Ratgeber · Investieren
Hebelprodukte: So funktionieren Optionsscheine, Knock-outs und CFDs
Hebelprodukte verstärken Kursbewegungen eines Basiswerts wie Aktien oder Indizes. Dadurch sind hohe Gewinne möglich, aber ebenso schnelle Verluste bis zum Totalverlust.
10 Kapitel · 12 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- Hebelprodukte sind Derivate und beziehen sich immer auf einen Basiswert wie eine Aktie, einen Index oder einen Rohstoff.
- Der Hebel wirkt in beide Richtungen: Er vervielfacht Gewinne und Verluste gleichermaßen.
- Zu den bekanntesten Arten zählen Optionsscheine, Knock-out-Zertifikate, Faktor-Optionsscheine und CFDs.
- Bei Knock-out-Produkten führt das Erreichen der Knock-out-Schwelle zum sofortigen Totalverlust des Einsatzes.
01 · Grundlagen
Was sind Hebelprodukte?
Hebelprodukte sind Wertpapiere, deren Kursentwicklung überproportional von der Bewegung eines anderen Finanzinstruments abhängt. Dieses zugrunde liegende Instrument wird Basiswert genannt.
Hebelprodukte sind derivative Wertpapiere, deren Preis von einem anderen Finanzinstrument abhängt. Du erwirbst mit ihnen nicht den Basiswert selbst, sondern ein Recht oder eine vertragliche Position auf dessen Kursentwicklung. Dein Kapitaleinsatz ist dadurch geringer als beim Direktkauf, dein Verlustrisiko aber deutlich höher.
Zu den Hebelprodukten zählen Optionsscheine, Knock-out-Zertifikate, Faktor-Optionsscheine und CFDs. Sie eignen sich ausschließlich für kurzfristige Spekulation, nicht für den langfristigen Vermögensaufbau. Selbst eine Seitwärtsbewegung des Basiswerts kann bei bestimmten Produkten zu Verlusten führen.
Je höher der Hebel, desto größer ist die Gewinnchance und zugleich das Risiko bis zum Totalverlust.
Kurz erklärt
Hebelprodukt
Ein derivatives Wertpapier, das die tägliche oder laufzeitbezogene Kursbewegung eines Basiswerts mit einem Hebel vervielfacht abbildet.
Der Kapitaleinsatz ist geringer als beim Direktkauf des Basiswerts, das Verlustrisiko aber deutlich höher.
02 · Was gilt
Der Basiswert als Grundlage jedes Hebels
Ohne Basiswert gibt es kein Hebelprodukt. Die Wahl des Basiswerts bestimmt, auf welchen Markt du spekulierst.
Der Basiswert bestimmt, auf welchen Markt du mit einem Hebelprodukt spekulierst. Typische Basiswerte sind Aktien, Indizes, Rohstoffe, Währungspaare und Kryptowährungen. Alle diese Märkte haben gemeinsam, dass ihre Kurse während der Handelszeiten fortlaufend festgestellt werden.
Für Hebelprodukte ungeeignet sind Anlagen ohne tägliche Kursfeststellung. Dazu gehören Festgeldkonten, Sparbriefe, Tagesgeldkonten und Immobilien. Ohne einen börslichen oder außerbörslichen Kurs kannst du keine Kursbewegung hebeln.
- Geeignete Basiswerte sind Aktien wie Einzelwerte von Unternehmen und Indizes wie der DAX oder der MSCI World.
- Rohstoffe wie Gold oder Öl sowie Währungspaare wie Euro zu US-Dollar eignen sich ebenfalls.
- Kryptowährungen wie Bitcoin sind als Basiswert verfügbar, unterliegen aber besonders starken Schwankungen.
Geeignete Basiswerte
Ungeeignete Basiswerte
03 · Schritt für Schritt
So funktioniert die Hebelwirkung
Der Hebel beschreibt das Verhältnis zwischen der Kursbewegung des Basiswerts und der Kursbewegung des Hebelprodukts. Ein Hebel von 10 bedeutet, dass eine Kursänderung von 1 Prozent im Basiswert eine Änderung von 10 Prozent im Produkt auslöst.
Der Hebel wirkt in beide Richtungen, auf Gewinne und auf Verluste.
