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FinanzbildungEmerging9 Min.

Emerging Markets Schwellenländer-Investments & junge Erwachsene erklärt

Emerging Markets einfach erklärt: Was sind Schwellenländer, wie funktioniert ein Emerging-Markets-ETF und was müssen Studierende beachten? Jetzt informieren.

Emerging MarketsRechnerWas sind Emerging
Das Wichtigste in 30 Sekunden
  • Emerging Markets (Schwellenländer) sind Volkswirtschaften, die sich im Übergang von einem Entwicklungsland zu einer Industrienation befinden.
  • Typische Merkmale: hohes Wirtschaftswachstumspotenzial, wachsende Mittelschicht, aber noch instabilere politische und rechtliche Rahmenbedingungen als in Industrieländern.
  • Abgrenzung: Developed Markets (z. B. USA, Deutschland) vs. Emerging Markets (z. B. China, Indien, Brasilien) vs. Frontier Markets (noch frühere Entwicklungsstufe).
  • Gängige Klassifizierungssysteme stammen von MSCI und FTSE Russell – beide führen eigene Listen der Länder, die als Schwellenland eingestuft werden.

Emerging Markets einfach erklärt: Was du als Anleger wissen musst

Emerging Markets (Schwellenländer) sind Volkswirtschaften, die sich im Übergang von einem Entwicklungsland zu einer Industrienation befinden.

Emerging Markets – auf Deutsch Schwellenländer – sind Volkswirtschaften, die sich auf dem Weg von einem Entwicklungsland zu einer Industrienation befinden. Für Sparer:innen und Anleger:innen sind sie vor allem als Bestandteil eines breit gestreuten ETF-Portfolios relevant: Sie bieten hohes Wachstumspotenzial, bringen aber auch spezifische Risiken mit, die du kennen solltest, bevor du investierst.

Kurz zusammengefasst: Emerging Markets sind Länder wie China, Indien oder Brasilien, die wirtschaftlich stark wachsen, aber politisch und rechtlich noch instabiler sind als klassische Industrienationen. Ein emerging markets etf ermöglicht es dir, mit einem einzigen Produkt breit gestreut in Hunderte dieser Unternehmen zu investieren – auch mit kleinen monatlichen Beträgen.

AUF EINEN BLICK

  • Typische Merkmale: hohes Wirtschaftswachstumspotenzial, wachsende Mittelschicht, aber noch instabilere politische und rechtliche Rahmenbedingungen als in Industrieländern.
  • Abgrenzung: Developed Markets (z. B. USA, Deutschland) vs. Emerging Markets (z. B. China, Indien, Brasilien) vs. Frontier Markets (noch frühere Entwicklungsstufe).
  • Gängige Klassifizierungssysteme stammen von MSCI und FTSE Russell – beide führen eigene Listen der Länder, die als Schwellenland eingestuft werden.
  • Für Anleger:innen relevant: Wer langfristig und breit streut, kommt an Schwellenländern kaum vorbei, da sie einen erheblichen Anteil der Weltwirtschaftsleistung ausmachen.

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Was sind Emerging Markets? Die Definition auf Deutsch

Der MSCI Emerging Markets Index enthält Länder aus Asien, Lateinamerika, Europa (Osteuropa) und Afrika/Naher Osten – die genaue Zusammensetzung wird regelmäßig überprüft.

Der Begriff „Emerging Markets" stammt aus dem Englischen und bedeutet wörtlich „aufstrebende Märkte". In der Finanzwelt bezeichnet er Volkswirtschaften, die sich im Übergang von einem Entwicklungsland zu einer vollwertigen Industrienation befinden. Das Kennzeichen dieser Länder ist ein überdurchschnittlich hohes Wirtschaftswachstumspotenzial, eine wachsende Mittelschicht, zunehmende Urbanisierung und ein sich dynamisch entwickelnder Kapitalmarkt – bei gleichzeitig noch instabileren politischen, rechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen im Vergleich zu etablierten Industriestaaten.

