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FinanzbildungAktien9 Min.

Value vs. Growth Aktien Der Unterschied einfach erklärt – mit Beispielen für junge Anleger

Value oder Growth Aktien – was passt zu dir als Student? Unterschiede, Beispiele & Strategien einfach erklärt + kostenloser Vermögensaufbau-Rechner.

Value oder GrowthRechnerDefinition
Das Wichtigste in 30 Sekunden
  • Value Aktien sind Aktien, die gemessen an Fundamentaldaten (z. B. Kurs-Gewinn-Verhältnis, Kurs-Buchwert-Verhältnis) als unterbewertet gelten.
  • Typische Merkmale: stabile Gewinne, regelmäßige Dividenden, etablierte Geschäftsmodelle.
  • Value-Investing geht auf Benjamin Graham und Warren Buffett zurück – 'Kaufe einen Euro für 50 Cent'.
  • Value-Aktien performen oft besser in wirtschaftlichen Erholungsphasen und bei steigenden Zinsen.

Value oder Growth – was steckt wirklich hinter diesen zwei Anlage-Welten?

Value Aktien sind Aktien, die gemessen an Fundamentaldaten (z. B. Kurs-Gewinn-Verhältnis, Kurs-Buchwert-Verhältnis) als unterbewertet gelten.

Wer anfängt, sich mit Aktien zu beschäftigen, stolpert schnell über zwei Begriffe: Value Aktien und Growth Aktien. Beide sind legitime Anlagestrategien mit eigener Logik, eigenen Risiken und einer langen Geschichte. Der entscheidende Unterschied liegt darin, wofür du als Anleger:in bezahlst – für heutige Substanz oder für zukünftiges Wachstum.

Kurzantwort: Value Aktien sind Aktien, die gemessen an Kennzahlen wie dem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) oder dem Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) als unterbewertet gelten. Growth Aktien gehören zu Unternehmen, von denen überdurchschnittlich hohes Gewinn- oder Umsatzwachstum erwartet wird – ihr aktueller Preis spiegelt diese Erwartungen wider, nicht die heutige Ertragskraft. Für junge Anleger:innen kann ein diversifizierter ETF-Ansatz, der beide Stile enthält, ein sinnvoller Ausgangspunkt sein.

AUF EINEN BLICK

  • Typische Merkmale: stabile Gewinne, regelmäßige Dividenden, etablierte Geschäftsmodelle.
  • Value-Investing geht auf Benjamin Graham und Warren Buffett zurück – 'Kaufe einen Euro für 50 Cent'.
  • Value-Aktien performen oft besser in wirtschaftlichen Erholungsphasen und bei steigenden Zinsen.
  • Relevante Kennzahlen: KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis), KBV (Kurs-Buchwert-Verhältnis), Dividendenrendite.
Kennzahl (2026)Wert
Abgeltungsteuer25 %
Sparerpauschbetrag1.000 €
Soli auf die Steuer5,5 % (auf die Steuer)

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Definition & Merkmale: Substanz zu einem günstigen Preis

Growth Aktien sind Aktien von Unternehmen mit überdurchschnittlich hohem erwartetem Gewinn- oder Umsatzwachstum.

Value Aktien sind Aktien von Unternehmen, deren Börsenkurs nach Einschätzung des Marktes unterhalb ihres „inneren Wertes" liegt. Dieser innere Wert wird anhand von Fundamentaldaten ermittelt – also konkreten Kennzahlen aus Bilanz und Gewinn-und-Verlust-Rechnung. Ein niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), ein niedriges Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) oder eine überdurchschnittlich hohe Dividendenrendite sind typische Signale dafür, dass eine Aktie im Value-Bereich liegt. Die Grundidee: Irgendwann erkennt der Markt die Unterbewertung, und der Kurs steigt in Richtung des inneren Wertes – das ist die Renditequelle des Value-Investors.

Das Konzept des Value-Investings geht auf den Ökonomen Benjamin Graham zurück, der in den 1930er Jahren das Werk „Security Analysis" verfasste. Graham prägte das Bild des „Mr. Market" – eines launischen Handelspartners, der täglich Preise ausruft, die manchmal weit unter dem wahren Wert eines Unternehmens liegen. Sein bekanntester Schüler, Warren Buffett, fasste die Idee einmal so zusammen: „Kaufe einen Dollar für fünfzig Cent." Der Fokus liegt dabei nicht auf kurzfristiger Kursspekulation, sondern auf gründlicher Analyse des Unternehmens und einem langen Atem.

