Einlagensicherung übersehen.
- Die Bonität des Emittenten nicht regelmäßig überprüfen.
- Bei Hochzinsanleihen das erhöhte Totalausfallrisiko unterschätzen.
Diese Fehler kosten dich Rendite oder Kapital
09 · Hintergrund
Anleihen-ETFs als Alternative zur Einzelanleihe
Mit einem Anleihen-ETF investierst du in einen Korb aus vielen Unternehmensanleihen. Das reduziert das Risiko eines einzelnen Emittenten deutlich.
Ein Anleihen-ETF bündelt Dutzende bis Hunderte Unternehmensanleihen in einem einzigen Wertpapier. Dadurch streust du das Ausfallrisiko über viele Emittenten und Branchen. Fällt ein einzelnes Unternehmen aus, wirkt sich das nur gering auf den Gesamtwert des ETFs aus.
Die Rendite eines Unternehmensanleihen-ETFs liegt typischerweise etwas unter der Rendite einzelner Hochzinsanleihen, dafür ist das Risiko deutlich geringer. Die laufenden Kosten sind mit 0,1 bis 0,5 Prozent pro Jahr überschaubar. Für die meisten Privatanlegerinnen sind Anleihen-ETFs der einfachere Weg, in Unternehmensanleihen zu investieren.
Ein Anleihen-ETF bündelt Dutzende bis Hunderte Unternehmensanleihen in einem Wertpapier. Dadurch streust du das Ausfallrisiko über viele Emittenten und Branchen. Fällt ein Unternehmen aus, wirkt sich das nur gering auf den Gesamtwert des ETFs aus.
Die Rendite eines Unternehmensanleihen-ETFs liegt typischerweise etwas unter der Rendite einzelner Hochzinsanleihen, dafür ist das Risiko deutlich geringer.
Für die meisten Privatanlegerinnen sind Anleihen-ETFs der einfachere Weg, in Unternehmensanleihen zu investieren. Du musst keine einzelnen Emittenten analysieren und profitierst automatisch von einer breiten Diversifikation.
10 · Hintergrund
Laufzeit und Zinsrisiko: Was du wissen musst
Die Laufzeit einer Anleihe bestimmt, wie stark ihr Kurs auf Zinsänderungen reagiert. Kurze Laufzeiten sind stabiler, lange Laufzeiten bieten oft höhere Renditen.
Unternehmensanleihen haben Laufzeiten von wenigen Jahren bis zu 30 Jahren. Je länger die Restlaufzeit, desto stärker schwankt der Kurs bei Zinsänderungen. Steigen die Marktzinsen, fallen die Kurse bestehender Anleihen, weil neue Anleihen attraktiver sind.
Für sicherheitsorientierte Anlegerinnen sind kürzere Laufzeiten meist besser geeignet. Sie bieten geringere Kursschwankungen, dafür aber auch niedrigere Renditen. Längere Laufzeiten lohnen sich, wenn du von fallenden Zinsen profitieren willst.
Wenn du eine Anleihe bis zum Laufzeitende hältst, bekommst du den Nennwert zurück, unabhängig von zwischenzeitlichen Kursschwankungen. Das Zinsrisiko betrifft dich also nur, wenn du vorzeitig verkaufst.
Häufige Fragen
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