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Crowdinvesting: So funktioniert die Schwarmfinanzierung für Kleinanleger
Beim Crowdinvesting finanzieren viele Kleinanleger gemeinsam ein Unternehmen oder Projekt und erhalten dafür eine erfolgsabhängige Vergütung. Diese Anlageform verbindet hohe Renditechancen mit einem erheblichen Risiko für dein eingesetztes Kapital.
9 Kapitel · 14 Min. Lesezeit · Aktualisiert 12.10.2026
Das Wichtigste
- Crowdinvesting ist eine Form der Schwarmfinanzierung, bei der du dich meist über ein partiarisches Nachrangdarlehen an einem Unternehmen beteiligst.
- Deine Rendite hängt vom wirtschaftlichen Erfolg des Projekts ab und ist nicht garantiert.
- Im Falle einer Insolvenz des Unternehmens kann dein eingesetztes Kapital vollständig verloren gehen.
- Die Beteiligung erfolgt über eine Crowdinvesting-Plattform, die das Projekt vorab prüft.
01 · Grundlagen
Was ist Crowdinvesting?
Crowdinvesting ist eine spezielle Form der Schwarmfinanzierung, bei der du als Geldgeber eine Beteiligung an einem Unternehmen oder Projekt eingehst. Im Gegensatz zum klassischen Crowdfunding steht für dich die Rendite im Fokus.
Du erwirbst dabei eine Beteiligung, die dich an der wirtschaftlichen Entwicklung teilhaben lässt. Anders als beim klassischen Crowdfunding steht für dich nicht eine Sachleistung im Vordergrund, sondern die Aussicht auf eine Rendite.
Die Beteiligung erfolgt in der Regel über ein partiarisches Nachrangdarlehen oder einen Genussrechtsvertrag. Dein eingesetztes Kapital wird für eine festgelegte Laufzeit gebunden, während der du eine erfolgsabhängige Vergütung erhalten kannst. Gleichzeitig trägst du das Risiko, dass das Unternehmen scheitert und dein Geld ganz oder teilweise verloren geht.
Für Unternehmen ist diese Form der Schwarmfinanzierung besonders dann interessant, wenn der Kapitalbedarf für klassische Venture-Capital-Geber noch zu gering ist. Die Plattform bündelt viele kleine Beträge und leitet sie gebündelt an das Unternehmen weiter.
Kurz erklärt
Crowdinvesting
Eine Finanzierungsform, bei der eine Vielzahl von Kleinanlegern über eine Online-Plattform Kapital in ein Unternehmen oder Projekt investiert und dafür eine erfolgsabhängige Vergütung erhält.
Du wirst als Investor an der wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmens beteiligt und trägst gleichzeitig das Risiko eines Verlustes.
02 · Vergleich
Crowdinvesting und Crowdfunding: Wo liegt der Unterschied?
Beide Begriffe werden oft synonym verwendet, beschreiben aber unterschiedliche Modelle. Der zentrale Unterschied liegt in der Gegenleistung, die du für dein Geld erhältst.
Beim klassischen Crowdfunding unterstützt du eine Idee oder ein Produkt und bekommst dafür in der Regel eine Sachleistung, etwa das fertige Produkt oder ein Dankeschön. Ein Beteiligungsverhältnis am Unternehmen entsteht dabei nicht.
Beim Crowdinvesting hingegen gehst du ein Beteiligungsverhältnis ein und wirst am wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens beteiligt. Dein Ziel ist die Rendite, die durch Wertsteigerung oder Gewinnbeteiligung entstehen kann. Damit trägst du beim Crowdinvesting ein unternehmerisches Risiko, das es beim klassischen Crowdfunding in dieser Form nicht gibt.