Typische Merkmale von Value-Unternehmen sind stabile, vorhersehbare Gewinne über mehrere Konjunkturzyklen hinweg, regelmäßige Dividendenzahlungen und ein etabliertes Geschäftsmodell mit klarer Marktposition. Man findet Value-Titel häufig in traditionellen Branchen: klassische Konsumgüter, Energieunternehmen, Banken und Versicherungen oder die Automobilindustrie. Diese Unternehmen wachsen oft langsamer als Tech-Konzerne, wirtschaften aber profitabel und verteilen Gewinne an ihre Aktionär:innen. Makroökonomisch performen Value-Aktien historisch besonders gut in wirtschaftlichen Erholungsphasen und in Zeiten steigender Zinsen – ein Zusammenhang, der zuletzt ab 2022 wieder deutlich sichtbar wurde.

AUF EINEN BLICK

  • Typische Merkmale: hohes Reinvestitionstempo, kaum oder keine Dividenden, oft höhere Bewertungen (hohes KGV).
  • Bekannte Sektoren: Technologie, Biotechnologie, erneuerbare Energien, SaaS-Unternehmen.
  • Growth-Aktien profitieren tendenziell von Niedrigzinsphasen, da zukünftige Gewinne stärker abdiskontiert werden.
  • Höheres Renditepotenzial, aber auch höhere Volatilität und Verlustrisiko.

Definition & Merkmale: Für Wachstum bezahlen, das erst noch kommt

Bewertung: Value = günstig relativ zu Fundamentaldaten; Growth = teuer relativ zu heutigen Gewinnen, aber Wachstumspotenzial eingepreist.

Growth Aktien gehören zu Unternehmen, von denen Analyst:innen und Märkte ein deutlich überdurchschnittliches Wachstum erwarten – sei es beim Umsatz, beim Gewinn oder bei der Marktdurchdringung. Der heutige Aktienkurs enthält bereits einen beträchtlichen Teil dieser Erwartungen: Man bezahlt gewissermaßen für eine Zukunft, die sich noch entfalten soll. Das erklärt, warum Growth-Aktien häufig sehr hohe KGVs aufweisen – manchmal dreistellig oder sogar negativ, wenn das Unternehmen noch Verluste macht, aber stark wächst.

Bekannte Sektoren im Growth-Bereich sind Technologie (Cloud-Software, Künstliche Intelligenz, Plattformunternehmen), Biotechnologie und Pharma in der Entwicklungsphase, SaaS-Unternehmen (Software as a Service) sowie erneuerbare Energien. Diese Unternehmen reinvestieren einen Großteil ihrer Einnahmen in Forschung, Entwicklung und Expansion – Dividenden zahlen sie selten oder gar nicht, weil jeder Euro für Wachstum benötigt wird. Der Anlagethese liegt die Überzeugung zugrunde, dass das Unternehmen in einigen Jahren so groß und profitabel sein wird, dass der heutige Preis rückblickend günstig wirkt.

Ein besonders wichtiger Zusammenhang betrifft das Zinsumfeld. Growth-Aktien reagieren stärker auf Veränderungen des allgemeinen Zinsniveaus als Value-Aktien. Das liegt daran, wie Finanzmodelle funktionieren: Zukünftige Cashflows werden mit einem Zinssatz auf den heutigen Wert abgezinst (Discounted-Cashflow-Methode). Je höher der Zinssatz, desto weniger sind weit in der Zukunft liegende Gewinne heute wert. In Niedrigzinsphasen – wie dem Jahrzehnt zwischen 2010 und 2021 – profitierten Growth-Aktien daher enorm. Umgekehrt erklärte der schnelle Zinsanstieg ab 2022 maßgeblich den deutlichen Kursrückgang vieler Wachstumstitel in diesem Zeitraum.

AspektWorauf es ankommt
Bewertung: Value = günstig relativ zu Fundamentaldaten; Growth = teuer relativ zu heutigen Gewinnen, aber Wachstumspotenzial eingepreist.,
Dividenden: Value-Titel zahlen häufiger Dividenden; Growth-Titel reinvestieren Gewinne.,
Risikoprofil: Value gilt als konservativerGrowth als spekulativer – beide tragen Marktrisiko.
Zinssensitivität: Growth-Aktien reagieren stärker auf Zinserhöhungen, weil zukünftige Cashflows stärker abgewertet werden.,
Tabelle empfohlen: Gegenüberstellung KGVKBV, Dividendenrendite, typische Branchen, Risikoprofil.

