StudySmarter

Ratgeber · Investieren

Hebelprodukte 2026: Was sich für Turbo-Zertifikate und Emittenten ändert

Ab Juni 2026 gelten für Hebelprodukte wie Turbo-Zertifikate strengere Regeln. Die Bafin will Kleinanleger mit standardisierten Warnungen, Wissensabfragen und einem Verbot von Lockangeboten besser schützen.

10 Kapitel · 9 Min. Lesezeit · Aktualisiert 12.10.2026

Das Wichtigste

  • Die Bafin verbietet ab Juni 2026 reduzierte Ordergebühren und Neukundenboni für Turbo-Zertifikate.
  • Vor jedem Kauf eines Turbo-Zertifikats müssen Broker dein Verständnis der Funktionsweise prüfen.
  • Im Untersuchungszeitraum erlitten 74,2 Prozent der Kleinanleger mit Turbo-Zertifikaten Verluste.
  • Emittenten und Broker müssen eine standardisierte Risikowarnung einblenden.

01 · Grundlagen

Was sind Hebelprodukte?

Hebelprodukte sind Wertpapiere, die die Kursbewegung eines Basiswerts wie einer Aktie oder eines Index überproportional nachvollziehen. Zu den bekanntesten zählen Turbo-Zertifikate, Optionsscheine und Faktor-Zertifikate.

Schon eine kleine Veränderung des Basiswerts kann bei dir zu einem großen Gewinn oder Verlust führen, weil der Hebel in beide Richtungen wirkt.

Ein Beispiel: Steigt eine Aktie um ein Prozent, kann ein Turbo-Zertifikat mit Hebel zehn um zehn Prozent zulegen. Fällt die Aktie um ein Prozent, verlierst du entsprechend zehn Prozent deines Einsatzes.

Die bekanntesten Formen sind Turbo-Zertifikate, Optionsscheine und Faktor-Zertifikate. Sie unterscheiden sich in der Art des Hebels und im Risikoprofil, haben aber eines gemeinsam: Sie sind nicht für langfristige Anlagestrategien gedacht.

Kurz erklärt

Hebelprodukte

Wertpapiere, die mit einem Hebel ausgestattet sind und die tägliche oder untertägige Kursbewegung eines Basiswerts wie einer Aktie, eines Index oder eines Rohstoffs überproportional abbilden. Schon kleine Kursveränderungen des Basiswerts können zu großen Gewinnen oder Verlusten führen.

Der Hebel wirkt in beide Richtungen: Er verstärkt Gewinne und Verluste gleichermaßen.

02 · Schritt für Schritt

Neue Bafin-Regeln für Turbo-Zertifikate ab Juni 2026

Die Finanzaufsicht Bafin hat eine Produktintervention beschlossen, die den Vertrieb von Turbo-Zertifikaten an Kleinanleger ab Juni 2026 strenger reguliert. Die Maßnahmen betreffen Emittenten und Broker gleichermaßen.

Emittenten und Broker müssen dann eine standardisierte Risikowarnung einblenden, bevor du ein solches Produkt kaufen kannst.

Zusätzlich wird vor jedem Kauf eine Wissensabfrage durchgeführt. Der Broker prüft damit, ob du die Funktionsweise der Zertifikate verstanden hast. Diese Abfrage musst du mindestens alle sechs Monate wiederholen, wenn du weiterhin Turbo-Zertifikate handeln willst.

Lockangebote wie reduzierte Ordergebühren oder Neukundenboni für Turbo-Zertifikate sind ab Juni 2026 verboten. Die Bafin will damit verhindern, dass Anleger durch Vergünstigungen zum Kauf hochspekulativer Produkte verleitet werden.

01

Standardisierte Risikowarnung

Emittenten und Broker müssen künftig eine einheitliche Risikowarnung einblenden, bevor du ein Turbo-Zertifikat kaufen kannst.

02

Wissensabfrage vor jedem Kauf

Broker müssen vor jedem Kauf prüfen, ob du die Funktionsweise der Zertifikate verstehst. Diese Wissensabfrage muss mindestens alle sechs Monate wiederholt werden.

03

Verbot von Lockangeboten

Reduzierte Ordergebühren und Neukundenboni für Turbo-Zertifikate sind ab Juni 2026 verboten.

