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Rohstoffe als Geldanlage: Wann sich ein Investment lohnt

Rohstoffe gelten als eigene Anlageklasse und können ein Depot breiter aufstellen. Ob sich der Einstieg für dich lohnt, hängt von deiner Strategie und deinem Umgang mit starken Preisschwankungen ab.

11 Kapitel · 10 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026

Das Wichtigste

  • Rohstoff-ETFs investieren meist über Terminkontrakte, nicht in physische Waren.
  • Die Anlageklasse kann das Depot diversifizieren, bringt aber hohe Volatilität mit.
  • Rollverluste bei Futures können die Rendite langfristig schmälern.
  • Für den Vermögensaufbau ist ein breiter Aktien-ETF oft die einfachere Basis.

01 · Grundlagen

Was zählt zu den Rohstoffen?

Rohstoffe lassen sich in fünf Hauptgruppen einteilen, die unterschiedliche wirtschaftliche Funktionen haben.

Rohstoffe stehen am Anfang der Wertschöpfungskette und werden in standardisierter Form an Börsen gehandelt. Dazu zählen nicht nur Metalle oder Öl, sondern auch Kaffeebohnen, Lebendvieh oder Lithium. Weltweit gibt es etwa 40 bis 45 wirtschaftlich bedeutende Rohstoffe, die sich in fünf Hauptgruppen einteilen lassen.

Elektrizität aus Wind- oder Solarparks gehört nicht dazu, weil sie direkt in die Stromnetze eingespeist und nicht zwischengelagert wird. Gold und andere Edelmetalle werden aus Investmentsicht oft als eigene Anlageklasse betrachtet, da sie im Produktionsprozess nicht verbraucht werden.

Kurz erklärt

Rohstoffe (Commodities)

Natürliche Ressourcen, die am Anfang der Wertschöpfungskette stehen und in standardisierter Form an Börsen gehandelt werden.

Die fünf Gruppen sind Energie, Edelmetalle, Industriemetalle, Mineralstoffe und Agrarrohstoffe.

02 · Checkliste

Welche Rohstoffgruppen gibt es?

Je nach Gruppe unterscheiden sich die Preistreiber und die Rolle im Portfolio.

Die fünf Hauptgruppen unterscheiden sich deutlich in ihrer wirtschaftlichen Funktion und ihren Preistreibern. Energierohstoffe wie Erdöl, Erdgas und Kohle reagieren stark auf geopolitische Ereignisse und Fördermengen. Industriemetalle wie Kupfer und Aluminium hängen eng an der globalen Konjunktur und der Bauindustrie.

Agrarrohstoffe wie Weizen, Mais, Soja und Kaffee werden von Ernten, Wetter und Handelsbeschränkungen beeinflusst. Mineralstoffe wie Bauxit, Phosphat und Schwefel sind eher Nischenmärkte mit eigener Dynamik. Edelmetalle wie Gold, Silber, Platin und Palladium dienen häufig als Wertaufbewahrungsmittel und haben eine Sonderrolle.

Die fünf Hauptgruppen der Rohstoffe

01

Energierohstoffe: Erdöl, Erdgas, Kohle

02

Edelmetalle: Gold, Silber, Platin, Palladium

03

Industriemetalle: Kupfer, Aluminium, Zink, Blei

04

Mineralstoffe: Bauxit, Phosphat, Schwefel

05

Agrarrohstoffe: Weizen, Mais, Soja, Kaffee, Lebendvieh

03 · Vergleich

Wie kannst du in Rohstoffe investieren?

Für Privatanleger ist der direkte Kauf physischer Waren unpraktisch. Der übliche Weg führt über Wertpapiere.

Der übliche Weg führt über Wertpapiere, konkret über zwei Varianten von Rohstoff-ETFs. Aktien-ETFs bündeln die Aktien von Unternehmen aus dem Rohstoffsektor, etwa Ölkonzerne oder Bergbaugesellschaften.

Future-ETFs bilden dagegen einen Rohstoffindex ab und investieren in Terminkontrakte. Sie ermöglichen ein Investment in die Preisentwicklung der Rohstoffe selbst, ohne dass du die Waren physisch halten musst. Der wesentliche Unterschied liegt in der Korrelation zum Aktienmarkt: Aktien-ETFs bewegen sich ähnlich wie andere Branchen-ETFs, Future-ETFs haben als eigene Anlageklasse eine geringere Korrelation.