Bewertung, Dividenden, Risiko und Zinssensitivität im direkten Vergleich

Langfristig zeigen Studien (u. a. Fama/French 3-Faktor-Modell) eine historische Outperformance von Value-Aktien – der sogenannte 'Value Premium'.

Der offensichtlichste Unterschied liegt in der Bewertung: Eine Value-Aktie ist relativ günstig gemessen an dem, was das Unternehmen heute verdient oder an Substanz besitzt. Eine Growth-Aktie wirkt teuer, wenn man nur auf aktuelle Kennzahlen schaut – die Bewertung spiegelt jedoch das eingepreiste Wachstumspotenzial wider. Ein niedriges KGV ist kein automatisches Qualitätsmerkmal, und ein hohes KGV ist kein automatisches Warnsignal. Entscheidend ist immer die Frage: Rechtfertigt das Geschäftsmodell die Bewertung?

Bei Dividenden zeigt sich ein klares Muster: Value-Unternehmen schütten Gewinne häufig aus, weil sie intern keine ausreichend rentablen Reinvestitionsmöglichkeiten mehr haben. Für Anleger:innen bedeutet das regelmäßige Ausschüttungen, die in Deutschland der Abgeltungsteuer von 25 % plus Solidaritätszuschlag von 5,5 % auf die Steuer unterliegen. Growth-Unternehmen reinvestieren lieber: Jeder Euro, der ausgeschüttet würde, könnte intern – wenn das Unternehmen wirklich stark wächst – eine höhere Rendite erzielen. Für Anleger:innen bedeutet das: Keine laufenden Einnahmen, dafür die Hoffnung auf Kursgewinne.

Das Risikoprofil unterscheidet sich ebenfalls deutlich. Value-Aktien gelten gemeinhin als konservativer, weil die Substanz des Unternehmens einen gewissen Puffer nach unten bietet – man kauft ja bereits mit einem Abschlag. Growth-Aktien sind spekulativer, weil ein großer Teil der Bewertung auf Erwartungen basiert, die sich nicht erfüllen müssen. Verfehlt ein wachstumsstarkes Unternehmen die Prognosen auch nur geringfügig, kann der Kurs überproportional reagieren. Beide Stile tragen selbstverständlich das allgemeine Marktrisiko, das durch breite Diversifikation gemindert, aber nicht eliminiert werden kann.

Zinssensitivität ist vielleicht der am häufigsten unterschätzte Unterschied: Weil Growth-Aktien einen großen Teil ihrer Bewertung aus weit in der Zukunft liegenden Cashflows beziehen, reagieren sie auf Zinsveränderungen stärker als Value-Aktien, deren Erträge schon heute anfallen. Ein Anstieg des risikofreien Zinssatzes macht es teurer, auf zukünftige Gewinne zu warten – das drückt die Bewertung von Growth-Titeln strukturell stärker.

AUF EINEN BLICK

  • Im Zeitraum nach 2010 dominierten Growth-Aktien (Technologieboom); seit Zinsanstieg ab 2022 holte Value auf.
  • Wichtig: Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse (§ 4 WpHG-Disclaimer).
  • Faktorprämien (Value, Momentum, Quality) werden von institutionellen Anbietern wie Dimensional Fund Advisors systematisch genutzt.
  • Auch mit kleinen Beträgen ist ein faktorbasiertes ETF-Portfolio möglich – entscheidend ist der langfristige Anlagehorizont.

Historische Performance von Value vs. Growth Aktien – und was das für dich bedeutet

Value-Beispiele (keine Empfehlung): Unternehmen aus Energie, Banken, Automobil, Konsumgüter – oft DAX- oder Dow-Jones-Titel mit langer Geschichte.

Die akademische Finanzforschung hat sich intensiv mit dem Vergleich von Value- und Growth-Strategien beschäftigt. Das bekannteste Ergebnis stammt von Eugene Fama und Kenneth French, die in den frühen 1990er Jahren ihr Drei-Faktor-Modell vorstellten. Darin zeigten sie anhand langer historischer Datenreihen, dass Value-Aktien über sehr lange Zeiträume eine Mehrrendite gegenüber dem Gesamtmarkt erzielten – den sogenannten „Value Premium". Dieser Effekt wurde in zahlreichen Folgestudien für verschiedene Märkte und Zeiträume repliziert und ist bis heute ein zentrales Element der Faktorprämien-Forschung.