03 · Kosten

Warum die Bafin eingreift: Verluste von Kleinanlegern

Die Bafin hat den Markt für Turbo-Zertifikate fünf Jahre lang untersucht und erhebliche Mängel beim Anlegerschutz festgestellt. Die Zahlen zeigen, wie riskant diese Produkte für Privatanleger sind.

Das Ergebnis: 74,2 Prozent der Kleinanleger erlitten im Untersuchungszeitraum Verluste.

Der durchschnittliche Verlust pro Person lag bei 6.358 Euro. Insgesamt summierten sich die Verluste aller Kleinanleger auf mehr als 3,4 Milliarden Euro.

Die Aufsicht kritisiert vor allem die hohe Komplexität der Produkte sowie aggressive Vermarktungs- und Vertriebspraktiken. Nach einer öffentlichen Anhörung im Mai 2025 verlängerte die Bafin die ursprünglich geplante Umsetzungsfrist von drei auf acht Monate, weil die Institute mehr Zeit für die Systemumstellung forderten.

Verluste von Kleinanlegern mit Turbo-Zertifikaten im Untersuchungszeitraum

Durchschnittlicher Verlust pro Person6.358 EUR
Gesamtverlust aller Kleinanleger3,4 Mrd. EUR

04 · Fehler vermeiden

Turbo-Zertifikate: Diese Risiken solltest du kennen

Turbo-Zertifikate sind hochspekulative Produkte. Ein zentrales Risiko ist die Knock-out-Schwelle: Wird sie erreicht, verfällt das Zertifikat wertlos oder wird mit einem Restwert ausgezahlt.

Das zentrale Risiko bei Turbo-Zertifikaten ist die Knock-out-Schwelle. Erreicht der Basiswert diese Marke, verfällt das Zertifikat sofort und du verlierst in der Regel dein gesamtes eingesetztes Kapital.

Weitere Risiken kommen hinzu:

  • Die Hebelwirkung verstärkt Verluste genauso wie Gewinne, oft innerhalb weniger Stunden.
  • Die Preisbildung hängt von mehreren Faktoren ab, darunter Knock-out-Schwelle, Bezugsverhältnis und Restlaufzeit.
  • Wird der Emittent zahlungsunfähig, droht ein Verlust unabhängig von der Kursentwicklung des Basiswerts.
  • Bei Produkten auf ausländische Basiswerte können Wechselkursschwankungen dein Ergebnis zusätzlich belasten.

Typische Risiken von Turbo-Zertifikaten

·Totalverlust: Erreicht der Basiswert die Knock-out-Schwelle, kann das gesamte eingesetzte Kapital verloren sein.
·Hebelwirkung: Der Hebel verstärkt Verluste genauso wie Gewinne, oft innerhalb weniger Stunden.
·Komplexität: Die Preisbildung hängt von mehreren Faktoren ab, darunter Knock-out-Schwelle, Bezugsverhältnis und Restlaufzeit.
·Emittentenrisiko: Wird der Emittent zahlungsunfähig, droht ein Verlust unabhängig von der Kursentwicklung des Basiswerts.
·Währungsrisiko: Bei Produkten auf ausländische Basiswerte können Wechselkursschwankungen das Ergebnis beeinflussen.

05 · Hintergrund

Emittenten von Hebelprodukten: Wer steckt dahinter?

Hebelprodukte werden von Banken und spezialisierten Wertpapierhäusern ausgegeben. Die Emittenten stellen die Produkte, stellen An- und Verkaufskurse und sind dein Vertragspartner.

Diese Emittenten legen die Bedingungen der Produkte fest, darunter Knock-out-Schwellen, Bezugsverhältnisse und Laufzeiten. Sie stellen auch die An- und Verkaufskurse und sind dein direkter Vertragspartner.

Als Anlegerin trägst du das Emittentenrisiko. Wird der Emittent zahlungsunfähig, kann dein eingesetztes Kapital verloren sein, selbst wenn sich der Basiswert in die von dir erwartete Richtung bewegt hat.