Die zwei gängigen Wege für Rohstoff-ETFs
Aktien-ETFsFuture-ETFs
Investitions­objektAktien von RohstoffunternehmenTerminkontrakte auf Rohstoffindizes
Typisches RisikoKlumpenrisiko durch SektorwetteRollverluste bei Terminkontrakten

04 · Schritt für Schritt

Was sind Futures und Terminmärkte?

Termingeschäfte sind der technische Kern der meisten Rohstoffinvestments.

Ein Future ist ein standardisierter Vertrag, bei dem zwei Parteien heute einen festen Preis für eine bestimmte Menge eines Rohstoffs vereinbaren. Lieferung und Bezahlung erfolgen erst zu einem festgelegten Zeitpunkt in der Zukunft. Solche Termingeschäfte gibt es seit dem 17. Jahrhundert, als japanische Reisbauern und Händler damit Preisschwankungen absicherten.

Für einen Rohstoff-ETF bedeutet das: Vor dem Auslaufen eines Kontrakts verkauft der Fonds den alten und kauft einen neuen Kontrakt mit späterem Liefertermin. Dieser Rollvorgang ist ein zentraler Mechanismus, der die Rendite von Future-ETFs beeinflusst. Er kann je nach Marktlage Gewinne oder Verluste erzeugen.

01

Vertragsabschluss

Zwei Parteien vereinbaren heute einen festen Preis für eine bestimmte Menge eines Rohstoffs.

02

Liefertermin

Die Lieferung und Bezahlung erfolgen zu einem festgelegten Zeitpunkt in der Zukunft.

03

Rollvorgang

Vor dem Auslaufen eines Kontrakts verkauft der Fonds den alten und kauft einen neuen Kontrakt mit späterem Termin.

05 · Kosten

Welche Renditebausteine hat ein Rohstoff-ETF?

Die Gesamtrendite setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen, die nicht alle positiv sein müssen.

Die Gesamtrendite eines Future-ETFs setzt sich aus drei Komponenten zusammen. Die Spot-Preisveränderung bildet die langfristige Entwicklung des Rohstoffpreises ab und liegt real vor Kosten und Steuern ungefähr zwischen 0 und 1 Prozent pro Jahr. Die Zinseinnahmen aus den hinterlegten Sicherheiten entsprechen in etwa der Geldmarkt- oder Kurzläuferrendite.

Der dritte Baustein ist die Rollrendite, die sich aus der Differenz zwischen dem Spot-Preis am Einlösetermin und dem früher festgelegten Futures-Preis ergibt. Diese Rollrendite war in den letzten 25 Jahren meist negativ und belastet damit die langfristige Wertentwicklung vieler Rohstoff-Futures-ETFs. Wer in solche Produkte investiert, sollte diesen Effekt verstehen und einpreisen.

Komponenten der Rendite eines Future-ETFs

Spot-Preisveränderunglangfristig real ca. 0 bis 1 % p.a.
Rollrenditein den letzten 25 Jahren meist negativ
Zinseinnahmen aus SicherheitenGeldmarkt- bzw. Kurzläuferrendite

06 · Was gilt

Welche Rolle spielen Rohstoffe im Portfolio?

Rohstoffe können das Depot breiter aufstellen, sind aber kein automatischer Schutz in jeder Krise.

Rohstoffe können als kleine Beimischung zur Diversifikation dienen, weil sie nicht immer mit Aktien oder Anleihen gleichlaufen. In einzelnen Jahren wie 2022 legten Rohstoff-ETFs zu, während der MSCI World deutlich verlor. Das macht sie für Anleger interessant, die ihr Depot breiter aufstellen und eine gewisse Absicherung gegen Inflation in bestimmten Phasen suchen.

Allerdings sind Rohstoffe keine Garantie gegen Verluste am Aktienmarkt. Es gibt Jahre, in denen sowohl Aktien als auch Rohstoffe Verluste bringen. Als Ersatz für einen breiten Aktien-ETF eignen sie sich nicht, und wer starke Schwankungen nicht aushält, sollte die Finger davon lassen.