Gleichzeitig war das Jahrzehnt zwischen 2010 und 2021 von einer deutlichen Dominanz von Growth-Aktien geprägt. Der Technologieboom, rekordniedrige Zinsen und das Aufkommen disruptiver Plattformmodelle ließen Wachstumstitel – besonders im US-amerikanischen Markt – weit über den langfristigen Durchschnitt steigen. Value-Strategien wurden in dieser Phase von vielen Anleger:innen als „tot" abgeschrieben. Mit dem rapiden Zinsanstieg ab 2022 änderte sich das Bild jedoch spürbar: Value-Titel holten relativ auf, Growth-Aktien verloren erheblich an Boden.

Institutionelle Anbieter wie Dimensional Fund Advisors nutzen die wissenschaftlich dokumentierten Faktorprämien – darunter Value, Momentum und Quality – systematisch in ihren Investmentlösungen. Das zeigt: Das Wissen um diese Faktoren ist in der professionellen Vermögensverwaltung längst angekommen. Für Privatanleger:innen ist der wichtigste Merksatz jedoch folgender: Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse. Welcher Stil in den nächsten zehn Jahren besser abschneidet, lässt sich nicht sicher vorhersagen.

AUF EINEN BLICK

  • Growth-Beispiele (keine Empfehlung): Technologie-Plattformen, Cloud-Software-Anbieter, Biotechfirmen in der Wachstumsphase.
  • ETF-Zugang: Value-ETFs (z. B. auf MSCI World Value Index) und Growth-ETFs (z. B. MSCI World Growth Index) ermöglichen diversifizierten Zugang ohne Einzeltitelrisiko.
  • Für Einsteiger empfiehlt sich der Einstieg über breit gestreute ETFs, bevor Einzelaktien-Strategien umgesetzt werden.
  • Hinweis: Die Nennung von Indizes ist keine Anlageberatung; Risiken durch Konzentration in Sektoren beachten.

Value & Growth Aktien verstehen – und wie Einsteiger:innen investieren können

Zeithorizont entscheidet: Sparer:innen mit langem Anlagehorizont können kurzfristige Volatilität aussitzen – ein Vorteil beim Investieren.

Um die Konzepte greifbarer zu machen: Value-Aktien findet man typischerweise in Branchen mit langer Geschichte und stabiler Nachfrage – etwa Energieversorger, klassische Banken und Versicherungen, Automobilhersteller oder große Konsumgüterkonzerne. Viele Unternehmen im deutschen DAX oder im amerikanischen Dow Jones Industrial Average haben Value-Charakteristika: Sie sind seit Jahrzehnten profitabel, zahlen Dividenden und werden von Analyst:innen regelmäßig auf Unterbewertung geprüft. Diese Beispiele stellen ausdrücklich keine Kaufempfehlung dar – sie dienen der Veranschaulichung.

Growth-Aktien findet man dagegen häufiger in jüngeren, schnell wachsenden Branchen: Cloud-Softwareanbieter, die auf Abonnementbasis arbeiten, Biotechunternehmen kurz vor oder nach der Markteinführung neuer Therapien, Plattformunternehmen, die Netzwerkeffekte nutzen, oder Unternehmen im Bereich der erneuerbaren Energien. Auch hier gilt: Keine dieser Nennungen ist eine Empfehlung. Die Auswahl einzelner Growth-Aktien erfordert erhebliches Fachwissen, Zeitaufwand und eine hohe Risikobereitschaft – Fehleinschätzungen können zu empfindlichen Verlusten führen.

Für Einsteiger:innen bieten ETFs einen deutlich niederschwelligeren Zugang. Auf den MSCI World Value Index oder den MSCI World Growth Index gibt es inzwischen kostengünstige Indexfonds, die jeweils das entsprechende Stilsegment des globalen Aktienmarkts abbilden. Diese ETFs streuen das Einzeltitelrisiko über Hunderte von Unternehmen – ein entscheidender Vorteil gegenüber der Wette auf einzelne Aktien. Wer noch breiter diversifizieren möchte, greift zu einem Standard-MSCI-World- oder MSCI-ACWI-ETF, der automatisch beide Stile enthält und kein aktives Rebalancing erfordert.

