Ratgeber · Investieren
ETF-Sparplan und Auszahlplan: So steuerst du Ansparen und Entnehmen
Ein ETF-Sparplan baut über Jahre Wertpapiervermögen auf, ein ETF-Auszahlplan macht daraus später ein regelmäßiges Einkommen. Entscheidend ist, dass du früh eine klare Entnahmestrategie festlegst, damit die Altersvorsorge auch in der Auszahlphase trägt.
9 Kapitel · 11 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- Ein ETF-Entnahmeplan funktioniert wie ein umgekehrter Sparplan: Du verkaufst regelmäßig Anteile und lässt dir den Erlös auszahlen.
- Mit Kapitalverzehr wird das Vermögen planmäßig aufgebraucht, ohne Kapitalverzehr lebst du nur von den laufenden Erträgen.
- Die erwartete Rendite solltest du konservativ ansetzen, weil Kursschwankungen den Entnahmezeitraum deutlich verkürzen können.
- Für die Auszahlphase eignen sich breit gestreute ETFs besser als Tagesgeld, weil sie langfristig eine höhere Rendite bieten.
01 · Grundlagen
Was ist ein ETF-Auszahlplan?
Ein Auszahlplan ist das Gegenstück zum ETF-Sparplan: Statt regelmäßig Geld einzuzahlen, lässt du dir regelmäßig Geld aus deinem Wertpapiervermögen auszahlen.
Ein ETF-Auszahlplan ist die konsequente Fortsetzung deines Sparplans. Während du in der Ansparphase regelmäßig Anteile kaufst, verkauft dein Broker in der Auszahlphase automatisch Anteile in dem von dir festgelegten Rhythmus. Der Verkaufserlös wird anschließend auf dein Girokonto überwiesen.
Für dich bedeutet das: Du musst dich nicht jeden Monat selbst um den Verkauf kümmern. Die Auszahlung funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie ein Dauerauftrag, nur dass die Quelle dein Wertpapierdepot ist. So wird aus einem angesparten Vermögen ein planbares Zusatzeinkommen, beispielsweise für die Rente oder eine berufliche Auszeit.
Die Höhe der monatlichen Entnahme kannst du flexibel bestimmen. Entscheidend ist, dass vor dem Start ausreichend Kapital in den gewählten ETFs liegt, damit der Plan nicht direkt ins Stocken gerät.
Kurz erklärt
ETF-Auszahlplan
Ein Entnahmeplan, bei dem in festen Intervallen Anteile eines oder mehrerer ETFs verkauft und der Verkaufserlös auf dein Konto überwiesen wird.
Der Auszahlplan kombiniert eine renditestarke Geldanlage mit einer regelmäßigen Auszahlung, etwa als Zusatzrente im Alter.
02 · Schritt für Schritt
So funktioniert ein ETF-Entnahmeplan
Technisch ist ein Entnahmeplan so einfach wie ein Dauerauftrag. Du legst einmal fest, welche ETFs entspart werden, welcher Betrag fließt und in welchem Intervall verkauft wird.
Der Ablauf ist technisch simpel, erfordert aber eine klare Vorbereitung. Zuerst wählst du die ETFs aus, die du entsparen möchtest. Ein breit gestreutes Portfolio aus Aktien-ETFs und einem risikoarmen Teil bildet dafür die Basis, denn so verteilst du das Risiko auch in der Auszahlphase.
Danach prüfst du, ob genügend Kapital in deinem Depot liegt. Dieses Kapital stammt entweder aus einem langjährigen ETF-Sparplan oder aus einer Einmalanlage, etwa nach einer Erbschaft oder einem Immobilienverkauf. Erst wenn das Vermögen vorhanden ist, richtest du den Entnahmeplan bei deinem Broker ein.
Dabei hinterlegst du den gewünschten Entnahmebetrag, das Intervall und das Zielkonto. Die Auszahlung erfolgt dann automatisch, ohne dass du weitere Aufträge erteilen musst. Die Höhe der monatlichen Entnahme kannst du flexibel an deine Lebenssituation anpassen.