Um Schwellenländer von anderen Kategorien abzugrenzen, unterscheiden Finanzfachleute üblicherweise drei Stufen: Developed Markets (entwickelte Märkte) wie die USA, Deutschland oder Japan stehen für wirtschaftlich ausgereifte Volkswirtschaften mit stabilen Institutionen und tiefen Kapitalmärkten. Emerging Markets bilden die mittlere Kategorie – Länder wie China, Indien, Brasilien, Südafrika oder Mexiko. Und schließlich gibt es noch die sogenannten Frontier Markets, also Grenzmärkte, die noch früher in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung stehen und ein noch höheres, aber auch riskanteres Potenzial aufweisen – Beispiele sind Vietnam, Nigeria oder Rumänien.

Die international maßgeblichen Klassifizierungssysteme stammen von zwei Indexanbietern: MSCI (Morgan Stanley Capital International) und FTSE Russell. Beide führen eigene Listen der Länder, die sie als Schwellenland einstufen, und überprüfen diese regelmäßig anhand von Kriterien wie Marktgröße, Liquidität, Marktzugang für ausländische Investoren und regulatorischer Qualität. Für dich als Anleger ist das wichtig, weil sich die Zusammensetzungen der Indizes der beiden Anbieter teilweise unterscheiden – und damit auch die ETFs, die auf ihnen basieren.

AspektWorauf es ankommt
Der MSCI Emerging Markets Index enthält Länder aus Asien, Lateinamerika, Europa (Osteuropa) und Afrika/Naher Osten – die genaue Zusammensetzung wird regelmäßig überprüft.,
Die größten Gewichte im MSCI EM entfallen typischerweise auf China, Indien, Taiwan und Südkorea – die tatsächliche Gewichtung ändert sich laufend.,
FTSE Russell klassifiziert Südkorea als Developed Market, MSCI hingegen als Emerging Market – ein wichtiger Unterschied beim ETF-Vergleich.,
Länder können auf- oder absteigen: Ein Auf- oder Abstieg (z. B. von Frontier zu Emerging) hat direkte Auswirkungen auf Indexzusammensetzung und ETF-Portfolios.,
Praxistipp: Vor dem ETF-Kauf unbedingt das Factsheet lesen – die Länderliste des konkreten ETF kann sich von Medienberichten über 'den EM-Index' unterscheiden.,

Welche Länder gehören zu den Emerging Markets?

Ein Emerging-Markets-ETF bildet einen Index (z. B. MSCI EM oder FTSE Emerging Markets) passiv nach und ermöglicht so breite Streuung über Hunderte von Unternehmen.

Der MSCI Emerging Markets Index ist einer der meistbeachteten Aktienindizes der Welt und umfasst Unternehmen aus verschiedenen Regionen: Asien (z. B. China, Indien, Taiwan, Südkorea, Indonesien, Thailand), Lateinamerika (z. B. Brasilien, Mexiko, Chile), Osteuropa (z. B. Polen, Tschechien), den Nahen Osten sowie Afrika (z. B. Südafrika, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate). Die genaue Länderliste und vor allem die Gewichtungen werden mindestens einmal jährlich überprüft und können sich ändern.

Besonders auffällig ist, dass die Gewichtung im MSCI EM stark konzentriert ist: Die größten Anteile entfallen typischerweise auf China, Indien, Taiwan und Südkorea – diese vier Länder allein machen oft mehr als die Hälfte des gesamten Index aus. Das hat eine wichtige Konsequenz: Ein EM-ETF ist kein gleichgewichtetes Abbild aller Schwellenländer, sondern in Wirklichkeit ein stark asiatisch geprägtes Investment. Wer das nicht weiß, kann von Kursbewegungen überrascht werden, die vor allem aus wenigen Großmärkten stammen.