AspektWorauf es ankommt
Zeithorizont entscheidet: Sparer:innen mit langem Anlagehorizont können kurzfristige Volatilität aussitzen – ein Vorteil beim Investieren.,
Sparrate & Liquiditätsbedarf: Notgroschen (3–6 Monatsausgaben) sichern, bevor investiert wird.,
Core-Satellite-Ansatz: Breiter Welt-ETF als Kern (enthält Value und Growth), gezielte Faktor-ETFs als Satelliten.,
Kein Market-Timing: Regelmäßiger Sparplan statt Versuch, 'günstigen' Einstieg zu finden – Kostendurchschnittseffekt nutzen.,
Behavioral Finance: Growth-Aktien verleiten zu Overconfidence; Value-Aktien erfordern Geduld. Beide Strategien brauchen Disziplin.,

Value, Growth oder beides – was macht für Anleger:innen Sinn?

Kapitalerträge aus Aktien unterliegen der Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag (ggf. Kirchensteuer).

Der wichtigste Vorteil von Anleger:innen mit langem Anlagehorizont ist Zeit. Wer mit 20 oder 22 Jahren anfängt zu investieren und einen Anlagehorizont von 30 oder mehr Jahren hat, kann kurzfristige Kursschwankungen aussitzen, ohne in die Bredouille zu geraten. Kursdellen, wie sie 2022 beim Growth-Segment auftraten, sind für langfristige Sparer:innen weniger dramatisch als für jemanden, der kurz vor dem Ruhestand steht. Dieser Zeitvorteil ist eine der wichtigsten Grundlagen für eine erfolgreiche Anlagestrategie.

Bevor jedoch der erste Euro in Aktien oder ETFs fließt, sollte ein Notgroschen von drei bis sechs Monatsausgaben auf einem Tages- oder Festgeldkonto stehen. Dieser Puffer stellt sicher, dass bei unerwarteten Kosten – Reparatur, Umzug, Krankheit – keine Wertpapiere zu einem ungünstigen Zeitpunkt verkauft werden müssen. Für alle, die beispielsweise ein geringes oder schwankendes Einkommen haben oder Unterstützung von der Familie erhalten, lohnt sich eine ehrliche Analyse der monatlichen Einnahmen und Ausgaben, bevor eine feste Sparrate festgelegt wird.

Ein bewährtes Konzept für Einsteiger:innen ist der sogenannte Core-Satellite-Ansatz: Im Kern des Portfolios steht ein breit gestreuter Welt-ETF (z. B. auf den MSCI World oder FTSE All-World), der sowohl Value- als auch Growth-Titel enthält. Als Satelliten können gezielte Faktor-ETFs hinzugefügt werden – etwa ein Value-ETF für langfristige Faktorprämien oder ein Quality-ETF. Wichtig: Der Kern sollte den Löwenanteil ausmachen, die Satelliten dienen der Feinsteuerung, nicht der Spekulation.

Market-Timing – also der Versuch, den optimalen Ein- oder Ausstiegszeitpunkt zu finden – ist selbst für erfahrene Profis kaum zuverlässig möglich. Für Anleger:innen empfiehlt sich stattdessen ein regelmäßiger Sparplan, der monatlich automatisch kauft. Der sogenannte Kostendurchschnittseffekt (Cost Averaging) bedeutet: Bei hohen Kursen kauft man automatisch weniger Anteile, bei niedrigen mehr – ohne dass eine bewusste Entscheidung nötig ist. Das reduziert das psychologische Risiko, zum falschen Zeitpunkt zu kaufen oder zu verkaufen.

AUF EINEN BLICK

  • Sparerpauschbetrag: Freistellungsbetrag pro Person
  • Verlustverrechnung: Aktienverluste können nur mit Aktiengewinnen verrechnet werden (§ 20 EStG), nicht mit anderen Kapitalerträgen.
  • Vorabpauschale bei thesaurierenden ETFs: Bereits vor Verkauf kann eine Steuerpflicht entstehen – wichtig für Sparplan-Sparer.
  • Freistellungsauftrag beim Broker rechtzeitig einrichten, um automatische Quellensteuer zu vermeiden.

Was Sparer:innen in Deutschland steuerlich wissen müssen

Schritt 1: Finanzielle Situation analysieren – Einnahmen (Gehalt, Rente, Nebeneinkünfte), Ausgaben, Sparrate.