ETFs auswählen
Du bestimmst, welche ETFs du entsparen möchtest. Ein breit gestreutes Portfolio aus Aktien-ETFs und einem risikoarmen Teil ist dafür die Basis.
Einmalanlage prüfen
Vor dem Start des Auszahlplans muss ausreichend Kapital in den gewählten ETFs liegen. Das kann aus einem langjährigen ETF-Sparplan stammen oder aus einer Einmalanlage.
Entnahmeplan einrichten
Bei deinem Broker hinterlegst du den gewünschten Entnahmebetrag, das Intervall und das Zielkonto. Die Auszahlung erfolgt dann automatisch.
Entnahmebetrag festlegen
Die Höhe der monatlichen Entnahme kannst du flexibel bestimmen. Sie sollte zu deiner Entnahmestrategie und deinem Anlagevermögen passen.
Auszahlungstermin wählen
Du legst fest, ob monatlich, quartalsweise, halbjährlich oder jährlich ausgezahlt wird. Monatliche Intervalle sind für den Alltag am praktischsten.
03 · Vergleich
Entnahmeplan mit oder ohne Kapitalverzehr?
Die wichtigste Weiche bei der Entnahmestrategie ist die Frage, ob dein Vermögen am Ende aufgebraucht sein darf oder erhalten bleiben soll.
Die wichtigste Weiche bei deiner Entnahmestrategie ist die Frage, ob dein Vermögen am Ende aufgebraucht sein darf oder erhalten bleiben soll. Diese Entscheidung bestimmt, wie hoch deine monatliche Auszahlung ausfällt und wie lange das Kapital reicht.
Bei einem Plan mit Kapitalverzehr schmilzt das angelegte Vermögen planmäßig ab und ist am Ende des Entnahmezeitraums aufgebraucht. Dafür fällt der monatliche Entnahmebetrag bei gleichem Anlagevermögen deutlich höher aus, weil auch die Substanz ausgezahlt wird. Diese Variante eignet sich, wenn du keinen Wert auf ein Erbe legst und dein Kapital für dich nutzen möchtest.
Ohne Kapitalverzehr bleibt das Kapital konstant, du entnimmst nur die laufenden Erträge wie Dividenden oder Kursgewinne. Der monatliche Betrag fällt niedriger aus, dafür bleibt das Vermögen dauerhaft erhalten. Diese Form wird oft als ewige Rente bezeichnet und eignet sich, wenn du Vermögen weitergeben möchtest oder eine sehr lange Lebenserwartung einplanst.
| Mit Kapitalverzehr | Ohne Kapitalverzehr | |
|---|---|---|
| Vermögensentwicklung | Das angelegte Kapital schmilzt planmäßig ab und ist am Ende des Entnahmezeitraums aufgebraucht. | Das Kapital wird nicht abgeschmolzen, sondern konstant gehalten. |
| Monatlicher Entnahmebetrag | Fällt bei gleichem Anlagevermögen höher aus, weil auch die Substanz ausgezahlt wird. | Fällt niedriger aus, weil nur die laufenden Erträge ausgezahlt werden. |
| Benötigtes Anlagevermögen | Ist bei gleichem Entnahmebetrag geringer, da das Kapital über die Laufzeit abgebaut wird. | Muss höher sein, damit die Erträge ausreichen, um den gewünschten Betrag zu decken. |
04 · Was gilt
Welche Geldanlagen eignen sich für einen Auszahlplan?
Nicht jede Anlageform ist für einen Entnahmeplan gleich gut geeignet. Die Wahl beeinflusst Rendite, Schwankungen und Flexibilität deiner Auszahlungen.
Nicht jede Anlageform ist für einen Entnahmeplan gleich gut geeignet. Die Wahl beeinflusst Rendite, Schwankungen und Flexibilität deiner Auszahlungen. ETFs sind für die meisten Anleger die beste Basis, weil sie breit gestreut, kostengünstig und flexibel entsparbar sind.
Aktien bieten langfristig ebenfalls eine hohe Rendite, unterliegen aber stärkeren Kursschwankungen. Wer es bequem haben möchte, kann auf einen Robo-Advisor zurückgreifen, der die Anlage und Auszahlung automatisiert übernimmt. Aktiv gemanagte Fonds sind dagegen oft teurer als ETFs, was die Nettorendite schmälert.