Die Bafin-Regeln ab Juni 2026 verpflichten Emittenten und Broker, standardisierte Risikowarnungen einzublenden und vor jedem Kauf eine Wissensabfrage durchzuführen. Das betrifft alle Anbieter gleichermaßen, unabhängig von ihrer Größe.

Emittenten von Hebelprodukten sind in der Regel große Banken oder spezialisierte Wertpapierhäuser. Sie legen die Bedingungen der Produkte fest, darunter Knock-out-Schwellen, Bezugsverhältnisse und Laufzeiten.

Als Anlegerin trägst du das Emittentenrisiko: Wird der Emittent zahlungsunfähig, kann dein eingesetztes Kapital verloren sein, selbst wenn sich der Basiswert in die erwartete Richtung bewegt hat.

Die Bafin-Regeln ab Juni 2026 verpflichten Emittenten und Broker, standardisierte Risikowarnungen einzublenden und vor jedem Kauf eine Wissensabfrage durchzuführen.

06 · Vergleich

Welche Hebelprodukte gibt es?

Neben Turbo-Zertifikaten gibt es weitere Hebelprodukte mit unterschiedlichen Funktionsweisen. Sie unterscheiden sich vor allem in der Art des Hebels und im Risikoprofil.

  • Turbo-Zertifikate haben einen Hebel, der vom Abstand zur Knock-out-Schwelle abhängt. Bei Erreichen der Schwelle droht der Totalverlust.
  • Optionsscheine haben einen variablen Hebel, der von Volatilität und Restlaufzeit abhängt. Eine Knock-out-Schwelle gibt es nicht.
  • Faktor-Zertifikate bilden einen täglichen konstanten Hebel ab, der jeden Tag neu angepasst wird. Auch hier gibt es keine Knock-out-Schwelle.

Bei allen drei Produktarten ist der maximale Verlust auf das gesamte eingesetzte Kapital begrenzt. Sie eignen sich nur für kurzfristige Spekulationen, nicht für den langfristigen Vermögensaufbau.

Gängige Hebelprodukte im Überblick
Turbo-ZertifikateOptions­scheineFaktor-Zertifikate
Knock-out-SchwelleJa, bei Erreichen droht Totalverlust
Maximaler VerlustGesamtes eingesetztes Kapital

07 · Schritt für Schritt

So funktioniert die Wissensabfrage vor dem Kauf

Ab Juni 2026 müssen Broker vor jedem Kauf eines Turbo-Zertifikats prüfen, ob du die Funktionsweise verstehst. Die Abfrage muss mindestens alle sechs Monate wiederholt werden.

Ab Juni 2026 musst du vor jedem Kauf eines Turbo-Zertifikats eine Wissensabfrage durchlaufen. Der Broker blendet zuerst eine standardisierte Risikowarnung ein und stellt dir dann Fragen zur Funktionsweise der Produkte.

Der Broker prüft anhand deiner Antworten, ob du die Risiken und die Funktionsweise verstanden hast. Dazu gehören Fragen zur Knock-out-Schwelle, zur Hebelwirkung und zum möglichen Totalverlust.

Die Wissensabfrage musst du mindestens alle sechs Monate wiederholen. Erst wenn du sie bestanden hast, kannst du erneut Turbo-Zertifikate kaufen.

01

Vor dem Kauf

Der Broker blendet eine standardisierte Risikowarnung ein und stellt dir Fragen zur Funktionsweise von Turbo-Zertifikaten.

02

Prüfung des Verständnisses

Der Broker prüft anhand deiner Antworten, ob du die Risiken und die Funktionsweise verstanden hast.

03

Wiederholung nach sechs Monaten

Die Wissensabfrage muss mindestens alle sechs Monate wiederholt werden, bevor du erneut Turbo-Zertifikate kaufen kannst.

08 · Was gilt

Für wen sind Hebelprodukte geeignet?

Hebelprodukte sind nur für Anlegerinnen geeignet, die die Funktionsweise verstehen und einen Totalverlust verkraften können. Die Bafin-Regeln zielen darauf ab, unerfahrene Kleinanleger zu schützen.

Geeignet sind Hebelprodukte für dich, wenn du Erfahrung mit kurzfristigen Handelsstrategien hast und die Mechanismen von Knock-out-Schwellen und Hebeln verstehst. Du solltest nur Geld einsetzen, dessen vollständigen Verlust du finanziell und emotional verkraften kannst.