Für dich als Anleger bedeutet das: Beim Crowdinvesting prüfst du Geschäftsmodell, Finanzzahlen und Marktchancen wie bei einem klassischen Investment. Beim Crowdfunding entscheidest du eher danach, ob dich das Produkt oder die Idee überzeugt.
| Crowdinvesting | Crowdfunding | |
|---|---|---|
| Gegenleistung | Beteiligung am Unternehmen oder Projekt | Sachleistung oder immaterielle Leistung |
| Ziel des Geldgebers | Rendite durch Wertsteigerung oder Gewinnbeteiligung | |
| Vertragsverhältnis | Beteiligungsverhältnis (z.B. Nachrangdarlehen) | Kein Beteiligungsverhältnis |
03 · Schritt für Schritt
So läuft ein Crowdinvesting ab
Der Ablauf eines Crowdinvestings folgt einem klaren Prozess, von der Projektprüfung bis zur Auszahlung des Kapitals. Als Anleger steigst du in der Investmentphase ein.
Bevor du als Anleger investieren kannst, durchläuft das Unternehmen eine Prüfung durch die Plattform. Die Plattform kontrolliert Geschäftsmodell, Businessplan und Finanzzahlen, um die Plausibilität des Vorhabens zu bewerten. Erst nach erfolgreicher Prüfung wird das Projekt auf der Website vorgestellt.
In der Investmentphase kannst du dich anhand der bereitgestellten Unterlagen informieren und einen Betrag deiner Wahl investieren. Die Mindestbeteiligung variiert je nach Plattform und liegt häufig zwischen 50 und 500 Euro, bei einigen Anbietern sind auch kleinere Beträge ab 5 oder 10 Euro möglich.
- Das Unternehmen reicht seine Unterlagen bei der Crowdinvesting-Plattform ein.
- Die Plattform prüft Geschäftsmodell, Businessplan und Finanzzahlen.
- Das Projekt wird mit Kurzbeschreibung und oft einem Video vorgestellt.
- Du investierst innerhalb der festgelegten Investmentphase einen Betrag deiner Wahl.
- Nach erfolgreicher Finanzierung erhältst du deinen Beteiligungsvertrag und das Kapital fließt an das Unternehmen.
Nach Abschluss der Investmentphase stellt die Plattform die Beteiligungsverträge aus und überweist das eingesammelte Kapital an den Projektinitiator. Während der Laufzeit wirst du über Statusberichte über die wirtschaftliche Entwicklung informiert.
Projektprüfung durch die Plattform
Das Unternehmen reicht seine Unterlagen bei der Crowdinvesting-Plattform ein. Die Plattform prüft Geschäftsmodell, Businessplan und Finanzzahlen, bevor das Projekt freigeschaltet wird.
Vorstellung auf der Plattform
Das Projekt wird mit einer Kurzbeschreibung, oft auch einem Video, auf der Website der Plattform präsentiert. Du kannst dich dort über die geplante Rendite und die Risiken informieren.
Investmentphase
Du und andere Anleger können innerhalb eines festgelegten Zeitraums Geld investieren. Die Mindestbeteiligung variiert je nach Plattform und kann bei wenigen Euro beginnen oder auch 250 Euro oder 500 Euro betragen.
Vertragsabwicklung und Auszahlung
Wurde das Finanzierungsziel erreicht, erhältst du deinen Beteiligungsvertrag. Das eingesammelte Kapital wird an das Unternehmen ausgezahlt.
Laufzeit und Statusberichte
Während der Beteiligungsdauer informiert das Unternehmen regelmäßig über die wirtschaftliche Entwicklung. Deine Vergütung hängt vom Projekterfolg ab.
04 · Im Vertrag
Das partiarische Nachrangdarlehen als Standardmodell
Die derzeit verbreitetste Form der Beteiligung beim Crowdinvesting ist das partiarische Nachrangdarlehen. Es kombiniert eine erfolgsabhängige Vergütung mit einem nachrangigen Zahlungsanspruch.
Du erhältst dabei keinen festen Zins, sondern eine Vergütung, die sich an der wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmens orientiert. Die Höhe deiner Rendite ist daher variabel und nicht garantiert.
Der Begriff Nachrang bedeutet, dass dein Darlehen im Falle einer Insolvenz erst nach allen anderen Fremdkapitalgebern wie Banken oder Lieferanten bedient wird. Im Extremfall erhältst du dein Geld gar nicht zurück. Diese Nachrangigkeit ist der Preis für die im Erfolgsfall höhere Vergütung.