Interessant ist auch der Unterschied zwischen MSCI und FTSE Russell: Südkorea beispielsweise wird von MSCI als Emerging Market geführt, von FTSE Russell hingegen als Developed Market eingestuft. Das bedeutet: Ein ETF auf den MSCI Emerging Markets enthält Südkorea, ein ETF auf den FTSE Emerging Markets hingegen nicht. Beim ETF-Vergleich lohnt es sich deshalb, genau in das Factsheet zu schauen, welchem Index der jeweilige ETF folgt. Außerdem können Länder auf- oder absteigen: Ein Aufstieg von Frontier zu Emerging oder ein Abstieg zurück hat direkte Auswirkungen auf die Indexzusammensetzung – und damit auf alle ETFs, die diesen Index abbilden. Das Beispiel Russland nach 2022 zeigt, wie gravierend ein Delisting sein kann.

AUF EINEN BLICK

  • Zwei Replikationsmethoden: physisch (ETF kauft tatsächlich die Aktien) vs. synthetisch (über Swap-Kontrakte) – beide haben Vor- und Nachteile bezüglich Kosten und Kontrahentenrisiko.
  • Thesaurierend vs. ausschüttend: Thesaurierende ETFs reinvestieren Dividenden automatisch – für Anleger:innen im Vermögensaufbau oft vorteilhaft durch den Zinseszinseffekt.
  • Laufende Kosten (TER): EM-ETFs sind in der Regel teurer als MSCI-World-ETFs; die TER variiert je nach Anbieter – immer im Factsheet prüfen.
  • Sparplan-Eignung: Die meisten großen EM-ETFs sind bei Neobrokern und Direktbanken als Sparplan ausführbar, oft schon ab kleinen monatlichen Beträgen – ideal für alle, die mit einem begrenzten Budget starten möchten.

Emerging-Markets-ETF: So funktioniert das Investment

Höheres Wachstumspotenzial: Schwellenländer wachsen strukturell schneller als viele Industrieländer – steigende Mittelschicht, Urbanisierung und Digitalisierung treiben die Unternehmensgewinne.

Ein Exchange Traded Fund (ETF) ist ein börsengehandelter Indexfonds, der einen bestimmten Index passiv nachbildet. Ein Emerging-Markets-ETF tut genau das für einen Schwellenländerindex wie den MSCI Emerging Markets oder den FTSE Emerging Markets. Das Ergebnis: Mit einem einzigen Produkt investierst du gleichzeitig in Hunderte oder sogar Tausende von Unternehmen aus zahlreichen Ländern – ganz ohne aktives Fondsmanagement und oft zu deutlich günstigeren Kosten als bei aktiv verwalteten Fonds.

Bei der technischen Umsetzung gibt es zwei grundlegende Replikationsmethoden. Physische ETFs kaufen tatsächlich die im Index enthaltenen Aktien – entweder vollständig (Full Replication) oder als repräsentative Auswahl (Optimized Sampling). Synthetische ETFs bilden den Index hingegen über sogenannte Swap-Kontrakte nach, also Vereinbarungen mit einer Gegenpartei (meist einer Bank), die die Indexrendite liefert. Physische Replikation gilt als transparenter und vermeidet das Kontrahentenrisiko, kann aber bei sehr vielen oder illiquiden Titeln – wie manchen EM-Aktien – teurer in der Umsetzung sein. Synthetische ETFs können in manchen Märkten günstiger oder steuerlich effizienter sein, bringen dafür aber ein gewisses Gegenparteirisiko mit sich. Welche Methode ein ETF verwendet, steht im Factsheet.

Ein weiterer wichtiger Unterschied liegt in der Ausschüttungspolitik. Thesaurierende ETFs reinvestieren Dividenden automatisch – das klingt unspektakulär, ist aber für den langfristigen Vermögensaufbau enorm wertvoll: Der Zinseszinseffekt arbeitet still für dich. Ausschüttende ETFs zahlen Dividenden regelmäßig auf dein Verrechnungskonto aus – das kann sinnvoll sein, wenn du das Geld anderweitig verwenden willst, kostet aber im direkten Vergleich beim Zinseszins etwas. Für Sparer:innen mit langfristigem Horizont ist die thesaurierende Variante daher häufig die praktischere Wahl. Die laufenden Kosten (Total Expense Ratio, TER) sind bei EM-ETFs typischerweise etwas höher als bei MSCI-World-ETFs – immer konkret im Factsheet nachschauen und dabei auch die sogenannte Tracking Difference berücksichtigen, die die tatsächliche Abweichung vom Index widerspiegelt.

