Ratgeber · Investieren
Hebelprodukte kaufen: So funktionieren Optionsscheine, Knock-outs und Zertifikate
Hebelprodukte verstärken Kursbewegungen eines Basiswerts, erhöhen aber auch das Verlustrisiko erheblich. Bevor du ein solches Derivat kaufst, solltest du die Funktionsweise, die Kosten und das Emittentenrisiko genau verstehen.
9 Kapitel · 12 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- Hebelprodukte sind Derivate, deren Wert sich nach einem Basiswert wie einer Aktie oder einem Index richtet.
- Mit Knock-out-Zertifikaten und Optionsscheinen kannst du überproportional an Kursbewegungen teilhaben, riskierst aber einen Totalverlust.
- Neben dem Marktrisiko trägst du das Emittentenrisiko: Zahlt die herausgebende Bank nicht, kann das eingesetzte Kapital verloren sein.
- Für die langfristige Geldanlage oder Altersvorsorge sind Hebelprodukte nicht geeignet, sie dienen der kurzfristigen Spekulation.
01 · Grundlagen
Was sind Hebelprodukte?
Hebelprodukte gehören zu den Derivaten. Ihr Wert hängt von der Entwicklung eines anderen Finanzinstruments ab, dem Basiswert.
Ein Hebelprodukt ist eine Schuldverschreibung einer Bank, deren Wert sich nach einem anderen Finanzinstrument richtet, dem Basiswert. Das können Aktien, Indizes, Währungen oder Rohstoffe sein. Anders als bei einer Aktie erwirbst du damit keinen Anteil an einem Unternehmen, sondern einen Anspruch gegen den Emittenten.
Die Hebelwirkung entsteht, weil du für die gleiche Kursbewegung des Basiswerts weniger Kapital einsetzen musst als beim Direktkauf. Steigt der Basiswert um 1 Prozent, kann dein Hebelprodukt je nach Ausgestaltung um 5, 10 oder 20 Prozent zulegen. Derselbe Mechanismus wirkt bei fallenden Kursen in die Gegenrichtung.
Für die langfristige Geldanlage sind diese Papiere nicht geeignet. Sie dienen der kurzfristigen Spekulation, oft mit Haltedauern von wenigen Stunden oder Tagen. Selbst eine Seitwärtsbewegung des Basiswerts kann durch Kosten und Wertverfall zu Verlusten führen.
Je höher der Hebel, desto größer ist auch das Risiko eines Totalverlusts.
Kurz erklärt
Hebelprodukt
Ein Finanzinstrument, das die tägliche oder untertägige Kursbewegung eines Basiswerts überproportional abbildet. Schon kleine Kursänderungen beim Basiswert können beim Hebelprodukt zu großen Gewinnen oder Verlusten führen.
Der Hebel wirkt in beide Richtungen: Er verstärkt Gewinne und Verluste gleichermaßen.
02 · Vergleich
Optionsscheine und Knock-out-Zertifikate im Vergleich
Die zwei bekanntesten Hebelprodukte für Privatanleger sind Optionsscheine und Knock-out-Zertifikate. Sie unterscheiden sich in ihrer Funktionsweise und im Risikoprofil.
Optionsscheine haben eine feste Laufzeit und keine Knock-out-Barriere. Du zahlst beim Kauf eine Prämie und setzt darauf, dass der Basiswert bis zum Laufzeitende eine bestimmte Richtung einschlägt. Liegst du falsch, verfällt der Schein wertlos.
Knock-out-Zertifikate funktionieren anders. Hier gibt es eine feste Kursschwelle, die Knock-out-Barriere. Wird diese Schwelle während der Laufzeit auch nur kurz berührt, verfällt das Produkt sofort wertlos. Ein späterer Kursanstieg hilft dir dann nicht mehr.
Der Hebel bei Optionsscheinen ist dynamisch und ändert sich mit der Restlaufzeit und dem Abstand zum Basispreis. Bei Knock-out-Zertifikaten bleibt der Hebel relativ stabil, solange sich der Kurs nicht der Knock-out-Schwelle nähert. Mini-Futures als Sonderform der Knock-outs haben oft keine feste Laufzeit.