Weniger geeignet sind Tagesgeld und Festgeld. Die niedrigen Zinsen auf Tagesgeldkonten führen nach Inflation oft zu einer negativen Realrendite. Festgeld hat zudem feste Laufzeiten, die flexible monatliche Auszahlungen verhindern.
Gut geeignet
Weniger geeignet
05 · Kosten
Entnahmebetrag, Entnahmeintervall und Entnahmezeitraum berechnen
Drei Größen bestimmen deinen ETF-Auszahlplan: wie viel du entnimmst, wie oft du entnimmst und wie lange das Vermögen reichen soll.
Drei Größen bestimmen deinen ETF-Auszahlplan: wie viel du entnimmst, wie oft du entnimmst und wie lange das Vermögen reichen soll. Diese Werte hängen direkt zusammen und lassen sich mit einem Entnahmeplan-Rechner für deine persönliche Situation durchrechnen.
Ein Beispiel verdeutlicht die Zusammenhänge: Bei einem Anlagevermögen von 100.000 EUR und einer angenommenen Rendite von 5 Prozent liegt die monatliche Entnahme ohne Kapitalverzehr bei etwa 407 EUR. Mit Kapitalverzehr über 20 Jahre steigt der Betrag auf etwa 654 EUR monatlich, weil auch die Substanz abgeschmolzen wird.
Wählst du stattdessen eine monatliche Entnahme von 1.200 EUR, wäre das Vermögen bei gleicher Rendite nach etwa 8,5 Jahren aufgebraucht. Setze die erwartete Rendite immer konservativ an, denn bei Aktien-ETFs kann die tatsächliche Wertentwicklung stark schwanken. Ein Puffer schützt dich vor bösen Überraschungen.
Beispielrechnung für einen ETF-Entnahmeplan mit 100.000 EUR Anlagevermögen und 5 Prozent Rendite
06 · Im Vertrag
Steuern auf Auszahlungen aus dem ETF-Entnahmeplan
Auch in der Auszahlphase fallen Steuern an. Wie viel du abgeben musst, hängt von deinem Gewinn und deinem Sparer-Pauschbetrag ab.
Auch in der Auszahlphase fallen Steuern an. Wie viel du abgeben musst, hängt von deinem Gewinn und deinem Sparer-Pauschbetrag ab. Pro Person und Jahr bleiben Kapitalerträge bis 1.000 EUR steuerfrei, bei zusammenveranlagten Ehepaaren sind es 2.000 EUR.
Oberhalb dieses Freibetrags fallen 25 Prozent Abgeltungsteuer an. Zusätzlich werden 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag auf die Abgeltungsteuer fällig. Bei Aktienfonds und Aktien-ETFs greift jedoch die Teilfreistellung: 30 Prozent der Erträge bleiben steuerfrei, versteuert werden nur 70 Prozent.
Für dich bedeutet das: Nicht der gesamte Auszahlungsbetrag ist steuerpflichtig, sondern nur der darin enthaltene Gewinn. Je nach Höhe deiner Entnahmen und deines Freibetrags kann die Steuerlast deutlich niedriger ausfallen, als es der pauschale Steuersatz vermuten lässt.
Steuerliche Eckwerte für ETF-Auszahlungen im Jahr 2026
07 · Checkliste
Checkliste: Das brauchst du für einen ETF-Auszahlplan
Bevor du einen Entnahmeplan einrichtest, solltest du einige Voraussetzungen klären. Diese Punkte helfen dir, den Plan sauber aufzusetzen.
Bevor du einen Entnahmeplan einrichtest, solltest du einige Voraussetzungen klären. Diese Punkte helfen dir, den Plan sauber aufzusetzen und spätere Korrekturen zu vermeiden.
- Du hast ausreichendes Wertpapiervermögen in breit gestreuten ETFs aufgebaut.
- Du hast deine Entnahmestrategie festgelegt: mit oder ohne Kapitalverzehr.
- Du hast die erwartete Rendite konservativ geschätzt und einen Puffer eingeplant.