Du wählst zuerst einen Markt und legst deine Markterwartung fest: steigend oder fallend. Danach entscheidest du dich für ein Produkt mit einem bestimmten Hebel. Je höher der Hebel, desto stärker reagiert das Produkt auf Kursbewegungen des Basiswerts.
- Steigt der Basiswert um 1 Prozent, steigt ein Long-Produkt mit Hebel 10 um 10 Prozent.
- Fällt der Basiswert um 1 Prozent, fällt das Produkt um 10 Prozent.
- Du verkaufst das Produkt vor Laufzeitende oder am selben Handelstag, um deine Position zu schließen.
Basiswert auswählen
Du entscheidest dich für einen Markt, zum Beispiel den DAX oder eine einzelne Aktie, und legst deine Markterwartung fest: steigend oder fallend.
Hebelprodukt wählen
Du wählst ein Produkt mit einem bestimmten Hebel. Je höher der Hebel, desto stärker reagiert das Produkt auf Kursbewegungen des Basiswerts.
Kursbewegung beobachten
Bei einem Faktor-Optionsschein Long auf den DAX mit dem Faktor 3 steigt das Produkt innerhalb des Tagesverlaufs um 3 Prozent, wenn der Index an diesem Handelstag um 1 Prozent zulegt. Fällt der Index um 1 Prozent, fällt das Produkt um 3 Prozent.
Position schließen
Du verkaufst das Produkt vor Laufzeitende oder am selben Handelstag. Der realisierte Gewinn oder Verlust entspricht der gehebelten Kursdifferenz abzüglich Handelskosten.
04 · Vergleich
Optionsscheine: Call und Put im Vergleich
Optionsscheine verbriefen das Recht, einen Basiswert zu einem festgelegten Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Sie haben keine Knock-out-Schwelle, können aber am Laufzeitende wertlos verfallen.
Ihr Preis setzt sich aus dem inneren Wert und dem Zeitwert zusammen.
Der innere Wert eines Call-Optionsscheins ist die Differenz zwischen dem Kurs des Basiswerts und dem Basispreis, wenn der Kurs darüber liegt. Bei einem Put-Optionsschein ist es die Differenz zwischen Basispreis und Kurs, wenn der Kurs darunter liegt. Der Zeitwert bildet die Chance ab, dass der innere Wert bis zum Laufzeitende steigt.
- Mit einem Call-Optionsschein setzt du auf steigende Kurse des Basiswerts.
- Mit einem Put-Optionsschein setzt du auf fallende Kurse des Basiswerts.
- Ein Totalverlust tritt ein, wenn der Optionsschein am Laufzeitende keinen inneren Wert mehr hat.
| Call-Optionsschein | Put-Optionsschein | |
|---|---|---|
| Markterwartung | Steigende Kurse des Basiswerts | Fallende Kurse des Basiswerts |
| Recht des Käufers | Basiswert zum Basispreis kaufen | Basiswert zum Basispreis verkaufen |
| Innerer Wert am Laufzeitende | Kurs des Basiswerts minus Basispreis | Basispreis minus Kurs des Basiswerts |
| Totalverlust tritt ein | Wenn der Basiswert am Laufzeitende unter dem Basispreis notiert | Wenn der Basiswert am Laufzeitende über dem Basispreis notiert |
| Knock-out-Schwelle | Nicht vorhanden | Nicht vorhanden |
05 · Im Vertrag
Knock-out-Zertifikate und die Knock-out-Schwelle
Knock-out-Zertifikate, auch Turbos genannt, bilden die Kursbewegung des Basiswerts linear ab. Ihre Besonderheit ist die Knock-out-Schwelle, bei deren Erreichen das Produkt sofort wertlos wird.
Steigt der Basiswert um 1 Euro, erhöht sich auch der Kurs des Knock-out-Calls um 1 Euro. Ihre Preisbildung ist dadurch einfacher nachvollziehbar als bei Optionsscheinen.
Die Besonderheit ist die Knock-out-Schwelle. Erreicht der Basiswert diese vorab festgelegte Kursmarke, verfällt das Knock-out-Zertifikat sofort und wertlos. Das gilt unabhängig davon, wie sich der Kurs danach entwickelt. Bei einem Knock-out-Call liegt die Schwelle unter dem aktuellen Kurs, bei einem Knock-out-Put darüber.