Kapitalerträge aus Aktien – also Dividenden und realisierte Kursgewinne – unterliegen in Deutschland der Abgeltungsteuer. Der Satz beträgt pauschal 25 %, hinzu kommen 5,5 % Solidaritätszuschlag auf den Steuerbetrag sowie gegebenenfalls Kirchensteuer. Konkret bedeutet das: Auf 100 Euro Gewinn fallen 25 Euro Abgeltungsteuer an, plus 1,375 Euro Soli – also rund 26,38 Euro ohne Kirchensteuer. Die Steuer wird in der Regel direkt von der Depotbank einbehalten und an das Finanzamt abgeführt.

Für Sparer:innen besonders relevant ist der Sparerpauschbetrag: Kapitalerträge bis zu 1.000 Euro pro Person (2.000 Euro bei gemeinsam veranlagten Ehepaaren) bleiben jährlich steuerfrei. Um diesen Freibetrag zu nutzen, muss bei der Depotbank ein Freistellungsauftrag gestellt werden. Wer mehrere Depots bei verschiedenen Banken hat, kann den Betrag aufteilen – die Gesamtsumme darf jedoch 1.000 Euro nicht übersteigen. Wer wenig investiert und unterhalb dieser Grenze bleibt, zahlt auf Kapitalerträge keine Steuer.

Ein wichtiger, häufig übersehener Punkt betrifft thesaurierende ETFs, also Fonds, die Erträge nicht ausschütten, sondern reinvestieren. Hier greift die sogenannte Vorabpauschale: Bereits vor dem Verkauf des ETF kann jährlich eine geringe Steuerpflicht entstehen, die auf einem fiktiven Mindestgewinn basiert. Für Sparplan-Sparer:innen bedeutet das, dass das Depot ausreichend Liquidität vorhalten muss, damit die Bank die Steuer abführen kann – oder dass das Girokonto entsprechend gedeckt ist. Die genaue Berechnung der Vorabpauschale hängt vom Basiszins des jeweiligen Jahres ab, der von der Deutschen Bundesbank festgelegt wird.

Bei der Verlustverrechnung gilt eine Besonderheit: Verluste aus dem Verkauf von Aktien können ausschließlich mit Gewinnen aus dem Verkauf von Aktien verrechnet werden, nicht mit Zinserträgen oder Fondsgewinnen (§ 20 EStG). Wer also in einem Jahr Verluste aus Einzelaktien realisiert, kann diese nicht sofort gegen ETF-Gewinne aufrechnen. Diese Einschränkung ist bei der Portfolioplanung zu bedenken, besonders wenn ein gemischtes Portfolio aus Einzeltiteln und Fonds gehalten wird.

AUF EINEN BLICK

  • Schritt 2: Notgroschen aufbauen, bevor Aktien-Investment startet.
  • Schritt 3: Anlagestrategie festlegen – Value, Growth oder gemischter ETF-Ansatz.
  • Schritt 4: Vermögensaufbau-Rechner nutzen, um zu sehen, wie sich regelmäßige Sparraten langfristig entwickeln können.
  • Schritt 5: Strategie dokumentieren und mindestens jährlich überprüfen – kein ständiges Umschichten.

In vier Schritten zum eigenen Vermögensaufbau-Plan

Der erste Schritt ist eine ehrliche Bestandsaufnahme der eigenen Finanzsituation. Wie hoch sind die monatlichen Einnahmen – aus Gehalt, selbstständiger Arbeit, Rente oder anderen regelmäßigen Bezügen? Welche fixen und variablen Ausgaben stehen dem gegenüber? Wer diese Zahlen kennt, kann eine realistische Sparrate festlegen, die zum Lebensalltag passt und nicht zu finanzieller Anspannung führt.

Im zweiten Schritt sollte – bevor Geld in Aktien oder ETFs fließt – der Notgroschen aufgebaut oder gesichert werden. Drei bis sechs Monatsausgaben auf einem liquiden, sicheren Konto geben die Freiheit, kurzfristige Krisen zu überbrücken, ohne das Depot anfassen zu müssen. Erst wenn dieser Puffer steht, macht ein langfristiges Investment in Wertpapiere wirklich Sinn.

Schritt drei ist die Wahl der Anlagestrategie. Soll der Fokus auf Value-ETFs liegen, weil man die Faktorprämien langfristig nutzen möchte? Oder auf einem breiten Welt-ETF, der automatisch beide Stile diversifiziert abdeckt? Die Entscheidung hängt von der Risikobereitschaft, dem Zeithorizont und dem Interesse an der Materie ab. Wichtig: Eine einfache, konsistente Strategie, die man langfristig durchhält, schlägt die komplizierteste Strategie, die beim ersten Kurssturz aufgegeben wird.