Sinnvoll als Beimischung

·Als kleine Beimischung zur Diversifikation
·Bei bewusster Inkaufnahme hoher Volatilität
·Als möglicher Inflationsschutz in bestimmten Phasen

Eher ungeeignet

·Als Ersatz für einen breiten Aktien-ETF
·Als Garantie gegen Verluste am Aktienmarkt
·Für Anleger ohne Bereitschaft zu starken Schwankungen

07 · Fehler vermeiden

Was sind die typischen Risiken?

Die Risiken von Rohstoffinvestments gehen über die üblichen Marktschwankungen hinaus.

Rohstoffpreise können stark und schnell schwanken, was zu hoher Volatilität und potenziell erheblichen Verlusten führt. Politische Eingriffe, Handelsbeschränkungen oder Konflikte verzerren die Preise zusätzlich und machen sie schwer prognostizierbar. Bei Future-ETFs kommen Rollverluste hinzu, die durch das ständige Umschichten der Terminkontrakte entstehen.

Bei Aktien-ETFs auf Rohstoffunternehmen besteht ein Klumpenrisiko, weil der Sektor in einem breit gestreuten Weltmarkt-ETF bereits enthalten ist. Du gewichtest ihn dann überproportional hoch und machst dein Depot abhängiger von der Entwicklung einzelner Branchen. Diese Risiken solltest du kennen, bevor du in Rohstoffe investierst.

Die wichtigsten Risiken bei Rohstoff-ETFs

·Hohe Volatilität: Preise können stark und schnell schwanken.
·Politische Einflüsse: Handelsbeschränkungen oder Konflikte verzerren Preise.
·Rollverluste: Das ständige Umschichten von Futures kann Rendite kosten.
·Klumpenrisiko: Bei Aktien-ETFs ist der Sektor im Weltmarkt bereits enthalten.

08 · Hintergrund

Wann lohnt sich ein Rohstoff-Investment?

Die Entscheidung hängt von deiner Strategie und deinem Verständnis der Rohstoffmärkte ab.

Rohstoffe folgen ihren eigenen Regeln und korrelieren nicht immer mit Aktien oder Anleihen. Das macht sie als kleine Beimischung interessant, wenn du dein Depot breiter aufstellen willst und bereit bist, dich intensiv mit Terminmärkten, Rollrenditen und den Besonderheiten einzelner Rohstoffgruppen auseinanderzusetzen. Ohne dieses Verständnis fährst du mit einem breit gestreuten Aktien-ETF oft ruhiger.

Die Entscheidung hängt von deiner Strategie und deinem Umgang mit starken Preisschwankungen ab. Wer einen langen Anlagehorizont hat und Schwankungen aushält, kann einen kleinen Anteil von etwa 5 bis 10 Prozent des Depots in Rohstoffe legen. Für die meisten Anleger ist ein globaler Aktien-ETF jedoch die einfachere und robustere Lösung.

Rohstoffe folgen ihren eigenen Regeln. Sie korrelieren nicht immer mit Aktien oder Anleihen und können in einzelnen Jahren wie 2022 zulegen, während der MSCI World verliert. Das macht sie als kleine Beimischung interessant, wenn du dein Depot breiter aufstellen willst.

Allerdings sind Rohstoffe keine Vollkaskoversicherung. Es gibt Jahre, in denen sowohl Aktien als auch Rohstoffe Verluste bringen. Wer nicht bereit ist, sich intensiv mit Terminmärkten, Rollrenditen und den Besonderheiten einzelner Rohstoffgruppen auseinanderzusetzen, fährt mit einem breit gestreuten Aktien-ETF oft ruhiger.

Für die meisten Anleger ist ein Rohstoff-ETF nur dann sinnvoll, wenn er einen kleinen Teil des Portfolios ausmacht und die hohe Volatilität bewusst eingeplant ist. Die Basis des Vermögensaufbaus bleibt in der Regel ein global diversifiziertes Aktienportfolio.

09 · Im Vertrag

Was ist der Unterschied zwischen Rohstoff-ETFs und ETCs?

