Ratgeber · Investieren
Growth-Aktien für Selbstständige: So investierst du mit unregelmäßigem Einkommen
Als Selbstständige hast du selten ein festes Monatsgehalt, dafür aber die volle Kontrolle über deine Altersvorsorge. Growth-Aktien können dabei eine tragende Rolle spielen, wenn du ihre Bewertung und dein Liquiditätspolster richtig einordnest.
10 Kapitel · 12 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- Growth-Aktien zeichnen sich durch überdurchschnittliches Umsatzwachstum und ein hohes Kurs-Gewinn-Verhältnis aus.
- Für Selbstständige ist ein größerer Liquiditätspuffer nötig, bevor Geld in volatile Wachstumswerte fließt.
- Die Abgeltungsteuer auf Gewinne beträgt 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag.
- Eine Mischung aus Growth- und Value-Investing kann das Risiko im Depot senken.
01 · Grundlagen
Was sind Growth-Aktien?
Growth-Aktien gehören zu Unternehmen, deren Umsätze und Gewinne schneller wachsen als der Marktdurchschnitt. Sie sind oft in zukunftsträchtigen Branchen zu finden und finanzieren ihr Wachstum über einbehaltene Gewinne.
Diese Firmen schütten ihre erwirtschafteten Gewinne meist nicht als Dividende aus, sondern investieren das Kapital direkt wieder in Forschung, Entwicklung oder Expansion. Alphabet hat beispielsweise noch nie eine Dividende gezahlt, weil das Unternehmen die Gewinne für lukrativere Geschäftsmöglichkeiten innerhalb des Konzerns nutzt.
Für dich als Selbstständige bedeutet das: Du profitierst bei diesen Aktien vor allem vom Kursanstieg, nicht von regelmäßigen Ausschüttungen. Das hohe Wachstum führt in der Regel zu einem hohen Kurs-Gewinn-Verhältnis, weil Anleger bereit sind, für erwartete zukünftige Gewinne mehr zu bezahlen. Die Dividendenrendite ist bei Wachstumsunternehmen entsprechend niedrig oder liegt bei null.
- Das Umsatzwachstum liegt über mehrere Jahre hinweg deutlich über dem Marktdurchschnitt.
- Die Gewinne sind aktuell oft noch niedrig, weil ein großer Teil des Kapitals in das Wachstum fließt.
- Die Aktienkurse schwanken stärker als bei etablierten Substanzwerten.
Kurz erklärt
Growth-Aktien
Anteile an Unternehmen mit überdurchschnittlichem Wachstumspotenzial, die Gewinne meist reinvestieren statt ausschütten.
Hohes Kurs-Gewinn-Verhältnis, niedrige Dividendenrendite, hohe Volatilität
02 · Hintergrund
Growth-Investing als Anlagestrategie für Selbstständige
Beim Growth-Investing kaufst du Unternehmen, von denen du erwartest, dass sie in Zukunft deutlich mehr wert sind. Für dich als Selbstständige bedeutet das, frühzeitig in Branchen zu investieren, die strukturell wachsen.
Beim Growth-Investing versuchst du, Branchen zu identifizieren, die strukturell wachsen, und kaufst Unternehmen aus diesen Bereichen, bevor ihr volles Potenzial im Kurs eingepreist ist. Die Strategie folgt dem Gedanken, einen Euro für einen Euro zu kaufen und darauf zu setzen, dass er in naher Zukunft zwei Euro wert ist. Das unterscheidet sich grundlegend vom Value-Ansatz, bei dem du einen Euro für fünfzig Cent kaufen möchtest.
Für Selbstständige ist diese Strategie nur dann geeignet, wenn dein privates Liquiditätspolster groß genug ist. Dein unternehmerisches Einkommen schwankt bereits, daher solltest du ausschließlich Geld in Growth-Aktien stecken, das du in den nächsten fünf bis zehn Jahren weder für deinen Betrieb noch für deinen Lebensunterhalt benötigst. Ein regelmäßiger Sparplan auf einen breiten Aktienfonds kann das Fundament bilden, während einzelne Growth-Aktien nur eine Beimischung darstellen.
Setze Growth-Aktien nur als Ergänzung zu einem breit gestreuten Basisinvestment ein, nicht als alleinige Altersvorsorge.
Growth-Investoren versuchen, Wachstumsbranchen zu identifizieren und von deren Dynamik zu profitieren. Sie nehmen dafür in Kauf, dass die aktuellen Gewinne der Unternehmen noch niedrig sind und die Aktienkurse stark schwanken können.