AUF EINEN BLICK

  • Diversifikationseffekt: EM-Märkte korrelieren nicht perfekt mit Industrieländerbörsen, was das Gesamtportfolio-Risiko in bestimmten Marktphasen senken kann.
  • Günstige Bewertungen: EM-Aktien werden historisch oft mit Bewertungsabschlägen gegenüber US- oder europäischen Aktien gehandelt (KGV-Vergleich), was Renditepotenzial birgt.
  • Demografischer Vorteil: Viele Schwellenländer haben eine junge, wachsende Erwerbsbevölkerung – ein langfristiger Wachstumstreiber.
  • Für Anleger:innen: Wer einen langen Zeithorizont hat (10+ Jahre), kann kurzfristige Schwankungen aussitzen und von langfristigen Trends profitieren.

Chancen von Emerging-Markets-Investments: Das spricht dafür

Politisches Risiko: Regierungswechsel, Enteignungen, Kapitalverkehrskontrollen oder geopolitische Konflikte können Kurse stark beeinflussen (z. B. Russland 2022: Delisting aus EM-Indizes).

Das offensichtlichste Argument für ein Engagement in Schwellenländern ist das höhere Wirtschaftswachstumspotenzial. Viele Emerging Markets wachsen strukturell deutlich schneller als die meisten Industrienationen – angetrieben von einer wachsenden Mittelschicht, rasanter Urbanisierung und einer zunehmenden digitalen Durchdringung der Wirtschaft. Wenn mehr Menschen in einer Gesellschaft Zugang zu Finanzdienstleistungen, E-Commerce oder Smartphones bekommen, entstehen Unternehmensgewinne, die noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wären. Langfristig orientierte Anleger wollen an dieser Entwicklung partizipieren.

Hinzu kommt ein Diversifikationseffekt: EM-Märkte korrelieren nicht perfekt mit den Börsen der Industrieländer. Das bedeutet, dass sie in bestimmten Marktphasen andere Kursbewegungen zeigen als etwa US-amerikanische oder europäische Aktien. Wer sein Portfolio auf mehrere Regionen und Wirtschaftszyklen verteilt, kann das Gesamtrisiko in manchen Situationen reduzieren. Das ist keine Garantie gegen Verluste, aber ein struktureller Vorteil einer globalen Streuung.

Historisch betrachtet werden EM-Aktien oft mit einem Bewertungsabschlag gegenüber US- oder europäischen Aktien gehandelt – das heißt, ihre Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) sind häufig niedriger. Günstigere Bewertungen können langfristig höhere Renditen begünstigen, sofern sich das Gewinnwachstum materialisiert. Ergänzend spielt ein demografischer Vorteil eine Rolle: Viele Schwellenländer haben eine junge und wachsende Erwerbsbevölkerung. Diese demografische Dividende kann über Jahrzehnte hinweg Wirtschaftsleistung und Konsum antreiben – ein langfristiger Rückenwind für Unternehmensgewinne und Aktienkurse.

AUF EINEN BLICK

  • Währungsrisiko: EM-ETFs enthalten Positionen in lokalen Währungen – Wechselkursschwankungen gegenüber dem Euro verstärken die Volatilität.
  • Konzentrationsrisiko: Im MSCI EM dominieren wenige Länder und Sektoren (z. B. Tech in Taiwan/China) – keine 'echte' Gleichgewichtung aller Schwellenländer.
  • Liquiditätsrisiko: Einzelne Schwellenländerbörsen sind weniger liquide; bei ETFs ist das meist abgemildert, aber in Krisenzeiten können Spreads steigen.
  • Höhere Volatilität: EM-Investments können deutlich stärker schwanken als ein reiner MSCI-World-ETF – nur investieren, was man langfristig entbehren kann.