Neben ETFs gibt es auch ETCs, die sich für einzelne Rohstoffe eignen.

Ein ETF ist ein börsengehandelter Fonds, der einen Index abbildet und als Sondervermögen geschützt ist. Ein ETC ist dagegen eine Schuldverschreibung, also ein börsengehandeltes Wertpapier, das oft einen einzelnen Rohstoff wie Gold oder Öl abbildet. Rechtlich tragen Anleger bei ETCs ein Emittentenrisiko, das es bei ETFs in dieser Form nicht gibt.

ETCs eignen sich vor allem für Edelmetalle wie Gold, die sich physisch besparen lassen. Für breit gestreute Rohstoffinvestments sind ETFs die übliche Wahl, weil sie einen Korb verschiedener Rohstoffe abbilden. Ein Rohstoffindex bündelt dabei eine definierte Gruppe, etwa nur Industriemetalle oder nur Energie.

Fachbegriffe rund um Rohstoffinvestments

ETFFondsBörsengehandelter Fonds, der einen Index abbildet und als Sondervermögen geschützt ist.
ETCSchuldverschreibungBörsengehandeltes Wertpapier, das oft einen einzelnen Rohstoff wie Gold oder Öl abbildet.
FutureTerminkontraktStandardisierter Vertrag über den Kauf oder Verkauf eines Rohstoffs zu einem späteren Zeitpunkt.
RohstoffindexBenchmarkBündelt eine definierte Gruppe von Rohstoffen, etwa nur Industriemetalle oder nur Energie.

10 · Vergleich

Wie hoch ist der Anteil von Rohstoffen am Weltmarkt?

Im Vergleich zu Aktien und Anleihen ist der Rohstoffmarkt eher klein.

Das geschätzte Produktionsvolumen von Primärrohstoffen betrug 2025 ungefähr 8.000 Milliarden USD. Der globale Aktienmarkt hatte Mitte 2026 eine Marktkapitalisierung von etwa 126.000 Milliarden USD, der globale Anleihenmarkt eine von etwa 145.000 Milliarden USD.

Diese Größenverhältnisse zeigen, dass Rohstoffe nur einen kleinen Teil des globalen Anlageuniversums ausmachen. Für die meisten Portfolios reicht daher eine kleine Beimischung, wenn überhaupt. Ein breit gestreuter Aktien-ETF deckt Rohstoffunternehmen bereits ab und macht ein separates Investment oft überflüssig.

Marktgrößen im Vergleich
AnlageklasseGeschätztes Volumen
PrimärrohstoffePrimärrohstoffeca. 8.000 Mrd. USD
AktienmarktAktienmarktca. 126.000 Mrd. USD
AnleihenmarktAnleihenmarktca. 145.000 Mrd. USD

11 · Checkliste

Was sind Alternativen zu Rohstoff-ETFs?

Wenn du breit streuen willst, gibt es einfachere Wege als ein separates Rohstoffinvestment.

Ein globaler Aktien-ETF deckt Rohstoffunternehmen bereits ab, weil Ölkonzerne, Bergbaugesellschaften und Agrarunternehmen im Weltmarktindex enthalten sind. Du brauchst also keinen zusätzlichen Rohstoff-ETF, um an der Entwicklung dieser Branchen teilzuhaben.

Ein Multi-Asset-Fonds kombiniert Aktien, Anleihen und Rohstoffe in einem Produkt und übernimmt die Gewichtung für dich. Edelmetalle wie Gold lassen sich über ETCs physisch besparen, wenn du einen Inflationsschutz suchst. Ein Tagesgeldkonto oder Geldmarkt-ETF reduziert die Gesamtschwankung deines Depots, ohne dass du dich mit Terminmärkten beschäftigen musst.

Alternativen für die breite Streuung

01

Ein globaler Aktien-ETF deckt Rohstoffunternehmen bereits ab.

02

Ein Multi-Asset-Fonds kombiniert Aktien, Anleihen und Rohstoffe.

03

Edelmetalle wie Gold lassen sich über ETCs physisch besparen.

04

Ein Tagesgeldkonto oder Geldmarkt-ETF reduziert die Gesamtschwankung.

Häufige Fragen

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FinanzredaktionAktualisiert am 07.10.2026