- Du hast das Entnahmeintervall gewählt: monatlich, quartalsweise, halbjährlich oder jährlich.
- Du hast das Zielkonto für die Auszahlungen bestimmt.
- Du hast die steuerlichen Auswirkungen mit Sparer-Pauschbetrag und Teilfreistellung geprüft.
- Du hast einen risikoarmen Teil im Portfolio für die ersten Entnahmejahre eingeplant.
Wenn du diese Punkte abgearbeitet hast, steht dem Start deines ETF-Auszahlplans nichts mehr im Weg. Die Einrichtung beim Broker dauert dann nur wenige Minuten.
Vorbereitung für deinen ETF-Entnahmeplan
Ausreichendes Wertpapiervermögen in breit gestreuten ETFs aufgebaut
Entnahmestrategie festgelegt: mit oder ohne Kapitalverzehr
Erwartete Rendite konservativ geschätzt und Spielraum eingeplant
Entnahmeintervall gewählt: monatlich, quartalsweise, halbjährlich oder jährlich
Zielkonto für die Auszahlungen bestimmt
Steuerliche Auswirkungen mit Sparer-Pauschbetrag und Teilfreistellung geprüft
Risikoarmen Teil im Portfolio für die ersten Entnahmejahre eingeplant
08 · Fehler vermeiden
Typische Fehler beim ETF-Entnahmeplan
Ein Auszahlplan kann deine Altersvorsorge stabilisieren oder ins Wanken bringen. Diese Fehler solltest du vermeiden, damit dein Vermögen nicht vorzeitig endet.
Ein Auszahlplan kann deine Altersvorsorge stabilisieren oder ins Wanken bringen. Diese Fehler solltest du vermeiden, damit dein Vermögen nicht vorzeitig endet.
Ein häufiger Fehler ist eine zu hohe Renditeerwartung. Wer dauerhaft mit 7 oder 8 Prozent plant, entnimmt zu viel und riskiert eine Kapitallücke, wenn die Märkte schwächer laufen. Setze die erwartete Rendite lieber niedriger an und freue dich über zusätzlichen Spielraum.
Ein fehlender Puffer ist ebenfalls riskant. Ohne risikoarmen Teil musst du in Kurskrisen Anteile zu niedrigen Preisen verkaufen, was dein Vermögen überproportional schmälert. Auch Tagesgeld als Basis ist keine Lösung, weil die niedrige Verzinsung nach Inflation oft zu Kaufkraftverlust führt. Wer dauerhaft mehr entnimmt als die Rendite hergibt, schmilzt das Vermögen ungeplant ab.
Fehler, die deinen Entnahmeplan gefährden
09 · Hintergrund
Vom ETF-Sparplan zum Auszahlplan: Der Übergang
Der Wechsel vom Ansparen zum Entsparen ist ein strategischer Schritt. Je früher du ihn planst, desto ruhiger kannst du dein Vermögen in der Auszahlphase steuern.
Ein ETF-Sparplan über viele Jahre schafft die Grundlage für deinen späteren Auszahlplan. Während der Ansparphase profitierst du vom Zinseszinseffekt und von breit gestreuten Aktien-ETFs. In der Auszahlphase dreht sich die Logik um: Aus dem angesparten Kapital wird ein regelmäßiges Einkommen.
Der Übergang gelingt am besten, wenn du einige Jahre vor der ersten Entnahme beginnst, einen Teil des Vermögens in schwankungsärmere Anlagen umzuschichten. So vermeidest du, dass du in einer Marktphase mit fallenden Kursen große Anteile verkaufen musst. Ein Mix aus Aktien-ETFs und einem risikoarmen Teil wie Tagesgeld oder Festgeld gibt dir Stabilität.
Dein ETF-Sparplan muss nicht zwingend enden, wenn der Auszahlplan startet. Manche Anleger sparen auch in der Entnahmephase weiter einen kleinen Betrag an, um das Kapital länger zu strecken. Entscheidend ist, dass du deine Entnahmestrategie regelmäßig überprüfst und an deine Lebenssituation anpasst.
Häufige Fragen
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