Ratgeber · Investieren
Futures sinnvoll nutzen: Wann sich Termingeschäfte für dich lohnen
Futures sind standardisierte Termingeschäfte, mit denen du Preise absichern oder gezielt auf Kursbewegungen setzen kannst. Ob sie für dich sinnvoll sind, hängt von deinem Anlageziel, deiner Erfahrung und deiner Risikobereitschaft ab.
10 Kapitel · 12 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- Futures sind Derivate, deren Wert von einem Basiswert wie Rohstoffen, Indizes oder Währungen abhängt.
- Sie eignen sich vor allem zur Preissicherung und zum Hedging, nicht als erste Wahl für Einsteiger.
- Der Handel erfolgt mit Hebel, wodurch Verluste deinen Kapitaleinsatz übersteigen können.
- Vor dem ersten Trade brauchst du die Termingeschäftsfähigkeit und ein Depot bei einem Broker mit Zugang zu Terminbörsen.
01 · Grundlagen
Was sind Futures und wie funktionieren sie?
Ein Future ist ein börsengehandelter Vertrag, der dich verpflichtet, einen genau definierten Basiswert zu einem festgelegten Termin zu kaufen oder zu verkaufen. Die Börse garantiert die Abwicklung und reduziert so das Risiko, dass dein Vertragspartner ausfällt.
Die Börse legt dabei unter anderem die Tickgröße, die kleinste mögliche Preisänderung, und das Verfallsdatum fest. Diese Standardisierung macht Futures zu einem transparenten und liquiden Handelsinstrument.
Für den DAX-Future gibt es beispielsweise vier Kontrakte, deren Fälligkeitstermine jeweils am dritten Freitag im dritten Monat eines Quartals liegen, also im März, Juni, September und Dezember. Die Abwicklung garantiert die Börse, wodurch das Risiko eines Zahlungsausfalls deines Vertragspartners entfällt. Genau dieser Mechanismus unterscheidet Futures von außerbörslichen Termingeschäften.
- Futures sind derivative Finanzprodukte, deren Wert von einem Basiswert wie einem Index oder Rohstoff abhängt.
- Sie werden an regulierten Terminbörsen wie Eurex, CBOT oder CME gehandelt und sind stark standardisiert.
Kurz erklärt
Future
Ein standardisierter Terminkontrakt, der den Kauf oder Verkauf eines Basiswerts zu einem festgelegten Preis und Zeitpunkt verpflichtet.
Futures werden an regulierten Terminbörsen wie Eurex, CBOT oder CME gehandelt und sind stark standardisiert.
02 · Vergleich
Financial Futures und Commodity Futures im Vergleich
Je nach Basiswert unterscheidest du zwischen Finanzterminkontrakten und Warenterminkontrakten. Beide Gruppen funktionieren nach demselben Prinzip, unterscheiden sich aber in der Abwicklung und den typischen Einsatzgebieten.
Finanzterminkontrakte beziehen sich auf Basiswerte wie Aktienindizes, Aktien, Devisen oder Anleihen. Warenterminkontrakte, auch Commodity Futures genannt, haben Rohstoffe wie Öl, Gold, Weizen oder Sojabohnen als Grundlage. Beide Gruppen funktionieren nach demselben Prinzip, unterscheiden sich aber in der Abwicklung und den typischen Einsatzgebieten.
Bei Index-Futures ist ein Barausgleich üblich, da Aktien nicht teilbar sind und eine exakte Lieferung im Gegenwert des Kontrakts unmöglich wäre. Bei Warenterminkontrakten ist eine physische Lieferung grundsätzlich möglich, wird aber von Brokern für Privatanleger in der Praxis meist verhindert. Du stellst deine Position vor dem Liefertermin glatt oder rollst sie in einen späteren Kontrakt.
- Financial Futures werden häufig zur Absicherung von Portfolios oder zur Spekulation auf Indizes genutzt.
- Commodity Futures dienen vor allem der Preissicherung für Produzenten und Abnehmer sowie der Spekulation auf Rohstoffpreise.
| Financial Futures | Commodity Futures | |
|---|---|---|
| Typische Basiswerte | Aktienindizes, Aktien, Devisen, Anleihen | Rohstoffe wie Öl, Gold, Sojabohnen |
| Abwicklung | Häufig Barausgleich (Cash Settlement) | Meist physische Lieferung möglich, aber oft vorher glattgestellt |
| Hauptzweck | Absicherung von Portfolios, Spekulation auf Indizes | Preissicherung für Produzenten und Abnehmer, Spekulation auf Rohstoffpreise |
03 · Schritt für Schritt
So funktioniert die Preissicherung mit Futures
Unternehmen und Produzenten nutzen Futures, um sich gegen unerwünschte Preisschwankungen abzusichern. Der Ablauf folgt einem klaren Muster, das du auch als Privatanleger für dein Portfolio übernehmen kannst.