Für Selbstständige ist diese Strategie gut geeignet, wenn du langfristig denkst und kurzfristige Kursrücksetzer aussitzen kannst. Dein unternehmerisches Einkommen ist bereits schwankend, daher solltest du nur Geld in Growth-Aktien stecken, das du in den nächsten fünf bis zehn Jahren nicht für deinen Betrieb oder Lebensunterhalt benötigst.
Ein regelmäßiger Sparplan ist für dich oft schwer planbar. Stattdessen bieten sich quartalsweise oder halbjährliche Einmalinvestitionen an, sobald du deine Steuerrücklagen und privaten Rücklagen aufgefüllt hast.
03 · Grundlagen
Value-Investing: Der Gegenpol zur Growth-Strategie
Value-Investing setzt auf Unternehmen, deren Aktienkurs unter ihrem inneren Wert liegt. Diese Strategie ist für Selbstständige interessant, weil sie oft stabilere Erträge und Dividenden liefert.
Value-Investing setzt auf Unternehmen, deren Aktienkurs im Verhältnis zu Gewinn, Buchwert oder Cashflow als unterbewertet gilt. Diese Firmen sind meist etabliert, haben ein bewährtes Geschäftsmodell und erwirtschaften stabile Erträge. Typische Branchen sind Automobil, Finanzen, Grundstoffe oder Versorger, also Bereiche, die weniger glamourös wirken als Technologie oder Biotech.
Für dich als Selbstständige kann diese Strategie interessant sein, weil Value-Aktien oft regelmäßige Dividenden ausschütten. Diese Ausschüttungen können einen kleinen, planbaren Einkommensbaustein bilden, der unabhängig von deinem unternehmerischen Erfolg fließt. Die Kursschwankungen sind bei Substanzwerten in der Regel geringer als bei Wachstumsaktien, was das Depot insgesamt stabilisieren kann.
- Value-Unternehmen weisen häufig ein niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis auf.
- Die Dividendenrendite liegt meist über dem Marktdurchschnitt.
- Das Geschäftsmodell ist solide und benötigt keine hohen Investitionen in das Anlagevermögen.
Kurz erklärt
Value-Investing
Kauf von Aktien, die im Verhältnis zu Gewinn, Buchwert oder Cashflow als unterbewertet gelten.
Niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis, niedriges Kurs-Buchwert-Verhältnis, oft höhere Dividendenrendite
04 · Checkliste
Value-Strategie: So bewertest du Substanzwerte
Die Value-Strategie nutzt betriebswirtschaftliche Kennzahlen, um unterbewertete Unternehmen zu finden. Für dich als Selbstständige lohnt sich ein Blick auf diese Werte, um nicht jedem Hype hinterherzulaufen.
Um unterbewertete Unternehmen zu finden, prüfst du mehrere betriebswirtschaftliche Kennzahlen im Zusammenhang. Ein einzelner Wert sagt wenig aus, erst die Kombination aus Bewertung, Substanz und Ertragskraft ergibt ein belastbares Bild. Verlasse dich nicht auf kurzfristige Kursbewegungen, sondern auf die langfristige Entwicklung der Fundamentaldaten.
Beginne mit dem Kurs-Gewinn-Verhältnis und dem Kurs-Buchwert-Verhältnis. Liegen beide Werte deutlich unter dem Durchschnitt der Branche, kann das auf eine Unterbewertung hindeuten. Ergänze die Analyse um die Dividendenrendite und den freien Cashflow, um zu prüfen, ob das Unternehmen tatsächlich Geld erwirtschaftet und an die Aktionäre zurückgeben kann.
- Prüfe das Kurs-Gewinn-Verhältnis im Vergleich zur Branche und zum Gesamtmarkt.
- Vergleiche das Kurs-Buchwert-Verhältnis, um die Substanz des Unternehmens einzuschätzen.
- Analysiere die Dividendenrendite über mehrere Jahre, nicht nur als Momentaufnahme.
- Kontrolliere den freien Cashflow, denn er zeigt die tatsächliche Ertragskraft.
Wichtige Bewertungskriterien der Value-Strategie
Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV): Ein niedriger Wert deutet auf eine günstige Bewertung im Verhältnis zum Gewinn hin.
Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV): Liegt der Kurs unter dem Buchwert je Aktie, kann das auf eine Unterbewertung hindeuten.
Dividendenrendite: Eine hohe Ausschüttung ist typisch für etablierte Unternehmen mit stabilem Geschäftsmodell.
Cashflow: Ein hoher freier Cashflow zeigt, dass das Unternehmen Geld erwirtschaftet, das es ausschütten oder investieren kann.