Risiken und Nachteile – was du als Anleger:in wissen musst

Marktkapitalisierungsgewichtung als Orientierung: Wer ein weltweites Aktienportfolio hält, kann den EM-Anteil an der globalen Marktkapitalisierung orientieren – dieser liegt je nach Quelle und Zeitpunkt zwischen rund 10 % und 15 % (aktuellen Wert prüfen).

So verlockend die Wachstumsstory auch klingt: Emerging Markets sind mit spezifischen Risiken verbunden, die über das hinausgehen, was du bei einem reinen MSCI-World-Investment erwartest. Das prominenteste ist das politische Risiko. Regierungswechsel, staatliche Eingriffe in Unternehmen, Enteignungen, Kapitalverkehrskontrollen oder geopolitische Konflikte können Aktienkurse massiv beeinflussen. Das drastischste Beispiel der jüngeren Vergangenheit ist Russland: Nach dem Angriff auf die Ukraine 2022 wurden russische Aktien aus sämtlichen MSCI- und FTSE-Indizes ausgelistet – Anleger erlitten in vielen Fällen Totalverluste auf ihre russischen Positionen, weil die Aktien faktisch nicht mehr handelbar waren.

Ein weiteres unterschätztes Risiko ist das Währungsrisiko. EM-ETFs enthalten Positionen in lokalen Währungen – brasilianischen Reais, indischen Rupien, südafrikanischen Rand und viele mehr. Wechselkursschwankungen dieser Währungen gegenüber dem Euro können deine tatsächliche Rendite erheblich beeinflussen: Gewinnt eine EM-Aktie in lokaler Währung 15 %, während die lokale Währung gegenüber dem Euro um 10 % abwertet, bleibt für dich als Euro-Investor deutlich weniger übrig. Currency-Hedged-ETFs gibt es zwar, aber sie kosten mehr und sind für langfristige Anleger oft nicht empfehlenswert.

Dazu kommt das Konzentrationsrisiko: Wie bereits erwähnt, dominieren wenige Länder (vor allem China) und Sektoren (z. B. Technologie in Taiwan und China) den MSCI Emerging Markets Index. Das bedeutet, du bist mit einem Standard-EM-ETF weit weniger global diversifiziert, als der Name vermuten lässt. Regulatorische Eingriffe der chinesischen Regierung in Technologieunternehmen – wie wir sie in den Jahren 2020 bis 2022 gesehen haben – können den gesamten EM-Index spürbar belasten. Schließlich gibt es ein Liquiditätsrisiko: Einzelne Schwellenländerbörsen sind weniger liquide als Märkte in den USA oder Europa. Bei ETFs ist das in der Regel abgefedert, aber in extremen Stressphasen können die Spreads – also die Differenz zwischen An- und Verkaufskurs – merklich steigen.

AUF EINEN BLICK

  • Kombination MSCI World + EM ETF: Diese '70/30'- oder '80/20'-Aufteilung ist in der deutschen Finanz-Community verbreitet – die 'optimale' Aufteilung ist jedoch eine persönliche Entscheidung, kein Naturgesetz.
  • ACWI-Alternative: Ein MSCI ACWI oder FTSE All-World ETF enthält EM automatisch integriert – einfacher für Einsteiger mit wenig Zeit.
  • Risikobereitschaft entscheidet: Wer nur 100–200 € pro Monat sparen kann, fährt mit einem einzigen breit gestreuten All-World-ETF oft einfacher als mit einer komplexen Multi-ETF-Strategie.
  • Praxistipp: Den eigenen Vermögensaufbau-Plan realistisch und individuell durchrechnen – unser Rechner hilft dabei.

Wie viel Emerging-Markets-Anteil ist im Portfolio sinnvoll?