Zuerst legst du fest, welchen Rohstoff oder welches Finanzinstrument du absichern möchtest. Anschließend wählst du den passenden Future mit geeigneter Kontraktgröße und Laufzeit.
Der im Future vereinbarte Preis gilt unabhängig davon, wie sich der Markt bis zum Fälligkeitstermin entwickelt. Vor dem Verfallstermin schließt du die Position durch ein Gegengeschäft oder rollst sie in einen späteren Kontrakt. Das Rollen ist die gängige Vorgehensweise, um Futures-Positionen längerfristig zu halten, da die Transaktionskosten im Verhältnis zum Kontraktwert extrem gering sind.
- Du eröffnest eine Position, indem du den Future kaufst oder verkaufst, je nachdem ob du dich gegen steigende oder fallende Preise absichern willst.
- Das festgelegte Preisniveau bleibt bis zum Fälligkeitstermin bestehen und schafft so Planungssicherheit.
Basiswert und Kontrakt wählen
Du legst fest, welchen Rohstoff oder welches Finanzinstrument du absichern möchtest, und wählst den passenden Future mit geeigneter Kontraktgröße und Laufzeit.
Position eröffnen
Du kaufst oder verkaufst den Future, je nachdem ob du dich gegen steigende oder fallende Preise absichern willst.
Preisniveau festlegen
Der im Future vereinbarte Preis gilt unabhängig davon, wie sich der Markt bis zum Fälligkeitstermin entwickelt.
Position glattstellen oder rollen
Vor dem Verfallstermin schließt du die Position durch ein Gegengeschäft oder rollst sie in einen späteren Kontrakt, wenn du die Absicherung verlängern möchtest.
04 · Was gilt
Hedging: So sicherst du dein Depot mit Futures ab
Beim Hedging nutzt du Futures, um Verluste in deinem bestehenden Portfolio auszugleichen. Eine Short-Position in einem Future gewinnt an Wert, wenn der Basiswert fällt, und kann so Kursverluste kompensieren.
Das funktioniert besonders gut bei breit gestreuten Aktienportfolios, die du gegen allgemeine Marktrückgänge absichern möchtest.
Für die Absicherung einzelner Aktien mit geringem Handelsvolumen sind Futures dagegen oft ungeeignet, weil die Kontraktgrößen nicht zum abzusichernden Wert passen. Auch Währungsrisiken bei internationalen Investments lassen sich mit Devisen-Futures absichern. Entscheidend ist, dass du die Kontraktspezifikationen und den Hebel genau verstehst, bevor du eine Hedge-Position eröffnest.
- Geeignet ist die Absicherung eines breiten Aktienportfolios gegen Kursrückgänge.
- Nicht geeignet ist Hedging ohne Berücksichtigung der Kontraktgröße und des Hebels.
Geeignet für Hedging
Nicht geeignet für Hedging
05 · Hintergrund
Short-Positionen mit Futures: So profitierst du von fallenden Kursen
Mit Futures kannst du ohne Leerverkauf auf fallende Kurse setzen. Du verkaufst einfach einen Future, den du noch nicht besitzt, und profitierst, wenn der Kurs des Basiswerts sinkt.
Eine Short-Position in einem Future ist technisch einfach umzusetzen: Du wählst die Verkaufsseite des Kontrakts. Fällt der Kurs des Basiswerts, steigt der Wert deiner Short-Position, und du kannst sie mit Gewinn glattstellen. Im Gegensatz zu einem klassischen Leerverkauf von Aktien brauchst du bei Futures keine Wertpapiere zu leihen.
Die Börse stellt sicher, dass für jeden Verkäufer ein Käufer existiert, und die Margin-Anforderungen decken das Ausfallrisiko ab. Short-Futures eignen sich sowohl zur Spekulation als auch zur Absicherung. Hältst du beispielsweise ein Aktienportfolio, kannst du mit einem Short-Future auf einen Index Kursverluste in deinem Depot teilweise ausgleichen.
- Du profitierst von fallenden Kursen, ohne Wertpapiere leihen zu müssen.
- Die Börse garantiert die Abwicklung und reduziert das Kontrahentenrisiko.