Bei Knock-out-Zertifikaten führt das Berühren der Knock-out-Schwelle zum sofortigen Totalverlust, unabhängig von der späteren Kursentwicklung.
| Optionsschein | Knock-out-Zertifikat | |
|---|---|---|
| Knock-out-Barriere | Keine Barriere, das Produkt verfällt am Laufzeitende wertlos, wenn die Markterwartung nicht eintritt | Feste Kursschwelle, bei deren Berührung das Produkt sofort wertlos wird |
| Laufzeit | Feste Laufzeit, endet an einem bestimmten Datum | Oft mit fester Laufzeit, als Mini-Future auch ohne festes Enddatum |
| Totalverlust | Möglich, wenn der Optionsschein am Laufzeitende aus dem Geld ist | Möglich, sobald die Knock-out-Schwelle berührt wird |
03 · Schritt für Schritt
So funktioniert der Handel mit einem Knock-out-Zertifikat
Der Ablauf beim Kauf eines Knock-out-Zertifikats folgt einem klaren Muster. Entscheidend ist deine Markterwartung für den Basiswert.
Der Handel beginnt mit der Wahl des Basiswerts. Du entscheidest dich für eine Aktie, einen Index oder einen Rohstoff, dessen Kursentwicklung du kurzfristig einschätzen kannst. Danach legst du deine Markterwartung fest: Long oder Call bedeutet, du erwartest steigende Kurse. Short oder Put bedeutet, du erwartest fallende Kurse.
Anschließend suchst du ein Produkt mit einer Knock-out-Schwelle, die weit genug vom aktuellen Kurs entfernt ist. Normale Kursschwankungen sollten diese Schwelle nicht sofort auslösen. Je näher die Schwelle am aktuellen Kurs liegt, desto größer ist der Hebel und desto riskanter wird das Produkt.
Die Order gibst du über dein Depot auf. Danach musst du die Position während der Handelszeiten aktiv beobachten, denn Knock-out-Ereignisse können jederzeit eintreten. Bei Produkten mit offener Laufzeit kann der Emittent das Papier zudem vorzeitig kündigen.
Die Knock-out-Schwelle sollte so gewählt sein, dass normale Kursschwankungen des Basiswerts sie nicht sofort auslösen.
Basiswert wählen
Du entscheidest dich für einen Basiswert, zum Beispiel eine Aktie, einen Index oder einen Rohstoff.
Markterwartung festlegen
Du legst fest, ob du steigende Kurse (Long oder Call) oder fallende Kurse (Short oder Put) erwartest.
Knock-out-Schwelle prüfen
Du suchst ein Produkt mit einer Knock-out-Schwelle, die weit genug vom aktuellen Kurs entfernt ist, um kleine Schwankungen auszuhalten.
Order aufgeben
Du kaufst das Zertifikat über dein Depot. Der Hebel bestimmt, wie stark dein Einsatz auf Kursänderungen reagiert.
Position überwachen
Du beobachtest den Kurs des Basiswerts. Berührt er die Knock-out-Schwelle, verfällt das Zertifikat sofort wertlos.
04 · Was gilt
Wann sich der Kauf von Hebelprodukten lohnt
Hebelprodukte sind kein Baustein für die Altersvorsorge. Sie passen nur zu einer kurzfristigen, aktiven Handelsstrategie mit hoher Risikobereitschaft.
Du solltest einen Totalverlust des eingesetzten Kapitals verkraften können, ohne dass deine finanzielle Situation darunter leidet. Geld, das du für Miete, Notgroschen oder Altersvorsorge brauchst, gehört nicht in solche Papiere.
Du musst die Funktionsweise des jeweiligen Produkts genau verstehen, einschließlich des Emittentenrisikos. Außerdem brauchst du Zeit, deine Positionen während der Handelszeiten zu beobachten. Wer ein Produkt kauft und es dann mehrere Tage oder Wochen liegen lässt, geht ein erhebliches Risiko ein.
Für den langfristigen Vermögensaufbau sind breit gestreute ETFs oder Aktien die passende Wahl. Hebelprodukte ersetzen keine langfristige Anlagestrategie, sondern ergänzen sie allenfalls als spekulativer Anteil mit kleinem Einsatz.
Hebelprodukte sind nur geeignet, wenn du einen Totalverlust des eingesetzten Kapitals verkraften kannst und die Position aktiv beobachtest.