Im vierten Schritt lohnt sich der Blick auf konkrete Zahlen: Wie entwickelt sich ein regelmäßiger Sparplan über zehn, zwanzig oder dreißig Jahre? Welchen Unterschied macht eine etwas höhere monatliche Rate, und wie wirken sich unterschiedliche angenommene Renditen auf das Endvermögen aus? Genau dabei hilft ein interaktiver Vermögensaufbau-Rechner, der die eigenen Eingaben in nachvollziehbare Szenarien übersetzt.

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Häufige Fragen

Value-Aktien sind Aktien von Unternehmen, die im Verhältnis zu ihrem fundamentalen Wert wie Gewinn oder Buchwert günstig bewertet erscheinen, während Growth-Aktien von Unternehmen stammen, deren Gewinne und Umsätze überdurchschnittlich wachsen sollen, weshalb sie oft höhere Bewertungen aufweisen. Einfach gesagt: Value-Anleger suchen nach Schnäppchen, Growth-Anleger nach zukünftigen Gewinnbringern.

Value-Aktien gelten nicht automatisch als sicherer als Growth-Aktien, denn auch sie können stark schwanken und in eine sogenannte Value-Falle geraten. Historisch betrachtet zeigten Value-Aktien jedoch in manchen Marktphasen eine geringere Volatilität, aber Sicherheit hängt immer vom einzelnen Unternehmen und der Marktlage ab.

Typische Kennzahlen zur Unterscheidung sind das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) und die Dividendenrendite, wobei Value-Aktien meist niedrigere KGVs und KBVs sowie höhere Dividendenrenditen aufweisen. Growth-Aktien zeichnen sich dagegen durch hohe Umsatz- und Gewinnwachstumsraten sowie oft höhere Kurs-Umsatz-Verhältnisse aus.

Ja, als privater Anleger kannst du grundsätzlich in beide Aktienarten investieren, sofern du ein Wertpapierdepot eröffnet hast und über ausreichend Kapital verfügst. Beachte jedoch, dass du als Anleger mit kleinerem Budget oft weniger Geld zur Verfügung hast, weshalb sich ein breit gestreuter ETF oder ein Sparplan anbieten kann, um das Risiko zu verteilen.

Es gibt kein pauschales Besser, denn beide Stile können je nach Marktphase unterschiedlich abschneiden, und eine Kombination aus Value- und Growth-ETFs kann dein Portfolio diversifizieren. Wenn du unsicher bist, kann ein breiter Welt-ETF, der beide Stile abdeckt, eine einfache und kostengünstige Lösung sein.

Historisch betrachtet haben Value-Aktien über sehr lange Zeiträume in vielen Märkten eine höhere Rendite als Growth-Aktien erzielt, aber es gab auch lange Phasen, in denen Growth klar überlegen war, wie etwa in den 2010er-Jahren. Die Wertentwicklung hängt stark vom wirtschaftlichen Umfeld, Zinsen und technologischen Trends ab, daher gibt es keine Garantie für die Zukunft.

In Deutschland unterliegen Gewinne aus Aktien der Abgeltungsteuer von 25 Prozent, zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer, wobei ein jährlicher Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro für Alleinstehende gilt. Diese Steuer wird automatisch von deiner Bank einbehalten, sofern dein Freistellungsauftrag vorliegt.

Eine Value Trap ist eine Aktie, die auf den ersten Blick günstig erscheint, aber dauerhaft im Wert fällt, weil das Unternehmen strukturelle Probleme hat, etwa schrumpfende Märkte oder veraltete Geschäftsmodelle. Du erkennst sie, indem du auf sinkende Gewinne, hohe Verschuldung und negative Branchentrends achtest, statt nur auf niedrige Kennzahlen zu schauen.

Quellen & Stand 09.07.2026

MS

StudySmarter-Redaktion

Finanz-Redaktion · StudySmarter
Marie macht Finanzthemen für Studierende verständlich – von der ersten Versicherung bis zum ersten Sparplan.

Redaktionell geprüft. Alle Zahlen mit Quellenangabe, Stand 09.07.2026. Dieser Artikel ist Finanzbildung – keine Rechts- oder Steuerberatung.

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