Eine Short-Position in einem Future ist technisch einfach umzusetzen: Du wählst die Verkaufsseite des Kontrakts. Fällt der Kurs des Basiswerts, steigt der Wert deiner Short-Position, und du kannst sie mit Gewinn glattstellen.
Im Gegensatz zu einem klassischen Leerverkauf von Aktien brauchst du bei Futures keine Wertpapiere zu leihen. Die Börse stellt sicher, dass für jeden Verkäufer ein Käufer existiert, und die Margin-Anforderungen decken das Ausfallrisiko ab.
Short-Futures eignen sich sowohl zur Spekulation als auch zur Absicherung. Hältst du beispielsweise ein Aktienportfolio, kannst du mit einem Short-Future auf einen Index dein Depot gegen fallende Kurse absichern.
06 · Kosten
Margin und Hebel: Das musst du vor dem Futures-Handel wissen
Futures sind Hebelprodukte. Du hinterlegst nur einen Bruchteil des Kontraktwerts als Sicherheitsleistung, die Margin, und bewegst trotzdem den vollen Wert des Basiswerts.
Die Margin ist eine Sicherheitsleistung, keine Anzahlung. Sie bestimmt, wie stark Kursbewegungen dein Konto beeinflussen. Bei Index-Futures liegt die typische Initial Margin bei 5 bis 15 Prozent des Kontraktwerts, bei Rohstoff-Futures bei 3 bis 12 Prozent. Dadurch bewegst du mit einem Bruchteil des Kapitals den vollen Wert des Basiswerts.
Dieser Hebel wirkt in beide Richtungen: Kursbewegungen können zu prozentual höheren Gewinnen oder Verlusten führen, die deinen notwendigen Kapitaleinsatz übersteigen. Im schlimmsten Fall kannst du zu einem Nachschuss verpflichtet werden, wenn Verluste dein Konto übersteigen. Deshalb ist ein konsequentes Risikomanagement vor jedem Trade unerlässlich.
- Die Margin ist eine Sicherheitsleistung und keine Anzahlung auf den Kontraktwert.
- Der Hebel kann Verluste verursachen, die deinen Kapitaleinsatz übersteigen.
Kurz erklärt
Möglicher Verlust bei ungünstiger Kursbewegung
Margin und Hebelwirkung bei Futures
Kann den Kapitaleinsatz übersteigen
07 · Im Vertrag
Kontraktgrößen und Barausgleich: Wichtige Fachbegriffe im Überblick
Bevor du einen Future handelst, solltest du die zentralen Begriffe verstehen. Sie bestimmen, wie viel du bewegst und wie die Abwicklung am Laufzeitende funktioniert.
Die Kontraktgröße definiert die Menge des Basiswerts, die ein Future repräsentiert, zum Beispiel 1.000 Barrel Rohöl oder ein bestimmter Index-Multiplikator. Sie bestimmt, wie viel du mit einem einzigen Kontrakt bewegst. Ein falsches Verständnis der Kontraktgröße führt schnell zu einem ungewollt großen Risiko.
Der Barausgleich ist bei Index-Futures üblich: Am Verfallstermin wird nur die Differenz zwischen vereinbartem und aktuellem Kurs in Geld verrechnet, ohne physische Lieferung. Bevor du deinen ersten Futures-Handel ausführst, musst du von deinem Broker über die Risiken von Termingeschäften aufgeklärt werden. Diese sogenannte Termingeschäftsfähigkeit ist gesetzlich vorgeschrieben.
- Die Kontraktgröße legt fest, welche Menge des Basiswerts ein Future abbildet.
- Der Barausgleich verrechnet am Laufzeitende nur Kursdifferenzen in Geld.
Fachbegriffe im Futures-Handel
08 · Checkliste
Checkliste: Wann sind Futures für dich sinnvoll?
Futures sind kein Produkt für den schnellen Einstieg. Diese Kriterien helfen dir einzuschätzen, ob du bereit für den Terminhandel bist.
Sie setzen Erfahrung im Umgang mit Wertpapieren und ein klares Verständnis der Hebelwirkung voraus. Bevor du deinen ersten Trade eröffnest, solltest du die folgenden Kriterien ehrlich prüfen.
Du benötigst ausreichend Kapital, um Margin-Anforderungen und mögliche Nachschüsse zu bedienen. Außerdem musst du die Kontraktspezifikationen des Futures kennen, den du handeln möchtest. Ein klares Ziel, ob Absicherung oder Spekulation, hilft dir, dein Risiko zu definieren und zu begrenzen.