05 · Vergleich
Growth vs. Value: Die Unterschiede im direkten Vergleich
Beide Aktienkategorien haben ihre Berechtigung im Depot. Der Vergleich zeigt, worauf du dich als Selbstständige bei der Auswahl einstellen musst.
Growth- und Value-Aktien unterscheiden sich in fast allen relevanten Merkmalen. Wachstumsunternehmen haben ein überdurchschnittlich hohes Umsatzwachstum, ein hohes Kurs-Gewinn-Verhältnis und zahlen selten Dividenden. Substanzwerte wachsen moderat, sind niedrig bewertet und schütten oft überdurchschnittlich hohe Dividenden aus.
Die Volatilität ist bei Growth-Aktien deutlich höher, weil die Kurse stark von Erwartungen an die Zukunft abhängen. Value-Aktien schwanken vergleichsweise geringer, da ihre Bewertung stärker an aktuellen Gewinnen und Buchwerten hängt. Die Zuordnung ist nicht starr: Unternehmen können im Laufe der Zeit von Growth zu Value wechseln, wenn sich ihr Wachstum normalisiert und sie beginnen, Dividenden zu zahlen.
Für dein Depot bedeutet das: Growth-Aktien liefern Chancen auf überdurchschnittliche Renditen, Value-Aktien sorgen für Stabilität und laufende Erträge.
| Growth-Aktien | Value-Aktien | |
|---|---|---|
| Wachstum | Überdurchschnittlich hoch | Niedrig bis moderat |
| Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) | Hoch | Niedrig |
| Dividendenrendite | Niedrig oder keine Dividende | Oft überdurchschnittlich hoch |
| Volatilität | Hoch, starke Kursschwankungen | Vergleichsweise geringer |
| Typische Branchen | Technologie, Biotech, erneuerbare Energien | Automobil, Finanzen, Grundstoffe, Versorger |
06 · Im Vertrag
Bewertungskriterien: Woran du Growth-Aktien erkennst
Nicht jedes junge Unternehmen ist automatisch eine gute Growth-Aktie. Diese Kennzahlen helfen dir, das Wachstumspotenzial realistisch einzuschätzen.
Entscheidend ist, ob das Umsatzwachstum über mehrere Jahre hinweg deutlich stärker ausfällt als bei der Konkurrenz oder im Gesamtmarkt. Ein einzelnes starkes Quartal reicht nicht aus, um einen langfristigen Wachstumstrend zu belegen.
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist bei Growth-Aktien typischerweise hoch, weil Anleger zukünftige Gewinne vorwegnehmen. Ein hohes KGV zeigt aber auch, wie viel Optimismus bereits im Kurs steckt. Prüfe zusätzlich die Gewinnmarge und die Reinvestitionsquote, um einzuschätzen, ob das Unternehmen mit zunehmender Größe effizienter arbeitet und das Kapital sinnvoll einsetzt.
- Analysiere das Umsatzwachstum über mindestens drei bis fünf Jahre.
- Ordne das hohe Kurs-Gewinn-Verhältnis im Branchenkontext ein.
- Prüfe, ob die Gewinnmarge steigt oder bereits hoch ist.
- Kontrolliere, wie viel Prozent der Gewinne das Unternehmen reinvestiert.
Kennzahlen für die Analyse von Wachstumsunternehmen
07 · Fehler vermeiden
Volatilität: Das Risiko von Wachstumsaktien für dein Depot
Growth-Aktien schwanken stärker als der Gesamtmarkt. Für Selbstständige ist das ein doppeltes Risiko, wenn private und unternehmerische Finanzen gleichzeitig unter Druck geraten.
Enttäuscht ein Unternehmen die Wachstumsprognosen, kann der Kurs innerhalb weniger Tage deutlich fallen. Für dich als Selbstständige ist das ein doppeltes Risiko, wenn private und unternehmerische Finanzen gleichzeitig unter Druck geraten.
Der größte Fehler ist, Geld zu investieren, das du kurzfristig für Steuernachzahlungen oder betriebliche Ausgaben benötigst. Musst du in einer Schwächephase verkaufen, realisierst du Verluste, obwohl sich das Unternehmen fundamental nicht verändert hat. Ein weiterer Fehler ist die Konzentration auf eine einzige Wachstumsbranche, weil dann ein Rückschlag in diesem Sektor dein gesamtes Depot trifft.
Investiere in Growth-Aktien nur Geld, das du mindestens fünf bis zehn Jahre nicht anfassen musst.
Typische Fehler im Umgang mit volatilen Growth-Aktien
08 · Was gilt
Inflation: Warum Growth-Aktien als Schutz dienen können
Steigende Preise entwerten Bargeld und festverzinsliche Anlagen. Unternehmen mit hoher Preissetzungsmacht können Inflation oft besser an Kunden weitergeben.