Ein Vorteil dieses Modells liegt in der aufsichtsrechtlichen Einordnung: Ein partiarisches Nachrangdarlehen unterliegt keiner Prospektpflicht nach dem Vermögensanlagegesetz. Stattdessen muss ein Vermögensanlagen-Informationsblatt erstellt werden, das von der BaFin gestattet wird.
Wichtige Vertragsbestandteile und ihre Bedeutung
05 · Was gilt
Welche Rolle spielt die BaFin?
Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ist die zentrale Aufsichtsbehörde für den Finanzmarkt in Deutschland. Beim Crowdinvesting kommt ihr eine wichtige Rolle bei der Prüfung von Informationsblättern zu.
Vermögensanlagen-Informationsblätter (VIB) müssen von der BaFin gestattet werden, bevor sie veröffentlicht werden dürfen. Die BaFin prüft dabei, ob das Informationsblatt die gesetzlichen Vorgaben des Vermögensanlagegesetzes erfüllt und alle erforderlichen Angaben enthält. Eine inhaltliche Prüfung der wirtschaftlichen Tragfähigkeit des Projekts ist damit nicht verbunden.
Für dich bedeutet das: Die BaFin-Gestattung ist kein Gütesiegel für die Qualität des Investments. Sie bestätigt nur, dass die formalen Anforderungen an die Informationspflichten erfüllt sind. Die wirtschaftliche Prüfung des Projekts bleibt deine eigene Aufgabe.
Unterliegt der BaFin-Prüfung
Unterliegt nicht der BaFin-Prüfung
06 · Checkliste
Renditechancen und Risiken für Kleinanleger
Crowdinvesting bietet dir die Chance auf überdurchschnittliche Renditen, birgt aber auch ein hohes Verlustrisiko. Eine sorgfältige Abwägung ist daher unerlässlich.
Crowdinvesting bietet dir die Chance auf überdurchschnittliche Renditen, die deutlich über den Zinsen klassischer Geldanlagen liegen können. Diese Chance ist jedoch untrennbar mit einem hohen Verlustrisiko verbunden. Verbraucherschützer weisen darauf hin, dass diese Investmentform vor allem für Kleinanleger gefährlich sein kann, weil im Vorfeld oft zu wenig über die Geldanlage bekannt ist und keine Preisbildung über den Markt stattfindet.
Ein zentrales Risiko ist der vollständige Verlust deines eingesetzten Kapitals, wenn das Unternehmen scheitert oder das Projekt nicht wie geplant umgesetzt wird. Hinzu kommt, dass es in der Regel keinen funktionierenden Zweitmarkt für deine Beteiligung gibt. Ein vorzeitiger Ausstieg ist meist nicht möglich, du bist für die gesamte Vertragslaufzeit gebunden.
Bevor du investierst, solltest du daher mehrere Punkte sorgfältig prüfen. Nur wenn du alle Risiken verstehst und den Verlust verkraften kannst, ist ein Investment vertretbar.
- Verstehe das Geschäftsmodell des Unternehmens vollständig.
- Prüfe die Bonität und die bisherige Entwicklung des Projektinitiators.
- Lies das Vermögensanlagen-Informationsblatt (VIB) sorgfältig durch.
- Investiere nur Geld, dessen vollständigen Verlust du verkraften kannst.
- Mache dir bewusst, dass es keinen funktionierenden Zweitmarkt für deine Beteiligung gibt.
- Plane eine lange Beteiligungsdauer ein, da ein vorzeitiger Ausstieg meist nicht möglich ist.
Das solltest du vor einer Investition prüfen
Verstehe das Geschäftsmodell des Unternehmens vollständig.
Prüfe die Bonität und die bisherige Entwicklung des Projektinitiators.
Lies das Vermögensanlagen-Informationsblatt (VIB) sorgfältig durch.
Investiere nur Geld, dessen vollständigen Verlust du verkraften kannst.
Mache dir bewusst, dass es keinen funktionierenden Zweitmarkt für deine Beteiligung gibt.
Plane eine lange Beteiligungsdauer ein, da ein vorzeitiger Ausstieg meist nicht möglich ist.
07 · Fehler vermeiden
Typische Fehler beim Einstieg in die Schwarmfinanzierung
Viele Kleinanleger unterschätzen die Risiken oder treffen Entscheidungen aus einer emotionalen Haltung heraus. Diese Fehler kannst du vermeiden.