Geeignet
Nicht geeignet
05 · Kosten
Kosten beim Kauf von Hebelprodukten
Neben dem Preis des Produkts selbst entstehen Handelskosten. Die Gesamtkosten schmälern deine Rendite, besonders bei kurzen Haltedauern.
Beim Handel mit Hebelprodukten entstehen mehrere Kostenarten, die deine Rendite schmälern. Die Ordergebühr liegt je nach Anbieter zwischen 0 und 15 Euro pro Trade. Einige Broker bieten bestimmte Produkte ohne Ordergebühr an, verdienen dann aber am Spread.
Der Spread ist die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Er liegt bei Hebelprodukten typischerweise zwischen 0,1 und 1,0 Prozent vom Kurs. Bei sehr kurzen Haltedauern von wenigen Tagen fällt der Spread stärker ins Gewicht als die laufenden Produktkosten.
Zusätzlich sind Produktkosten implizit im Preis enthalten. Sie liegen oft zwischen 0,5 und 2,0 Prozent pro Jahr und werden nicht separat ausgewiesen. Diese Kosten fallen bei kurzen Haltedauern weniger ins Gewicht, summieren sich aber bei längerem Halten.
Bei Haltedauern von wenigen Tagen ist der Spread der wichtigste Kostenfaktor, nicht die laufenden Produktkosten.
Typische Kostenbestandteile beim Handel mit Hebelprodukten
06 · Im Vertrag
Emittentenrisiko: Das Ausfallrisiko des Herausgebers
Hebelprodukte sind Schuldverschreibungen. Zahlt die herausgebende Bank nicht mehr, ist dein eingesetztes Kapital in Gefahr, unabhängig von der Kursentwicklung.
Hebelprodukte sind Inhaberschuldverschreibungen der herausgebenden Bank. Wird der Emittent zahlungsunfähig, droht der Totalverlust deines Einsatzes, unabhängig von der Kursentwicklung des Basiswerts. Dein Geld ist nicht durch die Einlagensicherung geschützt.
Der Emittent kann sich in den Bedingungen vorbehalten, Produkte mit offener Laufzeit vorzeitig zu kündigen. Das passiert meist dann, wenn sich das Produkt für die Bank nicht mehr rechnet. Du erhältst dann den aktuellen Marktwert, der deutlich unter deinem Kaufpreis liegen kann.
Bei klassischen Knock-outs und Optionsscheinen ist der Verlust auf deinen Einsatz begrenzt. Eine Nachschusspflicht besteht bei diesen Produkten nicht. Anders sieht es bei CFDs aus, die ebenfalls zu den Hebelprodukten zählen und bei denen du unter Umständen Geld nachschießen musst.
Hebelprodukte sind Schuldverschreibungen: Geht die herausgebende Bank insolvent, droht der Totalverlust deines Einsatzes.
Wichtige Klauseln und Risiken im Überblick
07 · Checkliste
Checkliste vor dem ersten Kauf
Gehe diese Punkte durch, bevor du eine Order für ein Hebelprodukt aufgibst. So vermeidest du typische Fehler.
Bevor du eine Order für ein Hebelprodukt aufgibst, solltest du deine Markterwartung klar definieren. Welcher Basiswert soll sich in welche Richtung bewegen, und in welchem Zeitraum erwartest du diese Bewegung? Ohne klare Antwort auf diese Fragen ist der Kauf Spekulation ohne Plan.
Prüfe die Knock-out-Schwelle oder den Basispreis des Produkts. Der Abstand zum aktuellen Kurs bestimmt, wie viel Spielraum du für Kursschwankungen hast. Je näher die Schwelle liegt, desto größer ist das Risiko eines sofortigen Knock-outs.
Vergleiche die Kosten verschiedener Produkte und Anbieter. Spread und Ordergebühr können bei kurzen Haltedauern einen großen Teil der erwarteten Rendite aufzehren. Lege außerdem einen maximalen Verlustbetrag fest, den du bereit bist zu tragen, und halte dich daran.
Lege vor dem Kauf einen maximalen Verlustbetrag fest, den du bereit bist zu tragen, und halte dich daran.