Für Aktien-ETFs mit mindestens 51 % Aktienquote gilt in Deutschland die Teilfreistellung – ein festgelegter Prozentsatz der Erträge bleibt steuerfrei (aktuellen Satz beim Bundeszentralamt für Steuern prüfen).

Die Frage nach der „richtigen" EM-Quote ist letztendlich eine persönliche Entscheidung – und keine, die eine universell korrekte Antwort hat. Eine gängige Orientierungsgröße ist die Marktkapitalisierungsgewichtung: Wer ein weltweit diversifiziertes Aktienportfolio anstrebt, kann den EM-Anteil grob an der globalen Marktkapitalisierung ausrichten. Je nach Quelle und Zeitpunkt macht der Anteil der Schwellenländer an der globalen Börsenkapitalisierung rund 10 bis 15 Prozent aus – dieser Wert ändert sich laufend und sollte regelmäßig überprüft werden.

In der deutschen Finanz-Community ist die Kombination aus MSCI World ETF und Emerging-Markets-ETF sehr verbreitet. Die oft zitierten Aufteilungen – etwa 70 % MSCI World und 30 % EM oder 80 % zu 20 % – geben eine Orientierung, sind aber kein Naturgesetz. Eine höhere EM-Quote bedeutet mehr Wachstumspotenzial, aber auch mehr Volatilität. Wer eine geringere Risikobereitschaft hat oder gerade erst mit dem Investieren anfängt, könnte mit einer niedrigeren EM-Quote besser schlafen.

Eine einfachere Alternative bietet sich mit einem MSCI ACWI (All Country World Index) oder einem FTSE All-World ETF. Diese Indizes kombinieren Industrieländer und Schwellenländer in einem einzigen Produkt – du bekommst automatisch einen EM-Anteil, ohne zwei separate ETFs managen zu müssen. Das ist besonders für Einsteiger und für Menschen mit wenig Zeit attraktiv. Wenn du monatlich nur 100 bis 200 Euro sparen kannst, ist ein einziger breit gestreuter All-World-ETF oft die pragmatischere und nervenfreundlichere Lösung als eine aufwändige Multi-ETF-Strategie. Weniger Komplexität bedeutet weniger Rebalancing-Aufwand und weniger Anlass, in Stressphasen emotional auf Kursschwankungen zu reagieren.

AUF EINEN BLICK

  • Vorabpauschale: Auch thesaurierende ETFs unterliegen jährlich der Vorabpauschale, die auf dem Basiszins der Deutschen Bundesbank berechnet wird – der aktuelle Basiszins ist jedes Jahr neu zu prüfen.
  • Sparer-Pauschbetrag: Singles können pro Jahr einen bestimmten Betrag an Kapitalerträgen steuerfrei erhalten – den aktuellen Betrag beim Bundeszentralamt für Steuern oder §20 EStG nachschlagen.
  • Freistellungsauftrag nicht vergessen: Bei der Depotbank einen Freistellungsauftrag einrichten, damit keine automatische Abführung von Kapitalertragsteuer unter dem Freibetrag erfolgt.
  • Für Sparer:innen mit geringem Einkommen: Unter Umständen lohnt eine Günstigerprüfung in der Steuererklärung – bei Grenzsteuersatz unter 25 % kann die Abgeltungssteuer zurückgeholt werden.

Steuern auf Emerging-Markets-ETFs: Das gilt in Deutschland

Market Timing versuchen: EM-Märkte sind besonders unvorhersehbar – Cost-Averaging per Sparplan reduziert das Einstiegszeitpunkt-Risiko.

Für deutsche Anleger unterliegen Erträge aus ETFs grundsätzlich der Abgeltungsteuer in Höhe von 25 % zuzüglich des Solidaritätszuschlags von 5,5 % auf die Steuer sowie gegebenenfalls Kirchensteuer. Allerdings gibt es eine wichtige Vergünstigung: Die sogenannte Teilfreistellung. Aktien-ETFs, die mindestens 51 % ihres Vermögens in Aktien halten – was bei Standard-EM-ETFs der Fall ist –, profitieren davon, dass ein festgelegter Prozentsatz der Erträge steuerfrei gestellt wird. Den jeweils aktuell gültigen Satz findest du beim Bundeszentralamt für Steuern oder in der aktuellen Fassung des Investmentsteuergesetzes (InvStG).