- Ein Knock-out-Call setzt auf steigende Kurse und hat die Schwelle unter dem aktuellen Kurs.
- Ein Knock-out-Put setzt auf fallende Kurse und hat die Schwelle über dem aktuellen Kurs.
- Mini-Futures sind Knock-out-Produkte mit unbegrenzter Laufzeit und einer Stop-Loss-Marke.
Wichtige Begriffe bei Knock-out-Zertifikaten
06 · Hintergrund
Faktor-Optionsscheine: konstanter Hebel mit Tagesanpassung
Faktor-Optionsscheine halten den Hebel über einen längeren Zeitraum konstant. Dafür wird der Basispreis täglich neu festgelegt, was die Preisentwicklung innerhalb eines Tages leicht nachvollziehbar macht.
Faktor-Optionsscheine, früher Faktor-Zertifikate genannt, haben keine Laufzeitbegrenzung und einen festen Hebel. Ein Faktor-Optionsschein Long auf den DAX mit Faktor 3 steigt an einem Handelstag um 3 Prozent, wenn der DAX an diesem Tag um 1 Prozent zulegt. Die Preisentwicklung innerhalb eines Tages ist dadurch leicht nachvollziehbar.
Die tägliche Anpassung des Basispreises hält den Hebel konstant. Dadurch ist die Prognose zukünftiger Preise über mehrere Tage hinweg kaum möglich. In trendstarken Marktphasen eignen sich Faktor-Optionsscheine gut, weil der konstante Hebel die Gewinne bei anhaltender Kursrichtung verstärkt.
In Seitwärtsmärkten können durch die tägliche Anpassung größere Verluste entstehen als bei Knock-out-Produkten.
Faktor-Optionsscheine, früher Faktor-Zertifikate genannt, haben keine Laufzeitbegrenzung und einen festen Hebel. Ein Faktor-Optionsschein Long auf den DAX mit Faktor 3 steigt an einem Handelstag um 3 Prozent, wenn der DAX an diesem Tag um 1 Prozent zulegt.
Die tägliche Anpassung des Basispreises hält den Hebel konstant. Dadurch ist die Preisentwicklung innerhalb eines Handelstags transparent, aber die Prognose zukünftiger Preise über mehrere Tage hinweg kaum möglich.
In trendstarken Marktphasen eignen sich Faktor-Optionsscheine gut, weil der konstante Hebel die Gewinne bei anhaltender Kursrichtung vervielfacht. In Seitwärtsmärkten können durch die tägliche Neufestsetzung der Basis größere Verluste entstehen als bei Knock-out-Produkten.
07 · Vergleich
CFDs: Hebelprodukte außerhalb der Börse
Contracts for Difference, kurz CFDs, sind Differenzkontrakte mit einem CFD-Anbieter. Sie werden nicht an der Börse gehandelt, sondern direkt mit dem Emittenten abgeschlossen.
Der Anbieter legt die Bedingungen für den Handel selbst fest.
CFDs sind keine Wertpapiere, sondern Verträge zwischen dir und dem Anbieter. Du partizipierst überdurchschnittlich an steigenden Kursen mit einer Long-Strategie oder an fallenden Kursen mit einer Short-Strategie. Die Preisbildung erfolgt durch den CFD-Anbieter, nicht durch Angebot und Nachfrage an einer Börse.
- CFDs werden außerbörslich direkt mit dem Anbieter gehandelt.
- Börsengehandelte Hebelprodukte sind Wertpapiere, meist als Schuldverschreibung des Emittenten.
- Bei CFDs kann eine Nachschusspflicht bestehen, Verluste über den Einsatz hinaus sind möglich.
| CFDs | Börsengehandelte Hebelprodukte | |
|---|---|---|
| Handelsplatz | Direkt mit dem CFD-Anbieter, außerbörslich | An der Börse oder im Direkthandel mit dem Emittenten |
| Vertragsart | Differenzkontrakt zwischen Trader und Anbieter | Wertpapier, meist als Schuldverschreibung des Emittenten |
| Nachschusspflicht | Kann bestehen, Verluste über den Einsatz hinaus möglich | In der Regel auf den Kapitaleinsatz begrenzt |
08 · Fehler vermeiden
Das Emittentenrisiko bei Hebelprodukten
Hebelprodukte sind Schuldverschreibungen des Emittenten, meist einer Bank. Gerät der Emittent in Zahlungsschwierigkeiten, kann das eingesetzte Kapital unabhängig von der Kursentwicklung verloren gehen.