Ein häufiger Fehler ist, die Renditeversprechen als garantiert anzusehen. Tatsächlich ist die Rendite beim Crowdinvesting immer erfolgsabhängig und kann im ungünstigsten Fall vollständig ausfallen.
Ein weiterer Fehler ist die Konzentration des gesamten Ersparten auf ein einzelnes Projekt. Wenn dieses scheitert, ist das gesamte investierte Kapital verloren. Eine Streuung über mehrere Projekte und Anlageklassen reduziert das Risiko, auch wenn sie Verluste nicht ausschließen kann.
Auch die Nachrangigkeit des Darlehens wird oft ignoriert. Viele Anleger sind sich nicht bewusst, dass sie im Insolvenzfall als letzte bedient werden und ihr Geld möglicherweise gar nicht zurückerhalten. Wer auf einen schnellen Wiederverkauf der Beteiligung hofft, übersieht zudem, dass es keinen funktionierenden Zweitmarkt gibt.
Häufige Fehler und wie du sie vermeidest
08 · Hintergrund
Equity-based Crowdinvesting: Beteiligung mit echtem Eigenkapital
Neben dem partiarischen Nachrangdarlehen gibt es auch Modelle, bei denen du echtes Eigenkapital am Unternehmen erwirbst. Diese Form wird als Equity-based Crowdinvesting bezeichnet.
Beim Equity-based Crowdinvesting erhältst du als Investor echte Gesellschaftsanteile an dem Startup oder Unternehmen. Du wirst damit direkt am Eigenkapital beteiligt und profitierst im Erfolgsfall von einer Wertsteigerung deiner Anteile. Gleichzeitig bist du unmittelbar am Verlustrisiko beteiligt, wenn das Unternehmen an Wert verliert oder scheitert.
Für dich als Anleger bedeutet diese Form eine direktere Teilhabe am Unternehmen. Die Beteiligungsdauer ist bei Eigenkapitalinvestments in der Regel langfristig angelegt, ein vorzeitiger Ausstieg ist oft nur schwer möglich. Informiere dich vorab genau über die konkrete Ausgestaltung der Beteiligung.
Beim Equity-based Crowdinvesting erhältst du als Investor echte Gesellschaftsanteile an dem Startup oder Unternehmen. Du wirst damit direkt am Eigenkapital beteiligt und profitierst im Erfolgsfall von einer Wertsteigerung deiner Anteile.
Diese Form der Beteiligung ist im Vergleich zum Nachrangdarlehen seltener, da sie für die Unternehmen mit einem höheren administrativen Aufwand verbunden ist. Für dich als Anleger bedeutet sie eine direktere Teilhabe am Unternehmen, aber auch eine unmittelbare Beteiligung am Verlustrisiko.
Die Beteiligungsdauer ist bei Eigenkapitalinvestments in der Regel langfristig angelegt. Ein Verkauf deiner Anteile ist oft erst bei einem Exit des Unternehmens, also einem Verkauf oder Börsengang, möglich.
09 · Kosten
Steuern auf Erträge aus Crowdinvesting
Erträge aus deiner Crowdinvesting-Beteiligung sind steuerpflichtig. Wie sie besteuert werden, hängt von der konkreten Vertragsgestaltung ab.
In den meisten Fällen werden die Erträge als Einkünfte aus Kapitalvermögen behandelt und unterliegen der Abgeltungsteuer.
Die Abgeltungsteuer beträgt 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent auf die Abgeltungsteuer. Bevor die Steuer berechnet wird, kannst du deinen Sparer-Pauschbetrag von 1000 Euro pro Person und Jahr abziehen. Bei zusammenveranlagten Ehepaaren verdoppelt sich dieser Betrag auf 2000 Euro pro Jahr.
Beachte, dass die Besteuerung unabhängig davon erfolgt, ob du die Erträge tatsächlich ausgezahlt bekommst oder sie im Unternehmen verbleiben. Informiere dich im Zweifel bei einem Steuerberater über die für deinen Vertrag geltenden Regelungen.
Häufige Fragen
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