Thesaurierende ETFs – also solche, die Dividenden automatisch reinvestieren – unterliegen in Deutschland seit der Investmentsteuerreform 2018 jährlich der sogenannten Vorabpauschale. Diese wird auf Basis des Basiszinses der Deutschen Bundesbank berechnet und soll verhindern, dass Erträge dauerhaft unversteuert im ETF verbleiben. Der Basiszins wird jährlich neu festgesetzt und kann sich stark verändern – der konkrete Wert ist daher jedes Jahr neu zu überprüfen. Wichtig zu wissen: Die Vorabpauschale wird von deinem Verrechnungskonto abgebucht, auch wenn du keine Anteile verkaufst. Stelle sicher, dass dort ausreichend Guthaben vorhanden ist.

Gute Nachricht für alle Anleger mit überschaubaren Kapitalerträgen: Der Sparer-Pauschbetrag beträgt 1.000 Euro pro Jahr für Ledige und 2.000 Euro für Verheiratete und eingetragene Lebenspartner. Bis zu dieser Grenze bleiben Kapitalerträge – also Dividenden, realisierte Kursgewinne und die Vorabpauschale zusammengerechnet – vollständig steuerfrei. Um sicherzustellen, dass deine Depotbank keine automatische Kapitalertragsteuer abführt, solltest du dort unbedingt einen Freistellungsauftrag einrichten – das geht in wenigen Minuten online. Wenn du mehrere Depots oder Konten bei verschiedenen Banken hast, kann der Freibetrag aufgeteilt werden, darf aber in der Summe 1.000 Euro nicht überschreiten.

AUF EINEN BLICK

  • Nur auf vergangene Performance schauen: Hohe Renditen der Vergangenheit sind kein Indikator für die Zukunft – Factsheets und Indexmethodik selbst lesen.
  • Einzelne EM-Länder-ETFs übergewichten: Ein reiner China-ETF oder Indien-ETF ist kein diversifiziertes EM-Investment, sondern ein Länderwett.
  • Kosten unterschätzen: Neben der TER zählen auch die Transaktionskosten, der Spread und die Tracking Difference – Gesamtkostenbetrachtung anstellen.
  • Fehlende Notfallreserve: Nie in ETFs investieren, solange kein Notgroschen (empfohlen: mehrere Nettomonatsgehälter liquide) vorhanden ist.

Häufige Fehler beim Emerging-Markets-Investment vermeiden

Der vielleicht verbreitetste Fehler ist der Versuch, das richtige Ein- oder Ausstiegssignal zu erwischen – sogenanntes Market Timing. EM-Märkte sind aufgrund ihrer politischen und wirtschaftlichen Dynamik besonders schwer vorherzusagen: Selbst erfahrene Fondsmanager scheitern regelmäßig an diesem Versuch. Die bewährtere Alternative für Einsteiger ist ein regelmäßiger Sparplan, der das Investment in gleichmäßigen Abständen (z. B. monatlich) in den ETF fließen lässt. Dieses Cost-Averaging-Prinzip kauft bei niedrigen Kursen automatisch mehr Anteile und bei hohen Kursen weniger – ohne dass du eine Kursprognose abgeben musst.

Ein weiterer klassischer Fehler ist der Blick ausschließlich auf die vergangene Performance. „Der Index hat in den letzten fünf Jahren X Prozent gemacht" ist keine verlässliche Grundlage für eine Investitionsentscheidung – insbesondere nicht bei Emerging Markets, die sehr zyklisch sein können. Statt auf bunte Renditebalken zu schielen, lohnt es sich, das Factsheet des ETFs zu lesen: Welcher Index wird nachgebildet? Wie wird er konstruiert? Was sind die größten Positionen? Diese Informationen sind kostenlos verfügbar und helfen dir, fundierte Entscheidungen zu treffen.