Dieses Risiko besteht zusätzlich zum Hebelrisiko.
Geht die ausgebende Bank insolvent, verlieren Anleger ihr eingesetztes Kapital, auch wenn der Basiswert sich positiv entwickelt hat. Bei Knock-out-Produkten führt das Erreichen der Knock-out-Schwelle zum sofortigen Verlust des gesamten Einsatzes, ohne Chance auf Erholung. Bei Optionsscheinen sinkt mit abnehmender Restlaufzeit der Zeitwert, bei unverändertem Basiswertkurs verliert der Optionsschein an Wert.
Das Emittentenrisiko ist ein eigenständiges Risiko, das du vor dem Kauf eines Hebelprodukts prüfen solltest.
Risiken, die über den Hebel hinausgehen
09 · Was gilt
Totalverlust: Wann dein Einsatz komplett weg ist
Der Totalverlust ist bei Hebelprodukten kein Ausnahmefall, sondern ein zentrales Risiko. Die Bedingungen unterscheiden sich je nach Produktart.
Bei Knock-out-Zertifikaten tritt der Totalverlust ein, wenn der Basiswert die Knock-out-Schwelle erreicht.
Bei Optionsscheinen tritt der Totalverlust ein, wenn am Laufzeitende kein innerer Wert besteht. Bei Faktor-Optionsscheinen kann der Totalverlust eintreten, wenn der Basiswert sich stark gegen deine Position bewegt. Bei CFDs können die Verluste bei Nachschusspflicht sogar das eingezahlte Kapital übersteigen.
- Kein automatischer Totalverlust tritt ein, wenn ein Optionsschein am Laufzeitende im Geld notiert.
- Kein automatischer Totalverlust tritt ein, wenn die Knock-out-Schwelle bei einem Knock-out-Zertifikat nicht erreicht wird.
- Kein automatischer Totalverlust tritt ein, wenn sich der Basiswert bei einem Faktor-Optionsschein in die erwartete Richtung bewegt.
Totalverlust tritt ein
Kein automatischer Totalverlust
10 · Checkliste
Hebelprodukte: Vor- und Nachteile im Überblick
Hebelprodukte bieten Chancen für kurzfristige Spekulation, sind aber für den langfristigen Vermögensaufbau ungeeignet. Die Abwägung fällt je nach Produkt unterschiedlich aus.
Optionsscheine eignen sich für Anleger, die keine Knock-out-Schwelle möchten, während Knock-outs eine lineare Preisentwicklung bieten.
Faktor-Optionsscheine eignen sich in trendstarken Marktphasen, können aber in Seitwärtsmärkten größere Verluste verursachen. CFDs bieten Zugang zu vielen Märkten, bergen aber das Risiko einer Nachschusspflicht. Bevor du ein Hebelprodukt kaufst, solltest du die Funktionsweise vollständig verstehen.
- Lege nur Geld an, dessen vollständigen Verlust du verkraften kannst.
- Prüfe die Knock-out-Schwelle bei Knock-out-Produkten und ihren Abstand zum aktuellen Kurs.
- Beachte die Restlaufzeit bei Optionsscheinen und den Einfluss des Zeitwerts.
- Informiere dich über den Emittenten und dessen Bonität.
- Setze keine Hebelprodukte für die Altersvorsorge oder langfristige Sparziele ein.
Das solltest du vor dem Handel mit Hebelprodukten prüfen
Verstehe die Funktionsweise des gewählten Produkts vollständig, bevor du kaufst.
Lege nur Geld an, dessen vollständigen Verlust du verkraften kannst.
Prüfe die Knock-out-Schwelle bei Knock-out-Produkten und ihren Abstand zum aktuellen Kurs.
Beachte die Restlaufzeit bei Optionsscheinen und den Einfluss des Zeitwerts.
Informiere dich über den Emittenten und dessen Bonität.
Vergleiche die Handelskosten verschiedener Anbieter, bevor du eine Position eröffnest.
Setze keine Hebelprodukte für die Altersvorsorge oder langfristige Sparziele ein.
Häufige Fragen
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