Wachstumsunternehmen, deren Umsätze nominal stark steigen, profitieren in einem inflationären Umfeld häufig überproportional.
Für dich als Selbstständige bedeutet das: Ein Teil deines Vermögens in Aktien von Unternehmen mit Preissetzungsmacht kann helfen, den realen Wert deiner Ersparnisse zu erhalten. Bargeld und Girokontoguthaben verlieren bei Inflation dagegen kontinuierlich an Kaufkraft. Auch langlaufende Anleihen mit festem Nominalzins sind in solchen Phasen eher nachteilig, weil die Zinserträge nicht mit der Teuerung Schritt halten.
- Aktien von Unternehmen mit starker Marktposition können Inflationsschutz bieten.
- Wachstumsunternehmen mit nominal steigenden Umsätzen profitieren oft von Preissteigerungen.
- Bargeld und niedrig verzinste Sparprodukte verlieren bei Inflation real an Wert.
Kann Inflationsschutz bieten
Eher nachteilig bei Inflation
09 · Kosten
Steuern auf Growth-Aktien für Selbstständige
Gewinne aus Growth-Aktien zählen zu den Kapitaleinkünften. Für dich als Selbstständige gelten dieselben Regeln wie für Angestellte, aber deine steuerliche Gesamtsituation ist oft komplexer.
Hinzu kommt der Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent auf die Abgeltungsteuer. Die Bank behält diese Abgaben direkt ein, wenn du Aktien mit Gewinn verkaufst oder Dividenden erhältst.
Für dich als Selbstständige gelten dieselben Freibeträge wie für Angestellte. Der Sparer-Pauschbetrag liegt bei 1000 Euro pro Person und Jahr, bei zusammenveranlagten Ehepaaren bei 2000 Euro. Für Aktienfonds gilt eine Teilfreistellung von 30 Prozent, das bedeutet, dass nur 70 Prozent der Erträge aus Aktienfonds besteuert werden. Einzelne Growth-Aktien profitieren von dieser Teilfreistellung nicht.
Realisierte Kursgewinne aus einzelnen Growth-Aktien werden voll mit 25 Prozent Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag besteuert.
10 · Schritt für Schritt
Growth-Aktien für Selbstständige: So baust du dein Depot auf
Dein Anlagehorizont und dein Liquiditätspuffer bestimmen, wie hoch der Anteil von Growth-Aktien in deinem Depot sein kann. Ein schrittweises Vorgehen hilft, Fehler zu vermeiden.
Bevor du in einzelne Wachstumsunternehmen investierst, solltest du dein Liquiditätspolster auffüllen. Lege drei bis sechs Monatsausgaben auf ein Tagesgeldkonto zurück, damit du Aktien in einer Notlage nicht verkaufen musst. Bilde außerdem Steuerrücklagen, indem du nach jeder Rechnung einen festen Prozentsatz auf ein separates Konto überweist.
Das Fundament deines Depots sollte ein breit streuender ETF auf den Weltmarkt sein. Growth-Aktien ergänzen dieses Fundament, ersetzen es aber nicht. Investiere nur so viel in einzelne Wachstumsunternehmen, dass ein Totalausfall dein Gesamtdepot nicht gefährdet. Ein Verlust von 100 Prozent bei einer einzelnen Aktie darf deine Altersvorsorge nicht ins Wanken bringen.
- Fülle zuerst dein Liquiditätspolster auf ein Tagesgeldkonto auf.
- Bilde Steuerrücklagen auf einem separaten Konto.
- Wähle einen breit streuenden ETF als Basisinvestment.
- Mische Growth-Aktien nur in kleiner Dosis bei.
Liquiditätspolster auffüllen
Lege drei bis sechs Monatsausgaben auf einem Tagesgeldkonto zurück. So vermeidest du, Aktien in einer Notlage verkaufen zu müssen.
Steuerrücklagen bilden
Überweise nach jeder Rechnung einen festen Prozentsatz auf ein separates Konto. So bleibt das investierte Kapital unangetastet.
Basisinvestment wählen
Ein breit streuender ETF auf den Weltmarkt kann das Fundament deines Depots bilden. Growth-Aktien ergänzen dieses Fundament.
Growth-Aktien beimischen
Investiere nur so viel in einzelne Wachstumsunternehmen, dass ein Totalausfall dein Gesamtdepot nicht gefährdet.
Regelmäßig prüfen
Kontrolliere einmal im Quartal, ob sich die Geschäftsmodelle deiner Growth-Aktien wie erwartet entwickeln.
Häufige Fragen
Fragen zu Growth-Aktien für Selbstständige
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