Nicht geeignet sind Hebelprodukte, wenn du einen langfristigen Anlagehorizont hast, auf Kapitalerhalt angewiesen bist oder keine Erfahrung mit spekulativen Wertpapieren hast. In diesen Fällen sind breit gestreute ETFs oder Aktienfonds die passendere Wahl.

Geeignet

·Anlegerinnen mit Erfahrung in kurzfristigen Handelsstrategien
·Anlegerinnen, die einen Totalverlust des eingesetzten Kapitals verkraften können
·Anlegerinnen, die die Funktionsweise von Knock-out-Schwellen und Hebeln verstehen

Nicht geeignet

·Anlegerinnen mit langfristigem Anlagehorizont
·Anlegerinnen, die auf Kapitalerhalt angewiesen sind
·Anlegerinnen ohne Erfahrung mit spekulativen Wertpapieren

09 · Kosten

Steuern auf Gewinne mit Hebelprodukten

Gewinne aus Hebelprodukten unterliegen der Abgeltungsteuer. Der Sparer-Pauschbetrag kann genutzt werden, um einen Teil der Erträge steuerfrei zu stellen.

Gewinne aus Hebelprodukten unterliegen der Abgeltungsteuer von 25 Prozent. Hinzu kommt der Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent auf die Abgeltungsteuer.

Du kannst den Sparer-Pauschbetrag nutzen, um einen Teil deiner Erträge steuerfrei zu stellen. Der Sparer-Pauschbetrag liegt bei 1000 Euro pro Person und Jahr. Bei zusammenveranlagten Ehepaaren sind es 2000 Euro.

Verluste aus Hebelprodukten kannst du mit Gewinnen aus anderen Kapitalanlagen verrechnen. Das mindert deine Steuerlast, wenn du in einem Jahr sowohl Gewinne als auch Verluste erzielt hast.

10 · Checkliste

Hebelprodukte 2026: Das ändert sich für dich als Anlegerin

Die neuen Bafin-Regeln verändern den Kaufprozess für Turbo-Zertifikate. Du musst dich auf zusätzliche Prüfungen und Warnungen einstellen, bevor du ein Produkt kaufen kannst.

Vor dem Kauf eines Hebelprodukts solltest du folgende Punkte prüfen:

  • Verstehe die Funktionsweise des Produkts, insbesondere die Knock-out-Schwelle bei Turbo-Zertifikaten.
  • Prüfe, ob du einen Totalverlust des eingesetzten Kapitals verkraften kannst.
  • Informiere dich über den Emittenten und dessen Bonität.
  • Vergleiche die Kosten verschiedener Produkte, darunter Spread und Ordergebühren.
  • Beachte, dass Lockangebote wie reduzierte Ordergebühren ab Juni 2026 verboten sind.
  • Plane Hebelprodukte nur als kurzfristige Spekulation ein, nicht als langfristige Geldanlage.

Das solltest du vor dem Kauf eines Hebelprodukts prüfen

01

Verstehe die Funktionsweise des Produkts, insbesondere die Knock-out-Schwelle bei Turbo-Zertifikaten.

02

Prüfe, ob du einen Totalverlust des eingesetzten Kapitals verkraften kannst.

03

Informiere dich über den Emittenten und dessen Bonität.

04

Vergleiche die Kosten verschiedener Produkte, darunter Spread und Ordergebühren.

05

Beachte, dass Lockangebote wie reduzierte Ordergebühren ab Juni 2026 verboten sind.

06

Plane Hebelprodukte nur als kurzfristige Spekulation ein, nicht als langfristige Geldanlage.

Häufige Fragen

Fragen zu Hebelprodukte 2026

Investieren

Mehr zu Investieren

ETF 2026ESG ETF 2026Hebelprodukte besteHebelprodukte einfach erklärtHebelprodukte für AnfängerHebelprodukte GebührenHebelprodukte günstigHebelprodukte Erfahrungen

Weiter mit Finanzen

Ratgeber zu Versicherung, Geldanlage und Studienfinanzierung für Studierende.

Alle Finanz-Ratgeber
FinanzredaktionAktualisiert am 12.10.2026