Das solltest du vor dem Kauf prüfen
Basiswert und Markterwartung klar definiert
Knock-out-Schwelle oder Basispreis geprüft
Hebelwirkung und Verlustrisiko verstanden
Emittent und dessen Bonität geprüft
Kosten wie Spread und Ordergebühr verglichen
Maximalen Verlustbetrag festgelegt
Zeit für aktives Beobachten der Position eingeplant
08 · Fehler vermeiden
Typische Fehler beim Handel mit Hebelprodukten
Viele Anleger unterschätzen die Risiken oder handeln zu emotional. Diese Fehler führen häufig zu Verlusten.
Ein häufiger Fehler ist ein zu hoher Hebel. Bei einem Hebel von 20 oder mehr führen schon kleine Gegenbewegungen von wenigen Prozent zum Totalverlust. Viele Anleger wählen den höchsten verfügbaren Hebel, ohne die Konsequenzen zu verstehen.
Die Knock-out-Schwelle wird oft zu nah am aktuellen Kurs gewählt. Normale Kursschwankungen lösen dann sofort den Knock-out aus, obwohl sich der Basiswert langfristig in die erwartete Richtung bewegt. Das Produkt verfällt wertlos, und ein späterer Kursanstieg hilft nicht mehr.
Faktor-Zertifikate werden häufig zu lange gehalten. Diese Produkte sind für eine Haltedauer von einem Tag konzipiert, weil der Hebel täglich neu berechnet wird. Über mehrere Tage oder Wochen entstehen durch die tägliche Anpassung Verluste, selbst wenn sich der Basiswert seitwärts bewegt.
Ein Hebel von 20 oder mehr führt schon bei kleinen Gegenbewegungen zum Totalverlust.
Häufige Fehler vermeiden
09 · Hintergrund
Hebelwirkung bei Zertifikaten verstehen
Der Hebel gibt an, wie stark ein Produkt auf Kursänderungen des Basiswerts reagiert. Er ist keine feste Größe, sondern verändert sich mit dem Kurs.
Ein Hebel von 10 bedeutet, dass eine Kursänderung des Basiswerts um 1 Prozent beim Hebelprodukt eine Wertänderung von etwa 10 Prozent auslöst. Steigt der Basiswert um 2 Prozent, legt das Produkt um rund 20 Prozent zu. Fällt der Basiswert um 2 Prozent, verliert das Produkt etwa 20 Prozent an Wert.
Der Hebel ist bei den meisten Produkten dynamisch. Er hängt vom Abstand zwischen dem aktuellen Kurs des Basiswerts und dem Basispreis oder der Knock-out-Schwelle ab. Je näher der Kurs an dieser Schwelle liegt, desto größer wird der Hebel und desto riskanter wird das Produkt.
Bei Faktor-Zertifikaten ist der Hebel dagegen festgelegt und wird täglich neu berechnet. Die empfohlene Haltedauer liegt bei einem Tag, weil sich die tägliche Anpassung über längere Zeiträume negativ auf den Wert auswirken kann. Der Hebel bezieht sich immer auf die tägliche Kursänderung des Basiswerts.
Der Hebel wirkt in beide Richtungen: Er verstärkt Gewinne und Verluste gleichermaßen.
Ein Hebel von 10 bedeutet, dass eine Kursänderung des Basiswerts um 1 Prozent beim Hebelprodukt eine Wertänderung von etwa 10 Prozent auslöst. Steigt der Basiswert um 2 Prozent, legt das Produkt um rund 20 Prozent zu. Fällt der Basiswert um 2 Prozent, verliert das Produkt etwa 20 Prozent an Wert.
Der Hebel ist bei den meisten Produkten dynamisch. Er hängt vom Abstand zwischen dem aktuellen Kurs des Basiswerts und dem Basispreis oder der Knock-out-Schwelle ab. Je näher der Kurs an dieser Schwelle liegt, desto größer wird der Hebel und desto riskanter wird das Produkt.
Bei Faktor-Zertifikaten ist der Hebel dagegen festgelegt und wird täglich neu berechnet. Die Wertentwicklung bezieht sich immer auf den Schlusskurs des Vortages. Über mehrere Tage kann die Wertentwicklung daher deutlich von der einfachen Multiplikation der Basiswertentwicklung abweichen.
Häufige Fragen
Fragen zu Hebelprodukte kaufen
{{f.a}}
Investieren
Mehr zu Investieren
Weiter mit Finanzen
Ratgeber zu Versicherung, Geldanlage und Studienfinanzierung für Studierende.
Alle Finanz-Ratgeber