Viele Einsteiger machen auch den Fehler, einen einzelnen EM-Länder-ETF für ein diversifiziertes Schwellenland-Investment zu halten. Ein reiner China-ETF oder ein reiner Indien-ETF ist im Kern eine Länderwette – du konzentrierst all dein EM-Budget auf ein einzelnes politisches und wirtschaftliches Umfeld. Das kann in guten Phasen beeindruckend outperformen, aber in schlechten Zeiten dramatisch verlieren. Wer wirklich breit über Schwellenländer diversifizieren möchte, ist mit einem breit aufgestellten EM-Index-ETF besser bedient. Schließlich werden Kosten häufig unterschätzt: Neben der TER fallen auch Transaktionskosten, der Spread beim Kauf und Verkauf sowie steuerliche Aspekte ins Gewicht. Die sogenannte Tracking Difference – also wie gut der ETF seinen Index tatsächlich abbildet – kann ein nützlicherer Kostenindikator sein als die TER allein, da sie die Gesamtperformance im Verhältnis zum Index zeigt.

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Häufige Fragen

Emerging Markets bedeutet auf Deutsch 'Schwellenländer'. Damit sind Länder gemeint, die sich wirtschaftlich in einer Aufholphase zu den Industrienationen befinden, wie zum Beispiel China, Indien oder Brasilien.

Der bekannteste Emerging-Markets-ETF ist der auf den MSCI Emerging Markets Index, wobei konkrete Produktnamen je nach Anbieter variieren. Dieser Index gilt als Standard für die Abbildung der Schwellenländer-Aktienmärkte.

Emerging-Markets-ETFs sind grundsätzlich für alle Anleger geeignet, sofern sie die höheren Risiken und Kursschwankungen verstehen. Sie sollten jedoch nur als Beimischung zu einem breit diversifizierten Depot dienen, nicht als alleinige Anlage.

Der Anteil der Emerging Markets an der gesamten Weltbörsenkapitalisierung liegt in der Regel zwischen zehn und fünfzehn Prozent, wobei dieser Wert je nach Index und Berechnungsmethode schwankt. Er ist in den letzten Jahrzehnten tendenziell gestiegen, bleibt aber deutlich hinter den Industrieländern zurück.

Der MSCI World bildet Aktien aus 23 Industrieländern ab, während der MSCI Emerging Markets nur Schwellenländer enthält. Der MSCI World gilt als risikoärmer und stabiler, der MSCI Emerging Markets als wachstumsstärker, aber auch volatiler.

Emerging-Markets-ETFs werden in Deutschland wie alle Aktienfonds besteuert: Auf Dividenden und Kursgewinne fällt die Abgeltungsteuer an, wobei ein Teil der Erträge steuerfrei bleibt. Zudem greift die Vorabpauschale, die jährlich auf die Wertsteigerung des Fonds berechnet wird.

Wenn ein Land aus dem Index fliegt, wird es vom ETF-Anbieter automatisch verkauft und die Erlöse in verbleibende Index-Mitglieder reinvestiert. Für Anleger entstehen dadurch keine direkten Kosten, aber es kann zu kurzfristigen Kursschwankungen kommen.

Ja, du kannst mit kleinen Beträgen in Emerging Markets investieren, da viele ETFs als Sparplan bereits ab geringen monatlichen Raten besparbar sind. Wichtig ist, dass du die Gebühren im Blick behältst und langfristig denkst, da kurzfristige Schwankungen bei Schwellenländern besonders stark ausfallen können.

Quellen & Stand 09.07.2026

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StudySmarter-Redaktion

Finanz-Redaktion · StudySmarter
Marie macht Finanzthemen für Studierende verständlich – von der ersten Versicherung bis zum ersten Sparplan.

Redaktionell geprüft. Alle Zahlen mit Quellenangabe, Stand 09.07.2026. Dieser Artikel ist Finanzbildung – keine Rechts- oder Steuerberatung.

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