- Du hast Erfahrung mit Aktien, ETFs oder anderen Wertpapieren gesammelt.
- Du verstehst, wie Hebel funktionieren und welche Verluste möglich sind.
- Du hast Zugang zu einem Broker mit Terminbörsen wie Eurex oder CME.
Voraussetzungen für sinnvollen Futures-Handel
Du hast Erfahrung mit Aktien, ETFs oder anderen Wertpapieren gesammelt.
Du verstehst, wie Hebel funktionieren und welche Verluste möglich sind.
Du hast ausreichend Kapital, um Margin-Anforderungen und mögliche Nachschüsse zu bedienen.
Du kennst die Kontraktspezifikationen des Futures, den du handeln möchtest.
Du hast ein klares Ziel: Absicherung oder Spekulation mit definiertem Risiko.
Du hast Zugang zu einem Broker mit Terminbörsen wie Eurex oder CME.
09 · Fehler vermeiden
Typische Fehler beim Futures-Handel
Viele Verluste im Futures-Handel entstehen nicht durch Marktbewegungen, sondern durch vermeidbare Fehler. Diese Punkte solltest du kennen, bevor du deinen ersten Trade eröffnest.
Ein häufiger Fehler ist, die Kontraktgröße zu unterschätzen und dadurch ein zu großes Risiko einzugehen. Wer Positionen bis zum Verfallstermin hält, kann ungewollt in Lieferverpflichtungen geraten, auch wenn Broker dies in der Praxis meist verhindern.
Ein weiterer Fehler ist, den Hebel falsch einzuschätzen und Verluste über den Kapitaleinsatz hinaus zu riskieren. Illiquide Kontrakte zu handeln führt oft zu ungünstigeren Preisen, weil der Spread zwischen Geld- und Briefkurs größer ist. Futures als langfristige Buy-and-hold-Anlage ohne Rollstrategie zu nutzen, widerspricht ihrer Konstruktion als Termingeschäft.
- Ohne Termingeschäftsfähigkeit und Risikoaufklärung handeln zu wollen.
- Die Kontraktgröße unterschätzen und dadurch ein zu großes Risiko eingehen.
- Positionen bis zum Verfallstermin halten und ungewollt in Lieferverpflichtungen geraten.
Häufige Fehler, die du vermeiden solltest
10 · Hintergrund
Futures sinnvoll einsetzen: Absicherung oder Spekulation?
Futures erfüllen zwei zentrale Funktionen: Risikotransfer durch Absicherung und Preisspekulation. Beide Anwendungen sind legitim, erfordern aber unterschiedliche Strategien und Risikomanagement.
Die ursprüngliche Funktion von Futures ist der Risikotransfer zwischen Marktteilnehmern. Produzenten und Abnehmer von Rohstoffen sichern Preise ab, um planbar zu wirtschaften. Diese Funktion kannst du als Privatanleger nutzen, um dein Portfolio gegen Kursrückgänge zu schützen.
Die Spekulation mit Futures ist die riskantere Variante. Durch den Hebel kannst du mit geringem Kapitaleinsatz große Positionen bewegen, aber auch schnell hohe Verluste erleiden. Spekulative Futures-Trades sind nur sinnvoll, wenn du das Risiko bewusst eingehst und dein Gesamtdepot nicht gefährdest. Für die meisten Privatanleger ist die Absicherung bestehender Positionen der sinnvollere Einstieg in den Futures-Handel.
- Absicherung dient dem Schutz deines Portfolios vor unerwünschten Kursbewegungen.
- Spekulation zielt auf Gewinne aus erwarteten Kursbewegungen, birgt aber ein hohes Verlustrisiko.
Die ursprüngliche Funktion von Futures ist der Risikotransfer zwischen Marktteilnehmern. Produzenten und Abnehmer von Rohstoffen sichern Preise ab, um planbar zu wirtschaften. Diese Funktion kannst du als Privatanleger nutzen, um dein Portfolio gegen Kursrückgänge zu schützen.
Die Spekulation mit Futures ist die riskantere Variante. Durch den Hebel kannst du mit geringem Kapitaleinsatz große Positionen bewegen, aber auch schnell hohe Verluste erleiden. Spekulative Futures-Trades sind nur sinnvoll, wenn du das Risiko bewusst eingehst und dein Gesamtdepot nicht gefährdest.
Für die meisten Privatanleger ist der sinnvollste Einsatz von Futures die Absicherung bestehender Positionen. Die reine Spekulation auf Kursbewegungen bleibt erfahrenen Tradern mit klarem Risikomanagement vorbehalten.
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